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DVD-Rezension: „Godzilla und die Urweltraupen“

Von , 12. Juli 2019 20:42


Nach einem gewaltigen Storm treibt ein gigantisches Ei vor der Küste Japans. Während Militär und Wissenschaftler noch nicht genau wissen, was sie damit anfangen sollen, haben die geschäftstüchtigen Küstenbewohner es bereits an den Geschäftsmann Kumayama (Yoshifumi Tajima) verkauft. Dieser handelt im Auftrag des finsteren Jiro Torahata (Kenji Sahara), der aus dem Ei eine große Show-Attraktion machen will. Der Reporter Ichiro Sakai (Akira Takarada), seine Fotografin Junko Nakanishi (Yuriko Hoshi) und der Professor Miura (Hiroshi Koizumi) treffen unterdessen auf zwei Mini-Feen (The Peanuts), die sie darüber aufklären, dass das Ei den Nachwuchs der Riesenmotte Mothra in sich trägt und dieses umgehend an Mothra zurückgeben werden muss. Doch alle Versuche das Ei von Torahata zurückzubekommen schlagen fehl. Die Sache kompliziert sich noch als plötzlich Godzilla auftaucht und eine gewaltige Zerstörung anrichtet. Das Helden-Trio macht sich auf zu Mothras Insel, um Mothras Unterstützung gegen den König der Monster zu erbitten…

Nachdem die Riesenmotte Mothra mit ihrem Debüt 1961 gut angekommen war, folgte drei Jahre später ein weiterer Mothra-Film, in dem sie mit dem ebenfalls immens populären Godzilla zusammengesteckt wurde. Weshalb „Godzilla und die Urweltraupen“ heute auch eher als Godzilla-, denn als Mothra-Film rezipiert wird. Tatsächlich aber hat Godzilla hier eher einen erweiterten Gastauftritt. Im Mittelpunkt stehen wieder Mothra und die beiden Feen-Zwillinge, sowie ein geheimnisvolles Riesenei, welches sich später als Motten-Nachwuchs (die Urweltraupen des deutschen Titels) entpuppt. Diese beiden Raupen sehen zwar aus wie zwei große Kackwürste, wissen sich aber bereits gut zur Wehr zu setzen. Dies ist meines Wissens nach dann auch die letzte Gelegenheit, Mothra im Larvenstadium zu sehen. In den folgenden Filmen bekommt der Zuschauer nur noch eine ausgewachsene Mothra vorgesetzt und da diese zu den schönsten Kaiju überhaupt gehört, ist das auch ganz gut so.

Ihr Gegner Godzilla darf in „Godzilla und die Urweltraupen“ noch einmal der böse Vernichter sein. Allerdings ist hier schon die Vermenschlichung und „Verniedlichung“ der Figur zu erahnen, die bereits im nächsten Film voll ausgeprägt daher kommen sollte. In „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ benimmt sich Godzilla dann wie ein jugendlicher Rowdie, spielt Rhodan Streiche und bekommt von diesem dafür einen Energiestrahl auf den Hintern gebrannt. Was dann nichts mehr mit der bedrohlichen Naturgewalt zu tun hat, die 1954 Tokio platt machte. Dafür aber das Bild von Godzilla in den nächsten Jahrzehnten prägen sollte. Hier ist Godzilla zwar der Zerstörer, den es gilt aufzuhalten. Doch wirklich böse ist er nicht mehr. Vielmehr ist er ein – wie man hier in Norddeutschland sagt – echter „Töffel“. Dass er mal wieder eine ganze Stadt den Erdboden gleich macht, resultiert nicht aus unbedingten Zerstörungswillen, sondern draus, dass er über Erdkanten stolpert, sich sein Schwanz in einem riesigen Sendemast verfängt und er einfach gerade ausrutscht. Der erster Schritt zur Vermenschlichung der Riesenechse ist getan, Dass der mächtige Godzilla sich dann am Ende recht hilflos zeigt, wenn er von den „Urweltraupen“ eingesponnen wird und diesen generell nicht viel entgegenzusetzen hat, passt dann ins Bild eines eher tolpatschigen Monsters.

Dafür ist das Design Godzillas eines der schönsten der ganzen Showa-Staffel. Schlank und mit einem bösartigen Blick kommt er daher. Auch Mothra steht in voller Pracht. Leider ist die Kampfszene zwischen den Beiden etwas hektisch geschnitten und statt der Totalen wird hier (zu) viel mit Nahaufnahmen eines der beiden Kontrahenten gearbeitet, was der Übersichtlichkeit schadet und die tolle Motte nicht richtig zur Geltung kommen lässt. Andererseits war es damals sicherlich auch nicht ohne weiteres möglich einen Mann im Gummianzug überzeugend gegen riesige Mottenpuppe kämpfen zu lassen. Das hätte dann wahrscheinlich ausgesehen, wie der Schlusskampf Godzillas gegen die Urweltraupen, der auch eher lustig anzuschauen ist, weshalb sich die Regie dann vermutlich entschlossen hat, mehr Zeit auf das Einspinnen Godzillas zu verwenden. Nichtsdestotrotz sind alle Kämpfe und Zerstörungsorgien des Filmes natürlich ausgesprochen unterhaltsam und lassen dem geneigten Kaiju-Fan das Herz aufgehen. Vor allem, da sie sich logisch entwickeln und nicht – wie in späteren Filmen – zu Nummernrevue werden.

Auf der Seite der menschliche Darsteller gibt es wieder einmal einen vor Selbstbewusstsein strotzenden Reporter und einen anpackenden Wissenschaftler. Die Rolle der jungen Foto-Journalistin könnte man heutzutage so aber nicht mehr bringen. Als eher lästiges Anhängsel, welches bei jeder unpassenden Gelegenheit das Falsche tut und sich dem Macho-Journalisten um den Hals wirft, verkörpert sie genau jenes Frauenbild, welches heute Gottseidank nur noch sehr selten in Filmen anzutreffen ist und einem dann eher als peinliches Relikt aus anderen Zeiten aufstößt. Auch die Bösewichte sind wieder klischeemäßig mit dem finsteren, kühlen Intriganten (der allerdings nicht die abstoßenden Qualitäten eines Jerry Itô in „Mothra bedroht die Welt“ einbringen kann) und seinem überschwänglich jovial agierenden, schleimigen Helfer besetzt. Wobei eine Szene erstaunlich ist, in der sich beide eine Schlägerei liefern und tatsächlich deutlich Blut fließt. Eine Seltenheit in den Godzilla-Filmen, wo in der Regel auf roten Lebenssaft verzichtet wird. Ein Wort noch zur Musik, die hier – nachdem in „Mothra bedroht die Welt“ Yûji Koseki übernommen hatte – wieder von Godzilla-Stammkomponist Akira Ifukube stammt und zu dem Besten gehört, was innerhalb der Reihe ertönte.

Mit Godzilla als Gast und Rangel-Partner geht es in den zweiten und letzten Teil der Mothra-Saga. Während Mothras Mythologie noch etwas ausgebaut wird und sich der Film letztendlich u ihre Nachkommen dreht, werden an Godzilla erste „Vermenschlichungs“-Tendenzen festgemacht. Getrieben von der großartigen Musik Akira Ifukubes bleibt „Godzilla und die Urweltraupen“ vielleicht etwas hinter dem ersten Mothra-Film zurück, bietet aber immer noch eine Menge bunten Spaß für die ganze Familie.

Diesmal ohne HD-Bild reiht sich „Godzilla und die Urweltraupen“ ganz in die vorangegangenen, sehr gelungen Veröffentlichungen der „Kaiju Classics“-Reihe von Anolis ein. Wie gehabt ist auf DVD 1 die längere japanische Fassung (mit dem japanischen Vorspann und einer etwas längerer Laufzeit), bei der die einst geschnittenen Szenen im Original mit deutschen Untertiteln belassen wurden und auf DVD 2 die etwas kürzere deutschen Kinofassung mit dem deutschen Vorspann. Das Bild ist bei beiden Fassungen für eine DVD sehr gut und auch beim Ton muss man keine Abstriche machen. Neben dem gewohnt unterhaltsamen Audiokommentar der bestens aufgelegten Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer, ist auch wieder eine Tonspur mit einem Kommentar von Florian Bahr dabei. Ein Schatz ist das halbstündige Interview, welches mit Akira Takarada, dem star nicht nur des Original-“Godzilla“ und eben „Godzilla und die Urweltraupen“, sondern auch noch drei weiterer Godzilla-Filme. Eine Super-8-Fassung, Trailer und Werberatschläge runden die Extras ab, wobei es laut ofdb.de auf der zweiten DVD noch ein 19-minütiges Easter Egg geben soll, welches ich allerdings nicht entdeckt habe. Das informative Booklet von Ingo Strecker sollte mit seinen 20 Seiten auch nicht unerwähnt bleiben.

DVD-Rezension: “Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“

Von , 14. April 2015 22:13

frankensteinungeheuermeerDer Bruder des jungen Ryôta (Tôru Watanabe) verschwand einst auf hoher See. Durch einen Zufall gerät Ryôta an ein Segelboot und sticht mit den beiden Kumpels Ichino (Chôtarô Tôgin) und Nita (Hideo Sunazuka) sowie dem Dieb Yoshimura (Akira Takarada) in See. Bald geraten sie in ein Unwetter und machen eine erste Bekanntschaft mit dem gewaltigen Hummerwesen Ebira. Auf eine Südseeinsel gespült, stellen sie fest, dass diese als Basis der terroristischen Geheimorganisation „Roter Bambus“ dient, die von der Nachbarinsel Sklaven entführen. Auf der Nachbarinsel befindet sich auch der verschwundene Bruder Yata (Tôru Ibuki). Zusammen mit dem Insel-Mädchen Daiyo (Kumi Mizuno) machen sich unsere Helden auf, den „Roten Bambus“ zu besiegen und die Sklaven zu befreien. Gut, dass auch ein alter Bekannter auf der Insel schlummert…

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1966 war ein wichtiges Jahr für die 1954 gestartete Godzilla-Reihe. Die letzten beiden Filme hatten nicht mehr den großen Erfolg an der Kinokasse, den sich Toho gewünscht hatte. Also wurde beschlossen, den Stil der Reihe grundlegend zu ändern und die Godzilla-Filme zukünftig kostengünstiger herzustellen. Erstes Opfer dieser Entscheidung war Regisseur Ishirô Honda, der zuvor sage und schreibe acht Godzilla-Filme und darüber hinaus zahlreiche weitere Monsterfilme, für Toho inszeniert hatte. Er wurde durch Jun Fukuda ersetzt, der es in der Folgezeit auf fünf weitere Godzillas bringen sollte. Kostensparend wurden auch Kostüme aus den vorangegangenen Filmen wiederverwendet, was Godzilla und vor allem die ebenfalls in „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ auftauchende Motte Mothra, recht schäbig aussehen ließ. Statt auf dem Festland zu spielen, wird die Handlung des neuen Filmes auf eine Südseeinsel verpflanzt, wodurch man sich die teureren Städtemodelle, die regelmäßig unter den Füssen Godzillas platt gemacht wurden, sparen konnte. Dadurch wirkt der Film dann auch weitaus kleiner als seine Vorgänger.

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Godzilla-Fans müssen sich stark in Geduld üben, bis ihr Liebling erscheint. Erst nach 50 Minuten tritt die große Echse in Aktion. Davor schläft sie in einer Höhle auf der Insel. Wenn Godzilla dann endlich erwacht, benimmt er sich recht merkwürdig. Viele seiner Aktionen scheinen gar nicht in das Bild zu passen, welches man sich von dem beliebten Monster bisher gemacht hat. Eine Erklärung dafür liefert die Produktionsgeschichte. Tatsächlich war „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ als King-Kong-Streifen geplant. Godzilla wurde nur eingesetzt, weil er zu diesem Zeitpunkt das populärere Ungetüm war. Und in der Tat benimmt sich Godzilla hier reichlich affig. Er wirft mit Vorliebe Felsbrocken um sich, scheint sich in ein hübsches Insel-Fräulein zu vergucken und darf ganz Kong-like gegen attackierende Flugzeuge kämpfen. Insgesamt hätte der Film mit Kong vielleicht sogar besser funktioniert und die Insel-Landschaft mehr Sinn ergeben. Mit „fremden Charakter“ ausgestattet, vollzieht Godzilla aber auch die Wende hin zum Menschenfreund und Super-Monster, welches die Menschheit, sprich Japan, vor bösen Feinden beschützt.

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Godzillas Feinde sind in diesem Film weniger eindrucksvoll. Mothra taucht kaum auf und gehört sowieso zu den Guten. Ein anonymer Riesenvogel sieht mehr aus wie ein fliegender Staubwedel und wird von Godzilla ebenso schnell geröstet, wie er aus dem Nichts auftauchte. Godzillas Kampf gegen den gefiederten Freund ist obendrein schlecht choreographiert und eher hektisch, als eindrucksvoll. Da ist das Hummerwesen Ebira schon von anderem Kaliber, auch wenn ein riesiger Hummer nun nicht besonders gruselig oder eindrucksvoll daher kommt. Immerhin ist Ebiras Design recht schön geworden und die Szenen am Anfang, wenn man in stürmischer See nur seine gewaltigen Zangen sieht, sehr stimmungsvoll. Ein Highlight auch der brutale Kampf Godzillas gegen Eibra am Ende des Filmes, der sogar unter Wasser geführt wird. Demgegenüber ist das anfängliche Ping-Pong-Spiel der Beiden, welches mit Felsbrocken geführt wird, dann eher lustig und auch ziemlich albern anzusehen. Es wundert nicht, dass es für Eibira bei diesem einen Auftritt bleiben sollte.

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Da die Monster nur eine untergeordnete Rolle spielen, und es auch erst nach der Hälfte des Filmes überhaupt zu nennenswerten Zerstörungsorgien und Schlagabtäuschen kommt, muss sich „Frankenstein und die Monster aus dem Meer“ auf seine „menschliche“ Handlung verlassen. Diese ist zwar an den Haaren herbeigezogen, aber doch recht kurzweilig umgesetzt. Die Chemie zwischen unseren Helden stimmt und der zynische Dieb Yoshimura. Akira Takarada der zuvor auf Helden abonniert war, hat hier einmal eine zwielichtigen, harten Rolle inne, kann eine gewisse Präsenz entfalten. Im Gegensatz zu den Alibi-Figuren anderer kaijus nerven die menschlichen Helden hier, trotz einzelner Klamauk-Einlagen, nicht so sehr und entwickeln im Rahmen der Möglichkeiten auch Charakter. Da die drei nicht einfach so auf einer Insel stranden können, wurde noch eine mysteriöse Geheimorganisation mit in den Topf geworfen. Die nennt sich „Roter Bambus“ und gebärdet sich wie aus einem James-Bond-Film oder vielmehr aus dessen billigen Imitaten der 60er Jahre entsprungen. Was der „Rote Bambus“ da eigentlich treibt, was sein Ziel ist und wieso er über eine eigene Fliegerstaffel verfügt, wird nicht erklärt – ist aber für den Film auch völlig unwichtig. Wichtig ist nur, dass der „Rote Bambus“ böse ist und eine schicke Basis besitzt, die sich vorzüglich zum platt Trampeln eignet.

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Auch wenn „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ nicht zu den besten Godzilla-Filmen zählt, so ist er doch ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Serie. Ursprünglich als King-Kong-Film geplant, benimmt sich Godzilla hier reichlich „affig“ und legt den Grundstein für seine weitere Karriere als „Menschenfreund“. Das flotte Tempo der Inszenierung, tröstet über mach ärmlich aussehende Sets und Kostüme hinweg.

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Wie gewohnt lässt die Anolis-Veröffentlichung im Rahmen der „Kaiju Classics“ keine Wünsche offen. Im schicken Steelcase befinden sich gleich zwei DVDs. Eine mit der japanischen Fassung und eine mit der deutschen Kinofassung. Mir sind allerdings bis auf den Vor- und Abspann keine Unterschiede zwischen beiden Fassungen aufgefallen. Auch von der Bildqualität wissen beiden absolut zu überzeugen. Während die japanische Fassung neben der deutschen Synchro noch die englische Synchronisatation und natürlich die zu bevorzugende japanischen Tonspur enthält, ist es bei der Kinofassung nur die deutsche. Die Extras fallen etwas magerer aus als üblich. Die Japan-Fassung enthält wieder einen Audiokommentar des eingespielten Experten-Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber. Dort zu finden ist auch der japanische Trailer und reichlich internationales Werbematerial in einer selbstlaufenden und mit Musik unterlegten Bildgalerie. Sehr schräg ist die knapp 5-minütige, japanische Super-8-Fassung, die nur wenig Material aus „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ enthält, diese aber mit Szenen aus einem anderen Godzilla-Film anreichert und eine ganz andere Geschichte als der eigentliche Film erzählt. Auf der Disc mit der deutschen Kinofassung findet man dann den deutschen Trailer und das deutsche Werbematerial.  Das 20-seitige und hübsch bebilderte Booklet enthält einen gut geschriebenen und höchst informativen Text von Ingo Strecker. Ferner liegt noch ein Gutschein für den Kauf einer späteren Blu-ray-Veröffentlichung bei, der den Preis von € 14.99 auf € 5,99 senkt.

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