Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2022

Zwischen den Jahren ist traditionell die Zeit ein wenig inne zu halten und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Was für ein seltsames Jahr. Wir stecken immer noch in der Pandemie fest, aber irgendwie scheint sich jeder daran gewöhnt zu haben und das Ganze nicht mehr so recht ernst zu nehmen. Obwohl gerade in den letzten Wochen um mich herum gefühlt jeder/jede Zweite sich infiziert hat. Auch mich selber erwischte es im September bereits zum zweiten Mal. Allerdings war dies dank Impfungen im Gegensatz zu meiner Erkrankung am Anfang der Pandemie als es noch keine Impfmittel gab, ein regelrechter Spaziergang. Nervig, aber es hat mich diesmal nicht aus den Socken gehauen. Ein Blick in die Welt lässt einen auch nicht gerade rosig in die Zukunft blicken. Man kann manchmal den Eindruck erlangen, alles rast mit Vollgas auf einen finsteren Abgrund zu. Und die Menschheit entwickelt sich immer weiter zurück. Aber da ich solch dunkle Gedanken gar nicht die Oberhand gewinnen lassen möchte, setzte ich meinen letzten Rest Optimismus auf eine junge Generation, die in einer lebenswerten Zukunft leben möchte und sich von uns alten Säcken und psychopathischen „Führern“ dies nicht kaputt machen lassen möchte.

Aber kommen wir zu erfreulicheren. So viel wie in diesem Jahr habe ich in Bezug auf mein liebstes Hobby Film noch nie gemacht. Die nackten Zahlen: 7 Artikel für das „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“, 2 Artikel und die Hauptverantwortung als Chefredakteur für beide Ausgaben des „70 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ in diesem Jahr, und noch einmal zwei Artikel für „35-Millimeter-Sonderausgaben“. Und einen Podcast für die 35 Millimeter habe ich auch noch geschafft. Vier Booklets für die „Western All’Arrabbiata“-Reihe von Koch Film/Plaion (von denen zwei noch nicht veröffentlicht sind) (mit)geschrieben, sechs Audiokommentare für Ostalgica (mit Lars und Clemens, davon zwei noch nicht veröffentlicht) eingesprochen, vier Videofeatures für Ostalgica (drei noch nicht veröffentlicht) produziert, an einer großen 2-teilige Diskussionsrunde mit Andreas von Ostalgica, Lars und Clemens für den Offenen Kanal Magdeburg (und wahrscheinlich irgendwann auch als Extras auf einer Ostalgica-Veröffentlichung) teilgenommen, drei Beiträge in einer Buchveröffentlichung (dazu demnächst mal mehr, wenn ich es in den Händen halte) abgeliefert. 11 x Mit-Gastgeber bei Weird Xperience gewesen, Einführungen zusammen mit Stefan beim Deliria-Italiano-Forentreffen in Nürnberg und beim HyperHorrorHappening im City 46 gehalten. Dazu noch zwei große Veranstaltungen der neuen Reihe „Film & Konzert“ im Karo in Bremen-Walle mitverantwortet.

Reisen zum wunderbaren Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf, der unter strengen Hygienebedingungen endlich wieder stattfinden konnte. Gleiches gilt für das „Monster machen mobil“ in Hamburg, wo ich einen Traum verwirklichen und „Der weiße Hai“ von 35mm auf der großen Leinwand bewundern durfte. Nach Oldenburg zum Internationalen Filmfest, welches wieder stimmungsmäßig an Vor-Pandemie-Zeiten anschloss und schließlich wie jedes Jahr das große Highlight: Das 14. Deliria-Italiano-Forentreffen, welches zum zweiten Mal im schönen Nürnberg stattfand. Theoretisch hätte das alles auch noch mehr sein können, aber da ich mir neben Film (und dem regulären Broterwerb, der dieses Jahr auch viele anspruchsvolle Herausforderungen mit sich brachte) mit dem Erlernen eines Musikinstruments (lebenslanger Traum), sowie der Mitgliedschaft in einem Kneipenverein, bei dem ich für das Organisieren der Veranstaltungen mitverantwortlich bin, zwei weitere Hobbies gesucht habe, blieb nicht so viel Zeit dafür. Schließlich habe ich auch eine Familie und die fordert völlig zu Recht auch, dass der Papa mal für sie da ist. Ich gebe zu, ohne die Pandemie und die Möglichkeit fast ausschließlich im HomeOffice zu arbeiten, hätte ich das alles nicht geschafft.

Was wirklich gelitten hat in diesem Jahr war der Blog. Irgendwo muss man Zeit einsparen und da hat es zunächst die Rubrik „Das Bloggen der Anderen“ getroffen und dann das intensive Schreiben hier. Ich hatte einfach zu viel anderes um die Ohren (siehe oben) und auf den Blog zu verzichten fiel angesichts der vielen Termine und Deadlines, die ich anderweitig hatte, am Leichtesten. Was nicht heißen soll, dass der Blog tot wäre. Im Gegenteil. Sobald ich wieder etwas mehr Luft habe, dann wird es hier auch wieder etwas „lauter“. Wobei – just wo ich dies schreibe flattert mir eine extrem unangenehme und kostspielige Email in den Posteingang, die meine Freude am Bloggen ins Kellergeschoss und noch weiter nach unten sinken lässt. Das hätte ich jetzt nicht mehr gebraucht. Mal schauen, was das wird…

Was noch gelitten hat und dringend besser werden muss: Durch die vielen Verpflichtungen fiel es schwer, mal was „nur für sich“ zu machen oder vor allem sich öfter „einfach so“ mal mit Freunden zu treffen. Da muss man immer abwägen. Wenn man schon häufig unterwegs ist, sollte man die Zeit dazwischen auch wirklich für die Familie reservieren. Aber das habe ich schon sehr vermisst. Und so schön es ist, sich in seinen Hobbies ausleben zu können, es frisst eben auch viel Zeit, die sorgsam verteilt werden will. Mal schauen, wie ich das in 2023 besser hinbekomme. Mein seit über 10 Jahren geplantes Buchprojekt zum Beispiel kriege ich so sicherlich nicht auf die Spur.

Die üblichen Statistiken zum Blog, die ich in den Vorjahren immer geführt habe, lasse ich mal weg. Da habe ich seit letztem Jahr nicht mehr drauf geschaut. Ich weiß ja, dass ich das Filmforum Bremen stark vernachlässigt habe, dass muss ich jetzt nicht noch mit Zahlen untermauern.

Geguckt habe ich überraschend viel: 241 Spielfilme oder Dokumentationen in Spielfilmlänge sind es geworden. Das ist noch einmal deutlich mehr als die 224 Filme letztes Jahr, die auch schon ein Rekord waren. Allerdings sind da fast keine aktuellen Produktionen dabei, da ich es auch in diesem Jahr kaum ins Kino geschafft habe. Was ich extrem traurig finde. Aber wie oben bereits ausführlich geschildert: Die Zeit, die Zeit.

Hier also die obligatorischen Top10. Wobei ich es bei den aktuellen Filmen mangels gesehener Masse bei den Top5 bleiben lasse.

Top 5 aktuelle Filme

1. Blond (Andrew Dominik, 2022)
2. The Fire Within: A Requiem for Katia and Maurice Krafft (Werner Herzog, 2022)
3. Alma Viva (Cristèle Alves Meira, 2022)*
4. Linoleum (Colin West, 2022)*
5. Lightyear (Angus MacLane, 2022)

* im Kino gesehen

Top 10 ältere Filme (nur Erstsichtungen)

1. The Painted Bird (Václav Marhoul, 2019)
2. Les frères Sisters (Jacques Audiard, 2018)
3. La traque (Serge Leroy, 1975)
4. Krakatit (Otakar Vávra, 1948)
5. ‚Hukkunud Alpinisti‘ hotell (Grigori Kromanov, 1979)
6. Ôkami to buta to ningen (Kinji Fukasaku, 1964)
7. The Lost City of Z (James Gray, 2016)
8. Denk ich an Deutschland – Das Wispern im Berg der Dinge (Michael Althen/Dominik Graf, 1979)
9. Zatôichi monogatari (Kenji Misumi, 1962)
10. Dementia (John Parker/Bruno VeSota, 1955)

Ich wünsche allen meinen Leser*innen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleibt gesund! Wir lesen/sehen uns wieder in 2023!

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