DVD-Rezension: “The Day”

Von , 6. Januar 2013 15:54

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Nach dem Zusammenbruch der Zivilisation hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengeschlossen, um vor „den Anderen“ zu fliehen. Munition und Vorräte gehen zu Ende, da beschließen sie, in einem verlassenen Bauernhaus Rast zu machen. Dort finden sie im Keller reichlich Essensvorräte. Doch schnell wird klar, dass es ist dabei um eine Falle der Anderen handelt, die nun anrücken, um sich Nahrung zu besorgen. Und diese Nahrung ist Menschenfleisch…

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Regisseur Douglas Aarniokoski und sein Drehbuchautor Luke Passmore haben sicherlich John Hillcoats „The Road“ gesehen. Zu deutlich sind die Parallelen zwischen „The Day“ und der Kannibalen-Episode in Hillcoats Film. Doch während „The Road“ episch angelegt war, ist „The Day“ zunächst ganz Kammerspiel. Aarniokoski konzentriert sich auf die Gruppe von fünf Überlebenden und darauf, wie diese in einem verlassenen Bauernhaus ihre unterschwelligen Konflikte austragen. Dabei wird der Zuschauer häppchenweise mit Informationen gefüttert, wie die Welt in „The Day“ aussieht. Viel muss man sich dabei selber zusammenreimen. Das hat durchaus seinen Reiz, ebenso wie die Entscheidung, gerade nicht zu verraten, was zum Untergang der Zivilisation geführt hat. Nur langsam schälen sich die einzelnen Charaktere und ihre Beziehung zueinander heraus. Auch die Frage, von welcher Art die Bedrohung ist, vor der sie auf der Flucht sind, wird zunächst ausgespart. Dies sorgt anfangs für eine mysteriös-unheimliche Stimmung.

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Dabei taucht Regisseur Aarniokoski, der zuvor vor allem als Regieassistent bei Robert Rodriguez (u.a. bei „From Dusk Till Dawn“ und „Es war einmal in Mexiko“) Erfahrungen gesammelt hat, die Welt in ein trostloses Licht. Die Farbe ist bis zum Schwarz-Weiß herunter gedreht worden. Nur manchmal kämpfen sich andere Farbtöne durch das monochrome Bild. Auch der Schauplatz ist gut gewählt. In dieser rauen, ursprünglichen Wildnis kann man den Zusammenbruch der Zivilisation und den Rückfall in die Barbarei gut spüren. Das Bauernhaus erinnert, neben seinem Pendant in „The Road“, natürlich auch an dasjenige aus „The Night of the Living Dead“. Gerade dieser Klassiker wird dann auch im Finale immer wieder zitiert. Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Kannibalen in einer ersten Drehbuchfassung noch Zombies waren.

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Der bekannteste Name in der Besetzungsliste ist Dominic Monaghan, der Hobbit Merry aus „Herr der Ringe“. Doch gerade er wirkt leicht fehlbesetzt, denn man nimmt dem jungenhaft wirkenden Schauspieler den Anführer der Gruppe nicht unbedingt ab. Die anderen Darsteller kennt man höchstens aus Direct-to-video-Produktionen oder kleinen Nebenrollen. Obwohl Monaghan also der größte Name und Shawn Ashmore als Adam die nominelle Hauptfigur ist, so sticht allerdings Ashley Bell aus der Besetzung heraus. Was daran liegt, dass ihre Figur, Mary, die mit Abstand interessanteste in diesem Ensemble ist. Dass sie sich von den anderen unterscheidet, erkennt man schon daran, dass sie – im Gegensatz zu ihren Mitstreitern – ein Kostüm trägt, mit dem sie direkt aus einem „Mad Max“-Film gefallen sein könnte. So verwundert es dann auch nicht, dass gerade sie ein dunkles Geheimnis mit sich herum trägt, welches ihrem Charakter ein wenig Tiefe verleiht. Auf der Seite der Bösen geben sich die Stereotypen die Klinke in die Hand. Man glaubt förmlich, die Widersacher der Helden allesamt schon einmal in anderen Filmen gesehen zu haben.

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Während die erste Hälfte des Filmes noch recht gelungen ist, geht es dann in der weitaus action-lastigeren zweiten Hälfte leider doch bergab. Zwar wird der nächtliche Angriff des Kannibalen-Clans noch recht stimmungsvoll umgesetzt (wenn auch deutlich an größeren Vorbildern, wie den oben bereits erwähnten „Night of the Living Dead“, orientiert), doch die Helden verhalten sich von Minute zu Minuten irrationaler. Da werden, während man in tödlicher Gefahr schwebt, plötzlich persönliche Empfindlichkeiten zum Problem und die bedrohte Gruppe beginnt nicht mit-, sondern gegeneinander zu arbeiten. Ferner wird den ganzen Film über das Problem thematisiert, dass man nicht genug Munition besitzt, nur damit diese am Ende so leichtfertig verschwendet wird, dass man sich nur an den Kopf greifen kann. Möglicherweise soll dies unterstreichen, dass vor allem menschliche Dummheit zum Untergang führt. Oder die Spannung künstlich erhöht werden. So oder so: Es nervt und insbesondere die schöne Brianna Barnes entwickelt sich zur unerträglichen Nervensäge.

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Ging der Film zunächst mit seinen Effekten sparsam um, wird im großen Finale Vollgas gegeben und es splattert wild drauflos. Allerdings kommt das Kunstblut aus dem Computer und man ist dankbar, dass die farbentsättigten Bilder diese Pixelsuppe etwas kaschieren. An dieser Stelle hat Debütant Douglas Aarniokoski wohl etwas zu genau bei seinem Lehrmeister Robert Rodriguez hingeschaut, der ja in letzter Zeit auch gerne mal rote Flüssigkeiten gegen Bits & Bytes eintauscht. Dies hat hier aber vor allem zur Folge, dass man sich irgendwie an semi-professionelle Splatterfilme erinnert fühlt, was die zuvor geduldig aufgebaute Stimmung zunichte macht. Daran trägt auch die seltsam unpassende Metal-Musik ihr Scherflein bei. Zumindest wird man von einer schön radikalen Schlusspointe etwas entschädigt.

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„The Day“ konzentriert sich in der ersten Hälfte ganz auf seine fünf Protagonisten und fordert den Zuschauer auf, sich durch hier und da eingestreute Informationen selber ein Bild von der Welt, in der „The Day“ spielt, zu machen. Dies gelingt gut und trägt zu einer hoffnungslosen, kalten Stimmung bei. In der zweiten, blutrünstigeren Hälfte verspielt er diesen Kredit fast wieder, indem sich die Hauptfiguren völlig irrational verhalten und die Feinde zu Abziehbildern aus anderen Filmen verkommen.

Die DVD von Splendid zeichnet sich durch gewohnt gute Bildqualität aus, wobei die Packung farbige Szenenfotos zeigt, die es so im Film nicht gibt. Dort ist die Farbe nämlich – wie oben beschrieben – auf ein solches Minimum reduziert worden, dass man den Film eher als Schwarz-Weiß-Film ankündigen müsste.

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