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Blu-ray Rezension: „Escalation“

Von , 22. Dezember 2017 09:29

Luca Lambertinghi (Lino Capolicchio) genießt das Leben als Hippie im Swinging London in vollen Zügen. Bis eines Tages sein Vater Augusto (Gabriele Ferzetti), ein italienischer Industrieller, auftaucht und ihn zur Mitarbeit im Familien-Betrieb zwingt. Obwohl Luca darauf keine Lust hat, folgt er seinem Vater zurück nach Italien. Da Luca immer wieder – erfolglos – versucht, sich aus der auferlegten Verantwortung zu stehlen, heuert der Papa die wunderschöne Psychologin Carla Maria (Claudine Auger) an. Diese soll aus seinem Sohn einen fleißigen firmenerben machen. „umdrehen“ soll. Tatsächlich gelingt es der eiskalten Carla Maria Luca zu „bekehren“, und Luca verliebt sich in sie. Bald schon wird geheiratet. Doch Clara Maria verfolgt ihre ganz eigenen Pläne und hält den ihr gänzlich verfallenen Luca an der ganz kurzen Leine…

Es ist der große Verdienst des Labels Forgotten Film Entertainment, dass es seinen Namen ernst nimmt. Satt den leichten Weg zu gehen und sattsam bekannte Titel zu veröffentlichen, hat Forgotten Films tief in der Geschichte des europäischen Films gegraben und „Escalation“ hervorgezaubert. Einen Film, von dem selbst ich als Italo-Afficado lediglich das markante Poster mit der hübsch bemalten Claudine Auger kannte. Noch nicht einmal der schöne Soundtrack von Ennio Morricone war mir bisher untergekommen. Dabei bringt der Film alle Voraussetzungen mit, um nicht nur einer kleinen Zirkel cinephilen Italo-Liebhabern, sondern einem weitaus größerem Publikum bekannt zu sein. Er schwelgt in Pop-Art Kulissen wie „Das 10. Opfer“ oder „Danger: Diabolik“, bringt die wütende, gesellschaftskritische Kino eines Carlo Lizzani mit, hat mit Claudine Auger eine faszinierend-schöne Hauptdarstellerin, und erinnert in seiner teilweisen surrealen Groteske an geliebte Klassiker wie „Femina Ridens“ oder „Die Falle“. Hinter jeder Ecke scheint auch Elio Petri zu lauern, in dessen Oeuvre „Escalation“ sehr gut gepasst hätte. Bezeichnenderweise war „Escalation“-Produzent auch für Petris „Zwei Särge auf Bestellung“, aber auch den oben erwähnten „Femina Ridens“ verantwortlich. Trotzdem scheint „Escalation“ heute tatsächlich vergessen.

Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass sich der Film gegen jegliche Einordnung sperrt. Er beginnt als locker-flockige Hippie-Komödie aus dem Swinging London, um bald schon dunklere Töne anzuschlagen, dann in eine böse Satire umzuschlagen und am Ende tatsächlich zu einer galligen Krimigeschichte zu werden. Auch wenn sich dies alles auf dem Papier ausgesprochen inhomogen liest, so folgt der Film dabei doch einer bestechenden Logik und bitteren Konsequenz. Je mehr sich der Film von seinem heiter-sorglosen Ton entfernt, umso artifizieller und kälter werden die Bilder. Und auch die Figur des Luca Lambertinghi verändert sich immer mehr. Vom lustigen Hippie zum Hanswurst, der von seiner dominanten Frau an der kurzen Leine geführt und manipuliert wird bis er schließlich zum kühl kalkulierenden Mörder wird. Diese Verwandlung findet auch äußerlich statt. Die lockigen Haare und bunten Klamotten werden bald schon gegen Pomade, gepflegten Schnäuzer und Anzüge eingetauscht. Wirken diese an Luca zunächst noch wie eine Verkleidung, wächst er immer mehr in sie hinein bis man am Ende glaubt, er hätte nie etwas anderes getragen.

Sein Inneres ändert sich dabei aber kaum. Ob Hippie, Ehemann oder Konzernerbe – getrieben wird er immer von einer unglaublichen Bequemlichkeit. Seine ganzes Hippietum nebst Indien-Träumerei ist nur eine Maske, hinter der es sich gut und bequem leben lässt. Für irgendwelche Ideale zu kämpfen käme Luca nie in den Sinn. Als sein Vater ihn aus seiner London-Idylle herausreißt, um das Firmenerbe anzutreten, folgt Luca zwar murrend, aber ohne wirkliche Gegenwehr. Statt „Nein“ zu sagen, denkt er sich kuriose Mätzchen aus, damit sein Vater ihn rauswirft. Lediglich, wenn er aus einer Irrenanstalt ausbüchst, wendet er so etwas wie Energie auf, bevor er sich von einer skurrilen Detektiv-Bande wieder zurück in die Heimat schleppen lässt. Von seiner Ehefrau lässt er sich dann später in Aussicht auf guten, leidenschaftlichen Sex wie ein Tanzbär an der Nase herumführen, ohne dass sich dieses Versprechen wirklich erfüllt. Liegen sie im Ehebett nebeneinander, tragen sie hautenge Overalls, die nicht umsonst an Kondome oder aseptische Schutzkleidung erinnert.

Ist die Figur des Luca Lambertinghi eine Kritik an den bourgeoisen Hippies, die von den Idealen diese Kultur keine Ahnung haben, und einfach mal mitmachen, aber ohne irgendwelche Konsequenzen zu tragen? Die im Herzen noch immer spießig und kleinbürgerlich sind, es aber toll finden, in der ach so hippen, freien Szenen herumzuspazieren und so zu tun, als wenn sie dazugehören? Diese tristen Büroangestellten, die einmal im Jahr ihre grauen Anzüge gegen geschmacklose Hemden und bunte Perücken tauschen, um so schrecklich lustig, verrückt und „alternativ“ zu sein, um am nächsten Tag wieder an ihre penibel aufgeräumten Schreibtischen zurück zu kriechen. Leute die am Wochenende Punk sind und in der Woche das FDP-Parteibuch im der Tasche tragen. Ist Luca am Anfang nicht genau derselbe, wie am Ende? Ein auf seinen eigenen Vorteil bedachter, kaltschnäuziger, bürgerlicher und weiterhin verdammt bequemer Typ, dem es einfacher erscheint, sich anzupassen anstatt zu rebellieren?

Dies ist eine Leseweise des Films. Aber er behält sich auch die Möglichkeit offen, dass Luca Lambertinghi einfach ein naiver, gutgläubiger Typ ist, der von den manipulativen Kräften des Kapitalismus und der Gier langsam, aber sicher korrumpiert wird. So, dass er am Ende seine Unschuld verloren hat, sein Herz erkaltet und seine Seele verkümmert. Zwar hat er sich noch immer ein kleines Stückchen Anarchie bewahrt, doch dies tief in seinem Inneren begraben. Wie bei so manchem 68er, der später in die Wirtschaft oder die Politik gegangen ist, blieb von der anfänglichen Leichtigkeit und Lebensfreude, den guten Vorsätzen und hehren Idealen nicht viel übrig, wenn diese erst einmal durch die Schleifmühle der leistungsorientierten und gierigen, kapitalistischen Gesellschaft gegangen ist. Sieht man sich heute im Bundestag oder den Firmenzentralen um, sieht man viele Luca Lambertinghis. Die grandiose Begräbniszeremonie, mit der „Escalation“ beschließt, trägt auch das Jahr 1968 zu Grabe. Getötet vom Menschen selber, der schwach, bequem und habsüchtig ist.

All dies gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Roberto Faenza vorzüglich, in seinem Film zu verpacken. Dabei wird er bei seinem Regiedebüt nicht nur von exzellenten Schauspielern, wie den großartigen Gabriele Ferzetti unterstützt, sondern auch von einem absolut fabelhaften Design, an dem sich das Auge des Betrachters förmlich festsaugt. Ebenso wie an der überirdisch schönen Claudine Auger, die selbst als Bond-Girl Domino in „Feuerball“ nicht solch eine sinnesbetörende Ausstrahlung besaß. Da versteht man gut, dass der Hauptfigur Luca Lambertinghi das Gehirn in die Hose rutscht und er sich von ihr an der Nase herumführen lässt. Denn die Gute stellt einen weiteren Aspekt des Kapitalismus da. Während Ferzetti als Vater und Firmeninhaber die Dekadenz und altmodische verkörpert, ist Claudine Auger der kühle, emotionslos berechnende Intrigant, der durch geschickte Schachzüge und ohne Rücksicht auf andere seine Macht und sein Geld vergrößert. Die verführerische Attraktivität des Bösen. Faenza style.

Mit „Escalation“ hat Forgotten Film Entertainment eine sehr gelungen Veröffentlichung auf den Markt geworfen, die locker mit vergleichbaren Labels wie Cinema Obscura oder Wicked Vision Media mithalten kann. Die Bildqualität ist sehr ordentlich. Es gibt zwar immer wieder kurz auftauchenden kleine Filmkratzer in Betracht, aber aus gut unterrichtete Quelle weiß ich, dass der Blu-ray trotzdem das Negativ zugrunde liegen, welches in 2K abgetastet und restauriert wurde. Wobei sich das auch viel zu dramatisch anhört. Man sieht gerade am Anfang halt ab und zu kleine weiße Sprenkel, die von besagtem Negativ stammen und nicht weggefiltert wurden. Nichts woran man sich stören sollte. Das Bild ist sehr klar und scharf, und enthält erfreulicherweise eine schöne Filmkörnung, die „Escalation“ auch richtig schön nach Kino aussehen lässt. Einzig eine Partyszene zu Beginn fällt extrem ab und das Bild wirkt dunkel und sehr verrauscht. Aber dies gilt wirklich nur für diese eine Szene gilt, und der suboptimale, dokumentarisch anmutende Look ist durchaus vom Regisseur gewollt, der hierfür eine 8mm- oder 16mm-Kamera benutzte. Ansonsten gibt es nichts zu beanstanden. Auch der Ton ist klar und deutlich. Er liegt in Deutsch und Italienisch (beides mono) vor. Dazu kann man sich deutsche und italienische Untertitel einblenden lassen. Auf einer dritten Tonspur findet man einen Audiokommentar von meinem 35-Millimeter-Retro-Filmagazin-Kollegen Leonhard Elias Lemke und Robert Wagner. Sehr spannend ist das halbstündige Interview „1968 Ways To Be A Protester“ mit Regisseur Roberto Faenza geworden, in dem er über seine Karriere und insbesondere sein Debüt „Escalation“ plaudert. Ebenfalls eine halbe Stunde dauert „Endless Escalation“, ein weiteres, informatives Interview mit Hauptdarsteller Lino Capolicchio. Drei Minuten lang kann man sich in „Die weißen Strände von Rosignano Solvay“ einige Drehorte des Filmes anschauen. Ferner gibt es noch umfangreiche Bildgalerien. Der Veröffentlichung liegt außerdem noch ein 56-setiges Booklet (oder sollte man besser „Büchlein“ sagen?) mit Texten von Thomas Hübner, Endre Udvari, Sebastian Schwittay, Gerald Kuklinski und Richie Pistilli bei.

DVD-Rezension: „Die weisse Mafia“

Von , 19. April 2016 17:30

weissemafiaProfessor Daniele Vallotti (Gabriele Ferzetti) gehört zu den angesehensten und reichsten Medizinern des Landes. In seiner Klinik sind nicht nur die Reichen und Schönen Kunden, sondern auch arme Arbeiter, die sich eine Behandlung nicht leisten können. Dass Vallotti sie trotzdem für wenig Geld behandelt, nährt seinen Ruf, der beinahe schon dem eines Heiligen gleicht. Tatsächlich aber bedient sich Vallotti skrupelloser Methoden, um Reputation und Vermögen zu mehren. Da werden todkranke Patienten kurzfristig „gesundgespritzt“ und entlassen, damit sie nicht in der Klinik sterben. Bereitwillig lässt er sich von zwielichtigen Pharmafirmen gefährliche Medikamente unterschieben, Kunstfehler seiner minderbegabten „Professoren“ führen immer wieder zu vermeidbaren Todesfällen. Lediglich sein alkoholkranker Mitarbeiter Dr. Giordani (Enrico Maria Salerno) und die Krankenschwester Maria (Senta Berger) versuchen die Patienten vor den Machenschaften Vallottis zu schützen. Doch auch sie scheinen auf verlorenem Posten zu stehen…

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Nein, Menschen mit einer ausgeprägten Krankenhaus- oder Ärztephobie sollte man „Die weisse Mafia“ sicherlich nicht empfehlen. Die Situation ist ja auch schon albtraumhaft genug. Sich und sein Leben einem wildfremden Menschen auszuliefern und darauf vertrauen, dass er sein Handwerk schon beherrschen wird. Und dabei möglichst erfolgreich verdrängen, dass einem bei einfachen, tausendfache durchgeführten Tätigkeiten auf der Arbeit auch schon mal der eine oder andere Schnitzer unterlaufen kann, wenn man die Nacht zuvor zu lange unterwegs war, Ärger mit der besseren Hälfte hat oder einfach der Kaffee ungenießbar war. In „Die weisse Mafia“ kommt es immer wieder zu solchen Situationen,in denen sich Menschen voller Vertrauen in die Hände der Halbgötter in weiß begeben und nie wieder aus der Narkose aufwachen. Weil es eben wichtiger war, das Telefonat des Anwalts entgegenzunehmen, statt des berühmten Professors eben doch nur ungeschickte Arzt aus der zweiten Reihe operiert oder das lebenswichtige Gerät für einen schmutzigen Deal verhökert wurde. Nein, Menschen mit einer ausgeprägten Krankenhaus- oder Ärztephobie sollten von „Die weisse Mafia“ wahrlich Abstand nehmen.

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Allen Anderen sei Luigi Zampa 1973 entstandenes Werk aber sehr ans Herz gelegt. Gelingt Zampa doch seine wütende Anklage gegen das Krankenhaussystem in Italien mit einer überaus spannenden Handlung zu verbinden, die sich ganz um die dreckigen Geschäfte der „weissen Barone“ dreht. Jene etablierten, satten Ärzte, denen das Wohl der Patienten ganz egal ist, solange die Kasse stimmt. Die, welche versuchen, mittels Intrigen ihre Macht und ihr Reichtum zu vergrößern und dabei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen. Um den Film vollends genießen zu können, lohnt es sich vorab das informative Booklet von Udo Rotenberg (dessen wundervollen Blog L’amore in città ich hier schon häufiger empfohlen habe) zu lesen, da er hier einige Information zum italienischen Gesundheitssystem der frühen 70er Jahre gibt. So gab es damals kein staatliches Gesundheitssystem, und die Ärzte wurden von den Patienten direkt bezahlt. Wodurch ein harter Verdrängungswettbewerb, um besonders gut versicherte Patienten begann. Ferner blockierten sie die jungen Absolventen der Universitäten, damit diese keine Chancen erhielten, um den reichen „Baronen“ die Pfründe streitig zu machen. Vor diesem Hintergrund spielt der Film „Die weisse Mafia“, dessen Titel nicht besser gewählt sein könnte.

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Getragen wird der Film von zwei fantastischen Schauspielern. Enrico Maria Salerno ist einer der heute völlig zu unrecht eher unbekannten Protagonisten des italienischen Films und Anfang der 70er das Gesicht des italienischen Polizeifilms, des Poliziotteschi. Hier gab er den alten, zynischen und doch in einer kaputten Welt noch immer aufrechten Polizisten, der sich gegen allen Widerstände und im Wissen, dass sein Einsatz am Ende wahrscheinlich nichts nutzen wird, gegen den Sumpf auflehnt. Sein Dr. Giordani ist eine ähnliche Gestalt. Die Korruption und Menschenverachtung um ihn herum, hat ihn zum zynischen Alkoholiker werden lassen. Von seinen Kollegen wird gemieden, bestenfalls belächelt. Zum Professor hat er es aufgrund seiner permanenten Auflehnung nicht geschafft. Auch weil er ständig die Krankenhäuser wechselte, in der immer wieder betrogenen Hoffnung, dass es am nächsten Arbeitsplatz besser sein würde. So muss er zusehen, wie weitaus weniger talentierte Ärzte zu Professoren gemacht werden. Stümper, die ihre Seele verkauft haben. Da bleibt dann nur die Flasche und die kleine Freude, wenn er den Mächtigen mal ans Bein pinkeln kann. All dies spiegelt sich in Salernos grauem, resignierten, angeekeltem Gesicht.

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Hauptdarsteller Gabriele Ferzetti gelingt das fast das fast Unmögliche. Einem Schauspieler wie Salerno, noch die Show zu stehlen. Sein Professor Vallotti ist eine der eindrucksvollsten Figuren, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ein Täuscher und Blender. Stets gut gelaunt, einschmeichelnd und sympathisch. Der gute Onkel, dem man sein Kind anvertrauen würde. Was einige seiner Patienten dann auch wirklich tun, nicht immer mit glücklichem Ausgang. Vallotti ist so einnehmend, dass man ihn gar nicht zutrauen möchte, tief im Inneren eine solch selbstverliebter Egozentriker zu sein. Man atmet förmlich auf, wenn er seinen reichen, unsympathischen Patienten noch mal eine Million Lira mehr auf die Rechnung haut, um diese dann bei einer armen Familie wieder abzieht. Oder wenn er sich für eine Reform des Gesundheitssystems stark macht oder mit seinem Sohn herum tobt. Doch all dies trügt. Wie jeder Egozentriker, ist er auch getrieben von der Sucht geliebt zu werden. Jeder Gott braucht eben Gläubige, die ihn anbeten. In dieser Mischung aus mitreißender Persönlichkeit und gleichzeitig krankhafter Ich-Fixierung gleicht er sicherlich dem einen oder anderen Vorgesetzten aus der freien Wirtschaft. Ich kenne solche Menschen (leider) zu genüge.

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In einer Nebenrolle als Nonne, die in Vallottis Hopital als Krankenschwester arbeitet, ist die wunderschöne Senta Berger zu sehen. Bis zur Hälfte des Filmes gibt sie einen kongenialen Partner zu Salernos skeptischen Dr. Giordani. Es gibt wunderbare Szenen, in denen sie sich Blicke zuwerfen, die in vollkommener Übereinstimmung sagen: „Ja, ich sehe diesen Mist hier aus. Das darf so nicht weitergehen“. Gerade, dass sie gleichberechtigte Partner sind, die beide ihren Ekel und ihre Frustration nur mühsam verstecken können, macht diese Paarung so stark. Leider entschloss sich Zampa dann eine überflüssige Szene einzubauen, in der sich beide ihre Liebe gestehen und über die Unmöglichkeit dieser Liebe trauern. Dies nutzt Zampa zwar um den Charakter des Dr. Giordani tiefer zu beleuchten und zu erklären, doch hat auch zur Folge, dass die starke, professionelle Bindung der beiden in die Brüche geht und Senta Berger danach nur noch sporadisch auftritt und ihre Schwester Maria für die weitere Handlung keine Rolle mehr spielt. Eine bedauerliche Entscheidung. Hier hätte man auch andere Wege beschreiten können.

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Der ehemalige Neorealist Lugio Zampo prangert in „Die weisse Mafia“ kraftvoll und wütend die Missstände im italienischen Gesundheitssystem der frühen 70er Jahre an. Seine leidenschaftliche Anklage bindet er in eine spannende und großartige gespielte Geschichte ein, in der neben dem wie immer wundervollen Enrico Maria Salerno vor allem der großartige Gabriele Ferzetti als charismatischer Antagonist glänzen kann.

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Die Bildqualität dieser DVD aus dem Hause filmArt zeigt zwar recht deutlich, dass das vorhandene Material nicht das Frischeste war, doch es wurde ein Optimum herausgeholt und der manchmal etwas körnige Look passt hervorragend zu der grimmig-realistischen Geschichte. Der deutsche Ton klingt klingt im Vergleich zur italienische Originalfassung (die selbstverständlich mit guten deutschen Untertiteln genossen werden kann) manchmal etwas dünn, ist der ebenfalls enthaltenen englischen Synchronisation aber überlegen. Extras gibt es bis auf einen Trailer leider keine, dafür liegt das bereits im Text oben erwähnte Booklet von Udo Rotenberg bei, welches nicht nur gut geschrieben, sondern auch im höchsten Masse informativ ist.

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