Rezension: „Ende“

Von , 4. Mai 2014 18:39

endeNach 20 Jahren trifft sich eine Gruppe von Jugendfreunden zusammen mit ihren Partnern in einem abgelegenen Haus im Wald wieder. Am Abend brechen alte Ressentiments wieder hervor und es wird sich an einen Vorfall erinnert, der das letzte Treffen in eine Katastrophe verwandelte. In der Nacht kommt es zu einem merkwürdigen Spektakel am Himmel und am nächsten Tag funktionieren die elektrischen Geräte nicht mehr. Zudem ist einer aus der Gruppe verschwunden. Die Gruppe macht sich zu Fuß auf den Weg ins nächste Dorf und muss dabei feststellen, dass sie scheinbar die einzigen noch verblieben Menschen auf der Erde sind…

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Ob man den spanischen Film „Ende“ nun mag oder nach Sichtung am liebsten vor lauter Wut seine Fernbedienung in den Fernseher pfeffern möchte, liegt stark an der Erwartungshaltung. Um also böse Überraschungen zu vermeiden, erzähle ich in diesem ersten Absatz etwas mehr über den Ausgang des Filmes, als ich es allgemein tue. Personen, die dies nicht lesen möchten, rate ich, genau jetzt zum nächsten Absatz zu springen. Allen anderen möchte ich hier schon verraten, dass es in „Ende“ keine Auflösung der mysteriösen Vorgänge gibt. Welche Katastrophe warum eingetreten ist, bleibt ebenso im Dunkeln, wie die Frage, weshalb gerade die Gruppe von alten Jugendfreunden zunächst noch nicht verschwunden ist. Da der Film das Geheimnisvolle recht stark betont, werden die allermeisten natürlich der Erklärung für all dem entgegenfiebern. Welche Rolle spielt hier der „Philosoph“ genannte Angel? Wo sind all die Menschen hin verschwunden? Was ist mit dem Sternenhimmel und wieso laufen überall wilde Tiere herum? Da dem Zuschauer aber jegliche Erklärung konsequent verweigert wird, dürfte es hier und dort zu einigen der oben beschriebenen Frustreaktionen kommen, und dies dürfte auch die überrascht niedrige Wertung in der IMDb erklären. Wer aber damit leben kann, dass man den Film auch als reine Metapher für das Verschwinden von Menschen aus Beziehungen und dem Leben anderer zu sehen ist, der kann auch Freude finden an den wunderbaren Bildern, der rätselhaften Atmosphäre und der Herausforderung, sich auf das alles selber einen Reim zu machen.

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In „Ende“ geht es gar nicht in erster Linie um die Katastrophe und das Verschwinden der Menschheit. Vielmehr ist dies die äußere Visualisierung der inneren Zustände der Protagonisten und ihrer Beziehung zueinander. Wie die Gruppe in der menschenleeren Welt nach der Katastrophe, ist auch jeder dieser Menschen in seinem Leben allein. Felix bezahlt ein junges Mädchen, damit sie als seine Freundin auftritt. Er will um keinen Preis vor den Anderen zugeben müssen, dass er keine Bindung gefunden hat. Raffa hat seine Firma verloren und ist in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, Hector ein selbstsüchtiges Arschloch, welches zu echten Gefühlen unfähig ist. Seine Frau Coza lebt neben ihm her, statt mit ihm. Und Sara steht die Einsamkeit ins Gesicht geschrieben. Auch verbindet die ehemaligen Freunde nichts mehr miteinander, als nur die Erinnerung. Verlischt diese, so lösen sich auch die Beziehungen der Menschen untereinander auf und jeder bleibt allein zurück.

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Regisseur Jorge Torregrossa, der zunächst fast ausschließlich mit TV-Serien in Erscheinung getreten ist, gelingt es zusammen mit seinem Kameramann José David Montero starke, visuell betörende Bilder für eine von den Menschen gereinigte Welt, nach der geheimnisvollen Apokalypse zu finden. Die felsige Landschaft, die leeren Häuser und die mit verlassenen Autos gesäumte Straße. Die unendlichen Kornfelder und schlussendlich die verlassene Hafenstadt, verströmen eine ganz spezielle, unbehagliche Stimmung und sind doch zugleich wunderschön. Insbesondere die leeren Gassen der Hafenstadt, die im Mondschein noch verlassener und bedrohlicher aussehen, wecken ungute Erinnerungen an den ebenfalls spanischen „Ein Kind zu töten“ oder die griechische Insel in D’Amatos „Man-Eater“. Da bedarf es dann auch keiner blutigen Details oder pulstreibener Actionsequenzen, um den Zuschauer an seinen Sessel zu fesseln. Ein Löwe, der in einer beinahe surreal anmutenden Szene unvermittelt durch das entvölkerte Städtchen streift, erinnert daran, dass die Zeit des Menschen als Herrscher der Welt abgelaufen ist. Jetzt herrscht wieder die Natur und deren König hat sein Reich zurückerhalten.

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Torregrossa setzt auf eher unbekanntere Gesichter. Der international bekannteste Name ist Maribel Verdú, die in „Pans Labyrinth“ und „Blancanieves“ größere Rollen hatte. Die anderen Schauspieler, wie Hauptdarsteller Daniel Grao, stammen vor allem aus dem spanischen Fernsehen. Für das männliche Top-Model Andrés Velencoso, der den schönen Hugo spielt und dabei ein hübscher Zwillingsbruder von Florian David Fitz aussieht, ist es sogar der erste Film überhaupt. Aber wie alle Darsteller (außer vielleicht Carmen Ruiz, die am Ende dann doch etwas übertreibt) macht er seine Sache sehr gut und die für den Film sehr wichtige Gruppendynamik funktioniert. Man hätte sich allerdings gewünscht, dass der Film nicht so deutlich dem Muster eines Slasher-Filmes folgt. So ist die Reihenfolge des Verschwindens doch recht vorhersehbar, aber wie eingangs erläutert spielen solche Dinge für den Kern des Filmes keine große Rolle und dienen eher dazu den Zuschauer auf eine bewusst falsche Fährte zu locken, auf was dieser aber auch mit einer großen Ablehnung reagieren kann. Deshalb muss man die Frage stellen, ob sich der Film damit ein Gefallen tut, ein so perfektes Spannungsszenario aufzubauen, wenn es ihm doch eigentlich um etwas ganz anderes geht.

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„Ende“ wird die Zuschauer spalten. Während die einen ihn abgrundtief hassen werden, weil er ihnen das Versprochene vorenthält, können die anderen ihn für seine wunderbaren Bilder und philosophischen Fragen mögen. So ist es durchaus möglich, dass gerade die sehr souveräne Regie, die nicht nur eine geheimnisvolle und unheilschwangere Kulisse aufbaut, sondern auch effektiv an der Spannungsschraube dreht, gerade dadurch gegen einen Erfolg beim Publikum arbeitet, weil dadurch eine Erwartungshaltung aufgebaut wird, die das Thema des Filmes verfehlt.

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Leider ist es mir nicht möglich, die DVD selber zu rezensieren, da mit von Pierrot Le Fou lediglich eine Presse-DVD mit Wasserzeichen (siehe Screenshots) und ohne deutsche Tonspur/Extras zur Verfügung gestellt wurde. Laut OFDb soll aber ein „Making Of“ und der Trailer mit an Bord sein.

Eine Antwort für “Rezension: „Ende“”

  1. Anonymous sagt:

    Endlich ein Film mit Wahrheit und Sinn

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