DVD-Rezension: „Gandu – Wichser“

Von , 31. März 2012 16:29


Ein junger Mann, der sich „Gandu“ (Wichser) nennt, träumt davon als Rapper groß rauszukommen und seinem Armenviertel zu entkommen. Allerdings fehlt ihm dazu die Energie, denn wenn er nicht in einem Internet-Cafe daddelt oder sich verpixelte japanische Pornos ansieht, hängt er lieber mit seinem neuen Kumpel Rikscha herum und zieht sich mit diesem alle möglichen Drogen rein. Nachdem sie eines Tages mit einer uralten Droge experimentiert haben, scheint sich Gandus Leben plötzlich zu verbessern. Er hat das erste Mal Sex und eine bekannte Rap-Gruppe will ihn als Support-Act…

Gandu – Wichser“ hat alle Stärken und Schwächen eines Debütfilms. Regisseur „Q“ (mit bürgerlichen Namen Kaushik Mukherjee) hatte vor „Gandu – Wichser“ zwar bereits einen Low-Budget- Film namens „Bishh“ gedreht. Mit diesem hielt er sich aber noch an die Konventionen bengalischer Filme (indem er z.B. trotz eines sexuellen Themas keine Liebesszenen zeigte). In „Gandu – Wichser“ sprengt Q alle Fesseln und schuf einen ganz persönlicher Film, ohne irgendeine Schere im Kopf. Gedreht für gerade einmal eine Handvoll Rupien auf einer kleinen Canon 7D HD-Kamera, die allerdings Bilder liefert, die nach sehr viel mehr aussehen. Das schwarz-weiß-Bild im Breitwandformat ist gestochen scharf und mit harten Kontrasten. Wobei die Frage bleibt, ob ein „schmutzigerer“ Look nicht die Lebenssituation Gandus besser wiedergegeben hätte. So sind die Bilder fast schon zu schön.

Das Anliegen Qs, zu zeigen wie sich die Frustration und Wut der Jugendlichen aufbaut und ihre Umgebung ihnen keine sinnvolle Perspektive anbietet, wird vor allem durch die zornigen Rap-Texte Gandus transportiert. Wie im klassischen Bollywoodfilm (den „Gandu – Wichser“ zwar immer wieder zitiert, der aber von diesem mit seiner bunten, heilen Welt doch meilenweit entfernt ist), dienen die Musik- und Gesangseinlagen dazu, die Innenwelt des Protagonisten sichtbar zu machen. Gandus treibende, mitreißende Mischung aus Rap und Punk, lässt aber auch seine Aggression und Wut unmittelbar aus dem Film auf den Zuschauer überspringen. Dankenswerterweise hat Bildstörung seiner Limited Edition einen 39:54 minütige Soundtrack CD mit 9 Tracks beigelegt.

Auf der anderen Seite macht Q aber auch den Fehler, den fast jeder junge Filmemacher begeht, wenn er ganz frei seine ersten Filme, die ja fast immer auch Herzensangelegenheiten sind, drehen kann. Er will einfach zu viel auf einmal und stopft den Film voll mit filmischen Kabinettstückchen. Da wird die Handlung für kurze Interviews unterbrochen (eine Technik, die scheinbar vom großartigen japanischen Avantgarde-Klassiker „Pfahl in meinem Fleisch“ inspiriert ist), es werden Texte wie bei Godard eingeblendet, das Bild in zwei oder mehr Teile gespalten, eine Szene plötzlich knallbunt und der Regisseur greift auch einmal plötzlich höchstpersönlich ins Geschehen ein. Besonders störend ist Verwendung von Hardcore-Szenen (Masturbation und oraler Sex werden onscreen gezeigt), da diese nicht unbedingt für die Handlung notwendig sind, sondern offensichtlich nur aus Gründen der Provokation eingebaut. In dem ebenfalls auf der DVD zu findenden „Making-Of“ spricht Q davon, dass „Baise-Moi“ von Virginie Despentes zu seinen Lieblingsfilmen gehört. Und ebenso, wie die Hardcore-Szenen dort zu gewollt und aufgesetzt wirkten, ist es auch bei „Gandu – Wichser“ der Fall.

Trotzdem ist „Gandu“ ein interessanter Film, wenn auch aufgrund seiner vielen formalen Sperenzien nicht der harte Magensschwinger, der er hätte sein können. Dafür ist er einfach zu verspielt und selbstverliebt. Es bleibt aber spannend, wie es zukünftig mit dem Regisseur Q weitergeht.

Die DVD aus dem Hause Bildstörung besticht durch eine wie immer liebevolle Aufmachung und interessante Extras. Neben einem informativen 15-seitigen Booklet mit Texten Filmjournalisten Jochen Werner (Splatting Image, Deadline, Schnitt u.a.), findet sich hier auch ein interessanter Text von Martin Gobbin (Blogville). Kernstück ist aber ein 30-minütiges Making-Of, welches nicht nur die Dreharbeiten dokumentiert, sondern auch aktuelle Interviews mit allen Beteiligten und Ausschnitte der „Gandu“-Vorführung auf der Berlinale 2011. Dabei kommt Regisseur Q allerdings nicht besonders sympathisch, sondern recht narzisstisch rüber. Vor allem erfährt man aber interessante Details über die Dreharbeiten, bei denen die Filmcrew aus Geldmangel Wohnungen der Schauspieler und Freunden benutzte, sowie erhellende Hintergründe zur Entstehung der Filmidee.

Überraschenderweise bleibt der Film Bollywood auf die Weise treu, dass Hauptdarsteller Anubrata Basu nicht selber die Raps vortrug, sondern in den Musikszenen Regisseur Q höchstpersönlich die „Stimme“ von Gandu war. Nach den Dreharbeiten ging Q dann auch als Rapper „Gandu“ auf Tournee, wovon ein weiteres 10-minütiges extra erzählt. Zwei Episoden über den Berlinale-Besuch (quasi die „Extended Version“ der diesbezüglichen Szenen aus dem Making Of), ein Musikvideo und zwei kurze Werbeclips zur „Gandu“-Tournee runden diese gelungene Veröffentlichung ab.

Rezension: „Zorn der Titanen“

Von , 30. März 2012 19:34

„Alles fliegt Dir um die Ohren“ war der Titel eines späten Italo-Westerns von 1981, der – in 3D gedreht – ein großer Erfolg in den USA war und dort eine kleine 3D-Renaissance auslöste. Sein Trick dabei: Ständig wurden irgendwelche Sachen Richtung Kamera geworfen, geschossen oder gespuckt. Pures Rummelplatz-Kino also.

„Alles fliegt Dir um die Ohren“ beschreibt auch sehr schön den neuen Film „Zorn der Titanen“.  Während der erste Teil „Kampf der Titanen“ (das Remake des alten Ray-Harryhausen-Stop-Motion-Klassikers „Clash of the Titans“) noch aufgrund miserabler, nachträglicher 3D-Konvertierung fast der frühe Sargnagel des neuen 3D-Booms war, scheinen die Macher der Fortsetzung nun aus ihren früheren Fehlern gelernt zu haben. „Zorn der Titanen“ wurde von vornherein in 3D gedreht und vor allem auch konzipiert. Ich hatte mich ja schon bei „John Carter“ gefragt, warum man den 3D-Effekt nicht nachhaltig einsetzt, wenn man schon in 3D dreht. Hier wird er eingesetzt… und wie! Ständig fliegen Gesteinsbrocken oder Feuerbälle auf den Zuschauer zu. Die Pranken der Monster scheinen aus dem Bild zu greifen oder Harpien direkt in den Zuschauerraum zu krachen. Ganz nach den Motto: Wenn schon 3D, dann aber richtig. Sogar die ältesten 3D-Tricks aus den 50er Jahren werden recycelt, wenn einmal die Speere aus der Leinwand ragen. War die 3D-Technik in „Hugo Cabret“ sorgfältig, kunstvoll und ganz im Dienste einer wundervollen Geschichte eingesetzt, sind sie hier die einzige Attraktion des Filmes. Wie oben beschrieben: Rummelplatz-Kino im besten Sinne des Wortes. Die Handlung bleibt dabei zweitrangig.

Perseus hat sich als Fischer in einem kleinen Dorf aus dem Heldengeschäft zurückgezogen. Als sich allerdings sein Onkel Hades und sein Halbbruder Ares zusammentun, um gegen den Willen von Göttervater Zeus und Onkel Poseidon, den Ur-Gott Kronos aus seinem Gefängnis befreien wollen, sieht sich Perseus gezwungen sein altes Schwert auszugraben und wieder in den Kampf zu ziehen. Als Subtext geht es – wir sind in einem US-Film – darum, dass Väter ihre Söhne nicht verstehen und andersherum. Erst wenn Väter ihre Söhne akzeptieren und die Söhne nicht mehr aufbegehren, wird alles gut.

Die Götter werden fast durch die Bank weg von gestandenen britischen Schauspielern gespielt. Wobei Liam Neeson als Zeus und Ralph Finnes als Hades ihren Stiefel ohne große Anstrengungen runter spielen. Einzig der nicht zu erkennende Bill Nighy als Hephistos gibt ordentlich Dampf. Dem Helden leiht, wie schon im ersten Teil, Sam Worthington (Avatar, Terminator: Salvation) seine muskulöse Figur. Hier noch einmal der Vergleich zu „John Carter“. Während Taylor Kitsch dort ziemlich pathetisch und humorfrei auftrat, zeigt Worthington erfrischende Anflüge von Selbstironie. Und da er ab der Hälfte des Filmes quasi die Halbgötter-Version des schwitzenden Bruce Willis im blutigen Unterhemd gibt, wirkt er auch realer und sympathischer als der Mars-Soldat.

Überhaupt ist „Zorn der Titanen“ nicht übertrieben ernsthaft, sondern macht nie einen Hehl daraus, was er ist: Großes Kasperle-Theater für große Jungs. Und dies auf so unterhaltsame Weise, dass seine  99 Minuten wie im Fluge vergehen.  Ich mag mir aber nicht ausmalen, wie der Film wohl ohne 3D auf dem heimischen Bildschirm wirkt. Nein, dieser Film ist nun wirklich nur für 3D und die große Leinwand gemacht.  Dabei fällt auch positiv auf, dass das Bild nicht – wie bei „John Carter“ – so übertrieben scharf und damit lebloser und flacher wirkt, sondern weitaus filmischer und damit auch lebendiger. Der bewusst bombastische Soundtrack und die zahlreichen, die 3D Effekte unterstützenden – Soundeffekte kommen auf der Bremer IMAX-Anlage sehr druckvoll rüber.

Wer also auf Spektakel  und technisch anspruchsvollen Trash steht, der sollte sich jetzt auf den Weg ins Kino machen und nicht warten bis der Film für das Heimkino erhältlich ist.

04. April: „Iron Sky“ Vorpremiere in der Schauburg

Von , 29. März 2012 15:23

Die Geschichte zu „Iron Sky“ dürfte mittlerweile jeder kennen. Da hat ein Finne vor 6 Jahren die Idee für einen „Nazis auf dem Mond“-Film gehabt und angefangen nach Geldgebern für sein Projekt zu suchen. Mitte 2008 kursierte dann plötzlich ein Teaser-Trailer im Netz und eine Produktionswebsite ging mit dem Slogan: „Buy War Bonds!“online.  Ab 2009 wurden immer mehr Clips in Blogs, Social Communities und Foren verbreitet und per „crowdfunding“ konnten sich Fans finanziell an der Produktion beteiligen und auch Ideen liefern. Ende 2010 begannen dann tatsächlich die Dreharbeiten und das fertige Produkt hatten dann sein Weltpremiere am 11. Februar auf der diesjährigen Berlinale (!).

Die Schauburg zeigt den Film in einer Vorpremiere am Mittwoch, den 4. April ab 23:30 Uhr. Dies wird die einzige Vorstellung in der Schauburg sein. Danach landet er ab dem 5. April in Cinemaxx.

Die Vorpremiere findet mit der deutsch synchronisierten Fassung statt.

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Originalfassungen in Bremen: 29.03.12 – 04.04.12

Von , 29. März 2012 14:44

Wie auch in der letzten Woche hat das Cinemaxx zwei Filme im O-Ton im Angebot. Hinzu kommt eine Sneak Preview am Montag. Leider wieder fast parallel zur Schauburg. Will man hier partout Zuschauer abziehen oder weshalb zeigt man seine eigene Sneak Preview nicht an einem der sechs anderen zur Verfügung stehenden Tagen? So ist doch keinem geholfen. Im City 46 steht in dieser Woche alles im Zeichen des ägyptischen Filmfestivals. Die dort laufenden Filme habe ich ja bereits vorgestellt. Highlight der Woche ist für mich die neue Produktion aus dem Hause Aardman: „Die Piraten“.

Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen – Cinemaxx, Sa. und Di. um 17:15 –Die britischen Aardman Studios wurden weltberühmt mit ihrem Knetgummi-Späßen „Wallace & Gromit“ und „Shaun, das Schaf“. In ihrem neuen Kinofilm geht es um eine Bande Piraten, die die Wahl zum „Piraten des Jahres“ gewinnen wollen, aber eher liebenswert tollpatschig  als böse sind.

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Die Tribute von Panem – The Hunger Games – Cinemaxx, Do., Sa., Die. immer um 19:30 – Nachdem die „Saw“-Reihe endgültig ausgesägt hat, bracht Lionsgate dringend eine neues, erfolgreiches Franchise. Den Grundstein hierzu soll nun der Tennie-SF-Action-Streifen „The Hunger Games“ werden. Darin kämpfen Teenies gegeneinander in den sogenannten „Hunger Games“. Nur einer kann überleben. „Battle Royale“, anyone?

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Fetih 1453 – Cinemaxx,  Do., So., Di., Mi. um 22:00 und Fr. 22:15 – Immer noch im Kino: Episches, türkisches Bio-Pic über Fatih Mehmed II, der 1451 den Thron des Osmanischen Reiches besteigt und plant die byzantinische Enklave Konstantinopel (heute Istanbul) einzunehmen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 2.04. , 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 2.04., 21:45

Filmfestival „Ägypten und der Arabische Frühling“ im City 46

Von , 29. März 2012 14:09

Bereits gestern begann im City 46 das Filmfestival „Ägypten und der Arabische Frühling“. Noch bis zum 01.April laufen hier Filme aus Ägypten, die sich mit der aktuellen Lage im Land befassen. Besonders spannend dürfte hier die Dokumentation „Tahrir 2011 – The Good, The Bad and The Politician” sein, aber auch die zahlreichen Spielfilme aus dem, hierzulande fast vollständig unbekannten, ägyptischen Kino.

Im Januar 2011 führte die »Jasminrevolution« in Tunesien zu politischen Umbrüchen. Vom Nahen Osten bis nach Nordafrika feierten Systemgegner und einfache Bürger den »arabischen Frühling«, einem der wichtigsten weltpolitischen Ereignisse im vergangenen Jahr. Besonders in Ägypten gab es lange vor den Aufständen Filme, die gesellschaftliche und politische Missstände aufgezeigt haben. Mittlerweile haben neue Filme den Veränderungsprozess dokumentarisch oder als Spielfilm verarbeitet. Das Festival präsentiert diese Filme, die zum Teil noch nicht oder nur vereinzelt in Deutschland zu sehen waren, und einige der Filmemacher.

Das Festivalprogramm wurde zusammengestellt von Memo Salem und Karl-Heinz Schmid. In Kooperation mit dem Ägyptischen Konsulat Bremen, der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen, der EMA Hamburg und der Universität Bremen. Alle Filme laufen im Original, zumeist mit englischen Untertiteln.

Microphone – Spielfilm über einen jungen Ägypter, der aus den USA in sein Heimatland zurück kehrt und sich dort auf Entdeckungsreise durch den kulturellen Untergrund begibt.

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Heliopolis – Spielfilm vom selben Regisseur wie „Microphone“. Der Film begleitet sechs Menschen eine Nacht durch das Kairoer Viertel Heliopolis.

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Flaschenpost – Spielfilm. Ein Mann kehrt nach dem Tod seiner Mutter nach Alexandria zurück und muss bald feststellen, dass die Stadt sich geändert

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Der Reisende – Spielfilm mit Omar Sharif. Darin spielt er einen alten Mann, der sich an drei Tage in seinem Leben erinnert (1948, 1973 und 2001), die ihm als einzige bedeutungsvoll erscheinen.

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The Reluctant Revolutionary – Britische Dokumentation über einen Reiseführer, der im Yemen langsam anfängt gegen die Umstände aufzubegehren und sich der zögernd der Revolution anschließt

Syrien Undercover – Im Herzen der Revolte – Französischer Dokumentarfilm über die Revolution in Syrien. Vor dem Film gibt eine politische Einführung von Ivesa Lübben (CNMS – Centrum für Nah- und Mittelost-Studien, Marburg).

Das Auge der Sonne – Spielfilm um das Leben der 11jährigen Shams in Kario.

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Tahrir 2011 – The Good, The Bad and The Politician – Dokumentation dreier ägyptischer Filmemacher, die von Anfang an die Proteste auf dem Tahrir Platz mit der Kamera verfolgt haben.

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Zwei Frauen aus Ägypten – Spielfilm über zwei ledige Frauen, die bei dem Versuch einen passenden Ehemann zu finden die Schwierigkeiten und Härten der ägyptischen Gesellschaft am eigenen Leib erfahren müssen.

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Wann die Filme laufen, erfährt man auf der Homepage des City 46.

Weird Xperience im März: “Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies”

Von , 23. März 2012 11:23

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf die Filmreihe im City 46, die Stefan Mibs und ich heute abend wieder um 22:30 Uhr im City 46 präsentieren.

Diesmal zeigen wir einen echten Klassiker des italienischen Horrorfilms: Lucio Fulcis „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ aus dem Jahre 1979.

Der Film läuft als 35mm Kopie. Wer heute verhindert sein sollte, kann ihn sich den Film (ohne unsere Einführung) auch noch am morgigen Samstag,  um 22:30 oder am Montag, um 20:30 ansehen.

Mehr Infos zum Film und unsere Reihe gibt es hier: www.weird-xperience.de

Originalfassungen in Bremen: 23.03.12 – 28.03.12

Von , 23. März 2012 10:56

So wirklich üppig ist die Auswahl an Originalfassungen auf Bremer Leinwänden in der aktuellen Woche zwar auch nicht, aber Dank der „Rückkehr“ des Cinemaxx mit gleich zwei Filmen doch ergiebiger als in der Vorwoche. Für ihre Thatcher-Darstellung in „The Iron Lady“ gewann Meryl Streep den Oscar, was zumindest ein Grund ist, sich die von der Kritik eher lauwarm empfangene Polit-Biographie anzuschauen. Wer es etwas „krachiger“ mag, kann sich Denzel Washington als harten Ex-CIA-Agenten in „Safe House“ anschauen.

Die eiserne Lady – Cinemaxx, Sa. 17:00 und So., Mo. und Mi. um 19:30 – Biographie der britischen Premierministerin Margaret Thatcher, die für ihre knallharte Politik den Spitznamen „Eiserne Lady“ bekam und beim einfachen Volk nicht gerade beliebt war. Der Film beschäftigt sich auch mit ihren späten Jahren, in denen sie an Alzheimer erkrankte. Für ihre Thatcher-Darstellung wurde Meryl Streep umjubelt und mit dem Oscar ausgezeichnet. Der Film selber hat eher zwiespältige Kritiken erhalten.

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Safe House – Cinemaxx, So., 25.03. um 22:00 – Action-Thriller mit Denzel Washington und Ryan Reynolds. Washington spielt einen harten Ex-CIA-Agenten, der des Landesverrates beschuldigt wird und in einer geheimen CIA-Gefängnis festgehalten und gefoltert wird. Plötzlich steht eine Bande Söldner vor der Tür und würden gerne ein Wort mit dem Denzel sprechen. US-Debüt des schwedischen Regisseurs Daniel Espinosa.

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Fetih 1453 – Cinemaxx, Fr., Sa., Mo., Mi. immer um 22:00 – Episches, türkisches Bio-Pic über Fatih Mehmed II, der 1451 den Thron des Osmanischen Reiches besteigt und plant die byzantinische Enklave Konstantinopel (heute Istanbul) einzunehmen.

Sen Kimsin? – Wer bist Du? – Cinemaxx, So., 25.03. um 18:40 – Türkische Komödie um die Erführung eines jungen Mädchens.

Over your Cities Grass will grow – City 46, Fr.+Di. 20:30, Sa.-Mo. und Mi. 18:00 – Dokumentation der Schwester von Ralph und Joeseph Finnes, Sofie (The Pervert’s Guide to Cinema), über den deutschen Künstler Anselm Kiefer, der im südfranzösischen Barjac eine Industrieruine in ein Gesamtkunstwerk verwandelt.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 26.03., 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 28.03. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

24. März im City 46: Slapstick-Abend bei „Stummfilm plus zwei“

Von , 21. März 2012 20:14

Am Samstag, den 24. März 2012 um 20:30 Uhr  heißt es im City 46 wieder „Stummfilm plus zwei“.

Der Abend steht diesmal ganz im Zeichen des klassischen Slapsticks. Mit dabei sind die ganz Großen des Humors. Angefangen mit meinem Liebling Buster Keaton (den ich noch mehr als z.B. Chaplin schätze) mit dem Film „Cops“ von 1922. Dann kommen zwei Jungs, die in meinem Herzen einen ganz besonderen Platz haben: Laurel und Hardy. Gezeigt wird „The Finishing Touch“ von 1928.  Weiter geht’s mit einem Komiker, der heute leider kaum noch geläufig ist: Charlie Chase. Um zu sehen, was für ein komisches Genie er war – und wie modern er heute noch wirkt -, sollte man sich „Mighty like a Moose“ (1926) nicht entgehen lassen. Und zu guter Letzt schließt Harold Lloyd mit einer frühen Komödie von 1919, „Don‘t shove“, den Abend ab.

Ezzat Nashashibi, City46-Hauspianist und Initiator der Reihe, wird diesmal vom Schlagzeuger Martin Kruzig begleitet.

Martin Kruzig studierte klassisches Schlagwerk an der Hochschule für Künste in Bremen, Jazzschlagzeug bei Charlie Antolini und Rock/Popschlagzeug in Hamburg bei Udo Dahmen. Er spielte bereits in diversen Gruppen als Tour- und Studiodrummer (gegenwärtig ist er u.a. der Schlagzeuger der Band Neues Glas mit Axel Prahl (Tatort) und Dirk Schlömer ( TonSteineScherben )). Des weiteren wirkte er bei zahlreichen Theater- und Musical-Produktionen mit. Zur Zeit spielt er auch für das Theater Bremerhaven in der Produktion „39 Stufen“, wobei deutlich wird, dass er nicht nur als Schlagzeuger sondern auch als Geräuschemacher ausgesprochen vielseitig ist.

Bei „Stummfilm plus zwei“ empfiehlt es sich übrigens pünktlich da zu sein. Bei der letzten Vorstellung im Februar war der große Saal des City 46 nämlich bis fast auf den letzten Platz von Musik- und Stummfilmbegeisterten besetzt.

Endgültig: 19. Internationales Filmfest Oldenburg nur in abgespeckter Form und die 20. Ausgabe fraglich

Von , 20. März 2012 14:47

Jetzt ist es soweit. Gestern Abend stimmte die  rot-grüne Regierung der Stadt Oldenburg dafür, den im bisherigen Haushaltsplan festgelegten Zuschuss zum Internationale Filmfestival  Oldenburg von zuvor geplanten 95.000,- auf 50.000,- zusammen zu kürzen.

Ich kenne mich als Bremer in der Oldenburger Stadtpolitik nicht besonders gut aus. Ich frage mich aber ernsthaft, was da für Leute sitzen, die ein international renommiertes Festival in der Stadt haben, welches  überregionale Gäste anlockt und auch in der internationalen Fachpresse einen hervorragenden Ruf hat, und diesem dann so die Beine weg schießen. Ich bin häufig genug auf dem Filmfest in Oldenburg gewesen, um mir selber ein gutes Bild von dem Zuspruch zu machen, den das Filmfest genießt.

Die Begründungen der Stadt für die plötzliche Halbierung klingen abenteuerlich.  Da wird dem Festivalleiter Torsten Neumann plötzlich vorgeworfen, die Besucherzahlen von 15.000 schöngerechnet zu haben. Dann wird gesagt „Wenn wir in Oldenburg Schwierigkeiten haben, soziale Projekte zu fördern, aber 100 000 Euro ausgeben sollen, damit Prominente aus New York eingeflogen werden, müssen wir uns fragen, wofür wir stehen“  und dabei völlig unterschlagen, dass Prominente selbstverständlich auch Werbung für das Festival sind, Aufmerksamkeit erregen und die Besucher von außerhalb anlocken. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei einmal dahingestellt, aber so ist das nun einmal. Gäste gehören definitiv zu einem Festival und wenn es dann noch bekannte Filmemacher und Schauspieler sind, umso größer ist dann der Werbeeffekt.

Klar kann man sich dem Argument: „Opfer häuslicher Gewalt brauchen dringend Hilfe, und deren Organisationen haben nicht die Möglichkeiten, professionell Sponsoren zu werben – anders als das Filmfest.“ nicht verschließen.  Aber hat mal jemand daran gedacht, dass ein internationales Festival  auch Gelder in die Stadt holt, welche am Ende auch andere Organisation zugute kommen kann? In der Sendung „Journal“  im Nordwest-Radio, war heute Mittag die Rede davon, dass die Fördermittel durch die Ausgaben des Festivals und der Besucher zu 300% wieder zurück in die Stadt Oldenburg fließen. Dies könne auch anhand des Abschlussberichtes des Festivals, welcher jedes Jahr in der Kulturbehörde abgegeben wird, nachgeprüft werden. Dies habe, laut dem Bericht im Nordwest-Radio, aber keiner der Entscheidungsträger getan. Mehr noch, scheinbar kennt auch niemand diesen Bericht, denn wie sonst ist der Vorwurf des Fraktionsvorsitzende der Grünen zu verstehen Festivalleiter Neumann würde seine Zahlen nicht transparent machen.

Ganz abstrus wird es, wenn kritisiert wird, Neumann wäre dem Kulturausschuss die Antwort schuldig blieb, wo denn die Politik sonst kürzen solle. Als ob das nun die Aufgabe eines Festivalleiters wäre. Da kann ich dann wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln.

Um die Finanzlücke zu schließen, schlägt die Politik – außer der Suche nach einem Großsponsor – vor, die Ticketpreise um 2 Euro zu erhöhen. „Diese Summe verlangen wir sogar von Schülern, die Schulvorführungen im CineK besuchen“, sagte der SPD-Fraktionschef. Meiner Meinung nach sollte dann eher dort die Preise gesenkt werden, statt sie woanders zu erhöhen. So dass wirklich jeder die Möglichkeit hat ins Kino zu gehen und nicht nur eine privilegierte Schicht.

Wenn ich so die Berichte lese, dann scheint der Grund für die Kürzungen beim Filmfest ganz woanders zu liegen. Und zwar in den persönlichen Befindlichkeiten der Protagonisten. Man erinnere sich nur daran, wie vor zwei Jahren das Filmfest schon einmal von massiven Kürzungen betroffen war und daraufhin Festival-Leiter Neumann eine große Protest-Kampagne inszenierte, in deren Mittelpunkt die Tatsache stand, dass ein Teil der so eingesparten Fördergelder in die Errichtung eines Amphipienteiches fließen sollten. Dass darauf in der gestrigen Sitzung noch einmal Bezug genommen wurde („Und im Investitionshaushalt findet sich ein Posten von 25.000 Euro für den Bau einer festen Leiteinrichtung für Amphibien in Heidbrook – „das wird Herrn Neumann freuen“, sagt Bischoff(Anm.: SPD-Fraktionschef)  süffisant.) lässt eine tiefe Beleidigung der Politik durch die Aktionen des Filmfestes vor zwei Jahren durchblicken. Auch, dass das Filmfest auf seiner Facebook-Seite ihre Fans aufgefordert hat, ihre lokalen Politiker zu kontaktieren und sich bei diesen gegen die Kürzungen auszusprechen, goss wohl noch mal Öl ins Feuer und wurde als „Versuch, uns lahmzulegen“ bezeichnet.

So kann man sich der Überzeugung nicht verschließen, dass nicht das Filmfestival, sondern deren unbequemer und engagierter Leiter das Problem für die Politik ist. Nur aufgrund einer unterschwelligen Fehde zwischen ihm und den Leitern der rot-grünen Fraktion, wird das Filmfest nun von der Politik sabotiert. Dazu passt auch, dass SPD und Grüne auf die Drohung, Neumann wolle das Filmfest sterben lassen, wenn die Stadt nicht mehr zahle, gelassen mit dem Hinweis: „Wer zehn Mal droht, dem glaubt man nicht mehr“ reagieren. Klingt doch ein klein wenig nach purem Machtgehabe, oder?

Das Internationale Filmfest Oldenburg 2012 wird (wenn nun auch in abgespeckter Form) über die Bühne gehen. Für 2013 wünsche ich mir, dass Torsten Neumann seine Drohung in die Tat umsetzt, damit die Verantwortlichen endlich merken, was für ein Pfund sie da mit dem „ungeliebten“ Filmfestival eigentlich in der Hand haben. Damit es endlich unterstützt und nicht immer wieder neu zusammen gestutzt wird. Und vielleicht kann man ja auf Seiten der Festivalleitung wirklich mal darüber nachdenken, sich mit dem Bundesland Bremen zusammen zu tun und aus dem Oldenburger ein Oldenburger/Bremer Filmfestival zu machen. Dann wäre man nicht allein von der Stimmung im Oldenburger Ratshaus abhängig.  Auch wenn Bremen ebenfalls nie Geld hat, einen Versuch wäre es doch wert.

Originalfassungen in Bremen: 15.03.12 – 21.03.12

Von , 15. März 2012 16:26

Was für eine öde Woche. Das Cinemaxx zeigt bis auf eine Sneak Preview und zwei türkische Filme, die auch schon länger im Programm sind, gar nichts. Toll auch, dass die Sneak Preview wieder fast parallel zum altbekannten Termin der Sneak Preview in der Schauburg programmiert hat. Das ist wirklich sehr durchsichtig.

Auch in den anderen Kinos ist nichts wirklich interessantes zu entdecken. So ist das Highlight der Woche, mangels Alternative, tatsächlich das britische Drama „Made in Dagenham“ (irreführender deutscher Titel: „We Want Sex“) im City 46.

Sen Kimsin? – Wer bist Du? – Cinemaxx, Do., Sa.-Mi. 23:15, Sa. auch 17:10 und Mo. 19:30 – Türkische Komödie um die Erführung eines jungen Mädchens.

Fetih 1453 – Cinemaxx, Do.-Fr. 22:00 – Episches, türkisches Bio-Pic über Fatih Mehmed II, der 1451 den Thron des Osmanischen Reiches besteigt und plant die byzantinische Enklave Konstantinopel (heute Istanbul) einzunehmen.

Kairo 678 – Cinema Ostertor,  So. 18.03. 14:45 – Ägyptisches Drama um drei Frauen, die in Kairo täglich mit sexuellen Übergriffen und Unterdrückung zu kämpfen haben.

La Danse – Das Ballett der Pariser Oper – City 46, Do.,Mo. und Mi. 20:30, So. 18:00 – Dokumentation des berühmten Doku-Filmers Frederick Wiseman über das Ballet der Pariser Oper.

We Want Sex – City 46, Do. und Mo. 18:00, so. 21:00 – Der Originaltitel dieses Ende der 60er englischen Ford-Werk Dagenham spielenden Dramas lautet „Made in Dagenham“ und erzählt die wahre Geschichte von 187 Näherinnen, die geschlechtliche Gleichstellung und damit gleiche Löhne wie die Männer fordern.  Mit dem im deutschen Titel implizierten „Beischlaf“ hat das Ganze also überhaupt nichts zu tun. Das ist nur eine billige Masche des deutschen Verleihs , um möglichst viele Leute mit einem reißerischen Titel unter falschen Voraussetzungen ins Kino zu locken.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 19.03., 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 19.03., 21:45

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