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Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 2

Von , 10. Februar 2018 00:51

Der zweite Tage begann so entspannt, wie lange schon nicht mehr. Bis weit nach 9 im Bett liegen – wie lange musste ich auf diesen Luxus schon verzichten. Nach einem durchaus akzeptablen Frühstück (vom Gummibrötchen abgesehen), trennte sich unsere freundliche Reisegruppe auf in diejenigen, die ein wenig Kultur tanken und die örtlichen Galerien besuchen wollten, und denjenigen, welche ihr Geld beim Saturn für Filme auf den Kopf hauten. Ich schreibe jetzt mal nicht, zu welcher Gruppe ich gehörte. Nach einer kurzen Stippvisite im tollen Plattenladen Hitsville (Empfehlung!), kam man wieder zu einem gemeinsamen Mittagessen bei einem guten Lateinamerikaner namens Palito zusammen. Überraschenderweise war das Essen wirklich lecker und gar nicht mal so teuer. Ein echter Hingucker waren aber die Toiletten, die einem nicht nur durch Jesus- und Maria-Ikonen den Weg zu Männlein und Weiblein wiesen, sondern auch sonst mit so viel liebevollen Religionskitsch vollgestopft waren, dass man sich wirklich plötzlich in einer anderen Welt wähnte. Und die golden Seifenspender habe ich da noch nicht mal gesehen.

Zurück in der bereits gut gefüllten Black Box forderte das gute, reichhaltige Essen dann auch gleich seinen Tribut. Den ersten Film des Tages, den schönen „Die Brut des Teufels“ verschlief ich dann auch halb. Dabei hatte ich mich doch so gefreut, zum ersten Mal einen Godzilla-Film von einer 35mm-Kopie auf der großen Leinwand zu sehen. Doch nach 20 Minuten fielen mir das erste Mal die Augen zu. Der Kampf gegen Morpheus Arme war dann auch gewaltiger als der von Godzilla gegen den Titanosaurus und Mecha-Godzilla. Das Treiben auf der Leinwand bekam ich nur noch bruchstückhaft mit. Wie gut, dass ich den Film in den letzten 12 Monaten jetzt bereits zum dritten Mal sah. So kann ich an dieser Stelle auf meine Besprechung der sehr empfehlenswerten Anolis-DVD verweisen, die der geneigte Leser hier findet.

Nach dem Film dann erst mal raus an die frische Luft und reichlich von dieser stark koffeinhaltigen Cola reingekippt. Den restlichen Tag überstand ich dann auch ohne größere Ausfälle.

Das blutige Schloss der lebenden Leichen – Bei diesem französischen Film aus dem Jahre 1969 hat die deutsche Titelschmiede wieder viel Kreativität bewiesen. Hierbei handelt es sich mitnichten um einen Zombiefilm. Eher führt die Spur Richtung Franju („Augen ohne Gesicht„) und Rollin (auch, wenn der erst später dran war). Mit etwas gutem Willen kann man vielleicht von einer lebenden Leiche sprechen, denn die Damen des Schlosses würde für den Rest der Welt für tot erklärt. Ist also durchaus so etwas wie eine lebende Leiche und blutig geht es im Schloss auch vor sich.

Inszeniert wurde die Sause von der späteren Porno-Legende Claude Mulot, der unter dem Pseudonym Frédéric Lansac solche Flutschfilm-Klassiker wie „Pussy Talk“ oder „Les petites écolières“ inszenierte, Ich hatte ja früher immer geglaubt, dass „Lansac“ die Verballhornung eines „langen Sacks“ wäre. Im „ blutigen Schloss“ traf ich aber nun den echten Frédéric Lansac. Dies ist nämlich der Name der Hauptfigur. Einem erfolgreichen Maler, dessen Leben ziemlich schnell bergab geht, nachdem seine geliebte junge Ehefrau einem schrecklichen Feuerunfall zum Opfer fällt. Nicht unbeteiligt daran ist die schöne Elizabeth Teissier, die hier leider einen kurzen, wenn auch erinnerungswürdigen Auftritt hat. Ebenfalls dabei sind Howard Vernon („Oh, Professor Römer“ „Rohmer!“) und zwei Zwerge.

Letztere führen den Film schnellen Schrittes in die Sphären der Dwarfploitation. Igor und Olaf tauchen immer wieder auf, um junge Frauen (und den Zuschauer) zu erschrecken. Warum die Armen in Felle gekleidet sind und wie Hunde vor dem Kamin schlafen müssen, wird nicht wirklich geklärt. Scheinbar waren Lansacs Eltern zwar so nett, die Beiden vor einer Steinigung zu retten, nicht jedoch so barmherzig, um sie wie normale Menschen zu behandeln. Kein Wunder also, dass Igor und Olaf manchmal recht merkwürdige Gewohnheiten an den Tag legen. Wie z.B. Mädchen mit der Axt durch den Wald zu verfolgen. Ihr „Herr“ Lansac findet an diesem Treiben auch nichts ungewöhnliches und wird nur sauer, als sie einer potentiellen Gesichtshautspenderin nach einem Vergewaltigungsversuch das Antlitz zertrümmern. Nein, Mulot nimmt hier keine Gefangenen und inszeniert seine krude Geschichte mit viel Schmackes. So wird einem auch keine Sekunde langweilig, auch wenn die meisten Darsteller keinen Hehl daraus machen, dass sie auch nicht genau wissen, wie sie da rein geraten sind.

Mulot beweist hier auch bereits sein gutes Auge für schöne, stimmungsvolle Bilder und dem in Szene setzen weiblicher Schönheit. Es gibt sogar einige sehr gelungene Szenen, wie die in der ein potentielles Opfer seine Augen öffnet und sich gleich einem Erhängten gegenüber sieht oder eine tieftraurige Einstellung in der einer der Zwerge seinen toten Bruder betrauert. In erster Linie stehen aber Nacktheit und blutige Schockeffekte im Vordergrund. Alles unterlegt mit einer betörenden Melodie aus der Feder Jean-Pierre Dorsays, die auch nach der x-ten Wiederholung noch immer Balsam für die Seele ist. Hauptdarsteller Philippe Lemaire war in den 40er und 50er Jahren ein gefragter romantischer Held des französischen Kinos, und man merkt ihm an, dass er diesen Zeiten hinterher trauert. Seine verbrutzelte Frau wird von der wunderhübschen Anny Duperey gegeben, die einst bei Godard ihre erste Rolle hatte und später nicht nur neben Al Pacino in „Bobby Deerfield“ eine Hauptrolle spielte, sondern auch die Original-“Frau in Rot“ in „Ein Elefant irrt sich gewaltig“ war. Ein schöner Film, der zwar weit weg von der Meisterklasse ist, aber trotzdem viel Freude bereitet.

„Der saftige Überraschungsfilm“ – Als solcher wurde ein berüchtigtes Werk angekündigt, welches es in Deutschland nicht besonders einfach hat, weshalb ich den Titel hier nicht direkt nenne. Ein Klick auf den Link könnte aber Aufschluss bringen. Das Werk, in dem es um einen griechischen Millionär geht, welcher nach einem traumatischen Erlebnis an Bord eines Rettungsbootes unbändigen Hunger auf Menschenfleisch entwickelt und seine Heimatinsel leer frisst, dürfte eh jedem – zumindest dem Namen nach – bekannt sein.

Ich durfte dieses Werk bereits vor acht Jahren beim ersten Deliria-Italinao.de-Forentreffen im B-Movie in Hamburg bestaunen. Natürlich kannte ich den Film schon von einer alten VHS-Kopie. Auf Video war ich damals schon erstaunt, wie wirkungsvoll der Film war, fand aber die ungeheuren Splatterszenen eher störend. Jahre später im B-Movie war ich dann gänzlich gefangen von der unheilvollen Atmosphäre des Filmes, der auf der Leinwand noch besser funktioniert als im Heimkino. Auch die berüchtigten Szenen, die einst zentraler Punkt einer wahren Hysterie gegen Videofilme (nicht nur hierzulande, sondern auch in England) waren, empfand ich nicht mehr als Fremdkörper. Nun, da ich den Film ein drittes Mal und nochmals von der tollen 35mm-Kopie sah, die ich schon in Hamburg bewundern durfte und die nach acht Jahren kaum etwas von ihrem Glanz eingebüßt hatte, muss ich sagen, dass diese Szenen sogar immanent wichtig sind.

In der ersten Hälfte wird eine derartig dichte Atmosphäre aufgebaut, dass es kaum zu ertragen ist. Eine Dame bugsierte ihre männliche Begleitung hier bereits mit den Worten „Ich habe solche Angst“ aus dem Saal. Alles ist ein Vorbote auf die unaussprechlichen Gräuel, die da kommen. Unterstützt von Marcello Giombinis enervierenden Synthie-Musik, die irgendwie schräg, falsch und bedrohlich wirkt. Unter die Oberfläche der scheinbar harmlosen Bilder, hat sich bereits etwas Krankes, ganz und gar Ungutes geschlichen.

In der wie immer hervorragenden Einleitung von Oliver Nöding (und auch den Gesprächen vor dem Film) wurde betont, dass gerade die erste halbe Stunde des Filmes sich ziemlich ziehen würde und im Grunde recht langweilig sei. Dies empfand ich gar nicht so. Im Gegenteil, die Reisegesellschaft (die so gar nichts von den überdreht fröhlichen, spät-pubertierenden Teenies der amerikanischen Splatter-Pendants hat) ist nicht gerade ein Ausbund an Fröhlichkeit, sondern scheint bereits von einer Ahnung durchtränkt, dass sie sich geradewegs auf dem Weg in eine grausame Hölle befinden.

Die Szenen in der menschenleeren Küstenstadt fand ich schon bei der Erstsichtung sehr beklemmend. Hier steigerte sich das Gefühl noch und beim ersten Höhepunkt (die Attacke des blinden Mädchens) bin ich ein paar Zentimeter im Sitz hochgesprungen, obwohl ich wusste was kommt. Überhaupt fiel mir jetzt auch wieder auf, wie meisterlich der erste Auftritt des Anthrophagus inszeniert ist. Wie intensiv er sich in die Netzhaut brennt. Ein Bild und Ton gewordener Albtraum. Wenn sich dann die fragile Gruppe langsam auflöst, die schreckliche Bedrohung durch den von George Eastman als unaufhaltsame Naturgewalt verkörperten Menschenfresser förmlich körperlich spürbar ist und sich die Handlung in eine verlassene, einem furchtbaren Traum entsprungene Villa verlegt, ist es nur folgerichtig, dass der Film mit den größtmöglichen visuellen und auditiven Schocks endet.

Nach dem Film war ich erst einmal geplättet und spürte diese Folgen dieser permanente Anspannung und drückenden Bedrohung tief in den Knochen. D’Amatos Werk ist ein Terrorfilm reinsten Wassers. Ein Film, der einem nicht nur auf einer psychischen Ebene attackiert, sondern der auch körperlich fühlbar ist.

Um den Film zu verdauen ging es erst einmal in trauter Runde in eine nahe Cocktail-Bar, die scheinbar schon häufig nach solchen Events besucht wurde. Dort war es auch sehr nett, die Getränke bezahlbar und augenscheinlich hatten sich bereits mehrere Gruppe direkt aus der Black Box kommend dort niedergelassen. Was leider auch bedeutete, dass kaum noch Plätze und vor allem nicht für größere Gruppen vorhanden waren. Doch ein aufmerksamer Mitarbeiter arrangierte etwas und so fand noch jeder eine Sitzgelegenheit. Leider wurde die Gruppe dadurch auseinandergezogen, was ich im Nachhinein sehr bedauere, denn ich hätte eigentlich auch ganz gerne noch mit ein paar anderen Leuten geschnackt/kennengelernt. Aber auch so war es ein sehr heiterer und gut gelaunter Abend. Nach einem Spaziergang am Rhein entlang kamen wir auch wieder gut im Hotel an und konnten dort Kraft für den letzten Tag sammeln.

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