DVD-Rezension: „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“

Von , 28. Juni 2017 06:41

Im Jahre 2307 wird die Erde von Eis und Schnee bedeckt. Die Reste der Menschheit haben sich in unterirdischen Siedlungen geflüchtet. Für die oberirdisch zu erledigende Arbeiten (und die Bordelle unter dem Eis) wurden sogenannt Humanoids (kurz „Noids“ genannt) geschaffen. Eines Tages kommt es zur Rebellion der Noids, die brutal niedergeschlagen wird. Doch einem der Rebellen, ASH-393 (Branden Coles), gelingt die Flucht. Fünf Jahre später wird Soldat Bishop (Paul Sidhu) von seinem Vorgesetzten General Trajan (Brad Potts) reaktiviert, um eine kleine Truppe an der Erdoberfläche zu begleiten und AHS-393 endlich einzufangen. Bishops Frau war während der Rebellion umgekommen und Trajan berichtet Bishop nun, ASH-393 habe seinerzeit Bishops ungeborenes Kind aus dem Mutterleib gerissen. Die Hoffnung, sein Kind lebendig zu finden, treibt Bishop nun an. Doch AHS-393 in der sogenannten „Todeszone“ dingfest zu machen, stellt sich als fast unmöglich heraus…

Gehen einem die Hauptdarsteller eines Films bereits nach wenigen Minuten tierisch auf die Nerven, dann weiß man, dass ein langer, harter Weg bis zum Ende vor einem liegt. Im besten Fall, kann man abschalten, manchmal muss man aber auch bis zum Schluss durchhalten – zum Beispiel, wenn man den Film besprechen will. Nun gibt es Filme, die sich durchaus lohnen gesehen zu werden, auch wenn einem die handelnden Personen durch die Bank unsympathisch bleiben. „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“ gehört aber leider nicht in diese Kategorie. Völlig ironiefrei wird hier mit viel geflüstertem Pathos ein billiges Klischee an das andere gereiht. Was hier alles an vollkommen überzogenen Standardsituationen aus den letzten 30 Jahren Actionkino aus der Mottenkiste geholt wird, das würde sich noch nicht einmal ein minderbegabter Parodist trauen. Klar, dem Mut, einfach mal wirklich jedes Klischee zu erfüllen und dieses dann noch ohne Anflug von Humor ins Lächerliche zu erhöhen, gebührt irgendwo auch Respekt. Leider ist das Resultat so schrecklich blöd und fade, dass man sein Haupt vor lauter Fremdschämen nur noch in beiden Händen wiegen möchte.

Schon der Auftakt lässt Schlimmes erahnen. Eine Gruppe rauer Gesellen wird losgeschickt, um den Anführer rebellierender Klone, die sich in der zugefrorenen „Todeszone“ zurückgezogen haben, zu fangen und zu töten. Diese Gruppe ist dann auch typengerecht mit einem großmäuligen Farbigen, einer blonden Nazi-Braut und einem coolen Asiaten besetzt. Ja, ein unscheinbarer Hipster gehört auch dazu, ist aber (natürlich) der Bruder des Hauptdarstellers. Diese tolle Truppe hat dann auch etwas zu oft „Aliens – Die Rückkehr“ gesehen und übertrifft den Nervfaktor der „Space Marines“ noch bei weitem. Kein Dialog, währenddessen die harten Jungs und das extra-taffe Mädel mit Hitler-Schwäche nicht lauthals lachend den Kopf in den Nacken werfen, sich High-Fives zuwerfen und sich gegenseitig mit blöden Anmach-Sprüchen voll labern. Ja, denen wünscht man dann in der Tat einen noch schnelleren Tod als dem Teenie-Kanonenfutter in einem unterdurchschnittlichen Slasher-Film.

Hauptfigur „Bishop“ (ist das jetzt eine „Aliens“ oder eine X-Men-Referenz? Eine eigenständige Idee der Macher schließe ich hier aus, und die dekorative Narbe auf Bishops Gesicht lässt letzteres vermuten) wird mit einer wilden Perücke und angeklebten Rauschebart als Säufer (bzw. Drogenabhängiger) eingeführt, der nach dem Tod seiner Frau den Halt unter den Füssen verloren hat. Klar, keine zwei Minuten später ist der Bart dann gestutzt und der Gute wieder clean, aber so ein Held braucht halt ein Trauma. Hauptdarsteller Paul Sidhu ist auch für die Story verantwortlich, auf der das Drehbuch beruht. Und es ist ja auch nett, dass das Babyface mit den Kayalstrichen unter den Augen sich die Rolle eines schweigsamen, harten Actionhelden auf den nicht gerade massigen Leib geschrieben hat. Man hätte sich nur gewünscht, er hätte etwas mehr Fantasie gehabt und nicht so einen tristen Quatsch fabriziert, dessen größte Überraschung darin besteht, dass nun aber auch wirklich jede – JEDE! – Standardsituation vorkommt, die man sich denken kann. Keine Originalität, keine Überraschung – nirgendwo. Da fällt dann Sidhus Mangel an schauspielerischen Talent und die komplette Abwesenheit von irgendwelcher Charisma umso deutlicher ins Gewicht. Das größte Wunder dieses Films ist es dann auch, dass irgendjemanden scheinbar das Drehbuch so gut gefiel, dass er dafür etwas Geld locker gemacht hat, statt Sidhu & Co. damit vom Hof zu jagen. Vielleicht lag es ja an Regisseur Joey Curtis dessen Erstling „Streets of Legend“ immerhin mal auf dem Sundance einen Preis gewann. Dies war zwar „nur“ der Cinematography Award für Kameramann Derek Cianfrance (der später selber als Regisseur tätig wurde und mit „Blue Valentine“ – bei dem Joey Curtis am Drehbuch mitschrieb! – und „The Place Beyond the Pines“ für Furore sorgte), aber scheinbar reichte das irgendeinem Produzenten aus, der nicht gesehen hat, dass „Streets of Legend“ in der IMDb eine Wertung von gerade einmal 2,8/10 hat. Eine Zahl, die ich auch auf seinen „Humanoid“ übertragen würde.

Bei „Humanoid“ hat Curtis keinen Derek Cianfrance zur Hand. Die Kamera wird hier von Ian Coad geführt, der damit keine Wunder vollbringt. Während der Actionszenen wird sie halt viel geschüttelt, ansonsten bewegt man sich auf durchschnittlichem TV-Niveau. Leider kann auch nie kaschiert werden, dass die Sets sehr billig aussehen und zu gefühlt 80% aus dem Computer stammen. Eine wirkliche Fusion von realen und Computerbildern findet auch nie statt. Ständig sieht es so aus, als wenn man irgendwo im Hinterhof gefilmt und da einfach ein paar Computereffekte drübergelegt hätte. Das beißt sich dann natürlich mit der (zugegeben nicht so schlechten) Power-Musik und Paul Sidhus mit rauer Stimme hin geflüsterten Monologen, die von Einsamkeit, dem Schmerz in seinem Leben und die Feindlichkeit der Welt handeln. Dabei wäre die Geschichte um die Humanoids – mutierte Klons, die menschenähnlicher wurden, als es ihren Erschaffern lieb war – durchaus Potenzial für einen guten Unterhaltungsfilm. Auch wenn man sie seit „Blade Runner“ nun schon tausendfach gesehen hat. Doch dann kommt auch schon wieder der Holzhammer raus und völlig subtil darf Nazi-Bitch Kix aus „Mein Kampf“ zitieren und was von überlegenden Rassen faseln. Ja, ja.. verstanden. Die Botschaft kam an. Die Humanoids sind dann auch der einzige positive Aspekt des Films. Die Szene, in der ein zotteliger Humanoid wie ein Berserker um sich schnappt, ist eines der rar gesäten Highlights des Filmes. Auch Branden Coles in der Rolle des gesuchten ASH-393 macht seine Sache besser als der Rest der Darsteller. Schade, dass hier nicht der Fokus lag. Am Ende bleibt dann doch nur die Erkenntnis: Die weiblichen Lust-Modelle der Humanoids haben große Brüste in denen sie Milch herstellen, welche hervorragend zu Keksen schmeckt. Mehr bleibt jetzt auch nicht zu sagen. Prost!

Hier wird völlig ironiefrei ein vollkommen ausgelutschtes Klischee an das Andere geklebt. Der fade Hauptdarsteller stolpert zusammen mit einigen hochgradig unsympathischen Stereotypen talentfrei durch die öde und vorhersehbare Story. Einzig die titelgebenden Humanoids zeigen etwas Potential.

Die Ascot Elite DVD bietet den Film im guten Durchschnitt. Das Bild ist okay, neigt manchmal allerdings dazu, ein wenig Schäfte vermissen zu lassen und insgesamt „milchig“ zu wirken. Dies könnte aber auch ein gewollter digitaler Effekt sein, um Eiseskälte zu simulieren. Der Ton ist sehr Basslastig. Die O-Tonspur weißt in manchen Dialogszenen leichte Tonschwankungen auf, die aber hörbar bei den Aufnahmen entstanden sein müssen. Die deutsche Synchro ist nicht besonders toll, aber auch nicht wirklich schlecht. Als Extras gibt es zwei entfallen Szenen, die ich mir aber nicht mehr angeschaut habe – und natürlich Trailer.

Das Bloggen der Anderen (26-06-17)

Von , 26. Juni 2017 18:44

Der Blogartikel, den ich diese Woche mit der größten Aufmerksamkeit gelesen habe, stammt von Rajko Burchardt auf B-Roll, der auf eine Facebook-Diskussion eingeht, welche ich auch live (passiv) verfolgt hatte. Seine Gedanken treffen die meinigen recht gut und regen zur weiteren Diskussion an.  Patrick Holzapfel schaut noch einmal auf Cannes zurück und dort auf die Quinzaine des Réalisateurs, die mit dem Fokus auf die Entdeckung neuer Talente Filme aufnimmt, die zu gewagt, radikal oder individuell für den Hauptwettbewerb sind.

– Andreas fragt auf seinem Film Filmlichtung provokant: „Sind Prequels eigentlich immer Mist?“ und lädt zur Diskussion ein.

– Klaus Kreimeier schreibt auf Filmgazette über einen magischen Kinoaugenblick in „Aber meine Liebe stirbt nicht“ von 1913.

– Sebastian stellt auf Das Magazin des Glücks drei Filme von Alain Corneau vor und bedauert, dass dieser französische Meister des schwarzen Kriminalfilms kaum bekannt ist.

– Oliver Nöding bespricht auf Remember It for Later in dieser sehr viele wunderbare Filme, von denen ich nur drei herausgreife: „Last Boyscout“, den ich über alle Masse liebe, „Cannibal Holocaust“, weil er so erschreckend wichtig ist und „Zombi 2“, weil Fulci.. und weil ich ihn auf der großen Leinwand auf 35mm sehen durfte und dies im wahrsten Sinne des Wortes ein „augenöffnendes“ Erlebnis war.

– Frédéric Jaeger war auf dem 7. Bilderrausch Filmfest in Basel und berichtet hierüber auf critic.de. Außerdem hat er ein Interview mit den Direktoren des Bildrausch Filmfest Basel geführt.

Ein japanischer Neue-Welle-Regisseur verfilmt Cornell Woolrich? Mehr darüber liest man auf Dirty Laundry.

Film-Rezenisonen.de weist auf das Schweizer Neuchâtel International Fantastic Film Festival, kurz NIFFF, hin und Oliver Armknecht reviewt „Le Redoutable“ ein Komödie über Jean-Luc Godard vom „The Artist“-Regisseur Michel Hazanavicius. Kann das gut gehen?

„Chemie und Liebe“ ist eine Filmkomödie, die 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone (die DDR gab es da ja noch nicht) entstand. Regie führte Arthur Maria Rabenalt. Auf Whoknows presents stellt david den Film und seinen interessanten, aber nicht wirklich unproblematischen Regisseur vor. Sehr lesenswert. Interessant auch, dass der Kameramann von „Jud Süss“ (der auch diesen Film fotografierte), später die „Sissi“-Filme in Bilder fasste. War mir bis dato nicht bekannt.

– Valerie Dirk hat auf Jugend ohne Film einen interessanten Text über den Film „Reisender Krieger“ von Christian Schocher online gestellt. Und Rainer Kienböck berichtet von der wundervollen Il Cinema Ritrovato 2017 über den polnischen Film „Niedzielne igraszki“ von Robert Gliński, der nach seiner Fertigstellung 1983 vier Jahre im Regal liegen musste, da er nicht in die damalige Parteipolitik passte.

– Allen Ortes wird der neue Film von Sergio Sollimas Sohn Stefano hoch gelobt. So auch von Sebastian von Nischenkino, der „Suburra“ ebenfalls vorbehaltlos empfiehlt.

– Zwei „kleinere“ Filme bekannter Genre-Reüssieren sind gerade in neuen Editionen erschienen. LZ von screenread hat Wes Cravens Auftragsarbeit „Tödlicher Segen“ und Larry Cohens letzten eigenen Film „Ambulance“ gesehen und ist von beiden durchaus angetan.

– Ich habe es hier und an anderer Stelle schon öfters erwähnt: Ich verehre den großen Buster Keaton. Sein Film „Die verflixte Gastfreundschaft“ von 1923 habe ich allerdings noch immer nicht gesehen. Eine schmerzliche Lücke, wie mir gabelingebers Besprechung auf Hauptsache (Stumm)Film gerade wieder ins Gedächtnis ruft.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen widmet sich in dieser Woche u.a. zwei Sherlock Holmes-Verfilmungen und dem brillanten Ameisen-Horror „Phase IV“.

– Bergman-Schauspieler go Psycho-Thriller. Funxton wurde von Laslo Benedeks „The Night Visitor“ überrascht.

Am Mittwoch: WEIRD XPERIENCE mit Action-Double-Feature beim Schlachthof Open-Air-Kino

Von , 23. Juni 2017 12:47

Schlag auf Schlag geht es für die Reihe Weird Xperience, die ich zusammen mit Stefan kuratiere und moderiere. Am nächsten Sonntag, den 25. Juni ab 20:00 Uhr  ACHTUNG: Wegen Regen auf Mittwoch, den 28. Juni nochmals verschoben auf Sonntag, den 2.Juli um 15:00 Uhr! heißt es beim Open-Air-Kino am Schlachthof ACTION!

Zuerst zeigen wir „Frankensteins Todesrennen“ von 1975 aus der Roger-Corman-Schmiede. In den faschistoiden USA der damaligen Zukunft wird die Masse mit einem gewaltverherrlichenden TV-Programm ruhig gehalten. Höhepunkt ist das „Death Race 2000“ (so auch der Originaltitel). An den Lenkern: David Carradine (bekannt aus der TV-Serie „Kung Fu“ und natürlich „Kill Bill“) und ein junger Sylvester Stallone vor seinem Durchbruch mit „Rocky“. Sly darf hier den bösen Wicht Machine Gun Joe Viterbo spielen, der förmlich über Leichen fährt, denn für das Töten von Passanten gibt es bei diesem Todesrennen schließlich Bonuspunkte, die von Geschlecht und Alter der Opfer abhängig sind. Der gefeierte Fahrer Frankenstein (Carradine) gilt als Mann der Regierung und ahnt nicht, dass seine Copilotin Annie Mitglied einer Widerstandsbewegung ist, die ihm nach dem Leben trachtet. Frankenstein ist jedoch keine Marionette des Systems und verfolgt eigene Pläne.

Trashfilm-Pionier und Kultfigur Paul Bartels (immerhin Jurymitglied der Berlinale im Jahr 1979) führte bei diese actionreichen Polit-Satire Regie. Produziert wurde sie von der Legende Roger Corman, der sich damit an den Erfolg von „Rollerball“ heften wollte. 2008 folgte ein erstes Remake mit Jason Statham in der Carradine-Rolle, welches noch zwei Direct-to-video-Sequels bekam. Eine offizielle Fortsetzung produzierte Roger Corman letztes Jahr unter dem Titel „Death Race 2050“ dann selber. Der Film kam Anfang des Jahres in den USA veröffentlicht. Seine Spuren hinterließ „Frankensteins Todesrennen“ seit Anfang der 80er Jahre auch in zahlreichen Computerspielen, dies ich von dem blutigen Treiben auf der Piste inspirieren ließen.

Danach geht es gleich weiter mit einem Klassiker des Poliziottesco – jener italienischen Spielart des Polizeifilms in der es immer ordentlich kracht und rumst.

Kaum ist „der Chinese“ (Tomas Milian) aus dem Gefängnis geflohen, lässt er umgehend den Mann exekutieren, der ihn einst hinter Gitter brachte: Den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli). Doch Tanzi überlebt den Mordanschlag. Offiziell für Tod erklärt, macht sich Tanzi auf eigene Faust daran, dem „Chinesen“ das Handwerk zu legen. Währenddessen hat dieser mit dem mächtigen Gangsterboss Di Maggio (John Saxon) einen Pakt geschlossen. Doch die Zusammenarbeiten zwischen den beiden läuft nicht reibungslos, und Tanzi gelingt es immer wieder, neuen Sand ins Getriebe zu streuen. Bald schon steuert Rom auf einen blutigen Bandenkrieg zu…

Nach dem Erfolg von „Die Viper“ drehte Umberto Lenzi 1977 diese Quasi-Fortsetzung namens „Die Gewalt bin ich“. Maurizio Merli darf dabei wieder in die Rolle des Kommissar Tanzi schlüpfen, der hier allerdings den Dienst quittiert hat und nunmehr als Privatmann die Unterwelt aufmischt. Und so pflügt der wilde Ex-Cop durch die Reihen der Gangster. Immer mit akkuratem Seitenscheitel und korrekt gestutzten Schnauzer. Das üppige Brusthaar aus dem zu weit aufgeknöpften Hemd wallen lassend und einen bedenklichen Faible für Goldkettchen zu Schau stellend.

Ebenfalls aus „Die Viper“ wurde Tomas Milian übernommen, der hier wie dort den Part des Bösewichts übernimmt. Sein „Chinese“ ist durchtrieben, skrupellos und mit einer großen Bauernschläue gesegnet. Neben Merli und Milian, ist Genre-Vertan John Saxon zu sehen. Saxon konnte schon 1977 auf eine lange und ereignisreiche Karriere zurückblicken. So war er nicht nur im „ersten“ Giallo mit von der Partie, sondern spielte auch den Hauptcharakter in „Der Mann mit der Todeskralle“. In den 70er Jahren tauchte er vermehrt in italienischen Polizeifilmen auf. 1980 war er bei Antonio Margheritis „Asphalt-Kannibalen“ dabei und ab 1984 in dem Horrorklassiker „A Nightmare on Elm Street“ nebst zwei der Sequels. In „Die Gewalt bin ich“ spielt er einen eleganten Gangsterboss, der auch schon mal selbst Hand anlegt, wenn er einen Verräter mit Golfschläge aus kurzer Distanz foltert. In einigen Szenen meint man, dass er sich einen Spaß daraus macht, Marlon Brandos „Paten“ zu parodieren.

„Die Gewalt bin ich“ ist gute alte Action-Unterhaltung aus dem sonnigen Italien mit tollen Hauptdarstellern und perfekter Musikuntermalung durch Franco Micalizzi. Da hoffen wir doch mal auf gutes Wetter, damit das südländische Flair auch so richtig rüberkommt. Der Wetterbericht droht zwar mit bewölktem Himmel, aber es soll nicht regnen. Das wäre doch schon mal was.

DVD-Rezension: „Die Narbenhand“

Von , 22. Juni 2017 18:06

Der einzelgängerische Philip Raven (Alan Ladd) ist ein Auftragskiller, der allein mit einer kleinen Katze in einem schäbigen, kleinen Apartment in San Franscisco lebt. Nach dem Mord an einem Erpresserpärchen wird er von seinem Auftraggeber Willard Gates (Laird Cregar), Rechte Hand eines Industriellen und nebenbei Betreiber eines Nachtclubs, mit „schmutzigen“ Geldscheinen bezahlt, die bald schon die Polizei auf Ravens Spur bringen. Die Untersuchung leitet Detective Michael Crane (Robert Preston). Wie es der Zufall so will, wird dessen Verlobte, die singende Magierin Ellen Graham (Veronica Lake) von einem Senator aus Washington angeheuert, um undercover in Gates Nachtclub in Los Angeles anzuheuern und herauszufinden, wer geheime Informationen an die Japaner weitergibt. Auch Raven macht sich auf nach Los Angeles, um Gates zu stellen, und bald schon kreuzen sich ihre Wege…

Die Narbenhand“ ist in zweierlei Hinsicht ein bemerkenswertes Debüt. Zum einen ist erstmals Alan Ladd in einer größeren Rolle zu sehen, der durch diesen Film zu einem der großen Hollywood-Stars der 40er und 50er Jahre aufstieg – zum anderen dürfte „Die Narbenhand“ einer der ersten Filme sein, die die Figur des Profi-Killers in den Mittelpunkt stellen. Der „Gun For Hire“, was auch der Originaltitel dieses Klassikers ist. Laut Wikipedia war „Die Narbenhand“ auch das Vorbild für Melvilles „Der eiskalte Engel“. Ladd erweist sich als Idealbesetzung für den Killer Raven. Man traut ihm eben so zu, jemanden kaltblütig über den Haufen zu knallen, wie einer armen, kleinen Katze Milch zu geben. Auch in seinem Gesicht, welches noch nicht „schön“ in Szenen gesetzt wird, wie in seinen späteren Filmen, spiegelt sich die Zerrissenheit zwischen innerer Abgestorbenheit und der Sehnsucht nach etwas menschlicher Wärme. Ladd ist gleichzeitig heiß und kalt – und damit tatsächlich der Prototyp des „Eiskalten Engels“.

Der nominelle Held des Filmes ist allerdings Robert Preston, der in den Titeln auch groß an zweiter Stelle nach Veronica Lake aufgeführt wird. Alan Ladd muss sich – trotz einiger kleiner Nebenrollen, die er zuvor gespielt hatte – mit einem kleinen „introducing“ am Ende begnügen. Der etwas ungelenk und langweilig wirkende Preston hat auch weitaus weniger Szenen als Ladd. Tatsächlich spielt er eigentlich nur eine größere Nebenrolle. Das ist auch gut so, denn Prestons Det. Lt. Michael Crane wirkt einfach fade. Ein guter Polizist mit konservativer Weltsicht, der freudestrahlend seiner Verlobten ein Leben in der Küche, wo sie auf den tollen Göttergatten wartet, als reinstes Paradies in Aussicht stellt. Eine Rolle, in der man sich die großartige Veronica Lake nicht unbedingt vorstellen kann. Zumal sie hier einen draufgängerischen und unabhängigen Typ spielt. Die Szene in denen sie Preston anhimmelt und davon spricht, dass sie sich nichts schöneres vorstellen kann als ihm abends die Pantoffeln zu bringen, wirken dementsprechend deplatziert und peinlich. An der Seite des sehr viel interessanteren und gefährlichen Ladd fühlt sich die Lake dann auch sichtlich wohler, und ihre unbestreitbar knisternde Chemie führt dazu, dass beide noch in sechs weiteren Filmen ein Paar geben sollten. Insbesondere in „Der gläserne Schlüssel“ funkt es so sehr zwischen den beiden, dass die Leinwand förmlich elektrisiert wird.

„Die Narbenhand“ strotzt nur so vor wundervollen Szenen, die sich einem tief ins Gedächtnis brennen. Wenn Raven am Anfang brutal ein Zimmermädchen schlägt, weil diese eine kleine Katze aus seinem Zimmer jagen wollte. Oder wenn er am Ende in höchster Not eine miauende Katze erstickt, damit diese ihn nicht verraten kann und sein Gesicht widerspiegelt, dass er damit gerade einen Teil von sich selbst getötet hat. Unvergessen auch Veronica Lakes ebenso erschrockenes, abgestoßenes, aber auch mitleidiges Gesicht, wenn sie realisiert, was Raven da gerade getan hat. Besonders intensiv ist der Augenblick in dem Raven kurz überlegt, ob er ein gehbehindertes kleines Mädchen, welches ihn als Zeugin belastet könnte, umbringen soll oder nicht – und wie er sich dann zögernd für Letzteres entscheidet. Hier ist die Summe der Teile mehr als das Ganze, denn zusammengehalten wird dies alles von einem Drehbuch, welches durch ein erhöhtes Maß unwahrscheinlicher Zufälle, konservativen Zeitgeist, langen Musiknummern und patriotischen Aufrufen zusammengehalten wird. Dass Veronica Lakes Charakter gleichzeitig Sängerin, hochtalentierte Show-Magierin, Freundin des ermittelnden Polizisten und Undercover-Agentin sein soll, ist schon sehr hartes Brot. Dass sich dann im Zug ausgerechnet Ladd neben sie setzt, ist ebenfalls im höchsten Grade vom Drehbuch erzwungen. Man mag kaum glauben, dass diese hochgradig konstruierte Geschichte so auch in dem zugrundeliegende Roman des legendären Autoren Graham Greene vorkommt. Doch angesichts der hervorragenden Einzelszenen, nimmt man das mal so dahin.

Während „die Guten“ hier also eine ebenso untergeordnete wie langweilige Rolle spielen, zeichnet sich „Die Narbenhand“ durch seine wundervollen Bösewichte aus. Allen voran der dicke Laird Cregar als Willard Gates, der zwar ohne zu zögern Morde in Auftrag gibt, aber immer wieder betont, wie sehr ihm Gewalt zusetzt und der sich geschickt aus der schmutzigen Seite des Geschäfts heraushält. Und natürlich Marc Lawrence als sein Chauffeur und rechte Hand, Tommy. Ein finsteres Spiegelbild Ravens, der sein tödliches Geschäft nicht eiskalt und effektiv aufführt, sondern heiß und voller Freude. Ein Sadist wie er im Buche steht, der im Mordgeschäft seine Erfüllung gefunden hat. Tommy blitzen die Augen, sobald er daran denkt, jemanden vom Leben in den Tod zu bringen. In einer Szene erzählt er Willard Gates voller Begeisterung und sehr detailliert, was er mit einem potentiellen Opfer vor hat, während sich dieser in Anbetracht der bunt ausformulierten Grausamkeiten in größter Pein windet. Lawrence sollte in seiner langen Karriere noch viele Gangster und Bösewichte spielen und als solcher zweimal gegen James Bond antreten, in „Diamantenfieber“ und „Der Mann mit dem golden Colt“. In den 90er spielte er auch zweimal kleine Rolle unter der Regie von Robert Rodriguez. In „From Dusk Till Dawn“ und „Four Rooms“.

„Die Narbenhand“ ist zurecht ein Klassiker des Film Noir. Der Film glänzt in vielen Momenten, die sich lange ins Gedächtnis brennen und die definierend für das Genre des „Killer-Films“ sind. Als Ganzes ist er dann allerdings doch mit seinen zu lang geratenen Musiknummern und dem zu sehr auf unglaubliche Zufälle bauenden Drehbuch zu zerfasert, um zu den ganz Großen seiner Gattung zählen zu können. Trotzdem sei allen Filmfreunden dieses erste Zusammentreffen der Noir-Ikonen Alan Ladd und Veronica Lake sehr ans Herz gelegt.

Die 24. Ausgabe der Film Noir-Reihe des Hauses Koch Media fällt wieder durch ein gutes, wenn auch diesmal nicht ganz optimales Bild auf. Bei näherem Hinsehen, könnte es an einigen Stellen etwas schärfer sein, was aber den Sehgenuss in keinster Weise schmälert. Der Originalton ist klar und deutlich. Die deutsche Tonspur dementsprechend auch okay, klingt allerdings etwas künstlich, da alle Geräusche ebenfalls neu vertont wurden. Die Synchronisation ist sehr solide und wartet mit bekannten Sprechern auf. Als Extras gibt es den original Kinotrailer und eine Bildergalerie mit Werbematerial.

City 46: Slapstick-Abend mit Livemusik-Begleitung

Von , 21. Juni 2017 15:51

Am Samstag, den 24.6. um 20:30 Uhr lädt das Kommunalkino City 46 zum wiederholtem Male zu einem Slapstick-Abend ein. dieser wird wie immer vom „Hausmusiker“ Ezzat Nashashibi musikalisch begleitet.

Es laufen vier Kurzfilme, die es in sich haben. Der geniale Buster Keaton erlebt als Schmetterlingsjäger in „Das Bleichgesicht“ von 1922 ein Abenteuer bei den Indianern.

Weniger bekannt als Buster Keaton ist heutzutage leider Charlie Chase. Um zu sehen, was für ein komisches Genie er war – und wie modern er heute noch wirkt -, sollte man sich (den in diesem Rahmen schon öfter gezeigten) „Mighty like a Moose“ (1926) nicht entgehen lassen.

Anita Garvin und Marion Byron war das – mir zumindest bekannte – einzige weibliche Comedy-Team. Auch ihre Filme sind heute leider fast vergessen. Zeit diese grandiosen Damen wiederzuentdecken. Die Gelegenheit ergibt sich bei „A Pair of Tights“ von 1929.

DAS Comedy-Team schlechthin sind die unvergleichlichen Laurel & Hardy. Auch wenn mir Buster Keaton vom Kopf her am Nächsten steht, mein Herz gehört doch diesen zwei großartigen Charakterköpfen. Ein Beispiel für ihre hohe Kunst ist „Wrong Again“ von 1927.

Blu-ray Rezension: “Die Bande des Captain Clegg“

Von , 20. Juni 2017 20:17

Die königliche Krone schickt den Marine-Captain Collier (Patrick Allen) in ein kleines Dorf in den Romney-Sümpfen an der Frankreich zugewandten englischen Küstengegend, um dort einer Schmugglerbande das Handwerk zu legen. Diese macht sich den Aberglauben um unheimliche Romney-Moorgeistern zu Nutze, um ungestört ihrem Treiben nachgehen zu können. Im Dorf treffen Collier und seine Männer auf den freundlichen Reverend Dr. Blyss (Peter Cushing), der weitaus mehr ist als er zunächst zu sein scheint. Und welche Verbindung hat der gefürchtete Pirat Captain Clegg, dessen Grab sich auf dem Kirchfriedhof befindet, mit den seltsamen Vorgängen in den Romney-Sümpfen?

Denkt man an Hammer, denkt man zuallererst an die berühmten Horrorfilme, welche die klassischen Monster der Universal Studios in neues, farbiges Licht rückten. Fans kommen sicherlich noch die von Clouzots „Die Teuflischen“ inspirierten, von Freddie Francis umgesetzten Psychothriller in den Sinn. Doch das Studio produzierte in seiner Glanzperiode noch sehr viel mehr. Neben einige „Robin Hood“-Streifen auch Piratenfilme. „Die Bande des Captain Clegg“ fällt zwischen diese beiden Genres. Sein Anti-Held ist Pirat, seine Bande Schmuggler – er selber sieht sich als eine Art Robin Hood, der gegen die Krone kämpft und den armen Leuten zu Reichtum verhilft. Und somit liegt die Sympathie des Zuschauers dann auch ganz klar bei dem doppelgesichtigen Geistlichen Dr. Blyss und nicht bei dem gewissenhaften Captain der Krone, der mit seinen Männern versucht, dem Schmuggler-Treiben ein drastisches Ende zu setzen. Dr. Blyss wird dabei von dem Hammer-Star Peter Cushing gespielt, der selber ein großer Fan der Vorlage war und sichtlich Freude an der Rolle hat.

Peter Cushing zeigt in „Die Bande des Captain Clegg“, was ihn so großartig machte. Brille auf und er ist der liebenswürdige, stets gütig lächelnde Vikar. Ein Mann, dem man ohne weiteres sein Haus anvertrauen würde, und der eine große Wärme ausstrahlt. Brille ab und aus Cushing wird augenblicklich der harte Chef einer Schmuggler-Bande, hinter dessen eisblauen Augen das Gehirn wie eine Maschine arbeitet. Zwischen diesen beiden Gesichtern liegt kein Atmenzug und Cushing überzeugt mit beiden gleichermaßen. Für Cushing war der Dr. Blyss eine Traumrolle, denn er war schon lange ein Fan der Bücher über Dr. Syn und sein Alter Ego Captain Clegg, welche diesem Film zugrunde lagen. Bereits 1937 gab es eine erste Verfilmung mit George Arliss und 1963 folgte eine weitere durch das Walt Disney Studio. Hier spielte Patrick „Nummer 6“ McGoohan die Hauptrolle. Da die Hammer-Produktion lediglich die Rechte am ersten „Dr. Syn“-Buch hatte, Disney aber die an den Figuren, musste Dr. Syn kurzfristig in Dr. Blyss umbenannt werden. Alle anderen Charaktere konnten allerdings ihre Namen behalten. Cushing selber versuchte sich immer wieder ins Drehbuch einzubringen und schrieb einige Jahre später selber ein auf den „Dr. Syn“-Romanen beruhendes Drehbuch, welches allerdings nie realisiert wurde. Selbst wenn man die Darstellungen von Arliss und McGoohan kennt, Peter Cushing IST einfach Dr. Blyss. Zu jeder Sekunde sieht man ihm seine Begeisterung und Spielfreude an. Sogar die zahlreichen Stunts führte er augenscheinlich zum Großteil selber aus.

Nah dran Peter Cushing die Schau zu stehlen ist Hammer-Veteran Michael Ripper, der in „Die Bande des Captain Clegg“ seine großartigste Darbietung zeigt. Der im Laufe seiner Karriere auf mal größere, mal kleinere Nebenrollen abonnierte Schauspieler, spielt hier die wahrscheinlich größte Rolle seines Lebens und lässt sich diese Chance nicht entgehen. Sieht man Ripper als Sargmacher Jeremiah Mipps, mag man kaum glauben, dass die Filmgeschichte keine Hauptrolle für ihn bereit hielt. Sympathisch, augenzwinkernd, aber auch hart durchgreifend, wenn es sein muss Im großen Finale möchte man fast mit ihm mit weinen. Aber auch die anderen Schauspieler gehen in ihren Rollen auf. Sei es der blutjunge Oliver Reed, der hier zwar weit hinter seinen ungeheuer charismatischen King aus „Sie sind verdammt“ zurückbleibt, dessen beeindruckende Präsenz aber auch hier in jederzeit spürbar ist. Oder der mehr als solide Patrick Allen welcher als Captain Collier eigentlich der nominelle Held der Geschichte sein müsste. Da aber die Sympathien der Filmemacher und des Drehbuchs ganz klar bei den Schmugglern liegen, bleibt für ihn nur der Platz eines klugen und sehr menschlichen Antagonisten, wobei der wahre Schurke der Geschichte der intrigante, eifersüchtige Barbesitzer Mr. Rash ist, welcher von Martin Benson herrlich widerlich gegeben wird. Allein die schöne Yvonne Romain bleibt etwas blass und ist mehr Ausstattungsstück als eigenständiger Charakter. „Die Bande des Captain Clegg“ ist eben ein reiner Männerfilm, der mit Frauen nicht viel anfangen kann.

Obwohl formell nicht dem Horrorfilm zuzurechnen, herrscht auch in „Die Bande des Captain Clegg“ eine Hammer-typische, unheimlich Atmosphäre vor. Diese wird von den „Moorgeistern“ verbreitet. Eine wahrlich schauerliche Gruppe von Geisterreitern, die auf ihren skelettierten Pferden durch das neblige Moor reiten und selber nur aus Gerippe und Totenschädel zu stehen scheinen. Zwar wird recht schnell verraten, dass es sich bei den Moorgeistern um sehr irdische Phänomene im „Misfits“-Outfit handelt, trotzdem sind die Szenen in denen sie auftauchen recht gruselig und beeindruckend gefilmt. Auch für den stämmigen „Mulatten“, zunächst noch ein besonders bedauernswerter Charakter, wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem unheimlichen Todesengel, der immer wieder aus den Schatten auftaucht, um jemanden zu meucheln. Dies sind aber nur die Sahnehäubchen auf einen durchweg unterhaltsamen und kurzweiligen Film, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und vor allem auch wegen Peter Cushings exzellenter Darbietung und den pointierten Dialogen zwischen ihm und seinem Feind von der Marine noch heute viele Freunde hat.

Die schöne Blu-ray Veröffentlichung des Hauses Anolis lässt diesen schönen Film in ganz neuer Pracht erstrahlen. Auch der glasklare Ton macht Freude. Neben der guten deutschen Synchronfassung ist natürlich auch der O-Ton an Bord. Richtig punkten kann die Blu-ray in Punkto Ausstattung. War die alte DVD von Koch Media mehr oder weniger „bare bones“, so wird hier groß aufgefahren. Zunächst findet man hier einen informativen Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz. Hochinteressant ist auch das Featurette „The Making of Captain Clegg“ (32 Minuten). Und sehr hübsch geraten ist das kurze „Die Kutschen des George Mossman“ (7 Minuten), wo man viel über den Mann erfährt, der Hammer mit Kutschen ausstattete. Sonst gibt es noch den US- und deutscher Trailer, sowie britische, deutsche und französische Werberatschläge und eine Bildergalerie. Alles in allem wieder eine tolle Veröffentlichung für einen wirklich schönen Film.

Das Bloggen der Anderen (19-06-17)

Von , 19. Juni 2017 16:44

bartonfink_type2– Sascha Schmidt von Okaeri sprach auf der Nippon Connection 2017 mit Jasper Sharp von Midnight Eye und Autor von „Behind the Pink Curtain“ über den japanischen Roman Porno.

– Alexander Matzkeit stellt auf real virtuality vier Bücher vor, die ihm geholfen haben, Hollywood zu verstehen.

– Beim Kinogucker gibt es wieder lehrreiches über alte Kinotechnik: Diesmal „Der Bobby“.

– Was im Kinosommer noch so alles ins Haus steht, das weiß Der Kinogänger.

– Rüdiger Suchsland rechnet in der 157 Folge von Cinema Moralia auf out takes mit der Deutschen Filmförderung ab.

– Rainer Kienböck beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit Chris Maker und nimmt als Ausgangspunkt dessen Festival-Trailer, den dieser zum 50. Geburtstag der Viennale gestaltet hat.

– Olga Galicka schreibt auf B-Roll über das weibliche Gewaltpotential im Film. Und Andreas Köhnemann verteidigt das Remake.

– Schwanenmeister stellt auf negative space das Programm des 4. Terza Visione Festivals in Frankfurt vor.

– Oliver Nöding bespricht auf Remember It For Later zweimal großartiges deutsches Kino. Einmal den Über-Film „Blutiger Freitag“ von Rolf Olsen, der – Subkultur und unzähligen Crowdfundern wie mir sei Dank- nun in einer ultimativen Fassung veröffentlicht wurde, sowie Roger Fritz Debütwerk „Mädchen Mädchen“ (ebenfalls von Subkultur), zu dem Eckhart Schmidt das Drehbuch schrieb.

– Lukas Foerster empfiehlt auf Dirty Laundry zwei mir gänzlich unbekannte Filme: „Lumiere d’ete“ von Jean Gremillon, 1943, und „Desire to Be a Bad Man“ von Tsutomu Tamura, 1960. Klingt beides sehr spannend.

– Das ist so ein Film, den ich damals als Jugendlicher mal im TV aufgeschnappt hatte und unter dem ich mir etwas ganz anderes vorgestellt hatte. Ich weiß noch, dass ich den nicht gut fand – aber nicht, weil er schlecht war, sondern weil ich mit ihm nichts anzufangen wusste. Trotzdem bleiben einige Bilder im Kopf hängen und sind jetzt, vielleicht 30 Jahre später, immer noch präsent. Es wäre also mal an der Zeit „Der Mann, der die Katzen tanzen ließ“ wiederzusehen. Insbesondere, wenn funxton ihn so sehr lobt.

– Mauritia Mayer von Schattenlichter verschlägt es diesmal nach England, wo sie uns „And Soon the Darkness“ von Robert Fuest ans Herz legen möchte.

– 18 Jahre ist es nun her, dass Daniel Myrick und Eduardo Sánchez das „Blair Witch Project“ auf die Filmwelt losgelassen haben und 1.000de (größtenteils uninspirierte, doofe) Nachahmer gefunden haben. Christian von Schlombies Filmbesprechungen schaut zurück.

– LZ beleuchtet auf screen/read ausführlich Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“.

Filmbuch-Rezension: Ingo Strecker „Gorillawood – Das große Buch der Hollywood-Gorillas“

Von , 17. Juni 2017 16:43

Manchmal merkt man gleich, wenn es die große Liebe ist. Mir erging es so, als ich Ingo Streckers wundervolles Buch „Gorillawood“ aus dem Briefumschlag zog. Ein dicker, großformatiger Schinken, der den Einen vielleicht an ein Telefonbuch, mich jedoch augenblicklich an Michael Weldons „The Psychotronic Video Guide“- erinnert hat. Noch so ein Buch, welches mein Herz im Sturm eroberte – damals bevor ich Internetzugang hatte und damit (fast) alle Informationen aus der Welt des merkwürdigen Films auf einen Knopfdruck.

„Gorillawood“ handelt von den Männern, die sich vor allem ab den 30er Jahren in Hollywood wortwörtlich zum Affen machten. Die Gorillamänner, die unter schweren Kostümen schwitzten und ackerten, damit Tarzan gegen einen „waschechten“ Gorilla kämpfen konnte oder diverse Komiker voller Panik davonrennen. Oder wie ein Kollege von mir kopfschüttelnd meinte: „Das ist ja nun wirklich ein Buch für die Nische in der Nische“. Das stimmt wohl auch – und es ist großartig. Mir war zuvor nie bewusst gewesen, dass es wirklich Männer gab, die zusammen mit ihrem Kostüm von Filmproduktionen quasi ausgeliehen wurden. Und dass diese Männer mit ihren markanten, leicht zu unterscheidenden und damit gut wiederzuerkennende Kostümen dann in mehrere Filmen auftraten. Irgendwie hatte ich die seltsame Vorstellung, für jeden Film wäre ein neues Kostüm genäht worden, welches dann irgendein unbekannter Stuntman übergeworfen bekam. Aber weit gefehlt. „Gorillamann“ war damals ein Beruf und die Kostüme, die sich allesamt im Besitz der Darsteller befanden, wurden von diesen nicht nur gehegt und gepflegt, sondern teilweise auch erstellt. Sie waren ein kostbares Arbeitsmaterial, welches den Broterwerb sicherte. So musste z.B. Emil Van Horne seine Karriere beenden, als sein Kostüm von seiner Vermieterin, der er Geld schuldete, einfach als Pfand einbehalten wurde.

Die Männer unter dem Fell sind so unterschiedlich, wie ihre Schöpfungen. Da ist der Filipino Charles Gemora, der König der Gorillamänner“, der von der Filmaustattung und Make-Up kam, und die herrlichsten Gorillakostüme für sich und andere entwarf. Ray Corrigan – ein veritabler B-Western-Star, der teilweise auch in Filmen, in denen er eine „menschliche“ Hauptrolle spielte, ins Fell schlüpfte. Emil Van Horne, der nebenbei auch in Burlesque-Shows den Affen markierte. Steve Calvert, der eigentlich Barkeeper in Hollywood war. Und dann gab es noch andere. Ihre teilweise unglaublichen Lebensgeschichten hier werden nacherzählt und ihre Kostüme – und vor allem auch ihre Art die Affen zu spielen – ausführlich vorgestellt.

Und das Fantastische an diesem Buch ist es, dass Ingo Strecker tatsächlich jeden Film, in dem die Gorillamänner mitgewirkt haben, bespricht. In seinen reichlich und absolut wundervoll bebilderten Besprechungen, liegt sein Augenmerk natürlich zunächst einmal auf dem Gorillamann. Auf dessen Darstellung, wie er an die Rolle kam und natürlich das Kostüm, welches er benutzte. Aber Ingo Strecker hält sich nicht nur damit auf. Er gibt auch die Handlung der größtenteils seltenen und hierzulande unbekannten Filme detailliert wieder, und schreibt viel über dessen Einordnung in der Filmgeschichte, über die Studios und die „menschlichen“ Darsteller. So lernt man eine Menge über Serials, heute nahezu vergessene Komiker und über die Schauspieler in A-, B- und C-Filmen und ihre Geschichten. So schafft es Ingo Strecker mal eben im Vorbeigehen, gleich eine ganze Geschichte des mittlerweile untergegangen, klassischen Hollywoods in all seinen unterschiedlich budgetieren Ausprägungen von A bis Z auf Papier zu zaubern. „Gorillawood“ ist nicht nur eine Geschichte der „Gorillamänner“ sondern auch eine des B-Films, so wie es ihn heute nicht mehr gibt.

Die beeindruckende Recherchearbeit, die hinter diesem Buch steckt, ist wahrlich enorm. Dazu ist es auch ein unfassbares Wunder, welch grandioses Bildmaterial Ingos Strecker für sein Buch zusammengetragen hat. „Gorillawood“ lädt herzlich ein zum Schmökern, Staunen und darin versinken. Ich habe „Gorillawood“ in einem Rutsch verschlungen und konnte mir danach kaum noch vorstellen, dass es auch gute Filme ohne Gorillas geben soll. Oder frei nach Loriot: „Ein Film ohne Gorillamänner ist möglich, aber sinnlos“.

Ingo Strecker Gorillawood – Das große Buch der Hollywood-Gorillas“, tredition, 516 Seiten, € 34,80

Schauburg: Sönke Wortmann stellt seinen Film „Sommerfest“ vor

Von , 16. Juni 2017 22:03

Am Dienstag, den 27. Juni um 18:00 Uhr stellt Sönke Wortmann (u.a. „Das Wunder von Bern“, „Deutschland – ein Sommermärchen“, „Der bewegte Mann“)  zusammen mit den Darstellerinnen Anna Bederke und Sandra Borgmann in der Schauburg seinen neuen Film „Sommerfest“ vor. Der Film beruht auf einem Ruhrpott-Romans des Autoren Frank Goosen und startet offiziel erst zwei Tage später in den deutschen Kinos.

“Die geistige Enge, das Spießertum, das ewige Gelaber von Arbeit und Fußball, die niedrigen Häuser und der ganze Dreck” – Stefan (Lucas Gregorowicz) hat ziemlich viel an seiner ehemaligen Heimat, dem Ruhrgebiet, auszusetzen. Inzwischen wohnt der Schauspieler in München, arbeitet am Theater und ist bloß in die alte Heimat zurückgekommen, um die Formalitäten nach dem Tod seines Vaters zu klären. Unerwartet läuft er dabei jedoch so manchem alten Bekannten über den Weg, und jeder fragt ihn: “Hast du schon mit Charlie gesprochen?”

Charlie und Stefan – so hieß das Traumliebespaar aus Kindertagen. Doch das Wiedersehen mit der Jugendliebe Charlie (Anna Bederke) stürzt Stefan in Zweifel darüber, ob er wirklich den richtigen Weg eingeschlagen hat. Während in München das Vorsprechen bei einer Seifenoper wartet, lernt Stefan das Ruhrgebiet zusammen mit alten Freunden wie den Lebenskünstlern Olaf (André Rohde), Diggo (Markus John) und Toto (Nicholas Bodeux) neu kennen. Und schließlich ist da ja auch noch das titelgebende Sommerfest, bei dem alle Freunde von früher zusammenkommen.

Quelle: Schauburg

DVD-Rezension: “The Void“

Von , 15. Juni 2017 06:36

Während seiner nächtlichen Streife entdeckt Deputy Carter (Aaron Poole) ein schwerverletzten Mann (Evan Stern) am Straßenrand. Carter bringt diesen umgehend zum nächstgelegenen Krankenhaus, obwohl dort zur Zeit nur eine Notbesetzung ihren Dienst tut. Dort angekommen entwickelt sich die Nacht zu einem einzigen Albtraum: Vor dem Gebäude versammelt sich eine unheimliche Gruppe vermummter Gestalten, und im Krankenhaus verwandeln sich die Eingeschlossenen in rasende Killer und schleimige Monster…

Würde man eine Liste anfertigen, von welchen Genrefilmen sich die Macher des kanadischen „The Void“ inspiriert haben lassen, so wäre rasch der erste Absatz dieser Besprechung und vielleicht auch noch der zweite gut gefüllt. John Carpenters „Die Fürsten der Dunkelheit“ (mit Abstrichen auch „Assault on Precint 13“), „Hellraiser“ und „Re-Animator“ sind da nur die Beispiele, die als erstes ins Auge springen. Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofmauer“ und „Die Geisterstadt der Zombies“ sind etwas weniger plakative Inspirationsquellen. Tatsächlich fühlt man sich angenehm an das Horrorkino der 80er Jahre erinnert. Was auch daran liegt, dass man erfreulicherweise auf seelenlose CGI-Effekte weitgehend verzichtet hat und ein beeindruckender Teil des Aufwands in wunderschöne, handgemachte Effekte geflossen ist. Da laufen dem Freund von Latexmasken und Kunstblut angenehme Schauer den Rücken herunter und man fragt sich unwillkürlich, warum die hohe Kunst der „echten“ Special Effects heutzutage fast schon vergessen ist, und selbst das Blut aus dem Computer stammt muss. Eine recht preisgünstige Produktion wie „The Void“ – die mit Crowdfunding-Mitteln realisiert wurde – schafft es doch auch, kreative Masken und handgemachte Effekte auf den Bildschirm zu zaubern.

Dass das alles dann auf Kosten einer originellen Geschichte geht, nimmt man mal so hin. Auch, dass die Charaktere nicht gerade mit dem feinen Pinsel, sondern eher mit der groben Bürste gezeichnet wurden. Überraschungen bleiben also aus, sofern man die „Originale“ kennt. Und ein Subplot, wie der um den Verlust eines Kindes durch das Protagonisten-Paar, wirkt zu dick aufgetragen, um wirken zu können. Auch aus dem Schurken hinter der apokalyptischen Geschichte hätte man mehr machen können. Hinter seiner freundlichen Maske bleibt er anfangs so blass und egal, dass man nach seiner Verwandlung in ein dämonisches Überwesen mit Gottkomplex Mühe hat, sich an seine vorherige Inkarnation überhaupt zu erinnern. Zu beliebig wird diese Figur aus dem Hut gezaubert. Immerhin schafft es Aaron Poole in der Hauptrolle, seinen Deputy Carter sehr sympathisch und lebendig zu gestalten. Ebenfalls relativ gut gelungen ist das Duo, welches zunächst als unheimliche und skrupellose Killer eingeführt wird, sich dann aber als wertvolle Helfer im Kampf gegen Sektenmitglieder und untote Kreaturen entpuppen. Allerdings merkt man dem Drehbuch zu sehr die Absicht an, diese beiden Charaktere als heimliche Helden zu etablieren. Das wirkt dann eher krampfhaft bemüht als cool, zumal die Figur des Sohnes vom Drehbuch vollkommen im Stich gelassen wird.

Doch davon abgesehen, weiß „The Void“ durchaus zu gefallen, was nicht nur an den einfallsreichen, bodenständigen „Creature Designs“ und der für eine FSK16 recht ungewöhnliche Härte liegt. Das Regie-Duo, welches bei einigen großen Blockbustern schon in der Special Effects Abteilung zusammengearbeitet hat, zieht seine Geschichte flott und angenehm humorlos durch. Keine ironisches Augenzwinkern in Richtung der Vorbilder, keine coolen Sprüche. Diese Ernsthaftigkeit tut dem Film sehr gut. Zudem machen Jeremy Gillespie und Steven Kostanski das Beste aus ihrem schmalen Budget und lassen das verlassene Krankenhaus tatsächlich zum „Tor zur Hölle“ werden. Die dichte, stimmungsvolle Inszenierung lässt einen trotz aller Vorhersehbarkeit ab und zu an den Nägeln kauen. Handwerklich kann man Gillespie und Kostanski also keine Vorwürfe machen. Kameraarbeit, Ausstattung, Lichtsetzung – alles vom Feinsten. Es wird spannend sein, den weiteren Weg der Beiden zu beobachten und zu sehen was passiert, wenn sie die Möglichkeit haben ein etwas eigenständiges, besser ausgearbeitetes Drehbuch zu realisieren. Bis dahin ist „The Void“ aber schon einmal eine erstklassige Visitenkarte mit der Empfehlung für höhere Weihen,

„The Void“ ist eine sympathische, blutig-schleimiger Eintopf aus Motiven der großen Horrorklassiker der 80er Jahre von Carpenter über Baker bis Fulci. Dabei bleibt die Eigenständigkeit etwas auf der Strecke und die Figuren sind mitunter recht grob geschnitzt. In Sachen Creature Design, blutige Effekte, Ausstattung und stimmungsvoller Kameraarbeit können die beiden Regisseure aber bereits eine eine Empfehlung in eigener Sache abgeben.

Das Bild der DVD ist recht gut, auch wenn es an einigen Stellen noch optimaler hätte ausfallen können. Da lässt dann die Schärfe etwas nach. Der Ton ist klar und deutlich, wobei kaum die Möglichkeit zu Surround-Effekten genutzt wird. Trotz einer sehr liberalen FSK 16 ist der recht blutige und harte Filme ungeschnitten. Echtes Bonusmaterial sucht man vergeblich. Lediglich mit Trailern wird man abgespeist.

Panorama Theme by Themocracy