Lommel/Bremen

Von , 8. Dezember 2017 21:03

In der letzten Zeit habe ich das Kino in Bremen ziemlich vernachlässigt. Sowohl was das „echte Leben“ angeht, als auch die Berichterstattung hier im Blog. Dabei ist in unserer schönen Hansestadt mehr los, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auch wenn man erst viele Jahre später davon erfährt. So war ich ausgesprochen überrascht, als ich gestern in der Stadtteil-Beilage des Weser Kuriers in einem Artikel lass, dass es 2011 in der Schwankhalle scheinbar einen Auftritt von Ulli Lommel gab.

Jener ist leider am letzten Samstag überraschend verstorben. Ich hatte ihm hier keinen Nachruf gewidmet, da ich einerseits mit Lommel, seinem Leben und Werk nicht so gut vertraut bin (bis auf seine schauspielerische Arbeit bei Fassbinder und seinen schönen Film „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, den ich hier besprochen habe). Andererseits gibt es bereits einen ganz fantastischen Nachruf von Doris Kuhn auf der Seite der Zeit.

In dem erwähnten Artikel geht es auch nicht so sehr um Ulli Lommel, sondern um den Bremer Schauspieler und Musiker Denis Fischer. Als damaliger Künstlerischer Leiter der Schwankhalle in der Neustadt holte er 2011 Ulli Lommel nach Bremen und produzierte hier mit ihm „The Factory“. Darin ging es um Lommels Begegnungen mit Fassbinder, Warhol, Romy Schneider, Jackie Kennedy Onassis, Truman Capote, Frank Sinatra und anderen Stars der damaligen Zeit. Und ich frage mich heute, warum ich davon nichts mitbekommen habe? Ulli Lommel hier in Bremen – das hätte ich zu gerne gesehen. Aber obwohl ich aufgrund dieses Blogs mich regelmäßig über kinorelevante Themen informiere und Lommel spätestens seit seinen Fassbinder-Filmen (und dem schönen „Rumhänger“-Film „Detektive“ von Rudolf Thome) ein mir sehr bekanntes und gern gesehenes Gesicht war, hatte ich das nicht auf meinen Radar bekommen. Eine Gelegenheit, die jetzt leider nie wiederkommt.

Aber immerhin: Lommel selber scheint die Produktion hier in Bremen sehr viel Freude gemacht zu haben, denn eine Verfilmung von „The Factory“ – mit Denis Fischer in der Rolle von Andy Warhol – ist nun sein letzter Film geworden. Und dieser soll im Februar tatsächlich auf der Berlinale vorgestellt werden. Das wäre dann der erste Lommel-Film (zumindest meines Wissens nach, man korrigiere mich, wenn dem nicht so ist), der seit 2004 in Deutschland zu sehen ist. Das war damals der berühmt-berüchtigte „Daniel, der Zauberer“, welcher bei der IMDb zwar immer noch auf Platz 4 der schlechtesten Filme aller Zeiten steht, nun langsam seine Rehabilitierung erfährt. Bis dahin kann man Warhol-Darsteller Denis Fischer aber noch – soviel Werbung für das Viertel in dem ich lebe muss sein – im Bremer Kriminaltheater in Walle sehe. Dort spielt er die Hauptrolle in „Die Falle“. Ein Stoff an dem sich Alfred Hitchcock einst kurz vor seinem Tod die Rechte sicherte, aber nicht mehr realisieren konnte.

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