DVD-Rezension: “Piranha 2”

Ein Jahr nach den Vorkommnissen des ersten Teils eröffnet in der Kleinstadt Merkin in Arizona ein riesiger Wasserpark namens „Big Wet“. Der Betreiber Chet setzt dabei – sehr zum Verdruss seiner Stieftochter Maddy – vor allem auf barbusige Damen als Hauptattraktion. Nachdem Freunde von Maddy plötzlich verschwinden, kommt ihr der Verdacht, dass die prähistorischen Killerfische wieder zurück sind. Als sich dieser Verdacht bestätigt, versucht Maddy mit allen Mitteln, die große Eröffnung des „Big Wet“ – mit David Hasselhoff als Stargast– zu verhindern. Doch Chet hat etwas gegen diese Pläne…

Leider kenne ich den Vorgänger zu diesem Film (noch) nicht, dadurch kann ich zu diesem keine Vergleiche ziehen. Wohl aber kenne und schätze ich den Original-“Piranha“ von Joe Dante. Daher war ich recht neugierig auf „Piranha 2“ (aka „Piranha 3DD“). Was ich erwartete zu sehen, war knapp 1,5 Stunden hirnloser Spaß. Was ich allerdings bekam, waren 66 Minuten hirnloser Müll und 11 Minuten quälender Abspann. Aber dazu später mehr.

„Piranha 2“ beginnt eigentlich recht vielversprechend. An einem nebenverhangenen See hält Gary Busey seine charakteristische Fresse in die Kamera. Dass man von Busey aber sonst nicht viel zu sehen bekommt und seine Aufgabe in diesem Film vorrangig daran besteht, eine tote Kuh durch Entzünden ihrer Fäulnisgase in die Luft zu jagen, sollte einem schon zu denken geben. Und tatsächlich, nach diesem Auftakt geht es mit dem Film erst einmal steil bergab.

Auftritt: Sieben Berufsjugendliche, die alle Klischees von „Freitag, der 13.“-Kanonenfutter erfüllen. Leider muss man erst einmal warten, bis das erste Paar seiner (nicht sonderlich spektakulär inszenierten) Bestimmung zugeführt wird. Bis dahin wird man mit hohlem Geschwätz gequält und kann sich an den vom Computer auf bonbon-bunt getrimmten Bildern der Spaßbad-Kulisse ergötzen. Regisseur John Gulager hat ein deutliches Faible für computerverfremdete Farben und schöpft hier aus dem Vollen. Zu sehen gibt es zunächst einmal das, was die Werbung und der augenzwinkernde „Doppel-D“-Titel versprechen: Viele nackte Brüste und – oh Schreck – kurz blitzt sogar full frontal nudity auf. Dieser Einsatz geht auf das Konto der zahlreichen Statistinnen mit hohem Plastikanteil, die  keinerlei andere Aufgabe haben, als in der Gegend herumzustehen, bzw. ins Wasser zu springen. Das klingt für den kleinen Voyeur in uns allen erst einmal reizvoll, wirkt aber fürchterlich steril und – ja – sehr unsexy.

Für einen Film, der sich Tabubrüche und die Befriedigung primitivster Triebe auf die Fahnen geschrieben hat, bleibt „Piranha 2“ seltsam züchtig. Während die Plastikmäuse blank ziehen, verhalten sich die Hauptdarsteller regelrecht keusch. Obwohl ständig – und das recht zwanghaft  – Sex thematisiert wird, verläuft dieser ähnlich verklemmt wie in einer Vorabendserie. Wenn es einmal zur Sache geht, behält die Darstellerin natürlich ihr Oberteil an.

Und genauso geht Regisseur Gulager leider auch mit den Piranha-Angriffen um. Da wird mehr „Böses“ behauptet, als gezeigt. Großaufnahmen, hektische Kamera – da sieht man nichts und dann doch zu viel, um irgendwie seine Fantasie spielen zu lassen. Nein, unheimlich ist das alles nicht. Spannend auch nicht. Und wenn dann zum Finale hin die große Keule geschwungen wird, bekommt man im Grunde auch nicht mehr zu sehen, als hektische Statisten, die blutverschmiert durch die Gegend rennen oder CGI-Effekte, die eindeutig als solche zu erkennen sind.

Überhaupt CGI. Die computeranimierten Piranha sehen aus, als wären sie aus einem alten PC-Spiel in den Film kopiert worden. Man gibt sich noch nicht einmal den Anschein, hier könnte es sich um etwas anderes als Pixelansammlungen handeln. Vielleicht fällt dies in der 3D-Version nicht so stark auf, aber in 2D heben sich die Fischlein regelrecht vom Filmuntergrund ab. Und der finale „Gag“ ist so grottenschlecht umgesetzt, das  muss man wirklich gesehen haben, um es zu glauben. Aber gut, in den 70ern und 80ern waren es noch als solche klar erkennbare Gummifische, heute eben CGIs aus der Steinzeit. Aber hatten die Gummifischlein nicht einen gewissen, dreckigen Charme? Die Computer-Fische wirken nur leblos und künstlich.

Aber das ist gar nicht mal das Hauptproblem dieses missratenen Filmes. Dieses liegt eher im Drehbuch und der unentschiedenen Regie.  Während die erste Hälfte noch wie ein billiger, uninspirierter 08/15-Direct-to-Video- Horrorfilm rüber kommt (der allerdings auf keiner Ebene funktioniert und vor allem langweilt), soll die zweite Hälfte dann plötzlich überzogener Grand Guignol in der Tradition von Spaßfilmen wie „Braindead“ oder den berüchtigten Troma-Produktionen sein. Allerdings ist gerade der grandios schlechte Geschmack, welcher letztere auszeichnet, hier nur aufgesetzte Attitüde, nicht „das echte Ding“. Mit einer einzigen Ausnahme. Eine Szene schafft es tatsächlich, kurzfristig Interesse zu wecken. Der hier gezeigte „bissige Beischlaf“ und seine „einschneidenden“ Konsequenzen erinnern tatsächlich an die besten Werke der Filmschmiede aus Tromaville. Aber diese eine Sequenz alleine reißt den Film auch nicht raus.

Traurig wird es dann in dem scheinbar lustig gemeinten Finale, welches sich krampfhaft bemüht, dreckig und subversiv zu  erscheinen, aber überhaupt nicht verstanden hat, was diese Wörter bedeuten. Wieder einmal will hier etwas unbedingt „Kult“ sein und wird es gerade deshalb nicht werden.

Besonders übel wird in „Piranha 2“ David Hasselhoff mitgespielt, der sich selber spielt. Wahrscheinlich diente Jean-Claude Van Dammes Rolle in dem wirklich schönen „JCVD“ als Blaupause. The Hoffs Darstellung mag wohl selbstironisch gemeint sein, regt aber nur zum Mitleid an. Man hat das Gefühl, der Mann war die ganze Zeit betrunken und bekam gar nicht mit, wie sich alle um ihn herum über ihn lustig gemacht haben. Wahrscheinlich war er überzeugt davon, seine Rolle wäre cool und die Leute würden mit, statt über ihn lachen. Aber wenn man sieht, wie er seinen mittlerweile faltigen, leicht schmerbäuchigen Körper selbstverliebt in die Kamera hält und in einem bewusst grottenschlechten Musikvideo vor sich hin krächzt, dann ist das nicht lustig, sondern ein Grund zum Fremdschämen. Hier wird ganz offensichtlich ein nicht mehr ganz klarer Mann mit großen persönlichen Problemen ausgenutzt, vorsätzlich lächerlich gemacht und seines letzten Bisschens Würde beraubt.

Nach 66 Minuten ist plötzlich Schluss. Aber da dies nicht für einen abendfüllenden Film reicht, hat John Gulager noch einen 11- minütigen Abspann dran geklatscht, der ständig durch merkwürdig unkomische Outtakes oder peinliche Hasselhof-Auftritte unterbrochen wird. Symptomatisch für den ganzen Film: Lustig gemeint ist noch lange nicht lustig gemacht. Man könnte an dieser Stelle noch auf die gesichtslosen Schauspieler (dabei hatte mich doch Hauptdarstellerin Dana Panabaker gerade in „Girls Against Boys“ überzeugt), die permanenten und – zumindest in der 2D-Version – unglaublich nervenden 3D-Schock-Momente oder die Verschwendung von Leuten wie Christopher Lloyd oder Ving Rhames ärgern, aber das lasse ich lieber und schließe mit dem Fazit: „Piranha 2“ hat mir überhaupt nicht gefallen.

Der schlechte Eindruck erstreckt sich auch auf die Extras. Zwar sind diese reichhaltig und haben auch einen Audiokommentar mit an Bord, aber näher betrachtet sind die „Specials“ doch nur Werbematerial, das zu 80% aus Schnipseln aus dem Film besteht. Immerhin gibt es an der Bild- und Tonqualität der DVD nichts zu mäkeln. Im Gegenteil, angesichts der billig animierten Piranhas ist diese vielleicht sogar noch zu gut.

„Piranha 2“ erscheint am 04. Oktober auf DVD, BluRay und 3D BluRay.

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