Das Bloggen der Anderen (29-03-16)

Von , 29. März 2016 23:01

bartonfink_type2– Es gibt immer einige Filmblogs, die einem von Grund auf sympathisch sind, und bei denen man es aufrichtig bedauert, wenn man sie nicht verlinkt, weil die Beiträge gerade nicht ins Konzept passen. Umso mehr freut es mich, diesmal einen Text von Tonight Is Gonna Be a Large One zu empfehlen, der sich zwar nicht direkt mit Film, dafür aber mit dem Bloggen an sich beschäftigt und der immer wiederkehrenden Frage: Lohnt sich das alles noch? Vieles von dem, was bullion da schreibt, könnte ich so unterschreiben.

– Unter dem Titel „Cinema Moralia“ bloggt Rüdiger Suchsland auf Out Takes über alle möglichen Themen. Auch sein aktueller Eintrag ist eine lose Sammlung von Gedanken und kritischen Anmerkungen.

– Udo Rotenberg berichtet auf Grün ist die Heide von einem fast schon „verschwiegenen“ Film, der nach seinem Kinostart 1971 in der Versenkung verschwand und niemals – bis auf Italien – irgendwo auf VHS, geschweige denn DVD veröffentlicht wurde: Das Drama „Die Spalte“ von Gustav Ehmck. Udo schreibt: „Gewalt, Ausbeutung und Prostitution sind in „Die Spalte“ kein Spiel zwischen Männer-Fantasie und moralischer Entrüstung, sondern erbarmungslose Realität.“

– Um Prostitution geht es auch in „Top Girl oder la déformation professionelle“. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de kann das nüchterne Portrait des Alltags einer Prostituierten allerdings nicht so recht überzeugen. Weitaus mehr hat ihn „The Tribe“ mitgerissen, eine „in Kombination mit dem zugleich hässlichen und kunstvollen Äußeren (…) neuartige und faszinierende, zugleich auch anstrengende Filmerfahrung, die einen danach nicht wieder loslässt“. Bei seiner Rezension der deutsche Found-Footage (*gähn*) Produktion „Seekers“ merkt man dann deutlich, das er den Film gerne besser gefunden hätte, als er tatsächlich war.

– Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte hat sich ebenfalls eine neue deutsche Genre-Produktion vorgenommen: Den amerikanischen Vorbildern nacheifernden und mit zahlreichen bekannten Synchronsprechern besetzten „Radio Silence“, den er „vergnüglich“ fand.

– Michael Schleeh berichtet auf Schneeland ausführlich und informativ vom 40. Hong Kong International Film Festival.

– Rainer Kienböck kehrt auf Jugend ohne Film nochmals zur Grazer Diagonale zurück und konzentriert sich diesmal auf die experimentellen und avantgardistischen Filme. Und Patrick Holzapfel reflektiert über die Geschwindigkeit in Tony Scotts letztem Film „Unstoppable“.

– Sonja Hartl hat auf B-Roll einige sehr kluge und wahre Worte über das unsägliche Etikett „wie Tarantino“ für alle möglichen „schwarzhumorigen Gangsterkomödien“ geschrieben. Patrick Holzapfel (ja, wieder) reflektiert über „Such- und Traummaschinen: Zum filmischen Motiv der Suche“.

– Die beiden Fußball-Laien Frédéric Jaeger und Nino Klingler haben sich für critic.de zum Fußballfilmfestival 11mm begeben, um von Fans lernen, den Fußball zu verstehen.

– Christian Genzel hat auf Wilsons Dachboden Joe Dantes letzten Kinofilm „Weg mit der Ex“ gesehen, auf den er sich sehr gefreut hat, der ihn aber dann doch enttäuscht zurückgelassen hat.

– PD und YP unterhalten sich auf Film im Dialog über eine 80er-Ikone: „Top Gun“. Schade nur, dass beide den Film nicht besonders mochten. Hier wäre es vielleicht etwas spannender gewesen, wenn sie sich mal mit einem Fan des Filmes unterhalten hätten. Trotzdem interessant, wie zwei Menschen den Film sehen, die ihn in den 80ern nicht „live“ erlebt haben, ihm mit dem Abstand von 30 Jahren begegnen.

– Manchmal macht man Fehler. Eine, den ich noch immer sehr bereue ist es, vor zwei Jahren beim Filmfest in Oldenburg einen anderen Film der Doku „Lost Soul: The Doomed Journey Of Richard Stanley’s Island of Lost Souls“ vorgezogen zu haben und somit nicht nur ein Double-Feature mit eben „Island of Lost Souls“ verpasst zu haben, sondern – wie ich später erfuhr – auch noch Richard Stanley persönlich. Wenn ich lese, was Oliver Nöding auf Remember It For Later über die Doku schreibt, hat mein Hintern jetzt eine riesige Bisswunde. Ferner schreibt er über „Rolling Vengeance“, einem „Monster-Truck“-Film. Und ich erinnere mich noch gut, dass ich den Film eben unter diesem Titel einst im Kino (!) sah, um zwei Wochen überrascht festzustellen, dass der schon in der Videothek meines Vertrauens im Regal stand. Ich fühlte mich leicht veralbert.

– 1965 drehte Elvis-Stammregisseur Norman Taurog das Vincent-Price-Vehikel „Dr. Goldfoot And The Bikini Machine“ als Slapstick-artige Bond-Parodie. Ein Jahr später entstand die Fortsetzung „Dr. Goldfoot And The Girl Bombs“ unter der Regie von… Mario Bava! Mit Franco & Ciccio!! Und Vincent Price!!! Funxton hat beide Filme gesehen und weiß einiges darüber zu erzählen.

yzordderrexxiii ist in Liebe zu Aldo Lados wunderbaren „Malastrana“ entflammt.

– Mauritia Meyer schreibt auf Schattenlichter über einen ihrer Lieblingsfilme: „“Il delitto del diavolo“ ist ein poetischer Film, der uns verführt und zu angenehmen Wachträumen einlädt. Ein Kurzurlaub vom Lärm und der Schnelllebigkeit unseres Alltags in formvollendeter behaglicher Siebziger-Atmosphäre.“

– Der Kinogänger schreibt über den Film „Max und die drei Musketiere“ mit Max Linder, dem großen Vorbild von Charlie Chaplin. Eine bei Linders kurzen Ausflug in die USA entstandene Parodie.

– Endlich mal wieder ein Lebenszeichen von Hauptsache (Stumm)Film! Gabelinger geht ausführlich auf Jules Dassins „Das Gespenster von Canterville“ mit Charles Laughton in der Titelrolle ein.

– Lukas Foerster empfiehlt auf Dirty Laundry Kim Ki-young „komplett psychedelisch enthemmten Film“ „Woman of Fire“.

– Jamal Tuschick rechnet auf Hard Sensations mit „Rock the Kasbah“ (dem Film, nicht dem Song) ab.

– Und zuletzt: Real Virtualinks auf real virtuality.

Mein Tag mit den Film-Kids – Zu Gast beim Kinder-VHS-Kurs „Ich werde Filmkritiker“ in Hamburg

Von , 25. März 2016 16:51

Als mich mein lieber Freund Elmar fragte, ob ich eventuell Lust hätte, ihn bei einem Volkshochschulkurs für 12-18 Jährige als Gast zu unterstützen, dachte er wahrscheinlich nicht, dass ich zusagen würde. Der Termin lag Mitten in der Woche, was für mich bedeutete eine Tag kostbaren Urlaubs zu opfern. Obwohl es mich sehr reizte, einmal mit Jugendlichen zu arbeiten, zögerte daher kurz. Doch ein Blick auf den Kalender zeigte mir, dass der VHS-Kurs genau in die Woche fiel, in der unsere Zwillinge Geburtstag haben und ich eh eine Tag Urlaub nehmen wollte. Warum nicht einen weiteren Tag davor kleben? Durch unglückliche Umstände wurden es dann drei Tage, aber das soll an dieser Stelle jetzt auch egal sein. Am Mittwoch, den 16. März machte ich mich in den Morgenstunden auf nach Hamburg, denn der Kurs begann um 10:00 Uhr.

Elmar hatte mich bereits gewarnt, dass der Seminarraum eher suboptimal für das Unterfangen wäre. Es handele sich dabei nämlich um einen Kellerraum, der von einer Computerfirma als Lagerraum für allen möglichen Elektroschrott genutzt wurde. Der gute Elmar hatte schon den ganz Sonntag damit zugebracht, diesen Raum in einen halbwegs passablen Zustand zu bringen. Nun war er als Seminarraum halbwegs akzeptabel, auch wenn es dort unten recht kalt und muffig war. Ich muss aber sagen, dass Elmar aus den gegebenen Umständen ein Maximum raus geholt hat. Der Kurs selbst bestand aus sechs Jungs und einem Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren, von denen an diesem Tag aber nur die Jungs da waren. Ein weiteres Problem ergab sich dadurch, dass die Volkshochschule zusätzlich noch einen 10-jährigen im Kurs mit unter gebracht hatte. Und man muss leider sagen, auch wenn der 10-jährige immer wieder durch einige tiefgründigen Bemerkungen überraschte, so liegen zwischen dem Entwicklungsstadium eines 10-jährigen und eines 12-jährigen doch Welten. Ich weiß nicht, was sich die VHS dabei gedacht hatte, zumal natürlich auch die Filmauswahl auf 12+ ausgelegt war. Das alles waren organisatorische Probleme, die Elmar natürlich nicht zu verantworten hatte, die er aber trotzdem kurzfristig meistern musste. Was ihm hervorragend gelang.

Der Titel des Kurses war „Ich werde Filmkritiker“ und bestand dementsprechend aus dem Ansehen von Filmen und der Filmanalyse. Außer mir hatte Elmar für seine Schüler auch einige hochinteressante Gäste eingeladen, so dass ich es im Endeffekt bedauere, nicht die ganze Woche dabei gewesen zu sein, denn die hätte ich auch gerne gesehen und gehört. Am Tag vor mir war der Filmemacher Philipp Hartmann da, der seinen Essay-Film „Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe“ mitgebracht hatte und den Kindern für Fragen zur Verfügung stand. Wie Elmar mir berichtete, kam das auch sehr gut an, und es entwickelte sich eine sehr spannende Diskussion, an der sich alle rege beteiligten. Am Tag nach mir war – passend zu den Filmen „Formicula“ und „Matinee“ – Jens von der mir bis dahin unbekannten, aber empfehlenswerten Seite „Monstermensch“ zu Gast. Den Vogel schoss Elmar aber mit dem Freitags-Gast ab. Hier konnte er den Filmhistoriker Olaf Brill gewinnen, welcher DER Experte zum Thema „Das Cabinet des Dr. Caligari“ ist und ein Standardwerk zu diesem Film geschrieben hat. Da kann ich nur den Hut ziehen. Und wie ich dann später erfuhr, entwickelte sich auch hier eine lebhafte Diskussion, von der Olaf Brill sehr angetan war.

VHSHHNach „meinem Tag“ musste auch ich mein Vorurteil gründlich revidieren, dass „die Jugend von heute“ mit älteren Filmen nichts anzufangen weiß und sich für nichts interessiert, was über die modernen Blockbuster hinausgeht. Ebenso war ich sehr positiv überrascht, wie toll die Jungs mitgearbeitet haben, kluge Fragen stellten und interessante Beobachtungen machten. Mein Part bestand zunächst einmal darin, von meiner Arbeit als Blogger zu berichten, meinen Blog kurz vorzustellen und zu erklären, wie ich mich einer Filmbesprechung nähere. Dabei musste ich immer wieder aufpassen, nicht ins Schwafeln zu geraten, denn neben dem Thema „Filmkritik“ wollte ich den Jungs unbedingt mitgeben, dass man als Filmfreund auf Scheuklappen und hastige Pauschalurteile verzichten, und sich ganz offen für die ganze wunderbar reiche Welt der Filme zeigen sollte. Da kann es sein, dass mein „missionarischer Eifer“ etwas mit mir durchgegangen ist. Aber das ist auch ein Thema, welches mir sehr am Herzen liegt. Weg vom Schubladendenken, weg von einem „das ist doof, das gucke ich nicht“. Ausprobieren! Sich damit auseinandersetzen! Und dann erst entscheiden, ob man etwas mag oder nicht! Nicht schon vorher, weil es cool/uncool ist. Das wollte ich gerne mitgeben.

Danach schauten wir „Große Freiheit Nr. 7“. Für mich eine Premiere, denn obwohl der Film seit einem Jahrzehnt bei mir Zuhause als TV-Auszeichnung schlummert, bin ich doch nie dazu gekommen, ihn mir anzusehen. Nun konnte mich „Große Freiheit Nr. 7“ im Rahmen dieses Kurses überwältigen. Was für ein großartiger Film! Ein Pflichtprogramm für alle, die das Kino lieben. Nach dem Film gab es eine Mittagspause, in der Elmar und ich uns intensiv über „Große Freiheit Nr. 7“ austauschten und sehr gespannt waren, was „unsere Jungs“ dazu sagen würden. Für den weiteren Ablauf hatte Elmar einiges vorbereitet. Hier ging es dann um die versteckten Hinweise auf das Dritte Reich, sowie die Drehorte und ihre Geschichte. Auch mit zeitgenössischer Kritik wurde sich auseinandergesetzt, und es folgte eine lebendige Frage- und Antwortrunde. Dabei fand ich es interessant, dass keiner der Jungs auch nur mit einer Silbe die wundervolle Ilse Werner und ihre Beziehung zu den beiden Hauptdarstellern Hans Albers und Hans Söhnker erwähnte. Schwerpunktmäßig wurden tatsächlich eher technische Themen, sowie die Entstehungszeit 1943 und die Musik angesprochen. Da man gute Unterhaltungen nicht abwürgen sollte, liefen wir hier zeitlich etwas aus dem Ruder. Die Jungs schrieben dann noch eine Kurzkritik zum Film, die sie dann vor der Runde vorlasen. Die Resultate waren alle gut. Manche konzentrierten sich natürlich auf das, was wir vorher diskutiert hatten. Großartig fand ich die letzte Kritik eines Jungen, der im Kurs eher still war und dann einige Zeilen ablieferte, die durchaus druckreif waren. Ich war insgesamt von dem Niveau, dem Interesse und der Mitarbeit der Klasse sehr begeistert. Müsste ich dafür nicht immer (für Familienväter doppelt und dreifach kostbare) Urlaubstage opfern, würde ich gerne häufiger an solchen Veranstaltungen teilnehmen.

DVD-Rezension: „Prison“

Von , 23. März 2016 20:57

prisonNachdem Charlie Forsythe hier 1964 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, schlossen die Behörden das Wyoming State Penitentiary. 20 Jahre später wird es im Zuge einer Reform wieder eröffnet, um die umliegenden Gefängnisse zu entlasten. Zum Direktor wird der Eaton Sharpe (Lane Smith) berufen, der einst als junger Wärter eine wichtige Rolle bei Forsythes Hinrichtung spielte. Sharpe ist ein harter Hund, was nicht nur die junge Katherine Walker (Chelsea Field), die die Wiedereröffnung des Gefängnisses begleitet, sondern auch die neuen Insassen, unter ihnen der Autodieb Burke (Viggo Mortensen) zu spüren bekommen. Doch Sharpe ist nicht die einzige Gefahr für sie. Denn durch den Abriss der Mauer zur ehemaligen Todeskammer wird auch Forsythes Geist freigesetzt, und der sinnt auf Rache…

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1986 war der junge finnische Regisseur auf den Sprung zur großen Hollyood-Karriere. Nachdem er mit seinem amerikanisch co-finanzierten Debüt „Born American“ mit Chuck-Norris-Sohn Mike nicht nur in seiner Heimat auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde ihm umgehend sein US-Debüt angeboten. Für Charles Bands B-Movie-Produktionsfirma Empire Pictures drehte er den Horrorfilm „Prison“. Dieser war dann die perfekte Vorstudie zu seinem großen Durchbruch „A Nightmare on Elm Street 4“, welchen er im folgenden Jahr drehte. Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten zwischen beiden Filmen erstaunlich. In beiden taucht Harlin seine Bilder in einen blauen Schleier und arbeitet viel mit Nebel und Gegenlicht. Die Morde sind blutig und kreativ, aber der Grusel bleibt bei dem ganzen Spektakel auf der Strecke. Insbesondere bei „Prison“ merkt man deutlich, dass Harlin ein guter Action-Regisseur ist und ihm dieses Genre weitaus näher steht, als der traditionelle Horrorfilm. Auch wenn er natürlich klassische Schauerelemente in seinen Film einbringt, dürfte sich bei „Prison“ niemand ängstlich unter der Bettdecke verkriechen.

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Diese weitgehende „Grusellosigkeit“ liegt teilweise natürlich an dem Geist, der das Wyoming State Penitentiary heimsucht. Dieser manifestiert sich bis kurz vorm Schluss in Lichtstrahlen und elektrischen Funken. Und die Lichtershow taugt nur sehr bedingt dazu, Ängste zu schüren. Zudem fehlt dem mörderischen Geist der Unterbau. Erst beim großen Finale wird seine Geschichte und sein Motiv enthüllt – und dies beißt sich dann aber gehörig mit den Ereignissen, denen der Zuschauer zuvor Zeuge geworden ist. Wenn Forsythe das unschuldige Opfer einer gemeinen Intrige war, weshalb richtet er dann seinen übersinnlichen Zorn nicht ausschließlich gegen das Wachpersonal und damit die Verursacher seines Leides, sondern killt auch wahllos seine „Kollegen“? Wieso wird mit Burke ein Wiedergänger des armen Opfers und nun übersinnlichen Mörders präsentiert? Eine Wiedergeburt des Opfers Forsythe kann er schlecht sein, und auch sonst wird die frappierende Ähnlichkeit zwischen Burke und Forsythe nie thematisiert. Es scheint so, als hätte das Drehbuch am Anfang eine enge Verbindung zwischen den beiden konstruiert, die dann aber im Lauf des Drehs fallen gelassen wurde.

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Renny Harlins Stärken liegen in den Actionsequenzen und der sehr stimmungsvolle Bildgestaltung, die einem noch lange im Gedächtnis bleibt. Diese Stärken konnte er dann konsequenterweise in „Nightmare 4“ weiter ausbauen und im Laufe seiner Karriere perfektionieren. Mit „Stirb langsam 2“ und „Cliffhanger“ bewies Harlin nachdrücklich seine Eignung zum Action-Regisseur, zum Horrorfilm sollte er erst 2004 wieder zurückkehren, als er das unglückselige „Exorzist“-Prequel „Dominion“ von Paul Schrader übernahm. Interessanterweise gelang es ihm aber auch hier nicht, einen wahrhaft unheimlichen oder zumindest tiefschichtigen Film abzuliefern. Wie auch in seinen Frühwerken ersetzen Spektakel und Schauwerte den Grusel. Was nicht negativ verstanden werden sollte, denn Harlins Filme gaukeln auch keine philosophische Grundierung vor, sondern funktionieren sehr gut als purer Eskapismus.

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In „Prison“ kann er sich zudem auf ein gut aufgelegtes Ensemble verlassen. Der noch sehr junge, gutaussehende Viggo Mortensen überzeugt als cooler und schweigsamer Rebell, während Lane Smith als strenger Warden Sharpe zu kräftig aufdreht, es dabei aber schafft, nicht gänzlich zur Karikatur zu verkommen. Unterstützt werden beide durch eine Statisten-Gang aus echten Strafgefangenen, die ein wenig Authentizität mit einbringen. Allein die von Chelsea Field gespielte junge Heldin bleibt blass und hinterlässt keinen größeren Eindruck. Diesen hinterlässt allerdings die wunderbare Location. Ein altes, verrottetes Gefängnis voller Winkel, geheimen Zellen und Schleichwegen. Die perfekte Kulisse für einen „Spukhaus“-Film, der viel zu einer unheimlichen und bedrückenden Atmosphäre beiträgt, welche Harlins Inszenierung nicht alleine auf die Beine stellen kann.

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Renny Harlins US-Debüt „Prison“ zeigt schon deutlich seine Stärken und Schwächen. Die temporeiche Inszenierung und wundervoll stimmige Bildgestaltung können überzeugen, Grusel oder Personenentwicklungen bleiben dabei auf der Strecke.

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Koch Media hat diesem fast schon vergessenen 80er Horrorfilm eine wahre Deluxe-Veröffentlichung mit drei Scheiben beschert. Wobei mal wieder vortrefflich über Sinn und Unsinn solcher Media-Book-Veröffentlichungen diskutiert werden kann. Denn bei den zwei der drei Scheiben handelt es sich um jeweils eine Blu-ray und eine DVD mit dem Film. Die Gruppe derer, die beides braucht dürfte da ziemlich gegen null gehen. Die dritte Scheibe ist eine DVD mit bonus-Material, welches aber vielleicht auch auf der Blu-ray Platz gefunden hätte. Wie dem auch sei, die Bonus-DVD enthält laut Hersteller ein Making-of (38 Min.), ein Interview mit Renny Harlin (48 Min.), zwei „Wild Force“-Musikvideos von Renny Harlin, ein Grußwort von Viggo Mortensen und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial enthält. Ferner gibt es noch ein 16-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber. Zur Qualität und dem Inhalt der Extras kann ich aber nichts sagen, da mir zur Rezension lediglich die DVD mit dem Film vorlag. Hier ist die Präsentation in Ordnung. Wie bei vielen Filmen, die in der zweiten Hälfte der 80er gedreht wurden, hat man manchmal das Gefühl, es würde ein ganz leichter grauer Schleier über dem Bild liegen. Da dies aber wie gesagt auf sehr viele spät 80er-Produktionen gilt, dürfte dies am Ausgangsmaterial und nicht an der DVD-Umsetzung liegen. Der Ton ist gut, die deutsche Synchronisation auf einem guten 80er-Videothekenware-Niveau. Im Gegensatz zur ehemals indizierten Videokassette ist die DVD ungeschnitten.

Das Bloggen der Anderen (21-03-16)

Von , 21. März 2016 20:01

bartonfink_type2– Diagonale Nachklapp. Weiter Berichte vom Filmfestival in Graz gibt es von Karsten Munt auf critic.de und aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive auf B-Roll von Patrick Holzapfel, der selber einen Film auf der Diagonale gezeigt hat.

– In jeder Woche gibt es immer ein Film, der in vielen Blogs besprochen wird. Zumeist natürlich aktuelle Kinofilme, die einen großen Start haben. Manchmal aber auch kleine Filme, die nur in wenigen Kinos zu sehen sind. Ein solcher Film ist „Herbert“, von dem ich hier erstmals lass. Ich weiß nicht, ob ich mir den Film ansehen werde, denn er handelt von der heimtückischen Krankheit ALS. Erst letzte Woche jährte sich der Todestag meines Vaters zum ersten Mal, der dieser grauenvollen Krankheit bei welcher der einst so aktive Körper zum Gefängnis wird, letztes Jahr erlag. Von daher weiß ich leider nur allzu gut, wovon in „Herbert“ die Rede ist. Hier trifft es einen ehemaligen Boxer (die Krankheit sucht sich sehr häufig sportlich sehr aktive Menschen, was ich für einen bitteren Zynismus des Schicksals halte), der nach Erhalt seines Todesurteils gezwungen ist, seinem bisherigen Leben ins Auge zu schauen, während sein Körper zerfällt. Philipp Baumgartner schreibt über den Film auf Daumenkino, Jamal Tuschick auf Hard Sensations und Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Ich hoffe viele Menschen sehen den Film, da die Krankheit immer noch einen „Exotenstatus“ hat.

– Marco und Bianca setzen sich auf Duoscope sehr intensiv mit dem Film „Room“ auseinander.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood.

– „Ich bin tot, macht was draus!“ lief im letzten Jahr auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg, wo ihn mein Weird-Xperience-Kollege Stefan gesehen und mir wärmstens empfohlen hat. Ronny Dombrowski von Cinetastic gefiel er auch, aber er hat auch einiges auszusetzen.

– Thorsten Krüger von Komm & Sieh empfiehlt die deutsche Genre-Produktion „Der Nachtmahr“, die im Mai in die Kinos kommt, mit den Worten: „Gutes deutsches Genrekino (wie zuletzt „Blutgletscher“ oder „Stereo“), das aber zugleich in die Avantgarde vorstößt“.

– Wilson Yip und Donnie Yen lassen zum dritten Mal Bruce Lees Lehrer „Ip Man“ von der Leine. Sebastian von Nischenkino hat ihn schon mal gesehen.

– Einen weiteren Nachruf auf Ken Adams hat Joachim Kurz auf B-Roll verfasst. Alexander Matzkeit befasst sich eingehend mit einem sehr spannenden Thema: Kreatives „Content Marketing“. Andreas Köhnemann wiederum gibt einen guten Überblick darüber, wie sich Hollywood selber im Film darstellt.

– Nochmal Alex Matzkeit: Auf seinem Blog real virtuality verteilt er wieder Real Virtualinks.

– Auf Revolver findet sich ein Interview mit Cristina Nord (die übrigens jahrelang auch in der Jury zum Bremer Filmpreis saß) über ihren Weg zur Filmkritik, die Möglichkeiten eines cinephilen Feuilletons und neue Herausforderungen.

– Antonio Pietrangeli ist einer jener Regisseure, die es gilt wiederzuentdecken. Erst kürzlich erschien „Ich habe sie gut gekannt“ (auch wenn mir ein übereifriger Foren-Troll die Freude daran verdorben hat), nun bespricht Udo Rotenberg auf L’amore in città seinen Film „Das Mädchen aus Parma“ von 1963.

– Ich freue mich immer, wenn Alex Klotz auf Hypnosemaschinen mir vollkommen unbekannte Filme ausgräbt. Diesmal: Der französisch-schweizerische Film „L’étrange château du docteur Lerne“.

– Christian Genzel hat sich auf Wilsons Dachboden die US-Teenie-Sex-Komödie „Screwballs“ vorgenommen. Die habe ich nicht gesehen, erinnere mich aber gut an einen Artikel in der Cinema damals, die mit einem Bild garniert war, auf dem mich die Physionomie einer Darstellerin ganz wuschig machte. Wenn ich mich nicht irre – aber das müsste nachzuprüfen sein – waren die Bilder aus dem Film in der Cinema ebenfalls mit etwas zottigen Bildunterschriften versehen.

– Auf Short Cuts Totale wird ausführlich auf Ingmar Bergmans Regiedebüt „Kris“ eingegangen.

„The Naked Prey“ ist mir das erste Mal aufgefallen, als er in der „Masters of Cinema“-Reihe bei Eureka herauskam. Wenn ich jetzt bei funxton lese: „Heraus kam einer jener Filme, die mit dem guten alten Prädikat “seiner Zeit weit voraus” versehen werden dürfen. In “The Naked Prey”, neben seiner Anlehnung an eine authentische Episode aus dem Leben des frontierman John Colter selbst eine thematische Variation von Sam Fullers Western “Run Of The Arrow”, finden sich etliche Vorarbeiten für diverse Nachzügler der kommenden Jahre, von “The Man They Called Horse” über “First Blood” bis hin zum italienischen Kannibalenfilm“ will ich den auch sehen. Dafür gibt es dann noch einen fetten Verriss von Erwin C. Dietrichs „Schwarzer Nerz auf zarter Haut“.

– Zweimal Italien. Yzordderrexxiii stellt nach einer verzückten Sichtung von „The Psychic“ fest, dass er bald noch zum Fulci-Fan wird und bedauert, dass der feine Frühgiallo „Libido“ von Ernesto Gastaldi & Vittorio Salerno nicht bekannter ist.

– Party Time mit den Village People auf Remember It For Later, wo Oliver Nöding „Can’t Stop the Music“ besprochen hat. Und noch ein paar “guilty pleasures” hinterher: Die Slasher “Hospital Massacre” (aka X-Ray) und “Pieces”.

– Was hat James Cameron eigentlich vor „The Terminator“ gemacht? Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte weiß es.

DVD-Rezension: „Yakuza Apocalypse“

Von , 17. März 2016 17:10

yakuza-apocalypseKamiura (Lily Frankie) ist das Oberhaupt einer Yakuza-Bande, die in ihrer Stadt nicht nur das Verbrechen kontrolliert, sondern auch dafür sorgt, dass Recht und Ordnung unter den Bewohnern herrschen. Doch Kamiura hat ein finsteres Geheimnis: Er ist ein Yakuza-Vampir. Als Kamiura von dem Martial-Arts-Killer Mad Dog (Yayan Ruhian) enthauptet wird, kann Kamiuras körperloser Kopf noch seinen treuen Gefolgsmann Kagayama (Hayato Ichihara) beißen und ihn ebenfalls in einen Yakuza-Vampir verwandeln. Für Kagayama heißt es nun Rache an den Hintermännern der ruchlosen Tat zu nehmen…

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Der häufigste Vorwurf, der „Yakuza Apocalypse“ gemacht wird, ist jener, dass sein Regisseur Takashi Miike in seiner Unvorhersehbarkeit vorhersehbar geworden sei. Zwar klingt dies wie ein schwarzer Schimmel, aber muss zugeben, dass hierin auch ein Körnchen Wahrheit stecht. Aber man muss die „vorhersehbare Unvorhersehbarkeit“ auch differenziert sehen. Natürlich macht Miike noch immer die Filme, die ihn berühmt gemacht haben. Bunte Spektakel, mal blutig, mal spaßig, bei denen sich der Wahnsinn übereinander türmt und die skurrilen Einfälle Programm sind. Daher ist die eigentliche „Unvorhersehbarkeit“ eher seine leisen, ernsten Filme, die ganz ohne die als typisch geltenden Miike-Zutaten auskommen. Wie beispielsweise sein schönes Remake „Harakiri“. Zwischendrin streut Miike auch immer mal wieder Kinderfilme oder Videospielverfilmungen ein.

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Mittlerweile ist Miike – dieser unvorstellbar produktive Filmemacher mit den 1.000 Gesichtern – im Mainstream angekommen, wo er sich mit den ganz großen Verrücktheiten etwas zurückhält, aber auch nicht vollständig drauf verzichtet. Man könnte seine Entwicklung mit der von John Waters vergleichen, der ja nach seinen wilden Underground-Anfängen irgendwann auch bei „Serial Mom“ gelandet ist – und trotz des großen Studios im Rücken und dem Verzicht auf die ganz großen Geschmacklosigkeiten – noch immer seinen ganz eigenen Stil pflegt. Und so wie Waters 2004 mit „A Dirty Shame“ zu seinen Ursprüngen zurück gekehrt ist, ohne das Mainstream-Publikum zu sehr vor den Kopf zu schlagen, so sieht auch Miike sein „Yakuza Apocalypse“ als eine Reise in die Zeit, in der er mit geringem Budget durchgeknallte Direct-to-video-Produktionen inszenierte. Und wie im Falle „A Dirty Shame“ ist es natürlich keine „echte“ Rückkehr. Dazu hat sich Miike in den Jahren viel zu sehr weiter entwickelt und der Film sieht im Vergleich zum dreckigen Beginn auch viel zu gut aus.

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Aber dies muss ja kein Nachteil sein. Für „Yakuza Apocalypse“ greift Miike wieder tief in die Wundertüte und präsentiert dem staunenden Zuschauer nicht nur Yakuza-Vampire, einen waschechten Kappa (ein japanisches Fabelwesen, welches sich von Gurken ernährt und einer Schildkröte ähnelt – sieht hierzu auch „Underwater Love“), sondern auch einen Kung-Fu-kämpfenden Killerfrosch im Kermit-Kostüm. Wenn man aufgrund dieser Zutaten glauben sollte „Yakuza Apocalypse“ sei eine durchgeknallte Klamotte, so kennt man Miike schlecht. Dieser zieht seine Story sehr ernsthaft und ohne allzu offenkundigen Klamauk durch. Dies ergibt einen wunderbaren Verfremdungseffekt, denn so lächerlich der Killer-Kermit auch auf den Zuschauer wirkt, seine Taten sind es nicht. Dieser Frosch versteht keinen Spaß und wäre in der Tat ein angsteinflößender Gegner, wenn nicht das blöde Kostüm wäre, welches aber auch von keinem der Handelnden thematisiert wird. Aber in einer Welt, in der es vor Yakuza-Vampiren wimmelt und bösartige Kappa-Gangster existieren, ist auch ein riesiger Frottee-Frosch nun einmal nichts Außergewöhnliches. So hat Miike einen relativ straighten Yakuza-Film inszeniert, bei dem seine wahnwitzigen Zutaten das Genre aber durchaus kritisch kommentieren.

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So werden die Yakuza wie Nachfahren von Robin Hood und seinen lustigen Gesellen dargestellt. Gesetzeslose, die in ihrem Distrikt für Ruhe und Gerechtigkeit sorgen. Doch die Fassade täuscht natürlich, denn hinter dem freundlichen Lächeln des guten Onkel stecken Reißzähne und die normale Bevölkerung wird wortwörtlich bis aufs Blut ausgesaugt. Der merkwürdige Strickzirkel im Keller einer Bar ist zunächst putzig und skurril anzusehen, doch tatsächlich werden hier nur die Widerspenstigen ruhiggestellt und solange domestiziert, bis sie mit einem seligen Lächeln in den Tod gehen. Und der Frosch macht vor allem eines deutlich: Nicht alles was putzig aussieht, ist auch harmlos. Don’t judge a book by it’s cover. Dies gilt für Wesen in riesigen Kermit-Kostümen ebenso, wie für väterliche Yakuza oder freundlich winkende Politiker. Und dass das Gleichgewicht des eigenen ökologischen Systems empfindlich gestört wird, wenn man zu viele Zivilisten beißt und in Yakuza-Vampire verwandelt, wird auch noch einmal deutlich gemacht.

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Neben den Yakuza-Vampiren und dem Frosch-Monster fährt Miike noch eine ganze Wagenladung merkwürdiger Gestalten auf. So einen (schlecht) englisch-sprechenden Priester im Puritanerkostüm mit auf dem Rücken geschnallten Minisarg oder einen als IT-Nerd/Touristen getarnten Martial-Arts-Kämpfer. Dieser wird von Yayan Ruhian geben, der als fieser Antagonist „Mad Dog“ (hier hat er denselben Rollennamen) in Gareth Evans‘ Actionkracher „The Raid“ bekannt wurde. In „Yakuza Apocalypse“ wird sein Talent leider verschwendet, da er nur wenig von seiner akrobatischen Kunst zeigen darf. Wahrscheinlich wurde der Martial-Arts-Star Miike nur untergejubelt, um den Film etwas kommerzieller zu gestalten. Miike selber ist aber herzlich wenig an Kampfkunst interessiert, und so ist der Film dann konsequenterweise kein Martial-Arts-Spektakel. Außerdem treten auf: Junge Damen in Schulmädchenuniformen, ein kleiner Junge der zum Hulk-mäßigen Rächer mutiert, eine weibliche Yakuza-Chefin, die merkwürdigen Schleim aus ihrem Ohr holt und dann aus jenem ständig Wasserfontänen verschießt, sowie eine wundervoll Kaijun-Hommage. Manchmal wird einem die Ansammlung von verqueren Elementen allerdings fast schon zu viel. Man hat dann den Verdacht, Miike wollte sich ein wenig zu angestrengt seinen Anfängen näheren. Andererseits entdeckt man zwischen all dem Irrsinn aber auch das Augenzwinkern, mit dem sich Miike seiner alten „Markenzeichen“ bedient.

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Takashi Miike kehrt mit „Yakuza Apocalypse“ zu den Filmen zurück, die ihn berühmt gemacht haben und türmt Irrsinn und Wahnwitz übereinander. Seine Stärken spielt „Yakuza Apocalypse“ aber vor allem in den ruhigeren Szenen und in der kritischen Sezierung des Genres des Yakuza-Filmes aus. Vor allem macht er aber auch jenseits aller Doppelbödigkeit eine Menge Spaß.

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Die Koch-Media-DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes und klares Bild aus. Der japanische Originalton ist kräftig und mit gut lesbaren, zuschaltbaren Untertiteln ausgestattet. Die deutsche Synchronisation ist zweckmäßig, und kann die spezielle Dynamik der japanischen Sprache wieder einmal nicht wiedergeben. Im Bonus-Bereich befindet sich ein höchst interessantes Making-Of welches mit 62 Minuten auch äußerst üppig ausgefallen ist. Hier werden Interviews mit Behind-the-Scenes-Aufnahmen gemischt und Takashi Miike berichtet über seinen Werdegang als Regisseur.

Das Bloggen der Anderen (14-03-16)

Von , 14. März 2016 19:40

bartonfink_type2– Letzte Woche verstarb der große und immens einflussreiche Set-Designer Ken Adams, der mit seinen James-bond-Bauten und dem Kubrickschen „War Room“ Ikonen für die Ewigkeit schuf. Sebastian widmet ihm auf Magazin des Glücks einen Nachruf. Ferner stellt Sebastian noch fünf Kurzfilme des sowjetischen Regisseurs Michail Kobachidse vor.

– Wieder Festivalzeit! Diesmal wird sich auf der Diagonale in Graz herumgetummelt. Joachim Kurz und Patrick Holzapfel berichten für B-Roll, Patrick schreibt zusätzlich noch zusammen mit Rainer Kienböck für Jugend ohne Film.  Und auch Karsten Munt von critic.de ist dabei.

– Ebenfalls bei critic.de schwärmt Till Kadritzke vom tollen Besonders Wertlos 2016: 18. Festival des deutschen psychotronischen Films.

– Nochmal Patrick Holzapfel. Auf B-Roll macht er sich kontroverse Gedanken darüber wie der Schrecken des Holocausts im Film dargestellt wird und verweist dabei kritisch auf Oscar-Gewinner „Son of Saul“.  Mit einem schöneren Thema beschäftigt sich Urs Spörri, nämlich der „Neuen Deutschen Sinnlichkeit“.

– Als Abschluss seiner letztwöchigen „Aliens“-Retrospektive, stellt Heinrich Lenhardt als Gastautor auf Wilsons Dachboden noch die beiden PC-Spiel-Umsetzungen von „Aliens“ vor. Für Nostalgiker.

Screen/read hat ein Interview mit (Zitat:) „Kanadas spannendstem Horror-Nachwuchs“, Gigi Saul Guerrero, Luke Bramley and Raynor Shima, geführt.

– Gregor Torinus widmet sich auf Hard Sensations der „Human Centipede“-Trilogie. Vom vielversprechenden und unterschätzen Erstling bis zum vollkommen in sich implodierten Abschluss.

– Volker Schönenberger stellt auf Die Nacht der lebenden Texte Fritz Langs Meisterwerk „Der müde Tod“ vor.

– Auf geht’s nach Italien! Nachdem ihn letzte Woche „Spuren auf dem Mond“ nicht vollends begeistern konnte, ist Sebastian von Nischenkino von Luigi Bazzonis Erstling „La Donna del Largo“ hingerissen.

Yzordderrexxiii schreibt begeistert über Lucio Fulcis wunderschönen „Nackt über Leichen“.

– Roberto Bianchi Monteros Giallo „Schön, nackt und liebestoll“ (was für ein Titel!) hat totalschaden von Splattertrash sehr viel Spaß gemacht.

Einen interessanten Mischmasch hat Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide anzubieten. Einen Film, den der großartige Rolf Olsen 1963 begann und der spätere Großmeister des deutschen Pornofilms Hans Billian 1966 vollendete. „Das Spukschloss im Salzkammergut“ mit Udo Jürgens und Hannelore Auer.

– Oliver Nöding von Remember It For Later hat einen Film gesehen, den die Öffentlichkeit nie zu sehen bekommen sollte. Oder konnte. Oder wie auch immer. Wer den „legendären“ Titel errät, der kriegt mit etwas Pech einen großen Bruder. In eine ähnliche Kerbe (aber nicht im Giftschrank verschwunden) ist „Xanadu“, der „angeblich als Inspiration für den berühmt-berüchtigten Razzie Award, den Anti-Oscar, der hierzulande als “Goldene Himbeere” bezeichnet wird“. Da tut es doch gut, wenn Oliver „Straßen in Flammen“ mit den Worten bespricht: „STREETS OF FIRE ist ein Meisterwerk, einer jener Filme, die die Ästhetik ihres Jahrzehnts nicht nur in Reinkultur verkörpern, sondern sie transzendieren, totales Kino, ein Werk formgewordener Emotion, ein Traum in Bild und Ton“.

– Michael Schleeh schreibt auf Schneeland über den Dokumentarfilm „Nuclear Nation“ von Atsushi Funahashi und hat eine Liste mit japanischen Filmen zusammengestellt, die sich mit dem Thema Fukushima auseinandersetzen.

– Für mich eine wertvolle Auflistung (nach empfohlenem Alter sortiert): Kinderfilme mit starken Mädchen-Figuren von Rochus Wolff auf dem Kinderfilmblog.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über den Oscar-Gewinner für den besten Film: „Spotlight“.

– Und 35-Millimeter-Redakteur Ansgar Skulme stellen in einem Gastbeitrag auf Duoscope einen der großen (zu Unrecht) Vergessenen vor: Die Horrorikone Lionel Atwill.

– Eine Liebeserklärung von david auf Whoknows presents an Howard Hawks „Ein Goldfisch an der Leine“. Damit steht er nicht allein: „Jean-Luc Godard als individueller Kritiker wie auch die gesamte Redaktion der cahiers du cinéma kürten MAN‘S FAVORITE SPORT? zu einem der 10 besten Filme des Jahres. Der britische Filmjournalist Phil Hardy ging in einem kurzen Review noch weiter, als er MAN‘S FAVORITE SPORT? als „the quintessential Hollywood auteur movie“ bezeichnete.“

– Mauritia Mayer gesteht auf Schattenlichter, Tobe Hoopers Stephen-King-Verfilmung „Salem’s Lot“, „einfach hoffnungslos und bedingungslos“ zu sein und hat dem Film einen schönen Text gewidmet. Ich mag den Film ja auch – möglicherweise, weil „Brennen muss Salem“ mein erstes Stephen-King-Buch war.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen eine schöne und wahre Kritik zu Romeros „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“ geschrieben.

Funxton macht sich für die Wiederentdeckung von Robert Zemeckis frühen Spielfilm „Used Cars“ stark: “Ein kleines Schätzchen, das bei uns bei Weitem nicht das Renommee genießt, das ihm in seinem Entstehungsland zukommt. Das ist schade und wird sich vielleicht eines Tages nochmal ändern.“

– Alex hat neue Real Virtualinks auf real virtuality.

DVD-Rezension: „Die Leiche der Anna Fritz“

Von , 12. März 2016 20:09

leicheannafritzDie Leiche der wunderschönen, weltberühmten Schauspielerin Anna Fritz (Alba Ribas) wird ins Leichenhaus eingeliefert. Der dort arbeitende Pau (Albert Carbó) gibt vor seinen beiden Kumpels Javi (Bernat Saumell) und Iván (Cristian Valencia), die sich koksend und saufend auf dem Weg zu einer Party befinden, damit an und schon stehen alle Drei vor der toten Anna, um sie zu begaffen und begrabschen. Und weil man schon mal so nett beisammen ist, wird dann auch gleich mal die kalte Anna bestiegen. Doch da passiert ist: Die Totgeglaubte erwacht. Was nun? Für zwei der drei ist es klar: Um nicht wegen Vergewaltigung angeklagt zu werden, und vor aller Welt nekrophile Handlungen zugeben zu müssen, muss die Zeugin wieder ins Reich der Toten verschwinden. Schließlich ist sie ja auch offiziell tot.

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Spanischer Thriller „Die Leiche der Anna Fritz“ ist das Spielfilm-Debüt des Regisseurs Hèctor Hernández Vicens, der bisher als Drehbuchautor seine Brötchen verdiente. Sein Film wartet mit einer sehr interessanten Ausgangssituation auf, aus der man nun sehr viel machen könnte. So besitzt die Geschichte das Potential, ein intellektuell anspruchsvolles und philosophisches Kammerspiel über Moral, Tabus und Gewissen zu sein, welches unangenehme Fragen für den Zuschauer aufwirft. Oder aber nur ein spannender Thriller. Doch Regisseur Hèctor Hernández Vicens kann sich aber weder für das eine, noch das andere richtig entscheiden, wodurch der Film lauwarm wirkt. Zwar kommt in der angenehm knackigen Spielzeit von gerade mal 70 Minuten keine Langeweile auf, doch man hat auch ständig das Gefühl, bei dieser Geschichte wäre weitaus mehr drin gewesen.

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Dass Vicens eher Drehbuchautor als Regisseur ist, merkt man auch daran, dass ihm visuell nicht viel einfällt, um seine Geschichte in aufregende Bilder umzusetzen. Zwar tränkt er seine Bilder in ein farbentsättigtes, krank aussehendes Grün-Blau, doch dies ist ebenso vorhersehbar, wie die zwar routinierte, aber angesichts des delikaten Sujets überraschend harmlose Inszenierung. Auch die Suspense-Szenen wollen ihm nicht so recht gelingen. So flüchtet das Opfer in einer Szene minutenlang durch leere Gänge ohne, dass man weiß, wo sich der Verfolger aufhält. Wenn dieser dann natürlich) in allerletzter Sekunde auftaucht, erschreckt man sich zwar, aber dieser Effekt geht dann auf Kosten einer minutenlanger Anspannung. Dafür liegt Vicens Stärke in den Figuren. Insbesondere die titelgebende Anna Fritz ist vielschichtig gezeichnet und nicht nur das arme Opfer. So versucht sie durch Lügen und Bluffs ihre Peiniger gegeneinander auszuspielen. Mit Alba Ribas wurde auch eine Schauspielerin gecastet, die sowohl ein süßes Aussehen, wie auch eine gewisse Härte mitbringt.

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Auch die Darsteller der drei Freunde sind gut gewählt und hier sticht der unsympathische Egozentriker Ivan hervor, den Cristian Valencia so spielt, dass man zwar keinerlei Sympathien für dieses Riesenarschloch hegt, aber merkwürdigerweise seine Handlungen jederzeit auf eine perverse Weise nachvollziehbar bleiben. Trotzdem muss man auch hier kritisch anmerken, dass alle drei männlichen Darsteller typischen Rollenklischees entsprechen. Neben dem unausstehlichen Ivan, gibt es da noch den netten Typen, der irgendwie da hinein geraten ist und die labile Heulsuse, die sich nur zu gerne manipulieren lässt und sich ständig selbst wegen des Mist bemitleidet, die sie sich selbst eingebrockt hat. Von Anfang an sind die drei hochgradig abstoßend, auch wenn sich Javi recht schnell vom Saulus zum Paulus wandelt. Hier wäre ein wenig mehr Vielschichtigkeit von Vorteil gewesen, falls Vicens wirklich ein philosophisches Spiel um Schuld und Moral angepeilt und sich weniger auf das reine Thriller-Terrain begeben hätte. Trotzdem muss man Hèctor Hernández Vicens bescheiden, dass er einen soliden Spannungsfilm mit einer interessanten Geschichte gedreht hat, welcher dankenswerterweise auch mit einem konsequenten Ende aufwartet.

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Drehbuchautor Hèctor Hernández Vicens hat bei seinem Regie-Debüt einen sehr interessanten Film in Szene gesetzt, der sein kontroverses Thema sehr nüchtern angeht und den Zuschauer mit einigen spannende Gedankenspiele konfrontiert. Obwohl Vicens aus dem geringen Budget und begrenzten Raum ein Maximum herausholt, hat man doch das Gefühl, hier wäre noch mehr drin gewesen.

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Die DVD aus dem Hause Capelight bietet ein sehr gutes, scharfes Bild, welches nur in den nächtlichen Außenaufnahmen etwas schwächelt. Auch der Ton ist sehr klar und räumlich. Die deutsche Synchronisation ist die typische preisgünstige Videobearbeitung mit den üblichen Sprechern. Leider befinden sich auf der DVD bis auf Trailer keinerlei Extras, was besonders schade ist, da mich sehr interessiert hätte, wie Vicens auf die Idee zu seinem Film gekommen ist und vor allem, wie die Darsteller mit ihren nicht gerade sympathischen Figuren umgegangen sind. Sehr schade.

“Weird Xperience”: Freitag 11.3. im Lagerhaus/etage3 – DER BUNKER

Von , 10. März 2016 20:44

Am morgigen Freitag, den 11. März wie immer um 20:30 Uhr (Einlass: 20:00 Uhr) haben Stefan und ich bei Weird Xperience in der etage3/Lagerhaus ein echtes Highlight zu bieten.

Wir sind sehr stolz darauf, die Bremen-Premiere eines in den letzten Monaten allerorten enthusiastisch gefeierten deutschsprachigen Genre-Highlight zu präsentieren. Die Rede ist von „Der Bunker“.

Thomas Groh schrieb in der taz: „Einer der derzeit aufregendsten deutschen Filme … ein vorbildlich bizarres Meisterstück des sonderbaren Kinos. Gerade so als hätten Wenzel Storch und Helge Schneider gemeinsam mit David Lynch exzessiv am Kleber geschnüffelt und sich dabei „Ekel Alfred” in Endlosschleife reingepfiffen.“

Ganz ähnlich formuliert es auch der Spiegel: „Als ob David Lynch ein Drehbuch von Helge Schneider verfilmt hätte. Ein stilsicheres, düsterabsurdes Kammerspiel.“

Das bizarre Meisterstück ist wie gemacht für unsere Reihe und hat nach seiner Premiere auf der letztjährigen Berlinale nicht nur bereits auf vielen Festivals abgeräumt, sondern steht auch in der Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2016! Co-produziert wurde der Film übrigens von „Lindenstraße“-Erfinder Hans W. Geißendörfer, der bereits mit der Produktion des Cannes-Gewinners „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ und Peter Stricklands „Berberian Sound Studio“ sein gutes Näschen für ungewöhnliche Stoffe bewies.

Worum geht es? Der 8jährige Klaus wird von seinen Eltern zu Hause unterrichtet. Meist hält er sich in dem unterirdischen Bunker auf. Ein junger Student (der großartige Pit Bukowski, der schon in der Titelrolle des ebenfalls sehr empfehlenswerten „Der Samurai“ auf sich aufmerksam machte) mietet sich bei der Familie ein, um sich in Ruhe auf seine Abschlussarbeit vorzubereiten und wird von den Eltern als Hauslehrer eingespannt. Mehr kann man von der Handlung eigentlich nicht verraten, nicht nur, weil man dann zu viel spoilern würde, sondern auch weil es so unglaublich und unbeschreiblich ist. Das gesamte schwierige neurotische Beziehungsgeflecht purzelt munter durcheinander.

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DVD-Rezension: „Francesca“

Von , 8. März 2016 21:56

francescaEin brutaler Serienkiller hält eine ganze Stadt in Atem. Seine Opfer haben irgendwie Dreck am Stecken und scheinen für ihre Sünden bestraft zu werden. Stets werden den Opfern auch zwei Münzen auf die Augen gelegt. Die Polizeibeamten Moretti (Luis Emilio Rodriguez) und Succo (Gustavo Dalessanro) werden bei ihren Ermittlungen auf den seltsamen Fall des Mädchens Francesca aufmerksam, die vor 15 Jahren spurlos verschwand. Offenbar hängen die beiden Fälle zusammen…

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In den letzten Jahren entdeckten zahlreiche Genre-Fans den Giallo wieder. Eigentlich war er nie weg, denn die Fans dieses ur-italienischen Thrillergenres war schon immer zahlreich vorhanden. Nur hatten bisher die wenigstens selber zur Kamera gegriffen und den Versuch unternommen, dieses seit Mitte der 80er ziemlich brach liegende Terrain wiederzubeleben. Doch in letzter Zeit tut eine junge Generation genau dies. Dabei gibt es zwei Fraktionen: Diejenigen, die sich typische Stilelemente borgen, um daraus etwas Neues zu erschaffen, wie das Ehepaar Hélène Cattet und Bruno Forzani aus Belgien, die gerade bei ihrem zweiten Werk „Der Tod weint rote Tränen“ gezeigt haben, wie man aus fremden Puzzlestücken ein faszinierendes, neues Bild erschaffen kann. Und dann gibt es diejenigen, die sklavisch die großen Vorbilder nacherzählen, ohne dabei neue oder zumindest eigenständige Komponenten einzubringen. Hier wird allenfalls am Sex und Gewalt-Level geschraubt, was den Filmen selten gut tun. Das Brüderpaar Luciano und Nicolás Onetti gehört eher zur zweiten Gruppe. Im Gegensatz zu ihren Kollegen, die den Giallo nur als Vorwand nehmen, kräftig Gore und die nackte Haut unterzubringen, muss man ihnen aber bescheinigen, das Genre aufrichtig zu lieben.

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Luciano Onetti, der hier als Regisseur und zusammen mit seinem Bruder Nicolás auch als Co-Drehbuchautor fungiert, gibt sich alle Mühe, den Eindruck zu vermitteln, „Francesca“ würde tatsächlich aus den 70ern stammen. Der Zeit, in welcher der Giallo seine größten Triumphe feierte. Mit einem guten Blick für Kleinigkeiten und einem stark bearbeitetem, digitalem Bild, welches kräftig auf „benutzter 35-Millimeter-Look“ getrimmt wurde, gelingt es ihm ab und an, diese Illusion tatsächlich aufrecht zu erhalten. Auch beim stampfenden Synthie-Soundtrack gibt er sich Mühe, auch wenn dieser mehr nach 80er als nach 70er klingt. Ausstattung und Settings machen ebenfalls einen authentischen Eindruck. Und auch die kleinen Details, wie der Font, der für die Titelsequenz benutzt wurde, oder die ins Bild geschobenen J&B-Flaschen stimmen. Leider muss man aber festhalten, dass Luciano Onetti so viel Wert auf eben dieses Drumherum gelegt hat, dass ihm der Blick für das große Ganze abhanden gekommen ist. Nun zeichneten sich die Original-Gialli auch nicht gerade durch großartig kniffelige und intelligente Drehbücher aus, aber etwas mehr hätte es hier schon sein dürfen. So hängt der Film dann auch ein ums andere Mal durch und wirkt trotz seiner knackigen Laufzeit von nur 70 Minuten deutlich länger.

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Noch mehr ins Gewicht fällt da die Unentschlossenheit mit der Luciano Onetti zu Werke geht. Während der erste Mord noch recht blutig und vor allem filmisch ausgefallen ist, sind die restlichen Taten deutlich mit angezogener Handbremse inszeniert. So, als wolle Onetti niemanden zu sehr auf den Fuß steigen. Bei einem Film, der seine Morde als kleine Kabinettstückchen in den Vordergrund stellt, führt diese „Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass“-Vorgehensweise natürlich dazu, dass das Konstrukt immer wieder in sich zusammenfällt. Der mangelnde Erotik-Faktor (Obwohl Erotik bei den Originalen aus den 70ern immer eine große Rolle spielte) und vor allem die hölzerne Schauspielerei der Darsteller enttäuschen ebenfalls. Die unbekannten Darsteller wirken wie aus dem Freundeskreis und der Nachbarschaft gecastet (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Sie dann auch noch ohne große Not (von dem Authentizität-Fetisch abgesehen) in italienischer Sprache zu synchronisieren, hilft nicht wirklich. Da kann sich die Kamera in einigen Fällen noch so um einen agilen Eindruck bemühen, es sieht einfach wie eine Amateur-Produktion aus. Mit Liebe gemacht, aber leider ohne Fantasie.

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Luciano Onetti rekreiert fast schon sklavisch seine großen Giallo-Vorbilder der 70er Jahre. Dies gelingt ihn bis hinein in kleinen Details auch sehr gut. Leider vergisst Onetti dabei, eine Geschichte zu erzählen oder originäre, phantasievolle Bilder zu finden.

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Die bei Mad Dimension erschienene DVD ist ungekürzt ab 18 freigeben. Ein FSK 16 hätte aber auch gereicht, da die Morde bis auf den Ersten, nicht sonderlich blutig oder spektakulär ausgefallen sind. Das digitale Bild versucht mit massivem Computer-Einsatz den Look einer alten 35-Millimeter-Kopie zu imitieren, was nur bedingt gelingt und es schwer macht, die Bildqualität zu bewerten. Der argentinische Film wurde bereits in der Originalfassung auf italienisch nachsynchronisiert. Dadurch wirkt die Sprache etwas gekünstelt und nicht besonders authentisch. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls von der eher preisgünstigen Natur und deutlich dünner als der Originalton. Die Käufer der Blu-ray dürfen sich an einem Interview mit Regisseur Luciano Onetti und seinem Bruder und Produzenten Nicolas, sowie einem Behind the Scene, einer entfernten und einer versteckte Szene erfreuen. Die mir vorliegende DVD verzichtet leider auf jegliches Bonusmaterial.

Das Bloggen der Anderen (07-03-16)

Von , 7. März 2016 18:41

Eine persönliche Bemerkung vorab. Vielleicht hat sich der ein oder andere gewundert, dass hier die letzten zwei Wochen Funkstille herrschte. Ich habe lange überlegt, ob ich das an dieser Stelle schon wieder thematisiere. Ich versuche, mich mal kurz zu fassen: Als das Bloggen der Anderen vor zwei Wochen anstand, hatte ich schon das ganze Wochenende über alles vorbereitet, aber dann nahm mich mein Job am Montag so stark in Anspruch, dass ich irgendwann merkte, dass ich für eine pünktliche „Lieferung“ noch bis nach Mitternacht vor dem Rechner sitzen müsste. Das wollte und konnte ich nicht, also verschob ich die Veröffentlichung auf Dienstag. Leider spielte sich am Dienstag dasselbe Lied ab. Ich war sehr spät von der Arbeit Zuhause und zu erschöpft, um noch eine Zeile in die Tastatur zu hämmern. Da ich in mir auch einen starken Widerwillen gegen jede Art von Posting spürte, wusste ich, dass es wieder Zeit war eine (unkommentierte) Auszeit zu nehmen. Und so werde ich es in Zukunft auch weiter halten. Wenn ich merke, dass das Bloggen dieser Rubrik zu einer spürbaren Last wird, werde ich nichts posten. Momentan geht es nach zwei Wochen Pause auch wieder besser, und im Job hat sich auch einiges zum Besseren gewendet. Daher hoffe ich, dass mir das Schreiben jetzt wieder auf Dauer Spaß macht.

bartonfink_type2– Patrick Holzapfel widmet sich auf B-Roll zunächst Friedrich Wilhelm Murnau, der vor 85. bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Er nimmt dabei dem „Skandal“ um Murnaus verschwunden Kopf zum Anlass, dem Meisterregisseur drei Briefe zu schreiben. Ferner widmet sich Patrick anlässlich der Jim-Jarmusch-Retrospektive im Filmmuseum München dem Thema: „Jim Jarmusch und der Tod von Popkultur im Film“.

– Auf Patricks Blog Jugend ohne Film berichtet Rainer Kienböck von einem Besuch im Museo Nazionale di Cinema in Turin. Andrey Arnold schreibt ein (Bild-)Gedicht namens Paranoia.

– Auf critic.de führt Martin Gobbin ein Gespräch mit dem französischen Filmemacher Philippe Grandrieux.

Der Kinogänger berichtet wieder, was es Neues aus Hollywood gibt.

– Auf Die Nacht der lebenden Texte beginnt Volker Schönenberger mit „Stalag 17“ eine Bily-Wilder-Retrospektive. Und Dirk Ottelübbert erinnert an den wunderbaren Thriller „Ein Köder für die Bestie“.

– In seiner Reihe „Class of 1986“ hat sich Christian Genzel auf Wilsons Dachboden wieder ein Werk aus diesem Jahr vorgenommen und detailliert besprochen: „Aliens“ von James Cameron. Auch die Musik für den Film, die für Komponist James Horner in mehrfacher Hinsicht ein Albtraum war, wird eingehend vorgestellt. Ebenfalls sehr interessant :Christians Beobachtungen zum langsamen Verschwinden des Bonus-Materials bei aktuellen Heimkino-Veröffentlichungen.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality neue Real Virtualinks am Start.

– “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” wurde in Deutschland als Teil der Edgar-Wallace-Serie vermarktet und ist im Rest der Welt unter dem Titel „What have you done to Solange“ bekannt. In Deutschland floppte er damals, ist heute aber als einer der besten Gialli beliebt. Völlig zu Recht meint auch Mauritia Mayer von Schattenlichter.

– Das sieht man auch nicht alle Tage: Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen vergibt an Mario Bavas großartigen „Planet der Vampire“ eiskalt 2 von 5 Punkte.

– Und noch eine Überraschung: Sebastian vom Nischenkino ist nicht gerade begeistert von Luigi Bazzonis „Spuren auf dem Mond“, der sonst – wie ich finde zu Recht – in diversen Blogs und Foren gefeiert wurde.

– Oliver Nöding schreibt auf Remember It For Later über „Roar“. Ein Film von dem ich eine Menge gehört habe und mich noch dunkel an die Werbekampagne damals erinnern kann. Zugleich einer der größten Flops der Filmgeschichte und „Es wird oft geschrieben, aber hier passt es wie die Faust aufs Auge: Has to be seen to be believed.“ Jetzt würde ich den ja wirklich gerne sehen. Ferner beschäftigt er sich mit Kurt Nachmans seltsamen, aber wunderbar anzuschauenden „Die nackte Gräfin“ mit der tollen Musik von Gerhard Heinz. Zu letzterem ein kurzer Hinweis. In dem Franco-Film „Lolita am Scheideweg“, der in der deutschen Fassung ebenfalls von Heinz gescored wurde, kommen ein paar Noten vor, die ich als „bei „Jaws“ geklaut“ abgehakt hatte. Tatsächlich ist das aber der Beginn des Schlagers „Die sieben Todsünden“ – ebenfalls von Heinz, aus „Die nackte Gräfin“ und weit vor „Jaws“ entstanden.

– Weiter geht’s mit deutschem Filmgut: totalschaden von Splattertrash empfiehlt Rolf Olsons „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ mit den Worten „Flott erzählt, trefflich besetzt und nie um eine plakative Zurschaustellung von Drogen, Sex und Gewalt verlegen“.

– Immer noch Deutschland: Auf Grün ist die Heide schreibt Udo Rotenberg über „Perle der Karibik“, den Manfred Stelzer 1981 inszenierte und den Udo beim letzten Hofbauer-Kongress sah.

– Cameron ist auf Drei Cineasten schwer von Jacques Tourneurs erstem Farbfilm „Canyon Passage“ begeistert und belegt dies mit einigen schönen Screenshots.

– Auf Short Cut wird Ingmar Bergmans letzter Film „Sarabande“ eingehend analysiert.

– Kemal Karabacak und Oliver Schmidt nehmen sich auf Daumenkino Sion Sonos „Tokyo Tribe“ vor und kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen.

– YD und PD halten beide „Hail, Caesar“ nicht für den besten Film der Coen-Brothers, sind in Ihrer Einschätzung auf Film im Dialog aber unterschiedlich streng.

Mise en cinéma schreibt über „Mustang“: „Ergüvens Spielfilmdebüt ist ein kraftvolles Drama und ein großes Ausrufezeichen für den türkischen Film.“

– Der Horrorfilm „Clown“ wurde mir vor kurzem auch angeboten. Klang nach billiger Standardware und als ich lass, dass Eli Roth da seine Finger drin hatte, habe ich ablehnte. Doch nach den sehr positiven Reaktionen von funxton und screen/read war das wohl ein Fehler.

– Mittlerweile sagen mir die Namen Isaac Florentine und Scott Adkins auch etwas. Martin Beck widmet dem neusten Werk des Action-Duos, „Close Range“, auf Reihe Sieben ein paar Worte.

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