Originalfassungen in Bremen: 24.04.14 – 30.04.14

Nach dem Hoch in den letzten Wochen, ebben die O-Fassungen zu einem lauen Lüftchen ab. Allerdings läuft im Kommunalkino die Reihe „Balkan Cinema“, die dann doch einiges an Abwechslung bietet.

Transcendence – Cinemaxx, Do./Sa. um 21:00 – Regie-Debüt vom oscarprämierten Kameramann Wally Pfister. Johnny Depp spielt einen Wissenschaftler, dem es gelungen ist eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Als er selber bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt wird, wird sein Geist in einen gewaltigen Computer transferiert. Als er seine grenzlose Macht erkennt, werden die Dinge unschön.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=QheoYw1BKJ4[/youtube]

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro – Cinemaxx, Fr./Di. um 21:00 – Nach dem überraschend gelungenen “Spider-Man”-Reboot, geht der nette Netzschwinger in die zweite Runde und triff diesmal auf Electro, gespielt von Jamie Foxx.

Her – Schauburg, Fr. um 12:00 und So./Mi. um 21:00 – “A Spike Jonze Love Story”. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

Beziehungsweise New York – Atlantis, So., 27.4. um 20:00 – Französische Komödie und Fortsetzung der beiden „Auberge espagnole“-Filme. Die mittlerweile vierzigjährigen Protagonisten erleben Beziehungswirren in New York.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=rFtfpbvPS28[/youtube]

Die Moskauer Prozesse – City 46, Do./Sa./Mo. um 18:00 und So./Mi. um 20:30 – Dokumentarfilm über die Schauprozesses gegen drei Aktivistinnen von Pussy Riot, bei dem der Filmemacher Milo Rau Angeklagte eingeladen hat, in einem inszenierten Schauprozess ihre „Vergehen“ neu zu verhandeln.

Easy Abby: How to Make Love More Difficult – City 46, Fr., 25.4. um 20:30 – Queerfilm um zwei ungleiche Partnerinnen. als die eine nach Italien zieht, findet die andere heraus, wie sehr sie sie braucht.

Imagine – City 46, Fr./So./Di./Mi. um 18:00 und Sa./Mo. um 20:30 – Internationale Co-Produktion des polnischen Regisseurs Andrzej Jakimowski, um einen Blinden der quasi mit den Ohren hören kann und diese Fähigkeit in Lissabon an andere Blinde weitergeben soll. Mit Alexandra Maria Lara.

Just the Wind – City 46, Sa./Mi. um 20:00 – Ungarsicher Spielfilm über eine Roma-Familie, von rassistischem Terror bedroht wird.

My Dog Killer – City 46, Do./Mo. um 20:00 – Tschechisch/Slowakischer Spielfilm über den jungen Marek, der sich im rechten Milieu der Nationalisten befindet. Als er seine Mutter besuchen soll, die mit einem Roma zusammenlebt, beginnen die dinge kompliziert zu werden.

Police, Adjective – City 46, So., 27.4. um 20:00 – Klassiker des neuen rumänischen Kinos von 2009. Ein junger Polizist versucht gegen das System aufzubegehren, indem er einige Jugendliche schützt, die leichte Drogen konsumieren, dafür aber vom Gesetz drakonische Strafen zu erwarten haben.

Valley of Sighs – City 46, Di., 29.4. um 20:00 – Rumänisch/Ukrainischer Dokumentarfilm über 25.000 Roma, die zwischen 1943 und 1945 vom rumänischen Diktator Antonescu nach Transnistrien/Moldawien deportiert wurden. Regisseur Mihai Andrei Leaha ist zu Gast.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 28.04. um 21:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 28.04. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi., den 30.04. um 21:00

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„Weird Xperience“: Morgen im City 46 – Wenzel Storch mit einer Lesung und dem Film „Die Reise ins Glück“

Morgen ist es wieder soweit. Die u.a. von mir mitbetreute Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino Bremen, dem City 46, geht in die nächste Runde. Und wir haben diesmal endlich wieder einen Gast. Und zwar einen, auf den wir uns ganz besonders freuen: Wenzel Storch. Er wird zunächst aus seinem Buch Die Filme“ (meine Rezension dazu hier) lesen und danach wird sein magnus opus „Die Reise ins Glück“ gezeigt.

Ich übernehme hier mal den Ankündigungs-Text meines Kollegen Stefan, den er für unseren „Weird Xperience„-Blog geschrieben hat.

Im April begrüßen wir den Regisseur und Autor Wenzel Storch.

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“Die Reise ins Glück” ist der dritte Teil der sogenannten Jürgen-Höhne-Trilogie. Doch keine Angst, man muß nicht Teil 1 und 2 kennen, da sich die Filme nicht inhaltlich aufeinander beziehen. Jürgen Höhne ist in allen drei Filmen der Hauptdarsteller und es sind seine einzigen Filme.

In “Die Reise ins Glück” geht es um die Reisen Gustavs, Knuffis und Evas in ihrem Schneckenschiff zu unentdeckten Inseln und weit entfernten Schlössern. Auf diesen begegnen sie Ungeheuern, Schneemännern, Tyrannen und eine schwimmende Leinwand.

Mehr von der Handlung zu verraten hieße, euch jetzt schon den staunenden Mund zu schließen. Denn es ist unglaublich, was und wer in diesem Film alles so passiert. Es flimmert zwischen Märchen und Surrealismus, es ist schön und seltsam zugleich.

Allein die Ausstattung, die über Jahre liebevoll zusammengesammelt und -gebaut wurde, erinnert an tschechische Märchenfilme der 70er ebenso wie an Werke Jean-Pierre Jeunets und Terry Gilliams. Sie sind aber vor allem Teile des unverwechselbaren  Kosmos Wenzel Storchs.

StorchbunteranzugWenzel Storch, geboren 1961 in Braunschweig, drehte nicht viel neben den Filmen der Trilogie, “Der Glanz der Tage” (1989), “Sommer der Liebe” (1993) und eben “Die Reise ins Glück” (2004). Durch den extrem niedrigen Produktionsetat dauerten die Dreh- und Produktionsarbeiten auch immer sehr lang, zur “Reise ins Glück” ganze 12 Jahre. Die ehrenamtliche Arbeit der Schauspieler und die Hilfe von anderen Künstlern wie Max Raabe, Jörg Buttgereit oder Friedrich Schoenfelder sowie seine eigene Arbeit an Regie, Kamera, Drehbuch, Produzent und Verleiher machten diese Filme möglich. Trotz seinem weitestgehenden Verzicht auf professionelle Schauspieler (“Selbst wenn mir zehn Heiner Lauterbachs zur Verfügung ständen, ich würde Jürgen Höhner nehmen.” Storch in der ZEIT 04/2000) sind seine FIlme keine Amateurarbeiten, sondern fantasievoller Ausdruck eines Künstlers.

Desweiteren drehte er einen Videoclip für Bela B. (“Altes Arschloch Liebe”) und schreibt Kolumnen für die Zeitschrift konkret. Diese sind gesammelt als “Der Bulldozer Gottes” erschienen. Weitere Bücher sind “Das ist die Liebe der Prälaten und “Die Filme”, aus welchem er vor dem Film für uns lesen wird.

Wir freuen darauf, ihn begrüßen zu dürfen und mit ihm in seine Welt zu reisen.

reise-ins-glueck-anzugDas Geo schrieb: “Wenn es so etwas gibt wie Recycling durch Fantasie, dann hat Wenzel Storch das Patent darauf. Er nimmt Sperrmüll und Schrott, kreuzt es mit anderem Strandgut des Alltags und erweckt es zu neuem Leben. Das ist Wenzel Storchs Kunst: Er macht aus Mangel Märchen. Das kostet Zeit. Davon hat er eine Menge. Geld hat er keines. So entstehen seine Meisterwerke.”

Und die epd film formuliert: „Wenzel Storchs dritter Film ist sein größter, sein bester und sein versiertester, genau das Meisterwerk, auf das wir so lange gewartet haben. Es gibt eine spezielle Poetik des Lichts in den Storch-Filmen, die die Objekte lebendig macht. Man achte auch bei Gelegenheit auf die Rhythmik der Montage, Helldunkel-Wechsel oder Bewegungslinien. Ganz zu schweigen von Farbkompositionen, Raum-Installationen und Choreographie.  Man könne sogar von der mythischen Tiefenstruktur der scheinbaren Nonsenserzählung reden, die sich Bildelemente und Sprachpartikel in einem dreisten Piratenakt aneigne. Daraus entstehe die unkorrupteste Film-Sprache, derzeit.“

Besucht ihn hier: www.wenzelstorch.de und am Donnerstag, den 24.April 2014, um 20:30 im City46, Bremen.

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Das Bloggen der Anderen (22-04-14)

bartonfink_type2– Jan-Eike Michaelis waren Hamburg auf der Dokumentarfilmwoche 2014. Auf critic.de hat er ein sehr ausführlichen Bericht darüber geschrieben, der große Lust auf dieses Genre macht.

– Apropos Dokumentarfilm. Kirsten Kieninger ärgert sich auf B-Roll sehr darüber, dass die Begriffe Dokumentarfilm und Dokumentation ständig durcheinander geworfen werden. Sophie Charlotte Rieger hat Isabell Šuba interviewt, die einen Dokumentarfilm mit dem schönen Titel „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ über das Filmfestival in Cannes gedreht hat. Außerdem wird in der Rubrik „Talents to watch“ der Filmemacher Bastian Günther interviewt.

– Das ist doch mal ein schöner Verriss. Florian Krautkrämer auf Daumenkino über „Zärtlichkeit“ von Marion Hänsel.

– Wer sehr viel Zeit hat, bekommt nun eine gute Gelegenheit diese zu füllen. Wie Gerold Marks auf Digitale Leinwand berichtet, hat die britische Pathé 85.000 (!) historische Filmaufnahmen auf YouTube online gestellt. Für lau.

– Lukas Foerster ist auf Dirty Laundry sehr angetan von Sidney J. Furies 1966er Brando-Film „The Appaloosa“.

– Sven Safarow von Eskalierende Träume berichtet zum Teil etwas augenzwinkernd vom goEast Festival 2014.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über einen meiner absoluten Lieblingsfilme: Murnaus „Sunrise“. Da verzeihe ich es PD dann auch, dass er sich über die scheinbar „einfache Handlung“ mokiert. Zumal er ja ganz richtig erkannt hat: Ja, das ist eine Fabel.

– Auf filmgazette gibt Wolfgang Nierlin dem polnischen Film „Ida“ 9 von 10 Punkte. Ich muss den jetzt endlich mal gucken.

– dennis war für filmosophie das erste Mal auf einer Deutschlandpremiere eines großen amerikanischen Films, nämlich „Amazing Spider-Man 2“. Hier beschreibt er, was er an diesem Tag so alles erlebt hat.

– Alex Klotz schreibt auf hypnosemaschinen leider viel zu kurz über „The Nights of Prague“, macht mir damit aber trotzdem Appetit.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film ein sehr schönes Essay über sich gegenseitig kritisierende Regisseure und das immer wieder beschworene Ende des Kinos geschrieben. Außerdem gibt es von ihm noch einen schönen Aufsatz über „Gier im Film“. Darren Arronofsky hat Luca Fuchs mit „Noah“ so tief enttäuscht, dass er nun dessen bisheriges Schaffen mit anderen Augen sieht.

– Der Intergalactic Ape-Man hat sich für seinen Blog Intergalaktische Filmreisen den Hans-Albers-Klassiker „Der Greifer“ von 1930 angesehen und fragt sich, warum der Film erst jetzt auf DVD veröffentlicht wird.

– Alexander Plaum ist für mich ein neuer Name auf Hard Sensations. Er mehr oder weniger zufällig den Film „The Brother from Another Planet“ gesehen und ist von diesem Stück 80er Jahre ziemlich begeistert.

– Anlässlich von Jean-Paul Belmondos 81. Geburtstag hat Udo Rotenberg sich auf L’amore in cittá zwei Filme mit dem Tausendsassa vorgenommen. Den von vielen hoch verehrten „Abenteuer in Rio“ von Philippe de Broca und „Der Panther wird gehetzt“ von Claude Sautet. Und damit es nicht zu französisch wird, gibt es noch eine ausführliche Besprechung von Margheritis „Jäger der Apokalypse“ hinterher.

– Auf Grün ist die Heide hat er dann einen meiner Lieblings-Olsens am Wickel. Den tollen „Der Arzt von St. Pauli“ mit Curd Jürgens.

– Eine Lücke, die ich unbedingt noch schließen muss: Die Simmel-Verfilmungen der 70er Jahre. Immerhin führte bei ganzen sechs (!) Filmen der großartige Alfred Vohrer Regie. Allein deshalb sollte man die wohl gesehen haben. Einen siebten inszenierte Gerd Oswald und beim achten stand Roland Klick (!!) hinter der Kamera. Das Magazin des Glücks kennt sie alle.

– „American Mary“ von den Soska-Schwestern wird ja ziemlich gehypt. Robin Schröder von Mise en cinéma hat ihn gesehen und relativiert das Ganze.

– Bei Oliver Nöding auf Remember It For Later geht die Karl-May-Sause weiter. U.a. mit „Der Schut“ vom Film-Noir-Spezialist Robert Siodmak, der Oliver sehr begeistert hat.

screen/read berichtet von einem Fall von Zensur in Ägypten.

– Antonio Margheritis „Piranha II – Die Rache der Killerfische“ lief auf Tele 5 unter dem „Schlechteste Filme aller Zeiten“-Label. Ja, wissen die denn nicht, dass Margheriti gar keine schlechten Filme machen kann? Hätten sie mal totalschaden von Splattertrash gefragt.

– Herk Harvey kennt man. Ja, klar: „Carnival of Souls“. Aber der das Herr auf ein sehr interessantes und umfangreiches Schaffen im Bereich der Industrie-, Lehr-, Bildungs- und Aufklärungsfilmen, sowie Dokumentarfilmen zurückblicken kann, ist den wenigsten bekannt. David von Whoknows presents hat sich sehr eingehend mit dem „unbekannten Herk“ beschäftigt und einen großartigen Artikel gezimmert. Danke für die tolle Arbeit!

– In den guten, alten Zeiten, als man auf CD-Wow noch für wenig Geld tolle Shaw-Brothers-DVDs abgreifen konnte, habe ich mich immer gefreut, wenn einer von Chor Yuen (aka Chu Yuan) dabei war. Einer meiner Geheimtipps war „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“, den nun auch Yzordderrexxiii entdeckt hat.

– Martin Beck hat für seinen Blog Reihe Sieben „Return to Nuke’Em High Vol. 1“ gesehen und obwohl er Troma-Filme sehr mag, war er hier doch recht enttäuscht.

– Es wird weiter geprügelt: „The Raid 2“ steht ins Haus und liefert laut Ronny Dombrowski von cineastic.de nicht nur mehr vom selben, sondern noch den Vorgänger toppt. Ich gebe zu: Ich bin sehr gespannt.

– Die „The Raid 2“-Besprechung auf Komm und sieh ist zwar kritischer, spricht aber auch von „exzellenter Fan-Kost“. Ferner wird einem der südkoreanische „Helpless“ ans Herz gelegt.

– „Tokugawa Sex Ban: Lustful Lord“. Japanische Titel klingen ja immer sehr schön. Und auch wenn Norifumi Suzukis Film reda von Der breite Grad nicht voll überzeugen konnte, liest sich die Review zumindest sehr interessant.

– Annika Stelter hat nun „Das Gespenster der Freiheit“ gerufen. Das Resultat findet man – natürlich – auf Die Filme, die ich rief.

– Schön, dass es auch auf einem von mir schon seit vielen Jahren beackertes Gebiet, wie dem Giallo, auch für mich immer noch etwas Neues zu entdecken gibt. Von „Deine Hände auf meinen Körper“ habe ich noch nie etwas gehört. Obwohl Sascha Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte ihn als „ein reizvolles Drama irgendwo zwischen Giallo und Psychostudie, welches sehr lange Anlauf nimmt, dafür aber umso wirkungsvoller zutritt“ beschreibt. Sehen wollen!

– „The Borderlands“ hätte ich jetzt als x-ter Found-Footage-Horror-Aufguss abgetan. Nach Oliver Armknechts Besprechung auf film-rezensionen.de bin ich jetzt aber doch neugierig geworden.

– Als ich las, dass Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ bespricht, da ich weiß, wie er z.B. Francos „Jungfrau in den Krallen von Zombies“ fand, dachte ich nur: Der Arme. Die Besprechung fällt auch dementsprechend aus. Aber ich finde es toll, dass Schlombie dran bleibt und sich immer wieder an diese Film traut. Ich habe das „Geisterschiff“ letztes Jahr auf 35mm im Kino gesehen, da bin ich wahrscheinlich auch voreingenommen. Ferner bespricht er Christian Genzels „Die Muse“, den ich mir demnächst auch zu Gemüte führen möchte. Jetzt bin ich nach Schlombies sehr positiven Review noch interessierter an dem Film. Ich bin gespannt. Ach ja, eine neue Folge: „Die Besprechungen der Andern“ gibt es auch.

– Auch PewPewPew empfiehlt die Crowdfunding-Kampagne für „Die Traumlande“.

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Interview mit Huan Vu – Regisseur von „Die Farbe“ und „Die Traumlande“

dreamlands_by_Elisabeth_Mochner_31Huan Vu (* 1982) studierte an der Hochschule der Medien in Stuttgart-Vaihingen. Noch während des Studiums begann er mit der Arbeit an „Die Farbe“, einer Verfilmung von H.P. Lovecrafts “The Colour Out of Space”, dessen Handlung von ihm nach Deutschland vor und nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt wurde. Zunächst als Diplomfilm geplant, wurde das Projekt bald zu groß für den Rahmen der Abschlussarbeit. Daraufhin entschieden Co-Produzent Jan Roth und er, es nach dem Studium mit eigenen Mitteln umzusetzen.

„Die Farbe“ wurde schließlich nach zweijähriger Postproduktion Ende 2010 fertiggestellt und im Eigenvertrieb sowie über Vertriebspartner in Schweden, Finnland und den USA veröffentlicht.

Trotz seines geringen Budgets wurde der Film als “eine der besten und ambitioniertesten Lovecraft-Adaptationen aller Zeiten” (Twitch) bezeichnet und erhielt zahlreiche sehr positive Reaktionen von Lovecraft-Fans wie auch auf Genrefilmfestivals. Auch in Bremen lief „Die Farbe“ schon im Rahmen unserer „Weird Xperience“-Reihe.

Zurzeit versucht Huan Vu über Crowdfunding (siehe meinen Artikel hier) Geld für sein neustes Projekt, den ambitionierten „Die Traumlande“, wieder nach Vorlagen von H.P. Lovecraft, zu sammeln. Ich habe dies zum Anlass genommen, mit Huan Vu (nicht nur) über das „Traumlande“-Projekt zu sprechen.

Filmforum Bremen: Vorweg erst einmal vielen Dank, dass Du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Kommen wir gleich zur ersten Frage: Wie bist Du zum Film gekommen und wer sind Deine Vorbilder?

Huan Vu: Ich habe mich erst relativ spät so richtig für das Filmfach entschieden, das war erst nach dem Abitur. Aber ich habe natürlich schon immer eine große Liebe für Kinofilme gehabt, und vor allem natürlich gerade auch für Genrefilme, speziell Science-Fiction, Fantasy und Horror.

Ein grundsätzliches Vorbild ist schwierig zu benennen, aber zu meinen Lieblingsfilmen gehören z.B. „Akira“, „Alien“, „12 Monkeys“ und „Children of Men“. Man sieht also, ich mag es düster und raffiniert.

Seit Deinem Spielfilm „Die Farbe“ – der ja viele gute Kritiken bekam und mir auch sehr gut gefallen hat – sind vier Jahre vergangen. Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht?

Erst einmal die viele Freizeit genossen! Nein, da wir den Film im Eigenvertrieb auf den Markt gebracht hatten, gab es für mich eine ganze Menge Neues zu lernen und es hat mir auch großen Spaß gemacht, die vertriebstechnische Seite mal kennenzulernen, Verträge mit Distributionspartnern im Ausland durchwälzen, DVDs eigenhändig eintüten und zur Post bringen (was ich immer noch sehr stolz tue), usw. usf. Außerdem war diese Zeit garniert durch zahlreiche Festivalteilnahmen, und so konnte ich nach den Jahren der Arbeit nun auch viel reisen, andere Filmemacher kennenlernen und vor allem die Reaktion des Publikums erleben. Das hat mir selbst sehr viel gegeben und darin bestärkt, weiterzumachen.

Dafür brauchte ich aber einen passenden Stoff, in den ich mich so verlieben könnte wie in „The Colour Out of Space“. Auf Anhieb fündig wurde ich jedoch nicht und es hat dann einige Zeit gedauert, bis ich erkannte, dass ich mich von dem Gedanken zu lösen hatte, unbedingt eine einzelne Erzählung zu verfilmen. Stattdessen kam dann die Idee auf, die Traumlande-Geschichten zu bündeln und die von Lovecraft erschaffene Welt als Grundlage für eine eigene Geschichte heranzunehmen.

Im Sommer 2013 drehten wir dann die Teaser-Trailer und bereiteten die aktuell laufende Kampagne vor.

Wie bist Du auf die Idee zu „Die Traumlande“ gekommen und wovon wird der Film handeln?

„Celephaïs“ ist eine meiner Lieblingsgeschichten von H.P. Lovecraft, sie handelt von einem einsamen, alten, sterbenden Mann, der in den Traumlanden jedoch König ist und dort auf ewig weiterlebt. Ich liebe den Weltschmerz darin, die Melancholie und die Hoffnung auf Erlösung. Es ist auch eine der wenigen Geschichten aus seinem Werk, die zwischenmenschlich eine Verbindung zum Protagonisten aufbaut.

In unserem Film wird es einen Waisenjungen geben, der anno 1907 auf einen ganz ähnlichen alten Mann trifft und mit ihm in die Traumlande gelangt. Dort muss er sich Prüfungen unterstellen, um die Nachfolge als zukünftiger König antreten zu können. Als es zum Zwist kommt, muss er sich entscheiden, ob er das Werk der Großen Träumer bewahren oder ob er sich mit einer mysteriösen antagonistischen Macht aus dem umgebenden Chaos verbünden und die Traumlande zerstören möchte.

Nach „Die Farbe“ basiert „Die Traumlande“ wieder auf Geschichten von H.P. Lovecraft. Was bedeutet Lovecraft für Dich und was ist Deine Meinung zu anderen Lovecraft-Verfilmungen, wie z.B. denen von Stuart Gordon? Hast Du da einen Favoriten?

Mir gefallen die beiden Filme unserer Kollegen von der H.P. Lovecraft Historical Society sehr gut: „The Call of Cthulhu“ im Stile eines 20er Jahre Stummfilms und „The Whisperer in Darkness“ im Stile eines 40er Jahre Film Noir. Wer die beiden Verfilmungen noch nicht kennt, sollte unbedingt mal einen Blick drauf werden (z.B. in unserem Online-Shop *hust*).

„Dagon“ fand ich über weite Strecken auch durchaus gelungen, nur zum Ende hin schwächelt er leider etwas.
H.P. Lovecraft bedeutet mir sehr viel, da es bei ihm sehr viel mehr um existentielle Angst geht als um eine körperliche wie in den meisten Horrorfilmen. Es ist eben genau dieser gruselige Gedanke des „Cosmic Horror“: Was, wenn all das, woran man als moderner aufgeklärter Mensch glaubt, nicht wahr ist? Und eine schreckliche Wahrheit darauf wartet, offenbart zu werden?

Der deutschsprachige Genrefilm führt ja hierzulande ein ziemliches Schattendasein. Du hast ja nicht nur selber Filme gedreht, sondern Dich mit der Initiative „Neuer Deutscher Gernefilm“ auch sehr stark für das Genre als solches in Deutschland eingesetzt. Wenn man sich das Kino- und das diesjährige Berlinaleprogramm ansieht, gibt es da ja eine kleine Welle, die ja auch Mainstreamfilmemacher und -schauspieler mit einschließt („Das finstere Tal“ (Andreas Prohaska), „Stereo“(Maximilam Erlenwein), „Der Samurai“(Till Kleinert)). Hat sich dort bereits ein Netzwerk gebildet, indem ihr Euch auch austauscht?

Stimmt, den Neuen Deutschen Genrefilm habe ich als Filmemachergruppe vor knapp zwei Jahren mitgegründet, das habe ich vorhin unterschlagen. Von den drei genannten ist Till Kleinert Mitglied in unserer Runde. Zu unseren Zielen gehört es den Genrefilm in den deutschsprachigen zu stärken und darauf hinzuweisen, dass wir hierzulande ein Mehr an kultureller Vielfalt benötigen. Das deutsche Filmfördersystem hat seit Jahrzehnten eine Monokultur von fernsehkompatiblen Dramen, Krimis und Komödien entwickelt und weite Teile des genre-affinen Publikums verloren, und das kann so nicht weitergehen.

Im Bereich Fantasy haben wir z.B. folgende deutsche Fantasyfilme zu verbuchen:

„Die Unendliche Geschichte“ (1984)
„Momo“ (1985)
„Krabat“ (2008)
„Mara und der Feuerbringer“ (2014)

Da ist keine besonders stattliche Liste und die riesige Lücke zwischen den 80ern und der Gegenwart ist unglaublich – wie viele Sozialdramen, Krimis und Beziehungskomödien hat es in der Zeit gegeben?

Außerdem auch hier stark erkennbar, dass alle genannten Filme eher Richtung Young Adult bzw. Märchenfilm gehen. Falls wir „Die Traumlande“ umsetzen können, dann werden wir etwas machen, das es so hier noch nie gegeben hat.

Wenn es Genrefilme einmal in Deutschland auf die große Leinwand schaffen, werden sie leider in der Regel – trotz aller Qualität – vom hiesigen Publikum ignoriert. „Das finstere Tal“ wäre ein aktuelles Beispiel dafür. Woran liegt dies Deiner Meinung nach, und wie glaubst Du mit „Die Traumlande“ dem entgegenwirken zu können?

Grundsätzlich ist es sehr begrüßenswert, dass die etablierte Filmindustrie in jüngerer Zeit nun auch gegensteuert und mehr Vielfalt und auch dunklere Stoffe zulässt. Der Misserfolg der Bestseller-Romanverfilmung „Das Finstere Tal“ war natürlich sehr schade mit anzusehen, der Film hätte mehr verdient gehabt. Es fehlt das Vertrauen des Publikums. Das wird noch einige weitere Versuche benötigen, bis der deutsche Genrefilm größeren Zulauf erhält, so wie der Genrefilm in Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Skandinavien.

Und ich glaube auch, dass der Filmverleih X-Filme kein zielgruppengerechtes Marketing unternommen hat. Man hat versucht den Film an das übliche Arthouse-Publikum zu bringen, welches mit einem bleihaltigen Western aber offenbar eher wenig anfangen kann. Bei der Vorführung, in der ich war, wurden sogar kleine Informationsheftchen ausgeteilt, in denen – ich übertreibe etwas – erklärt wurde, was ein Western ist.

Ob wir es mit „Die Traumlande“ besser machen können, das steht natürlich in den Sternen. Aber wir wenden uns denke ich an das richtige Publikum und wir machen diesen Film auch gezielt für dieses Publikum.

Hast Du für „Die Traumlande“ eigentlich Filmförderung beantragt?

Wir würden nach einer erfolgreichen Kampagne dann auch Filmförderung beantragen.

Leider ist es ungewiss, ob man den Zuschlag erhält, gerade auch bei einem Projekt wie diesem. Deswegen haben wir auch ein derart hohes Crowdfunding-Ziel – nur so können wir sichergehen, den Film wie geplant hinzubekommen, notfalls auch ohne Fördermittel.

„Die Traumlande“ sollen – ebenso wie „German Angst“, ein anderes deutsches Genreprojekt – auf Englisch mit einem internationalen Darstellerensemble gedreht werden. Erst im Anschluss wird eine deutsch synchronisierte Fassung erstellt. Warum dieses Vorgehen? Warum nicht mit deutschen Schauspielern auf Deutsch arbeiten?

Da haben wir lange gehadert, es war keine leichte Entscheidung. Mit einer englischsprachigen Fassung haben wir bessere Chancen, auch Lovecraft-Fans aus dem Ausland als Unterstützer für dieses Projekt zu gewinnen. Und was die späteren Auswertungsmöglichkeiten betrifft, habe ich ja in den vergangenen Jahren gesehen, wie schwierig es mit untertitelten Filmen ist (und „Die Farbe“ ist obendrein auch noch schwarz-weiß!).

Außerdem haben wir uns gesagt, dass eine Synchronisation wie bei einem Hollywood-Film hierzulande von den meisten nicht ganz so kritisch gesehen wird wie z.B. bei den US-Amerikanern.

Die Dreharbeiten zu „Die Traumlande“ werden inklusive Postproduktion wahrscheinlich an die drei Jahre dauern. Außer im Studio soll auch in Island, Kroatien und der Türkei gedreht werden. Wie bewältigt man ein so großes Projekt über eine so lange Zeit? Wird Dir nicht manchmal mulmig, wenn Du daran denkst?

Durchaus, aber ich denke durch unsere hinzugewonnene Erfahrung können wir das stemmen. Außerdem sind für das Ausland auch eher kleine Szenen vorgesehen, mit wenigen Darstellern vor Landschaften, die es hier in Deutschland nun einmal nicht gibt.

Als Independent-Filmemacher bin ich es ja gewohnt mit geringsten Mitteln große Bilder und Momente erzeugen zu müssen, das werden wir hier auch so handhaben müssen.

Und zu Letzt: „Die Traumlande“ werden über Crowdfundig finanziert. Hier hast Du ein ambitioniertes Ziel von 200.000 Euro ausgeben. Warum und wie soll man dieses Projekt unterstützen?

Man sollte „Die Traumlande“ unterstützen, wenn man in Sachen Filmkultur hierzulande mal etwas ändern und mal etwas bewegen möchte. Hier ist die Chance dazu beizutragen, etwas ins Rollen, und auch etwas ins Wanken zu bringen.

Helfen kann man uns, indem man die Kunde von diesem Projekt verbreitet, an alle Freunde, Bekannte, Verwandte, an alle, die etwas mit Phantastik anfangen können, und vielleicht auch an diejenigen, die damit eher wenig am Hut haben.

Und dann natürlich, indem man uns dabei hilft, dem großen Ziel näher zu kommen. Für eine Fördersumme von 20 EUR erhält man eine 2-Disc DVD oder Blu-ray des fertiggestellten Films – 20 EUR und wir sind alle zusammen einen Schritt näher, Geschichte zu schreiben.

Danke Huan für das informative und nette Gespräch.

Die Homepage von „Die Traumlande“ findet man unter: http://www.the-dreamlands.com/de/ Die Crowdfunding-Kampagne unter: https://www.indiegogo.com/projects/the-dreamlands#home

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Posting Nummer 1.000

1000„Alles ist futsch…“ Diese traurige Nachricht war vor 5 ½ Jahren der erste Eintrag in dieses Blog. Daran erinnere ich mich auch heute noch sehr gut. Nachdem das Blog bereits drei Wochen online war, führten Probleme beim Provider dazu, dass plötzlich alle bis dahin geschriebenen Texte verloren gegangen waren. Sieben Stunden später konnte ich dann aber glücklicherweise melden, dass ich die Artikel Dank des Google-Caches wiederherstellen konnte. Trotzdem zähle ich heute diesen Eintrag vom 5. November 2008 als Startschuss für mein Blog „Filmforum Bremen“. Und wenn ich heute zurückschaue, hat sich in den vielen Jahren doch sehr viel getan. Ich habe mir eben noch einmal die ersten Artikel aus dem November 2008 durchgelesen und gemerkt, wie stark sich doch der Fokus geändert hat. War mein Bemühen am Anfang, den Bremer Filmfreunden möglichst viele Infos über Veranstaltungen oder generell interessante, filmrelevante Themen aus Bremen zu bieten, hat das Blog mittlerweile einen überregionalen Schwerpunkt.

Rezensionen, Festivalberichte, Interviews und vor allem das sehr erfolgreiche „Bloggen der Anderen“ sind nicht nur Bremer, sondern für alle Filmfreunde da. Aus der Anfangszeit ist eigentlich nur noch die Rubrik „Originalfassungen in Bremen“ übriggeblieben, von der ich weiß, dass sie ihre regelmäßigen Leser hat. Und natürlich gibt es auch weiterhin Veranstaltungshinweise für Bremen, auch wenn mir da heute mehr durch die Lappen geht als früher, als dies noch ein zentrales Thema des Blogs war. Da stellt sich die Frage, warum das Blog immer noch „Filmforum Bremen“ heißt, und sich mittlerweile keinen cooleren Namen gegeben hat. Nun, einerseits hat sich „Filmforum Bremen“ durchaus schon auf kleinem Niveau zu so etwas wie einer „Marke“ entwickelt und anderseits erinnert mich der Name daran, mein ursprüngliches Ziel, nämlich die Filmfreunde aus Bremen irgendwie zusammenzubringen, nicht ganz aus den Augen verliere. Auch wenn ich mittlerweile die Hoffnung fast aufgeben habe. Entweder die Bremer Filmfreunde sind nicht gerade internetaffin und kennen mein Blog gar nicht, oder sie interessieren sich nicht für eine solche Art der Vernetzung und bleiben lieber in ihrem eigenen Stübchen. Dass es sie gar nicht gibt, daran mag ich jedenfalls nicht glauben.

Immerhin aber hat sich das Blog schon soweit einen Namen gemacht, dass ich in der Vergangenheit schon häufiger von unserer lokalen Tageszeitung, dem „Weser Kurier“, angeschrieben und zu diversen Kinothemen um meine Meinung gefragt wurde. Das schmeichelt dem Ego und ist eine schöne Anerkennung, der Arbeit, die man mit seinem Blog leistet. Auch sonst habe ich über das Blog ein paar nette Kontakte kennengelernt, seien es andere Blogger oder Filmemacher. So macht das dann auch wirklich Spaß. Wobei man aber nicht verhehlen darf, dass es auch andere Zeiten gibt. Wenn einem das alles über den Kopf wächst und gerade die regelmäßigen Rubriken zur Last werden. Wenn man mit viel Herzblut einen langen Artikel geschrieben hat, der einem sehr wichtig ist, oder eine Rezension mit der man so vollauf zufrieden ist, und dann gar keine Reaktion kommt. Ich denke, diese Situationen kennt jeder Blogger. Aber wenn dann doch Feedback kommt, Diskussionen entstehen, man generell merkt, dass man gelesen wird und die Leser sich auch mit den Inhalten auseinandersetzten, dann gibt das wieder einen gehörigen Motivationsschub, der einen dann auch über die tiefsten Täler hilft. Aber auch ein einfaches „Like“ auf Facebook oder eine Verlinkung hilft manchmal schon etwas.

Insgesamt bin ich mit der Entwicklung, die das Blog genommen hat, sehr zufrieden. Die Besucherzahlen sind schon weitaus höher, als ich mir das noch vor einigen Jahren hätte vorstellen können und wachsen noch weiterhin. Was – wie ich aus der Statistik entnehmen kann – vor allem an den Reviews und dem „Bloggen der Anderen“ liegt. In letzter Zeit ist schon viel passiert und ich konnte eine Menge – wenn auch nicht alles – von dem umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Und wieder habe ich eine Menge Pläne, was ich mit und in diesem Blog noch machen möchte – lasst Euch überraschen.

Jetzt liegen erst einmal die nächsten 1.000 Postings vor mir, und ich bin schon sehr gespannt, was die Zukunft bringt.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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DVD-Rezension: “Malizia”

Malizia

Nach dem überraschenden Tod seiner Frau, bleibt der reiche Stoffhändler Don Ignazio (Turi Ferro) allein mit seinen drei Söhnen, dem 18-jährigen Antonio (Gianluigi Chirizzi), dem 14-jährigen Nino (Alessandro Momo) und dem 9-jährigen Enzio, zurück. Daher nimmt er gerne die Hilfe des neuen Hausmädchens Angela (Laura Antonelli) in Anspruch, die noch von der verstorbenen Frau des Hauses eingestellt wurde. Bald schon versuchen sowohl Don Ignazio, als auch seine Söhne Antonio und Nino bei dem schönen Hausmädchen zu landen. Besonders Nino hat sich unsterblich in Angela verliebt. Doch als sich herausstellt, dass der Vater das Rennen gemacht hat und Angela zu heiraten gedenkt, wird Nino ihr gegenüber immer feindseliger…

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Die Commedia Sexy al‘Italia ist nicht unbedingt mein favorisiertes Genre. Deshalb bin ich dem Film „Malizia„, der allgemein diesem Genre zugeschrieben wird, zunächst skeptisch begegnet. Zeichnen sich italienische Komödien, insbesondere die Sex-Komödien, doch in der Regel durch eine große Derbheit und vor allem lärmende Lautstärke aus, die meinem Verständnis von Humor diametral entgegen laufen. Und der Beginn von „Malizia“ schien meine schlimmsten Vorurteile dann auch gleich zu bestätigen. Die Frau des Hauses ist verstorben und liegt aufgebahrt im Wohnzimmer, wo sich auch prompt eine fette Fliege auf ihr Gesicht setzt, alle übertrieben am Seufzen und Jammern sind und der kleine Sohne sich mit einer fürchterlichen deutschen Synchronstimme beschwert, er können nun nirgendwo mehr mit seinem Fußball spielen. Kurz darauf verursacht er dann einen Brand, indem er die Kerzen neben der Bahre umschießt. Doch dieser derbe Beginn täuscht. „Malizia“ ist keine deftige Sexkomödie zum auf die Schenkel schlagen, sondern ein vielschichtiger und eher leiser Film. Ich würde ihn – trotz einiger humorvoller Passage in der ersten Hälfte – noch nicht einmal eine Komödie nennen. Es ist ein „Coming-of-Age“-Film und zwar kein heiterer, sondern einer, der sich langsam in eine Art Psychothriller entwickelt.

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Die Prämisse erinnert ein wenig an Louis Malles „Herzfilmmern„, der vor kurzem ebenfalls bei CMV veröffentlicht wurde. Hier wie dort geht es um einen Jungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, der eine neue Welt betritt und seine Gefühle noch nicht so recht einordnen kann. In beiden Filmen gibt es zudem ein starkes ödipales Motiv. In „Herzflimmern“ ganz wortwörtlich, in „Malizia“ tritt der Sohn beim Bemühen um das Objekt der Begierde in Konkurrenz zu seinem Vater. Beide jugendlichen Helden haben zwei Brüder und kommen aus einer gutbürgerlichen Familie. „Herzflimmern“ spielt in den 50er Jahren und auch „Malizia“ scheint, obwohl dies nie erwähnt wird, in einer nahen Vergangenheit zu spielen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. „Malizia“s zunächst leicht-flockiger Ton wird im Laufe des Filmes immer dunkler. Ist Nino zunächst nur ein verliebter Jüngling, der versucht seinen Vater und seinen ebenfalls an dem Hausmädchen Angela interessierten Bruder auszustechen, so bekommt er zunehmend psychopathische Züge. Wenn er das Hausmädchen Angela ständig gegen ihren Willen befummelt oder sich immer neue Arten ausdenkt sie zu erniedrigen, dann fühlt man sich zunehmend unwohler. Wenn er dann noch seinen kleinen Bruder Enzo für seine bösen Pläne missbraucht, kann man kaum noch Sympathie für ihn empfinden.

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Alessandro Momo, der an einen sehr jungen Michele Placido erinnert, spielt seine Rolle dabei so überzeugend, dass es einem regelrecht vor ihm gruselt. Natürlich stellt man sich auch die Frage, weshalb Angela all dies zulässt. Wirklich nur, um keinen Unfrieden in die Familie zu bringen, und ihre Beziehung mit dem Vater – immerhin bedeutet eine Heirat mit ihm einen nicht unbedeutenden sozialen Aufstieg – nicht zu gefährdenden? Scheint Angela die Spielchen auch bis zu einem bestimmten Punkt zu genießen? Hat sich zwischen Angela und Nino eine sado-masochistische Beziehung entwickelt, die Angela solche Lust verschafft, das diese sich in ihrer finalen Handlung unkontrolliert ihren ihre Bahn bricht? Oder nimmt sie den Akt berechnend vor, um Nino zum Schweigen zu bringen und sein Einverständnis für die Hochzeit zu erpressen? Beide Deutungen sind möglich und so erscheint auch das letzte Bild, welches einen Kuss zwischen Angela und Nino zeigt, ambivalent. Zeigt sie ihm hier ihre Dankbarkeit, dass Nino ihr durch seine „Erlaubnis“ den sozialen Aufstieg ermöglichte oder ist es ein stilles Einverständnis, dass sie ihre Beziehung fortsetzen können? Dies bleibt dem Auge des Betrachters überlassen.

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Regisseur Salvatore Samperi konnte mit „Malizia“, der 1973 in Italien ein großer Erfolg war und die Karriere seiner Hauptdarstellerin Laura Antonelli befeuerte, seinen größten Triumph feiern. In der Folge blieb er dem Genre überwiegend treu. Allerdings finden sich in seiner Filmographie auch zwei Verfilmungen der „Sturmtruppen“-Comics, die scheinbar auch ganz gut liefen. „Malizia“ ist sehr elegant und schön gefilmt, wobei die von Vittorio Storaro geführte Kamera immer wieder Laura Antonelli umschmeichelt und sicherlich keinen kleinen Anteil daran hat, dass sie durch diesen Film zu einer Erotik-Ikone wurde. Für die eingängige Musik ist Fred Bongusto zuständig. Sein zunächst heiter-eingängiges Motiv wird mit Verlauf der Handlung immer Moll-lastiger und disharmonischer, was ein hübscher Effekt ist und das Driften des Filmes in den Bereich des Psycho-Dramas noch unterstreicht. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt, auch wenn Stefano Amato als fetter rothaariger Junge und Angela Luce als liebestolle Witwe etwas zu grell gezeichnet sind. Dafür ist die entzückende Tina Aumont ein willkommener Blickfang. Hauptdarsteller Alessandro Momo wurde durch seine Rolle des Nino zum Star und spielte im nächsten Jahr neben Vittorio Gassman die Hauptrolle in „Der Duft der Frauen“. Leider starb er kurz nach Ende der Dreharbeiten zu diesem Film durch einen Motorradunfall.

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Mittelpunkt des Filmes ist aber Laura Antonelli, die von Regie und Kamera in jeder ihrer Szenen ins rechte Licht gesetzt und umschmeichelt wird. Im Gegensatz zu den anderen italienischen Sex-Idolen zu dieser Zeit, wie Edwige Fenech oder zuvor Sophia Loren und Gina Lollobrigida, wirkt Antonelli beinahe zerbrechlich. Aber das ist nur der erste Eindruck, wenn man ihren schlanken, zarten Körper sieht. Doch betrachtet man sie länger, bemerkt man bald, dass sie dieser erste Eindruck gar nicht stimmt. Die Antonelli ist schlang, aber nicht dünn und an den richtigen Stellen offenbart sich eine ungeahnte Üppigkeit. Auch spürt man unter ihrer engelsgleichen, porzellanen Oberfläche einen starken Willen. Und dann dieser Blick. Etwas melancholisches, aber zugleich auch Willensstarkes umspielt ihre Augen. Dies kommt besonders in der Szene zum Ausdruck, in der Nino sie heimlich zwingt, seinen Vater zu verführen. Sie geht an dem Türspalt vorbei, hinter dem Nino sich versteckt und wirft ihm einen Blick mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Verachtung und wütendem Trotz zu, während sie beiläufig die Knöpfe ihrer Bluse öffnet. In einer anderen Szene zieht sie sich langsam aus und entblößt sich wissentlich vor den hinter einem kleinen Fenster versteckten Jungen. Die Art und Weise wie Antonelli dies spielt und Vittorio Storaro ihren perfekten Körper streichelt zählt für mich zu dem Erotischsten, was in der Filmgeschichte zu sehen war. Da ist Porcellos spontane Reaktion darauf durchaus verständlich.

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Generell wird die Antonelli zum vibrierenden, erotischen Zentrum des Filmes und das weiß Salvatore Samperi auch ganz genau. Immer wieder wird der voyeuristische Blickwinkel gesucht. Der auf einer Leiter stehenden Antonelli unter den Rock geschaut, ihre schlanken, von zartem Nylon umschlungenen Beine zur Geltung gebracht und der schnelle Blick in den Ausschnitt erlaubt. Der Zuschauer wird also in die Position der männlichen Mitglieder der Familie La Brocca gebracht und kann so nur allzu gut nachvollziehen, wie das Dienstmädchen Angela den dreien den Kopf verdreht. Nach diesem Film man auch ein wenig in schöne Laura Antonelli verliebt. Mich hat diese dazu verleitet, im Netz mehr über die Antonelli erfahren zu wollen. Dadurch bin ich dann auf ihr trauriges Schicksal aufmerksam geworden. Bis 1991 war sie noch ein Star im italienischen Kino und drehte mit Salvatore Samperi und Turi Ferro einen Film namens „Malizia 2000“. Kurz danach fand man in ihrer Wohnung Kokain und sie wurde angeklagt, dies nicht nur konsumiert, sondern auch mit ihm gehandelt zu haben. Nach ihrer Verurteilung war ihre Filmkarriere ruiniert. Eine schrecklich schiefgegangene Schönheitsoperation 1993 tat das Übrige dazu, ihr Leben zu zerstören. Im Internet findet man ein aktuelles Paparazzi-Bild, welches eine dicke, alte Oma zeigt, deren Gesicht nur noch tiefste Verbitterung ausdrückt. Ich wollte, ich hätte dieses Bild nicht gesehen und könnte sie nur als Angela in Erinnerung behalten. Auf seiner Leiter stehend, den Blick auf ihre wohlgeformten Beine und einen verführerischen Po offenbarend. Und an diesen unbeschreiblichen Blick.

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„Malizia“ beginnt als Komödie, nur um sich dann langsam in einer immer finsterer werdendes Coming-of-Age-Drama zu verwandeln. Der junge und leider viel zu früh verstorbene Alessandro Momo liefert dabei ein ebenso beeindruckendes, wie intensives Spiel ab, wenn er sich von einem pubertierenden Schwärmer langsam aber sicher in einen kleinen Psychopathen verwandelt, der es genießt mit dem von ihm heimlich verehrten Dienstmädchen Angela seine sadistischen Spielchen zu treiben. Dabei kann das Verhältnis zwischen den beiden durchaus ambivalent gelesen werden. Darüber hinaus funktioniert der elegant fotografierte Film aber auch als visuelle Liebeserklärung an die wunderschöne Laura Antonelli.

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Die DVD aus dem Hause CMV kann durch ein sehr gutes, klares Bild mit kräftigen Farben punkten, welches scheinbar von einer sehr gut erhaltenen 35mm Kopie gezogen und restauriert wurde. Der deutsche Ton ist leider etwas dumpf und die Synchronstimme des jungen Enzio leider nur sehr schwer zu ertragen. Die anderen Sprecher sind aber gut ausgesucht und besonders Niels Clausnitzer als Don Ignazio passt perfekt. Man kann auch die italienische Tonspur hören, die sehr viel klarer und besser ausgesteuert ist. Leider sind aber keine deutschen Untertitel an Bord. Auch Extras sucht man, bis auf einen Trailer, vergebens.

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Blu-ray Rezension: “Blutgletscher“

Blutgletscher-Blu-rayAuf einer Klimaforschungsstation, hoch in den Südtiroler Alpen, analysiert ein vierköpfiges Wissenschaftlerteam das klimabedingte Abschmelzen der Gletscher. Unterstützt wird es durch den grantigen Techniker Janek (Gerhard Liebmann). Als sie auf einen blutrot gefärbten Gletscher stoßen. Dieser enthält einen unbekannten Organismus, der bei anderen Lebewesen blitzschnelle Mutationen hervorruft. Da trifft es sich gar nicht gut, dass die Ministerin Bodicek (Brigitte Kren) mit einer Delegation des Umweltministeriums zu einem PR-Termin auf die Station kommen will. Janek erfährt, dass auch Tanja (Edita Malovcic), die ihm einst das Herz brach, bei der Delegation ist. Er versucht sie aufgrund der unsicheren Lage zum Umkehren zu bewegen, und die Forschungsstation zu evakuieren. Von dieser Idee sind die Wissenschaftler – die den Termin unbedingt zur Werbung in eigener Sache nutzen wollen – allerdings wenig begeistert und sie wollen Janek erst einmal aus dem Verkehr ziehen. Derweil kommt es in den Bergen zu immer mehr gefährlichen Mutationen…

blutgletscher07Während in Deutschland darüber gejammert wird, dass der Genre-Film hier keine Chance hat und generell unterdrückt wird, zeigen die Nachbarn aus Österreich mit gleich zwei Produktionen, wie Genre auch im Kino funktionieren kann. Während Andreas Prochaska mit „Das finstere Tal“ das Western-Genre in die Alpen verlegt und dafür nicht nur von der Kritik gefeiert, sondern auch gleich mit zahlreichen Filmpreis-Nominierungen überhäuft wurde, zeigt Marvin Kren, dass es auch gute deutschsprachige Horrorfilme gibt, die sich einmal explizit nicht als amerikanisch zu verkaufen versuchen, sondern, im Gegenteil, den Lokalkolorit zum Stilmittel erheben und uns damit sehr viel näher sind, als z.B. ein Till-Schweiger-„Tatort“, der möglichst nach Hollywood aussehen und Hamburg in Manhattan verwandeln will.

blutgletscher06Nachdem Marvin Kren 2010 bereits das Kunststück gelang, der altehrwürdigen Dame ZDF das Geld für einen waschechten Zombie-Film aus den Rippen zu leiern. Und nicht nur das, „Rammbock“ wurde dann auch nach mehreren Festivaleinsätzen, im Fernsehen gezeigt. Wenn auch zunächst in einem der digitalen Nischenkanälen des Senders. Produziert wurde er im Rahmen des „Kleinen Fernsehspiels“, in dem einst in den 70er Jahren noch Leute Fassbinder und Erler experimentieren durften. Für seinen neuen Film hat Kren nun den Berliner Hinterhof verlassen und siedelt seinen Mutanten-Horror in den Südtiroler Alpen an. So wurde nicht nur die Kulisse größer, sondern auch das Budget. Von der österreichischen Filmförderung bedacht und mit dem Vertrauen einer österreichischen Produktionsfirma ausgestattet, verhundertfachte sich das Budget von den € 20.000 bei „Rammbock“ auf € 2 Mio. bei „Blutgletscher„. Dies ist immer noch recht wenig, wenn man das Budget mit dem eines durchschnittlichen Hollywood-Films vergleicht. Aber Kren gelingt es, seine begrenzten Ressourcen ökonomisch und effektiv einzusetzen, indem er gar nicht erst versucht mit irgendwelchen US-amerikanischen Blockbustern zu konkurrieren, sondern sich an dem kostengünstigen Außenseiterkinos eines John Carpenter, oder noch vielmehr eines frühen Cronenberg, zu orientieren.

GletscherblutPositiv fällt auch die Entscheidung Krens auf, CGI nur spärlich und wenn, nur dort, wo es gar nicht anders geht, einzusetzen. Stattdessen setzt er auf handgemachte Effekte. Was man auch deutlich merkt, und was dem Film „Gewicht“ gibt. Denn CGI wirkt – egal wie gut gemacht es ist – doch auch immer unecht. Es fehlt im immer etwas „Masse“, eine gewisse physische Präsenz, die man als Zuschauer förmlich spüren kann. Mit seinen hübsch matschig-ekligen Effekten, versetzt einen Kren zurück in die Zeit, als beispielsweise John Carpenter in „The Thing“ – mit dem „Blutgletscher“ gerne verglichen wird – ein alptraumhaftes, schrecklich lebendig wirkendes Latex-Biest auf uns los ließ. Ferner verzichtet Kren auch wohltuend auf glattpolierte Teenie-Charaktere, sondern dreht einen Film mit und für Erwachsene. Sein Held ist klein, um die Vierzig, hat eine beginnende Halbglatze und grummelt mit dem schönsten österreichischen Slang vor sich her. Da wünscht man sich als Nordlicht zwar ab und zu Untertitel, aber andererseits passt dies so auch sehr viel besser in die imposante Bergkulisse, als wenn alle einwandfreies Hochdeutsch sprechen würde. Man erinnere sich nur an den anderen Austro-Western „Autumn Blood„, in dem sich die Bewohner eines österreichischen Dorfes alle auf Englisch unterhalten, was dem ansonsten gelungenen Film doch einiges an authentischer Atmosphäre gekostet hat.

GletscherblutDer zuvor eher in Nebenrollen aufgefallene Gerhard Liebmann, hat für seine Darstellung des Janek bei der Verleihung des diesjährigen Österreichischen Filmpreises die Kategorie des besten männlichen Hauptdarstellers gewonnen und dabei Konkurrenten wie Klaus Maria Brandauer ausgestochen. Neben ihm brilliert die Mutter des Regisseurs, die in Österreich sehr beliebte Brigitte Kren, in der Rolle der handfest zupackenden Politikerin, die dann auch für die coolen One-liner zuständig ist. Neben diesen beiden haben es die anderen Schauspieler schwer, sich in den Vordergrund zu spielen. In den Nebenrollen wird solides Handwerk abgeliefert, auch von Wolfgang Pampel, der deutschen Stimme von Larry Hagman/J.R. Ewing und Harrison Ford. Pampel sieht hier aus wie Heidis Großvater und spricht im breitesten südtrioler Dialekt. Die schöne Edita Malovcic in der weiblichen Hauptrolle spielt ebenfalls sehr routiniert und fällt weder positiv noch negativ besonders stark auf. Leider muss man aber unter den Darstellern aber auch einen Komplettausfall anprangern. Hille Beseler in der Rolle der Birthe, hat zwar einen undankbaren Part, da sie vor allem die pseudo-wissenschaftlichen Grundlagen erläutern muss, sie spielt davon abgesehen allerdings auf eine solch gekünstelte, unnatürliche Weise, dass sie geradezu aus dem Film herausfällt und man denken könnte, sie würde in einer typischen deutschen Amateur-Horrorfilm-Produktion mitwirken.

GletscherblutMan merkt deutlich, das Kren und sein Drehbuchautor Benjamin Hessler – der auch für einige Folgen der unterhaltsamen und intelligenten ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ verantwortlich ist – ihre Vorbilder genauestens studiert haben. Es wird ein starker Fokus auf Charakterentwicklung gelegt (wenn auch nur auf die ohnehin schon stark gezeichneten Figuren Janek, Ministerin Bodicek und mit Abstrichen Tanja) und der Terror baut sich langsam auf, um erst gegen Ende ein Inferno zu entfachen. Auch werden die Monster nicht gleich in aller Direktheit präsentiert, sondern zunächst einmal durch eine Verlagerung des Blickwinkels angedeutet. Auch später werden sie nur teilweise oder im Schatten gezeigt. Dies erhöht die Spannung und verhindert zugleich, dass man sie allzu schnell als „Trickfiguren“ entlarven könnte. Wobei die handgemachten Effekte und Puppen sehr realistisch gelungen sind. Generell fällt bei „Blutgletscher“ eine überraschende Härte auf, die sparsam eingesetzt wird und dem Schema der Eskalation folgt.

„Blutgletscher“ ist sicherlich nicht ohne Fehler. Die Nebengeschichte einer Abtreibung und das damit verbundene, scheinbar von „Alien 4“ inspirierte, Ende sind schon etwas zu viel. Aber der Film hat sein Herz am rechten Fleck und gibt gar nicht erst vor, es mit Hollywood aufnehmen zu wollen. „Blutgletscher“ zieht sein eigenes Ding durch und gerade das Einbinden des Lokalkolorits, holt das Grauen in Nachbarschaft und macht es dadurch greifbarer. Leider wurde dies bei seiner selektiven Kinoauswertung (u.a. in unserer „Weird Xperience“-Reihe) vom Publikum nicht besonders honoriert. Deshalb bleibt zu Hoffen, dass der Film nun bei seiner Heimkinoauswertung den Zuspruch erhält, den er verdient.

blutgletscher11Die bei Koch Media erschienene Blu-ray weißt ein sehr schönes, gestochen scharfes Bild auf, welches – obwohl digital gedreht – sogar leicht an „echtes“ Filmmaterial erinnert. Überhaupt ist die ganze Bildgestaltung für das Kino gemacht und kein „TV-Look“. Gleiches gilt für den Ton, der in DTS 5.1 vorliegt und das atmosphärische Sounddesign perfekt in die heimischen vier Wände bringt. Normales 5.1. gibt es auch, sowie Untertitel für Hörgeschädigte, welche wir Nordlichter an die dialektbedingt schwerer verständlichen Stellen zum Einsatz bringen können. Als besonderer Service, kann der Film auch als „Hörfilm“ mit Audiodeskription abgespielt werden. Als Extra gibt es leider nur einen – in alter Super-8-Optik gehaltenen – 11-minütigen Einblick in die Herstellung der Effekte. Dies ist sehr aufschlussreich, aber statt einer reinen Musikuntermalung, hätte man sich doch die ein oder andere Erklärung oder gar ein Interview mit den Machern gewünscht.

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Crowdfunding-Projekt: „Die Traumlande“ von Huan Vu

Ab und zu poste ich hier interessante Crowdfunding-Projekte. Natürlich liegen einem die Einen mal etwas mehr als die Anderen am Herzen. Hier nun ein Projekt, welches ich selber gerne unterstütze und auf das ich mich bereits ungemein freue. Huan Vu macht sich nach dem tollen „Die Farbe“ an seine zweite Lovecraft-Verfilmung: „Die Traumlande“.

„Roland, ein Waisenjunge mit einer schwierigen Vergangenheit, wird von einem mysteriösen alten Mann in eine andere Welt geführt, die über Jahrtausende hinweg von den großen Träumern der Menschheit im Schlaf erschaffen wurde. Dort herrscht der alte Mann als König und er möchte Roland zu seinem Nachfolger ausbilden.

Doch Roland gelingt es nicht den dunklen Schatten zu überwinden, der auf ihm lastet, und er muss sich entscheiden, ob er seine Fähigkeiten dafür einsetzen will, um die Traumlande weiter zu vergrößern, oder um zu zerstören, was andere errichtet haben.“

Huan Vu hat für seinen Film selbst das Drehbuch geschrieben und sich hierfür auf H.P. Lovecrafts Kurzgeschichten „Celephaïs“, „The White Ship“, „The Strange High House in the Mist“ und „The Dream-Quest of Unknown Kadath“ bezogen.

Die ersten Teaser, die bereits im Netz veröffentlicht wurden, versprechen einen sehr atmosphärischen Film. Wer Vus „Die Farbe“ kennt, konnte sich ja bereits ein Bild von Vus Ansatz machen, Stimmung und Inhalt der lovecraftschen Erzählung möglichst werkgetreu umzusetzen – was gerade im Fall Lovecraft nicht einfach ist und bisher nur wenigen Filmemachern wirklich gelungen. Da „Die Farbe“- neben den Filmen der H.P. Lovecraft Historical Society – zu den schönsten Lovecraft-Verfilmungen gehört, darf man bei „Die Traumlande“ die Latte ruhig hoch ansetzen.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=5dUTGMIPuP0[/youtube]

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=cRpgWgV7NBo[/youtube]

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=jHjo8kNl6s4[/youtube]

Was mich nur etwas ärgert ist nur Folgendes:  „Gedreht werden soll auf Englisch mit einem internationalen Darstellerensemble, welches im Zuge der Vorproduktion gecastet wird. Im Anschluss wird eine deutsch synchronisierte Fassung mit renommierten Sprechern erstellt.“ Da hat Vu mit der „Farbe“ das Lovecrafsche Grauen von Providence in die deutsche Provinz geholt und mit deutschen Darstellern besetzt – und nun die genaue Kehrtwende. Gibt es in Deutschland keine talentierte Schauspieler? Muss man immer jemanden aus Übersee holen? Das habe ich mich schon bei „German Angst“ gefragt. Wahrscheinlich befürchtet man, die Filme sonst nicht ins Ausland verkaufen zu können. Da lobe ich mir dann einen „Blutgletscher“, in dem sogar Dialekt gesprochen wird.

Aber wie dem auch sei. Etwa die Hälfte des Films soll in einem Studio in Deutschland gedreht werden, die andere Hälfte an der Ostseeküste und anderen Außendrehorten mit passenden Landschaftsmotiven, wie z.B. Island, Kroatien oder die Türkei. Das klingt schon mal super.

Die Fertigstellung des voraussichtlich 120-minütigen Films soll Ende 2016 erfolgen. Die Postproduktion kann jedoch aufgrund von Verzögerungen und/oder notwendigen Nachdreharbeiten auch bis 2017 andauern. Das Crowdfundig-Ziel ist mit € 200.000,- sehr ambitioniert. Wer aber auf die indiegogo-Seite geht, kann genau nachvollziehen, wofür es gebraucht wird. Was ich sehr positiv finde, sind die „Belohnungen“ für die edlen Spender. Im Gegensatz zu einigen anderen Projekten, die ich hier in der Vergangenheit auch vorgestellt habe, sind diese ihr Geld auch wert und man muss keine 50 Euro „investieren“, um am Ende eine DVD des Filmes zu bekommen. Hier reichen Euro 20 für eine Doppel-DVD oder Blu-ray und das finde ich absolut fair.

Ich habe jedenfalls meinen Obolus schon.entrichtet und harre nun sehr gespannt der Dinge, die da kommen.

Hier geht es zur Crowfunding-Seite: https://www.indiegogo.com/projects/the-dreamlands#home

Und hier zur Homepage des Filmes: http://www.the-dreamlands.com/de/

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Originalfassungen in Bremen: 17.04.14 – 23.04.14

Wer über die Ostertage nichts vorhat, kann ja mal wieder ins Kino gehen. Wenn man den O-Ton liebt, bieten die Bremer Kinos ja auch in dieser Woche so einiges.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro – Cinemaxx, Do.-Mo. immer 19:15 und CineStar, So., 20.4. um 20:00 – Nach dem überraschend gelungenen „Spider-Man“-Reboot, geht der nette Netzschwinger in die zweite Runde und triff diesmal auf Electro, gespielt von Jamie Foxx.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=DlM2CWNTQ84[/youtube]

The Lego Movie – Cinemaxx, Fr., 18.4. um 20:10 – Darauf muss man einmal kommen: Aus Lego einen ganzen film zu machen. In den USA wurde diese mit einem unerwartet erfolgreichen Einspielergebnis belohnt und wie man hört, soll der Lego-Film auch gar nicht so schlecht sein, wie man bei der verrückten Prämisse denken sollte.

Die Bestimmung – Divergent – Cinemaxx, So., 20.4., 20:10 – Teenie-SF-Film in dem die Menschen in einem totalitären Regime leben und in fünf Kasten eingeteilt sind. die 16-jährige Beatrice entdeckt, dass sie keiner dieser Kasten angehört, was ihr eine Menge Probleme bereitet…

Nymphomaniac 2 – Schauburg, So., 20.4. um 21:30 – Der zweite Teil des Skandal-Epos des großen Lars von Trier. Mit seiner aktuellen Muse, der fantastischen Charlotte Gainsbourgh in der Hauptrolle. Pflichtprogramm!

Her – Schauburg, Sa., 12:00 und Mi. 19:15 – “A Spike Jonze Love Story”. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, Di., 22.4. um 12:00 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch.

Gabrielle – (K)eine ganz normale Liebe – Atlantis, So., 20.4. um 20:00 – Kanadischer Liebesfilm. Die musikalisch hoch begabte Gabrielle leidet unter dem Williams-Beuren-Syndrom (WBS). Im Chor der Therapiegruppe lernt sie einen ebenfalls unter WBS leidenden jungen Mann kennen. Sie verlieben sich, doch das stößt in ihrem Umfeld nicht auf Akzeptanz.

Die Frauen im Jazz– City 46,Sa./Di. um 18:00 und So. um 20:30 – Doku von 1986.

Stories We Tell – City 46, Do., 17.4. um 20:00 – Die kanadische Filmemacherin Sarah Polley beschäftigt sich in dieser Doku mit ihren Wurzeln und ihrer Familie. Was einige Überraschungen für sie bereithält.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=qqssGLqxCew[/youtube]

The Master – City 46, Fr./Mo. um 18:00 und Di. um 20:30 – Philip Seymour Hoffmans letzte große Rolle. In Paul Thomas Andersons neustem Film spielt er ein Sektenoberhaupt, das in den USA der 50er Jahre seine Macht ausbaut.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 21.04. um 20:10

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 21.04. um 21:45

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DVD-Rezension: “Hetzjagd ohne Gnade“

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Nachdem der Falschspieler Luc Altieri (Luc Merenda) in einem illegalen Spielcasino abgeräumt hat, nutzt er diesen Coup als Bewerbungsschreiben bei dem Besitzer der Spielcasinos, dem „Präsidenten“ (Enrico Maria Salerno). Luca wird schnell zum Star innerhalb der Organisation des „Präsidenten“, doch das Blatt wendet sich, als er eines Tages die schöne Maria Luisa (Dayle Haddon) erblickt. Trotz der Warnung, diese wäre die Geliebte des jähzornigen Corrado (Corrado Pani), dem Sohn des „Präsidenten“, verführt Luca Maria Lusia und die beiden werden ein Paar. Das will Corrado, der Maria Lusia als sein persönliches Eigentum ansieht, allerdings nicht hinnehmen, und er beginnt Luca mit unerbittlichem Hass zu verfolgen.

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Sergio Martino ist zwar in erster Linie berühmt für seine brillanten Gialli, die er von 1970 bis 1973 auf die Leinwand brachte, war aber in seiner Karriere in fast jedem populären Genre Zuhause. Sei es der Italo-Western, die Sex-Komödie, der Endzeitfilm oder sogar der Kannibalen-Film. Bis auf Zombies waren alle dabei. Natürlich auch der Poliziesco, wo er es auf immerhin vier Filme brachte. War es in seinen Gialli vor allem George Hilton, den er immer wieder einsetzte, so verließ er sich in seinen Polizieschi auf den Franzosen Luc Merenda. Nach „Die Killermafia“ kommt nun dank filmArt ihre zweite Zusammenarbeit in Deutschland auf Silberscheibe heraus.

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Genaugenommen ist „Hetzjagd ohne Gnade“ auch gar kein Poliziesco, denn die Polizei tritt hier nur einmal kurz in Gestalt eines korrupten Kommissars auf. Ansonsten spielen die Gesetzeshüter keine Rolle in der Welt der illegalen Spielhallen. Vielmehr mischt Martino bekannte Spieler-Dramen, wie vor allem „Haie der Großstadt“ oder „Cincinnati Kid“ mit Gangster- und auch Westernelementen. So könnte der, von Corrado Pani großartig als neurotischer Schwächling gespielte, Sohn des „Präsidenten“ auch aus einem Italo-Western stammen, wo es auch oft um mächtige Vaterfiguren und ihre unfähigen, aber nichtsdestotrotz brutalen Söhne geht. Mit Pani und dem leider oftmals vergessenen Enrico Maria Salerno als „Präsident“ hat Martino zwei ausgezeichnete Schauspieler an der Hand, die diesen Konflikt mit genügend sprühenden Funken spielen und denen man ihre Figuren jederzeit abnimmt. Da macht es dann auch nicht viel aus, dass Salerno etwas zu stark auf „alt“ geschminkt wurde. Sein Gangster vom alten Schlag, der eigentlich lieber jemanden wie Luca als sein Nachfolger wünschen würde, dominiert in seine Szene und füllt sie mit großer, der Rolle entsprechenden, Präsenz aus. Pani hat seine größte Szene, wenn er einem Leibwächter befielt, seine Geliebte zu vergewaltigen. Wie er sich schwitzend in seinen Sessel flegelt, seiner eigenen Impotenz nur allzu bewusst, zugleich angeekelt und fasziniert von dem Schauspiel, welches er dort inszeniert, dann ist das ganz großes Kino.

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Der scheinbare Held der Geschichte ist einmal mehr Luc Mereda, der zunächst als schier unbezwingbarer, über den Dingen stehender Strahlemann eingeführt wird. Sein Luca ist vollkommen von sich, seiner Fingerfertigkeit und Unbesiegbarkeit überzeugt. Jeder seiner Auftritte absolviert er mit einem breiten Grinsen, und selbst wenn er – wie einst Paul Newman in „Haie der Großstadt“ – seine Hände zertrümmert bekommt, ist er noch immer so cool und überlegen, dass er eine Pokerpartie, auch ohne einen Finger zu krümmen, gewinnen kann. Doch in der zweiten Hälfte des Filmes demontiert Martino seinen Sunnyboy immer mehr und mehr. Luca wird uns als Getriebener offenbart, welcher süchtig nach dem Kick ist, welchen ihm das Spiel bringt. Und der nicht sehen kann, wie er durch seine Sucht und sein Ego unaufhaltsam auf einen Abgrund zu rast. Das, was er am meiste liebt, mitreißend. Da der Zuschauer der Hauptfigur gegenüber einen Wissensvorsprung besitzt und auch Martinos Inszenierung kaum einen Zweifel daran lässt, dass das alles wahrscheinlich nicht gut ausgeht, ist es beinahe schmerzhaft zu sehen, wie Luca ein möglicherweise glückliches Leben für nichts wegwirft.

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Das Objekt der Begierde für Luca und seinen Gegenspieler Corrado, Maria Luisa, wird von dem kanadischen Top-Modell Dayle Haddon, einer überirdisch schönen Frau, gespielt. Diese hat auch– für das männliche Publikum dankenswerterweise – keine Scheu, sich ausgesprochen freizügig zu präsentieren. Zwar wurde ihr das schauspielerische Talent nicht unbedingt in die Wiege gelegt, aber trotzdem macht sie ihre Sache gut und besitzt eine so große, erotische Ausstrahlung, dass sie nicht negativ auffällt. Man jedenfalls verstehen, warum Luca sein gutes Leben beim „Präsidenten“ für sie aufs Spiel setzt.

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Actionszenen sind hier nur spärlich gesät. Die große „Hetzjagd“ spart sich Martino für das Finale seines Filmes auf. Zwar bringt er diese dann auch mit solidem Handwerk über die Bühne, aber von der Rasanz oder Dramatik, mit der sie wahrscheinlich ein Umberto Lenzi inszeniert hätte, bleibt Martino dann doch deutlich entfernt. Vielmehr punktet er mit dem, was auch seine Gialli zu dieser Zeit auszeichneten. Eine überaus elegante Inszenierung und originelle visuelle Einfälle, die er vor allem in den Pokerszenen einbringt. In wie weit hier Martino oder sein Kameramann Giancarlo Ferrando verantwortlich waren, bleibt Spekulation. Immerhin arbeiteten die Beiden seit 1972 bei fast allen Filmen zusammen. Auch Drehbuchautor Ernesto Gastaldi ist wahrlich kein Unbekannter, sondern hat fast im Alleingang alle großen Gialli geschrieben und war auch für zahlreiche Italo-Western-Klassiker und auch bedeutende Polizieschi verantwortlich. Mit Sergio Martino arbeitete er in den 80ern auch bei dessen beiden Endzeit-Filmen zusammen.

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„Hetzjagd ohne Gnade“ ist ein in der Welt der Gangster stattfindendes Spielerdrama, welches weniger Wert auf handfeste Action legt, sondern sich vielmehr auf den Konflikt zwischen dem leidenschaftlichen Falschspieler Luca und dem von Corrado Pani brillant gespielten, schwächlichen Sohn des „Präsidenten“ konzentriert. Diese von Obsessionen und Eitelkeiten geprägte Geschichte kleidet Martino in elegante Bilder und garniert sie mit hübschen optischen Einfälle, wie man sie auch aus seinen legendären Gialli kennt.

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Optisch ist filmArt hier eine sehr empfehlenswerte DVD gelungen. Das Bild ist klar und die Farben kräftig. Was auch ganz im Sinne der ursprünglichen Bildgestaltung liegen dürfte, die viel mit Farben spielt. Hier und da gibt es einmal kurze, dem Filmmaterial geschuldete Defekte, aber das ist zu verschmerzen. Der Ton liegt in Deutsch einmal ungefiltert und einmal gefiltert vor. Dass ich da keinen riesigen Unterschied gehört aber, mag an meinen geschundenen Ohren liegen. Ferner ist noch der italienische Ton mit deutschen Untertiteln dabei. Auf Bonus muss man, abgesehen vom italienischen Trailer, allerdings verzichten. Dafür liegt ein von Heiko Hartmann geschriebenes 16-seitiges Booklet bei, welches man schon als kleines Heftchen bezeichnen muss und das randvoll mit Informationen zum Film und seinen Beteiligten gepackt wurde. Leider leidet es – wie schon das von ihm verfasste Booklet zu „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ – unter einer etwas angestrengten Flapsigkeit.

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