Internetforum Deliria-Italiano.de: Umzug und 11. Forentreffen in Karlsruhe

Von , 27. August 2020 18:30

Der/die eine oder andere hat es sicherlich schon mitbekommen – für den Rest hier noch einmal zur Info: Das wundervolle und extrem liebenswürdige Internetforum DELIRIA-ITALIANO.DE ist umgezogen und seit einigen Wochen unter der Adresse https://www.deliria-italiano.org erreichbar.

Nachdem der alte Provider des Forums seit Jahren nur Mist gebaut hat, nie erreichbar war, Werbung eingespielt hat (obwohl für Werbefreiheit bezahlt wurde) und sich in den letzten 12 Monaten als extrem unzuverlässig erwiesen hat (ständig brachen die Server zusammen und das Forum war über viele Tage ebenso wenig erreichbar wie der Herr Provider), haben die Admins die Sache jetzt selber in die Hand genommen und haben einen Provider gesucht. Hier muss man vor allem den großartigen buxtebrawler erwähnen, der den ganzen, gar nicht so unkomplizierten Umzug mal eben nebenbei und allein durchgezogen hat. Chapeau!

Da ein regelmäßiges Backup gemacht wurde, sind auch alle alten Beiträge gerettet worden. Das neue Forum erstrahlt im bekannten alten Glanz und selbst minimale Kinderkrankheiten wurden in Windeseile ausgebessert.

An dieser Stelle sei auch auf das 11. Öffentliche Deliria-Italiano-Forentreffen hingewiesen, welches in diesem Jahr im wunderschönen Filmtheater Schauburg in Karlsruhe am 16. und 17. Oktober 2020 stattfinden wird. Natürlich unter Corona-Bedingungen und mit Hygienekonzept.

Gezeigt werden an diesen zwei Tagen die Filme „Suspiria“ (!!!), „Sieben Goldene Männer“, „Friedhof ohne Kreuze“ und „Cassandra Crossing“. Alles natürlich wie gewohnt von 35mm, kompetent eingeführt und mit Verlosungen. Ich freue mich schon wie Bolle!

Alle Infos zum Event hier: https://www.deliria-italiano.org/gialli-f1/elftes-offizielles-forentreffen-deliria-oever-karl-t12144-s120.html#p219028

Nach aktuellem Stand (davon ausgehend, dass bis dahin die Corona-Maßnahmen weder anziehen, noch sich lockern) stehen im riesigen Kinosaal 100 Sitzplätze zur Verfügung. Früh planen lohnt sich also.

DVD-Rezension: „Als Hitler den Krieg überlebte“

Von , 26. August 2020 20:42

Hitler (Fritz Diez) ist es gelungen alle zu täuschen. Sein Selbstmord war nur vorgetäuscht, und nun wartet er auf Schloss Lilienburg in der Schweiz ab, dass seine Zeit wieder kommen wird. Dieses private Sanatorium gehört Professor Doktor Rolf Harting (Jirí Vrstála), der Hitler bei seiner Flucht half. Doch Harting und seine Männer haben ihre ganz eigene Pläne mit dem selbsternannten „Führer“. Er soll für seine unzähligen Verbrechen und die Millionen Tote grausam büßen. Für ihren Plan benötigen sie allerdings den Prager Doktor Josef Herman (Karel Höger), der einem verstorbenen Leibarzt Hitlers namens namens Wollmann ähnelt. Dieser wird kurzerhand von Hartings Gruppe entführt. Und da gibt es um das Schloss herum noch Partisanengruppen ehemaliger Nazis, die ihren Diktator zurück haben wollen.

Kann man bei Zbynek Brynych eigentlich noch immer von einem „Geheimtipp“ sprechen? Seit vielen Jahren schon ist „dieser wundersam fröhliche tschechische Herr“ (so der Titel eines wunderbaren Featurettes auf der Bildstörung-Blu-ray von „Die Weibchen“) in den Kreisen der Filmliebhaber ein Begriff. Umso mehr verwundert es, dass es außer „Die Weibchen“ bisher kaum weitere Auswertungen seiner Filme auf DVD oder gar Blu-ray gibt. Zwar kann man seine legendären Inszenierungen früher „Der Kommissar“- oder „Derrick“-Folgen in entsprechenden Serien-Boxen finden, doch gerade seine in Deutschland gedrehten Spielfilme „O Happy Day“ und vor allem „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ fehlen schmerzlich. Immerhin, mit etwas Suchen findet man bei nicht ganz umstritteneren Anbietern noch die DVDs „KZ Theresienstadt – Transport aus dem Paradies“ und „Höllentor Sahara 1943“, aber das war es bis jetzt schon. Umso schöner ist es, dass Brynychs grandioser „Als Hitler den Krieg überlebte“ nun in einer anständigen DVD-Veröffentlichung bei Ostalgica erschienen ist.

„Als Hitler den Krieg überlebte“ ist eine eigenwillige politische Parabel, bei der man sich unwillkürlich fragt, wie solch ein Film 1967 in der Tschechoslowakei entstehen konnte. Die Umkehrung mit der Brynych arbeitet (die ehemaligen Gegner der Nazis sind die Faschisten von heute, während die alten Nazis plötzlich die Gestalt idealistischen Widerstandskämpfer einnehmen) ist leicht als Gleichnis auf die Machtverhältnisse in den sogenannten Ostblock-Staaten der Nachkriegszeit zu dechiffrieren. Hier wie dort bedienen sich diejenigen, die eigentlich mit den alten Gegnern abrechnen wollen und für eine „bessere Welt“ stehen, der Methoden der Faschisten. Strenge Hierarchien, kein Widerspruch duldend, Überwachung, Gewalt, Folter, Weltherrschaftsanspruch. Das Leben eines Menschen zählt nichts, überall lauern Feinde. Auch in den SS-Uniformen scheinen sich Harting und seine Männer sehr wohlzufühlen. Es geht also immer weiter mit dem Totalitärismus – egal welches Gesicht er sich gibt. So offensichtlich die Gruppe um Harting für die Machthaber des Ostblocks stehen, so interessant ist die Frage, wenn die faschistische Gruppe um Inge repräsentiert. Jung, gut aussehend und voller fanatischem Idealismus mag man an radikalisierte Gruppen der Studentenbewegung denken, die ja tatsächlich in den 70ern in den Terrorismus drifteten. Die Aussage des Filmes ist daher recht eindeutig: Faschismus verbirgt sich hinter vielen unterschiedlichen Gesichtern.

Als Stimme der Vernunft dient in dieser Parabel ein Wissenschaftler: Der Arzt Dr. Herman. Diese Stimme wird aber zwischen den verschiedenen Fraktionen zerrieben und letztendlich mundtot gemacht. Es ist kein optimistisches Bild, welches Brynych hier zeichnet. Im Gegenteil. Die Welt ist schlecht und wer die Chance hat, die Macht zu ergreifen, wird dies ohne zu zögern tun, dabei über Leichen gehen und eine totalitäres Schreckenssystem etablieren. Wirkliche Alternativen gibt es nicht. Diejenigen, die an Werte wie Demokratie, Menschlichkeit, Mitleid und Gerechtigkeit glauben, werden zu Spielbällen derjenigen, die eben jene Werte mit Füßen treten oder gleich ganz pervertieren. Der Originaltitel (und deutsche Alternativtitel) bedeutet „Ich, die Gerechtigkeit“ – ein Anspruch, den Harting erhebt und gleichzeitig so dreht, dass eben nur er – der „Führer“ der Bewegung – die einzige Deutungshoheit über den Begriff „Gerechtigkeit“ besitzt, der ihn gleichzeitig dazu befugt, sein System der Unterdrückung, Unterwerfung und Folter zu etablieren.

Obwohl Brynych in diesem Film noch nicht jenes exzentrisches und delirierendes Feuerwerk abbrennt, wie z.B. in „Die Weibchen“ oder späteren „Derrick“-Folgen, zeigt dieser Film bereits seine hohe Kunst. Die Kamera ist immer dicht dran an den Gesichtern, jede Einstellung ist so komponiert, dass sie beispielsweise in Dialogszenen nicht im harten Schuß-Gegenschuß sondern filmisch-bewegt umsetzt. Brynych forscht die Möglichkeiten aus, die ihm das Bild bietet, erfindet immer wieder neue, spannende Tableaus und haucht ihnen eine faszinierende Dynamik ein. Die harten schwarz-weiß Kontraste erinnern an die frühen „Kommissar“-Folgen, wie z.B. die Episode „Die Schrecklichen“, welche eine ähnlich bedrohlich-traumgleiche Atmosphäre versprüht, wie „Als Hitler den Krieg überlebte“. Man spürt deutlich, dass Brynych große Freude daran hatte, mit Bildern zu experimentieren und in jeder Einstellung das Besondere zu suchen.

Unterstützt wird er dabei von großartigen Schauspielern. Besonders Angelica Domröse sticht hervor, als Mischung aus geheimnisvoller Femme Fatale und leidenschaftlicher Rebellin. Die Domröse hat ein wunderbares, abgründiges Gesicht, welches die Kamera einfach liebt. Vergleichbar einer spröden Romy Schneider. Wenn sie die Möglichkeit gehabt hätte, in den 60ern nach Frankreich zu gehen und dort die richtigen Regisseure zu treffen, sie hätte ein ähnlich großer Star werden können. So wurde sie immerhin mit „Die Legende von Paul und Paula“ in der DDR zum Star. An ihrer Seite spielt ihr damaliger Ehemann Jirí Vrstála mit viel dunklem und furchteinflößendem Charisma den Harting. Sein Landsmann Karel Höger verkörpert mit väterlichem Gestus und einer skeptischen Distanziertheit die einzige positive Figur des Filmes, den moralisch standhaften, aber letztendlich erfolglosen Dr. Herman. Eine besondere Erwähnung verdient der aus Thüringen stammende Fritz Diez, der nicht nur eine unfassbare Ähnlichkeit mit Hitler hat, sondern auch dessen Habitus perfekt imitiert. Fast glaubt man sich tatsächlich eines Wiedergängers dieses Verbrechers gegenüber. Diez spezialisierte sich offenbar auf Hitler-Porträts und verkörperte Hitler in mehreren Filmen der DEFA, als auch in ausländischen- und Fernsehproduktionen. Wenn man der IMDb Glauben schenkt ganze 14 Mal.

Endlich liegt ein weiterer Film des großartigen Tschechen Zbynek Brynych in einer soliden DVD-Veröffentlichung vor. Brynych politische Parabel über die Verhältnisse im sogenannten Ostblock der 60er Jahre ist ebenso intelligentes, wie kurzweiliges Kino mit überzeugenden Darstellern und bereits allen Zutaten, die in den letzten Jahr(zehnt)en zu einer Wiederentdeckung Brynychs führten.

Leider liegt der Film von Ostalgica lediglich auf DVD vor. Diese ist aber durchaus empfehlenswert. Das Bild ist scharf, die Kontraste sehr gut. Es gibt einige kleine Filmschäden, welche manche fanatische Pixelzähler vielleicht bemängeln würden, für mich aber durchaus zur Atmosphäre und Kino-Look des Filmes beitragen. Der Ton ist gut verständlich und liegt in Deutscher Synchronfassung und der tschechischen Originalfassung vor. Bei letzterer wurde aber leider bei den Untertiteln gespart, sodass diese Originalfassung für nicht tschechisch sprechende Menschen mehr oder weniger für die Katz ist, auch wenn der Anteil an deutschen Dialogen recht hoch ist. Sehr schade. Da tröstet die sehr gute DDR-Synchro nur ein wenig, da hier jetzt plötzlich alle akzentfreies Deutsch sprechen, während in der Originalfassung eben eine Mischung aus Deutsch und Tschechisch gesprochen wird, was auch mehr Sinn macht. Vor dem Film gibt es ein Intro von 3:12 Minuten, welches anhand einer Kompilation alter Wochenschauen (?) eine zeitliche Einordnung gibt. Leider ist das Bildmaterial hier nicht optimal und recht verschwommen. Ansonsten gibt es außer Trailern für das Ostalgica-Programm keinerlei weitere Extras.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 38 erhältlich

Von , 25. August 2020 16:21

Unglaublich aber wahr: Das „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ hat bereits seine 38. Ausgabe veröffentlicht. Seit der Ausgabe 10 bin ich regelmäßig dabei, und ich kann es selbst kaum glauben, dass ich bereits so viel zu dieser tollen Zeitschrift beitragen durfte. Wen es interessiert, der findet oben rechts unter dem Reiter „Veröffentlichungen“ eine Übersicht meiner bisherigen Artikel für das Heft.

Die Nr. 38 beschäftigt sich im Schwerpunkt mit dem Zweiten Weltkrieg. Dabei wurden mit fünf Seiten eingeräumt, auf denen ich einerseits über die Folgen des Krieges in Polen und den Warschauer Aufstand, andererseits über die Aufarbeitung dessen durch die Polnische Filmschule in den 50ern schreiben konnte. Aber auch die Beiträge der Kollegen sind wieder einmal hochspannend. Leider wurde diese Ausgabe durch ein tragisches Ereignis überschattet. Unser geschätzter Redaktionskollege Markus Nowak (aka Doc Alucard von badmovies.de) verstarb für alle vollkommen überraschend kurz vor Drucklegung des Magazins. Sein wie immer lesenswerter Beitrag über den Nordafrikafeldzug im britischen Kino ist somit sein letzter Beitrag für uns gewesen, und wir werden seine Stimme in zukünftigen Ausgaben sehr vermissen. Mach’s gut, Markus. Wo immer Du jetzt auch bist!

Hier die komplette Inhaltsübersicht:

Heft #38 kann man HIER für € 6,00 zzgl. Versand beziehen.

Das Bloggen der Anderen (24-08-20)

Von , 24. August 2020 20:14

Da ich mein Blog jetzt so lange wie noch nie zuvor ruhen gelassen habe (und das auch mal ganz entspannend fand), sich mittlerweile aber einige Texte und Infos auf der Festplatte gesammelt haben, die ich gerne noch diesen Monat veröffentlichen möchte, und ich generell denke, ein Lebenszeichen wäre jetzt langsam mal nicht schlecht, kehre ich etwas eher als geplant aus den „Blogferien“ zurück. Ich beginne mit einer neuen Ausgabe des „Bloggen der Anderen“. Was jetzt auch nicht so viel Stress macht, da die Kolleginnen und Kollegen scheinbar größtenteils auch noch andere Dinge im Kopf haben, als zu bloggen.

Der Kinogänger informiert uns darüber, was für den Herbst an Kinostarts – Stand jetzt – so alles geplant ist. Mal schauen, was davon dann in zwei, drei Monaten noch übrig ist.

– Eine unfassbare Lücke klafft bei mir in Bezug auf Antonio Margheritis „Jäger der Apokalypse“. Ich meine, ich hätte mal den Anfang gesehen, doch die Inhaltsangabe, die Volker Schönenberger auf seinem Blog Die Nacht der lebenden Texte gibt, lassen mich einerseits daran zweifeln, machen mich gleichzeitig neugierig auf den Film, der tatsächlich ganz weit oben auf der „Unbedingt-Nachholen“-Liste steht.

– Bluntwolf empfiehlt auf Nischenkino Jess Francos frühen WIP-Film „Der heiße Tod“ und wie ich sehe, gibt es da eine 3-Disc-Edition aus den USA – da muss ich gleich mal in den einschlägigen Shops stöbern. Ich bin ja auch gerade dabei mich mit dem Werk des Jazz-Musikers Sun Ra bekannt zu machen und arbeite mich gerade durch die 50er und frühen 60er Jahre. Den Film „Space is the Place“ von 1974 hatte ich dementsprechend noch nicht auf dem Schirm, aber nach Videohuettes Review ist der auch in den Einkaufskorb gewandert. Und zu guter Letzt gesteht Sebastian, dass er noch nie einen Jerry-Lewis-Film gesehen hätte (!!!). Leider hat er dann mit dem eher schwachen „Ein Forschmann an der Angel“ angefangen, der ihm dann auch nicht besonders gefallen hat. Meine Bitte an Sebastian: Bitte weiterforschen! Am Besten gleich mit dem wundervollen „The Ladies Man“!

– Lustigerweise hat auch Filmklassiker aus Hollywood gerade Jerry Lewis am Wickel. Doch auch hier gibt es eher Kritik an „Der Bürotrottel“, welcher oftmals als idealer Einstieg gesehen wird.

– Wenn es etwas Grusliges aus den 90er sein soll, dann empfiehlt funxton „Campfire Tales“, einen Omnibus-Film aus den USA, den er ausgesprochen charmant findet.

– Oliver Nöding bricht auf Remember It For Later eine Lanze für Michael Bays „Bad Boys II“, den er nicht trotz, sondern gerade wegen seinen problematischen Elementen mag.

Schlombies Filmbesprechungen fühlen sich von Ulli Lommels „Boogey Man“ recht gut unterhalten und sind von Cronenbergs King-Verfilmung „Dead Zone“ begeistert.

Panorama Theme by Themocracy