Originalfassungen in Bremen: 01.05.14 – 07.05.14

Von , 30. April 2014 22:34

Nachdem in den letzten Wochen ja ganz ordentlich was los war, fahren die Kinos diesmal ihre O-Fassungen ganz deutlich runter. Andererseits steigt auch mal das CineStar in Sachen Originalfassung mit ein. Das finde ich gut.

Die Schadenfreundinnen – Cinemaxx, Fr.+So. immer 20:45 – US-Mainstreamkomödie mit Cameron Diaz. Klingt für mich wie ein Remake von „Club der Teufelinnen“, ist es aber scheinbar nicht. Drei Frauen üben Rache an ihrem untreuen Liebhaber. Regie führt Johns Sohn Nick Cassavetes.

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Transcendence – Cinemaxx, Di., 6.5. um 20:45 & CineStar, So., 4.5. um 20:20 – Regie-Debüt vom oscarprämierten Kameramann Wally Pfister. Johnny Depp spielt einen Wissenschaftler, dem es gelungen ist eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Als er selber bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt wird, wird sein Geist in einen gewaltigen Computer transferiert. Als er seine grenzlose Macht erkennt, werden die Dinge unschön.

Beziehungsweise New York – Schauburg, So., 4.5. um 21:45 – Französische Komödie und Fortsetzung der beiden “Auberge espagnole”-Filme. Die mittlerweile vierzigjährigen Protagonisten erleben Beziehungswirren in New York.

Nächster Halt: Fruitvale Station – Schauburg, Mi. 7.5. um 19:15 – US-Spielfilm über die letzten 24 Stunden im Leben von Oscar Grant, der in der Silvesternacht 2009 Opfer von mutmaßlich rassistisch motivierter Polizeigewalt wurde und in der U-Bahn-Station Fruitvale Station in Oakland, Kalifornien erschossen wurde.

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Nymphomaniac 2  – Schauburg, So., 4.5. um 21:00 – Der zweite Teil des Skandal-Epos des großen Lars von Trier. Mit seiner aktuellen Muse, der fantastischen Charlotte Gainsbourgh in der Hauptrolle. Pflichtprogramm!

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 5.5. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 5.5. um 21:45

OFDb FILMWORKS aus Bremen veröffentlicht neue Titel

Von , 30. April 2014 22:34

Abteilung: Nachbarschaftshilfe.

Normalerweise berichte ich hier nicht über anstehende DVD/Blu-ray-Neuerscheinungen. Für die OFDb-FILMWORKS-Mannschaft mache ich diesmal aber mal eine Ausnahme, weil ich einerseits nett darum gebeten wurde, und ich andererseits natürlich einer Bremer Firma gerne behilflich bin. Die Leute aus Bremen-Hastedt bringen wieder einige nette Sachen auf den Markt.

Zunächst erscheint noch einmal „From Beyond“ auf DVD und Blu-ray. Jener wurde ja bereits als Collector’s-Edition veröffentlicht, aber nachdem der Titel vom Index gestrichen wurde, ist er nun überall auch (ungekürzt) als FSK-16-Ausgabe zu bekommen. Die Extras sind identisch mit der Erstausgabe. Meine Review der Erstveröffentlichung gibt es hier zu lesen. Das Ganze ist ab 13. Mai im Handel zu haben.

Cold_War_BD_Sleeve_3dAm 13. Mai kommt auch der Big-Budget-Hochglanz-Thriller „Cold War“ aus Hongkong in den Verkauf. Der Film räumte letztes Jahr ganz gewaltig bei den Hongkong Film Awards ab und war der erfolgreichste Film des Jahres. Eine Review folgt hier demnächst.

Hongkong gilt als Asiens sicherste Stadt und die Polizei scheint unantastbar. Doch dies ändert sich schlagartig, als ein Mannschaftswagen der Polizei samt fünf gut ausgebildeter Polizisten eines abends von Unbekannten entführt wird. Die Entführer, die der Polizei immer neue Forderungen stellen, sind bestens informiert und den Ermittlern stets einen Schritt voraus. Unter den leitenden Beamten, die mit der Operation “Cold War” zur Befreiung der Geiseln betraut worden sind, entbrennt ein Streit über die Zuständigkeiten und das weitere Vorgehen: Verhandeln und im Stillen nach den Entführten suchen oder aggressiv und mit aller Polizeigewalt vorgehen?

Extras: deutscher Trailer, kantonesischer Trailer, Interviews, Making-of. Review folgt in Kürze.

 

Coonskin_BD_Sleeve_3d_FSKAm 10. Juni erscheint ein eher unbekannterer Film von Ralph Bakshi. Nach „Fritz the Cat“ und „Heavy Traffic“ ist „Coonskin“ Bakshis dritter Animationsfilm für Erwachsene. Danach wand er sich dann dem Fantasy-Genre zu. „Coonskin“ ist eine sehr derber Blaxploitaion-Parodie im Stile seiner früheren Filme – mit den Stimmen von Barry White (!) und Scatman Crothers. Extras wird es außer zwei Trailern leider keine geben.

Der exzentrische Prediger “Preacherman” fährt mit seinem Freund Sampson zu einem Gefängnis, um dort dem gemeinsamen
Bekannten Randy zur Flucht zu verhelfen. Während Randy auf seine beiden Fluchthelfer wartet, erzählt ihm ein älterer
Mithäftling eine allegorische Geschichte von drei ähnlich gelagerten Typen: Bruder Hase, Bruder Bär und Prediger Fuchs. Jene drei hatten bisher ebenfalls nur wenig Glück und waren wenig erfolgreich in ihrem Bemühen, an Geld und Reichtum zu gelangen. In Harlem angekommen hoffen sie, daß sich ihr Traum vom großen Geld endlich erfüllen wird. Bruder Hase entwickelt sich zum umtriebigen Gangster und das Trio scheint seinem Ziel langsam näher zu kommen. Doch nicht nur innnere Spannungen sorgen für Probleme, auch von außen droht stets Gefahr, da man sich immer mehr Feinde in der Verbrecherszene macht…

 

BD_3D_The_BodyEbenfalls am 10. Juni erscheint ein Film, auf den ich mich sehr freue: Der spanische Thriller „The Body„, das Regie-Debüt des Drehbuchautoren von „Julias’s Eyes„.

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem merkwürdigen Unfall führen Inspektor Jaime Peña zum örtlichen Leichenschauhaus. Dort stellt sich heraus, dass der Leichnam der kürzlich verstorbenen Geschäftsfrau MaykaVillaverde spurlos aus dem Kühlraum verschwunden ist. Schnell gerät ihr Ehemann unter Verdacht, in irgendeiner Form in den immer mysteriöser werdenden Fall verwickelt zu sein, ist er doch derjenige, der am meisten vom plötzlichen Dahinscheiden seiner mächtigen, wohlhabenden Ehefrau profitiert. Doch in diesem Fall ist nichts so wie es scheint, und je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto rätselhafter erscheinen die Zusammenhänge…

Als Extras sind Trailer, Making Of, Behind the Scenes, Alternativszenen mit an Bord.

Alle Titel erscheinen sowohl als Blu-ray, als auch DVD.

Das Bloggen der Anderen (28-04-14)

Von , 28. April 2014 21:44

bartonfink_type2– Alex Klotz mach auf Hard Sensations einem ganz gehörig den Mund wässrig, denn er bespricht den gerade bei Camera Obscura erschienenen Giallo „Neun Gäste für den Tod“, der bisher keine deutsche Auswertung – weder im Kino noch auf Video – erfuhr. Ferner wird auf die „B-Film Basterds 2014“ in Nürnberg vom 9. -11. Mai hingewiesen, wo ich zumindest indirekt anwesend sein werde, denn mein Kurzfilm „Die Wildkatzen von St. Pauli“ wird am letzten Tag der Vorfilm zu „Rock Aliens“ sein.

– Auf Eskalierende Träume schließt Sven Safarow seinen Bericht vom goEast 2014 ab und richtet seinen Schwerpunkt wieder auf polnische Klassiker, was mir sehr gefällt.

– Rainer Kienböck beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit dem „Caligari“-Regisseur Robert Wiene. Der „Caligari“ steht dabei natürlich im Fokus, aber auch Wienes weiteres Werk wird gestreift. Jonathan Glazers „Under the Skin“ wird in Deutschland wahrscheinlich nur auf DVD/BD veröffentlicht und nicht ins Kino kommen. Was sehr schade ist, besonders wenn man Patrick Holzapfels Besprechung des Filmes liest.

– Damit es nicht soweit kommt und „Under the Skin“ doch noch auf die große Leinwand findet, gibt es bereits eine Initiative, von der Sascha auf PewPewPew berichtet.

– Da wäre ich auch gerne hingefahren und wäre ich noch flexibel und nicht durch familiäre Verpflichtungen die meiste Zeit an meine Heimatstadt gekettet, wäre ich auch dort gewesen. Terza Visone – Das erste Festival des italienischen Genrefilms in Nürnberg. Immerhin kann ich aber einerseits den schönen Bericht von Sebastian Selig auf Negativ lesen und anderseits habe ich schon eine ähnliche Veranstaltung in Nürnberg gebucht, die im Oktober stattfindet. Das lindert den Schmerz.

– Michael Kienzl war für critic.de in Udine auf dem Far East Film.

– Alida Warzecha ist auf Daumenkino ähnlich von Paul Schraders „The Canyons“ enttäuscht, wie ich es damals war (siehe hier).

– Udo Rotenberg geht fremd und schreibt auf project-equinox über Denis Villeneuves albtraumartigen „Enemy“, der – wie ich jetzt erst realisiere – auf einem Roman des großartigen Literaturnobelpreisträgers José Saramago beruht.

– Auf seinem eigenen Blog L’amore in cittá hat er wieder einen Belmondo am Wickel. Den großartigen „Angst über der Stadt“ von Henri Verneuil. Einer Mischung aus italienischem Polizeifilm und Giallo… aus Frankreich!

– Michael Schleeh begibt sich auf Schneeland ins Indien der 50er Jahre. Schon damals war Bollywood eine mächtige Filmindustrie und versorgte das Land mit zahlreichen Klassiker. Z.B. „Devdas“, einem immer und immer wieder verfilmten Stoff (die Version von 1955 ist schon die siebte!) und den Polizeifilm „C.I.D.“ von 1956. Spannend!

– Oliver Nöding beendet auf Remember It For Later seine Karl-May-Retrospektive mit dem endgültig letzten Film „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“. Ferner hat er mit „Insidious: Chapter 2“ einen echten Stinker und mit Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ ein verehrungswürdiges Meisterwerk gesehen.

– Als er damals ins Kino kam, fand ich ihn einfach toll. Den Konkurrenz-Bond „Sag niemals nie“. Als ich ihn vielen Jahre später auf DVD wiedersah, war ich doch ziemlich enttäuscht. Sir Donnerbold geht auf Sir Donnerbolds Bagatellen ebenfalls hart mit dem Film ins Gericht.

– „Das Syndikat“ ist ein ebenso wichtiger, wie großartiger italienischer Polizeifilm, der darüber hinaus immanent wichtig für das Genre war. Totalschaden sieht das auf Splattertrash ebenso. Dafür kommen „Inferno unter heißer Sonne“ und leider auch Francos „Die sieben Frauen der Sumuru“ (der ungerechtfertigterweise innerhalb der Tele5-Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ lief) nicht ganz so gut weg.

– Auch „Kurzbesprechungen“ sind auf Whoknows presents sehr viel länger und gehaltvoller als auf anderen Seiten. Etwas, was Manfred Polak mit seiner Besprechung des Films „Die schönste Soiree meines Lebens“ von Ettore Scola gerade wieder beweist. Übrigens ist diese italienische Komödie eine Dürrematt-Verfilmung, was sich sehr bemerkenswert finde.

– Na na na, Frau Stelter. „Barry Lyndon“ zum Lieblingsfilm erklären und noch gar nicht vollständig gesehen haben? Das macht man aber nicht. Aber nun gut, dieser Umstand ist ja jetzt für Die Filme, die ich rief beseitigt worden.

– Letztes Jahr habe ich oft über den belgischen Film „Borgman“ gelesen, ihn dann aber wieder vergessen. Komm und sieh hat mich jetzt wieder daran erinnert, dass man sich den mal ansehen sollte. Was allerdings mangels deutscher Veröffentlichung schwer gemacht wird. Ebenfalls gerne sehen würde ich „Jodorowsky’s Dune“, der leider auch ohne deutschen Start ist. Bereits gesehen habe ich allerdings „Across the River“ – der letztes Jahr auf unserem „Phantastival“ in Bremen lief, dort leider nur sehr, sehr wenig Zuschauer hatte – aber uns nachhaltig begeisterte. Und wie ich lesen kann, waren nicht nur wir sehr erfreut über den Film.

– Für das „Phantastival“ hatten wir uns auch sehr bemüht „Bad Milo!“ zu bekommen, aber das war damals noch unmöglich. Jetzt hat der krude Film eine deutsche Veröffentlichung spendiert bekommen, die Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de bespricht. Ferner: Seine Meinung über Xan Cassavetes „Kiss of the Damned“, den ich letztes Jahr in Oldenburg mit zwiespältigen Gefühlen sah (siehe hier).

– „Ein Fest für Fans deftig, öliger Italo-Action der 70er.“ Wovon spricht Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte? Natürlich von Fernando di Leos tollem „Der Mafiaboss“.

– Ich hatte einmal eine Phase, in der ich mich intensiv mit dem „Cinema of Transgression“ auseinander gesetzt habe. Der Desinteressierte Schmock von Stubenhockerei steckt scheinbar gerade mitten drin und hat sich das Kino des Nick Zedd vorgenommen. Danach braucht man dann etwas komplett anderes und da eignet sich Tatis wunderbarer „Playtime“ doch dann bestens.

– Das Warten auf „Sin City: A Dame to Kill For“ hat sich Going To the Movies mit Frank Millers „The Spirit“ verkürzt. Scheinbar keine gute Idee.

– Alexander Matzkeit war fünf Tage lang für kino-zeit.de auf dem Internationale Trickfilmfestival Stuttgart. Auf seinem eigenen Blog real virtuality findet man die Links zu seinen Berichten.

– Rochus Wolff schreibt auf B-Roll über den doch sehr konservativen Kinderfilm, wo es in der Regel keinen Platz für alternative Lebensentwürfe gibt.

– PD und YP unterhalten sich auf Film im Dialog über Nick-Hornby-Verfilmungen.

– cutrin hat für filmsosophie einen Videoclip ausgegraben, der eine informative BBC-Sendung über Andrei Tarkovsky ausgegraben, die nur wenige Monate nach dessen Tod ausgestrahlt wurde.

– Russische Märchenfilme haben einen ganz eigenen Flair, den man schlecht beschreiben kann. Die Eule versucht es auf Filmtagebuch der Eule trotzdem und bespricht „Die steinerne Blume“ von 1946.

– Ich mag es gar nicht zugeben, aber Sion Sono ist noch immer ein ziemlich unbeschriebenen Blatt in meinem persönlichen Filmbuch. Bis auf „Himizu“ (Kritik hier) habe ich da noch nichts gesehen. Und jetzt gibt es schon wieder ein neues Werk namens „Why don’t you play in hell?“, welches Robin Schröder auf Mise en cinéma rezensiert. Muss ich wohl doch mal ran…

– vannorden beschäftigt sich auf the-gaffer mit „Der zerrissene Vorhang“, der allgemein zu Hitchcocks schwächeren Werken gezählt wird. vannorden findet aber auch einige interessante Aspekte, jenseits der berühmten Mordszene.

Blu-ray Rezension: “In den Klauen der Tiefe“

Von , 27. April 2014 20:57

Layout 1Während einer archäologischen Ausgrabung irgendwo in Asien, entdecken Dr. Roger Bentley (John Agar) und sein Team ein geheimnisvolles Artefakt, welches sie zu den Ruinen einer untergegangenen Zivilisation hoch in den Bergen führt. Durch ein Erdbeben entdecken sie zufällig einen Zugang zum Inneren des Berges, welcher tief hinab unter die Erdoberfläche führt. Dort treffen sie auf die Nachfahren der Sumerer, die einst vor einer großen Flut in die Berge flüchteten und nun schon seit vielen Jahrhunderten unter der Erde leben. Durch die lange Zeit ohne Sonne haben sie ihre Pigmente verloren und sind extrem lichtempfindlich geworden. Dies nutz Bentley aus, den mithilfe seiner Taschenlampe kann er ihnen vorgaukeln von ihrer Göttin Ishtar geschickt worden zu sein. Bald schon stellen Dr. Roger Bentley und seine Männer fest, dass noch ein anderes Volk hier lebt: Das unheimliche Maulwurf-Volk, welches von den Sumerern gnadenlos ausgebeutet wird…

Virgil W. Vogel war eigentlich bei Universal für den Schnitt verantwortlich, fühlte sich aber zu Höherem berufen und wurde 1956 tatsächlich das erste Mal mit der Regie eines Spielfilms betraut. „In den Klauen der Tiefe“ war ein kleiner B-Film, aber für Vogel durchaus der Start zu einer veritablen Karriere im Regie-Fach, wobei er sich hier schon bald auf das Fernsehen konzentrierte und bis 1996 bei zahlreichen TV-Serien, wie „Miami Vice„, „Magnum“ oder „Airwolf“ mitmischte. Auch der Drehbuchautor László Görög kam vom Fernsehen und arbeitete fast ausschließlich in diesem Medium. „In den Klauen der Tiefe“ war, wie auch der im folgenden Jahr – wieder mit Virgil W. Vogel auf dem Regiestuhl – entstandene „Der Flug zur Hölle“ und „Earth Vs. the Spider„, einer seiner sehr seltenen Spielfilm-Ausflüge. Interessanterweise erinnert „In den Klauen der Tiefe“ auch an eine TV-Serie. Konkret an „Raumschiff Enterprise„. Der von John Agar gespielte Dr. Roger Bentley könnte ein Vorfahre von Captain Kirk sein, sein von Hugh Beaumont gespielter Partner Dr. Jud Bellamin erinnert stark an Dr. McCoy. Auch die fremde, autoritäre Kultur, der demokratische, amerikanische Werte beigebracht werden müssen, erinnert an so manch vergleichbare Situation in der legendären SF-Serie. Und natürlich tragen die unwirklichen, als solche deutliche zu erkennenden, Matte-Paintings und Felsenkulissen zu diesem Gefühl bei.

Interessant ist es, wie „In den Klauen der Tiefe“ mit dem im englischen Original titelgebenden „Maulwurf-Volk“ umgeht. Dies wird zwar aufgrund seines Aussehens zunächst als Monster eingeführt, dann aber relativ bald als unglückliches Opfer der bösen Sumerer (die als Albinos übrigens weißer als weiß sind) offenbart. Die Art, wie das (schwarze) Maulwurf-Volk als Sklaven und Wesen zweiter Klasse gehalten wird, erinnert natürlich an das Schicksal der Afro-Amerikaner, was sicherlich auch so gewollt ist. Somit kann „In den Klauen der Tiefe“ zusammen mit seinen manchmal etwas pathetischen Helden-Monologen über Freiheit und Gleichheit, durchaus als Plädoyer gegen Rassismus und autoritäre Systeme verstanden werden. Also genau die Dinge, die auch Gene Roddenberry in „Raumschiff Enterprise“ predigte. Vor diesem Hintergrund ist es schwer zu verstehen, was man in der IMDb unter „Trivia“ zu diesem Film lesen kann. Dort steht, dass das Ende auf Druck der Produzenten abgeändert wurde, weil man vermeiden wollte, dass der Eindruck einer gemischt-rassigen Beziehung entstehen könnte. Da sieht man wieder einmal, wie weit die hehren amerikanischen Werte, die das alte Hollywood gerne predigte, und die amerikanische Wirklichkeit auseinander klafften.

Zwar merkt man „In den Klauen der Tiefe“ zu jeder Zeit seinen Status als preisgünstiger B-Film an, aber Virgil W. Vogel macht das Beste daraus und versucht gar nicht erst, diese Tatsache zu verschleiern. Stattdessen wird alles in den Film geworfen, was Unterhaltung und Extravaganzen verspricht. Angefangen mit einer herrlichen Szene, in der Dr. Frank C. Baxter allerlei Theorien über die Beschaffenheit des Erdinneren erläutert. Diese sind so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass sogar er hier und da heimlich schmunzeln muss. Baxter war ein Professor für die englische Sprache an der University of Southern California. Bekannt wurde er allerdings durch das Fernsehen, wo er ab 1956 als „Dr. Research“ in der „The Bell Laboratory Science“-Serie auftrat. Später werden im Film dann munter sumerische Legenden, Gottheiten, biblische Bezüge, ein vergessenes Volk unter der Erde und das unheimliche Maulwurf-Volk mit in den Topf mit einer unterhaltsamen Fantasy-Suppe geworfen.

Den Helden gibt der B-Film-Held John Agar. Agar hatte eine interessante Karriere gemacht. Bekannt wurde er als Ehemann von Shirley Temple. Agars Schwester war einen Klassenkameradin von Temple und so begleitete der damalige Soldat und Fitness-Trainer die Hollywood-Bekanntheit zu einer Party. Kurz darauf heirateten die Beiden und beherrschten die Schlagzeilen der Klatschblätter. Der Nicht-Schauspieler Agar wurde daraufhin zusammen mit seiner Ehefrau für eine größere Rolle in dem John-Wayne/John-Ford-Klassiker „Bis zum letzten Mann“ engagiert, wo er ihren Verehrer spielte. Fünf Jahre später wurde die Ehe geschieden. Grund war u.a. der schwere Alkoholismus Agars. Der gutaussehende Agar bekam sein Problem aber wieder in den Griff und blieb mit Hilfe seines Freundes John Wayne im Filmgeschäft. Ab Mitte der 50er Jahre wurde er in vielen B-Filmen in der Hauptrolle besetzt. Unter diesen Filmen waren u.a. „Tarantula“ und „Die Rache des Ungeheuers„. Aber auch in Western und Kriegsfilmen war häufig als Held besetzt. Sein sympathisches Motto dabei lautete: „I don’t resent being identified with B science fiction movies at all. Why should I? Even though they were not considered top of the line, for those people that like sci-fi, I guess they were fun. My whole feeling about working as an actor is, if I give anybody any enjoyment, I’m doing my job, and that’s what counts.“(1)

„In den Klauen der Tiefe“ ist ein kleiner Film mit billigen Kulissen und eher niedlichen Monstern der preisgünstigen Sorte. Auf die Suche nach zwingenden Logik sollte man sich hier auch nicht unbedingt begeben. Der einführende Monolog zeigt schon, in welche Richtung das Ganze geht. Nichtsdestotrotz ist der Film sehr unterhaltsam ausgefallen und versprüht mit seiner etwas holprigen „Demokratie und Freiheit“-Botschaft heutzutage einen naiv-nostalgischen Charme, wie man ihn von alten „Raumschiff Enterprise“-Folgen her kennt.

Das Bild der Blu-ray ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist das Bild sehr scharf, aber man hat an einigen Stellen das Gefühl, als würde ein feines Netz über dem Bild liegen. Neben dem englischen O-Ton wurde für die letztjährige DVD-Auswertung eine deutsche Synchronisation erstellt, die sich wirklich hören lassen kann. Neben bekannten Sprechern wurde auch darauf geachtet, dass sich der Ton „echt“ anhört und nicht so kalt-unnatürlich ohne echte Hintergrundgeräusche, wie man es z.B. bei den deutschen Vertonungen, die ARD und ZDF in den 80ern und 90ern einigen Klassikern verpasst hatten. Hier klingt alles sehr harmonisch. Kompliment. Schade ist allerdings, dass es die tollen Extras der DVD-Ausgabe nicht auf die Blu-ray geschafft haben. Hier findet man nun nur zwei Trailer. Dafür ist die Blu-ray aber auch günstiger als ihr DVD-Pendant.

(1) IMDb

DVD-Rezension: “Die Rocker von der Boston-Street“

Von , 25. April 2014 21:46

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Eine Rocker-Bande macht Station in einem kleinen Städchen irgendwo in den USA. Dort gibt es rasch Ärger mit den Bewohnern und vor allem der Polizei, die die Rocker aus dem Städtchen wirft und einen aus der Gang festnimmt und. Als dieser am nächsten Tag entlassen wird, kommt er jenseits der Stadtgrenze auf mysteriöse Weise ums Leben. Seine Freunde beerdigen ihn und schwören die Umstände seines Todes aufzudecken…

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Eine „Boston Street“ ist hier nirgendwo zu sehen und das Cover ziert Helmut Berger aus Massimo Dallamanos „Das Bildnis des Dorian Gray„. Im Original hat der Film dann auch den schönen Titel „Angels Die Hard„, später wurde daraus irgendwann auch einmal „Rough Boys“. Hinter diesem Titelwirrwarr steckt der erste Film, der von Rogers Cormans damals neu gegründete Firma New World Pictures produziert wurde. Corman gab hier viele junge Talente ihre erste Chance, wie z.B. Jonathan Demme, Jonathan Kaplan, Joe Dante oder auch Ron Howard und Martin Scorsese. „Die Rocker von der Boston Street“-Regisseur Richard Compton ist kein solch bekannter Name, kann aber auf eine sehr lange und erfolgreiche Karriere als TV-Regisseur zurückblicken, in deren Verlauf er bis zu seinem Tod 2007 zahlreiche Folge nahezu aller bekannten US-Serien inszenierte. „Die Rocker von der Boston Street“ hängt sich natürlich an den Erfolg der zahlreichen „Rocker“- und „Angels“-Filme, die Corman in den Jahren zuvor noch für AIP produziert und teilweise selbst inszeniert hatte. Ferner wird sich auch kräftig bei „Easy Rider“ bedient. So erinnert der gutbürgerlichen Leichenbestatter, der hier von Alan DeWitt als Witzfigur gespielt wird, an den Jack Nicholson-Charakter aus Dennis Hoppers Kultfilm.

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Diese krude Mischung aus dem freiheitsliebenden Hippie-Plädoyer „Easy Rider“ und den bösen Rockerfilmen ala „Die wilden Engel“, macht es dem Film allerdings auch schwer. Denn die „Rocker“ werden hier zwar zunächst als bedrohliche Gefahr und gefährliche Outlaws eingeführt, doch dann wandeln sie sich plötzlich in nette Typen, die doch nur in Ruhe gelassen und ihr freies Leben führen wollen. Nun ist es aber leider nicht etwa so, dass Regisseur Compton den Zuschauer zunächst bewusst durch die stereotype Vorurteile der „braven Bürger“ und bekannte Situationen aus einschlägigen Filmen in die Irren führen will, um ihm dann vielleicht durch einen Kunstgriff den Spiegel der eigenen Voreingenommenheit vor das Gesicht zu halten. Es scheint eher so, als ob er selber nicht genau wusste, wie er mit seiner Rocker-Bande umgehen sollte. Zu Beginn kommt es z.B. zu einer Vergewaltigung. Diese wird dann dadurch etwas abgemildert, dass dabei reichlich mit Spaghetti herumgeworfen wird, was dem ganzen eine seltsam slapstickartige Stimmung gibt. Trotzdem handeln die Rocker hier rücksichtslos und brutal.

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Wenn man später darauf wartet, dass sie den Tod eines ihrer Mitglieder rächen werden und über die Stadt herfallen, so wird man davon überrascht, dass außer viel Gerede nichts dabei herum kommt. Stattdessen wird der Spieß jetzt umgedreht und die Rednecks des Städtchens ganz klar als die Bösen identifiziert. Die Rocker hingegen werden auf einmal harmlose Hippies inszeniert, die mit viel Gras nette Happenings feiern. Als sie dann noch selbstlos und ganz selbstverständlich dabei helfen, einen in einer Mine eingeschlossenen Jungen zu retten, sind sie endgültig zu zwar wilden, aber aufrechten Außenseitern mutiert, die trotz der harten Schale das Herz am rechten Fleck haben. So wundert es dann auch nicht, dass sie im erstaunlich blutig geratenen Finale ihre Gefährlichkeit vollkommen eingebüßt haben.

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Aber nicht nur diese widersprüchliche Charakterisierung der Protagonisten arbeitet gegen den Film. Auch die vielen Szenen, in denen nichts anderes gezeigt wird, als Rocker, die stundenlang auf ihren Motorrädern durch die Gegend fahren (der Beginn, der ausschließlich solche Bilder zeigt, dauert zum Beispiel fast sieben Minuten), bremsen den Film immer wieder aus. Merkwürdige Einfälle, wie die Beerdigung indem dem Verstorbenen durch kollektives auf den Sarg pinkeln gehuldigt wird, sorgen eher für Erheiterung. Ebenso wie das maßlos überzogene Spiel des einzigen großen Namens im Cast: Dem Peckinpah-Veteranen und tragen nicht viel zur Stimmung bei. R.G. Armstrong, der hier mit sehr viel Hingabe und Energie das böse Redneck-Arschloch spielt, befindet sich in seiner Darstellung auch schon weit jenseits der Grenze zur Parodie.

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Ein weiterer bekannter Name taucht in den Credits auf: Dan Haggerty, besser bekannt als Grizzly Adams aus der Serie „Der Mann in den Bergen“. Haggerty hatte zu dieser Zeit in einigen Filmen Mitglieder von Rocker-Banden gegeben. Hier hat er zwar keine große Rolle, ist aber gut zu erkennen, da er mit seinem Vollbart und den langen Haaren schon exakt so aussieht, wie seine berühmte Fernsehfigur Jahre später. Als hübscher Blickfang ist Connie Nelson dabei, die her zwar als kommender Star in den Credits angekündigt wird, tatsächlich danach nur noch in Al Adamsons „Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“ zu sehen war. Der charismatische Wilhelm Smith hingegen ist auch noch heute sehr aktiv und kann auf eine lange und arbeitsreiche Karriere als Darsteller in B-, C- und Z-Filmen zurückblicken, die nun schon über 70 (!) Jahre andauert.

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„Die Rocker von der Boston Street“ ist ein lupenreiner Grindhouse-Trasher von der Art, wie sie heute zwar häufig von jungen Filmemachern als „Hommage“ imitiert werden, an deren eigenartig raue, immer irgendwie amateurhaft wirkende, Mischung aus saftiger Exploitation und dezenter Langeweile, diese aber niemals heran reichen können. Ein Stück Zeitdokument aus der Ära der Drive-Ins und billigem Sensationskino.

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Das Bild der bei CMV in der Reihe „Trash Collection“ erschienen DVD, ist dann auch konsequenterweise im original Grindhouse-Look. D.h. offensichtlich von einer alten, nicht mehr ganz optimalen Filmkopie gezogen, was aber ganz hervorragend zu dieser Art Film passt. Nicht umsonst bemüht man sich heutzutage bei einschlägigen Produktionen ja, genau diesen Look durch allerlei technische Trickserien auf digital gedrehte Produkte zu bringen. Der englische Ton ist dumpf und schwer verstädnlich. Der deutsche Ton demgegenüber sehr viel klarer und mit bekannten stimmen besetzt. Bonus gibt es soweit nicht, aber der DVD liegt ein zweiter Spielfilm bei, der thematisch gut zu „Die Rocker von der Boston Street“ passt.

Waren „Die Rocker“ 70er-Jahre-Bahnhofskino, ist der Bonusfilm „Die Hyänen“ dann 80er-Videofutter pur. Allerdings, das muss man sagen, eher von der langweiligen Sorte. Obwohl mit Lance Henrikson in der Hauptrolle reizvoll und mit George Kennedy, Karen Black, William Forsythe und Richard Lynch durchaus prominent besetzt, merkt man leider allen Beteiligten an, dass sie nicht die geringste Lust auf den Film hatten. George Kennedy spielt seine Rolle im Rollstuhl und man hat das Gefühl, dies tut er nur, weil er zu faul, war aufzustehen. Karen Black wird von der Regie nicht davon abgehalten, völlig außer Rand und Band zu agieren und Lance Henriksen macht sich scheinbar einen Spaß daraus, sich möglichst seltsam zu bewegen. Wobei seine skurrilen Kampfszenen schon sehenswert sind. Obwohl die Story durchaus Potential für unterhaltsame Action-Gülle hat, kurbelt Regisseur Simon Nuchtern sie lustlos und konventionell runter. Schade um den guten Cast und die Story, die durchaus das Potential für mehr hatte. Warum der Film nur als Bonus-Beigabe verwendet wurde, ist recht schnell zu sehen. Die Bildqualität ist auf dem Niveau einer VHS-Kopie. Recht verschwommen und milchig.

Originalfassungen in Bremen: 24.04.14 – 30.04.14

Von , 23. April 2014 19:55

Nach dem Hoch in den letzten Wochen, ebben die O-Fassungen zu einem lauen Lüftchen ab. Allerdings läuft im Kommunalkino die Reihe „Balkan Cinema“, die dann doch einiges an Abwechslung bietet.

Transcendence – Cinemaxx, Do./Sa. um 21:00 – Regie-Debüt vom oscarprämierten Kameramann Wally Pfister. Johnny Depp spielt einen Wissenschaftler, dem es gelungen ist eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Als er selber bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt wird, wird sein Geist in einen gewaltigen Computer transferiert. Als er seine grenzlose Macht erkennt, werden die Dinge unschön.

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The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro – Cinemaxx, Fr./Di. um 21:00 – Nach dem überraschend gelungenen “Spider-Man”-Reboot, geht der nette Netzschwinger in die zweite Runde und triff diesmal auf Electro, gespielt von Jamie Foxx.

Her – Schauburg, Fr. um 12:00 und So./Mi. um 21:00 – “A Spike Jonze Love Story”. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

Beziehungsweise New York – Atlantis, So., 27.4. um 20:00 – Französische Komödie und Fortsetzung der beiden „Auberge espagnole“-Filme. Die mittlerweile vierzigjährigen Protagonisten erleben Beziehungswirren in New York.

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Die Moskauer Prozesse – City 46, Do./Sa./Mo. um 18:00 und So./Mi. um 20:30 – Dokumentarfilm über die Schauprozesses gegen drei Aktivistinnen von Pussy Riot, bei dem der Filmemacher Milo Rau Angeklagte eingeladen hat, in einem inszenierten Schauprozess ihre „Vergehen“ neu zu verhandeln.

Easy Abby: How to Make Love More Difficult – City 46, Fr., 25.4. um 20:30 – Queerfilm um zwei ungleiche Partnerinnen. als die eine nach Italien zieht, findet die andere heraus, wie sehr sie sie braucht.

Imagine – City 46, Fr./So./Di./Mi. um 18:00 und Sa./Mo. um 20:30 – Internationale Co-Produktion des polnischen Regisseurs Andrzej Jakimowski, um einen Blinden der quasi mit den Ohren hören kann und diese Fähigkeit in Lissabon an andere Blinde weitergeben soll. Mit Alexandra Maria Lara.

Just the Wind – City 46, Sa./Mi. um 20:00 – Ungarsicher Spielfilm über eine Roma-Familie, von rassistischem Terror bedroht wird.

My Dog Killer – City 46, Do./Mo. um 20:00 – Tschechisch/Slowakischer Spielfilm über den jungen Marek, der sich im rechten Milieu der Nationalisten befindet. Als er seine Mutter besuchen soll, die mit einem Roma zusammenlebt, beginnen die dinge kompliziert zu werden.

Police, Adjective – City 46, So., 27.4. um 20:00 – Klassiker des neuen rumänischen Kinos von 2009. Ein junger Polizist versucht gegen das System aufzubegehren, indem er einige Jugendliche schützt, die leichte Drogen konsumieren, dafür aber vom Gesetz drakonische Strafen zu erwarten haben.

Valley of Sighs – City 46, Di., 29.4. um 20:00 – Rumänisch/Ukrainischer Dokumentarfilm über 25.000 Roma, die zwischen 1943 und 1945 vom rumänischen Diktator Antonescu nach Transnistrien/Moldawien deportiert wurden. Regisseur Mihai Andrei Leaha ist zu Gast.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 28.04. um 21:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 28.04. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi., den 30.04. um 21:00

„Weird Xperience“: Morgen im City 46 – Wenzel Storch mit einer Lesung und dem Film „Die Reise ins Glück“

Von , 23. April 2014 13:14

Morgen ist es wieder soweit. Die u.a. von mir mitbetreute Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino Bremen, dem City 46, geht in die nächste Runde. Und wir haben diesmal endlich wieder einen Gast. Und zwar einen, auf den wir uns ganz besonders freuen: Wenzel Storch. Er wird zunächst aus seinem Buch Die Filme“ (meine Rezension dazu hier) lesen und danach wird sein magnus opus „Die Reise ins Glück“ gezeigt.

Ich übernehme hier mal den Ankündigungs-Text meines Kollegen Stefan, den er für unseren „Weird Xperience„-Blog geschrieben hat.

Im April begrüßen wir den Regisseur und Autor Wenzel Storch.

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“Die Reise ins Glück” ist der dritte Teil der sogenannten Jürgen-Höhne-Trilogie. Doch keine Angst, man muß nicht Teil 1 und 2 kennen, da sich die Filme nicht inhaltlich aufeinander beziehen. Jürgen Höhne ist in allen drei Filmen der Hauptdarsteller und es sind seine einzigen Filme.

In “Die Reise ins Glück” geht es um die Reisen Gustavs, Knuffis und Evas in ihrem Schneckenschiff zu unentdeckten Inseln und weit entfernten Schlössern. Auf diesen begegnen sie Ungeheuern, Schneemännern, Tyrannen und eine schwimmende Leinwand.

Mehr von der Handlung zu verraten hieße, euch jetzt schon den staunenden Mund zu schließen. Denn es ist unglaublich, was und wer in diesem Film alles so passiert. Es flimmert zwischen Märchen und Surrealismus, es ist schön und seltsam zugleich.

Allein die Ausstattung, die über Jahre liebevoll zusammengesammelt und -gebaut wurde, erinnert an tschechische Märchenfilme der 70er ebenso wie an Werke Jean-Pierre Jeunets und Terry Gilliams. Sie sind aber vor allem Teile des unverwechselbaren  Kosmos Wenzel Storchs.

StorchbunteranzugWenzel Storch, geboren 1961 in Braunschweig, drehte nicht viel neben den Filmen der Trilogie, “Der Glanz der Tage” (1989), “Sommer der Liebe” (1993) und eben “Die Reise ins Glück” (2004). Durch den extrem niedrigen Produktionsetat dauerten die Dreh- und Produktionsarbeiten auch immer sehr lang, zur “Reise ins Glück” ganze 12 Jahre. Die ehrenamtliche Arbeit der Schauspieler und die Hilfe von anderen Künstlern wie Max Raabe, Jörg Buttgereit oder Friedrich Schoenfelder sowie seine eigene Arbeit an Regie, Kamera, Drehbuch, Produzent und Verleiher machten diese Filme möglich. Trotz seinem weitestgehenden Verzicht auf professionelle Schauspieler (“Selbst wenn mir zehn Heiner Lauterbachs zur Verfügung ständen, ich würde Jürgen Höhner nehmen.” Storch in der ZEIT 04/2000) sind seine FIlme keine Amateurarbeiten, sondern fantasievoller Ausdruck eines Künstlers.

Desweiteren drehte er einen Videoclip für Bela B. (“Altes Arschloch Liebe”) und schreibt Kolumnen für die Zeitschrift konkret. Diese sind gesammelt als “Der Bulldozer Gottes” erschienen. Weitere Bücher sind “Das ist die Liebe der Prälaten und “Die Filme”, aus welchem er vor dem Film für uns lesen wird.

Wir freuen darauf, ihn begrüßen zu dürfen und mit ihm in seine Welt zu reisen.

reise-ins-glueck-anzugDas Geo schrieb: “Wenn es so etwas gibt wie Recycling durch Fantasie, dann hat Wenzel Storch das Patent darauf. Er nimmt Sperrmüll und Schrott, kreuzt es mit anderem Strandgut des Alltags und erweckt es zu neuem Leben. Das ist Wenzel Storchs Kunst: Er macht aus Mangel Märchen. Das kostet Zeit. Davon hat er eine Menge. Geld hat er keines. So entstehen seine Meisterwerke.”

Und die epd film formuliert: „Wenzel Storchs dritter Film ist sein größter, sein bester und sein versiertester, genau das Meisterwerk, auf das wir so lange gewartet haben. Es gibt eine spezielle Poetik des Lichts in den Storch-Filmen, die die Objekte lebendig macht. Man achte auch bei Gelegenheit auf die Rhythmik der Montage, Helldunkel-Wechsel oder Bewegungslinien. Ganz zu schweigen von Farbkompositionen, Raum-Installationen und Choreographie.  Man könne sogar von der mythischen Tiefenstruktur der scheinbaren Nonsenserzählung reden, die sich Bildelemente und Sprachpartikel in einem dreisten Piratenakt aneigne. Daraus entstehe die unkorrupteste Film-Sprache, derzeit.“

Besucht ihn hier: www.wenzelstorch.de und am Donnerstag, den 24.April 2014, um 20:30 im City46, Bremen.

Das Bloggen der Anderen (22-04-14)

Von , 22. April 2014 22:13

bartonfink_type2– Jan-Eike Michaelis waren Hamburg auf der Dokumentarfilmwoche 2014. Auf critic.de hat er ein sehr ausführlichen Bericht darüber geschrieben, der große Lust auf dieses Genre macht.

– Apropos Dokumentarfilm. Kirsten Kieninger ärgert sich auf B-Roll sehr darüber, dass die Begriffe Dokumentarfilm und Dokumentation ständig durcheinander geworfen werden. Sophie Charlotte Rieger hat Isabell Šuba interviewt, die einen Dokumentarfilm mit dem schönen Titel „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ über das Filmfestival in Cannes gedreht hat. Außerdem wird in der Rubrik „Talents to watch“ der Filmemacher Bastian Günther interviewt.

– Das ist doch mal ein schöner Verriss. Florian Krautkrämer auf Daumenkino über „Zärtlichkeit“ von Marion Hänsel.

– Wer sehr viel Zeit hat, bekommt nun eine gute Gelegenheit diese zu füllen. Wie Gerold Marks auf Digitale Leinwand berichtet, hat die britische Pathé 85.000 (!) historische Filmaufnahmen auf YouTube online gestellt. Für lau.

– Lukas Foerster ist auf Dirty Laundry sehr angetan von Sidney J. Furies 1966er Brando-Film „The Appaloosa“.

– Sven Safarow von Eskalierende Träume berichtet zum Teil etwas augenzwinkernd vom goEast Festival 2014.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über einen meiner absoluten Lieblingsfilme: Murnaus „Sunrise“. Da verzeihe ich es PD dann auch, dass er sich über die scheinbar „einfache Handlung“ mokiert. Zumal er ja ganz richtig erkannt hat: Ja, das ist eine Fabel.

– Auf filmgazette gibt Wolfgang Nierlin dem polnischen Film „Ida“ 9 von 10 Punkte. Ich muss den jetzt endlich mal gucken.

– dennis war für filmosophie das erste Mal auf einer Deutschlandpremiere eines großen amerikanischen Films, nämlich „Amazing Spider-Man 2“. Hier beschreibt er, was er an diesem Tag so alles erlebt hat.

– Alex Klotz schreibt auf hypnosemaschinen leider viel zu kurz über „The Nights of Prague“, macht mir damit aber trotzdem Appetit.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film ein sehr schönes Essay über sich gegenseitig kritisierende Regisseure und das immer wieder beschworene Ende des Kinos geschrieben. Außerdem gibt es von ihm noch einen schönen Aufsatz über „Gier im Film“. Darren Arronofsky hat Luca Fuchs mit „Noah“ so tief enttäuscht, dass er nun dessen bisheriges Schaffen mit anderen Augen sieht.

– Der Intergalactic Ape-Man hat sich für seinen Blog Intergalaktische Filmreisen den Hans-Albers-Klassiker „Der Greifer“ von 1930 angesehen und fragt sich, warum der Film erst jetzt auf DVD veröffentlicht wird.

– Alexander Plaum ist für mich ein neuer Name auf Hard Sensations. Er mehr oder weniger zufällig den Film „The Brother from Another Planet“ gesehen und ist von diesem Stück 80er Jahre ziemlich begeistert.

– Anlässlich von Jean-Paul Belmondos 81. Geburtstag hat Udo Rotenberg sich auf L’amore in cittá zwei Filme mit dem Tausendsassa vorgenommen. Den von vielen hoch verehrten „Abenteuer in Rio“ von Philippe de Broca und „Der Panther wird gehetzt“ von Claude Sautet. Und damit es nicht zu französisch wird, gibt es noch eine ausführliche Besprechung von Margheritis „Jäger der Apokalypse“ hinterher.

– Auf Grün ist die Heide hat er dann einen meiner Lieblings-Olsens am Wickel. Den tollen „Der Arzt von St. Pauli“ mit Curd Jürgens.

– Eine Lücke, die ich unbedingt noch schließen muss: Die Simmel-Verfilmungen der 70er Jahre. Immerhin führte bei ganzen sechs (!) Filmen der großartige Alfred Vohrer Regie. Allein deshalb sollte man die wohl gesehen haben. Einen siebten inszenierte Gerd Oswald und beim achten stand Roland Klick (!!) hinter der Kamera. Das Magazin des Glücks kennt sie alle.

– „American Mary“ von den Soska-Schwestern wird ja ziemlich gehypt. Robin Schröder von Mise en cinéma hat ihn gesehen und relativiert das Ganze.

– Bei Oliver Nöding auf Remember It For Later geht die Karl-May-Sause weiter. U.a. mit „Der Schut“ vom Film-Noir-Spezialist Robert Siodmak, der Oliver sehr begeistert hat.

screen/read berichtet von einem Fall von Zensur in Ägypten.

– Antonio Margheritis „Piranha II – Die Rache der Killerfische“ lief auf Tele 5 unter dem „Schlechteste Filme aller Zeiten“-Label. Ja, wissen die denn nicht, dass Margheriti gar keine schlechten Filme machen kann? Hätten sie mal totalschaden von Splattertrash gefragt.

– Herk Harvey kennt man. Ja, klar: „Carnival of Souls“. Aber der das Herr auf ein sehr interessantes und umfangreiches Schaffen im Bereich der Industrie-, Lehr-, Bildungs- und Aufklärungsfilmen, sowie Dokumentarfilmen zurückblicken kann, ist den wenigsten bekannt. David von Whoknows presents hat sich sehr eingehend mit dem „unbekannten Herk“ beschäftigt und einen großartigen Artikel gezimmert. Danke für die tolle Arbeit!

– In den guten, alten Zeiten, als man auf CD-Wow noch für wenig Geld tolle Shaw-Brothers-DVDs abgreifen konnte, habe ich mich immer gefreut, wenn einer von Chor Yuen (aka Chu Yuan) dabei war. Einer meiner Geheimtipps war „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“, den nun auch Yzordderrexxiii entdeckt hat.

– Martin Beck hat für seinen Blog Reihe Sieben „Return to Nuke’Em High Vol. 1“ gesehen und obwohl er Troma-Filme sehr mag, war er hier doch recht enttäuscht.

– Es wird weiter geprügelt: „The Raid 2“ steht ins Haus und liefert laut Ronny Dombrowski von cineastic.de nicht nur mehr vom selben, sondern noch den Vorgänger toppt. Ich gebe zu: Ich bin sehr gespannt.

– Die „The Raid 2“-Besprechung auf Komm und sieh ist zwar kritischer, spricht aber auch von „exzellenter Fan-Kost“. Ferner wird einem der südkoreanische „Helpless“ ans Herz gelegt.

– „Tokugawa Sex Ban: Lustful Lord“. Japanische Titel klingen ja immer sehr schön. Und auch wenn Norifumi Suzukis Film reda von Der breite Grad nicht voll überzeugen konnte, liest sich die Review zumindest sehr interessant.

– Annika Stelter hat nun „Das Gespenster der Freiheit“ gerufen. Das Resultat findet man – natürlich – auf Die Filme, die ich rief.

– Schön, dass es auch auf einem von mir schon seit vielen Jahren beackertes Gebiet, wie dem Giallo, auch für mich immer noch etwas Neues zu entdecken gibt. Von „Deine Hände auf meinen Körper“ habe ich noch nie etwas gehört. Obwohl Sascha Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte ihn als „ein reizvolles Drama irgendwo zwischen Giallo und Psychostudie, welches sehr lange Anlauf nimmt, dafür aber umso wirkungsvoller zutritt“ beschreibt. Sehen wollen!

– „The Borderlands“ hätte ich jetzt als x-ter Found-Footage-Horror-Aufguss abgetan. Nach Oliver Armknechts Besprechung auf film-rezensionen.de bin ich jetzt aber doch neugierig geworden.

– Als ich las, dass Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ bespricht, da ich weiß, wie er z.B. Francos „Jungfrau in den Krallen von Zombies“ fand, dachte ich nur: Der Arme. Die Besprechung fällt auch dementsprechend aus. Aber ich finde es toll, dass Schlombie dran bleibt und sich immer wieder an diese Film traut. Ich habe das „Geisterschiff“ letztes Jahr auf 35mm im Kino gesehen, da bin ich wahrscheinlich auch voreingenommen. Ferner bespricht er Christian Genzels „Die Muse“, den ich mir demnächst auch zu Gemüte führen möchte. Jetzt bin ich nach Schlombies sehr positiven Review noch interessierter an dem Film. Ich bin gespannt. Ach ja, eine neue Folge: „Die Besprechungen der Andern“ gibt es auch.

– Auch PewPewPew empfiehlt die Crowdfunding-Kampagne für „Die Traumlande“.

Interview mit Huan Vu – Regisseur von „Die Farbe“ und „Die Traumlande“

Von , 21. April 2014 20:46

dreamlands_by_Elisabeth_Mochner_31Huan Vu (* 1982) studierte an der Hochschule der Medien in Stuttgart-Vaihingen. Noch während des Studiums begann er mit der Arbeit an „Die Farbe“, einer Verfilmung von H.P. Lovecrafts “The Colour Out of Space”, dessen Handlung von ihm nach Deutschland vor und nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt wurde. Zunächst als Diplomfilm geplant, wurde das Projekt bald zu groß für den Rahmen der Abschlussarbeit. Daraufhin entschieden Co-Produzent Jan Roth und er, es nach dem Studium mit eigenen Mitteln umzusetzen.

„Die Farbe“ wurde schließlich nach zweijähriger Postproduktion Ende 2010 fertiggestellt und im Eigenvertrieb sowie über Vertriebspartner in Schweden, Finnland und den USA veröffentlicht.

Trotz seines geringen Budgets wurde der Film als “eine der besten und ambitioniertesten Lovecraft-Adaptationen aller Zeiten” (Twitch) bezeichnet und erhielt zahlreiche sehr positive Reaktionen von Lovecraft-Fans wie auch auf Genrefilmfestivals. Auch in Bremen lief „Die Farbe“ schon im Rahmen unserer „Weird Xperience“-Reihe.

Zurzeit versucht Huan Vu über Crowdfunding (siehe meinen Artikel hier) Geld für sein neustes Projekt, den ambitionierten „Die Traumlande“, wieder nach Vorlagen von H.P. Lovecraft, zu sammeln. Ich habe dies zum Anlass genommen, mit Huan Vu (nicht nur) über das „Traumlande“-Projekt zu sprechen.

Filmforum Bremen: Vorweg erst einmal vielen Dank, dass Du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Kommen wir gleich zur ersten Frage: Wie bist Du zum Film gekommen und wer sind Deine Vorbilder?

Huan Vu: Ich habe mich erst relativ spät so richtig für das Filmfach entschieden, das war erst nach dem Abitur. Aber ich habe natürlich schon immer eine große Liebe für Kinofilme gehabt, und vor allem natürlich gerade auch für Genrefilme, speziell Science-Fiction, Fantasy und Horror.

Ein grundsätzliches Vorbild ist schwierig zu benennen, aber zu meinen Lieblingsfilmen gehören z.B. „Akira“, „Alien“, „12 Monkeys“ und „Children of Men“. Man sieht also, ich mag es düster und raffiniert.

Seit Deinem Spielfilm „Die Farbe“ – der ja viele gute Kritiken bekam und mir auch sehr gut gefallen hat – sind vier Jahre vergangen. Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht?

Erst einmal die viele Freizeit genossen! Nein, da wir den Film im Eigenvertrieb auf den Markt gebracht hatten, gab es für mich eine ganze Menge Neues zu lernen und es hat mir auch großen Spaß gemacht, die vertriebstechnische Seite mal kennenzulernen, Verträge mit Distributionspartnern im Ausland durchwälzen, DVDs eigenhändig eintüten und zur Post bringen (was ich immer noch sehr stolz tue), usw. usf. Außerdem war diese Zeit garniert durch zahlreiche Festivalteilnahmen, und so konnte ich nach den Jahren der Arbeit nun auch viel reisen, andere Filmemacher kennenlernen und vor allem die Reaktion des Publikums erleben. Das hat mir selbst sehr viel gegeben und darin bestärkt, weiterzumachen.

Dafür brauchte ich aber einen passenden Stoff, in den ich mich so verlieben könnte wie in „The Colour Out of Space“. Auf Anhieb fündig wurde ich jedoch nicht und es hat dann einige Zeit gedauert, bis ich erkannte, dass ich mich von dem Gedanken zu lösen hatte, unbedingt eine einzelne Erzählung zu verfilmen. Stattdessen kam dann die Idee auf, die Traumlande-Geschichten zu bündeln und die von Lovecraft erschaffene Welt als Grundlage für eine eigene Geschichte heranzunehmen.

Im Sommer 2013 drehten wir dann die Teaser-Trailer und bereiteten die aktuell laufende Kampagne vor.

Wie bist Du auf die Idee zu „Die Traumlande“ gekommen und wovon wird der Film handeln?

„Celephaïs“ ist eine meiner Lieblingsgeschichten von H.P. Lovecraft, sie handelt von einem einsamen, alten, sterbenden Mann, der in den Traumlanden jedoch König ist und dort auf ewig weiterlebt. Ich liebe den Weltschmerz darin, die Melancholie und die Hoffnung auf Erlösung. Es ist auch eine der wenigen Geschichten aus seinem Werk, die zwischenmenschlich eine Verbindung zum Protagonisten aufbaut.

In unserem Film wird es einen Waisenjungen geben, der anno 1907 auf einen ganz ähnlichen alten Mann trifft und mit ihm in die Traumlande gelangt. Dort muss er sich Prüfungen unterstellen, um die Nachfolge als zukünftiger König antreten zu können. Als es zum Zwist kommt, muss er sich entscheiden, ob er das Werk der Großen Träumer bewahren oder ob er sich mit einer mysteriösen antagonistischen Macht aus dem umgebenden Chaos verbünden und die Traumlande zerstören möchte.

Nach „Die Farbe“ basiert „Die Traumlande“ wieder auf Geschichten von H.P. Lovecraft. Was bedeutet Lovecraft für Dich und was ist Deine Meinung zu anderen Lovecraft-Verfilmungen, wie z.B. denen von Stuart Gordon? Hast Du da einen Favoriten?

Mir gefallen die beiden Filme unserer Kollegen von der H.P. Lovecraft Historical Society sehr gut: „The Call of Cthulhu“ im Stile eines 20er Jahre Stummfilms und „The Whisperer in Darkness“ im Stile eines 40er Jahre Film Noir. Wer die beiden Verfilmungen noch nicht kennt, sollte unbedingt mal einen Blick drauf werden (z.B. in unserem Online-Shop *hust*).

„Dagon“ fand ich über weite Strecken auch durchaus gelungen, nur zum Ende hin schwächelt er leider etwas.
H.P. Lovecraft bedeutet mir sehr viel, da es bei ihm sehr viel mehr um existentielle Angst geht als um eine körperliche wie in den meisten Horrorfilmen. Es ist eben genau dieser gruselige Gedanke des „Cosmic Horror“: Was, wenn all das, woran man als moderner aufgeklärter Mensch glaubt, nicht wahr ist? Und eine schreckliche Wahrheit darauf wartet, offenbart zu werden?

Der deutschsprachige Genrefilm führt ja hierzulande ein ziemliches Schattendasein. Du hast ja nicht nur selber Filme gedreht, sondern Dich mit der Initiative „Neuer Deutscher Gernefilm“ auch sehr stark für das Genre als solches in Deutschland eingesetzt. Wenn man sich das Kino- und das diesjährige Berlinaleprogramm ansieht, gibt es da ja eine kleine Welle, die ja auch Mainstreamfilmemacher und -schauspieler mit einschließt („Das finstere Tal“ (Andreas Prohaska), „Stereo“(Maximilam Erlenwein), „Der Samurai“(Till Kleinert)). Hat sich dort bereits ein Netzwerk gebildet, indem ihr Euch auch austauscht?

Stimmt, den Neuen Deutschen Genrefilm habe ich als Filmemachergruppe vor knapp zwei Jahren mitgegründet, das habe ich vorhin unterschlagen. Von den drei genannten ist Till Kleinert Mitglied in unserer Runde. Zu unseren Zielen gehört es den Genrefilm in den deutschsprachigen zu stärken und darauf hinzuweisen, dass wir hierzulande ein Mehr an kultureller Vielfalt benötigen. Das deutsche Filmfördersystem hat seit Jahrzehnten eine Monokultur von fernsehkompatiblen Dramen, Krimis und Komödien entwickelt und weite Teile des genre-affinen Publikums verloren, und das kann so nicht weitergehen.

Im Bereich Fantasy haben wir z.B. folgende deutsche Fantasyfilme zu verbuchen:

„Die Unendliche Geschichte“ (1984)
„Momo“ (1985)
„Krabat“ (2008)
„Mara und der Feuerbringer“ (2014)

Da ist keine besonders stattliche Liste und die riesige Lücke zwischen den 80ern und der Gegenwart ist unglaublich – wie viele Sozialdramen, Krimis und Beziehungskomödien hat es in der Zeit gegeben?

Außerdem auch hier stark erkennbar, dass alle genannten Filme eher Richtung Young Adult bzw. Märchenfilm gehen. Falls wir „Die Traumlande“ umsetzen können, dann werden wir etwas machen, das es so hier noch nie gegeben hat.

Wenn es Genrefilme einmal in Deutschland auf die große Leinwand schaffen, werden sie leider in der Regel – trotz aller Qualität – vom hiesigen Publikum ignoriert. „Das finstere Tal“ wäre ein aktuelles Beispiel dafür. Woran liegt dies Deiner Meinung nach, und wie glaubst Du mit „Die Traumlande“ dem entgegenwirken zu können?

Grundsätzlich ist es sehr begrüßenswert, dass die etablierte Filmindustrie in jüngerer Zeit nun auch gegensteuert und mehr Vielfalt und auch dunklere Stoffe zulässt. Der Misserfolg der Bestseller-Romanverfilmung „Das Finstere Tal“ war natürlich sehr schade mit anzusehen, der Film hätte mehr verdient gehabt. Es fehlt das Vertrauen des Publikums. Das wird noch einige weitere Versuche benötigen, bis der deutsche Genrefilm größeren Zulauf erhält, so wie der Genrefilm in Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Skandinavien.

Und ich glaube auch, dass der Filmverleih X-Filme kein zielgruppengerechtes Marketing unternommen hat. Man hat versucht den Film an das übliche Arthouse-Publikum zu bringen, welches mit einem bleihaltigen Western aber offenbar eher wenig anfangen kann. Bei der Vorführung, in der ich war, wurden sogar kleine Informationsheftchen ausgeteilt, in denen – ich übertreibe etwas – erklärt wurde, was ein Western ist.

Ob wir es mit „Die Traumlande“ besser machen können, das steht natürlich in den Sternen. Aber wir wenden uns denke ich an das richtige Publikum und wir machen diesen Film auch gezielt für dieses Publikum.

Hast Du für „Die Traumlande“ eigentlich Filmförderung beantragt?

Wir würden nach einer erfolgreichen Kampagne dann auch Filmförderung beantragen.

Leider ist es ungewiss, ob man den Zuschlag erhält, gerade auch bei einem Projekt wie diesem. Deswegen haben wir auch ein derart hohes Crowdfunding-Ziel – nur so können wir sichergehen, den Film wie geplant hinzubekommen, notfalls auch ohne Fördermittel.

„Die Traumlande“ sollen – ebenso wie „German Angst“, ein anderes deutsches Genreprojekt – auf Englisch mit einem internationalen Darstellerensemble gedreht werden. Erst im Anschluss wird eine deutsch synchronisierte Fassung erstellt. Warum dieses Vorgehen? Warum nicht mit deutschen Schauspielern auf Deutsch arbeiten?

Da haben wir lange gehadert, es war keine leichte Entscheidung. Mit einer englischsprachigen Fassung haben wir bessere Chancen, auch Lovecraft-Fans aus dem Ausland als Unterstützer für dieses Projekt zu gewinnen. Und was die späteren Auswertungsmöglichkeiten betrifft, habe ich ja in den vergangenen Jahren gesehen, wie schwierig es mit untertitelten Filmen ist (und „Die Farbe“ ist obendrein auch noch schwarz-weiß!).

Außerdem haben wir uns gesagt, dass eine Synchronisation wie bei einem Hollywood-Film hierzulande von den meisten nicht ganz so kritisch gesehen wird wie z.B. bei den US-Amerikanern.

Die Dreharbeiten zu „Die Traumlande“ werden inklusive Postproduktion wahrscheinlich an die drei Jahre dauern. Außer im Studio soll auch in Island, Kroatien und der Türkei gedreht werden. Wie bewältigt man ein so großes Projekt über eine so lange Zeit? Wird Dir nicht manchmal mulmig, wenn Du daran denkst?

Durchaus, aber ich denke durch unsere hinzugewonnene Erfahrung können wir das stemmen. Außerdem sind für das Ausland auch eher kleine Szenen vorgesehen, mit wenigen Darstellern vor Landschaften, die es hier in Deutschland nun einmal nicht gibt.

Als Independent-Filmemacher bin ich es ja gewohnt mit geringsten Mitteln große Bilder und Momente erzeugen zu müssen, das werden wir hier auch so handhaben müssen.

Und zu Letzt: „Die Traumlande“ werden über Crowdfundig finanziert. Hier hast Du ein ambitioniertes Ziel von 200.000 Euro ausgeben. Warum und wie soll man dieses Projekt unterstützen?

Man sollte „Die Traumlande“ unterstützen, wenn man in Sachen Filmkultur hierzulande mal etwas ändern und mal etwas bewegen möchte. Hier ist die Chance dazu beizutragen, etwas ins Rollen, und auch etwas ins Wanken zu bringen.

Helfen kann man uns, indem man die Kunde von diesem Projekt verbreitet, an alle Freunde, Bekannte, Verwandte, an alle, die etwas mit Phantastik anfangen können, und vielleicht auch an diejenigen, die damit eher wenig am Hut haben.

Und dann natürlich, indem man uns dabei hilft, dem großen Ziel näher zu kommen. Für eine Fördersumme von 20 EUR erhält man eine 2-Disc DVD oder Blu-ray des fertiggestellten Films – 20 EUR und wir sind alle zusammen einen Schritt näher, Geschichte zu schreiben.

Danke Huan für das informative und nette Gespräch.

Die Homepage von „Die Traumlande“ findet man unter: http://www.the-dreamlands.com/de/ Die Crowdfunding-Kampagne unter: https://www.indiegogo.com/projects/the-dreamlands#home

Posting Nummer 1.000

Von , 19. April 2014 14:41

1000„Alles ist futsch…“ Diese traurige Nachricht war vor 5 ½ Jahren der erste Eintrag in dieses Blog. Daran erinnere ich mich auch heute noch sehr gut. Nachdem das Blog bereits drei Wochen online war, führten Probleme beim Provider dazu, dass plötzlich alle bis dahin geschriebenen Texte verloren gegangen waren. Sieben Stunden später konnte ich dann aber glücklicherweise melden, dass ich die Artikel Dank des Google-Caches wiederherstellen konnte. Trotzdem zähle ich heute diesen Eintrag vom 5. November 2008 als Startschuss für mein Blog „Filmforum Bremen“. Und wenn ich heute zurückschaue, hat sich in den vielen Jahren doch sehr viel getan. Ich habe mir eben noch einmal die ersten Artikel aus dem November 2008 durchgelesen und gemerkt, wie stark sich doch der Fokus geändert hat. War mein Bemühen am Anfang, den Bremer Filmfreunden möglichst viele Infos über Veranstaltungen oder generell interessante, filmrelevante Themen aus Bremen zu bieten, hat das Blog mittlerweile einen überregionalen Schwerpunkt.

Rezensionen, Festivalberichte, Interviews und vor allem das sehr erfolgreiche „Bloggen der Anderen“ sind nicht nur Bremer, sondern für alle Filmfreunde da. Aus der Anfangszeit ist eigentlich nur noch die Rubrik „Originalfassungen in Bremen“ übriggeblieben, von der ich weiß, dass sie ihre regelmäßigen Leser hat. Und natürlich gibt es auch weiterhin Veranstaltungshinweise für Bremen, auch wenn mir da heute mehr durch die Lappen geht als früher, als dies noch ein zentrales Thema des Blogs war. Da stellt sich die Frage, warum das Blog immer noch „Filmforum Bremen“ heißt, und sich mittlerweile keinen cooleren Namen gegeben hat. Nun, einerseits hat sich „Filmforum Bremen“ durchaus schon auf kleinem Niveau zu so etwas wie einer „Marke“ entwickelt und anderseits erinnert mich der Name daran, mein ursprüngliches Ziel, nämlich die Filmfreunde aus Bremen irgendwie zusammenzubringen, nicht ganz aus den Augen verliere. Auch wenn ich mittlerweile die Hoffnung fast aufgeben habe. Entweder die Bremer Filmfreunde sind nicht gerade internetaffin und kennen mein Blog gar nicht, oder sie interessieren sich nicht für eine solche Art der Vernetzung und bleiben lieber in ihrem eigenen Stübchen. Dass es sie gar nicht gibt, daran mag ich jedenfalls nicht glauben.

Immerhin aber hat sich das Blog schon soweit einen Namen gemacht, dass ich in der Vergangenheit schon häufiger von unserer lokalen Tageszeitung, dem „Weser Kurier“, angeschrieben und zu diversen Kinothemen um meine Meinung gefragt wurde. Das schmeichelt dem Ego und ist eine schöne Anerkennung, der Arbeit, die man mit seinem Blog leistet. Auch sonst habe ich über das Blog ein paar nette Kontakte kennengelernt, seien es andere Blogger oder Filmemacher. So macht das dann auch wirklich Spaß. Wobei man aber nicht verhehlen darf, dass es auch andere Zeiten gibt. Wenn einem das alles über den Kopf wächst und gerade die regelmäßigen Rubriken zur Last werden. Wenn man mit viel Herzblut einen langen Artikel geschrieben hat, der einem sehr wichtig ist, oder eine Rezension mit der man so vollauf zufrieden ist, und dann gar keine Reaktion kommt. Ich denke, diese Situationen kennt jeder Blogger. Aber wenn dann doch Feedback kommt, Diskussionen entstehen, man generell merkt, dass man gelesen wird und die Leser sich auch mit den Inhalten auseinandersetzten, dann gibt das wieder einen gehörigen Motivationsschub, der einen dann auch über die tiefsten Täler hilft. Aber auch ein einfaches „Like“ auf Facebook oder eine Verlinkung hilft manchmal schon etwas.

Insgesamt bin ich mit der Entwicklung, die das Blog genommen hat, sehr zufrieden. Die Besucherzahlen sind schon weitaus höher, als ich mir das noch vor einigen Jahren hätte vorstellen können und wachsen noch weiterhin. Was – wie ich aus der Statistik entnehmen kann – vor allem an den Reviews und dem „Bloggen der Anderen“ liegt. In letzter Zeit ist schon viel passiert und ich konnte eine Menge – wenn auch nicht alles – von dem umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Und wieder habe ich eine Menge Pläne, was ich mit und in diesem Blog noch machen möchte – lasst Euch überraschen.

Jetzt liegen erst einmal die nächsten 1.000 Postings vor mir, und ich bin schon sehr gespannt, was die Zukunft bringt.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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