Filmbuch-Rezension: Reiner Boller „Wilder Westen made in Germany“

Von , 29. März 2018 18:45

An Reiner Bollers wundervollem Buch „Wilder Westen made in Germany“ habe ich nur eins auszusetzen: Es ist schuld daran, dass ich in letzter Zeit viel zu wenig Schlaf bekam, weil ich abends immer viel zu lange drin gestöbert habe. Das dicke, 523 Seiten starke Schmökerwerk platzt nur so vor Anekdoten, Produktionsinformationen, Interviews und sonstigen spannenden Fakten. Was Reiner Boller hier an Recherchearbeit geleistet hat, ist einfach unglaublich. Man findet in seinem Buch Produktionsmemos, Briefe, zeitgenössische Berichte/Interviews/Filmkritiken und vieles mehr. Und Boller hat auch immer wieder selber die Protagonisten seines Buches aufgesucht und mit ihnen über jene deutschen Westernfilme gesprochen, in denen sie selber mitgewirkt haben. Die Fülle der Informationen erschlägt einen manchmal fast. Und manche Geschichten, z.B. wie „Winnetou I“ entstanden ist, lesen sich beinahe schon wie kleine Thriller.

Die Karl-May-Filme der 60er Jahre stehen dann natürlich auch im Mittelpunkt des Buches und einige Titel werden teilweise mit über 40 Seiten bedacht. Doch Boller konzentriert sich nicht nur auf diese heute noch sehr populären Filme, sondern nimmt den Titel seines Buches sehr genau. So erfährt man im ersten Kapitel einiges über deutsche Stummfilme mit Wild-West-Thematik, später wird auf Trenkers „Der Kaiser von Kalifornien“ ebenso eingegangen, wie auf die Hans-Albers-Filme „Sergeant Barry“ und „Wasser fürCanitoga“. Und immer weiß Boller viele Interessante Geschichten von den Dreharbeiten, den beteiligten Personen oder den Umständen der Produktion zu berichten.

Während der „Karl-May-Welle“ versuchten sich auch andere Produzenten an den Erfolg des Western-Genres zu hängen und heuerten Leute wie Rolf Olsen oder Jürgen Roland an, um diese Filme teilweise in denselben Kulissen wie die Karl-May-Filme zu drehen. Jugoslawien wurde für die deutschen Western-Produktionen auch jenseits von „Winnetou“ & Co. das, was Almeria für die Italiener war. Apropos Italiener. Boller widmet sich auch ausführlich all jenen Italo-Western, bei denen deutsche Produzenten ihre Hand bzw. ihr Geld im Spiel hatten. Eine Tradition, die mit „Für eine Handvoll Dollar“ erfolgreich begann.

Neben den „reinen“ Western wagt Boller auch einen Blick nach links und rechts des Kriegspfades. So gehören für ihn die Mexiko-Abenteuer nach Karl May, mit denen der große Konkurrent des „Winnetou“-Produzenten Wendland, Artur Brauner, versuchte eine dicke Scheibe vom Karl-May-Kuchens abzuschneiden. Aber auch die Alaska-Abenteuer nach Jack London oder Südamerika-Filme wie Werner Herzogs grandioser „Aguirre – der Zorn Gottes“ oder „Cobra Verde“.

Natürlich wird das in den 70er Jahren sehr produktive Westernkino der DEFA mit Gojko Mitić nicht vergessen, sowie die zahlreichen TV-Produktionen bis hin zu „Winnetou – Der Mythos lebt“, jener RTL-Dreiteiler, der Weihnachten 2017 über den Bildschirm flackerte. Und auch „Doc Snyder“ taucht auf, wenn auch sehr zum Verdruss von Reiner Boller, der diesem Film – im Gegensatz zum „Schuh des Manitu“ – so gar nichts abgewinnen kann.

Die 110 hier versammelten Film werden in der Regel in folgenden Abschnitten vorgestellt: Story, Entstehung und Dreharbeiten, Western-Fazit, Zitate aus zeitgenössischen Kritiken. Manchmal etwas mehr, wie bei den ersten Karl-May-Filmen, manchmal etwas weniger, wie bei den meisten italienisch-deutschen Co-Produktionen. Darüber hinaus gibt es unter der Überschrift „Namen im deutschen Western“ noch 48 Porträts, die von natürlich Lex Barker und Pierre Brice, aber auch Horts Wendland, Harald Reinl oder Martin Böttcher hin zu Leuten wie Brad Harris und Marisa Mell oder beliebten Nebendarstellern wie Walter Barnes reichen.

„Western made in Germany“ ist in tolles, unglaublich detailliert recherchiertes und dabei sehr unterhaltsames, ja teilweise sogar ausgesprochen spannendes Buch über ein Thema von dem man dachte, es sei schon sehr viel drüber erzählt worden. Bollers Buch beweist allerdings, dass dies nicht stimmt. Ein Standardwerk, welches sich jeder Filminteressierte (ob nun Westernfan oder nicht) ins Filmbuchregal stellen sollte. Nur sollte man eben darauf achten, nicht abends noch mit dem Schmökern anzufangen, wenn man morgens früh raus muss.

Reiner BollerWilder Westen made in Germany, Mühlbeyer Filmbuchverlag, 523 Seiten, € 29,90

DVD-Rezension: „Shaolin – Warteliste des Todes“

Von , 27. März 2018 20:51

Chang Sheng (John Liu) lebt friedlich als erfolgreicher Geschäftsmann und Besitzer einer Kung Fu Schule. Doch der böse Fang Keng (Philipp Ko) greift mit seinen Leuten die Schule an und zerstört Chang Shengs Geschäft. Cheng Sheng stellt sich dem Feind, der das Duell nicht überlebt. Dummerweise hat Fang Keng einen genauso bösen Bruder (nochmal Philipp Ko), der nun auf Rache sinnt. Eines Tages taucht ein junger Kämpfer Shu Keng (Stephen Tung Wai) auf, der von Chang Sheng dessen wundersamen „magischen Stoss-Tritt“ erlernen will. Zwar weigert sich Chang Sheng, Shu Keng zu unterrichten, doch dieser nistet sich schon bald bei Chang Sheng und dessen Gefolgsleuten ein. Gehört dies etwa zu einem perfiden Plan, um Rache für den Tod von Fang Keng zu nehmen?

Shaolin – Warteliste des Todes“ ist einer jener schön bekloppten Titel, die den unzähligen Kung-Fu-Kloppern von den deutschen Verleihern für die Auswertung in den Bahnhofskinos verpasst wurden. International firmiert er unter „Wu Tang Magic Kick“, was nicht nur knackiger klingt, sondern auch besser zum Film passt. Denn die Beinarbeit des Hauptdarstellers John Liu ist wahrlich magisch und alleine schon einen Blick wert. Der Taiwaner Liu erlernte schon klein auf die Kunst des chinesischen Kung Fu, gewann Meisterschaften und entwickelte später seinen ganz eigenen Stil mit Namen „Zen Kwan Do“, einer Mischung aus traditionellen Kung Fu und Taekwondo. Seine Kampfkünste brachten ihn Anfang der 70er Jahre zum taiwanischen Film, wo er ab 1976 zum Star aufgebaut wurde. Zwischen 1977 und 1979 war er in elf Filmen zu sehen. 1981 gründete sein eigenes Filmstudio , welches allerdings nach einigen Flops schon 1982 Pleite ging. Lui ging dann nach Paris, um dort sein Zen Kwan Do zu propagieren und verabschiedete sich bis auf wenige kleine Ausnahmen vom Filmgeschäft.

Als Demonstration seiner unglaublichen „magischen Stoßtritte“ eignet sich „Warteliste des Todes“ vorzüglich. Die zahlreichen Kampfszenen, die nur ab und zu durch Handlung unterbrochen werden, sind sehr energiegeladen und rau in Szene gesetzt. Die Kamera ist immer nah am Geschehen, was dem ganzen noch einmal eine ganz eigene, brutal-realistische Qualität gibt, gerät aber trotzdem nicht ins Wackeln und ermöglicht dem Zuschauer einen guten Überblick über das geschehen. Etwas, was die Kameramann heute scheinbar schon verlernt haben oder was in den meisten aktuellen Actionfilmen im angeblich dynamisierenden Schnitt zerstört wird. Hier kann man 90 Minuten dabei zusehen, wie sich die Gegner kunstvoll verprügeln und wie unglaublich flexible vor allem John Liu war. Um den Film zu genießen, muss man allerdings auch einen Faible für Zooms haben. Gegen das Zoom-Feuerwerk, welches hier abgebrannt wird, wirkt ein Jess Franco regelrecht lethargisch.

Wie viele Taiwanische Produktionen kann man „Warteliste des Todes“ ansehen, dass nicht besonders viel Budget zur Verfügung stand. Die Darsteller sind in der Mehrzahl unbekannt und wirken mit ihren wilden Perücken und Bärten wie von der Straße geholt. Neben Liu kennt man Philipp .. aus Hongkong, der hier eine Doppelrolle spielt und mit seinen gewaltigen Augenbrauen und dem schlechten Haarteil derartig billig aussieht, dass es eher wie eine Parodie wirkt. Aber darauf kommt es ja auch nicht an, denn die Kämpfe zwischen ihm und Liu befinden sich auf hohem Niveau. Was man vom Drehbuch nicht behaupten kann, welches eine recht einfallslose, überraschungsfreie Standard-Geschichte erzählt, die aber mit einem hohen Maß an Enthusiasmus und Action gut kaschiert wird.

Wie immer, wenn Kung-Fu-Filme preisgünstig in Taiwan gedreht wurden, stehen auch hier keine großartigen Studiokulissen zur Verfügung, was dem Film aber durchaus zum Vorteil gereicht. Denn so zieht man sich in die wilde Natur des Landes und den tatsächlich vorhanden, beeindruckenden Bauten zurück. Die Eleganz, Schönheit, aber auch Künstlichkeit einer Shaw Brothers Produktion geht einem Film wie „Warteliste des Todes“ völlig ab. Aber gerade hier liegt ja auch ein besonnenerer Reiz. Langweilig ist „Warteliste des Todes“ auch zu keiner Sekunde. Ständig ist etwas los, allein in den ersten acht Minuten kommt es schon zu drei großen Kämpfen. Dazu werden nett verrückte Szenen eingestreut, wie z.B. jene in der John Lius Figur in einem Goldenen Käfig in den Wahnsinn getrieben wird. Und wem trotzdem langweilig ist, der kann ja fröhlich mit raten, aus welchem Western gerade wieder die Musik geklaut wurde.

Zwar folgt die Geschichte von „Shaolin – Warteliste des Todes“ der Standard-Formel für billige Hongkong-Klopper, doch John Lius unglaubliche Fuss-Akrobatik, pausenlose Action mit wilden Kämpfen und die ein oder andere verrückte Idee hieven den Film locker über den Durchschnitt.

Leider ist die neue filmArt-Veröffentlichung kein Ruhmesblatt. Als Grundlage diente dasselbe (schlechte) Ausgangsmaterial wie bei den vorhergehenden Veröffentlichungen durch andere Labels, nämlich ein Digibeta-Tape. Dieses ist laut filmArt die derzeit weltweit einzige Quelle. Immerhin hat filmArt aber den Film erstmals anamorph in Scope auf DVD gebracht und die alte Fassung in 2,35:1 (Letterbox) als (einziges) Extras beigegeben. Das Bild ist aber wirklich unterdurchschnittlich. Nicht besonders scharf, an eine VHS erinnernd und in der linken Bildhälfte taucht ab und zu etwas auf, was wie eine schmale, transparente Säule aussieht und das Bild dahinter verzerrt. Der deutsche Ton ist etwas dünn und leicht dumpf, aber sehr viel besser als die ebenfalls enthaltende sehr dumpfe englische Tonspur. Die Synchro ist solide. Extras gibt es wie gesagt bis auf die nicht-anamorphe Letterbox-Fassung keine. Nicht mal ein Booklet.

Das Bloggen der Anderen (26-03-18)

Von , 26. März 2018 17:48

– Christian Genzel von Wilsons Dachboden war auf dem Filmfestival „Sweet Movies 2“, welches diesmal in Nürnberg stattfand. Gezeigt wurden sechs (wie Christian Keßler es in seinem wunderbaren buch „Die läufige Leinwand“ nannte) „Flutschfilme“ und Christian hielt eine Einführung für „Flesh Gordon“ (dem einzigen soften Vertreter des Festivals). Das kam alles gut an und Christian hat das Festival auch sehr genossen (was mich ganz besonders freut, hatte ich doch einst die Ehre den Kontakt herzustellen). Hier sein kompletter Bericht.

– Viktor Sommerfeld erinnert sich auf Jugend ohne Film an die Berlinale zurück und versucht aus seinen Erinnerungen Topographien des Kinos zu erschaffen.

– Lukas Foerster verliert auf Dirty Laundry einige kluge Worte über das Kinoformat DCP.

– Rochus Wolff macht sich auf kino-zeit.de Gedanken über „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und in wie weit der Film den antirassistischen Kern der Vorlage vernachlässigt. Beatrice Behn schreibt darüber, wie die neuen Hexenfiguren den Zuschauern „ wunderbar widerständige Frauen bescheren“.

– Eine dieser „Hexenfiguren“ ist die „Eishexe“ Tonya Harding, deren Leben nun mit der wundervollen Margot Robbie als „I, Tonya“ verfilmt wurde. Marco ist von dem Film begeistert, so dass es nach einiger Zeit auch mal wieder einen neuen Artikel auf Douscope gibt.

– „2 States“ von Abhishek Varman war laut Michael Schleeh auf Schneeland eine Sensation in seinem Heimatland Indien. Dort schreibt er auch, warum der Film am Ende doch enttäuscht.

– Da hatte ich letzte Woche schon geschrieben, Oliver Nöding hätte seine Robert-Aldrich-Retro auf Remember It For Later beendet – und habe ganz „All the Marbles“ vergessen. Diesen bespricht er in dieser Woche und in der Kommentarspalte meldet sich auch eine gewichtige Stimme zu Wort.

Filmlichtung hat „Rivalen unter roter Sonne“ als „Super-Crossover“ entdeckt. Der Film sei zwar nicht „der Überflieger“, den man aufgrund der Leute vor und hinter der Kamera erwarten könne. Aber gelungen sei er trotzdem.

– Mit Oliver Reed und den Hammer Studios hat sich Mauritia Mayer auf Schattenlichter beschäftigt, als sie „Haus des Grauens“ geschaut hat.

– André Malberg hat auf Eskalierende Träume einen schönen Text über den frühen Harald-Reinl-Film „Johannisnacht“ und dessen Farbgebung verfasst.

Das Bloggen der Anderen (20-03-18)

Von , 20. März 2018 22:22

Nach einem sehr anstrengendem Wochenende und allgemeinem Unwohlsein wollte ich „Das Bloggen der Anderen“ in dieser Woche eigentlich ausfallen lassen. Jetzt habe ich aber gesehen, dass gerade in der letzten Woche viele spannende Artikel von den Kollegen veröffentlicht wurden – da habe ich mich dann heute Abend kurzerhand doch noch einmal ran gesetzt.

– Mit ein wenig Verspätung – doch darauf wartet man doch gerne – berichtet Silvia Szymanski auf Hard Sensations vom 17. Hofbauer Kongress und verweist neben ihren eigenen, wie immer höchst lesenswerten Texten, auch auf die Berichte anderer, so dass man man vielen Stimmen durch den Kongress folgen kann. So, als wäre man dabei gewesen und hätte im Foyer heimlich gelauscht.

– Manfred Polak setzt sich auf Whoknows presents intensiv mit René Cléments „Die Mauern von Malapaga“ auseinander, den er mit den Worten „Poetischer Realismus trifft Kino der Qualität trifft Neorealismus“ beschreibt.

– Patrick Holzapfel befand sich auf der Diagonale 2018 und schreibt auf Jugend ohne Film über den Film „Ausbruch“ von seinem Bekannten Ludwig Wüst.

– In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum Frankfurt und dem Deutschen Filminstitut findet Anfang April der Zukunftskongress Deutscher Film statt. Joachim Kurz macht sich auf kino-zeit.de jetzt schon mal darüber Gedanken, was ihn dort erwartet.

– Michael Kienzl interviewt auf critic.de den großartigen Schauspieler Franz Rogowski.

– Noch ein Interview, aber ein älteres. Ulrich Gregor hat Ende 1963 Wolfgang Staudte interviewt. Christoph Hochhäuser hat das Gespräch auf seinem Blog Parallel Film online gestellt.

-Auf Filmlichtung findet man den zweiten Teil eines lesenswerten Artikels über Horrorfilm-Regisseurinnen.

Witte’s wöchentliche Tipps wartet u.a. mit drei “Gladbeck“-Filmen und Alex Garlands „Annihilation“ (eher enttäuscht) auf.

– „Annihilation“ ist auch Thema bei Allesglotzer (begeistert) und Nischenkino (verzückt).

– Auch Oliver Armknecht von film-rezensionen.de widmet sich „Annihilation“ (sehr gut) und stellt einen Film vor, auf den ich mich persönlich seit dem ersten Trailer schon sehr freue: Die Realverfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.

– Auf der IMDb schaut mit in letzter Zeit immer das Plakat zu Joachim Tiers „Thelma“ entgegen. Symparanekronemoi hat den Film schon gesehen und kann ihn weiterempfehlen.

– Frank Brenner schreibt auf Mehrfilm über Andrey Zvyagintsevs neues Werk „Loveless“: „Meisterwerk! Jetzt in ausgewählten Kinos. Nicht verpassen!“

– Für Hoffman von den Drei Cineasten ist der späte DEFA-Film „Insel der Schwäne“, „ein Werk, das sich auf jeden Fall wieder zu entdecken lohnt“.

– Oliver Nöding beendet auf Remember It For Later nach langer Zeit seine Robert-Aldrich-Retrospektive mit „The Choirboys“ und „The Frisco Kid“.

– Christian schreibt auf Schlombies Filmbesprechungen über einen 80er Film, der mir immer sehr am Herzen lag: „The Hidden“.

Das Bloggen der Anderen (12-03-18)

Von , 12. März 2018 17:04

Das war wieder eine der eher ereignislosen Wochen. Trotzdem habe ich ein paar wenige Links gefunden, die ich hier gerne teilen möchte.

– Unter dem Titel „Frisches Blut: weibliche Regisseure im Horror – Teil 1“ erforscht Filmlichtung die weibliche Sicht auf den modernen Horrorfilm.

– Sonja Hartl hat auf kino-zeit.de anhand von „Die Verlegerin“ einmal untersucht, wie Frauen in Journalisten-Filmen dargestellt werden.

– Weniger Film im Sinne von „Kino“, aber trotzdem interessant und lesenswert: Dietrich Brüggemanns wütende Rede gegen starre und konservative Programmdirektionen, die eine kreative Entfaltung unmöglich machen. Nachzulesen auf out takes.

– Lukas Foerster hat seine Einführung zum Film „The Private Eyes“, die er am 8.2. im Kino Arsenal hielt auf Dirty Laundry online gestellt. Es geht um Michael Hui und die Hongkonger Komödienfilme generell.

„8 Millionen Wege zu sterben“ war einer der letzten Filme der New Hollywod-Legende Hal Ashby. Warum der Film so geworden ist wie er ist und weshalb er gesehen werden sollte erklärt Oliver Nöding auf Remember It For Later.

– „Die Schlange im Regenbogen“ zählt zu meinen Lieblingsfilmen von Wes Craven. Als ich ihn damals im Bremer Kommunalkino in 35mm sehen konnte, war das auch so etwas, wie die Geburt unserer Filmreihe Weird Xperience, wodurch er für mich noch einmal eine besondere Bedeutung hat. Volker Schönenberger stellt ihn auf Die Nacht der lebenden Texte noch einmal vor.

– Das erste Filmbuch was im wahrsten Sinne des Wortes „zerlesen“ habe, war Joe Hembus „Western Lexikon“. Dort bekamen alle Filme 1-4 Sternchen, je nach Güte. Aber nur ein Film bekam 5 Sterne: John Fords „Der schwarze Falke“. Robert Zion hat auf eben diesen auf seinem Blog ein kurzes Schlaglicht geworfen.

– Oliver Armknecht bespricht auf film-rezensionen den neuen Film von Pascal Laugier: „Ghostland“.

Filmbuch-Rezension: “Linientreu und populär – Das Ufa-Imperium 1933-1945“

Von , 7. März 2018 22:07

Nach der sehr anregenden Lektüre des Buches „Linientreu und populär. Das Ufa-Imperium 1933–1945“ ist mir wieder eines schmerzlich bewusst geworden. Man soll auf sein Herz und nichts anderes hören. Nach dem Abi stand für mich fest: Ich wollte Geschichte studieren. Das war meine Leidenschaft, mein Leistungskurs und das Fach hatte zu Schulzeiten immer dafür gesorgt, dass der Notendurchschnitt etwas gehoben wurde. Meine Eltern fanden das nicht so gut. Wirtschaft wäre doch eine bessere Wahl. Leider ging ich dann zur Studienberatung und der Herr dort (Tiefensee war sein Name, der sich mir für immer ins Gedächtnis gebrannt hat) hat mir meinen Studienwunsch vehement ausgeredet. Geschichte, nein… da könne man eigentlich gleich zum Arbeitsamt gehen. Aber Wirtschaft.. ja… das wäre die Zukunft. Dumm und naiv wie ich damals war, glaubte ich ihm, erfüllt den Wunsch meiner Eltern, studierte ein Fach, was mich so eigentlich gar nicht richtig interessierte und das Schicksal nahm seinen Lauf. Heute ärgere ich mich darüber sehr und verfluche meine eigene Dummheit. Meinen Kindern werde ich darum immer mit auf den Weg geben: Höre auf Dein Herz – der Rest kommt dann von selber.

Warum ich das schreibe? Weil ich mich nach den vielen filmtheoretischen Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, mich bei dem filmhistorischen Buch „Linientreu und populär. Das Ufa-Imperium 1933–1945“ augenblicklich puddelwohl gefühlt und es in einem Rutsch verschlungen habe.

Wie der Titel schon sagt, beleuchtet das Buch die Zeit von 1933 bis 1945, als die Ufa zunächst um die Gunst der neuen Machthaber in Deutschland buhlte, trotzdem aber vor allem als wirtschaftliches Unternehmen agierte. Bald schon wurde es von den Nationalsozialisten allerdings gänzlich vereinnahmt und dem staatlich kontrollierten Konzern Ufa-Filmgesellschaft GmbH (trotz der Namensähnlichkeit gerade nicht identisch mit der Ufa AG) zugeschlagen. Das durchdachte und sehr gut gegliederte Buch beginnt mit einem informativen und durch Dokumente belegten Überblick darüber, wie die Ufa die Machtübernahme 1933 erlebte und zunächst glaubte, ein paar Zugeständnisse würden reichen, um die Geschäfte normal weiterzuführen. Diesem Artikel von Rainer Rother folgt dann ein folgerichtig ein von Friedemann Beyer verfasstes Porträt der Ufa unter der Ägide des rechts-national Zeitungsverlegers Alfred Hugenberg, der die Ufa 1927 übernahm und auf einen national-konservativen Kurs brachte. Hugenberg war auch Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei, die zusammen mit den Nationalsozialisten 1933 die Regierung bildete. Hugenberg war dabei kurzzeitig Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung im Kabinett Hitler.

Aus der Perspektive der Publikumsnachfrage und weniger des Filmangebots beleuchtet Joseph Garncarz die Filmproduktion der Ufa und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Roel Vande Winkel nimmt sich dem ungemein spannenden Thema an, wie die Ufa in den Jahren 1939 bis 1945 ins europäische Ausland expandierte, immer den Spuren der Wehrmacht folgend und vom Verbot ausländischer Filmen profitierend. Da wurde der Krieg genutzt, um sich einen eigenen Monopolmarkt zu schaffen. Dazu passend: Christophe Gauthies Porträt des Raoul Ploquin, einer durchaus schillernden Persönlichkeit, und der Alliance Cinématographique Européenne. Ebenfalls hoch interessant. Da freut es mich, dass am Ende dieses Artikels eine zukünftige, größere Studie zu diesem Thema angekündigt wird.

Wenig weiß man vom NS-Kulturfilm für den immerhin ein Visionär und Pionier wie Walter Ruthmann arbeitete. Ein nahezu unbekanntes, aber auch wichtiges Kapitel, dem sich Kay Hoffmann annimmt. Dazu passt gut Annika Schaefers Text über die Inszenierung von Arbeit und Arbeitern im NS-Spielfilm. Faszinierend fand ich den Vergleich dreier NS-Erfolgsfilme, die alle drei nach denselben drei Erfolgsformeln funktionierten: „Frauen, Krieg und Flieger“. Schön herausgearbeitet von Elissa Mailänder. Ein guten Einblick in das Star-System der Ufa – oder zumindest den Versuch ein solches in Deutschland zu etablieren, de facto gab es da außer Hans Albers aber niemanden, den man auch international hätte vermarkten können – gibt der Text von Tobias Hochscherf. Brigitte Jacob und Wolfgang Schäche berichten über das gigantische Bauprojekt der „Filmstadt Babelsberg“, welches dann niemals durchgeführt wurde. Rolf Aurich ergänzt dies noch um die tatsächlich entstandene Ufa-Lehrschau und die kurzlebige, mit vielen hochfliegenden Plänen gestartete Deutsche Filmakademie, die beide in Babelsberg als Teil der „Filmstadt“ installiert wurden.

Das wichtigste und erschütterndste Kapitel dieses Buches widmet sich Zwangsarbeit bei der Ufa von 1940 bis 1945. Ich kann allen nur Almuth Püschel aufwühlenden Text ans Herz legen. Es ist ungemein wichtig, sich auch über dieses dunkle und oftmals unterschlagene Kapitel zu informieren. Jens Westemeiers Bericht über die Erinnerungen des niederländischen Zwangsarbeiters Piet Reijnens rundet diesen Themenkomplex dann ab. Auch wenn man Reijnens Erinnerungen (u.a. berichtet er von Snuff-Filmen, die die Ufa als Lehrstücke für die Wehrmacht produziert haben soll) nicht immer 1:1 glauben darf (sie widersprechen sich oft und sind nachprüfbar falsch – was mit seiner Traumatisierung zusammenhängen kann), geben sie doch ein Zeugnis davon, was die Zwangsarbeit bei der Ufa mit einer menschlichen Seele angerichtet hat. Zuletzt geht es in Jörg Schönings Artikel um die skandalöse Geschichte der Ufa nach dem 2. Weltkrieg, als der Konzern Spielball unterschiedlichster politischer und kapitalistischer Interessen wurde.

Fazit: „Das Ufa Imperium“ ist ein ebenso spannendes wie aufschlussreiches Buch, welches die legendäre Ufa von Seiten beleuchtet, die weniger bekannt sind und in der „offiziellen“ Geschichtsschreibung auch eher am Rande behandelt werden. Und damit für alle filmgeschichtlich Interessierte eine Pflichtlektüre.

Rainer Rother und Vera Thomas (Hrsg.) Linientreu und populär – Das Ufa-Imperium 1933-1945″, Bertz+Fischer, 224 Seiten, € 17,90

Das Bloggen der Anderen (05-03-18)

Von , 5. März 2018 17:47

– Ein letztes Mal Berlinale. Schwanenmeister erklärt auf Negative Space „Warum die deutschen Beiträge den Berlinale-Wettbewerb bereichert haben“ und zieht ein persönliches Fazit.

– Michael Kienzel stellt auf critic.de die Retrospektive „Splendid Isolation“ des Berliner Arsenal vor. Eine Reihe zum Hongkong-Kino von der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Handover im Jahr 1997.

– Andreas Köhnemann schaut sich auf kino-zeit.de die Schönen, Wilden und Halbstarken des Kinos an und fragt „Was zeichnet diese Figuren aus?

Witte’s wöchentliche Tipps ist Oscar-frei und hat ein paar Interessante… na ja… Tipps. Was auch sonst?

Filmlichtung hatte Geburstag und wünscht sich ein paar interessante Dinge… vom Film.

– Gleich zwei Filmblogs legen mir in dieser Woche den britischen Horrorfilm „The Ritual“ ans Herz. Dann muss ich den wohl auch gucken. Läuft aber leider auf Netflix. Dann warte ich auf die BluRay. Bis dahin lese ich nochmal die Reviews von Heiko Hartmann auf Allesglotzer und donpozuelo auf Going to the Movies.

– Polnische Filme gehen bei mir immer und nach Oliver Armknechts Review auf film-rezensionen.de wandert Maciej Pieprzycas „I’m a Killer“ gleich mal auf die Shopping-Liste für den nächsten Warschau-Besuch.

– Letzten Sommer haben wir bei Weird Xperience „Die Gewalt bin ich“ auf beim Open-Air-Kino am Schlachthof gezeigt. Wer nicht dabei war kann jetzt bei Mauritia Mayer auf Schattenlichter nachlesen, was er tolles verpasst hat.

– Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte kann nicht verstehen, was man an Umberto Lenzis „Cannibal Ferox“ gut finden kann. Dafür hat ihn „Red White & Blue“ auf positive Weise verstört. Regisseur Simon Rumley war letztes Jahr gleich mit zwei Filmen zu Gast auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg und hat mich dort mit „Fashonistas“ begeistert. Dann werde ich in diesen Film auch mal reinschauen.

– Weiter geht es mit Oliver Nödings John-Ford-Retro auf Remember It For Later. “Four Men and a Prayer”, der ihn ganz unerwartet sehr begeistert hat.

– Vor zwei Wochen verstarb Lewis Gilbert mit 97 Jahren. Außer seinen drei James-Bond-Filmen kennt man kaum etwas von ihm. Etwas, was man ändern sollte, die funxton nach der Sichtung von „The Adventures“ meint.

– Einer meiner Lieblings-Wallace (vielleicht auch, weil es der erste war, den ich sah) ist „Der Fälscher von London“. Totalschaden von Splattertrash mag den aber auch.

Hauptsache (Stumm)Film hat einen Film mit dem heute ziemlich vergessenen Komiker „Snub“ Pollard verlinkt.

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