Das Bloggen der Anderen (30-01-17)

bartonfink_type2– Das große Helden-Sterben geht weiter. Letzte Woche erwischte es den großen John Hurt, der so manchen auch durchschnittlichen Film mit seiner Gegenwart adelte. Der Kinogänger hat auf den Schauspieler, der so viel mehr als nur das erste Opfer des Alien war, einen schönen Nachruf verfasst.

– Im November haben wir im Rahmen unserer Bremer Filmreihe Weird Xperience den mexikanischen Film „We are the Flesh“ gezeigt und dieser hat so einige unserer Zuschauer leicht verstört. Warum dem so war, kann man auch bei Bluntwolfs Besprechung auf Nischenkino erahnen.

– Demnächst wollen wir dann vielleicht „The Eyes of my Mother“ zeigen, den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de recht lobt.

– Gerade auf Kinotournee ist er in guten und engagierten Programm- und Kommunalkinos gewesen: Das 165-minütige Mammutwerk „Marketa Lazarová“, welches als bester tschechischer Film aller Zeiten gilt (und das soll schon was heißen). Wolfgang Nierlin schreibt auf Filmgazette darüber. In Bremen lief der Film übrigens nicht.

– Wie einige ja wissen, bin ich nun schon seit längerer Zeit beim Printmagazin „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ aktiv. Daher freue ich mich ganz besonders, dass Hans Helmut Prinzler von unserer ersten Buchpublikum „Victor Sjöström – Film Can Be Art“ von Jens Dehn sehr angetan ist.

– Kaum ein Filmemacher polarisiert so sehr wie M. Night Shyamalan. Von denen einen als „One-Trick-Pony“ abgetan, von den anderen als konsequenter Auteur bewundert. Bianca gehört ganz entschieden zum zweiten Lager und begründet auf Duoscope ausführlich, warum dies so ist. Ich mag Shyamaan ja auch gerne (insbesondere “Unbreakable“), habe allerdings seit „Signs“, der mir damals – glaube ich – als einziger im Kinosaal gefiel, keinen Film mehr von ihm gesehen. Nach Biancas Text, habe ich aber Lust, dies zu ändern.

– Wer einmal einen Blick in die oscar-nominierten (oder auch nur generell für die Oscars eingereichten) Drehbücher werfen möchte, findet auf Digitale Leinwand entsprechende Links.

– Anna Wollner hat auf B-Roll ein Interview mit Mel Gibson über dessen neues Regie-Werk „Hacksaw Ridge“ geführt. Da liest man dann solche Sachen wie: „Man kann gar nicht anders als Krieg zu verabscheuen. Aber man muss den Krieger verehren. Die Leute, die für uns in die Schlacht ziehen.“  Sonja Hartl schreibt über „Spoiler“, und warum man sich da nicht so sehr drüber aufregen sollte. Was sicherlich nicht bei allen auf Zustimmung stößt. Und Simon Hauck und Joachim Kurz berichten vom Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken. U.a. über „Die Reste meines Lebens“ von Jens Wischnewski und dem Dokumentarfilm „Ohne diese Welt“ von Nora Fingscheidt.

– Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog ist derweil auf den 52. Solothurner Filmtagen unterwegs, wo er u.a. den sich sehr interessant anhörenden „Miséricorde“ von Fulvio Bernasconi.

– Auf Hard Sensations haben die Redakteure noch ihre Bestenlisten für 2016 abgeben. Ziemlich exzessiv und – bis auf Sebastian Selig – leider auch wieder vollkommen kommentarlos. Sebastian Selig hat auch eine wunderbar schwelgerische Ode auf den österreichischen Thriller „Die Hölle – Inferno“ verfasst. Und Silvia Szymanski hat es endlich geschafft, einen ausführlichen Bericht über das 3. Terza Visione zu schreiben, das vom 1. bis 3. April 2016 in Nürnberg stattfand. Und – natürlich – hat sich das lange Warte gelohnt und macht neugierig auf die vierte Ausgabe, die wohl im Juli stattfindet.

– Das Terza Visione stammt ja aus dem Kreis, der auch die Hofbauer-Kongresse auf die Beine stellt. Und eben dort sah Udo Rotenberg Rolf Olsens Komödie „Heubodengeflüster“, über die er auf Grün ist die Heide schreibt: „“Heubodengeflüster“ ist gleichzeitig Heimatfilm, Polit-Satire, Erotik-Komödie und platter Klamauk. Und liefert ein maßloses Vergnügen.“

– Rainer Kienböck stellt auf Jugend ohne Film die neunundzwanzigste Publikation der Schriftenreihe des Österreichischen Filmmuseums, diesmal zum filmischen Werk von Ruth Beckermann, vor.

– In meiner Kindheit waren die Filme von Harold Lloyd eine Konstante. Denn sie liefen immer Sonntags im gemeinsamen Vormittagsprogramm der ARD und ZDF. Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich kurz vor 10 vor dem Testbild saß und darauf wartete, dass das Fernsehprogramm endlich beginnt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wie gesagt, Harold Lloyd war damals – zumindest meiner Erinnerung nach – ein fester und von mir sehr geliebter Bestandteil dieser Sonntagvormittage. David schreibt auf Whoknows presents über Lloyds letzten Stummfilm, „Speedy“, der für ihn „sein wahrscheinlich puristischster Film (ist): ein Werk, das die Freude am Geschwindigkeitsrausch und die Glückseligkeit kleiner Momente zelebriert und zum eigentlichen Inhalt macht.“

funxton kümmert sich um zwei Filme des göttlichen David Lynch, die unterschiedlicher nicht sein könnten. „The Straight Story“ und „Mulholland Drive“.

– Christian zeigt sich auf Schlombies Filmbesprechungen (zu recht!) begeistert von Mario Bavas enorm einflussreichen Giallo „Blutige Seide“ und erinnert noch einmal an den zu unrecht fast vergessenen „Amazonen auf den Mond“, den ich auch unbedingt mal wieder anschauen muss.

– Michael Schleeh ist bodenlos enttäuscht von Dante Lams neuen Action-Reißer „Operation Mekong“, was er auf Schneeland näher ausführt.

– Drehbuchautor Robert Hummel erläutert auf out takes sehr plastisch und mit bitterem Humor, weshalb deutsche Filme oftmals so aussehen, wie sie aussehen.

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Blu-ray-Rezension: „Im Sumpf des Grauens“

Die Krankenschwester Jane Marvin (Beverly Garland) hat die Erinnerung an ihr altes Leben verloren. Unter Hypnose offenbart sie aber zwei Psychiatern eine schier unglaubliche Geschichte. In Wirklichkeit heißt sie Joyce Webster und war mit Paul Webster (Richard Crane) verheiratet. Dieser verschwand jedoch auf der Hochzeitsreise, nachdem er ein geheimnisvolles Telegramm erhalten hatte. Joyce macht sich daraufhin auf die Suche nach ihm. Diese führte sie in die kleine Stadt Bayou Landing, mitten im Sumpfgebiet von Louisiana. Hier kommt sie bald hinter die unheimliche Tragödie, welche Paul dazu zwang, unterzutauchen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Mit fast 60 Jahren Verspätung haben es die „Alligator People“ (so der Originaltitel von „Im Sumpf des Grauens“) endlich nach Deutschland geschafft. Im Rahmen der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ wurde dem Film extra eine deutsche Synchronisation spendiert, die sich durchaus hören lassen kann und weit entfernt ist von diversen Schnellschüssen anderer Labels. Für Qualität spricht hier schon der Name des für die Synchronisation zuständigen Autors. Bodo Traber ist nicht nur durch zahlreiche Texte zum Film (wie beispielsweise in der legendären „Splatting Image“), Booklets und Audiokommentare aufgefallen, sondern auch Autor vieler absolut hörenswerter Hörspiele für den WDR. Wer sich beeilt, kann sich noch immer kostenlos seine Co-Produktion mit Jörg Buttgereit, „Fungus – Pilz des Grauens“ legal aus dem WDR-Hörspielspeicher laden. Soviel Liebe und Mühe seitens des veröffentlichenden Labels kann gar nicht genug gelobt werden. Rechtfertigt es aber auch der Film?

Bei „Im Sumpf des Grauens“ handelt es sich um ein klassisches B-Movie, welches bei der Erstaufführung mit „Die Rückkehr der Fliege“ zusammengekoppelt wurde. Ungewöhnlich ist hierbei das Bildformat. „Im Sumpf des Grauens“ wurde in wundervollem Cinemascope gefilmt und erweckt so einen sehr viel „wertigeren“ (schlimmes Marketing-Wort, welches hier aber durchaus passt) Anschein, als ähnlich gelagerte Produktionen. Von der Handlung her orientiert sich „Im Sumpf des Grauens“ dann auch weniger an den preisgünstigen Horrorschockern, sondern ist mehr im Melodram beheimatet. Wenn auch dieses kräftig mit Science Fiction und dem generell zur Schwermut neigenden Monsterfilm durchmischt wird. So ist der nominelle Bösewicht hier auch mitnichten der zum „Alligator Menschen“ mutierende Paul Webster, sondern vielmehr der halb irre Manon, der an einen Sumpf-Ahab erinnert, einen unbändige Hass auf Alligatoren aller Art hegt, seitdem diese ihn seiner Hand beraubten. Doch nicht nur mit Alligatoren hat Manon so seine Probleme, auch sein überschäumendes Libido lässt ihn schon mal die Kontrolle über die guten Manieren verlieren. Demgegenüber ist der Mad Scientist – in reißerischen Filmen vielleicht ein Irrer mit Gottkomplex – hier ein herzensguter Kerl, der seinen Fehler wieder gut machen möchte.

Auch die anderen Figuren entpuppen sich nach und nach als Menschen, die sich umeinander sorgen und nur das Beste wollen. Frieda Inescorts Auftritt als Mrs. Lavinia Hawthorne wird zwar unheilvoll eingeleitet, aber bald schon stellt man fest, dass hier keine dunkle Seele am Werk ist, sondern ein starkes Mutterherz schlägt. Dementsprechend ist auch das „Monster“ ein lieber, fürsorglicher Ehemann, der seine geliebten Ehefrau den Schrecken der Wahrheit ersparen will. Der „Alligator-Mann“ wird von Richard Crane gespielt. Wirkt er in rein menschlicher Gestalt etwas zu grobschlächtig für seine zarte Mitspielerin Beverly Garland, so ist er doch die ideale Wahl für die Mensch-Alligator-Mutation im mittleren Stadium. Die brillante Maske, für die Dick Smith (der berühmt wurde mit seiner Arbeit für „Der Pate“ und „Taxi Driver“ und später einen Oscar für „Amadeus“ erhielt) verantwortlich zeichnet, passt ausgezeichnet zu seiner kantigen Gesichtsphysiognomie. Es ist nicht ganz klar, ob Richard Crane ein großer Schauspieler war, oder ob ihn seine Maske behindert hat. Aber seine Bewegungen haben etwas unbeholfen-schweres, was seine tragische Verwandlung glaubwürdig wirken lässt. Seine Auftritte sind das Highlight des Filmes, auch weil man sich an dem überzeugenden Aussehen des Alligator-Mannes kaum sattsehen kann. Diese stellen sogar noch Lon Chaney Jr.s euphorische Darstellung des Manon leicht in den Schatten.

In der Rolle der Joyce Webster zeigt Beverly Garland eine solide Darbietung. Sie sticht zwar nicht aus den unzähligen, ähnlich gelagerten Protagonistinnen der 50er-Jahre-B-Film-Heldinnen heraus, aber fällt auch nicht negativ aus. Einzig, dass sie für die Rolle etwas zu viel Hollywood-Charme mitbringt, kann ihr angelastet werden. Regisseur-Veteran Roy Del Ruth begann seine lange Karriere bereits 1920 mit komödiantischen Kurzfilmen mit dem heutzutage vergessenen Jack Cooper. „Im Sumpf des Grauens“ war 39 Jahre später sein vorletzter Kinofilm. Er verstarb zwei Jahre später im Alter von nur 67 Jahren an einem Herzinfarkt. Letzteren muss der Zuschauer bei „Im Sumpf des Grauens“ nicht befürchten. Del Ruth lässt ihn ganz unaufgeregt durch seinen Film gleiten, gibt ihm Zeit die schöne und atmosphärische Kameraarbeit von Karl Struss (auch seit 1920 im Geschäft) zu bewundern, und sich von der traumwandlerischen Stimmung tragen zu lassen. Erst zum Schluss gönnt sich Del Ruth ein dramatisches Feuerwerk und einen echten, fertig mutierten Alligator-Mann, der trotz aller Bizarrerie zu keiner Sekunde glaubhaft wirkt. Dieser sieht dann wirklich aus, wie ein Mann im zu engen Overall, was allerdings auch seinen eigenen, dem Film durchaus angemessenen Charme hat.

„Im Sumpf des Grauens“ ist ein kleines, durchaus charmantes B-Filmchen, welches seinen Fokus weniger auf Horror, als auf Melodram legt. Trotzdem werden auch Monsterfilm-Fans ihre Freude an dem sehr solide erzählten Werk haben, denn neben einem sehr präsenten Lon Chaney Jr., ist es besonders das Make Up des langsam immer mehr mutierenden „Alligator-Mannes“, welches im Gedächtnis bleibt und vollends für das eher lustige Aussehen des fertigen Alligatorenmenschen entschädigt.

Die Nummer 5 der „Rache der Galerie des Grauens“ steht seinen Vorgängern in nichts nach. Wieder merkt man die große Mühe, die sich alle Verantwortlichen gegeben haben. Das fängt mit der eingangs erwähnten, sehr gelungenen Synchronisation an (wobei der ebenfalls sehr klare Originalton etwas weniger steril wirkt), und geht mit dem zweifachen Audiokommentar weiter. Den ersten bestreiten Bodo Traber, Ingo Strecker und Alex Iffländer, die auch noch einmal eingehend auf die Synchronisation eingehen. Der zweite wurde – wie bei der Reihe schon Usus – von den Experten Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, sowie Anolis-Chef Ivo Scheloske eingesprochen. Ferner gibt es noch ein schönes 16-seitiges Booklet mit einem informativen Text von Ingo Strecker. Ansonsten gibt es an Extras noch den amerikanischen Trailer und eine Bildgalerie. Apropos Bild: Das Bild der Blu-ray ist für einen 60 Jahre alten Film schlichtweg atemberaubend. Sehr scharf, mit sehr guten Schwarzwerten, einem tollen Kontrast und dabei kein bisschen künstlich aussehend.

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DVD-Rezension: “King Kong gegen Godzilla“

Laut einer alten Legende aus Okinawa, soll wenn ein schwarzer Berg in den Bergen hoch über die Wolken hinaus ragt, ein Monster auftauchen und versuchen, die Welt zu zerstören. Als diese Prophezeiung eintrifft ist es zum allgemeinen Erstaunen Godzilla, der dort als Weltenzerstörer agiert. Erst zertrümmert Godzilla einige Häsuer, dann bringt er fast seinen alten Kumpel, den Igel-ähnlichen Anguirus, um. Doch schnell ist das Geheimnis gelüftet. Dieser Godzilla ist gar nicht der echte Godzilla, sondern ein riesiger Roboter namens „King Kong“ (zumindest in der deutschen Fassung), der von Außerirdischen hergestellt wurde, um ihnen zu helfen, die Erde zu unterjochen. Da hat die Menschheit Glück, dass bald schon der echte Godzilla auftaucht und sich schließlich zusammen mit Okinawas Schutz-Gottheit King Caesar dem stählernen Unhold stellt…

Im Angesicht der aktuellen Veröffentlichungen in Anolis vorbildlicher Kaiju-Classics-Reihe, fragt man sich ernsthaft, weshalb die 70er-Jahre-Godzilla-Filme solch einen schlechten Ruf besitzen.  Mit „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ (Review hier) im Jahre 1966 übernahm Jun Fukuda die Serie von ihrem Schöpfer Ishirô Honda und passte sie Schritt für Schritt den Sehgewohnheiten des jüngsten Publikums an. Was sich insbesondere in quietschbunten Filme mit nervigen halbwüchsigen Protagonisten niederschlug. Diese „Infantilisierung“ des geliebten Monsters, welches in den ersten Filmen noch eine echte Bedrohung war und nun langsam, aber sicher zum Cartoon-Helden und Kinderfreund mutierte, nehmen ihm viele heute noch sehr übel. Zudem war für Fukuda auch der nervtötende Kinderdarsteller obligatorisch, der dem neuen Zielpublikum als Identifikationsfigur angeboten wurde. Höhepunkt dieser Entwicklung war dann der herrlich kindische „King Kong – Dämonen aus dem All“ (Review hier), der entweder als Tiefpunkt der Serie oder schwer unterhaltsames Monstergekloppe auf Kindergartenniveau – was in diesem Fall gar nicht negativ gemeint ist – angesehen werden kann. Man kann von Fukuda halten was man möchte, seine Filme sind immer hübsch laut, bunt und sprechen das Kind im Manne (Frauen spielen hier immer nur eine stark untergeordnete Rolle) an.


Der schlechte Ruf von „King Kong gegen Godzilla“, gerade auf englischsprachigen Seiten, mag damit zu tun haben, dass der Film Übersee scheinbar eine legendär schlechte Synchronisation verpasst bekam. Demgegenüber werden einem in der deutschen Fassung zwar einige flapsige Sprüche entgegen geworfen, allerdings von sehr gut ausgebildeten und bekannte Sprechern wie Arne Elsholz, Thomas Danneberg oder Michael Chevalier. Für seinen fünften und letzten Godzilla-Film verzichtet Fukuda auf den kleinen, aufgeregten Monsterfreund, was viele Zuschauer sicherlich aufatmen lässt. Worauf er nicht verzichtet ist das ausufernde Spektakel, welches diesmal noch dadurch verstärkt wird, dass die Monster bunte Strahlen verschießen können und so für viele farbenfrohe Explosionen sorgen. Vielleicht dem Umstand geschuldet, dass der Horror- und Monsterfilm generell in den 70er Jahren viel von seiner Unschuld verloren hatte und mit sehr viel drastischeren Bildern aufwartete als es noch 10 Jahre zuvor der Fall war, haben sich in „King Kong gegen Godzilla“ auch einige überraschend blutige Szenen einschlichen, die man so aus der Serie bisher nicht kannte. Da wird Anguirus der Kiefer abgerissen und wenn „King Kong“ Godzilla attackiert, schwappt das Blut nur so aus unsere Helden heraus. Ein Anblick an den man sicher erst gewöhnen muss und der dann erst in der Heisei- und noch mehr in der Millenium-Staffel wieder aufgenommen wurde.


Godzillas Gegner hört in der deutschen Fassung – wie vor ihm schon der Roboter Jet Jaguar – auf den Namen „King Kong“. Ob man in Deutschland – wo der Film am 20. Dezember 1974 anlief – darauf spekulierte, dass er von dem damals erwarteten Erfolg des amerikanischen „King Kong“-Remakes, partizipieren könne oder einfach eine Kontinuität zum Vorgänger herstellen sollte (die 60er Filme waren ja in Deutschland durch einen imaginären „Frankenstein“ im Titel miteinander verbunden) sei dahingestellt. „King Kong“ ist in Wahrheit natürlich einer der populärsten Gegner Godzillas: Mecha-Godzilla. Mecha-Godzilla sollte noch in der Fortsetzung „Die Brut des Teufels“ auftauchen, sowie drei weitere Auftritte in späteren Staffeln haben. Und Mecha-Godzilla macht auch tatsächlich eine Menge Spaß, wie er immer neue Gadgets hervorzaubert und den echten Godzilla schwer zusetzt. Das dritte Monster im Film ist King Caesar, ein Mischung aus Drache und Kuschelhund. Der sieht erst mal lustig aus, hat aber einen durchaus ernsten Hintergrund. Denn King Caesar ist dem Beschützer der Insel Okinawa nachgebildet. Eben diese war bis zwei Jahre vor Dreh des Filmes von den Amerikaner besetzt und zum Armeestützpunkt gemacht worden. Infolge der Besetzung mussten viele Einwohner Okinawas, die eine eigenen Kultur und Sprache haben, zwangsweise nach Japan umsiedeln. Erst 1971 fiel die Insel wieder an Japan zurück. Man muss also nicht besonders stark nachgrübeln, für wenn die affengesichtigen Invasoren aus dem Weltall mit ihrer Superwaffe Mecha-Godzilla stehen. Japan und Okinawa werfen die Invasion zumindest mit vereinten Kräften zurück.


Die Affengesichter, die zum Vorschein kommen, wenn die Außerirdischen ihr Leben aushauchen, erinnern an die „Planet der Affen“-Masken, sehen allerdings sehr viel preisgünstiger aus. Auch fasst man sich als westlicher Zuschauer an den Kopf, wenn der große Showdown durch eine sich endlos ziehende Gesangseinlage hinausgezögert wird. Da wird manch einer gleich die große „Hahaha-Trash“-Keule rausholen. Auch kann man bemäkeln, dass die „böse Aliens wollen die Erde erobern“-Geschichte nach so vielen ähnlich gelagerten Godzilla-Filmen ziemlich ausgelutscht ist. Man kann sich aber auch entspannt zurücklehnen und das unterhaltsame Pulp-Spektakel (inklusive sinisteren und ultracoolen Geheimagenten mit Sonnenbrille und hochgeschlagen Trenchcoat-Kragen in XXL) einfach nur genießen. Denn eines ist der Film nicht: Langweilig. Da ist immer etwas los. Da wird jemand gefangen genommen, ist auf der Flucht oder legt sich mit den Affenmenschen aus dem Weltraum an. Und am Ende haben dann ja auch die Monster ihren großen Auftritt. Mission erfüllt.

Der Ruf der in den 70er Jahren unter der Regie von Jun Fukuda entstanden Godzilla-Streifen mag nicht der beste sein. Tatsächlich sind sie sehr viel bunter, kindischer und lustiger als jene Filme aus den 50er und 60er, für die noch Godzilla-Schöpfer Ishirô Honda verantwortlich war. Wer darüber hinwegsehen kann und sich ein junges Gemüt bewahrt hat, wird aber besonders mit „King Kong gegen Godzilla“ seine Freude haben. Insbesondere, da hier auf nervige Kinderdarsteller verzichtet wurde und mit Mech-Godzilla einer der coolsten Gegner Godzillas seinen ersten Auftritt hat.

Auch der neuste Eintrag in Anolis‘ Kajiu-Classics-Reihe hält das gewohnt hohe Niveau. Auf zwei DVDs liegt sowohl die deutsche, als auch die japanische Fassung des Filmes vor. Wobei sich die Unterscheide allein auf die Titel-Sequenzen beziehen. Ansonsten sind beide Fassungen diesmal identisch. Die Bildqualität ist gut, nur bei einigen wenigen Szenen hat man das Gefühl es könnte auch etwas schärfer sein. Der Ton ist gut und liegt auf deutsch und japanisch vor. Bei den Extras stechen zunächst einmal die drei (!) Audiokommentare hervor. Auf der Scheibe mit der deutschen Fassung findet sich der Audiokommentar von Thorsten Rosemann, in den ich leider noch nicht hineingehört habe. Auf der Scheibe mit der japanischen Fassung kann man Florian Bahr hören, der sehr konzentriert und faktenorientiert vorgeht, dafür aber auch ein Maximum an Informationen bereithält. Der zweite Audiokommentar hier wurde von Jörg Buttgereit, Ingo Stecker und Alex Iffländer eingesprochen wurde. Da geht zwar manches auch mal drunter und drüber, aber er ist auch amüsant, verbreitet gute Laune und wartet auch mit einigen interessanten Anekdoten auf. Weitere Extras sind eine 10-minütige Aufnahme, die Jörg Buttgereit auf einer Godzilla-Convention gefilmt hat, bei der sich jemand als Mecha-Godzilla verkleidet. Dann die alte Super-8-Fassung des Filmes (so etwas mag ich ja sehr gerne). Der deutsche, japanische und italienische Trailer, Werbematerial und eine ausführliche Bildergalerie. Nicht vergessen sollte man auch das sehr schöne und informative 20-seitge Booklet, welches einen Text von Ingo Strecker und ein Interview von Jörg Buttgereit mit dem Spezialeffekte-Mann Teruyoshi Nakano, dem Schöpfer von Mecha-Godzilla, enthält.

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Das Bloggen der Anderen (23-01-17)

bartonfink_type2– Noch eine weitere Nachlese zum 16. Hofbauer-Kongress. Critic.de widmet diesem ein sehr ausführliches Special. Mit Texten u.a. von Silvia Szymanski, Lukas Foerster, Till Kleinert (Regisseur des wunderbaren „Der Samurai“), Oliver Nöding und einigen mehr. Auch Alex Klotz führt seine Berichterstattung auf Hypnosemaschinen mit „Tag 2“ fort.

– Udo Rotenberg untersucht auf Grün ist die Heide einen Film an den ich noch viele schöne Kindheitserinnerungen habe: „Drei Mann in einem Boot“ mit unserem Lokalhelden Hans-Joachim Kulenkampff, dem unsterblichen Heinz Erhardt und dem immer noch sträflich unterbewerteten, aber wahnsinnige tollen Walter Giller.

– Werner Sudendorf setzt sich auf new filmkritik kritisch mit einem Film im Fahrwasser der „Halbstarken“-Welle der 50er auseinander: „„Jede Nacht in einem andern Bett“.

– Lucas Barwenczik schreibt auf B-Roll über die Kunst etwas zu zeigen, indem man es gerade nicht zeigt. Rajko Burchardt beschäftigt sich mit dem Phänomen Tyler Perry. Und Andreas Köhnemann führt ein Interview mit dem Regisseur Kenneth Lonerga.

– Von dessen Film „Manchester by the Sea“ ist Marco Mewes von Duoscope schwer begeistert.

Was einen sonst noch so Anfang 2017 im Kino erwartet, hat Christian Gertz von Mehrfilm einmal zusammengestellt.

– Christian Genzel schreibt auf Wilsons Dachboden über ein „gulity pleasure“ von mir und damit auch aus meinem Herzen: „Resident Evil“.

– M. Night Shyamalan ist wieder da. Sowohl Oliver Armknecht von film-rezensionen.de, als auch Sir Donnerbold von sdb-film schreiben darüber und es sehr interessant einmal beide Meinungen gegenüberzustellen. Auch wenn bei Beiden „Split“ gut wegkommt, so scheiden sich doch bei Shyamalan die Geister. Wobei ich etwas mehr im Donnerbold-Lager stehe.

– Etwas wo ich ganz allein auf verlorenem Posten stehe ist meine Meinung zu „Batman hält die Welt in Atem“, mit dem ich ganz und gar nicht warm werde. Da hilft auch totalschadens schöne Besprechung auf Splattertrash nichts.

Was macht man mit einem Nagelbrett, wenn man kein Fakir ist? Das fragt Manfred Polak auf Whoknows presents und die Antwort, die das Werbefilmer-Paar Alexandre Alexeïeff und Claire Parker nahebringt, ist wieder einmal sehr interessant.

– Was ich an Schlombie wirklich bewunderte ist es, dass er Filmemachern wie Jess Franco immer wieder eine Chance gibt, obwohl er mit der Mehrheit dieser Filme nichts anfangen kann. Bei „Sie tötete in Ektase“ (einen meiner Lieblingsfilme des spanischen Meisters) wurde er jetzt aber mal belohnt. Nachzulesen auf Schlombies Filmbesprechungen.

– Ricardo Brunn führt auf Filmgazette eine Gespräch mit dem Dokumentarfilmregisseur Andreas Voigt.

SciFifilme.net macht sehr neugierig auf einen Film, von dem ich bisher noch nichts gehört habe: André Farwagis „A Time To Die“ von 1970. Einem Film, der „einem Film, der sich in eine diffuse Lücke zwischen Science-Fiction, Mystery und Krimi setzt (und) sich von Anfang bis Ende wie ein aufregender Traum anfühlt (…)“. Gerade habe ich bemerkt, dass der mir vor einiger Zeit unbemerkt ins Haus flatterte. Dann werde ich mir den mal demnächst zu Gemüte führen.

– Aus derselben Quelle erreichte mich auch „The Satanist“ von Zoltan G. Spencer, der zu meiner riesigen Überraschung bei Christian Witte auf Witte’s wöchentliche Tipps vorgestellt und Liebhabern einschlägiger Ware empfohlen wurde.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 18 erhältlich

Etwas spät der Hinweis darauf, dass bereits seit Ende Dezember das neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erhältlich ist. Titelthema ist diesmal das deutsche Nachkriegskino, wozu ich einen langen Artikel über den Regisseur und Drehbuchautoren Will Tremper geschrieben habe. Eine ausgesprochen schillernde Gestalt und „ein unmöglicher Typ“.

TITELSTORY: DEUTSCHES NACHKRIEGSKINO
– Einführung: Das Kino unserer Großväter
– DIE MÖRDER SIND UNTER UNS – Aber wir haben die Pflicht Anklage zu erheben
– HILDEGARD KNEF – Geliebt, verdammt, verehrt
– HELMUT KÄUTNER – Vom Filmpoeten zum Gesellschaftskritiker
– WILL TREMPER – Ein unmöglicher Typ
– DER DEUTSCHE HEIMATFILM NACH 1945 – Ein Balanceakt zwischen Trivialität und filmhistorischer Relevanz

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Friedrich Wilhelm Murnau – Teil 4

A CHRISTMAS CAROL – Die Verfilmungen von Charles Dickens Erzählung

PSYCHOLOGIE DES HORRORS – Roger Cormans Edgar Allan Poe-Verfilmungen

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 1: Pfiffe in Cannes

RUBRIK: ORIGINAL & REMAKE – DIE SIEBEN SAMURAI / DIE GLORREICHEN SIEBEN

RUBRIK: ON SET – 2. CINEFONIE-TAG SAARBRÜCKEN

KOLUMNE: CINEMAZZURRO – DAS ZEHNTE OPFER

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – DER GOLEM

Heft #18 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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Das Bloggen der Anderen (16-01-17)

bartonfink_type2– Vorletztes Wochenende fand der 16. Hofbauerkongress statt und die Teilnehmer haben im Laufe der Woche fleißig davon berichtet. Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry sein Ranking der gesehen Filme veröffentlicht, Oliver Nöding beglückt uns daheimgeblieben auf Remember It For Later mit einer eingehenden Besprechung solcher Titel wie „Eva Nera“, „Heubodengeflüster“ oder „Verbotene Spiele auf der Schulbank“.  Und Alex Klotz fasst auf hynosemaschinen noch einmal seinen ersten Kongress-Tag zusammen.

– Im Martin Schmitz Verlag sind zwei (wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann) Filmbücher erschienen. Christian Keßlers „Das versteckte Kino“ und Markus Stigleggers „Grenzkontakte“. Hans Helmut Prinzler stellt beide Werke vor.

– Rochus Wolff schreibt auf Kinderfilmblog über die Kinderfilm-Highlights, die uns 2017 erwarten. Pflichtlektüre für cinephile Eltern.

– Ekkehard Knörer ärgert sich auf cargo gehörig über eine Arte-Doku über die „Berliner Schule“.

– Sven Safarow interviewt auf Eskalierende Träume den mir bisher unbekannten Filmemacher Lutz Dammbeck über sein Film-Essay „Overgames“.

– Patrick Holzapfel findet auf Jugend ohne Film neue Facetten an Roberto Rosselinis „Stromboli“.

– Auf B-Roll befasst sich Patrick dann sehr eingehend mit dem Phänomen der „Video-Essayisten“, laut Medien die „Superstars der Filmkritik“. Falk Straub reflektiert über den Status der US-Mainstream-Komödie und deren „Sturzflug“. Und Lucas Barwenczik fragt provokant: „Sind manipulative Filme etwas Schlechtes?“.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Hard Sensations den indischen Thriller „Psycho Raman“, der hierzulande gerade bei Rapid Eye Movies erschienen ist.

– Auch wenn sich Oliver Armknecht in seiner Besprechung des österreichischen Psycho-Thrillers „Die Hölle – Inferno“ nicht ganz so überzeugt anhört, so machen mich seine Zeilen auf film-rezensionen.de doch recht neugierig auf den neuen Film des Oscar-Gewinners Stefan Ruzowitzky.

– Oha, Andreas Dresen hat eine meiner schönsten und prägendsten (Horst Frank!) Kinder-TV-Erlebnisse neu verfilmt: „Timm Thaler“! Und diese laut Peter Gutting auf cinetastic auch sehr überzeugend. Bin gespannt.

– Noch ein Lieblingsfilm und früher Einfluss auf meine Filmleidenschaft: Howard Hawks‘ „Rio Bravo“. Neu gesehen von Simon Kyprianou auf Die Nacht der lebenden Texte.

– Und noch eine Kindheitserinnerung. Gesehen habe ich ihn damals nicht, aber den Titel in der TV-Zeitschrift gelesen und dabei wirklich gedacht, der Herr Graf würde hier ins Miniaturformat geschrumpften Damen nachstellen. Wie das dann aussieht und warum überhaupt war für mich kleinen Steppke damals eine großes Faszinosum. Heute weiß ich es besser, was „Mini-Mädchen“ sind. Totalschaden auf Splattertrash über „Dracula jagt Mini-Mädchen“.

– Morgenluft auf Cinematographic Tides über ihr Kinoerlebnis mit der „Taschendiebin“.

– Der nachfolgende Artikel fällt zwar etwas aus meiner Zeitschiene (der wurde nämlich schon in der vorletzten Woche veröffentlicht), da hatte ich ihn allerdings nicht entdeckt, sondern stolperte jetzt vorgestern zufällig drüber. Ich finde ihn aber so schön, dass ich ihn in dieser Woche einfach noch einmal mit aufnehme. Kinogucker war schon in jungen Jahren ein Kinofan und ärgerte sich 1984 maßlos darüber, dass in seiner damaligen Heimat die Filmvorführer den Film schon vor mit Einsetzen des Abspanns abwürgten. Also schrieb er damals an die größten Verleihe, was er dagegen tun könne und erhielt auch tastsächlich antworten. Diese hat er nun in seinem Blog online gestellt. Ein wundervolles Zeitdokument.

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Blu-ray-Rezension: „Das Grauen aus der Tiefe“

das-grauen-aus-der-tiefeIn dem beschaulichen Fischerdorf Noyo an der Westküste der USA passieren merkwürdige Dinge. Ein Boot fliegt scheinbar ohne Grund in die Luft und unschuldige Hunde werden bestialisch abgeschlachtet. Schließlich verschwinden noch einige junge Menschen. Der Mob der Stadt unter Führung des rassistischen Hank Slattery (Vic Morrow) machen Johnny Eagle (Anthony Pena), einen Indianer, für die Vorfälle verantwortlich. Johnny behauptet jedoch, ein fischähnliches Monster gesehen zu haben. Bald schon macht er sich zusammen mit Dr. Susan Drake (Ann Turkel) und seinem Freund Jim Hill (Doug McClure) auf die Suche, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Schnell werden sie fündig und bekommen heraus, dass die Fischmonster genmanipulierte Lachse gegessen haben und zu menschenähnlichen Wesen mutiert sind, die sich fortpflanzen wollen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Die 80er Jahre haben viel hervorgebracht, was in den ach so coolen 90ern verlacht wurde, sich heute aber wieder seinen Platz in den Herzen der Filmfreunde zurückerobert. Insbesondere der B-Film der frühen 80er erfreut sich wieder einer großen Beliebtheit. Und ein hervorragendes Beispiel für eben diese B-Filme ist der unglaubliche „Das Grauen aus der Tiefe“, dessen Originaltitel „Humanoids from the Deep“ wie ein Misfits-Song klingt. Produziert wurde dieser kleine Kultfilm von der Legende Roger Corman für seine damalige Produktionsgesellschaft New World Pictures. Die Regie übernahm überraschenderweise eine Frau – zumindest offiziell, dazu später mehr – und die Darstellerriege wird vom alten Cowboy Doug McClure angeführt, dessen besten Jahre damals auch schon etwas zurücklagen. Und es geht um Fischmonster aus dem Meer, die an Land junge, hübsche Mädchen jagen und vergewaltigen. Also ein Stoff, aus dem Exploitation-Träume sind. Dementsprechend erfolgreich war der Film dann auch. So erfolgreich, dass 1996 sogar ein Remake folgte.

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Zunächst einmal klaut sich „Das Grauen aus der Tiefe“ durch die Filmgeschichte. Gleich der Anfang erinnert mit seinen Kameraeinstellungen und der Musik frappierend an „Der weiße Hai“, die frauenverrückten Fischwesen sind natürlich Verwandte des „Schreckens vom Amazonas“, die Umweltproblematik hat man schon in „Piranhas“ und „Die Prophezeiung“ gehabt, die Hinterwäldler kennt man aus Filmen von „Wer Gewalt säht“ bis „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und am Ende guckt noch das „Alien“ vorbei. Aber das stört alles nicht, sondern macht ganz im Gegenteil den Charme dieses kleinen, schmutzigen B-Films aus, der vor allem auf ein setzt: Blut und Titten. Letzteres dürfte aber nicht auf dem Mist seiner Regisseurin Barbara Peeters gewachsen sein. Wenn man den Ausführungen der Beteiligten in den Making-Ofs Glauben schenkt, ist „Das Grauen aus der Tiefe“ ein Fall von Zwei-Filmen-in-Einem. Während Peeters einen sehr straighten und düsteren Monsterfilm mit dem Titel „Beneath the Darkness“ drehte, schickte Corman ein zweites Team unter der Führung von Jimmy T. Murakami los, welchen einen komplett anderen Film dreht, der sehr viel mehr mit hemmungsloser Exploitation zu tun hatte. Als Barbara Peeters das Ergebnis sah, welches Cutter Mark Goldblatt (später Regisseur des Lundgren’schen „Punisher“) aus den beiden Elementen zusammengefrickelt hatte, war sie entsetzt. Neben den extrem blutiger Monster-Angriffen im Schutze der Nacht, gab es jetzt auch plötzlich noch Szenen, in denen die Fischmonster am helllichten Tag ihren knackigen, jungen, weiblichen Opfern den Bikini vom Leib rissen und sich um die Fortpflanzung kümmerten. So wild das Ergebnis dies Mash-Ups auch war, Corman landet damit einen Hit.

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Für einen jungen James Horner, der sich später zu einem der größten Filmkomponisten Hollywoods mauserte und für „Titanic“ den Oscar gewann, war „Das Grauen aus der Tiefe“ die erste größere Arbeit. Seine Musik verlieht dem Geschehen eine epische Ernsthaftigkeit, die fast gar nicht zu dem Geschehen auf der Leinwand passen will, dieser aber auch nach weit mehr aussehen lässt. Geschickt verwendet Horner auch Motive aus den Vorbildern bei denen sich „Das Grauen aus der Tiefe“ bedient. Geschäftsmann der er ist, verwendete Corman Teile des edlen Scores dann auch in späteren Produktionen. Was auch für einige Action- und Monsterszenen gilt, die dann teilweise in „Der Vampir aus dem All“ auftauchen. Mit seinen gerade Mal 80 Minuten lässt „Das Grauen aus der Tiefe“ auch keine Langweile aufkommen. Ständig ist was los. Es gibt Schlägereien, fiese Brandanschläge, es wird sich beim Slasherfilm bedient und wenn schließlich die Monster beim großen „Lachsfest“ zuschlagen, sorgt Daniel Lacambres gute Kamera und Mark Goldblatts Talent als Cutter dafür, dass die drei Männer in Gummikostümen aussehen wie eine Armee Fischmenschen.

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„Das Grauen aus der Tiefe“ ist ein 80er-Jahre-B-Film at it’s best. Eine abstruse Handlung, die ordentlich aus anderen Filmen zusammen klaut, viel Sex, deftige, handgemachte Effekte und das alles sauber mit einigen Veteranen in den Hauptrollen inszeniert. Das macht Spaß und weckt nostalgische Gefühle.

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Die Luxus-Ausstattung, die OFDb Filmworks diesem Film angedeihen ließ, ist fast schon zu edel für dieses kleine, aber feine B-Filmchen. Auf drei Scheiben finden sich neben dem Film auf Blu-ray und DVD zahlreiche Extras. Der Film selber hat gleich zwei Audiokommentare spendiert bekommen. Einen vom Cutter Mark Goldblatt und einen vom bewährte Team Kai Naumann & Marcus Stiglegger. Ein sehr informatives „Making Of“ strotzt nur so vor Anekdoten und bringt in seinen nur 23 Minuten ein Maximum an Wissenswertem unter. Ferner gibt es noch zwei Featurettes mit Sound Designer David Lewis Yewdall (15 Min.) und Creature Effects Artist Steve Johnson (22 Min.), die beide auf sehr unterhaltsame Weise nicht nur ihre Spezialbereiche näher beleuchten, sondern auch etwas über ihren Werdegang und die ihre Arbeit an sich erzählen. Wie schon bei „Thief“ hat sich OFDb Filmworks auch hier eine einstündige Episode der Reihe „The Directors“ gesichert. Diesmal handelt sie von Roger Corman. Neben einem sehr kurzem Interview von Leonard Maltin mit Roger Corman (knapp vier Minuten), gibt es noch Trailer, TV-Spots und sonstiges Werbematerial. Des weiteren liegt noch ein 16seitiges Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch bei, der sich allerdings weniger um den Film als vielmehr um die „Beach Party“-Serie aus den 60ern dreht. Auch wenn „Horror of Beach Party“ an einigen Stellen immer wieder als Vorbild für „Das Grauen aus der Tiefe“ genannt wird, halte ich diese Verbindung und vor allem die Beschäftigung mit der Serie für etwas weit hergeholt. Kann man aber machen. Bild und Ton lassen keine Wünsche übrig. Das Bild hat einen sehr hübschen 80er-Look, wie man es von den preisgünstigen Produktionen bis zum Mitte des Jahrzehnts kennt. D.h. das Bild ist etwas dunkel und körnig, hat aber satte, wenn auch etwas dunklere Farben. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, ist gut zu verstehen und in orignialen 2.0 Stereo belassen. D.h. er kommt nur von vorne.

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Das Bloggen der Anderen (09-01-17)

bartonfink_type2Frohes Neues Jahr liebe Leser. Nach einem kurzen Winterschlaf bin ich mich wieder aus meiner Höhle gekrochen und habe mich umgesehen, was die Kollegen so in der Zwischenzeit getrieben haben.

– Da sind natürlich erst einmal die vielen Rückschauen auf 2016, sowie einige Vorschauen auf 2017. Bei der folgenden Übersicht habe ich nur Berücksichtigt, was seit dem 1. Januar veröffentlicht wurde. Da einige Blogs sicherlich noch im alten Jahr ihre Listen veröffentlicht haben, bitte ich es daher zu entschuldigen, wenn aufgrund des zeitlichen Rahmens nicht jeder auftaucht. Mein Lieblingsjahresrückblick (und gleichzeitig der ausführlichste) stammt von David, der auf Whoknows presents nicht nur von seinen schönsten und schlimmsten Kinoabenteuern berichtet, sondern auch zu den vielen Filmen in seinen Liste kurze persönliche Statements zum wieso, weshalb und warum gibt. Ebenfalls sehr gelungen finde ich den Rückblick von Bianca und Marco auf Duoscope, die kurzerhand das Filmjahr 2016 interviewen. Schöne Idee. Ebenfalls sehr ausführlich geht Christian Witte von Witte’s Wöchentliche Tipps zu Werke. Da gibt es auch viel und interessantes zu Lesen. Sehr viel Mühe hat sich auch Flo Lieb von symparanekronemoi gegeben, der nebens einen persönlichen Top10 auch noch einen Überblick über die erfolgreichsten Filme in diversen Ländern gibt. Short Cuts Totale führt eine kommentierte Top 53 auf. Viel kürzer geht es dann auf Kuleschow-Effekt zu. Wobei ich mich hier bei der Nr.1 der Flops ziemlich verschluckt habe. „Ich – ein Groupie“? Top-Flop? Puuuhh… durchatmen. Auch Sir Donnerbold von sdb-film macht sich seine Gedanken über das abgelaufene Filmjahr. Wer es mag: Liste, Listen. Listen. Mal mit, mal ohne Einführung, immer ohne Kommentar, manchmal das Komplettprogramm des Jahres, manchmal auf Top 10 beschränkt: Eskalierende Träume. Kurz und knackig bei Sebastian vom Magazin des Glücks und einen Tick länger bei Michael von Schneeland. Kurze Entdeckungen 2016 von den Drei Cineasten.  Auch Hans Helmut Prinzler sortiert seine Filme des Jahres 2016 und die besten Filmbücher. Sascha von PewPewPew gibt schon mal einen Überblick, worauf er sich in 2017 filmisch freut. Bei Okaeri gibt es eine Liste mit den wichtigsten Terminen, was Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Japan/Asien es 2017 gibt. Und film-rezensionen.de veröffentlicht die Black List der besten unverfilmten Drehbücher 2016.

– Der wichtigste und spannendste Artikel in dieser Woche stammt für mich von Urs Spörri und wurde auf B-Roll veröffentlicht. Er handelt von der Frage, ob Filmfestivals in Deutschland wichtiger denn je sind. Gerade vor dem Hintergrund, dass es in Bremen noch immer kein „richtiges“ Filmfestival gibt, finde ich die Antwort auf diese Frage sehr erhellend. Andreas Köhnemann beschäftigt sich anlässlich von Tom Fords Film „Nocturnal Animals“ mit dem „shabby chic“ des neuen „cinéma du look“.

– Vergangenes Wochenende war wieder „Hofbauer-Kongress“ in Nürnberg und dies schlägt sich ja auch immer auf die Inhalte einige Filmblogs nieder. So hat Lukas Foerster auf Dirty Laundry über Joe D’Amatos dort gezeigten Film „Dirty Love“ geschrieben.

– Und auf Eskalierende Träume gab es Vorschauen auf die Filme „Mit der Pille umso toller“ (Text von Oliver Nöding) und „Sytrtaki – Erotik ohne Maske“ (Text vom hofbauer-Kommando).

„Arschgesichter, Disneykinder und poetische Überschüsse – Die Filme von Brian Yuzna und Stuart Gordon“ heißt das wunderbare Dossier auf filmgazette, welches Nicolai Bühnemann mit Hilfe von Lukas Foerster und Jochen Werner erstellt hat. Eine ganz große Leseempfehlung!

– Patrick Holzapfel schreibt: „Im Rahmen der Schau Last Silents im Filmarchiv Austria kam es zu einer tragischen Begegnung zwischen dem Licht und dem Schatten in Jean Grémillons Gardiens de phare. Es ist ein Film, der im enthusiastischen Dialog mit dem Aufbruch im französischen Kino jener Zeit steht (nicht umsonst heißt der Autor des Drehbuchs Jacques Feyder und einer der begeistertsten Kritiker Marcel Carné) und der die avantgardistischen und realistischen Strömungen dieser Zeit in einen dramatischen und abstrakten Strudel verdichtet.“ Mehr auf Jugend ohne Film.

– Michael Schleeh ist begeistert von Park Chan-wooks „The Handmaiden“. Warum, das schreibt er auf Schneeland.

– Vitellone empfiehlt auf Die drei Muscheln ebenfalls einen südkoreanischen Film: „The Wailing“, ein „düsteres Potpourri (…) (der) zahlreiche Elemente des Dramas, sowie des Horror-, Mystery- und Thrillergenres (bedient)“.

– Seitdem ich die empfehlenswerte Doku „Wadd: The Life and Times of John C. Homes“ gesehen habe, wollte ich mir immer mal die „spielfilmvariante“ „Wonderland“ mit Val Kilmer ansehen. Habe ich leider nie geschafft. Aber wie Christian Genzel auf Wilsons Dachboden schreibt, habe ich da jetzt auch nicht so viel verpasst.

– Marco von Duoscope ist sehr von dem gerade in den Kinos laufenden „Passengers“ verärgert. Was er unter der Überschrift „Rape-Culture im All“ näher ausführt.

– „Manipulative Dokumentarfilmer beschweren sich über einen manipulativen Dokumentarfilmer. So in etwa kann man „Manufacturing Dissent – Michael Moore auf der Spur“ bezeichnen“ meint Christian auf Schlombies Filmbesprechungen, und das wäre auch gleichzeitig das Interessante an diesem Film.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf L’amore in città mit „l boom“ von Vittorio De Sica, dem leider trotz (oder gerade aufgrund?) seiner Bissigkeit kein Erfolg beschieden war.

– Normalerweise sind TV-Serien auf diesen Seiten tabu. Aber manchmal mache ich auch Ausnahmen. Diesmal sogar zwei. Zunächst sei hier der Hinweis erlaubt, dass sich Oliver Nöding auf Remember It For Later durch den frühen „Derrick“ arbeitet.

– Und dann hat sich LZ auf screen/read mit einem der großen Helden meiner Kindheit beschäftigt: Captain Future!

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Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2016

Es war ein merkwürdiges Jahr. Ich war ja sicher, dass nach dem für mich sehr schwierigen 2015 das neue Jahr Glück bringen wird. Schließlich sind die geraden Jahre bei mir in der Regel immer gute Jahre gewesen. Der überraschende Tod eines meiner großen Helden, David Bowie, am 10. Januar, war ein Vorzeichen dessen, was da noch alles kommen sollte. Nie werde ich den Augenblick vergessen, als ich von seinem Tod erfuhr. Es war so ein unwirklicher Moment. So wie der, als es am 21. April meinen anderen Musik-Gott erwischte: Prince. Da war es nur folgerichtig, dass der Schnitter am 7. November auch noch Leonard Cohen holte, der mich einst mit seiner Songs durch eine dunkle Zeit begleitete. Mit den ganzen Verlusten im Filmbereich will ich gar nicht erst anfangen. Dafür sind zu viele. Nur zwei, die mich sehr berührt haben, seien hier trotzdem erwähnt: Der große Andrzej Żuławski und natürlich Bud Spencer. Die ganzen humanitären und politischen Katastrophen machen eigentlich auch nicht gerade Mut für die Zukunft.

Für mich selber war es auch kein einfaches Jahr. Die ganzen Umstände um den Hauskauf und den ganzen bösen Überraschungen, die damit einher gingen, ließen mich mehr als einmal zutiefst verzweifeln. Aber es gibt auch gute Dinge. Die Kinder sind gesund und beruflich hat sich die erzwungene Veränderung des letzten Jahres als ausgesprochen positiv herausgestellt. Jetzt macht der Job direkt wieder Spaß. Mal sehen, was das nächste Jahr bringt. Ich sehe für meine persönliche Situation auf jeden Fall nicht mehr ganz so schwarz, wie noch vor genau einem Jahr.

Wie jedes Jahr, schaue ich auf diesmal wieder zurück, was ich mir letztes Jahr an dieser Stelle vorgenommen habe. „Mehr Gedrucktes“ war einer meiner Vorsätze. Nun, bei „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ habe ich regelmäßig Artikel geschrieben. Darunter sind einige, auf die ich recht stolz bin. Mittlerweile bin ich dort auch „stellvertretender Chefredakteur“ geworden, was sich jetzt aber weitaus bedeutungsvoller anhört, als es ist. Trotzdem war es mit der „35 Millimeter“ ein sehr aufregendes Jahr und viele Dinge haben mich lange beschäftigt. Dann gab es noch ein Booklet-Projekt, bei dem ich nicht weiß, ob ich schon drüber sprechen kann. Wenn es soweit ist, werde ich hier aber berichten, worum es sich handelte. Etwas enttäuscht bin ich darüber, dass das Fulci-Buch, zu dem ich vorletztes Jahr zwei Artikel beigesteuert habe, nach einem Jahr noch immer nicht veröffentlicht ist. Aber vielleicht tut sich da ja im nächsten Jahr irgendwann mal was. Für 2017 habe ich mir jetzt vorgenommen, ein größeres Buch-Projekt, welches ich vor vier Jahren auf Eis gelegt hatte, wieder aufzutauen. Einen ersten Schritt habe ich schon gemacht, jetzt warte ich mal ab, was sich da entwickelt.

Viel Freude hat wieder Weird Xperience bereitet. Zweimal (bei „Der Bunker“ und „Turbo Kid“) waren wir sogar nahezu ausverkauft. Dafür waren bei anderen Vorstellungen (wie bei „True Love Ways“) auch mal nur drei zahlende Gäste da. Aber die Reihe macht Stefan und mir noch immer viel Spaß, und die Zusammenarbeit mit der etage3 im Lagerhaus ist auch ausgesprochen herzlich. Das Highlight war in diesem Jahr natürlich wieder das Open Air am Schlachthof, wo bei den beiden „Weird Xperience“-Tagen– trotz düsterer Vorzeichen – auch das Wetter mitgespielt hat. Das Open Air hat immer eine ganz besondere Atmosphäre und bringt uns regelmäßig mehr Gäste als ein ganzes Jahr regulärer Vorstellungen. Das macht Spaß! Vor allem, wenn man so tolle Gastgeber wie das Team von der Schlachthof Kneipe hat. Apropos: Danke auch wieder an Stefan, ohne den das ganze Ding nicht so toll laufen würde. Für 2017 haben wir auch schon so einiges geplant. So wird es im ersten Halbjahr drei Kooperationen gebe, über die dann in den nächsten Tagen auf der Homepage von „Weird Xperience „berichten werden.

Meine zwei cineastischen Höhepunkte waren auch 2016 wieder das Internationale Filmfest in Oldenburg und das siebte Deliria-Italiano-Forentreffen. In Oldenburg habe ich zwar nicht Nicolas Cage (oder Amanda Plummer), dafür aber einige hervorragende Filme gesehen. 2016 war ein sehr guter Jahrgang, was die Oldenburger Filmauswahl angeht. Und auch die Atmosphäre war wieder „kuscheliger“ als im Vorjahr. Mit Deliria Italiano waren wir dieses Jahr in Düsseldorf zu Gast. Und es war mal wieder traumhaft. Auch wenn der eine oder andere diesmal schmerzlich vermisst wurde, so waren wir am Ende doch noch einmal mehr als in Wien 2015. Es ist schon der Wahnsinn, dass sich zu diesem Event immer so viele nette, umgängliche und interessante Menschen einfinden. Das gibt doch Hoffnung, dass die Welt nicht ganz so schlecht ist, wie sie immer tut.

Der Blog hier lief 2016 nicht ganz so, wie ich es mir gewünscht habe. Seit Mitte Januar liegen die Besucherzahlen bis auf wenige Ausreißer konsequent unter denen des Vorjahres. Am Ende waren es 16% weniger Besucher, die sich auf dem Filmforum Bremen umschauten. Woran das liegt?  An den längeren Auszeiten, die ich mir gegönnt habe und damit daran, dass ich 2016 im Zeitraum Januar bis November gerade mal 95 Artikel gepostet habe. Im Vorjahr waren es 140. 32% weniger Artikel = 16 % weniger Besucher. Das macht Sinn. Da ich optimistisch davon ausgehe, dass 2017 mein Privatleben etwas ruhiger wird, werden es hoffentlich auch wieder mehr Artikel werden. Vor allem eine Rubrik möchte ich ausbauen, die bei der Entstehung dieses Blogs vor 8 Jahren ganz weit im Vordergrund stand, aber über die Jahre von mir immer mehr vernachlässigt wurde: Die Bremer Kinowelt. Der Blog heißt ja nicht umsonst Filmforum BREMEN. Hier muss ich mich selber etwas treten, dass ich rechtzeitig über interessante Events und Neuigkeiten informiere.

Bei der Recherche zu diesem Jahresrückblick habe ich festgestellt, dass ich in diesem Jahr 156 Filme gesehen habe. Das sind 24 mehr als letztes Jahres, als ich so wenig sah, wie wahrscheinlich noch nie seit Kindesalter. Dabei hatte ich gedacht, ich hätte dieses Jahr 2015 noch unterboten. Regulär im Kino (Festivals, spezielle Events und Weird Xperience mal ausgenommen) war ich genau zweimal. Bei „The Hateful Eight“ und „The Forbidden Room“. Und ja, ich finde das auch extrem traurig. Dementsprechend habe ich auch kaum aktuelle Filme gesehen. So ist meine Liste für 2016 auch recht schnell zusammengestellt. Wie im Vorjahr fasse ich darunter mal alles zusammen, was aus den Produktionsjahren 2015 und 2016 stammt. * Eine Ausnahme ist „Remake, Remix, Rip-Off“, der von 2014 ist, aber meines Wissens nach erst in diesem Jahr in die Kinos/das Fernsehen kam.

Top 10 aktuelle Filme (Produktionsjahr 2015/2016)

  1. Der Bunker (Nikias Chryssos, 2015) – meine Besprechung
  2. Remake, Remix, Rip-Off (Cem Kaya, 2014)*
  3. The Forbidden Room (Guy Maddin, 2015)
  4. Under the Shadow (Babak Anvari, 2016) – meine Besprechung
  5. The Hateful Eight (Quentin Tarantino, 2015)
  6. The Apprentice (Emre Konuk, 2016) – meine Besprechung
  7. She’s Allergic to Cats (Michael Reich, 2016) – meine Besprechung
  8. Turbo Kid (François Simard/Anouk Whissell/Yoann-Karl Whissell , 2015)
  9. Demon – Dibukk (Marcin Wrona, 2015) – meine Besprechung
  10. The Love Witch (Anna Biller, 2016) – meine Besprechung

Top 10 ältere Filme (nur Erstsichtungen)

  1. Große Freiheit Nr. 7 (Helmut Käutner, 1944)
  2. Die endlose Nacht (Will Tremper, 1963)
  3. Die Freunde der Freunde (Dominik Graf, 2002)
  4. A Snake of June (Shin’ya Tsukamoto, 2002)
  5. Thief (Michael Mann, 1981) – meine Besprechung
  6. Ida (Pawel Pawlikowski, 2013)
  7. Super (James Gunn, 2010)
  8. Die Unsterbliche (Alain Robbe-Grillet, 1963)
  9. St. Pauli zwischen Nacht und Morgen (José Bénazéraf, 1967)
  10. Heiße Grenze (Robert Parrish, 1959)

Da ich von jedem Regisseur nur einen Film in der Top 10 haben wollte, fielen einige Tsukamotos und Grafs, sowie der tolle „Playgirl“ von Tremper leider unter den Tisch.

Das war es mit 2016. Letztes Jahr schrieb ich: „Ich strecke diesem Jahr den Mittelfinger entgegen und breite meine Arme aus, um 2016 in Empfang zu nehmen“. Diesmal bin ich vorsichtiger und hoffe einfach nur, dass 2017 für uns alle ein gutes Jahr wird. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ich wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Buch-Rezension: Armin Junge “Banzai! Japanese Cult Movie Posters“

banzai_cover_frontalIch habe ein Faible für Filmplakate. Wenn mich meine Frau lassen würde, wäre das ganze Haus damit tapeziert. Lässt sie mich aber nicht. Darum muss ich meiner Leidenschaft anderweitig frönen. Glücklicherweise gibt es ja einige Bücher, die sich dem Thema Filmplakat verschrieben haben und in denen man diese wundervollen Kunstwerke in Ruhe betrachten kann. Mein liebster Schatz ist da das voluminöse und schwere „The Art of the Modern Movie Poster: International Postwar Style and Design“, welches einst bei Thalia auf dem Grabbeltisch lag.

Aber auch der Verlag Creepy Images hat sich hier schon oft verdient gemacht. Das wohl weltweit einzige Fanzine, das sich ausschließlich seltenen Plakaten und Aushangfotos der 60er, 70er und 80er Jahre widmet, hat bereits 2012 ein wundervolles Buch mit dem Titel „Muchas Gracias, Senor Lobo“ herausgebracht, welches Filmplakate und Aushangfotos aus aller Welt versammelt, die eines gemeinsam haben: Sie werben für einen Film mit dem spanischen Horrordarsteller Paul Naschy. Nun ist ein weiteres Filmbuch bei Creepy Images erschienen. Der Name: „Banzai! Japanese Cult Movie Posters“ von Armin Junge. Wie der Titel schon verrät handelt es sich hier um eine umfangreiche Sammlung japanischer Filmposter. Wer nun erwartet, nur die Poster japanischer Filme vorzufinden wird angenehm überrascht. Einen Großteil nehmen internationale Produktionen ein, für die in Japan dann spezielle Plakate im typisch japanischen Stil designet wurden. Auch aus hiesigen Landen sind einige Vertreter darunter, wie der berühmte „Schulmädchen Report“ oder „Prostitution Heute“.

Überhaupt ist man überrascht, welche Filme in Japan einen Kinostart bekamen. Auffällig ist auch, dass man auf den Postern oftmals Schwierigkeiten hat, herauszufinden, ob es sich nun um einen japanischen oder einen amerikanischen oder europäischen Film handelt, denn die Gesichter wurden häufig ganz dezent und subtil „japanisiert“. Die japanischen Filmposter folgen in de Regel einem Muster: Ein großes, hübsch bearbeitetes Foto einer Schauspielerin oder eines Schauspielers in Aktion, darum drapiert einige besonders aufregende Szenen aus dem Film. Wobei es von Genre zu Genre auch unterscheide gibt. So sind Horrorfilm ganz besonders reich bebildet und bunt, während bei den Sexfilmen vor allem die weiblichen Attribute der Hauptdarstellerin im Vordergrund stehen.

Das Buch teilt sich auf in sechs Bereiche; Bei den „Bad Girls“ geht es um die japanischen Pinky-Violence-Filme, die Sasori-Serie und Sexfilme, wie zum Beispiel die deutschen „Schulmädchen-Report“-Filme. „Tough Guys“ deckt die James-Bond-Filme ab, Yakuza- und Samuraifilme wie die „Lone Wolf & Cub“-Serie, Italo-Western und ähnliches. Im großen „Horror“-Teil findet man viele britische Hammer-Produktionen, Italo-Gothic-Horror aus den 60ern und die ganzen Klassiker. „Mondo“ sind, wie der Name schon sagt, Mondo-Shockumentaries. Unter „Shocking“ ist dann alles zusammengefasst, was eine etwas härtere Gangart hat. Roman Porno mit hohem Bondage-Anteil, „verfemte“ Filme wie „Hexen, bis aufs Blut gequält“, Kannibalenfilme, die „Ilsa“-Filme usw. Im Abschnitt „Science Fiction & Fantasy“ begegnen wir dann Godzilla und seinen Kollegen, aber „Planet der Affen“, Westworld und viele mehr.

banzai-beispielseitenDer Autor des Buches, Armin Junge, kommt aus der Werbebranche. Er lebte und arbeitete viele Jahre in Japan, Südkorea, China und Russland. Als großer Liebhaber des Exploitationkinos, hat er Hobby und Beruf miteinander verbunden, den neben den Filmen an sich, interessiert ihn auch die Art ihrer Bewerbung. Mittlerweile besitzt er die wohl größte Sammlung japanischer Filmplakate außerhalb Japans. Da Armin Junge kein Filmhistoriker ist, sind die kleinen Texte die ab und zu eingestreut werden eher Auflockerung als wirklich tiefgreifende Analyse oder Information. Für jemanden, der mit dem japanischen Kino aber so gar nichts am Hut hat, sind sie durchaus hilfreich. Leider erfährt man auch nicht viel über die verschiedenen Plakatarten, Besonderheiten einelner Studios oder etwas über die prägenden Künstler. Aber das war offensichtlich auch nicht der Anspruch dieses im besten Sinne des Wortes „Bilderbuch“. Schade sind allerdings die die sehr spartanischen Bildunterschriften. Bis auf den englischen (!) Titel und das Jahr erfährt man rein nichts. Kein Originaltitel, Produktionsland des Filmes oder gar Regisseur und Studio. Aber das lässt sich angesichts des wundervollen und teilweise atemberaubenden Filmplakate verschmerzen.

Ein Buch zum immer wieder durchblättern, staunen und genießen. Jetzt wünsche ich mir nur noch eins: Einen dicken Band über polnische Filmplakate.

Armin Junge „Banzai! Japanese Cult Movie Posters“, Creepy Images, 296 Seiten DIN A4, komplett in Farbe, über 560 Abbildungen von japanischen Original-Kinoplakaten, Euro 28,00

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