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Blu-ray Rezension: „Der wilde Planet“

Von , 28. September 2018 13:40

Auf dem Planeten Ygam leben die riesigen, blauen Draags. Einst brachten sie vom Planeten Terra die im Vergleich zu ihnen winzigen Menschen mit. Diese nennen sie Oms und nutzen sie als Haustiere. Nach dem Tod seiner Mutter wird der Om-Junge Terr von dem Draag-Mädchen Tiwa mitgenommen und dient ihr als Spielzeug, das sie hegt und pflegt. Terr nimmt dabei auch an den Schulstunden Tiwas teil und erlernt so das Wissen der Draags. Eines Tages flieht Terr und trifft auf „wilde“ Oms, die von den Draags wie Ungeziefer behandelt und beseitigt werden. Ausgerüstet mit dem Wissen der Draags führt Terr die wilden Om in eine Rebellion…

Der wilde Planet“ ist ein Kultfilm. Zusammen mit den Werken von Ralph Bakshi gehört er zu einer fast vergessenen Kunst: Einem Animationsfilm für Erwachsene, der weit entfernt von dem ist, was Disney einst in die Kinos pumpte. Nicht auf Perfektion und sauberes Entertainment für die Kleinen getrimmt, sondern rau, subversiv und durchaus brutal. Verankert im Underground und subversiver Kunst. Wenn in „Der Wilde Planet“ ein seltsames Wesen erst sein Junges liebkost und dann auffrisst, oder gleich zu Beginn eine Om-Mutter durch übermütiges Spiel junger Draags vor den Augen seines Kindes getötet wird, dann ist das sicher nichts, was die lieben Kleinen im Nachmittagsprogramm erwarten würden. Aber genau dort wurde „Der wilde Planet“ in den 80er Jahren gezeigt, denn damals galt bei den Rundfunk-Verantwortlichen scheinbar noch die Gleichung Trickfilm = Kinderkram.

Damals hieß der Film bei uns noch „Der phantastische Planet“. Und der Planet Ygam auf dem der Film spielt ist fürwahr phantastisch. Voller seltsamer, bizarrer Wesen, welche der überbordenden Fantasie des französischen Autors Roland Topor entspringen. Voller Farben und Töne. Gefahren und Gewalt. Aber auch Fürsorge und Spiritualität. Der Originaltitel „La Planète sauvage“ bezieht sich jedoch nicht auf Ygam, den Heimatplanet der Draag, sondern auf den Mond des Planeten. Ein geheimnisvoller Sehnsuchtsort der Oms, die dorthin flüchten wollen, um dem von den Draag geplanten Genozid an ihnen zu entkommen. „Der wilde Planet“ birgt allerdings Geheimnisse, die am Ende für die Zukunft sowohl der Oms, als auch der Draags von größter Wichtigkeit werden.

„Der wilde Planet“ wurde vom Rolling Stone zu einem der besten Animationsfilmen aller Zeiten gewählt (Platz 36) und erhielt 1973 den Spezial-Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Entsprungen ist der Film (basierend auf dem 1957 erschienen Roman „Oms en Série“ von Pierre Pairault aka „Stefan Wul“) dem Geist zweier höchst interessanter Menschen. Einmal dem des großen Roland Topor, der hier für das Design des Filmes zuständig war,und der zusammen mit Fernando Arabal und Alejandro Jodorowsky der surrealistischen „Panic Movement“ angehörte. Seine Wurzeln in diesem Umfeld merkt man den eigenartigen Lebewesen an, welche die Parks der Draags bevölkern. Diese erinnern an die bizarren Animation des jungen Terry Gilliam aus seinen frühen Monty-Pythons-Tagen. Dazu trägt aber auch der Stil des zweiten Geistes – dem des Regisseurs René Laloux – bei, welcher eher statisch angelegt ist und oftmals den Eindruck erweckt, hier würden lediglich ausgeschnittene Papierfiguren hin und her bewegt werden. Was zur allgemeinen Seltsamkeit und Verfremdung des Filmes beiträgt. Regisseur René Laloux arbeite ursprünglich in einer psychiatrischen Klinik, wo er auch zusammen mit den Patienten seine ersten Animationsfilme realisierte. Mit Topor bildet er hier ein kongeniales, sich gegenseitig befruchtendes Team, welches eine uns ebenso fremde, wie aber auch irgendwie vertraute Welt schaffen. Denn wenn man den ersten Schock darüber, dass die Mutter des kleinen Terr zu Beginn des Filmes von einer Gruppe Draag-Kinder beim Spiel und aus Versehen getötet wurde, muss man nicht lange nachdenken, um in den Draag-Kindern unschuldig-grausamen Menschenkinder zu erkennen, die aus Neugierde den Fliegen die Flügel ausreißen oder Ameisen mit der Lupe verbrennen.

Jetzt könnte man „Der wilde Planet“ recht einseitig als überdeutlichen Aufruf zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Tier und Natur verstehen, bei dem zur besseren Anschauung die Tiere einfach durch Oms und die Menschen mit Draags ausgetauscht wurden. Doch dies würde zu kurz greifen, denn der metaphernreiche Film arbeitet auch auf anderen Ebenen. Der gedankenlose Genozid der Draags an den Oms, der plakativ als „Säuberung“ verstanden wird, weckt düstere Erinnerungen an den Holocaust, der Unterschied zwischen „Haus-Oms“ und „wilden Oms“ an die Zeit der Sklaverei oder den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern. Themen wie Freiheit, Rebellion – aber auch die große Macht der Bildung werden angesprochen.

Interessant ist in dieser Hinsicht auch, dass die Draags nicht per se als Bösewichte verteufelt werden, sondern ihr grausames Handeln lediglich einem Nicht-Bewusstsein dafür entspringt, dass andere Lebewesen ebenfalls Gefühle, ja eine Seele haben. Erst als die Oms es schaffen, diesen Gedanken durch Gewalt in die Köpfe der Draags zu pflanzen, begreifen diese, dass es schon ein Unterschied ist, sich einen kleinen Om als Spielzeug zu halten oder beispielsweise eine Blume zu pflücken und in eine Vase zu stecken. Die Aussage des Films, dass einem friedlichen Zusammenleben erst ein Akt der Gewalt voran gehen muss, kann man dabei gewiss kontrovers diskutieren.

Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Filmes und seiner seltsamen, außerweltlichen Atmosphäre trägt der großartige Soundtrack bei, den der französische Jazzpianist und Chanson-Komponist Alain Goraguer komponierte. Diese langsamen, irgendwie unheimlichen, aber zugleich faszinierend-hypnotischen elektrischen Töne unterstützen bestens diese nicht ganz greifbare, einzigartige Stimmung des Filmes, welche noch lange nach dem Abspann im Zuschauer widerhallt. Insbesondere das Stück „Déshominisation (I)“ wird man so schnell nicht wieder los.

Hätte man eine Soundtrack-CD mit ins vorbildliche Mediabook gelegt, wäre dies das Sahnehäubchen auf einer tollen Veröffentlichung gewesen. Aber auch so kann man Camera Obscura nur loben. Besser geht es (fast) nicht. Das Bild der Blu-ray ist hervorragend. Zudem hat Camera Obscura dem Film noch eine neue Farbkorrektur gegönnt. Neben der eher bläulich angehauchten Criterion-Collection-Version von 2016, kann man jetzt noch eine aktuelle Version von 2018 wählen, die die Farben etwas natürlicher zum Strahlen bringt. Welche man bevorzugt, liegt dann ganz in der Hand des Zuschauers. Man kann auch die Versionen während des Filmes wechseln. Der Ton ist auch kristallklar, was vor allem der oben angesprochen Musik von Alain Goraguer zugute kommt. Auch an Extras mangelt es nicht. Neben einem sehr informativen und interessant zu lesenden 12-seitigen Booklet von Prof. Dr. Stiglegger, befindet sich im Mediabook noch eine Bonus-DVD mit vier Kurzfilme von René Laloux: „Les Escargots“ (1965, mit Topor), „Les Temps Morts“ (1964, ebenfalls mit Topor), „Les Dents du singe“ (1960) und „Comment Wang-Fô fut sauvé“ (1987). Ferner enthält die Bonus-DVD noch die 26-minütige Dokumentation „Laloux Sauvage“ über Regisseur René Laloux und das knapp einstündige Portrait „Topors Träume“ über Roland Topor. Auf einer dritten DVD ist für alle, die keinen Blu-ray-Player ihr eigen nennen noch einmal der Hauptfilm. Leider konnte ich diese DVD bei mir nicht abspielen, weil bei mir scheinbar vergessen wurde, diese mit Inhalt zu füllen. Das dürfte aber auch nur bei meinem Rezi-Exemplar der Fall sein. Deshalb muss ich leider auch auf Screenshots verzichten. Insgesamt also eine ganz tolle Veröffentlichung eines ganz besonderen Films.

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 28. Oktober 2017 12:15

Erstmals war ich auch an einem Sonntag in Oldenburg. Die Jahre zuvor hatte ich auf diesen Tag immer verzichtet, um mich Zuhause von dem Film-Marathon zu erholen, bevor es Montags wieder ins Büro geht. Diesmal aber hatte ich den Sonntag schon für R.P. Kahls „A Thought of Ecstasy“ reserviert, für den es ja zu meiner großen Enttäuschung aber keine Karten mehr gab. Da jetzt der Sonntag schon einmal fest eingeplant war, disponierte ich eben um. Und als ich sah, dass noch einmal „Junk Head“ lief, den ich zuvor verpasst hatte, war klar, wie mein neuer Plan aussah. Unterwegs war ich wieder mit einem Weird-Xperience-Partner Stefan, der diesmal auch die Chauffeurs-Rolle übernahm. In Oldenburg trennten wir uns dann, den während ich mich für den irischen Gefängnisausbruchs-Film „Maze“ im cineK-Studio entschieden hatte, ging Stefan in den indonesischen Film „Marlina the Murderer in Four Acts“, was im Nachhinein auch die bessere Wahl war, obwohl „Maze“ nun wahrlich nicht schlecht war.

MAZE – „Maze“ beruht auf wahren Ereignissen und zeigt den Massenausbruch von 38 IRA-Kämpfern aus einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Wenn man so will, könnte man „Maze“ als so etwas wie das Sequel zu Steve McQueens preisgekrönten Drama „Hunger“ bezeichnen, denn er schließt direkt an die dort gezeigten Ereignisse an. Die Hauptfigur Larry Marley, welche in der Folge das Mastermind hinter dem Ausbruch werden soll, gehörte nämlich ebenfalls zu den IRA-Kämpfern, die sich in britischer Haft zu Tode gehungert haben. Nur, dass Marley diese Aktion überlebte, weshalb er an großen Schuldgefühlen leidet und Opfer gezielter Beleidigungen sowohl der britischen, als auch der irischen Seite wird. Denn nach seiner Einlieferung in das Hochsicherheitsgefängnis, muss er feststellen, dass britische und irische Häftlinge in einem Block untergebracht sind, was zu massiven Streitigkeiten und Spannungen führt.

Regisseur Stephen Burke nimmt dies aber nicht zum Anlass für spektakuläre und blutige Szenen, sondern inszeniert seine Geschichte ruhig und manchmal etwas unterkühlt. Dabei konzentriert er sich ganz auf die Beziehung zwischen dem brillant von Tom Vaughan-Lawlor verkörperten Larry Marley und dem Gefängniswärter Gordon Close, den Marley skrupellos für seine Zwecke ausnutzt. Wobei Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3'»

DVD-Rezension: „Jin-Roh“

Von , 2. Mai 2014 22:42

jin-roh10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg hat Japan einen unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Doch dies hat auch seinen Preis: Immer mehr Menschen ziehen in die Städte und in den Elendsvierteln ist die normale Polizei bald nicht mehr Herr der Lage. In dieser Situation wird eine Spezial-Einheit gegründet: Die „Wolfsbrigade“. Sie räumt in den Elendsviertel mit harter Hand und umfassenden Befugnissen ausgestattet auf. Es kommt zu immer brutaler werdenden Schlachten zwischen „Wolfsbrigade“ – die sich auch innenpolitisch viele Feinde macht – und Aufständischen, die sich „Die Sekte“ nennen. Bei einem dieser Zusammenstöße, wird der Elite-Polizist Fuse Zeuge, wie sich ein junges Mädchen, die als sogenanntes „Rotkäppchen“ die Sekte mit Bomben versorgt, sich vor ihm in die Luft sprengt. Fuse überlebt leicht verletzt, doch das Ereignis scheint etwas in ihm ausgelöst zu haben…

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Als die Anime-Welle Mitte der 90er zunächst zaghaft nach Deutschland schwappte, war ich fasziniert von den japanischen Zeichentrickfilmen, die so ganz anders waren, als das, was ich aus meiner Disney-beeinflussten Kindheit kannte. Ich kaufte mir die damals für teures Geld die in schmalen Bändchen erschienene „Crying Freeman“-Reihe und und besorgte mir aus England importierte Videos, wie den „berüchtigten“ „Legend of the Overfiend„. Bald schon entdeckte ich eine Videothek in der Neustadt, die massenhaft Animes im Keller hortete und zog mir die ganzen – damals dort erhältlichen – Klassiker wie „Appleseed„, „Ninja Scroll„, „Wicked City“ uvm. rein. Als dann der Markt mit Mangas und Animes überschwemmt wurde und sich plötzlich jeder für die japanischen Comics interessierte, erlahmte mein Interesse so plötzlich, wie es gekommen war. Ob ich einfach übersättigt oder ein wenig snobistisch war, möchte ich jetzt nicht näher ergründen. Ab und zu lief mir noch einmal ein Anime über den Weg, letztmalig beim Japanischen Filmfest in Hamburg 2006, wo ich „Paprika“ von Satoshi Kon (an dem übrigens auch „Jin-Roh“-Regisseur Hiroyuki Okiura als Animator mitarbeitete) sah, der mir zwar sehr gut gefiel, mich aber nicht wieder mit dem Anime-Virus infizierte. Selbst bei unserem „Phantastival„, welches zum Abschluss immer Animes zeigte, nutzte ich diesen Programmpunkt, um mich vorzeitig zu verabschieden, und mich nach langen Festivaltagen wieder um meine Familie zu kümmern. Nun habe ich also mal wieder einen Anime gesehen und mir dazu einen echten Klassiker ausgesucht :“Ji-Roh“ von Hiroyuki Okiura, nach einem Drehbuch von Mamoru Oshii. Und dieser hat es geschafft, mich wieder für das Genre zu begeistern.

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Mamoru Oshii ist eine legendäre Gestalt im Anime-Bereich. Sein bekanntester Film dürfte der immens einflussreiche „Ghost in the Shell“ sein. Dabei lernte er Hiroyuki Okiura kennen, der dort als als Animator, Character Designer und Key Animation Supervisor arbeitete. Oshii war so begeistert von der Arbeit, des scheinbar nicht gerade einfachen und dickköpfigen Okiura, dass er ihm die Regie für sein nächsten Projekt, eben „Jin-Roh“, übertrug. Dieser beruht auf zwei Realfilmen, die Oshii Ende der 80er und Anfang der 90er gedreht hatte: „The Red Specticals“ und „Stray Dog„. Beide handeln von einer schwer gepanzerten Eliteeinheit der Polizei, die aber wegen ihrer Brutalität aufgelöst wird und deren Mitglieder eingesperrt oder aus dem Land gejagt werden. Okiura nahm an, aber nur unter der Bedingung, dass auf Basis der beiden Realfilme eine völlig neue Geschichte erzählt wird. So entstand „Jin-Roh“ und aus der Kerberos-Einheit der beiden Vorgänger wurde die „Wolfs-Brigade“, die sich ebenfalls nicht gerade durch Zimperlichkeit hervortut. Zudem wurden „Rotkäppchen“- und „Wolf in Menschengestalt“-Metaphern eingebaut. Die zentrale Frage lautet nun: Was macht einen Mensch zum Menschen?

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Das Drehbuch schlägt dabei immer wieder Haken. Zahlreiche Fraktionen treten auf und arbeiten gegeneinander. Intrigen und Täuschungen prägen das Bild. Bald weiß man nicht mehr, wer auf wessen Seite steht, wer für wen arbeitet und welche geheime Agenda die einzelnen Charaktere verfolgen. Vor allem aber ist nicht klar, wer ist Wolf und wer ist Mensch. Beziehungsweise, kann ein Wolf wieder zum Menschen werden? Hier kommt das „Rotkäppchen“ ins Spiel, welches möglicherweise vom Wolf in die Falle gelockt wird und nicht erkennt, dass es nicht die Großmutter, sondern ihren Killer vor Augen hat. Oder kann der Wolf am Ende Mitleid für das Rotkäppchen empfinden und gegen seine Natur angehen? Mit fortschreitender Handlung wird diese Frage immer wichtiger und sorgt für die große Spannung, die „Jin-Roh“ inne wohnt. Wenn dann am Ende alle Masken gefallen sind, kann die Antwort nur eine zutiefst erschütternde sein. Trotz seiner beeindruckenden Action-Sequenzen und dem großen Blutbad, in dem der Film am Ende versinkt, ist „Jin-Roh“ nämlich ein sehr melancholischer und zutiefst trauriger Film, um den bösen Wolf, der nicht aus seiner Haut kann und dem kleinen Mädchen, das trotzdem noch an das Gute in jedem Lebewesen glaubt.

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Die Geschichte wird visuell hervorragend umgesetzt. Andere Produktionen, die damals zeitgleich erschienen sind, mögen technisch brillanter und detailreicher sein, doch „Jin-Ro“ besticht gerade durch eine raue Dynamik seiner Bilder. Die Actionszenen sind von großer Kraft und lassen einen, auch durch die gelungene Montage, teilweise atemlos zurück. Nebenbei streut Okiura wiederholt fantasievolle Traumsequenzen ein, die immer wieder das Thema „Wolf/Mensch“ aufnehmen und die die Geheimnisse der Protagonisten und ihre späteren Schicksale bereits symbolisch vorweg nehmen.

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„Jin-Roh“ zählt zurecht zu den Klassikern des Anime-Genres. Die spannende, wendungsreiche Geschichte wird mit vielen philosophischen Fragen unterfüttert. Die gut umgesetzten Animationen erreichen vielleicht nicht ganz die Perfektion anderer Prestige-Produktionen, gleichen dies aber durch eine hohe Dynamik und Fantasie aus.

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Die DVD von Splendid hat ein gutes, aber nicht brillantes Bild. Die deutsche Synchronisation ist sehr professionell ausgefallen und man hört viele bekannte Sprecher. Zusätzlich ist aber auch die japanische Tonspur und Untertitel an Bord. Die Extras sind auf eine zweite DVD gepackt worden Dabei sind insbesondere die Statements des Autoren und Produzenten Mamoru Oshii und Regisseur Hiroyuki Okiura im 39-minütigen „Making-Of“ sehr interessant und aufschlussreich. Ferner sind enthalten ein 15-minütiges internationales Promo-Featurette, Trailer und TV-Spots, Originalskizzen und Animationsstudien.

Das Phantastival kommt! Vom 22.-25. November im City 46

Von , 30. Oktober 2012 21:27

Phantastische Neuigkeiten! Bremen hat dieses Jahr sein eigenes phantastisches Filmfestival!

Und da ich die große Freude habe, an der Konzeption und Durchführung aktiv mitzuarbeiten, ist es mir natürlich ein ganz besonderes Vergnügen, hier brandheiße Infos darüber zu posten.

Am Donnerstag, den 22. November, um 18:00 Uhr, geht es los mit „Masks“ (Deutschland, 2011, R: Andreas Marschall). Ein Giallo aus deutschen Landen? Aus dem letzten Jahr? Geht das? Und ob das geht! Andreas Marschall macht in seinem zweiten Langfilm die Balletschule aus „Suspiria“ kurzerhand zur Schauspielschule und der Spaß kann beginnen. Unterstützt von einer gelungenen Kameraarbeit, einem flotten Soundtrack und seiner attraktiven Hauptdarstellerin Susen Ermich wird dem Genre des italienischen Thrillers eine würdige Hommage erwiesen.

A Night of Nightmares“ (USA 2012, R: Buddy Giovinazzo, OF) erleben am Donnerstag, um 20:30 Uhr, ein Magazinherausgeber und seine Entdeckung Ginger, als sie ein Videointerview in einem Haus in den Bergen machen. Regisseur Giovinazzo („Combat Shock„) spielt dabei kräftig mit den Erwartungen der Zuschauer.

In der H.P. Lovecraft-Verfilmung »The Whisperer in Darkness« (USA 2011, R: Sean Branney, OF) werden am Freitag, um 18:00 Uhr die legendären Universal-Horrorfilme der 30er Jahre wieder zum Leben erweckt. Im Grenzbereich von Horror und Science Fiction, untersucht Professor Albert Wilmarth Legenden von seltsamen Kreaturen in den abgelegenen Bergen von Vermont.

Die Crew von „Zombies from Outer Space“ (D 2011, R: Martin Faltermeier, 95 Min.) wird am Freitag, den 23.11. um 20:30 zu Gast sein. In ihrem bajuwarischen Horror-Heimatfilm verbreiten grausige Funde toter Frauen Angst und Schrecken bei den bayrischen Dörflern. Nachdem ein Außerirdischer in einem Kornkreis gefunden wurde, beginnt der Aufstieg der Untoten, um die Menschheit zu vernichten.

„Weird Xperience“ ist am Freitag zur gewohnten Zeit um 22:30 Uhr mit dem bizarr-absurden Japan-Schocker »Vampire Girl vs Frankenstein Girl« vertreten und am Samstag erzählen, ebenfalls um 22:30 Uhr, 10 Kurzfilme »Dark Tales«.

Ein weiteres Highlight ist am Samstag, um 16:00 Uhr, der Vortrag des Medienwissenschaftler Florian Krautkrämer von der HBK Braunschweig, über die Theorie und Geschichte des Zombiefilms.

Goodbye Lenin!“-Star Daniel Brühl spielt am Samstag, um 18:00 Uhr, in dem spanischen retrofuturistischen Indie-Sci-Fi-Film »Eva« (Sp 2011, R: Kike Maíllo, OmengU) den Kybernetiker Alex, der im Jahr 2041 ein künstliches Geschöpf erschaffen will. Ein Experiment, das langsam, aber sicher, völlig außer Kontrolle gerät.

Stummfilm mit Live-Musik wird am Samstag, um 20:30 Uhr, präsentiert, wenn Ezzat Nashashibi und sein Gast Marc Pira den sowjetischen SF-Klassiker „Aelita – Der Flug zum Mars“ von 1924 (Regie: Jakow Protasanow) neu vertonen. Nach dem Roman von Alexej Tolstoj fliegen drei sowjetische Bürger zum Mars, stürzen dort das totalitäre Regime und gründen auf dem fernen Planeten eine neue Sowjetrepublik. Dabei verliebt sich der Ingenieur Losj in die Königstochter Aelita.

Drei japanische Filmen werden zum Abschluss des Phantastivals am Sonntag gezeigt: Um 18:30 Uhr „Symbol“ (Jap 2009, R: Hitoshi Matsumoto, OmU) ist eine bizarre Komödie, in der ein Mann in einem schneeweißen Raum aufwacht und in dem kleine Engelpenise eine große Rolle spielen.

Für die Animee-Fans gibt es um 20:30 Uhr das Double-Feature „Planzet“ (Jap 2010, R: Jun Awazu, OmengU), über die erste Marsstation im Jahr 2030, sowie der klassische Animationsfilm „The Asylum Session“ (Jap 2009, R: Takuto Aoki, OmengU).

Zum krönenden Abschluss können wir am Sonntag, um 18:15 Uhr, in einer Sondervorstellung als Deutschland-Premiere den brandneuen, direkt von der Viennale importierten, britische Neo-Giallo „Berberian Sound Studio“ von Peter Strickland zeigen. Darüber freuen wir uns natürlich ganz besonders. Im Jahre 1976 ist Gilderoy ein begnadeter und gefragter Tontechniker für Filmproduktionen. Er wird engagiert, wenn Regisseure für ihre Filme den perfekten Sound und die passenden Geräusche haben wollen. Deshalb bekommt er auch den Auftrag, für den italienischen Horror-Film-Meister Santini seinen neusten Film zu vertonen. Eine Aufgabe, die ihn an den Rand seines Verstandes bringt.

Das Filmtagebuch – Folge V – Marx und die Drachen

Von , 15. Juni 2010 15:12

Da sich im Bremer Kinoumfeld momentan nicht viel tut (der kommende Sommer und die WM sind daran wohl nicht ganz schuldlos), wollte ich diese – von mir in letzter Zeit etwas vernachlässigte – Kolumne wieder mit etwas Leben füllen.

Natürlich habe ich in den letzten Wochen wieder viel angeschaut, auch wenn es nur vom Sofa aus war. D.h., am Samstag hat es mich ganz spontan ins Kino gezogen. Und zwar war ich nach 5 Jahren Pause mal wieder im Cinestar. Ich muss es schon sagen: Ein sehr schönes, sehr sauberes Kino. Für Mainstream-Filme mit deutscher Synchronisation werde ich es mal im Auge behalten, auch wenn meine Vorlieben generell ja woanders liegen.

Nach einem kurzen Einkaufsbummel durch die Waterfront hatte ich die Idee, dass man sich doch noch gut den Film „Drachenzähmen leicht gemacht“ anschauen könne.

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