Originalfassungen in Bremen: 28.08.14 – 03.09.14

Von , 27. August 2014 22:43

Diese Woche gibt es wieder einige frische Ware und die sieht recht lecker aus.

Guardians of the Galaxy – Cinemaxx, Do., Sa., So, Di. immer um 19:40 & (laut Weser Kurier) CineStar, So., 21.08. um 20:00 – Marvel-Comic-Verfilmung. Die „Guardians“ kenne ich gar nicht, obwohl ich lange Jahre großer “Marvel”-Fan war und das Marvel-Universum regelmäßig verfolgt habe. Der Trailer haut mich jetzt nicht vom Hocker, die bisherigen Besprechungen allerdings schon. Scheint zu rocken, das Ding.

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Lucy – Cinemaxx, Fr., 29.08. um 19:40 – Luc Bessons neuster Action-Streich. Mit einer hyperintelligenten Scarlett Johansson, die ihre durch eine Droge versehentlich verzehnfachten geistigen Fähigkeiten plötzlich zur Superheldin mit Superkräften wird.

Madame Mallory und der Duft von Curry – Schauburg, So., 31.08. um 19:30 – Französische Feel-Good-Komödie, in der eine indische Familie in einer französischen Kleinstgemeinde ein Restaurant gegenüber eines Ein-Sterne-Restaurants eröffnet. Vom Regisseur von „Chocolate“.

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit – Atlantis, So., 31.08. um 20:00 & Schauburg, Mo., 01.09. um 12:00 – Britischer Film über einen eigenbrötlerischen Mann, der für die Londoner Stadtverwaltung Hinterbliebene von in der Großstadt anonym Verstorbenen aufstöbert. Mit dem tollen Eddie Marsan. Allein deshalb schon einen Blick wert.

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Begegnungen nach Mitternacht – City 46, Do.+Fr., so.-Mi. immer 20:00 – Französischer Spielfilm. Das junge Paar Ali und Matthias lädt um Mitternacht einige Fremde zu einer erotischen Party ein.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 25.8. um 19:40

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 25.8. um 21:45

Das Bloggen der Anderen (25-08-14)

Von , 25. August 2014 23:24

bartonfink_type2– Leider beginnt auch diese Woche mit einer Todesmeldung. Gestern starb der große Sir Richard Attenborough. Der Kinogänger hat ihm einen Nachruf gewidmet.

– Ein letztes Mal in diesem Jahr Lorcano. Abschließende Berichte gibt es von Alexandra Zawia auf B-Roll  und Rainer Kienböck auf Jugend ohne Film.

– Eine weitere Folge der herausragenden Interview-Serie „reden über schreiben über filme“ gibt es auf Hard Sensations, wo Oliver Nöding und Marco Siedelmann eine kontroverses Schwergewicht der amerikanischen Filmkritik interviewen: Armond White.  Außerdem wird die Nakahira-Ko-Retrospektive in Köln empfohlen.

– Udo Rotenberg hat für seinen Blog L’amore in città den italienischen Episodenfilm „Frivole Spiele“, den Ettore Scola 1964 inszenierte, besprochen. Darin Film verkörpert Vittorio Gassman in neun Episoden unterschiedliche Männer-Typen.

– Blog-Stöckchen sind so eine Tradition, in der ich mich gerne mal beteilige, wenn es die Zeit erlaubt, und ich glaube, etwas Wertvolles beitragen zu können. Neulich traf mich ein Stöckchen vom Intergalatic Ape-Man. Aber da ich es nicht so mit Filmzitaten habe, und ich momentan auch froh bin, es zeitlich zu schaffen, meinen Blog mit den regulären Postings zu füllen, habe ich mich mal nicht beteiligt. Mein Beitrag besteht deshalb diesmal nur darin, die teilnehmenden Blogs hier zu verlinken. Die Aufgabe war es, seine 10 liebsten Filmzitate zu nennen und dann andere Blogs zu benennen, die es einem gleichtun sollen. Hier die Resultate in den Filmblogs, die ich verfolge: Intergalaktische Filmreisen, review-corner.deSchlombies FilmbesprechungenTonight is gonna be a lage one, filmherum , Pieces of Emotion und Going to the Movies

– Hermann Vaskes hat eine Dokumentation über die Kunst gedreht, in deren Mittelpunkt der großartige Udo Kier als “Arteholic” steht. Ronny Dombrowsky hat diesen für cineastic.de besprochen.

– Gerd Reda setzt sich auf Der breite Grad wieder mit dem japanischen Pinky-Violence-Film auseinander. „Criminal Woman: Killing Melody“ mit den Genrestars Reiko Ike und Miki Sugimoto, hat ihm ausgesprochen gut gefallen. Ebenfalls sehenswert findet er Koji Wakamatsus Film „Sweet Trap“ von 1963.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Schneeland Takashi Koizumis „Letter from the Mountain“, den er einen „sehr, sehr schönen Film“ nennt.

– Lucas Barwenczik stellt auf B-Roll Luc Besson und sein Werk vor, während PD und YP auf Film im Dialog die schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptdarstellerin seines letzten Filmes, Scarlett Johansson, diskutieren.

– Apropos die Johansson. „Under the Skin“ ist ein Film, der in dieser Woche so einige Filmblogger beschäftigt. Sofiaglasl schreibt auf Deep Red Radio: „Er reißt den Zuschauer mit überwältigenden und betörenden Bild- und Soundcollagen in seinen hypnotischen Bann, setzt ihn aber gleichzeitig einer Zerreißprobe aus – Glazer zieht sein Konzept der minimalen Handlung und Identifikationsangebote eisern durch und behält stets die Kontrolle über die eigene filmische Welt und deren verführerische Kraft.“  symparanekronemoi ist nicht ganz so euphorisch und schreibt: „Ein wirkliches Thema besitzt Glazers Film dabei nicht, interessiert ihn doch weder der eine noch der andere Aspekt seiner Handlung. Die positive Resonanz von Under the Skin – Glazer wird bereits als Erbe Kubricks geadelt – erklärt sich wohl zuvorderst ob der erschaffenen Atmosphäre des Films, der sich weniger Worte bedient und mit ungewöhnlichen Bildkompositionen dient. Style over Substance, wenn man so will.“  quadzar auf filmosophie findet: „Under the Skin (bietet) einiges und wenn es nur unterbewusster Horror ist. Des Öfteren habe ich Klagen über zu viele Längen gehört. Das habe ich nicht so wahrgenommen, aber gelungene “Eintönigkeit” gefällt mir sowieso. Wie 2001: Odyssey im Weltraum ist auch Under the Skin, ohne die Qualität der beiden Filme vergleichen zu wollen, Geschmackssache. Erstaunliche, wirklich anwidernde Bilder nebst einer in ihrer Unmenschlichkeit ebenso erstaunlichen Hauptdarstellerin und einer erbarmunslosen Langsamkeit, die den Blick nicht abwendet.“

– Ist der Ort Kino tot? Wie sieht es aus in unserer Kinolandschaft? Nino Klingler hat auf critic.de eine kleine Artikelreihe zu eben diesem Thema veröffentlicht, wobei er hier auf ausführlich und beispielhaft auf zwei Kinos in der Kleinstadt eingeht, die eben einen anderen Weg gehen müssen (und wollen), um zu überleben. „Die Brennessel“, ein Programmkino in Hemsbach, Baden-Württemberg und das kommunale Kino „Burg Theater“ in Burg, Sachsen-Anhalt. Sehr lesenswerte Texte.

– Dazu passend: Die neueste Kinobesucher-Studie der Filmförderungsanstalt FFA zum Themenfeld 3D, die Gernold Marks auf Digitale Leinwand vorstellt. Hach, als ich den GfK Measure Tree gesehen habe, habe ich mich doch gleich wieder ganz Zuhause gefühlt. Okay, das war jetzt ein Insider. Die Studie ist auf jeden Fall ebenso lesens-. wie diskussionswert.

– Letztes Jahr lief auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg der Film „Das Mädchen hinter der Wand“, welchen ich gerne gesehen hätte, erinnerten doch Plakat und Bilder an Filme wie „Barton Fink“, „Lost Highway“ und „Fear X“. Leider passte der Film vorne und hinten nicht in mein Programmplan. Also dachte ich, der würde sicherlich mal im TV laufen und dann sollte ich ihn nicht verpassen. Tatsächlich hat er nun eine Heimkinoveröffentlichung durch Capelight spendiert bekommen. Oliver Armknecht hat ihn gesehen und auf film-rezensionen.de besprochen. Und ich bin immer noch neugierig.  Außerdem gibt es mit „Tamala 2010 – A Punk Cat in Space“ eine weitere Folge seines Animationsfilm-Specials.

– Tipps für die private Filmbibliothek: totalschaden auf Splattertrash rezensiert das schöne Buch „Mädchen, Machos und Moneten“ über den Schweizer Filmproduzenten Erwin C. Dietrich (in letzter Zeit auch CD-ROM-Beigabe zahlreicher Ascot-Elite-DVDs) und filmosophie schreibt über „Explizit! Neue Perspektiven zu Pornographie und Gesellschaft“.

– Laila Oudry war für screen/read auf der Pressekonferenz von „The Expendables 3“ und kann einiges darüber erzählen. Ferner macht der Blog auf die Arbeit von Mick Garris aufmerksam, der nicht nur Regisseur von Stephen-King-Verfilmungen ist, sondern für diverse Sendungen auch zahlreiche Interviews mit seinen Kollegen geführt hat und diese nun kostenlos zur Verfügung stellt.

– Demnächst kommen wieder einige neue Titel in der höchst empfehlenswerten britischen Reihe „Masters of Cinema“ heraus, die Christian Liemke auf DVDuell vorstellt.  Außerdem bringt das „Masters of Cinema“-Label Eureka! auch noch eine „Blacula“-Box, was mich erfreut.

– Sascha Nolte bespricht auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte einmal einen recht aktuellen Film, nämlich „A Touch of Sin“, von dem er – auch wenn er ihn nicht vollständig überzeugt – sagt, der Film wäre „Ein wichtiger Kommentar zur Lage seiner Nation, eine finstere Lektion in Sachen Armut und der von ihr erzeugten Gegengewalt.“

Wiederaufführung ist mit seiner zweiten Folge der „Gespräche der Anderen“ am Start, in der wieder einige spannende Podcasts vorgestellt werden.

– Auf Final Frontier Film geht die John-Ford-Tonfilm-Reihe mit der Nr. 23 („Rekrut Willie Winkie“ und Nr. 24 („Vier Mann – ein Schwur“) weiter.

– Zu guter Letzt: Auf Jugend ohne Film wurden auch in dieser Woche wieder einige sehr interessante Artikel veröffentlicht. Da ist einmal ein langes Essay von Thomas Rufin über Pasolinis letzten und skandalträchtigsten Film „Salo oder Die 120 Tage von Sodom“.  Patrick Holzapfel schreibt über Billy Wilders „The Lost Weekend“, in dem er eine Parabel auf die Versagungssängste des Künstlers sieht. Und Ioana Florescu hat sich wieder auf die Suche gemacht. Diesmal hat sie Menschen gefunden, die uns am Ende von Filmen den Rücken zukehren und gehen.  Und das ist sehr schön geworden.

21. Internationales Filmfest Oldenburg: Philippe Mora – Ehrenpreis und Retrospektive

Von , 22. August 2014 21:12

moraPhilippe Mora? Philippe Mora? Den Namen kenne ich doch? Da war doch was? Ja, genau: „Das Tier II“. Die kunterbunte Comic-Trash-Fortsetzung des großartigen Werwolf-Klassikers von Joe Dante. Der Film, in dem Sybil Danning im Abspann gefühlte 100x ihre Lederkorsett aufreißt und zeigt, was sie da so gut eingepackt hat. Oder wie ein Freund gerade meinte: „Der lustigste Film, der eigentlich zum Heulen ist – und das im doppelten Sinn!“. Ja, genau, der war von einem Philippe Mora. Und dem soll nun die Retrospektive auf dem 21. Internationalen Filmfestival Oldenburg als Ehrengast mit dem German Independence Honorary Award geehrt? Das sorgt erst einmal für Kopfkratzen. Aber wie bei Ted“Rambo“ Kotcheff im letzten Jahr, lohnt es sich, nicht nur einen Blick auf einen Film zu werfen, sondern sich mit dem gesamten Oeuvre des Künstlers zu beschäftigen. Und dieses ist bei Philippe Mora ebenso interessant, wie vielseitig. Ich zitiere einfach mal die Pressemitteilung.

Das Internationale Filmfest Oldenburg feiert mit der Philippe Mora Retrospektive einen der erstaunlichsten und vielschichtigsten Filmemacher unserer Zeit. Australiens solitärer Nouvelle-Vague Künstler, getrieben von historischer Spurensuche und unerschöpflicher kreativer Energie. Patensohn von Marcel Marceau, Zimmergenosse von Eric Clapton, die Entdeckung der Londoner Kunstszene der 60er Jahre, Pionier des australischen Kinos in den Vereinigten Staaten, Ikone des Horrorkinos der 80er und unermüdlicher Filmdokumentarist.

Mora kam 1949 in Paris als Sohn eines deutsch-jüdischen Résistance-Kämpfers und einer französisch-jüdischen Künstlerin zur Welt. Die Familie zog kurz darauf nach Melbourne, wo seine Eltern eine der einflussreichsten Kunstgalerien ihrer Zeit gründeten. Genau wie seine Geschwister wuchs er zu einem erfolgreichen Künstler heran. Seine ersten Filme drehte Mora schon als Teenager in Australien – eine Parodie der „West Side Story“ und eine Hommage an Fellinis „Achteinhalb“ – bevor es ihn als 17-jährigen nach England trieb und er tief ins pulsierende Herz Londons und der wilden 60er eintauchte. Er wurde zum erfolgreichen Kunst-Newcomer – mit Ausstellungen in London und später in Deutschland, wo er sich an Joseph Beuys’ und Erwin Heerischs Befreiung des deutschen Kunstmarkts beteiligte.

Als Filmemacher sorgte Mora kurz darauf zunächst mit seinen Dokumentationen für Aufsehen – insbesondere natürlich mit „Swastika“, in dem er alltägliche Aufnahmen aus Eva Brauns Privatarchiv Bildern der Nazi-Propagandamaschine gegenüberstellte und einen bis zu dem Zeitpunkt unbekannten Blickwinkel auf die Naziherrschaft erlaubte. Der Film löste bei seiner Premiere in Cannes 1973 einen veritablen Skandal aus und die Vorführung wurde gestoppt.

Sein nächster wichtiger Karrieresprung begann mit seiner Rückkehr nach Australien. Mitte der 70er Jahre hatte er mit dem Outlaw-Biopic „Mad Dog – Der Rebell“ mit Dennis Hopper in der Titelrolle nicht nur in seiner Heimat Erfolg, sondern durfte sich als einer der ersten australischen Regisseure über einen landesweiten Verleih in den USA freuen. Der Film gilt heute als einer der herausragenden Australischen Filme der Dekade. Einige Jahre später gab er dann sein US-Debüt mit dem hintersinnigen Horrorfilm „Das Engelsgesicht“. Zurück in seiner Heimat inspirierten ihn seine Hollywood Erfahrungen zu der ausgelassenen Superhelden Persiflage „The Return of Captain Invincible“, der sich schnell zu einem Kultfilm entwickelte. Es folgten der Ökothriller „Die Brut des Adlers“ und seine beiden Fortsetzungen von Joe Dantes „Das Tier“, mit denen er sich eine große und dauerhafte Anhängerschaft unter Genrefans sicherte.

Nach der Jahrtausendwende widmete sich Mora dann wieder häufiger der dokumentarischen Geschichtsaufarbeitung, sei es mit seinem Ausflug in die 60er, „The Times They Ain’t a Changin’“ oder mit „German Sons“, einem Film, in dem er gemeinsam mit seinem Freund Harald Großkopf ihre beiden Herkunftsgeschichten erzählt – auf der einen Seite Mora als Sohn eines deutschen Juden und Resistance Kämpfers, auf der anderen Seite Großkopf als Sohn eines Nazis.

Auch Moras jüngste Werke sehen sich in der Geschichte um – aber diesmal als Spielfilme – zum Einen „Absolutely Modern“ mit seiner modernistischen Story über die Moderne, und zum Anderen mit „The Sound of Spying“, einem Musical über die Spione des kalten Kriegs.

Das 21. Filmfest Oldenburg widmet dem visionären, einzigartigen Philippe Mora die diesjährige Retrospektive und zeigt eine Auswahl seiner bemerkenswerten Kinowerke. Mora wird über den gesamten Zeitraum des Festivals Gast in Oldenburg sein und am 12. September im Rahmen der Mid-Gala den Ehrenpreis des German Independence Awards überreicht bekommen.

Das klingt doch sehr spannend und ich finde es großartig, dass das Filmfestival Oldenburg wieder einen Filmemacher ehrt, den man nicht unbedingt auf dem Zettel hat. Der auf sich dann aber auf dem zweiten Blick als sehr aufregender Filmemacher entpuppt.

 

Zum Abschluss dieses Postings muss das hier aber noch sein.
Der Abspann von Moras „Das Tier II“.

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🙂

21. Internationales Filmfest Oldenburg: Weitere Filmtitel

Von , 21. August 2014 20:38

Vor einer Woche berichtete ich hier über die ersten Titel, die für das Internationale Filmfest Oldenburg angekündigt waren. Diese hatte ich mir über die Downloadmöglichkeiten von Regisseur- und Standbildern im Pressebereich der Filmfest-Homepage zusammengereimt. Wie es aussieht, gab es am selben Abend noch eine Pressemitteilung mit weiteren Titeln. Leider habe ich diese nicht erhalten, was mich stark wundert. Bisher habe ich alle Pressemitteilungen sogar immer doppelt bekommen. Und jetzt gar keine mehr? Seltsam. Wie dem auch sei. Hier ein Update, welche Filme noch bestätigt wurden.

Fever – Erstlingswerk des französischen Fotografen Raphael Nael über zwei hochbegabte Schüler, die aus einer philosophischen Frage heraus, einen Mord, komplett ohne Motiv und nach dem Zufallsprinzip, begehen. Na, das klingt doch sehr nach dem realen Fallder beiden Studenten Leopold und Loeb, der 1948 Vorlage für Alfred Hitchcocks „Rope – Cocktail für eine Leiche“ und 2002 für „Mord nach Plan“ war.

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Jealousy – Die 5. Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Philippe Garrel und seinem Sohn Maurice, bei der letzterer die Figur des eigenen Vaters interpretiert.

Bad City – Kanadische Blaxploitation-Hommage/Parodie von Carl Bessai, der eigentlich aus dem Arthousekino kommt. Hmmmm.. mal gucken.

Cartonnists: Footsoldiers of Democracy – Französische Doku von Stephanie Valloatto über politischen Cartoonisten aus 11 Ländern, die einen Kampf gegen Zensur und Unterdrückung führen. Klingt interessant.

Darüber hinaus kennt Jantje Ziegeler, Online-Redakteurin bei NWZonline, noch zwei Titel mehr, die in der Pressemitteilung nicht erwähnt wurden. So nennt sie auf Oldennerd noch folgende zwei Filme:

One Of A Kind – „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“-Regisseur François Duperyon ist mit seinem neuen Film am Start. Darin geht es um Fredi, dessen Hände heilende Kräfte besitzen, was ihm selbst allerdings kein Glück bringt.

Und 25-minütigem Kurzfilm: Edoardo Pontis “Human Voice” mit seiner Mutter Sophie Loren. Ich bin gespannt.

Originalfassungen in Bremen: 21.08.14 – 27.08.14

Von , 20. August 2014 21:14

Diese Woche gibt es wieder nicht übermäßig viele Originalfassungen, aber es sollte für jeden etwas dabei sein. Action, Feel-Good-Movie, Drama und Anspruch.

The Expandables 3 – Cinemaxx, Mi. 27.8. um 20:00 – Die alten Männer sind zurück. Sly, Arnie, Jason, Jet, Wesley & Co. kämpfen gegen Mel Gibson. Diesmal sogar gar nicht jugendgefährdend.

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Lucy – Cinemaxx, Fr. 22.8. um 19:30 & CineStar, So., 24.8. um 20:45 – Luc Bessons neuster Action-Streich. Mit einer hyperintelligenten Scarlett Johansson, die ihre durch eine Droge versehentlich verzehnfachten geistigen Fähigkeiten plötzlich zur Superheldin mit Superkräften wird.

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Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Schauburg, so., 24.8. um 21:00 – Feel-Good-Philosophie-Komödie mit einem Simon Pegg, den man – zumindest auf dem Filmplakat – nicht wiedererkennt. Beruhend auf einem Bestseller, zeigt der Film einen britischen Psychiater, der um die Welt reist, um das Geheimnis des Glücks zu erkunden. Mit zahlreichen Stars gespickt – und mit Veronica Ferres.

Diplomatie – Atlantis, So., 24.8. um 20:00 & Schauburg, Mo. 25.8. um 12:00 – Theaterverfilmung von Volker Schlöndorff um eine geheimes Treffen 1944 in Paris, bei dem der schwedischen Generalkonsul versucht, einen deutschen General 1944 von zu überzeugen, die bereits angeordnete Vernichtung von Paris nicht durchzuführen.

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Dazed & Confused – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Der dritte Film des Regisseurs Richard Linklater von 1993. Coming-Of-Age in einer amerikanischen Provinz-High-School. Mit Matthew McConaughey, Milla Jovovich und Ben Affleck. Alle am Beginn ihrer Karriere.

Im August in Osage County – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – US-amerikanische Tragikomödie mit Meryl Streep, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch, Ewan McGregor über ein Familie, die nach dem Selbstmord des Vaters zusammen kommt, um der Mutter zu helfen, wobei alte Konflikte wieder hervorbrechen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 25.8. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 25.8. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi, den 27.8. um 21:00

Blu-ray-Rezension: “Die gelbe Hölle des Shaolin”

Von , 19. August 2014 22:05

gelbehoelleNachdem er einen Mörder dem Gericht übergeben hat und dieser hingerichtet wurde, wird der Schwertkämpfer Nan Kun (Yueh Hua) mit einem fürchterlichen Massaker konfrontiert. Seine gesamte Familie ist umgebracht und seine seine Schwester entführt worden. Nur sein kleiner Neffe hat das Blutbad überlebt. Nan Kun begibt sich, mit dem kleinen Jungen im Schlepptau, auf die Suche nach den Verantwortlichen. Bald schon stellt sich heraus, dass der Vater des Hingerichteten hinter allem steckt. Um Nan Kun aufzuhalten, setzt dieser nun ein Kopfgeld auf den Schwertkämpfer aus. Dieses will sich auch ein finsterer und skrupelloser Profi-Killer (Philip Ko) und den Nagel reißen, was nicht nur Nan Kun, sondern auch seinen kleinen Neffen in eine tödliche Gefahr bringt…

Neben den großen Studios Shaw Brothers und seinem kleineren Konkurrenten Golden Harvest, tummelten sich im Hongkong der 70er Jahre auch zahlreiche Billiganbieter, die ihre Erzeugnisse zumeist im kostengünstigen Taiwan drehen ließen. Oftmals kamen dabei nicht mehr als bestenfalls durchschnittliche Werke mit Dauergekloppe und unbekannten Darstellern heraus, die dann mit Beginn des Videobooms in Deutschland direkt mit Billig-Synchros versehen in die Videotheken gekippt wurden. „Die gelbe Hölle des Shaolin“ hatte zwar sogar 1981 eine Kinoaufführung spendiert bekommen, wurde dann allerdings von Videolabel zu Videolabel gereicht. Produzent war ein gewisser Jimmy Shaw, bei dem allerdings keine Verwandtschaft zu den berühmten Shaw Brothers besteht. Regisseur Fu Di Lin stammt aus Taiwan und hatte dort Anfang der 60er Jahre mit Dramen seine Regie-Laufbahn begonnen. Später stellte er vor allem billige Kung-Fu-Filme her, von denen es meines Wissens nach allerdings nur „Kung Fu – Die Rache der Gefürchteten“ ebenfalls nach Deutschland schaffte und hier 1981 ebenfalls ins Kino kam, bevor er dann als Videotape die Runden machte und auf DVD bei MIB in zahlreichen Low-Budget-Kung-Fu-Kollektionen eine Heimat fand.

Die Synchronisation des Films „Die gelbe Hölle des Shaolins“ stammt von dem berühmten – vielleicht auch berüchtigten – Uwe Schier, der die deutschen Tonspuren gerne durch eine Extraportion „Schmier“ anreicherte. Hier hält sich das Synchrondrehbuch spürbar zurück, dafür wird es bei den Schlägereien sehr laut. Dort knallt und kracht es, dass man die Lautstärke besser etwas runter regelt – auch auf die Gefahr hin, dann die Dialoge nicht mehr verstehen zu können. Generell ist es mit dem Verständnis bei diesem Film so eine Sache. Das Drehbuch wurde laut IMDb von Lung Ku geschrieben, der für einige großartige Klassiker der Shaw Brothers Schmiede verantwortlich war. U.a. schrieb er die Drehbücher für die wundervollen wuxia-Filme die Yuen Chor (aka Chu Yuan) mit Ti Lung in der Hauptrolle inszenierte, wie z.B. „Die Herrschaft des Schwertes“ oder „Das Unbesiegbare Schwert der Shaolin„. Das Lung Ku etwas mit diesem kleinen Film zu tun haben soll, halte ich auf dem ersten Blick für unwahrscheinlich, auf dem zweiten Blick offenbart die Geschichte allerdings zahlreiche Elemente, die für seine Arbeiten typisch sind. Wie z.B. die übernatürlichen Kräfte, der Grusel-Touch und die vielfältigen Verflechtungen unterschiedlicher Clans/Familien. Fast scheint es so, als habe jemand ein Drehbuch von Lung Ku bekommen, dieses dann aber verloren und so gut es geht versucht, nachzuerzählen. Wobei derjenige immer wieder ins Straucheln gerät oder Dinge vergisst. So bleibt es das größte Mysterium des Filmes, was eigentlich aus der Schwester des Helden wird, die ja zu Beginn der Grund für seine Reise war. In älteren Reviews wird gemutmaßt, das die Antwort auf diese Frage den Kürzungen der alten deutschen Videofassung zum Opfer gefallen sei. Nach Begutachtung der ungeschnittenen DVD-Fassung aus dem Hause filmArt muss man dies allerdings verneinen. Die gute Frau, die sowieso nie auftaucht, spielt plötzlich keine Rolle mehr und wird im letzten Drittel dann auch gar nicht mehr erwähnt.

Durch die ersten 30 Minuten des Films muss man sich förmlich quälen. Es passiert viel zu viel auf einmal. Die Familie eines mächtigen Mannes wird ermordet, dieser beauftragt einen Schwertkämpfer den Mörder dingfest zu machen. Der Mörder wird schnell aufgespürt und es kommt zu einem Duell. Der Schwertkämpfer siegt, der Mörder wird ausgeliefert, zum Tode verurteilt und geköpft. Daraufhin schwört der Vater des Mörders (ebenfalls ein mächtiger Mann) Rache, lässt die Familie des Schwertkämpfers abschlachten und dessen Schwester entführen. Und dann sind gerade mal 8 Filmminuten vergangen. Der Schwertkämpfer macht sich nun auf die Suche nach den Mördern und seine Schwester, immer wieder gefolgt von seinem minderjährigen Neffen, was später zu einigen dezenten „Lone Wolf and Cub„-Reminizenzen führen wird. Leider ist diese Suche von unspektakulären, reichlich hölzern ausgeführten Kämpfen und viel zu dunklen Szenen begleitet. Man möchte schon abschalten, als man einer halben Stunde das Gefühl bekommt Regisseur Fu Di Lin hätte sich gesagt: „An dem, was ich bisher zusammengefilmt habe, ist nichts mehr zu retten – also was soll’s“.

Plötzlich bevölkern bizarre Gestalten die Szenerie und ein unheimlicher, ganz in schwarz gekleideter Mann mit großen Hut und ganz kleinen Skrupeln taucht auf. Immer mehr gerät der Film zu einer fast schon wahnsinnigen Trash (ich mag das Wort wirklich nicht, aber hier passt es einmal)-Show, die einem die Sinne raubt. Da fliegen deutlich als verkleidete Sandsäcke zu erkennende Körper wild durch die Luft, in Supersupersupersuperzeitlupe fällt ein Baum um, der vorher gar nicht berührt wurde, eine Figur wird von einer kleinen Puppe gedoubelt über das Wasser gezogen und, und, und… Hier wird auf ein Mal das Gaspedal fest durchgedrückt und in Richtung Irrsinn abgebraust. In einer Szene, die mein Herz augenblicklich gewonnen hat, wird der Held von einem Greifvogel angegriffen. Nach einigen fuchteligen Bewegungen mit dem Schwert, fällt plötzlich ein sauber gerupfter Truthahnbraten zu Boden, während es um den Helden herum Federn regnet. Großartig!

Neben den offensichtlichen Albernheiten, hält der Film aber auch noch eine überraschend tragische Geschichte bereit. Nach 2/3 der Laufzeit wendet sich das Drehbuch plötzlich von unserem Helden ab, ja scheint ihn für einen Augenblick regelrecht zu vergessen. Stattdessen wird der Zuschauer mit einer Nebenfigur bekannt gemacht, die zuvor einige Mal aufgetaucht war. Ein junger Mann, der den Helden für ein üppiges Kopfgeld töten will, damit er endlich seine große Liebe heiraten kann. Diese versucht erfolglos ihn davon abzuhalten. Natürlich verliert der junge Mann – dessen Waffen kleine Bomben sind – gegen den Helden, der ihn aber großmütig ziehen lässt – aber nicht, ohne ihn durch einen Schwertstreich zweiter Finger zu berauben und ihn dadurch kampfunfähig zu machen. In einer rührenden Szene, versöhnen sich der junge Mann und seine Geliebte, gestehen sich ihre ewige Liebe und der Weg ins Reich des Glückes wäre frei. Wenn da nicht der gut behütete Bösewicht auftauchen und das Glück auf brutale Weise zerstören würde. Überraschenderweise ist diese Passage ziemlich souverän und – wenn man zur Sentimentalität neigt und ein Herz für romantischen Kitsch besitzt – recht herzergreifend umgesetzt worden. Dass dann minutenlang „Jill’s Theme“ aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf der Tonspur zu hören ist, irritiert etwas. Ebenso wie die Sprenkel elektronischer Synthesizermusik, die ich nicht recht identifizieren konnte und in die „Alan Parson’s Project“-Ecke packen würde. Dass aus der jungen Frau dann noch in den letzten Minuten eine knallharte Rächerin wird, verwundert nicht mehr groß und wird gerne angenommen. Zum Schlusskampf zaubert der Film dann noch ein schier unbesiegbarer Endgegner aus dem Hut und endet mit einer schönen Umkehrung des „Lone Wolf & Cub“-Motives, wenn der kleine Junge seinen, in einer kleinen Karre hockenden Onkel, durch die Gegend zieht.

Nach einem überaus holprigen und schlecht choreographierten Beginn, bei dem gerne mal schwarz gekleidete Männer in einer mondlosen Nacht gegeneinander kämpfen, glaubt man schon nicht mehr, dass der eher konventionelle Film noch große Überraschungen aufbieten könnte. Dann aber macht er eine 180-Grad-Wende in Richtung Irrsinn und brennt ein Feuerwerk an wahnwitzig-grotesken Ideen und miserablen Effekten ab, dass man wahlweise aus dem Staunen oder dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommt. Wenn das unsägliche Wort vom „Trash“ einmal angebracht ist, dann hier.

FilmArt hat diesen Film nur auf Blu-ray veröffentlicht, was etwas verwundert, denn eine solch ein brillantes HD-Bild wäre im hier vorliegenden Fall gar nicht nötig gewesen. Vor allem, weil einige Szenen extrem unscharf sind. Was aber wohl nicht an der Aufbereitung des Filmmaterials, sondern tatsächlich am Kameramann liegt. Denn es fällt auf, dass die Unschärfe nur einzelne Szenen und dort zumeist dann auch nur den Gegenschuss betreffen, während der Rest zum Teil so brillant klar ist, dass man die Maserung auf dem Holz erkennen kann. Als Extra liegt der Film auch in einer unbearbeiten, also mit vielen Filmdefekten und Laufstreifen gesegneten, Fassung vor. Der Ton ist auf Deutsch (gefiltert und ungefiltert) und auf Englisch enthalten, wobei die englische Syncho recht steif und unnatürlich ist. Als Extra wird auch das Booklet von Frank Faltin angekündigt. Hier hätte es aber nicht geschadet, wenn noch mal jemand drüber geschaut hätte, bevor es in den Druck gegangen ist. Es wimmelt nur so von ganz offensichtlichen Grammatik- und vor allem Kommafehlern, dass es schlichtweg ein Graus ist und den Lesefluss empfindlich stört. Da fragt man sich in der Tat, warum da niemand die Zeit gehabt hat, einmal Korrektur zu lesen. Ein Makel, der aber auch andere filmArt-Booklets – wenn auch nicht in diesem Ausmaß – betrifft und wo noch ordentlich Raum zur Verbesserung ist.

Das Bloggen der Anderen (18-08-14)

Von , 18. August 2014 22:07

bartonfink_type2– Das große Thema dieser Woche war der plötzliche und unerwartete Tod von Robin Williams. Die Vielzahl der Blog-Einträge zeigen deutlich, wie sehr diese Tragödie die Blogger bewegt hat. Hier eine Liste mit Nachrufen: Batzman sehr emotional auf Fünf FilmfreundeDominik traurig auf Filmherum.  Ebenso wie Sir Donnerbold auf Sir Donnerbolds Bagatellen.  Getroffen ist auch souli auf Die drei MuschelnPeter Schneider mit einigen Videoclips auf Mostly MoviesSascha auf PewPewPew mit einem Filmausschnitt.  Joachim Kurz sehr ausführlich auf B-Roll.

– Robin Williams war nicht der einzige Tod, der in dieser Woche betrauert werden musste. Auch eine der ganz großen Hollywood-Schauspielerinnen ist von uns gegangen. Immerhin im stolzen Alter von 89 Jahren: Lauren Bacall. Der Kinogänger erinnert ihrer.  Und auch Peter Schneider erweist ihr auf Mostly Movies mit einigen Videos seinen Respekt.

– Das nächste große Thema war das Filmfestival in schweizerischen Lorcano. Beatrice Behn berichtet auf B-RollFrédèric Jaeger auf critic.de  Rainer Kienböck für Jugend ohne Film. Michael Sennhauser empfiehlt auf Sennhausers Filmblog den griechischen Film „A Blast“  und präsentiert die Gewinner. Einen Lorcano-Blog hat auch Rüdiger Suchsland auf Negativ.

– Reda hat auf Der schmale Grad „Christian F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gesehen, den er ein „wunderschön dreckiges, verklärtes Dokument einer Zeit vor unserer Zeit und einer der besten Exploitationfilme bundesrepublikanischer Herkunft“ nennt. Vom Rip-Off „Die Schulmädchen vom Bahnhof Zoo“ ist er allerdings weniger begeistert. Der ebenfalls ins „Christiane F.“-Umfeld gehörende „Das Ende des Regenbogens“ hingegen schon. Eine ausdrückliche Empfehlung spricht er dem ungarischen Film „Hukkle – Das Dorf“, „ein Erlebnis, das im Heimkino bedingt funktionieren, aber eigentlich nur auf der großen Leinwand seine Wirkung entfalten kann. Oder über Beamer im Schrebergarten im Dreck, mit 200 Gleichgesinnten.“

– Sascha Nolte hat für Die seltsamen Filme des Herrn Nolte die 80er-Komödie „Midnight Madness“ gesehen, der bei ihm viele nostalgische Gefühle hervorgerufen hat.

– Von den Shadoks habe ich das erste Mal in der sehr empfehlenswerten ARTE-Sendung „Karambolage“ erfahren. Oliver Armknecht kann über diese TV-Serie auch einiges berichten, was er auf film-rezensionen.de dann auch im Rahmen seines Animations-Specials auch tut.  Ferner: Der Survival-Thriller „Scenic Route“, den er sehr unterhaltsam fand.

– Auf Komm & Sieh empfiehlt Jochen Plinglanz den Film „Of Silence“, bei dem er vor allem das verstörende Ton-Design lobt. Caroline Lin hat sich bei „At the Devil’s Door“ gegruselt.

Ein sehr wichtiger Text von Urs Spörri auf B-Roll über den Status des deutschen Films, dem er kein qualitatives oder quantitatives Problem attestiert, sondern eins der Vermittlung. Damit spricht er mit zum größten Teil aus dem Herzen. Lesen.

– Bert Rebhandl auf cargo über Peter Kerns Film „Sarah und Sarah“.

– Miriam Eck ist von Luc Bessons „Lucy“ enttäuscht, den sie auf Daumenkino auseinander nimmt.

– Andreas Thomas ist auf filmgazette sehr von Kelly Reichardts neuem Film „Night Moves“ (läuft zur Zeit im Bremer Cinema) begeistert. Außerdem: Eine lange und tiefgründige (sowie längst überfällige) Würdigung des kürzlich verstorbenen Harun Farocki von Ulrich Kriest.

– In einem seiner letzten Filme spielt Philipp Seymour Hoffman unter der Regie von Anton Corbijn den Leiter einer bundesdeutschen Spionageabteilung. Daniel Brühl und Nina Hoss sind auch dabei, ebenso Willem Dafoe. Klingt spannend, „A Most Wanted Man“ konnte aber dennis auf filmosophie nicht überzeugen.

– Eine der großartigsten Komödien aller Zeiten? Billy Wilders „Eins, zwei, drei“. Findet auch gabelingeber auf Hauptsache (Stumm)Film und verrät, dass der Film auf einem ungarischen Theaterstück aus den 20er Jahren beruht. Das wusste ich auch noch nicht. SITZEN MACHEN!

– Alex Klotz hat auf hypnosemaschinen wieder einmal einen schönen, mexikanischen Horrorfilm vorgestellt. „La huella macabre“ klingt sehr unterhaltsam.

Der Kinogänger hat wieder das Neuste aus Hollywood am Start.

– „Wie tot ist der spirituelle Filmemacher“ fragt Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film und geht dieser Frage anhand eines Vortrages von Pedros Costa vor einer Gruppe japanischer Filmstudenten und eines Artikels von Vladimir Lukin, die er beide ergänzt und weiter ausführt, nach. Ferner schreibt Andrey Arnold einen theoretischen Aufsatz über „Publikumsdisziplinierung im Kino“, dem ich zwar nicht in allen Punkten zustimmen kann, der aber einige interessante Punkte hat.

– Ich dachte ja, ich hätte von allen Woody-Allen-Filmen zumindest einmal gelesen, wenn ich sie schon nicht alle gesehen habe (ich arbeite aber dran). Die TV-Mockumentary „Men of Crisis“ war mir bisher aber völlig unbekannt. Danke an Sven Safarow, der den Film auf Safarow schreibt ausgegraben und besprochen hat.

– Und wie es der Zufall so will: Auch Manfred Polak hat sich diese 25-minütige Mockumentray gerade auf Whoknows presents vorgenommen. Ferner stellt er zwei frühe dänische Stummfilme vor, die in das Genre des Science Fiction fallen: „Das Himmelsschiff“ und „Das Ende der Welt“.  Die beiden hatte ich auch auf meinem Einkaufszettel, als ich 2010 bei der Dänischen Kinemathek vor verschlossenen Türen stand. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich an dieser Stelle auch schon mal zum Besten gab…

– Michael Schleeh bespricht auf Schneeland das japanische Drama „River“, welches Ryuichi Hiroki 2011 inszenierte. Ferner: „The Drudgery Train“ von Nobuhiro Yamashitam der auch den schönen „Linda, Linda, Linda“ gemacht hat.

– Frank Schmidke überschlägt sich auf cinetastic förmlich mit seinem Lob für „20.000 Days on Earth“ über Nick Cave. Ebenfalls gut weg kommt bei Ronny Dombrowski die sozialkritische, deutsche Komödie „Ein Geschenk der Götter“, der auf dem Filmfest München den Publikumspreis erhielt.  Ein James-Brown-Biopic? Ich wusste gar nicht, dass so etwas geplant war. Was Ronny Dombrowski darüber schreibt, klingt aber auch nicht besonders toll.  Kaufen (wenn man die Filme nicht schon einzeln hat) sollte man laut Frank Schmidke die Roland-Klick-Box mit all seinen Filmen und einer Doku. Einer der wichtigsten deutschen Filmemacher wird endlich entsprechend gewürdigt.

– Einer der ersten bundesdeutschen Filme, die sich mit dem Gräuel der Nazi-Zeit auseinandersetzten war Eugen Yorks 1948 entstandener „Morituri“, den Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide bespricht. Die nüchterne Darstellung der Leids und den Verzicht auf Klischees findet er bemerkenswert, bedauert allerdings auch die Verwendung von typischen Unterhaltungsfilm-Mechanismen. Der Überraschungsfilm beim letzten Hofbauer-Kongress war „Atemlos vor Liebe“ (schöner Titel) aka „Flash-Teens im Blitzlicht“ (interessanter Titel). Ein deutscher Sexploitationfilm von Dietrich Krausser mit Hans Peter Hallwachs.

– Auf L’Amore in città wendet sich Udo einem Film zu, den ich sehr mag. Tinto Brass‘ frühem Meisterwerk „Ich bin wie ich bin“ aus seiner wilden Pop-Art-Zeit. Die Titten und Ärsche kamen ja erst später (mag ich aber auch ;)).

– Alex Matzkeit hält „Dawn of the Planet of the Apes“ für ein hervorragendes Studienobjekt für die Regeln eines (guten) Prequel. Was er auf seinem Blog real virtuality auch näher ausführt.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog ausführlich über Stanley Kubricks letzten Film „Eyes Wide Shut“, der ja recht kontrovers aufgenommen wird und bei vielen als Enttäuschung gilt. Die Beiden finden ihn unterschätzt und voller Details, die einem erst beim mehrmaligen Anschauen auffallen, finden.

– Malina hat auf Stubenhockerei über Jennie Livingstons 1990 entstandene Doku „Paris Is Burning“ geschrieben und resümiert: „man (sollte) sich endlich davon verabschieden, Dokumentationen und Wahrheit als eine Einheit, oder auch, gerade in den heutigen Zeiten, alternative Medien als vertrauenswürdiger zu betrachten. Jeder Mensch lebt seine eigene Wahrheit.“

– In letzter Zeit bin ich immer häufiger auf den Film „Die unglaublichen Abenteuer des hochwohllöblichen Ritters Branca Leone“ gestoßen, der allen Ortens wärmstens empfohlen wird. Dass es davon sogar noch eine Fortsetzung gibt, habe ich jetzt bei totalschaden auf Splattertrash gelesen.

– Dario Argentos „Dracula 3D“ muss ich demnächst auch noch rezensieren. Wenn ich lese, was Yzordderrexxiii („Nur mit an Selbstaufgabe grenzender Anstrengung lässt sich hierin das Aufblitzen einstiger Fähigkeiten des Regisseurs erkennen.“) und JackoXL auf Die drei Muscheln („Was auch immer mit Argento passiert ist, es scheint nicht nur unheilbar, es wird sogar immer schlimmer.“) schreiben, wird mir da Angst und Bange.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen wieder „Die Besprechungen der Anderen“ zusammengetragen und ich möchte mich auf diesem Wege auch wieder herzlich für die nette Erwähnung bedanken.

Die letzten Worte gehört Oliver Nöding von Remember It For Later: „Eine Frage, die ich mir bis heute nicht beantworten kann: Ist Jürgens tatsächlich ein guter Schauspieler? Oder nicht doch nur eine imposante Gestalt, ein einnehmender Charakter? Man kann seine Präsenz und Wirkung auf der Leinwand nicht in Abrede stellen, jedes Bild wird sofort zur Staffage für ihn, die Kamera liebt ihn mindestens genauso sehr wie er die Kamera liebt.“ Aus seiner Besprechung von Curd Jürgens dritten Regiearbeit, „Ohne Dich wird es Nacht“.

DVD-Rezension: “Once Upon a Time in Vietnam“

Von , 17. August 2014 19:35

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Meister Dao (Dustin Nguyen) ist einer von wenigen ausgewählten Kriegern, die das Vietnamesische Reich in einer alternativen Realität (oder vielleicht auch einer nicht allzu weiten Zukunft) vor inneren und äußeren Feinden bewahren. Eine seiner Aufgaben ist es, abtrünnige Krieger aufzuspüren und zu töten. Eines Tages kommt er in ein kleines Städtchen, in dem die Bande des Besitzers der lokalen Bar den gutmütigen und liebenswerten Bäcker Hien (Thai Hoa), bedroht. Dao hilft Hien und zieht bei dessen Familie als Mieter ein. Hiens wunderschöne Frau Anh (Thanh Van Ngo) scheint Gefühle für Dao zu hegen und auch Hiens Sohn Hung, schaut zu dem Fremden auf, der ihn ihm Kampf unterrichtet. Bald schon stellt sich heraus, dass Dao nicht zufällig in die Stadt kam, und dass Anh und er ein gefährliches Geheimnis teilen…

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Wenn ein Filmtitel mit „Once Upon a Time in..“ beginnt, ist natürlich sofort die Assoziation zu Sergio Leones Meisterwerken „Once Upon a Time in the West“ oder „Once Upon a Time in America“ da. Und immer wieder verheben sich solche vollmundig mit den bekannten Worten beginnende Titel. Ausnahmen wie „Once Upon a Time in China“ oder „Once Upon a Time in Anatolia“ bestätigen da nur die Regel. Auch „Once Upon a Time in Vietnam“ kann den großen Titel-Paten nicht das Wasser reichen, auch wenn er sich redlich bemüht und hier und dort einige Reminiszenzen an Leones Western einflechtet. So erinnert der Beginn in einem Gasthaus, in dem der von Dustin Nguyen gespielte Meister Dao auf einen Abtrünnigen trifft, stark an die Szene, in der sich Cheyenne und Harmonica in „Once Upon a Time in the West“ treffen. Auch auf dem Soundtrack wird ganz direkt auf die beiden Morricone-Stücke „Man with Harmonica“ und „Jill’s Theme“ angespielt. Hier hört der Vergleich aber schon auf, da sich „Once Upon a Time in Vietnam“ ganz offensichtlich von einem Klassiker des US-Western inspirieren ließ: „Mein großer Freund Shane“ mit Alan Ladd in der Rolle eines einsamen Revolverhelden, der einer Familie gegen skrupellose Banditen beisteht. Wie in „Once Upon a Time in Vietnam“ besteht dort die Familie aus einem grundanständigen, gutmütigen Vater, einem Sohn der zu dem Revolverhelden aufblickt und ihn gerne als Vater hätte, und der Frau, die sich in den Helden verliebt. In „Once Upon a Time in Vietnam“ wird die Dreiecksgeschichte noch dadurch verstärkt, dass Meister Dao als tatsächlicher, biologischer Vater des Jungen eingeführt wird, und die Frau vor langer Zeit tatsächlich ein leidenschaftliches Verhältnis mit ihm hatte.

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Der Clou, mit dem Dustin Nguyen seinen ansonsten doch eher durchschnittlichen Film in der zweiten Hälfte rettet, ist, dass der Handlung erlaubt wird, einen anderen, aber durchaus konsequenten, Weg als „Shane“ zu gehen, und dabei doch der Grundidee treu zu bleiben. Vor allem hilft es, dass die Rolle der Ehefrau – Anh, gespielt von Thanh Van Ngo, die bereits zuvor mit Dustin Nguyen in dem bekanntesten vietnamesischen Martial-Arts-Film „The Rebel“ zusammen gearbeitet hatte – deutlich ausgebaut und gestärkt wird. Obwohl der, von Nguyen selbst, gespielte einsame Schwertkämpfer Dao in der ersten Hälfte als wortkarger und überlegener Kämpfer eingeführt wird, kippt diese Heldenzeichnung in der zweiten Hälfte zugunsten von Anh. Statt der schmachten Frau, wird sie als starker, emanzipierter Charakter gezeigt, der nicht nur genau weiß, was er will, sondern auch die Kraft besitzt, dies gegen alle Feinde durchzusetzen. Demgegenüber muss Nguyens Dao erkennen, dass er mitnichten der Überlegene ist. Nicht nur Anh lässt seine coole Fassade bröckeln, auch sein Gegner General Long zeigt ihm deutlich, wo seine Grenzen sind. Thanh Van Ngo spielt die Anh mit einer überzeugenden Mischung einfühlsamer Zärtlichkeit und unerbittlicher Härte. Wenn sie dann zum Finale in ein ausgesprochen sexy aussehendes Lederkostüm schlüpft, wirkt es an ihr, die wir zuvor als liebende Mutter eines kleinen Jungens und hingebungsvolle Ehefrau eines schwachen Mannes kennengelernt haben, nicht verkleidet, sondern es passt durchaus zu ihrer Figur.

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Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Dustin Nguyen kennt man aus der amerikanischen TV-Serie „21, Jump Street“, die für einen sehr jungen Johnny Depp in den 80er Jahren das Sprungbrett zu einer Weltkarriere war. Nyguen tauchte nach „21, Jump Street“ noch in zahlreichen anderen Serie auf, u.a. 1997 in der heute vergessenen, deutschen Krimi-Serie „Die Gang“ neben Uwe Ochsenknecht und Moritz Bleibtreu. In den letzten Jahren war er überwiegend in der Heimat seiner Eltern, Vietnam, aktiv, wo er immer wieder auch in Martial Arts Filmen – wie eben beispielsweise in „The Rebel“ – auftrat. „Once Upon a Time in Vietnam“ ist seine erste Regiearbeit, die er recht routiniert über die Runden bringt, allerdings manchmal auch zu dick aufträgt und zu viel will. Warum der Film ohne große Notwendigkeit in einer postapokalyptische Landschaft spielen muss, in der zwar Motorräder gefahren werden, Autos durch die Gegend fahren und Neonreklame die Nachtszenen erhellen, und das Ganze gleichzeitig den Anstrich einer Westernstadt hat, in der die lokalen Gangster in Cowboyklamotten durch die Gegend marschieren, während Handlung und generelle Atmosphäre auf den klassischen Martial-Arts-Film wie „Tiger & Dragon“ verweist, ist weder klar, noch fügt es dem Film etwas hinzu. Bis auf die Tatsache, dass man so möglichst viele coole Filmmotive einfangen kann.

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Neben einige Längen und vernachlässigbaren Nebenhandlungen, wie die angedeutete Liebesgeschichte zwischen dem Helden und einen stummen Mädchen, leidet „Once Upon a Time in Vietnam“ unter den grausigen CGI-Effekten, die wie aus der Computer-Steinzeit stammen und wohl möglich schon auf dem C64 für Fremdschämen gesorgt hätten. Auch von den Kämpfen sollte man nicht allzu viel erwarten. Diese werden mit Kameraeffekten verfremdet und so schnell und unübersichtlich geschnitten, dass den Szenen eine künstliche Dynamik untergejubelt wird und auch der physisch untalentierteste Schauspieler wie ein großer Kampfkunstmeister wirkt. Sämtliche Eleganz oder Wow-Effekte gehen dabei allerdings vollkommen flöten. Hinzu kommt ein schreckliches Wire-Work, welches die Akteure ziemlich unmotiviert und extrem unrealistisch durch die Lüfte zieht. Davon, dass einige Waffen und das Blut auch noch am Computer entstanden sind, ganz zu schweigen. Was schade ist, steht Dustin Nguyen doch mit Roger Yuan in der Rolle des General Long ein durchaus beeindruckender Gegner gegenüber, der für ein Highlight innerhalb des Filmes sorgt. Sein Auftritt wird von langer Hand vorbereitet, sein Name immer wieder erwähnt und die Figur als großer Mann im Schatten etabliert. Wenn er dann auftaucht, wird man nicht enttäuscht. Dass Yuan auch ein erfahrener Kämpfer ist, sieht man ihm dann auch gleich an. Obwohl Roger Yuan nur wenige Szenen vergönnt sind, prägt er doch den Film mit seiner Präsenz und zeigt Hauptdarsteller Dustin Nguyen, wie auch dessen Figur Meister Dao, wo es langgeht.

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„Once Upon Time in Vietnam“ gelingt es leider nicht, sein durchaus vorhandenes Potential voll auszuschöpfen. Die zu Beginn nur allzu bekannte Geschichte, wird in der zweiten Hälfte zwar durch eine starke, und gut gezeichnete, Frauenfigur, sowie einen durchaus beeindruckenden Bösewicht gerettet, doch dies hilft nicht dabei, den Film doch noch über den Durchschnitt zu drücken.

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Das Bild der Splendid DVD ist tadellos. Der Ton liegt sowohl auf Deutsch als auch Vietnamesisch (mit zuschaltbaren, guten deutschen Untertiteln) in 5.1. vor. Als Leckerbissen kann das Making-Of gelten, welches fast eine ganze Stunde läuft und viele, durchaus interessante Einblicke von den Dreharbeiten, sowie Interviews mit den Beteiligten bietet. Zwar wird hier natürlich überall Regie-Debütant Dustin Nguyen in den Himmel gelobt, aber der Blick hinter die Kulissen ist durchaus interessant.

DVD-Rezension: “Ich – Ein Groupie“

Von , 15. August 2014 20:47

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Die junge Engländerin Vicky (Ingrid Steeger) lernt den Musiker Stewart (Stewart West) kennen. Dieser verspricht ihr, sie auf die Tournee seiner Band mitzunehmen, doch am nächsten Morgen sind er und seine Kollegen bereits verschwunden. Ingrid tut sich mit dem Groupie Vivian (Vivian Weiss) zusammen und folgt der Band zunächst nach Amsterdam, wo die Beiden von ihrem letzten Geld Drogen kaufen, die sie in die Schweiz schmuggeln wollen, um sie dort mit hohem Gewinn zu verkaufen. Dies ist für Vicky der Beginn eine abenteuerlichen Reise, die sie immer mehr in einen Sumpf aus Sex, Musik und harten Drogen führt…

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Ursprünglich sollte „Ich – ein Groupie“ der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Erwin C. Dietrichs Urania (später dann Elite) und Roger Cormans AIP werden. Am Ende aber war viel Porzellan zerschlagen worden und die geplante Kooperation kam nie zustande. Der Deal sah laut Dietrich so aus: Corman sollte das Drehbuch und den Regisseur stellen, Dietrich das Geld und den Rest der Crew. Corman schickte daraufhin Jack Hill über den großen Teich. Hill ist der Regisseur des Kultklassikers „Spider Baby“ und hat während der Frühphase der Blaxploitationwelle Pam Grier in Filmen wie „Coffy“ und „Foxy Brown“ zum Star gemacht. Später drehte er den unglaublichen „Die Bronx-Katzen“ in dem am Ende sogar ein Panzer durch die Bronx rollte. Mit dem „Groupie“-Projekt kam er aber nicht klar. Nach vier oder fünf Drehtagen wurde er von Dietrich gefeuert und wieder nach Amerika zurückgeschickt. Damit war der Corman-Deal geplatzt. Hill gab an, selbst gekündigt zu haben, da ihm nicht klar war, dass er einen Softporno drehen sollte (was der Film im Übrigen nicht ist), Dietrich und sein Kameramann Peter Baumgartner erzählen, Hill hätte fünf Tage lang die selbe Szene gedreht und sichtlich ein Problem mit Drogen gehabt. Wie dem auch sei, Dietrich übernahm, ein neues Drehbuch wurde über Nacht aus dem Nichts gestampft und die Arbeiten an „Ich – Ein Groupie“ konnten neu beginnen. Interessanterweise erzählt Baumgartner im auf der neuen DVD erhaltenen Interview, dass wiederum er beim größten Teil des Filmes als Regisseur tätig war.

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Trotz des chaotischen Beginns, wurde „Ich – Ein Groupie“ einer der besten Filme der Dietrich-Schmiede und der frühe Höhepunkt seiner Regie-Tätigkeit. „Ich – Ein Groupie“ fängt perfekt den Zeitkolorit 1970 ein. Der Sommer der Liebe war vorbei, von nun an wurde es finster. Zwar hingen die Leute noch den Idealen der freien Liebe und Freiheit nach, in Wirklichkeit hatte aber spätestens die Tragödie von Altamont, als beim „Westküsten-Woodstock“ die als Aufpasser engagierten Hell’s Angels die Zuschauer verprügelten und ein junger Farbiger erstochen wurde, ein rauer, gewalttätiger Wind Einzug in die schöne Hippie-Welt gehalten. Harte Drogen zerstörten Träume, statt sie zu befeuern. 1970 unterschied sich dramatisch von der naiven Welt der 60er und „Ich – Ein Groupie“ legt Zeugnis davon ab. Die Hauptfigur Vicky unternimmt stellvertretend eine Reise vom utopischen summer of love bis in die neue, harte Wirklichkeit der 70er.

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Wenn wir Vicky das erste Mal sehen, ist sie ein junges, frisch aussehendes Mädchen. Vielleicht etwas naiv, aber voller Freude am Leben. Sie besucht ein free concert in einem Park – welches vielleicht stellvertretend für Woodstock stehen kann. Vicky glaubt an die große Liebe und als ihr der Sänger der Band das Blaue vom Himmel verspricht, ist sie nur allzu bereit den Versprechungen der Hippies zu glauben. Dass der Song, den er inbrünstig vorträgt „I’m a liar“ heißt, nimmt sie dabei nicht besonders ernst. Ohne großes Gewissen wird Vicky das erste Mal ausgenutzt, und es soll nicht das letzte Mal sein, dass ihre naive Gutgläubigkeit sie in Schwierigkeiten bringt. Bald schon ist sie in einen Drogenschmuggel involviert, der aber aus ihrer Warte als harmloses Späßchen durchgehen kann. Denn jeder nimmt leichte Drogen und hat eine gute Zeit.

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Doch dann treten die Hell’s Angels auf (Schatten von Altamont?) und der Spaß ist vorbei. Die Hell’s Angels haben nichts mehr mit den Easy Rider zu tun, die Peter Fonda und Dennis Hopper verkörperten und die in einer wunderbaren Szenen direkt ins Bild gerückt werden. Dort begutachten zwei der Rocker die Aushangfotos des Filmes vor einem Kino. Mit den Angels bricht die Gewalt in Vickys Leben ein. Zwar scheint sie glimpflich davonzukommen und sich sogar mit den Rockern zu befreunden. Doch nach der Begegnung wirkt sie abgeklärter und selbstbewusster. Als Vicky schließlich in einer kryptischen Szenen, die sie mitten in eine schwarze Messe versetzt, damit konfrontiert wird, dass ihre gutmütigen Träume von der großen Liebe verraten wurden und sie nur benutzt wurde, bricht ihre Welt zusammen und sie sucht Zuflucht im Heroin, welches ihr einen Ausweg aus der kalten Realität bietet, sie aber auch zerstört. Die Szenen, in denen Vicky im Drogenrausch nackt durch Berlin rennt und sich dabei gleichzeitig in die heile Heidi-Welt der Schweizer Berge imaginiert, ist eine kraftvolle Metapher dafür, wie die optimistischen Träume der 68er Hippies und brutale Wirklichkeit der frühen 70er Jahre auseinanderklaffen und so wird Vicky – und mit ihr der summer of love – am Ende von dem Konsumsymbol schlechthin, dem Auto, plattgemacht.

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Neben der jungen Ingrid Steeger in ihrer ersten Hauptrolle, die sie überraschend gut und natürlich meistert, spielt die Musik eine wichtige Rolle. Dietrich hat einige Bands engagiert, die nicht nur in dieser Zeit gerade auf dem aufsteigendem Ast waren, wie die legendären Kraut-Rocker „Birth Control“ (hier leider schon ohne Hugo-Egon Balder am Schlagzeug) oder „Murphys Blend“. Ihre Musik passt hervorragend in den Film und lädt ihn mit zusätzlicher Energie auf. Dies wird auch von den Konzertszenen getragen, die einen Schlüssellochblick in die damalige Zeit erlauben und vollkommen authentisch daherkommen. Das Publikum scheint echt zu sein, denn es werden sich munter Joints gebaut und manche Fans wartet mit Gestiken auf, die Joe Cocker wie eine Litfaßsäule erscheinen lassen. Und solche Gesichtsakrobatik wie hier wirkt einfach von einem anderen Stern. Das kann einfach nicht geschauspielert sein. Dass die Musiker sich hier auch in den Spielfilmszenen selber darstellen, trägt zur Glaubwürdigkeit bei. Auch die andern Darsteller sind gut gecastet, allen voran Rolf Eden, der hier seinen Nachtclub zur Verfügung stellt, mit Pony Poindexter eine wahre Jazz-Legende in den Film schmuggeln konnte. Auch hier wird der Zeitkolorit perfekt eingefangen, wie „Ich – ein Groupie“ überhaupt wie eine Zeitkapsel wirkt.

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Natürlich darf man trotz all seiner Meriten bei „Ich – ein Groupie“ kein Schweizer „Citzen Kane“-Äquivalent erwarten. Selbstverständlich ist „Ich – ein Groupie“ in erster Linie als Sexfilm mit hohem Publikums- Appeal gedacht. Einige seiner Schwächen sind sicherlich den Schnitten der deutschen Fassung geschuldet, die manchmal zu ungestüm von A nach B springt und den Zuschauer dabei immer wieder zu verlieren droht. Die als Bonus enthaltene italienische Langfassung schafft die Übergänge eleganter, wenn auch langatmiger. Die deutsche Fassung ist eher kurzatmig, lässt einfach mal jede unnötige Handlung und Erklärung weg und wirkt ständig so, als sei man kurz eingenickt und hätte etwas nicht mitbekommen. Auch werden die Sexszenen zum Teil unnötig ausgewalzt. Aber vor dem Hintergrund, dass gerade diese ja der Aufhänger für den Film waren und das Publikum in Scharen anlocken sollten, verzeiht man dies. Zumal der Anblick der höchst appetitlichen Ingrid Steeger versöhnt. Umso drastischer dann das Ende, bei dem eine lesbische Liebesszene – sicherlich zum Erschrecken der männlichen Regenmantelfraktion – durch eine Kotzattacke unterbrochen wird.

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„Ich – ein Groupie“ ist großes, deutschsprachiges Kino. Weit abseits des Neuen Deutschen Films in schmuddeligen Bahnhofskinos, aber nicht weniger wichtig. Eine saftige Zeitkapsel, die den Zuschauer augenblicklich ins Jahr 1970 transportiert und gleichzeitig als bitterer Abgesang auf die Ideale der Hippie-Bewegung und dem Idealismus des summer of love funktioniert.

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Die neue Ascot Elite DVD präsentiert den Film in einer neuen HD-Abtastung und 74:54 Minuten Länge. Das Bild ist fehlerfrei und strahlt in kräftigen Farben. Allerdings wirkt es zeitweise auch etwas flach und „stumpf“. Der Ton ist auch sehr gut und liegt in Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch vor. Auch bei den Extras wurde nicht gespart. Wie mit dabei ist die bereits aus „Die Stewardessen“ bekannte Doku: „Andreas Mankopff: Von Groupies und Stewardessen“ (24:59 Minuten) in der Andreas Mankopff über seine Zeit bei Erwin C. Dietrich erzählt. Über „Ich – Ein Groupie“ – bei dem er gleich mehrere Synchronrollen übernahm – verliert er nicht viele Worte, trotzdem sind seine Erinnerung sowohl amüsant, als auch lustig. Neu hinzubekommen sind Features „Memories of a Groupie“ (13:23 Minuten) in der Erwin C.Dietrich und Peter Baumgartner sich an die Dreharbeiten erinnern und „Rolf Eden: Ich, ein Playboy“ (13:44 Minuten) in dem Rolf Eden über den Film und die Zeit damals plaudert. Schade, das sein Versuch, am Ende noch Ingrid Steeger ans Telefon zu bekommen, dann doch nicht geklappt hat. Die Scheibe wird abgerundet durch den italienischen Fotoroman zum film (untermalt von „I’m a Liar“ in Endlosschleife), den Trailer, einer Fotogalerie, einem Trailer zu einer Doku über den Gründer der Hell’s Angels Schweiz und dem mittlerweile üblichen CD-ROM Teil.
Auf einer zweiten DVD befindet sich dann die italienische Langfassung (93:54) des Filmes, die der DVD-Version der deutschen Fassung zwar 20 weitere Minuten, aber inhaltlich bis auf eine längere Szene nicht viel mehr hinzufügt. Eine vollständige und sehr detaillierte Aufstellung der Unterschiede findet man auf Schnittberichte.com. Ich hatte im vorletzten Jahr die große Ehre, den Film als 35mm Kopie in unserer Reihe Weird Xperience präsentieren zu dürfen. Diese Fassung ist ebenfalls länger als die deutsche DVD-Fassung. In wie weit sie sich genau von der italienischen unterscheidet, kann ich nicht im Detail sagen. Auf jeden Fall enthielt sie den längeren Anfang, in dem man Vicky durch London gehen sieht und auch die in der deutschen DVD-Fassung fehlte Szene mit dem Mann, der Vicky vor der Berlin-Episode per Anhalter mitnimmt und der dann angelt, sowie die Szene mit der Straßensängerin war definitiv dabei. Diese zweite DVD startet sofort, ohne dass man erst ins Menü kommt, und beginnt mit einem 19-sekündigen Grußwort von Rolf Eden. Das Bild ist schlechter als beim „Hauptfilm“, ist scheinbar direkt von einer älteren Kinorolle übernommen worden und leicht grünstichig. Der Ton liegt nur auf Italienisch vor und ist eher unterdurchschnittlich. Der Film besitzt aber (fest eingebrannte) deutsche und französisch Untertitel. Eine Kapiteleinteilung gibt es nicht. Lustigerweise wird Erwin C. Dietrich im Vorspann „Irving C. Dietrich“ genannt und auch einige andere Leute haben dort anglisierte Namen.

Originalfassungen in Bremen: 14.08.14 – 20.08.14

Von , 13. August 2014 23:55

In Bremen nichts Neues. Außer, dass die selben O-Fassungen nun plötzlich in mehreren Kinos laufen. Und das Simon „Shaun of the Dead“ Pegg plötzlich spindeldürr ist und mit Veronika Ferris in einem Film spielt.

Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Schauburg, So. 17.8. um 21:00 & Cinemaxx, Do. und So. jeweils 19:45 – Feel-Good-Philosophie-Komödie mit einem Simon Pegg, den man – zumindest auf dem Filmplakat – nicht wiedererkennt. Beruhend auf einem Bestseller, zeigt der Film einen britischen Psychiater, der um die Welt reist, um das Geheimnis des Glücks zu erkunden. Mit zahlreichen Stars gespickt – und mit Veronica Ferres.

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Jimmy’s Hall – Schauburg, Mi., 20.8. um 21:15 – Der neue Film von Ken Loach über einen sozialistischen Aktivisten, der 1932 aus dem Exil in den USA in seine Heimat Irland zurückkehrt und dort eine Halle für gemeinschaftliche Tätigkeiten eröffnet, was ihm nicht nur Freunde einbringt.

Planet der Affen: Revolution – Cinemaxx, Sa. um 20:00 und Di. um 19:45 & Cinestar, So., 17.08. um 20:00 –  Fortsetzung des Prequels zum Kultfilm “Planet der Affen”. Nach den Ereignissen des ersten Teils, in dem der größte Teil der Menschheit ausgerottet wurde, kommt es zur großen Konfrontation zwischen Affen und dem Rest der Menschheit. Mit Gary Oldman – leider nicht als Affe, sondern Antagonist.

Knights of Badassdom – Cinestar, Mo., 18.8. um 20:00 – US-Horror-Parodie. Bei einem Live Action Role Play-Event beschwören drei Rollenspiel-Nerds aus Versehen eine dämonische Ex-Freundin herauf und ihr Spiel entwickelt sich plötzlich zu einem blutigen Horror-Trip.

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Grand Budapest Hotel – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 18.08. um 21:45

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 18.08. um 19:45

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