Blu-ray-Rezension: „Milano Kaliber 9“

Von , 29. März 2017 19:38

Ein dilettantischer durchgeführter Raubüberfall hat Ugo Piazza (Gastone Moschin) hinter Gitter gebracht. Wegen guter Führung wird er nach drei Jahren entlassen und umgehend von seinen alten Kumpanen in Empfang genommen. Kurz vor Ugos Verhaftung verschwanden nämlich 300.000 US-Dollar und der Mailander Gangsterboss „der Amerikaner“ (Lionel Stander) hat Ugo in Verdacht, diese beiseite geschafft zu haben. Nun wird Ugo Schritt auf Tritt von dem Schläger Rocco (Mario Adorf) und seinen Leuten verfolgt, die versuchen ihn unter Druck zu setzen. Doch Ugo scheint sich nur nach einem ruhigen Leben mit der wunderschönen Nelly (Barbara Bouchet) zu sehnen. Doch der Druck auf Ugo wächst und schon bald sieht er sich gezwungen, wieder für den „Amerikaner“ zu arbeiten. Doch gleich der erste Job geht schief, und die Leichen fangen sich an zu türmen…

Milano Kaliber 9“ ist für mich ein besonderer Film. Es war damals der Film, der mich in das Genre des Poliziottesco, des italienischen Polizeifilms, einführte. Der mich von der ersten Sekunde lang mitgerissen hat. Mich nicht wieder losließ und noch lange nach dem Schlussbild beschäftigte. Der zu meiner Messlatte für alle weiteren Poliziotteschi wurde und welche vielleicht in wenigen glücklichen Fällen erreicht, nie jedoch überboten wurde. Dabei hatte es der Film bei mir zunächst nicht leicht. Angefixt durch das Buch „Der Terror führt Regie“ von Karsten Thurau und Michael Cholewa, welches ich irgendwann um 1999 herum auf einer Filmbörse mitgenommen hatte (wenn mich mein Gedächtnis nicht ganz trügt), waren meine Erwartungen an den Film schon extrem hoch. „Der Terror führt Regie“ damals das erste Buch in Deutschland, welches sich überhaupt mit dem Poliziottesco beschäftigte und von daher für mich ein sehr wichtiges Werk, denn es eröffnete mir ein Genre, mit welchem ich mich bisher noch nicht beschäftigt hatte. Das war noch in einer Zeit, in der das Internet zwar schon Einzug in das allgemeine Leben hielt, aber Filmfreunde tatsächlich noch ihr Wissen noch vor allem aus den – spärlichen – Publikationen zum Thema europäisches Genrekino speisten. Der Säulenheiliger des Autoren-Duos war Fernando di Leo, sein zentrale Meisterwerk „Milano Kaliber 9“.

Dann hatte ich endlich „Milano Kaliber 9“ im Videorekorder. Eine Kopie des alten deutschen VHS-Tapes. Vielleicht die zweite oder dritte. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich die her hatte, das Bild war jedenfalls noch erstaunlich gut. Da war man zu den wilden, prä-DVD-Zeiten auch anderes gewohnt – was man aber ohne viel Murren schluckte, nur um endlich mal den begehrten Titel, über den man zuvor nur mal irgendwas gelesen hatte, sehen zu können. Egal wie. Und, holla, allein der Anfang von „Milano Kaliber 9“ hatte es dermaßen in sich, dass ich den Film auch dann als Meisterwerk tituliert hätte, würde der Rest aus Schwarzbild bestanden haben. Diese furiose Montage, in der in nur fünf Minuten zu der kongenialen Musik von Luis Bacalov die Geschichte eines fehlgeschlagenen Geldschmuggels und den brutalen Konsequenzen erzählt wird, gehört bis heute für mich zu den großartigsten Filmanfängen aller Zeit. Gleich ganz oben dort mit jenem von Orson Welles‘ „Im Zeichen des Bösen“ oder Leones „Spiel mit das Lied vom Tod“. Vor einigen Jahren gab es im Bremer Kommunalkino mal kurzzeitig ein kleine Gruppe, die sich in regelmäßigen Abständen traf, um Filme anhand von Filmausschnitten vorzustellen und zu diskutieren. Leider habe ich es nur einmal geschafft, an dieser kurzlebigen Veranstaltung teilzunehmen. Das Thema war „Filmanfänge“. Ich hatte natürlich „Milano Kaliber 9“ im Gepäck und danach war es sehr ruhig im Raum und man sah viele heruntergeklappte Kinnladen. Bildungsauftrag erfüllt.

Nun ist „Milano Kaliber 9“ bei filmArt erstmals in Deutschland in HD erschienen. Zeit Mailand mal wieder einen Besuch abzustatten, nachdem ich den Film nun schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. Und was war das für ein Wiedersehen. Wie beim ersten Mal traf mich die Rasanz und Gewalt der ersten Minuten wie ein Hammer. Mario Adorf liefert in seiner Darstellung des Rocco eine der besten Leistungen seiner an überragenden Darstellungen nicht gerade armen Karriere ab. Er spielt nicht, er ist. Dieses schleimig-einschmeichelnde, dass in der nächsten Sekunde in erschreckend rohe Brutalität umschlägt. Hier der narzisstische Clown mit den viel zu großen Gesten, dort der hitzköpfige, aber in der Wahl seiner Mittel erschreckend kontrollierte Gewaltmensch. Und am Ende die einzig ehrliche Figur in diesem Film Noir voller Intrigen, Masken und Machtspielchen. Rocco mag ein extrem gefährlicher, stets gewaltbereiter Schläger sein, dem ein Menschenleben nichts bedeutet. Der ohne mit der Wimper zu zucken wortwörtlich über Leichen geht. Aber er gibt niemals vor, jemand anderer zu sein als der, der er ist. Rocco ist immer Rocco, womit er sich von den anderen Figuren in dieser Geschichte unterscheidet.

Überhaupt diese Schauspieler, die Regisseur und Autor Fernando di Leo für sein Poliziottesco-Debüt zusammengetrommelt hat. Allen vorweg der unglaubliche Gastone Moschin, der ein wenig an eine primitivere Version von Jason Statham erinnert. Er versprüht pure Körperlichkeit, wenn er seinen massiven Leib, dieses unbewegte, wie festgemeißelte, grobschlächtige Gesicht durch Mailand schiebt. In jeder Szene nimmt er sich einfach den Raum, den er braucht – ohne dass er sich groß anstrengen müsste. Es ist fast nicht zu glauben, dass dieser aus grobem Fels gehauene Mann auch in der leichten Muse daheim war. Zwei Jahre zuvor hatte er so wunderbar einen spleenigen, britischen Landpolizisten in Michele Lupos schönen „Konzert für eine Pistole“ gespielt und im selben Jahr wie „Milano Kaliber 9“ gab er als Nachfolger von Fernandel (der während der Dreharbeiten verstarb) den Don Camillo! Übrigens mit „Kaliber 9“-Gegenspieler Lionel Stander als Peppone. Um gegen diese Naturgewalt anzuspielen, braucht es ganz besondere Schauspieler, und die Leo hat sie. Neben dem fantastischen Mario Adorf quasi als Gegenentwurf zu Moschins Ugo Piazza, ist da der alt gewordene Philippe Leroy als Killer im Ruhestand. Ruhig, überlegt und von einer schweren Melancholie durchzogen. Frank Wolff, als wütender Kommissar mit althergebrachten, faschistischen Ansichten. Urgestein Lionel Stander als Gangsterboss „Amerikaner“ – irgendwo zwischen Güte und knallharter Skrupellosigkeit. Und letztendlich auch die göttliche Barbara Bouchet in der Rolle ihres Lebens. Von ihrem ersten Auftritt als Erotik-Tänzerin – der niemanden auf dem Sitz halten dürfte – bis hin zum großen Finale, als sich plötzlich ihr schönes Gesicht in eine gierige Hexenfratze verwandelt.

Aber was wären diese tollen Schauspieler und die souveräne Regie Fernando di Leos ohne seine anderen Mitstreiter, die aus „Milano Kaliber 9“ solch einen kraftvollen, unvergesslichen Film gemacht haben. Ohne Kameramann Franco Villa (dessen Lied man nicht laut genug singen kann, wie ich es bereits anlässlich des Western „Mörder des Klans“ tat, wo dieser viel zu unbekannte Meister hinter der Kamera bereits sein großes Können zeigte. Schade, dass er später im Bodensatz des italienischen Exploitationkinos versank), der genau weiß, wie man mit den Schatten spielt. Wie man den Eindruck einer Szene noch verstärken kann, indem die Kamera leicht in die Untersicht gebracht wird bringt. Der im richtigen Moment ganz nah dran an den Gesichtern und Figuren ist. Der Mailand diese raue, triste Antlitz verleiht. Ohne Amedeo Giomini, der mit seinem Schnitt den Actionszenen diese unerhörte Dynamik gibt. Und natürlich – die Musik. Was Luis Bacalov zusammen mit der Prog-Rock-Gruppe Osanna hier zum Film beisteuert, hebt diesen noch einmal auf ein ganz anderes Level. Ein Soundtrack für die Ewigkeit. Wie bei der eingangs beschrieben Geldübergabe mit jedem Wechsel der Träger die Musik von neuem anschwillt und aus den Boxen birst – das geht unter die Haut. Oder jene Musik, welche Barbara Bouchets erotischen Auftritt begleitet. Melodien für die Ewigkeit. Schade, dass der tollen Veröffentlichung nicht auch noch der Soundtrack beiliegt. Aber das ist schon ein sehr hehrer Wunsch. Man muss filmArt dankbar sein, dass „Milano Kaliber 9“ nun in einem hervorragenden HD-Bild vorliegt, welches all die großen Qualitäten dieses Meisterwerkes noch einmal deutlich hervorhebt.

Ein zeitloser Klassiker des italienischen Gangsterfilms. Keine Maurizio-Merli-Haudrauf-Action, sondern ein desillusionierter Film Noir, bei dem alles stimmt. Von den überragenden Schauspielern bis zur aufpeitschenden Musik. Selten was das ausgelutschte Wort vom „Muss see“ so angebracht wie hier.

„Milano Kaliber 9“ ist die Jubiläumsnummer 10 der „Polizieschi Edition“ aus dem Hause filmArt und endlich mal wieder ein echtes Schwergewicht. Die Scheibe kommt als Blu-ray-/DVD-Kombi daher und hat den Film in der ungekürzten Originalfassung (102 Minuten, die Stellen ohne Synchronisation wurden untertitelt) und der deutschen Kinofassung (95 Minuten) daher. Bild und Ton sind sehr gut. Positiv sei vermerkt, dass der Film bei aller Brillanz seinen „Kinolook“ behält und somit lebendig und nicht totgefiltert aussieht. Beim deutschen Ton hat man allerdings das Gefühl, dass hier etwas zu viel Atmo raus gefiltert wurde. Das klingt manchmal etwas flach. Sehr angenehm und informativ ist die 15-minütige Einführung in den Film, in der Prof. Dr. Marcus Stiglegger das am film beteiligte Personal vorstellt. Sehr interessant sind auch die halbstündige Dokumentation „Calibro 9“ – quasi ein Making-Of – und das 39 Minuten lange Featurette „Fernando DiLeo – Die Entstehung des Genres“ in dem Fernando di Leo über seine lange Karriere Auskunft gibt. Beide Features befinden sich auch auf der Raro-Veröffentlichungen (USA und Italien). Leider wurde auf das Feature „Scerbanenco noir“ (über den Autoren der Vorlage), welches in den internationalen Veröffentlichungen auch enthalten war, hierzulande verzichtet. Ferner sind noch Trailer (leider nicht der deutsche), ein Musik-Video der Gruppe Salem’s Pop (welches zu der Tanz-Szene mit Barbara Bouchet das Hauptthema des Filmes remixt, verfremdet und mit vielen Scratch-Effekten versieht – ist nicht so mein Ding) und ein sogenanntes Artbook mit dem kompletten deutschen Kinoaushang.

Das Bloggen der Anderen (27-03-17)

Von , 27. März 2017 18:02

bartonfink_type2– Wie in der Vorwoche war auch diesmal wieder sehr wenig im Netz los. Dementsprechend kurz wird die Übersicht wieder. Starten möchte ich mit einer Herausforderung, der sich Christian Witte von Witte’s wöchentliche Tipps stellte. Er zog mal eben ein 24-Stunden-Filmmarthon durch, währenddessen er 15 Filme am Stück guckte. Da wird man doch glatt ein wenig neidisch, dass man mittlerweile so ein alter Sack ist, dass einem solche schönen Schnappsideen nicht im Traum mehr einfallen würden. Ich bin ja schon froh, wenn ich in der Woche einen Film ohne einzuschlafen hinbekomme. Wie es sich gehört, hat er auch brav Protokoll geführt.

– Morgen Luft stellt auf Cinematographic Tides den Kurzfilm „Next Floor“ vor, den Shooting-Star Denis Villeneuve 2008 inszenierte. Tja, und wer am Ende dann noch die „Einstürzenden Neubauten“ in sein Blog-Posting mit unterkommt, den verlinke ich gleich doppelt so gerne.

– Den Tod Tomas Milians hat Heiko Hartmann von Allesglotzer zum Anlass genommen, sich noch einmal dessen tollen Film „Die Kröte“ vorzunehmen.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen findet, dass Warren Beattys „Dick Tracy“ absolut eine Wiederentdeckung verdient hat. Meine Erinnerungen an den Film sind nur sehr schwach (und bunt), aber ich glaube, Schlombie hat Recht.

Funxton hat einige Filme mit Stewart Granger gesehen, die ihm alle sehr gut gefallen haben. Die Spitzenposition nimmt bei ihm aber mit einer 10/10-Wertung „Gefährten des Grauens“ von 1952 ein.

Samuel Fullers „Park Row“ hatte ich bisher überhaupt nicht auf dem Schirm. Dank der enthusiastischen Besprechung auf Drei Cineasten hat sich dies nun aber geändert.

– Einen Film, den ich bisher nur vom Namen her kenne und – natürlich – von seinem super catchy Titelsong, das ist „Gina Wildkatze“. Eine Zeitlang meinte ich sogar, den dazugehörigen Film gäbe es gar nicht. Totalschaden von Splattertrash hat ihn aber irgendwo ausgegraben. Nun, eine lange und schwierige Suche lohnt wohl nicht, sehen würde ich ihn trotzdem mal gerne.

– Auf Grün ist die Heide beschäftigt sich Udo Rotenberg mit einer weiteren Zusammenarbeit von Regisseur Alfred Weidenmann und Autor Heinz Reinecker, die später so manchen „Derrick“ zusammen machen sollten. Nach dem NS-Propagandafilm „Junge Adler“, arbeiteten sie nach dem Krieg zusammen an dem preisgekrönten dokumentarischen Kurzfilm „Weg in die Freiheit“ über die Resozialisierung im Strafvollzug.

– Olga Galicka schreibt auf B-Roll über zwei Filme, die sich mit dem Schicksal junger Flüchtlinge. Beide Filme klingen sehr sehenswert und das Lesen der Inhaltsangaben hat mich bereits recht bewegt. Andreas Köhnemann gibt einen kurzen Überblick über die Filme, die sich aktuell „based on a true story“ nennen.

– Ebenfalls „based on a true story“ ist der Film „Barry“, der sich mit den frühen Jahren Barack Obamas beschäftigt. Victoria Steiner hat den Film sehr genau unter die Lupe genommen und auf Blickabtausch eine sehr lesenswerte Rezension geschrieben.

– Ich bin ja immer wieder dankbar für gute Tipps aus dem aktuellen Horrorkino, welches meiner Meinung nach schon seit längerem sehr viel mehr Masse als Klasse produziert. Nicolai Bühnemann empfiehlt auf Filmgazette nachdrücklich „Bedeviled: Das Böse geht online“ und trotz des etwas doofen Titels bin ich nach seiner so positiven Rezension sehr neugierig auf den Film geworden.

– Und auch LZ von screen/read hat eine Empfehlung für mich: „The Monster“ , den ich mir auch gleich mal notiert habe.

– Isabelle Huppert hat einen Film in Süd-Korea gedreht! Eigentlich sogar drei Kleine. Michael Schleeh berichtet auf Schneeland von Hong Sang-soos bereits 2012 entstanden Film „In Another Country“.

Nachruf: Tomas Milian (1933-2017)

Von , 24. März 2017 19:43

Nachrufe zu schreiben ist immer eine ebenso traurige, wie ungeliebte Aufgabe. Darum halte ich mich damit zumeist gerne zurück, es sei denn, es betrifft einen jener Leinwand-Heroen oder Menschen hinter der Kamera, die mir etwas ganz Besonderes bedeuten. Vorgestern verstarb Tomas Milian. Wer sich nur im Entferntesten für das italienische Kino der 60er und 70er Jahr interessiert, der kennt dieses Gesicht. Nun, vielleicht sogar nicht nur dieses eine, denn Milan war ein begnadetes Chamäleon, welches vollkommen mit seiner Rolle verschmolz.

Besonders schön ist dies in Umberto Lenzis „Die Kröte“ zu sehen, wo er eine Doppelrolle spielt. Einmal den langhaarigen Buckligen, aus dem ein aus jahrelangem Spott und Unterdrückung geborener Menschenhass herausbricht (unvergesslich die Szene, in der sich zunächst vor der „feinen Gesellschaft“ zum Clown macht, um sich dann langsam als furchterregender Springteufel zu entpuppen, der bereit ist jeden einzelnen von ihnen mit seiner MG zu durchsieben). Und dann spielte er auch noch den bärtigen, mit einem gewaltigen Lockenkopf versehenen „Monnezza“, der ständiger in er blaue Latzhose steckt und sich lautstark über alles und jeden beschwert. Diesen wild gestikulierenden, lauten und immer ziemlich assigen „Monnezza“ , kannte man bereits aus „Das Schlitzohr und der Bulle“ und „Die Gangster-Akademie“.

1976 transformierte Milian diese Figur in „Die Strickmütze“ in den unkonventionellen, an Al Pacinos „Serpico“ orientierten Polizisten Nico Giraldi. Dem „Hippie Nico von der Kripo“, dem „Superbullen“ und „Schlitzohr“ von dem die deutschen Filmtitel der zwischen 1976 und 1984 enstandenen, 11-teiligen „Nico-Geradi-Reihe“ künden. Hierzulande hieß Geraldi bald schon „Tony Marroni“, die Kastanie, und dürfte unter diesem Namen vielen ein Begriff sein, die sich in den 80ern die den Videotheken herumgetrieben oder Anfang der 90er viel frühes Privatfernsehen geschaut haben. Milians bekannteste Figur, zeigte ihn als sehr körperlichen Schauspieler. Überlebensgroß, schon jenseits der Grenze zum comichaften. Leinwandsprengend, mitunter auch etwas nervig.

Aber Milian konnte auch ganz anders. Still, grüblerisch und ernsthaft in Filmen wie „Der Todesengel“ oder „Don’t torture a duckling“. Bedrohlich als vollkommen außer Kontrolle geratener Giulio Sacchi in Lenzis intensivem „Der Berserker“ oder als sadistischer Chako in Lucio Fulcis „Verdammt zu leben – verdammt zu sterben“. Milian war im Arthouse-Kino eines Michelangelo Antonioni („Identifikation einer Frau“) und Luchino Visconti („Boccaccio 70“ ) ebenso Zuhause, wie in herrlichem Blödsinn wie „Stetson – Drei Halunken erster Klasse“, wo er einen verrückten Samurai verkörperte oder in „Bud, der Ganovenschreck“ als schmierige Gigolo an der Seite von Bud Spencer.

Bei mir hinterließ er den ersten großen Eindruck in Sergio Sollimas erstklassiger Italo-Western-Trilogie „Der Gehetzte der Sierra Madre“, „Von Angesicht zu Angesicht“ und „Lauf um Dein Leben“. Meilensteine des Genres, die auch von Milians fiebriger Darstellung leben. Und natürlich als stoischer Fremder in Giulio Questis surrealistischen Albtraum-Western „Töte Django“.

Mitte der 80er ging der auf Kuba geborene Schauspieler in die USA, wo er schon in den 50er Jahren lebte und sich wie James Dean in den legendären Actor’s Studios ausbilden ließ. Dort war er im Fernsehen in den Serien „Miami Vice“ und „Mord ist ihr Hobby“ zu sehen, aber auch in großen Produktionen wie Sydney Pollacks „Havanna“, Oliver Stones „JFK“ oder Steven Spielbergs „Amistad“. Meist in kleiner Nebenrollen. 2000 holte ihn Steven Soderbergh für „Traffic“ vor die Kamera, wo er noch einmal eine größere Rolle spielte. Dann wurde es still um diesen großen Schauspieler. 2014 hatte er nach neun Jahren Pause noch einmal einen Auftritt in der Komödie „Fugly!“ mit John Leguizamo in der Hauptrolle.

Nun ist die Legende am 22. März in Miami mit 84 Jahren gestorben. Uns aber bleiben seine Filme, die diesen Ausnahme-Schauspieler für immer lebendig halten werden.

Blu-ray-Rezension: “Die 13 Söhne des gelben Drachen“

Von , 22. März 2017 06:33

Der Stammesfürst Li Ke Yung (Feng Ku) und seine 13 Generäle, allesamt Söhne und Adoptivsöhne des Patriarchen, gehen gegen Rebellen vor, welche die Hauptstadt Changan besetzt halten. Im Alleingang kann sein jüngster Sohn Li Tsun Hsiao (David Chiang) den gegnerischen General Meng (Bolo Yeung) besiegen, was ihm die Gunst des Vaters und gleichzeitig die Eifersucht seiner Brüder Li Tsun Hsin (James Nam) und Li Kang Chun (Chung Wang) einbringt. Diese machen gemeinsame Sache mit dem Stadthalter des Kaisers Chu Wen (Sing Cheng), der Li Ke Yung zu einem opulenten Siegesmahl einlädt, in der Absicht ihn umzubringen. Nur mit Hilfe seiner treusten Söhne und unter schmerzlichen Opfern kann Le Ke Yung entkommen. Doch die Intrige der beiden abtrünnigen Brüder soll noch mehr Tote fordern…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die 13 Söhne des gelben Drachen“ ist einer jener opulenten Ausstattungsfilme, für die es bei den legendären Shaw Brother Studios vor allem einen Spezialisten gab: Chang Cheh. Und gerade bei solch einer aufwändigen Produktion wie „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ erkennt man warum. Scheinbar mühelos manövriert er Hunderte von Statisten und eine fast schon unüberschaubare Anzahl von Pro- und Antagonisten durch eine im Grunde simple, dann durch ihre Episodenhaftigkeit und der Unmenge von Namen, die einem um die Ohren gefeuert werden, doch wieder komplizierte Geschichte. Am Ende aber bekommt der Zuschauer einen Film, der trotz seiner vielen bunten Einzelteile doch wie aus einem Guss wirkt und dem ihm – auch wenn man nicht sofort alle Hintergründe und Verwicklungen erfassen kann – bestens unterhält. Da helfen dann natürlich die gut choreographierten Kämpfe und Massenaufmärsche, die Chang Cheh mit einem fast unfehlbaren Auge für beeindruckende Bilder festhält.

Im Gegensatz zu seinen Filmen „Der Pirat von Shantung “ oder „Duell ohne Gnade“ wirkt „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ sogar recht zahm und zurückhaltend. So fließt das Blut nicht gleich von Beginn an in rauschenden Bächen und das Maß an Sadismus, welches für seine Filme häufig typisch ist, bleibt zunächst im normalen Rahmen. Dies gilt vor allem für den ersten Kampf zwischen David Chiang und einem sehr jungen Bolo Yeung oder die „Kommando-Aktion“ von sieben Brüdern, die in die Festung des Gegners eindringen. Das wirkt – gerade im Vergleich zu den beiden voran genannten Titeln – dann fast schon kindertauglich. Aber nur fast. Wenn Chang Cheh erst einmal loslegt, gibt es kein Halten mehr. Gerade zwei Szenen sind es, die hier lange im Gedächtnis haften bleiben. Einmal ein blutiger Kampf auf einer engen Brücke, bei dem Ti Lung versucht, seinen Vater aus den Klauen der Gegner zu retten und wortwörtlich als „Last Man Standing“ immer neue Wellen von Angreifern zurückschlägt. Und dann natürlich die berüchtigte Szene, in der eine der Hauptfiguren von vier Pferden auseinandergerissen wird und seine Einzelteile blutige Spuren im Sand hinterlassen. Gerade weil der Film in Vergleich zu Chang Chehs sonstigen Exzessen recht zurückhaltend bleibt, schockiert gerade diese Szene zutiefst.

Die Geschichte von den „13 Söhnen des gelben Drachen“ spielt lange vor der Zeit, die normalerweise in den Shaw Brothers-Filmen abgehandelt wird, nämlich in der Tang Dynastie (618-907). Dies ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Kostümierung der „Heldenhaften“ mit den Fellmützen und -mänteln ist doch etwas ungewohnt. Auch ist man überrascht, dass der Patriarch Li Ke Yung und seine 13 (Adoptiv-)Söhne gegen Rebellen antreten.Denn normalerweise sind es ja die Rebellen, die in den klassischen Hongkong-Filmen die Helden stellten. Zu der Verwirrung trägt auch die Besetzung des Li Ke Yung mit dem charismatischen Ku Feng bei. Dieser ist eigentlich auf durchtriebene, skrupellose Bösewichte abonniert und auch seine farbenfrohe Darstellung hier gestaltet sich durchaus ambivalent. Zwar ist er zum einen natürlich derjenige, auf dessen Seite einen der Film stellt, zum anderen besitzt er auch keine Skrupel seine Söhne, wenn sie die ihnen gestellte Aufgabe nicht nach seinem Willen erledigt haben, kurzerhand zum Tode zu verurteilen. Nein, ein sympathischer Charakter ist dieser Li Ke Yung wahrlich nicht.

Auch seine Söhne begeistern nicht gerade durch übertriebene Freundlichkeit. Allein der von David Chiang gespielte Heißsporn Li Tsun Hsiao ist – trotz aller Arroganz die er ausstrahlt – eine Identifikationsfigur. Ti Lung bringt als Shih Ching Szu zwar auch alle Qualitäten eines stoischen Helden mit, bekommt aber relativ wenig zu tun und spielt hier nur die zweite Geige. Han Chin fällt noch als besonnener Bruder auf, während James Nam möglicherweise ein tragischer Charakter sein soll, allerdings ebenso schleimig unsympathisch bleibt wie der bekannte Schurkendarsteller Wong Chung als durchtriebenster und fieseste Bruder von allen. Die restlichen Brüder dienen eher als Staffage. Was leider im Finale zu einem Problem wird, wenn diese eher gesichts- und farblosen Charaktere plötzlich mit den Bösewichten abrechnen. Da sie zuvor nicht richtig eingeführt und zu lebendigen Figuren aufgebauten wurden, verpufft die Dramatik hier leider ziemlich.

Die Geschichte der 13 Söhne und dem „gelben Drachen“ soll auf wahren Begebenheiten der chinesischen Geschichte beruhen. Allerdings wurden sich – bis auf den historischen Kontext – große fiktionale Freiheiten erlaubt. Diese historischen Geschehnisse scheinen in China durchaus bekannt zu sein, denn 1982 entstand noch eine Fernsehserie um die 13 Generäle des Li Ke Yung, die vom damals noch unbekannten Johnnie To in Szene gesetzt wurde. Im Cast dieser Serie finden sich auch einige weibliche Schauspielerinnen. Solche tauchen in „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ so gut wie gar nicht auf. Zwar darf David Chiang kurz einem jungen Mädchen schöne Augen machen, welches die alte Ordnung gegen die Rebellen unterstützt, doch dieses verschwindet fast ebenso schnell aus dem Film, wie es gekommen war. Was schade ist, wird das Mädchen doch von Lily Li gespielt, ein gern gesehenen Gesicht in zahlreichen Shaw Brothers Produktionen. Doch Chang Ches Film sind nun einmal reiner Männerfilm. Und während er in andere Filme meist noch eine dünne Alibi-Liebesgeschichte einbaut (wobei es aufrichtige Liebe und Respekt dann doch nur wieder unter Männer gibt), verzichtet er hier ganz darauf. Zugunsten von viel Pathos, Spektakel, blutigen Verrat und hinterhältigen Intrigen.

Chang Cheh verzichtet bei seinem bunten Kostüm-Epos größtenteils auf allzu blutige und sadistische Details, um dem Zuschauer am Ende doch noch ein extrem schmerzhaftes Finale zu bieten. „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ bietet darüber hinaus aber auch schön choreographierte Massen- und Schlachtszenen, böse Intrigen und eine Menge Stars.

Auch mit der Nummer 8 ihrer Shaw-Brothers-Collector’s-Edition bleibt sich filmArt treu. Wieder ist es eine BluRay/DVD-Combo. Und wie bei den vorangegangenen Veröffentlichungen innerhalb dieser Reihe weiß das Bild durch eine unglaubliche Klarheit und Brillanz zu bestechen. Der Ton besteht aus der deutschen Neu- und Kinosynchronisation, sowie Mandarin mit zuschaltbaren detuschen untertiteln. Die Neusynchro stammt von 2004 und war notwendig, da in der alten Veröffentlichung satte 30 Minuten Handlung fehlten. Man kan sich aussuchen, ob man den Film nun komplett in der neuen Synchronisation schauen möchte, oder in der Kinofassung, wobei die zahlreichen „Leerstellen“ mit der Neusynchro aufgefüllt werden. Hierzu kann dasselbe wie zu „Die 36 Kammern der Shaolin“ geschrieben werden. Die neue Synchronisation ist gut, aber im Vergleich zu der sehr lebendigen Kinofassung mit seinen markanten Sprechern etwas steril. Allerdings ist der Unterschied nicht ganz so drastisch, wie bei den „36 Kammern“. D.h., wann immer von der Kino- zur Neusynchro gesprungen wird, ist der Bruch zwar merkbar, aber nicht ganz so hart. Als Extras liegt ein Booklet mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei. Zusätzlich kann der Zuschauer auch die Fassung der Erstaufführung (von 35mm, 95 Minuten) oder der Wiederaufführung (von 16mm, 80 Minuten) auswählen. Außerdem gibt es noch einen Trailer und eine selbstlaufende Bildergalerie.

Das Bloggen der Anderen (20-03-17)

Von , 20. März 2017 19:27

bartonfink_type2– Da in der vergangenen Woche nicht allzu viel in der „Blogosphäre“ los war, möchte ich die freien Platz gleich mal nutzen, um mal wieder auf den schönen Blog Witte’s Wöchentliche Tipps hinzuweisen. Einmal, weil mir diese bunte Sammelsurium trotz (oder gerade wegen) einiger unterschiedlicher Ansichten sehr gefällt und dann, weil ich selber weiß, wie anstrengend es ist, eine wöchentliche Rubrik zu unterhalten.

Ein ähnliches Konzept, aber nicht ganz so regelmäßig, verfolgt auch Michael Scheck auf Hauptsache (Stumm)Film. Er bespricht einen Hauptfilm (diesmal „Der Tote lebt“ mit Robert Tylor und Lana Turner) und dann noch etwas kürzer aktuellere Filme.

– Normalerweise ist Nerdtalk ein reiner Podcast und fällt hier deshalb in der Regel raus. Diesmal hat Phil aber etwas schönes getextet und zwar sein Geständnis: „Ich bin ein Abspannsitzenbleiber“.

– Drei Jahre und insgesamt 150 Folgen lang hat Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de in einem großen „Special“ Animationsfilme vorgestellt. Nun ist er am Ende angekommen – was ich schade finde – und hat zum krönenden Abschluss noch einmal einen sehr tollen Tipp: Mamoru Oshiis „Angel’s Egg“, der ihn sehr. Sehr begeistert hat. Ein würdiger Abschluss der Reihe.

– Das Studio Ghibli hat seinen ersten Film in Kooperation mit einer europäischen Produktionsfirma fertiggestellt. Das Ergebnis, Die rote Schildkröte“ , nennt Matthias Holm auf Die Nacht der lebenden Texteeine wunderschöne Erfahrung“.

Ideologie in Filmen und ihre ganz unterschiedliche Deutung – darüber schreibt Lucas Barwenczik auf B-Roll am Beispiel von „Sie leben“ und „Fight Club“. Falk Straub macht sich über das sogenannte „white washing“ in Hollywoodfilmen (hier Scarlett Johansson spielt in „Ghost in the Shell“ eine in der Vorlage asiatische Figur) und die berechtigte/unberechtigte Kritik daran so seine Gedanken. Und Patrick Holzapfel schreibt über das Essen von Blumen im Film. Genau.

– Apropos „Ghost in the Shell“. Wer seine Erinnerungen an den Original-Film auffrischen möchte, der kann dies bei Schlombies Filmbesprechungen tun. Ferner ist Christian auch noch dabei, die Edgar-Wallace-Reihe abzuarbeiten und ist diesmal bei „Die Bande des Schreckens“ gelandet.

– Rainer Kienböck stellt auf Jugend ohne Film den presigekrönten, dreistündigen Dokumentarfilm „Hoop Dreams“ von 1994 vor.

– Ein anderer Dokumentarfilm, „I am not your negro“ von Raoul Peck, wird auf filmgazette von Wolfgang Nerlin ausdrücklich empfohlen.

Short Cuts Totale beschäftigt sich weiterhin mit Ingmar Bergmanns Frühwerk und geht sehr detailliert auf den 1948 entstanden „Hafenstadt“ ein.

– Udo Rotenberg untersucht die Wurzeln der „Commedia sexy all’italiana“ und schreibt auf L’amore in città über „Ich lass‘ mich nicht verführen“ den Dino Risi 1957 nach einem Drehbuch von Pasquale Festa Campanile, der später für das Genre noch sehr wichtig werden sollte.

– Seitdem sich Oliver Nöding von Facebook zurückgezogen hat und nicht mehr regelmäßig seine neusten Besprechungen auf Remember It for Later postet, ist er doch tatsächlich etwas aus meinem Blickfeld geraten. Und ich vermisse auch etwa meinen „täglichen Nöding“. Gut, dass seine Beiträge dann einmal die Woche in meinem Newsfeed-Reader auftauchen. Sonst hätte ich wahrscheinlich seine Texte über Roger Cormans „Bloody Mama“ und Michael Apteds „The Squeeze“ (gerade auf die „Muss-ich-gucken“-Liste gewandert) verpasst.

– Über Denis Villeneuves „The Arrival“ habe ich bisher nur immer zwei Meinungen gelesen: Großartig oder Murks. Funxton sortiert sich mit seiner Besprechung mehr oder weniger in der Mitte ein.

– „Tanz der Teufel“ ist wieder da und Sebastian von Nischenkino hat ihn sich im Kino angesehen. Ich sehe zwar vieles (auch nachdem ich ihn tatsächlich vor zwei Wochen noch einmal im Kino gesehen habe) zwar etwas anders als Sebastian (insbesondere „Man muss jedoch sagen, dass das Drehbuch keinen Pfifferling wert ist, denn der Film ist an manchen Stellen so behämmert dass man nur den Kopf schütteln kann“ möchte ich widersprechen), aber bei Fazit: „Raimi hat damals gezeigt, wie kreativ, unterhaltsam und gleichzeitig angsteinflößend ein low-budget Horrorfilm sein kann“ bin ich wieder ganz bei ihm.

News: 5. Favourites Film Festival vom 24.-28. Mai im Cinema Ostertor

Von , 16. März 2017 06:30

Das ist ja eine Überraschung. Nachdem das Favourites Film Festival nun schon vier Mal sehr erfolgreich im Kommunalkino City 46 lief, ziehen die beiden Festivalleiterinnen Anna Jurzik und Paula Syniawa für die fünften Ausgabe des beliebten Festivals um. Und zwar in das nicht minder sympathische Cinema Ostertor.

Die Beiden begründen ihre Entscheidung so: „Wir wollen nicht nur bewegende, internationale Festivalfilme nach Bremen bringen, es war von Anfang an eines unserer wichtigsten Ziele, einen einladenden Ort des Austauschs und der Kommunikation für Besucher mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zu schaffen, die sich sonst vielleicht gar nicht treffen würden. Der Umzug ins Cinema im Ostertor entspricht unserem Wunsch, ein lebendiges Festivalzentrum zu schaffen“.

Dass das City 46 ihrer Meinung nach kein „einladender Ort des Austauschs und der Kommunikation“ ist, stimmt mich recht traurig. Ich habe dies zu meiner aktiven Zeit dort immer anders empfunden, war aber leider auch seit einem Jahr nicht mehr dort, da sich Kinobesuch und Familie nicht immer gut unter einen Hut bringen lassen. Zudem bin ich Ende letzten Jahres schweren Herzens und aus rein finanziellen Gründen (vorläufig) aus dem Förderverein ausgetreten und daher nicht mehr „nah dran“. Der Kommentar der beiden Festivalleiterinnen erfüllt mich aber gerade mit großer Sorge.

Aber genug davon, wenden wir uns wieder dem Favourites Film Festival zu, welches dann vom 24. bis zum 28. Mai 2017 im Cinema Ostertor stattfindet.

Intern: Blogroll aufgeräumt

Von , 15. März 2017 20:19

Lange habe ich es vor mir hergeschoben, denn ebenso lange war es mir ein Dorn im Auge.

Nach bestimmt drei Jahren (aus dem Bauch heraus geschätzt) habe ich endlich mal meine Blogroll, also die Liste mit Links zu anderen Internetseiten dort rechts, aufgeräumt.

Erst einmal habe ich alles gelöscht, was tot war. Und war dabei selber sehr überrascht, wie viele meiner alten Favoriten mittlerweile nicht mehr existieren oder nur noch ein digitales Geisterleben führen.  Da erfüllt es mich schon mit etwas Stolz, dass ich diesen Blog im Alleingang seit nunmehr 9 Jahren am Leben halte. In guten, wie in schlechten Zeiten.

Falls sich jemand vermisst und denkt: „Hey, warum bin ich da plötzlich verschwunden? Mein Blog lebt doch noch!“ oder „Wieso stehe ich da nicht, wenn mein Blog doch immer beim Bloggen der Andren verlinkt wird?!?“ oder „Ich hätte da einen super Tipp für Dich!“ – dann mir bitte gerne eine Nachricht zukommen lassen.

News: Nach 41 Jahren wird Orson Welles‘ letzter Film „The Other Side of the Wind“ von Netflix fertiggestellt

Von , 15. März 2017 11:30

Vor einigen Jahren sah ich den wunderbaren Dokumentarfilm „Orson Welles: The One Man Band“, welcher sich mit dem  Leben und Werk von Orson Welles befasste. Dieses wunderbare Kleinod befand sich auf der deutschen DVD von Welles‘ brillantem „F wie Fälschung“. Zu sehen gab es unter anderem Ausschnitte aus Welles‘ vielen unvollendeten Werken. Darunter waren auch viele Szenen aus seinem letzten Film „The Other Side of the Wind“, den er zwar abgedreht, aber niemals fertiggestellt hatte. Und – Junge, Junge – das war etwas. Die außergewöhnlichen Bilder versprachen ein visionäres Meisterwerk. Aber, ob das Versprechen eingelöst worden wäre – das konnte niemand sagen. Denn die Filmrolle lagerten irgendwo. Darauf wartend, dass sich jemand ihrer annimmt.

In der Zwischenzeit gab es immer mal wieder Gerüchte, dass der Film des 1985 verstorbenen Welles doch noch fertig gestellt wird. Einmal wollte Welles Freund Peter Bogdanovic (der bei „The Other Side of the Wind“ neben der anderen Regielegende John Huston die Hauptrolle spielt) sich des Werkes annehmen. Vor zwei Jahren gab es eine Crowd-Funding-Aktion, bei der $400,000 für die Fertigstellung des Filmes zusammenkamen. Und nun endlich tut sich etwas. Spiegel Online berichtete, dass der Streaming-Dienst Netflix die weltweiten Rechte an dem Film gekauft hat und das unvollendete Werk nun fertigstellen wird. Die 1083 Filmrollen mit Material seien schon in Los Angeles eingetroffen. Wer nun befürchtet, der Film würde nur zum Streaming zur Verfügung gestellt werden, für den gibt es eine wundervolle Nachricht: Scheinbar plant Netflix auch Kinovorführungen. Das wäre für mich ein Traum, der wahr wird. Ich bin sehr freudig gespannt.

Geschrieben wurde „The Other Side of the Wind“ von Welles und der kroatischen Schauspielerin Oja Kodar, die er 161 bei den Dreharbeiten von „Der Prozess“ traf und die bis an sein Lebensende eine Liebesbeziehung verband. Oja Kodar spielt auch eine der Hauptrollen in „The Other Side of the Wind“ und ist auch in Welles‘ Film „F für Fälschung“ eine der Hauptfiguren. Gedreht wurde unter widrigen Umständen zwischen 1970 und 1976. An der Kamera stand Gary Graver, der unter dem Pseudonym Robert McCallum unzählige Klassiker des amerikanischen Pornofilms drehte.

„The Other Side of the Wind“ ist – laut Wikipedia – “a satire of both the passing of Classic Hollywood and the avant-garde filmmakers of the New Hollywood of the 1970s. The film was shot in an unconventional mockumentary style in both color and black-and-white, and it incorporated a film-within-a-film that spoofed the work of Michelangelo Antonioni.” Er handelt von dem altem Regisseur Jake Hannaford, der einen Tag nach seinem 70sten Geburtstag stirbt. Der Film erzählt von der rauschenden Geburtstagsparty in der Nacht vor seinem Tod und von dem gewagten Film-im-Film „The Other Side of the Wind“, welcher Hannafords Comeback werden sollte.

Das Netflix-Projekt wird vom  Produzenten Frank Marshall geleitet, der damals auch an dem Film mitgearbeitet hatte. Das Material muss noch fertig geschnitten werden, es fehlt die komplette Filmmusik sowie die gesamte Postproduktion. Marshall und sein Team wollen sich dabei an persönlichen Notizen von Welles orientieren. Wann „The Other Side of the Wind“ endlich fertiggestellt wird ist noch offen. Eine Deadline gibt es nicht. Laut Netflix-Manager Ted Sarandos darf sich das Team so viel Zeit nehmen wie nötig. Auch eine gute Nachricht.

Das Bloggen der Anderen (13-03-17)

Von , 13. März 2017 17:42

bartonfink_type2– Nachdem die letzte Woche leider krankheitsbedingt ausfallen musste, widme ich mich in dieser Woche umso lieber meinen Bloggerkollegen. Zum Auftakt Claudia Siefen, die auf Jugend ohne Film einen sehr schönen Aufsatz über das Yakuza-Kino geschrieben hat.

– Sascha Schmidt weist auf Okaeri auf die ersten Highlights der diesjährigen Nippon Connection hin.

– Was es demnächst Neues aus Hollywood gibt, das weiß Der Kinogänger.

– Sven Safarow berichtet auf Safarow schreibt über zwei Interviews, die er kürzlich führen durfte. Darunter das legendäre in „Revolver“ veröffentlichte „Cinephile“-Gespräch.

– Ein sehr schönes Interview hat auch Werner Herzog gegeben. Sascha Brittner verlinkt darauf auf PewPewPew.

– Anna Wollner hat Barry Jenkins – dessen „Moonlight“ ja den Oscar gewonnen hat – ein Interview für B-Roll geführt. Eine gute Gelegenheit für Lucas Barwenczik, noch einmal Jenkins bisherige Karriere unter die Lupe zu nehmen.

– Flo Lieb von symparanekronemoi, kann „Moonlight“ nicht allzu viel abgewinnen. Im wird „das Besondere“ an dem Film nicht klar.

– Michael Sennhauser schreibt auf Sennhausers Filmblog über den Filmkritiker im Wandel der Zeit und seinen eigenen Weg ins Netz.

– Christian Genzel lässt das Thema Sylvia Kristal nicht los. Diesmal hat er auf Wilsons Dachboden den Film „Erste Klasse“ von Salvatore Samperi wiederentdeckt.

– Was für ein Zufall. Gestern hatte ich erst die DVD von „The Night Child“ in der Hand, habe mich dann aber kurzfristig für „The Brood“ als Abendunterhaltung entschieden. Ein paar Minuten später veröffentlicht Mauritia Mayer auf Schattenlichter einen Text über „Night Child“. Dann ist der bei mir wohl heute oder morgen dran.

– Das Genre des Eurospy habe ich bisher sträflich vernachlässigt. Totalschaden aber von Splattertrash widmet sich dem Thema aber regelmäßig. Jetzt gerade hat er einiges lesenswertes über den recht unbekannten „Mike Murphy 077 gegen Ypotron“ geschrieben.

– Bianca von Duoscope ist begeistert von dem südkoreanischen Zombie-Film „Train to Busan“. Für sie zeigt der Film den Siegeszug des Humanismus.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf Grün ist die Heide weiter mit Fredy Quinn. Diesmal steht dessen Film „Freddy unter fremden Sternen“ im Mittelpunkt.

– Auch Christian von Schlombies Filmbesprechungen setzt eine Reihe fort. Noch immer ist er Mitten in seiner persönlichen Edgar-Wallace-Retrospektive und hat nun neben dem großartigen „Die toten Augen von London“ auch den unbekannteren „Der Fälscher von London“ – den ich sehr mag – am Wickel.

– Oben auf meiner „Muss-ich-noch-gucken“-Liste steht George Pals letztes Werk: „Der mysteriöse Dr. Lao“ mit Tony Randal in der Titelrolle. Funxton schreibt: „(Der Film) kreuzt auf ebenso kluge wie amüsante Weise Facetten der Disney-Real (bzw. Mix-)Filme mit typischen Westernmotiven und ausladender Fantasy zu einem übergebührlich engagierten, philanthropischen Kinostück“.

– Auch noch nie wirklich gesehen (von Ausschnitten mal abgesehen): Gerry Andersons legendäre Puppen-TV-Serie „Thunderbirds“. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de vergibt 8 von 10 Punkten. Dann muss ich da wohl mal schnell ran.

– Guilty Pleasure 1: Ich mag ja den alten Jean-Claude van Damme-Film „Cyborg“. Neulich konnte ich die liebgewonnen Erinnerungen auffrischen und der Film funktionierte bei mir noch immer als gelungene Unterhaltung mit ordentlichem Wumms. Volker Schöneberger von Die Nacht der lebenden Texte sieht das leider nicht so.

– Guilty Pleasure 2: Okay, die Erinnerung die ich noch als schön gemütliche Filmnachmittage auf RTL habe, konnte ich bisher noch nicht auffrischen. Damals mochte ich die herrlich blöden „Quatermain“-Filme aber sehr gerne. Sascha von Nischenkino geht es heute noch ähnlich.

– Durch Zufall bin ich über eine tolle Reihe bei critic.de gestolpert (in meinem Newsfeed-Reader wird diese nämlich nicht angezeigt). Mehrere von mir sehr gerne gelesene Autoren schreiben dort über das Werk der amerikanischen B-Film-Regisseurin Stephanie Rothman. Diese Woche nun war Oliver Nöding dran, der „The Velvet Vampire“ vorstellt. Kurze Anmerkung meinerseits: Die dort geposteten Screenshots erinnern mich stark an Anna Billers „The Love Witch“, weshalb ich mir demnächst mal den „samtenen Vampir“ zu Gemüte führen werde. Liegt hier schon bereit.

– Auf Olivers eigenem Blog Remember It for Later hat er diesmal etwas über Robert Englunds fast schon vollkommen vergessenem Regie-Debüt “976-Evil” (ich erinnere mich noch gut an die VHS) geschrieben und war sehr von „Swiss Army Man“ angetan.

Blu-ray-Rezension: “Die 36 Kammern der Shaolin”

Von , 9. März 2017 06:33

Während der Qing-Dynastie (1644–1911) wird das chinesische Volk von den Mandschu in der Gestalt des Generals Tien (Lo Lieh) unterdrückt und geknechtet. Der junge Student Liu Yu Te (Gordon Liu) schließt sich den Rebellen an, die jedoch schnell auffliegen und von den Mandschu getötet werden. Auch Liu Yu Tes Familie gehört zu den Opfern. Liu Yu Te kann jedoch entkommen und flieht schwerverletzt ins Shaolin-Kloster. Hier will er das berühmte Shaolin-Kung-Fu erlernen, um sich an den Mandschu zu rächen. Doch bevor es soweit ist, muss er zunächst 35 Kammern durchlaufen. In jeder Kammer wartet eine neue Prüfung auf ihn. Erst wenn er diese besteht, darf in die nächste Kammer aufsteigen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Es gibt Filme, die definieren für einen ein ganzes Genre – lange bevor man das erste Mal direkt mit ihm in Kontakt gekommen ist. „Die 36 Kammern der Shaolin“ fällt bei mir genau in diese Kategorie. Jahre bevor ich meinen ersten Shaw-Brothers-Film sah, war mit der Titel „Die 36 Kammern der Shaolin“ bereits geläufig. Wahrscheinlich hatte ich irgendwo Aushangfotos gesehen und in irgendeinem Heft darüber gelesen. Ich weiß noch dunkel, dass ein älterer Nachbarsjunge Hefte besaß, die „Kung Fu“ oder ähnlich hießen. Ich kann mich nicht mehr richtig daran erinnern, was da drin stand, ich meine aber, dass es da Artikel über Kung-Fu-Filme gab. Wo ich das schreibe, meine ich mich daran zu erinnern, dass es da auch etwas über Bruce Lees Tod und der verschwörerisch formulierten Frage, wie ein Bruce Lee sterben konnte, gab. Ich denke, da irgendwo habe ich auch das erste Mal was über „Die 36 Kammern der Shaolin“ gelesen. Als ich den Film dann endlich irgendwann mal in der TV-Ausstrahlung sah, kam er mir einerseits bereits bekannt vor, andererseits hatte ich von den legendären „36 Kammern“ auch ganz andere Vorstellungen. Ich war bis dahin der Meinung gewesen, dass sich hier jemand Videospiel-mäßig durch 36 Kammern voller gefährlicher Shaolin-Mönche kämpfen müsste. Ein Konzept, wie es Bruce Lee für sein leider nie beendeten „Game of Death“ entworfen hatte. Und obwohl ich im Kopf bereits eine ganz andere, wesentlich finstere und brutalere Geschichte durchgespielt hatte, wurde ich von „Die 36 Kammern der Sholin“ aber nicht enttäuscht. Bis heute ist es mir einer meiner liebsten Shaw-Brothers-Filme geblieben und einer der Hauptgründe, warum ich begann, mich eingehend mit dem klassischen Martial-Arts-Kino Hongkongs zu beschäftigen.

Als ich den Film jetzt wiedersah, war ich überrascht, wie viel Raum die „Rahmenhandlung“ einnimmt, die Erlebnisse San Tes im Shaolin Tempel einklammert. Der Film ist wie ein Triptychon aufgebaut, bei dem jeder Teil ungefähr ein Drittel einnimmt. Auf dem ersten Bild sehen wir Liu Yu-te, einen jungen, heißblütigen Mann, dessen Freunde von den bösen Mandschu eliminiert und und dessen Familie zerstört wurde. Das zweite Bild zeigt seine Transformation im Shaolin Kloster, nicht nur durch das eisenharte Training, in dem er die 35 Kammern durchläuft (wobei aber nur 10 Kammern gezeigt werden, ansonsten würde der Film ja über drei Stunden dauern) und sondern auch seine menschliche Entwicklung zu einem weiseren, besonnenen Wesen mit Namen San Te. Auf dem letzten Bild sehen wir den nun vervollkommneten Menschen San Te, der in die Welt hinaus und die selbst erfahren Weisheit und Wissen weitergibt. Man kann sich diesen Triptychon auch gut als in einer Kirche vorstellen, und anstelle Liu Yu-te, der zu San Te wird, vielleicht die Figur des Saulus, der zum Paulus wird. Im Grunde beschreibt „Die 36 Kammern der Shaolin“ nämlich sehr genau den Archetyp der „Heldenreise“.

Und so ist es dann auch unvermeidlich, dass San Te am Ende in seine Heimatstadt zurückkehrt, im sich seinen Erzfeinden, den Mandschu, zu stellt. Wodurch es dann zum finalen Duell mit Lo Lieh als böser Mandschu-General kommt, der anfangs als schier unbesiegbarer Meister der Kampfkunst eingeführt wurde. Lieh hat hier leider nur eine kleine, wenn auch prägnante Rolle. Dass beide für diesen Schlusskampf aus der Stadt reiten, um sich dann auf einem menschenleeren Feld gegenüberzustehen, bricht zwar etwas mit der inneren Logik (warum folgt ihnen niemand und hat San Te nicht geschworen – und praktiziert – dass er nie jemanden angreift?), beschert dem Zuschauer aber ein feinen und gut choreographierten Kampf.

Natürlich hat es auch vor „Die 36 Kammern der Shaolin“ Filme gegeben, die sich mit dem Training der Helden und ihrem Weg zum Superkämpfer beschäftigten. Doch selten so konsequent wie hier. Der große Erfolg des Filmes führte nicht nur zu zwei Fortsetzungen (beide mit Gordon Liu, wobei er im zweiten Teil eine andere Figur spielt), sondern könnte auch eine Blaupause für die immens erfolgreichen Jackie-Chan-Filme „Die Schlange im Schatten des Adlers“ und vor allem „Sie nannten ihn Knochenbrecher“ sein, die im selben Jahr wie „Die 36 Kammern der Shaolin“ in die Kinos kamen. Diese erzählten mit sehr viel weniger Budget, Darstellern und Epos eine sehr ähnliche, wenn auch komödiantisch gefärbte Geschichte. Selbst der große amerikanische Erfolg „Karate Kid“ aus den 80ern führt diese Tradition fort. Und für Gordon Liu wurde San Te die Rolle seines Lebens. Der Schädel, den er sich extra für diese Rolle rasiert hatte, blieb auch in den folgenden Jahren blank und mit seinem älteren Bruder (Gordon Liu war laut einiger Quellen von Lau Kar-Leungs Vater adoptiert worden, Wikipedia schreibt aber, dass er lediglich ein sehr enges, väterliches Verhältnis mit Lau Cham pflegte) dem Shaolin-Film treu. 2005 holte ihn dann Quentin Tarantino – ein großer Fan der „36 Kammern“ – für seine beiden „Kill Bill“-Filme vor die Kamera. Hier spielte Gordon Liu dann gleich zwei Rollen: Die des Johnnie Mo, dem Anführer der „Crazy 88“, und jene des Pai Mei (die widerum auch auf „Die 36 Kammern der Sholin“ anspielt).

Nicht nur Gordon Lius Karriere wurde durch diesen Meilenstein des Kung-Fu-Kinos kräftig angekurbelt. Auch Regisseur Lau Kar-Leung, der zuvor eng mit der Shaw-Brothers-Legende Chang Cheh zusammengearbeitet hatte bis sich beide bei den Drehereien zu „Marco Polo im Reiche des Kublai Khan“ überwarfen, gelang hiermit der Durchbruch. In der Folge wurde er zum Spezialisten für Filme rund um das Shaolin Kloster und in den 80er Jahren drehte er so erfolgreiche Action-Filme wie „Tiger on the Beat“ und seine Fortsetzung. Dass Lau Kar-Leung eine Ausbildung zum Martial-Arts-Kämpfer hat, merkt man seinen Filmen deutlich an. Gerade in „Die 36 Kammern der Shaolin“ sind die Kämpfe sehr traditionell und akkurat. Lau Kar-Leung filmt sie auch meistens aus einer gewissen Distanz, so dass man den eleganten Bewegungen der Kämpfenden gut mit dem Auge folgen kann. Aber auch für Stimmungen hat Lau Kar-Leung ein gutes Händchen und so werden die Übungseinheiten im Kloster auch immer von einer gewissen Düsternis begleitet, die sich nicht eindeutig fassen lässt, aber die besondere Stimmung und vielleicht auch Wirkung dieses Filmes ausmacht.

„Die 36 Kammern der Shaolin“ ist vollkommen zurecht ein Klassiker seines Genres, der bis heute unzählige Male kopiert oder zitiert wurde. Lau Kar-Leungs kraftvolle Regie und Gordon Lius charismatisches Spiel ebneten ihnen den Weg zu einer lang anhaltenden Karriere.

„Die 36 Kammern der Shaolin“ ist in der schönen „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray ist wie immer über alle Zweifel erhaben. Da der Film in der alten deutsche Kinofassung um fast eine halbe Stunde Handlung gekürzt worden war, wurde er für die erste DVD-Veröffentlichung (durch MiB) 2004 komplett neu synchronisiert. Auf der filmArt-Scheibe sind nun beide Synchronisationen zu hören, die alte kürzere Kinofassung und die Neubearbeitung. Daher hat man die Wahl, entweder den Film komplett in der 2004er Synchro anzuschauen, die gekürzte Fassung in der Kino-Synchro oder – für diese Lösung habe ich mich entschieden – mit der deutschen Kinosynchro, wobei die Fehlstellen mit der 2004er Synchro aufgefüllt wird. Das ist aber, meiner Meinung nach, die schlechtere Wahl. Die Synchronisationen sind derartig unterschiedlich, dass man bei jedem Wechsel regelrecht aus der Handlung gerissen wird. Gordon Liu wird beispielsweise in der Kinofassung von Elmar Wepper, in der neuen Fassung von dem komplett anders klingenden Simon Jäger (deutsche Stimme von Matt Damon) gesprochen. Auch die Namen sind dann teilweise andere und aus den Mandschu werden Tataren. Das verwirrt maximal. Man sollte sich also besser sich gleich für die 2004er Synchro entscheiden. Die klingt zwar um einiges steriler und hat nicht die markanter Sprecher der Kinofassung, ist aber nun auch nicht so schlecht. Oder man guckt den Film in Kantonesisch oder Mandarin mit deutschen Untertiteln. Diese Option gibt es natürlich auch noch. Bis auf Trailer und ein Booklet mit Aushangfotos gibt es keine weiteren Extras.

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