DVD-Rezension: „Bruce Lee – Der Unbesiegte“

Von , 27. Februar 2020 17:54

Tang Wei (Bruce Li) ist eigentlich der Star seiner Kung-Fu-Schule, doch als er die Chance auf einen gut bezahlten Job als Versicherungsvertreter bekommt, greift er zu. Seine neue Arbeit bringt ihn mit dem Filmproduzenten Cheon Dak-Chen und dessen Star Chin-Long (Lung Szema) zusammen. Dabei wird sein Talent als Kung-Fu-Kämpfer entdeckt und bald schon arbeitet Tang Wei nicht mehr für die Versicherung, sondern als Stuntman für Chin-Long. Was er nicht weiß, dadurch wird er Teil einer gefährlichen Intrige, bei der es um sehr viel Geld geht…

Die Geschichte des Bruceploitation-Films ist eine kurze, aber sehr intensive. Laut Wikipedia wurden nach dem Tod des echten Bruce Lee im Jahre 1973 zwischen 1974 und 1984 weit über 100 Filme mit Bruce-Lee-Imitatoren gedreht. Diese hörten auf (Künstler)Namen wie Bruce Li, Bruce Le, Bruce Lei usw. usf. Tatsächlich war meine erste Begegnung mit Bruce Lee ebenfalls ein Bruceploitation-Film, der eines Nachts auf RTL (zu den golden Zeiten Anfang der 90er) lief. Wie ich heute weiß, war das „Das Spiel des Todes“ aka „Enter the Game of Death“ mit Bruce Le. Da ich zuvor noch nie einen Film mit dem echten Bruce Lee gesehen hatte, fiel ich prompt auf den Schwindel herein. Immerhin waren die Kampfszenen aber so eindrucksvoll, dass mir der Mund offen stand. Wobei ich aber sagen muss, dass dies auch mein erster Hongkong-Kung-Fu-Film überhaupt war. Vielleicht wäre ich heute weniger beeindruckt. Gesehen habe ich den Film, an den ich entsprechend gute Erinnerungen habe, bisher nicht wieder.

Glaubt man der einschlägigen Literatur, so war Bruce Li der talentierteste Bruce-Lee-Imitator. Zwar hatte er keine besonders große Ähnlichkeit mit dem Original, konnte aber dessen Kampfstil ziemlich gut nachahmen, Seine ganze Karriere spielte sich quasi nur während der Bruceploitation-Phase ab. Nach drei kleinere Rollen übernahm er 1974 die Hauptrolle in „Die Bruce-Lee-Story“ und hielt sich bis 1982 gut im Geschäft. „Bruce Lee – Der Unbesiegte“ ist einer seiner letzten Filme und entstand nach einer ungewöhnlich langen Pause von drei Jahren. Zudem ist es einer von nur zwei Filmen, bei denen Bruce Li bzw. Ho Chung Tao Regie führte, Eigentlich ist es auch kein klassischer Bruceploitation-Streifen, denn bis auf den Künstlernamen des Hauptdarstellers und einem kurz in die Kamera gehaltenen Bruce-Lee-Magazins gibt es keine Querverweise zur Legende, Auch hält sich Bruce Li mit den für das Gerne obligatorischen Bruce-Lee-Grimassen sehr zurück. Tatsächlich wurde dem Film das „Bruce Lee“-Siegel nur in Deutschland (wo eine alte, stark gekürzte VHS-Kassette dem Publikum weiß machen wollte, es handele sich um einen „DER ERSTEN BRUCE-LEE-FILME AUS AMERIKANISCHEN ARCHIVEN HERVORGEHOLT“) und Italien (hier lief er als „Bruce Lee il leggendario“) aufgepappt. In Frankreich hieß er lustigerweise „La vengeance de Dragon Lee“ – wobei Dragon Lee der Künstlername des Bruce-Lee-Imitators Mun Kyong-sok war. Eigentlich aber heißt Lis Werk „The Chinese Stuntman“, was auch gut passt.

Der Film scheint – insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Li Regie führte und sich kurz darauf aus dem Geschäft zurückzog – eine persönliche Abrechnung mit der Hongkonger Filmindustrie zu sein. Mit seinen eitlen Stars, lebensgefährlichen Dreharbeiten, desinteressierten Regisseuren (derjenige des Film-im-Films wird häufig auf seinem Regiestuhl schlafend gezeigt), miese Stimmung am Set und Verstrickungen mit der chinesischen Mafia. Vom Glamour der Filmwelt kann man hier wahrlich nicht sprechen, und am Ende kaufen die ausländischen Investoren ja eh jeden Quatsch. Wahrscheinlich ist das Bild, welches Bruce Li hier zeichnet, gar nicht so weit weg von der Realität. Da Bruce Li zu den Besseren der Bruce-Lee-Klone gehörte (manche sagen der Beste) kann man sich auch auf die Action verlassen, die meistens kurz, intensiv und ohne Kinkerlitzchen ist. Dies gilt insbesondere für die beiden Kämpfe am Ende, wenn er zunächst in einem kleinen Hotelzimmer gegen Dan Inosanto (tatsächlich ein Schüler des echten Bruce Lee und in dessen „Game of Death“ involviert) antritt und sich dann später eine fast schon epische Schlacht mit Lung Szema liefert. Dieser sieht zwar eine Kung-Fu-Version des fetten Elvis, zeigt aber im Finale, dass er sich gut und akrobatisch bewegen kann.

Riesige Erwartungen sollte man an „Bruce Lee – Der Unbesiegte“ nicht stellen. Nimmt man ihn aber als das, was er ist – nämlich ein günstig hergestellter Klopper aus Taiwan – dann weiß der Film angenehm zu unterhalten. Auch ein ausgeklügeltes Drehbuch sucht man vergebens. Viele Aktionen wirken unmotiviert. Und weshalb hier wer wem Steine in den Weg bzw. Eisenstifte in die Matratze legt, wird auch nie so wirklich klar. Das geht dann irgendwann im Kuddelmuddel unter. Aber das macht gar nichts. Li weiß seinem Film den nötigen Drive zu geben und sich gerade zum Ende hin zu steigern. Seinen Sidekick aus dem Westen gibt mit John Ladalski ein echter Kung-Fu-Experte, der auch später noch in einigen Filmen auftauchte, u.a. bei Jackie Chan und in Van Dammes „Karate Tiger 3“. Zwar geht seine Wandlung vom unsympathischen Saulus zum kumpelhaften Paulus etwas rasch von statten, wie auch leider sein Abgang, aber immerhin sieht man, dass Bruce Li durchaus großen Wert darauf legte, sich mit Könnern zu umgeben. So rauschen die 85 Minuten Spielzeit zwar ohne größeren Nährwert, aber unterhaltsam an einem vorbei.

Die Veröffentlichung von filmArt ist die erste ungekürzte Fassung im korrekten Format von 2,35:1. Die bisher fehlenden Szenen wurden von einer eher schlechten VHS-Quelle eingefügt. Da es sich bei diesen aber nur um Handlung (welche nicht ganz unwichtig für den Film ist) handelt, ist dies zu verschmerzen. Die Qualität des Hauptmaterials ist nicht berauschend – was wohl dazu führte, den Film nur auf DVD und nicht in HD zu veröffentlichen -, aber okay. Sie erinnert mit ihren Laufstreifen und kleinere Schäden angenehm an die Bahnhofskinos, in denen die scheinbar als Basis genutzten Filmrollen einst liefen. Der Ton liegt nur in Deutsch Mono 1.0. vor, ist aber für die damalige Kinoauswertung sehr anständig synchronisiert worden. So wird Bruce Li von Hans-Georg Panczak gesprochen. An Bonus gibt es die um 22 Minuten gekürzte Videofassung, den Kinotrailer, eine Bildergalerie und Programmhinweise.

Das Bloggen der Anderen (24-02-20)

Von , 24. Februar 2020 17:41

Zunächst ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Ich habe das Gefühl, dass mir einige Blogs aus meinem Newsfeed-Reader – den ich zur Zusammenstellung des wöchentlichen „Bloggen der Anderen“ benutze – einige Blogs abhandengekommen sind. Das kann immer mal wieder daran liegen, dass sich in der URL etwas ändert oder der Blog anderweitig weitergeführt wird. Sollte ich früher häufiger mal Euren Blog erwähnt haben und nun seit einiger Zeit nicht mehr, obwohl er aktiv ist – dann gebt mir kurz Bescheid. Kann sein, dass er schlicht und ergreifend in meinem Reader nicht mehr auftaucht. Für Tipps bezüglich weiterer interessanter, hier noch nicht erschienener deutschsprachiger Filmblogs bin auch weiterhin sehr dankbar.

– Es ist Berlinale. Einer, der sich dort regelmäßig herumtreibt ist Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog. Er hat sich den neuen Film von Christoph Petzold, „Undine“ angesehen, sowie den neuen Film von Philippe Garrel und ist begeistert von Kelly Reichardts „First Cow“.

– Berlinale 2: Auch Sophie Rieger von Filmlöwin ist sehr angetan von „First Cow“.

– Berlinale 3: Joachim Kurz fragt sich auf kino-zeit.de in Hinblick auf die 70. Berlinale und ihrer neuen Führung: „Was ist zu erwarten, was bleibt, was kommt, was geht?“

– Ich kann ja auch an keiner Werbepostkarte im Kino vorbei gehen und habe selber einen Haufen unnützen Zeugs. So geht es auch Filmgucker, der uns hier und hier in seine Sammlung schauen lässt.

Der Kinogänger verrät uns, welche Kinostarts wir bis einschließlich April erwarten können und kommentiert diese.

– Oliver Armknecht interviewt auf film-rezensionen.de den Regisseur Tim Dünschede zu seinem Debütfilm „Limbo“. U.a. spricht er ihn auch auf den Deutschen Genrefilm an und ich finde es bezeichnend, dass in den Antworten nur auf die üblichen, gut abgehangenen Verdächtigen eingegangen wird. Da gibt es so viel mehr.

– Verriss 1: Regisseur Christoph Hochäusler zeigt sich auf seinem Blog Parallel Films enttäuscht von Roman Polanskis „Die Intrige“.

– Verriss 2: SDB-Film findet, dass „Die Känguru-Chroniken“ eine „Satire als Totalausfall“ sit, weil sie den falschen Leuten Argumente liefert.

– Verriss 3: Als Kind habe ich Dudu gelebt. „Dudu macht das schon“ oder „Ich bin Jimmy Bondi, der kleine Bruder von James Bond“ waren bei uns auf dem Schulhof geflügelte Worte. Vor einer Neusichtung habe ich mich immer gedrückt. Scheinbar zu recht, wie ich nach Oliver Nödings Besprechung von „Ein Käfer geht aufs Ganze“ auf Remember It For Later denke.

– Nun schluss mit Verrissen. Das Filmtagebuch der Eule stellt „May“ vor, einen Horrorfilm an den ich auch sehr gute Erinnerungen habe (und mich zu einem Angela Bettis-Fan gemacht hat). Leider konnte ich den Film nie zu Ende schauen, da meine DVD Schrott war.

– Zwei Filmtipps auf Nischenkino: Bluntwolf macht zunächst neugierig auf „Cleopatra Wong“, bevor man als kalte Dusche erfährt, dass die deutsche DVD eine ziemlich Vollkatastrophe ist. Und dann gibt es von ihm noch einen Text über Mario Bavas netten „The Evil Eye“, der in England eine schöne Veröffentlichung erfahren hat.

Schlombies Filmbesprechungen ist hin und weg (und das zurecht) von Werner Herzogs „Nosferatu“.

– Und zu guter Letzt verrät Andreas Eckenfels noch auf Die Nacht der lebenden Texte, warum es sich durchaus lohnt einen Film mit dem Titel „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ anzusehen.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 36 erhältlich

Von , 22. Februar 2020 12:33

Jetzt ist das neue Heft schon wieder einige Wochen erhältlich, und ich bin noch immer nicht dazu gekommen, hier etwas Werbung zu machen. Auch die 36. Ausgabe des „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ist wieder eine – wie ich ganz unbescheiden finde – eine schöne Sache geworden.

Im Titelthema geht es diesmal der Jahreszeit entsprechend um den Winter. Da geht es dann um so unterschiedliche Themen, wie „Yetiploitation“, Schneesymbolik bei Douglas Sirk, natürlich auch Arnold Fanck  oder den Roger-Corman-Film „Ski Troop Attack“.

In den anderen Beiträgen neben dem Titelthemen tummeln sich OSS 117, Walerian Borowczyk und einer Toter am Glockenseil.

Ich habe zum Titelthema einen längeren Text über den Dokumentarfilmer Frank Hurley, seine Teilnahme an der katastrophalen Endurance-Expedition zum Südpol und seinen daraus resultierenden Dokumentarfilm „South“ von 1919 beigesteuert.

Eine genaue Übersicht über alle Artikel findet ihr hier:

Heft #36 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

Das Bloggen der Anderen (17-02-20)

Von , 17. Februar 2020 17:45

– Ein guter, wichtiger und sehr persönlicher Artikel von Andreas Köhnemann auf kino-zeit.de: „Ich schäme mich nicht – Über Krankheit & das Rampenlicht“. Hier geht es zwar primär um drei Frauen aus dem Filmgeschäft – aber das ist bei diesem Thema eher zweitrangig.

– Früher war es immer mein Traum zur Berlinale zu kommen. Doch mit dem Alter und der damit einhergehenden Aversion vor Gedränge und Menschmassen, hat sich das doch deutlich geändert. Nichtsdestotrotz: Wer nach Berlin fährt (oder schon da ist), für den hat das Team von critic.de einige Empfehlungen gesammelt.

– Auf Filmlöwin gibt es eine sehr positive Kritik zu „Birds Of Prey: The Emancipation Of Harley Quinn“, die mich sehr neugierig auf den Film macht, den ich eigentlich gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte.

– Ich halte ja Frederick Lau für einen der besten Schauspieler seiner Generation. Auf film-rezensionen.de führt Oliver Armknecht ein Interview mit ihm. Und ich hoffe mal, dass der gute Lau nicht in den seichten Deutschen Komödien-Quatsch abgleitet – auch wenn es im Interview teilweise so klingt. Zudem empfiehlt Rouven Linnarz den britischen Spionage-Thriller „Den Aasgeiern eiskalt serviert“, den ich jetzt auch unbedingt sehen möchte.

– Es gab einmal eine Zeit, in der ich jedem Film von Spike Jonesz ungeduldig entgegen fieberte. Trotzdem ist er dann irgendwann komplett von meinem Radar verschwunden. Nicht, weil er plötzlich miese Filme gedreht hätte, sondern weil ich aus welchen Gründen auch immer, meine Interessen verlagert hatte. Funxton erinnert mich daran, dass ich eigentlich mit „Her“ den Faden mal wieder aufnehmen könnte.

– Die Rückkehr des Peplum? Wahrscheinlich eher nicht, aber da ich Lars Johansen als zuverlässigen und geschmackssicheren Kollegen schätze, bin ich nach seiner Review auf Die Nacht der lebenden Texte doch sehr neugierig auf den italienischen Romulus & Remus-Film „The First King“ geworden.

– Letzten Freitag war Valentinstag. Grund für Schattenlichter an den Slasher-Klassiker „Blutiger Valentinstag“ zu erinnern.

– Sebastians Besprechung von „Des Teufels Wilde Hunde“ auf Nischenkino macht eine riesige Lust auf den Film. Schade, dass die DVD bei einem zweifelhaften, für seine Bootlegs berüchtigten Label erscheinen ist. Danach nimmt sich Bluntwolf eines meiner Lieblings-Italiener an: „Der Tod trägt schwarzes Leder“. Der hat dann auch eine vernünftige Veröffentlichung.

– Heiko von Allesglotzer entdeckt die Welt des Senor Lobo aka Waldemar Daninsky aka Paul Naschy und hat einen recht versöhnlichen Text zu „Die Nacht der blutigen Wölfe“ geschrieben.

– Warum gab es letzte Woche eigentlich kein Bloggen der Anderen? Weil ich in Düsseldorf war und mir da bei dem wundervollen Mondo Bizarr Weekender mit netten Menschen und lieben Freunden tolle Filme von 35mm angesehen habe. Zuuuuufällig (ähem) dieselben, über die Oliver Nöding auf Remember It For Later schreibt. Wie „Der vierte Mann“, „Duell der Giganten“, „Die Wiege des Teufels“ oder „Junge Mädchen für verbotene Spiele“.

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