Die japanische Polizistin Sho-Ko (so zumindest in der deutschen Fassung) versucht auf den Philippinen, einer Gangsterbande das Handwerk zu legen. Diese plant die Entführung eines Geschäftsmannes. Gleichzeitig will ein Hard-Boiled-Polizist Rache für die Ermordung seiner Ehefrau nehmen.
Oder so ähnlich. Denn das wirre Drehbuch, welches wirkt, als hätten gleichzeitig mindestens fünf Autoren daran geschrieben, ohne dass der eine vom anderen wusste, quetscht so viel in die 93 Minuten Laufzeit, dass man schon nach wenigen Minuten die Übersicht verliert. Den Regisseuren erging es anscheinend nicht anders. Laut IMDb sollen es deren drei sein – Phillip Ko, Erwin T. Lanado und für die internationale Version Fung Chow (unter dem Alias Cindy Chow). Personen tauchen auf, Personen verschwinden. Und das ständig. Dauernd fragt man sich: „Wer ist das?“, „Wo kommt er/sie auf einmal her?“ und kurz darauf: „Wo sind die abgeblieben?“. Lange Zeit ist nicht klar, wie die vielen Nebenstränge zusammengehören sollen. Dann werden sie gewaltsam zusammengeführt. Vielleicht liegt dies an der „Internationalen Version“, die den handelnden Personen nicht nur andere Namen gibt, sondern auch den Film mit einer großen Schlacht beginnen lässt, welche allerdings das Finale des philippinischen Films „Kakambal ko sa tapang“ ist. Dieser entstand im selben Jahr wie „Lethal Dragon“ und teilt sich auch einen Teil des Casts, wie Cynthia Luster und Monsour Del Rosario, sowie Regisseur Philipp Ko.
Die biedere Videotheken-Synchro von der Stange hilft dem Film auch nicht, und erst recht nicht der Schnitt. Dieser ist so willkürlich und ohne rechtes Timing, dass er mehr verwirrt, als den Actionszenen noch mehr Dynamik zu verleihen. Diese damals noch wunderbarerweise handgemachten Actionszenen, mit denen der Film ordentlich ranklotzt, schwanken zwischen beeindruckend und spektakulär und hektischem Wirework, welches im wahrsten Sinne des Wortes komplett abgehoben ist. Ständig schaut das große Vorbild John Woo um die Ecke, wenn mal wieder Zeitlupenaufnahmen eingesetzt werden. Hier stand eindeutig „Hardboiled“ Pate. Doch zu keinem Zeitpunkt erreichen die Actionszenen die Wucht des Vorbildes. Die Schauspieler und Schauspielerinnen schwanken in ihren Leistungen. Dem Amerikaner Edu Manzano (alias Jess Babida) als Held der Geschichte mangelt es an Sympathie und Charisma. Dies versucht er durch tiefgründiges Gucken und Posieren auszugleichen. Der Bösewicht verrenkt den Kiefer und lacht gerne irre. Da liegt es an den Damen des Films, für einen positiven Ausgleich zu sorgen. Und das gelingt recht gut. Sharon Kwok als Kollegin der Heldin und Sheila Ysrael als schlagkräftiges Love Interest des Helden machen ihre Sache gut.
Star des Films (wenn auch ihre Rolle ständig in das zweite Glied gedrängt wird) ist Cynthia Luster, deren echter Name Yukari Ôshima lautet und die in den 80er-Jahren als B-Star der zweiten Reihe hinter Cynthia Rothrock und Cynthia Khan aufgebaut werden sollte. Ich habe die hochagile und durchaus Persönlichkeit zeigende Cynthia Luster schon zu Videothekenzeiten gerne gesehen. Und an diese Zeiten erinnert der Film dann auch angenehm. Denn er steht stellvertretend für das ganze Heer an preisgünstigen, aber immer unterhaltsamen und actionreichen Hongkong-Actionern im Gefolge der großen Erfolge von John Woo, Tsui Hark und auch Ringo Lam, welche die Regale in den Videotheken verstopften. Mit billig-repetitiver Synthiemucke und geklauten Melodien aus größeren Filmen (hier wird „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Terminator“ gekapert).
Das Bild der Blu-ray ist keine Referenzklasse, aber durchaus akzeptabel. Scheinbar stammt es von einer MAZ, da man ab und zu die typischen Störungen sieht, die aber nicht weiter nerven. Es gibt eine deutsche Tonspur mit der bereits erwähnten, eher blutleeren und aufgesagten Synchro sowie eine englische Tonspur, die allerdings sehr dumpf ist, sodass man nur schwer etwas versteht. Das Bild liegt in 1,33:1 vor, wobei es im Bonusbereich noch eine 16:9-Fassung gibt, die mir allerdings hineingezoomt vorkommt. Neben einem Trailer ist der weitere Bonus überraschenderweise ein weiterer Film mit Cynthia Luster: ANGEL DRAGON.
Hier spielt Cynthia Luster die Sozialarbeiterin Miss Fan, die sich um die Familie des alten Tseng kümmert. Dieser hat einen spastisch gelähmten Sohn und ist körperlich versehrt, seitdem ihm von chinesischen Soldaten die Beine zertrümmert wurden. Da er dadurch keinen Job bekommt, muss seine Frau anschaffen gehen, worunter Tseng leidet und immer wieder zu gewalttätigen Wutausbrüchen neigt. Um diesem Leben zu entfliehen, holt Tseng seine Cousins aus China nach Hongkong, um für den gewissenlosen Ex-Cop Hang einen Juwelenraub durchzuführen. Mit Hang hat auch der Polizist Peter eine Rechnung offen. Und Peter verliebt sich in Miss Fan. Als Hang versucht, die Chinesen um ihre Beute und auch ihr Leben zu bringen, eskalieren die Dinge und alle Beteiligten werden in einen Strudel der Gewalt gezogen.
„Angel Dragon“ ist gegenüber „Lethal Dragon“ der bessere Film. Das Drehbuch birst zwar auch vor unzähligen Nebenhandlungen, doch diese hat Regisseur Chiu Lee weitaus besser im Griff als seine Kollegen bei „Lethal Dragon“. Und am Ende fügen sich die Teile auch halbwegs solide zusammen. Schade nur, dass Cynthia Luster hier zwar drei große Kämpfe bestreiten darf, aber ansonsten nicht so viel zur Handlung beiträgt und vor dem großen Finale ganz aus dem Spiel genommen wird. Dieses Finale ist dann aber recht spektakulär und außergewöhnlich brutal geraten. Der eigentliche Hauptdarsteller Ben Lam, der nicht unbedingt durch großes Charisma auffällt, kann hier zeigen, dass er zumindest körperlich eine ganze Menge draufhat. Gelungen auch die tragische Geschichte um die Familie Tseng, die der Story ein wenig sozialkritische Tiefe gibt. Der Hauptschurke überzieht demgegenüber ziemlich und ist hübsch hassenswert.
Weshalb der bessere Film ins Bonusmaterial verbannt wurde, kann man recht deutlich sehen. Die Bildqualität würde keine eigenständige Veröffentlichung rechtfertigen. Im Nahbereich gibt es zwar keine großen Probleme, aber sobald Figuren in den Hintergrund wechseln, verschwimmen die Gesichtskonturen so stark, dass man sie kaum noch erkennt. Das Format ist 16:9. Die deutsche Synchro fällt unter die Rubrik „lustlos“ und führt manchmal durch eigenwillige Satzbetonung in die Irre. Eine englische Tonspur gibt es aber auch; allerdings sind die Sprecher hier auch nicht viel besser. Trotzdem schön, dass uns filmArt diesen Film als „Goodie“ spendiert.