Radley Metzgers Meisterwerk „The Image“ in Deutschland beschlagnahmt

Von , 4. Juni 2014 22:38

»The Image« gilt als einer von Radley Metzgers kontroversesten und besten Filmen. Er wählte auch hier eine literarische Vorlage als Grundlage für das Drehbuch: »L’Image« von Catherine Robbe-Grillet, erschienen unter dem Pseudonym Jean de Berg. Mit »The Image«, auch unter dem Titel »The Punishment of Anne« bekannt, drehte Metzger an Originalschauplätzen in Paris ein Meisterwerk des erotischen Filmes und eine der ernsthaftesten filmischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Sadomasochismus und sexuelle Abhängigkeit.

In schwelgerisch fotografierten Bildern sowie einer sinnlich-erlesenen Inszenierung ohne Klischees erzählt Metzger die Geschichte von Claire und deren Freundin Anne sowie des Schriftstellers Jean, deren Beziehung zwischen Obsession, wahrer Zuneigung und Selbstverachtung hin- und herpendelt. Das Filmfest Oldenburg zeigt die in Bild und Ton neu gemasterte und ungeschnittene Fassung.

So kündige das renommierte Internationale Filmfest Oldenburg letztes Jahr Radley Metzgers 1975 entstanden Film an, den es gleich für zwei Vorstellungen ins Programm genommen hatte. Radley Metzger war selber anwesend, um seinen Film – der hier zurecht als Meisterwerk des erotischen Films bezeichnet wird – in der neu gemasterten Fassung vorzustellen. Erst drei Jahre zuvor, war der amerikanische Regisseur am selben Orte Ehrengast und wurde mit einer umfangreichen Retrospektive gewürdigt.

imagebJetzt, vier Jahre später, geschah Folgendes: Metzgers Meisterwerk „The Image“ – welches bisher nur bei der amerikanischen Firma „Synapse“ auf DVD veröffentlicht wurde – wurde am 30. Januar von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, kurz BpjM, indiziert und auf ihre berüchtigte Liste B gesetzt, auf der nur Filme (Musik, Spiele, Bücher usw.) stehen, bei denen von schwerer Jugendgefährdung und der Annahme einer strafrechtlichen Relevanz ausgegangen wird. Und am 02. April beschlagnahmt das Amtsgericht Fulda die amerikanische „Synapse“-DVD. Wie das alles mit Indizierung und Beschlagnahmung funktioniert, erklärt Rajko Buchardt sehr ausführlich auf Moviepilot oder wenn man es etwas technischer mag schaut man hier mal rein.

Radley Metzgers „The Image“ verstößt angeblich gegen § 131 StGB, woraus folgt, dass er „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt.“ Nun, ich kenne den Film ebenso, wie die zahlreichen Zuschauer beim beim letztjährigen Filmfest Oldenburg. Ich kann beim allerbesten keinen der oben genannten Punkte in diesem Film sehen – es sei denn bereits das Zeigen sado-masochistischer Praktiken (die ja unter Einverständnis beider Parteien geschehen) ist bereits eine „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeit“. Dann müssten aber auch Filme wie der im selben Jahr entstandene „Die Geschichte der O“ oder „9 1/2 Wochen“ auf der Liste B landen. Mir ist auch nicht bekannt, dass in Oldenburg jemand wegen dieses Filmes in Ohnmacht gefallen oder vor lauter Empörung die Festivalsleitung angezeigt hätte.

image_2Richtig ärgerlich wird die ganze Geschichte, wenn man in einer Diskussion auf Facebook aus berufenem Munde hören muss, dass bereits eine deutsche Veröffentlichung des neu gemasterten Filmes unter Beteiligung von Radley Metzger persönlich in Vorbereitung war. Angesichts der sehr dünnen Verbreitung von Metzgers Filmen in Deutschland (immerhin ist erst kürzlich „Das lüsternde  Quartett“ bei Zweitausendeins erschienen), wäre dies nicht nur großartig gewesen, sondern hätte möglicherweise zu einer kleinen und längst überfälligen „Radley-Metzger-Renaissance“ führen können. Man ist ja Optimist. Aber das ganze Projekt war schon mit der Indizierung gestorben.

Ich finde den Fall „The Image“ traurig und absolut unverständlich. Hier wird in der Tat Kunst, die vielleicht Themen zeigt, welche für manche erzkonservative Menschen mit eingeengten Moralvorstellungen möglicherweise etwas beunruhigend wirken könnten, kurzerhand aus dem Verkehr gezogen. Keine Angst, ich verfalle nun nicht in eine dieser schier unendlichen, oftmals mit dumpfen Parolen und primitive Wortwahl geführten Tiraden, die man in diversen Foren liest, wenn man wieder ein Splatterfilm kassiert wurde. Dazu bin ich auch viel zu erschüttert von dem ganzen Vorgang.

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