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Blu-ray-Rezension: „Crash“

Von , 23. Juni 2020 17:43

Der Filmproduzent James Ballard (James Spader) verursacht einen Verkehrsunfall, bei dem ein Mann ums Leben kommt. Selber schwer verletzt, beginnt Ballard nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus eine Affäre mit Helen Remington (Holly Hunter), der Witwe des Getöteten. Über sie wird er mit einer Gruppe von Leuten bekannt gemacht, die tödliche Autounfälle berühmter Persönlichkeiten nachstellen und sexuelle Erregung empfinden, wenn Autos fatal ineinander krachen. Anführer dieser Gruppe ist der geheimnisvolle Vaughan (Elias Koteas), den Ballard bereits im Krankenhaus kennengelernt hat, als Vaughan seine Wunden fotografieren wollte. Ballard erliegt immer mehr der Faszination für Vaughan und schließlich stößt auch Ballards Ehefrau Catherine (Deborah Kara Unger) zu der Gruppe der Unfall-Fetischisten.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

In meiner Erinnerung war “Crash” immer mit einer Farbe verbunden: Einem eiskalten Blau. Und ich gebe zu, vor dem Wiedersehen mit “Crash” tatsächlich etwas gefröstelt zu haben. Zwar war es gut 20 Jahre her, dass ich Cronenbergs Film – damals noch zu VHS-Zeiten aus der Videothek ausgeliehen – gesehen habe, aber viele Szenen waren mir noch immer sehr präsent. Und noch mehr dieses seltsame Gefühl, welches sich mit dem Film verband. Eine Faszination, aber auch etwas Unangenehmes, was man nicht direkt fassen konnte. Figuren, die man nicht oder gerade doch verstand, wobei man letzteres vielleicht nicht unbedingt vor sich selbst zugeben möchte. Cronenbergs Figuren sind egozentrisch, ohne Empathie. Sie kreisen um sich selbst, zusammengehalten nur von der gemeinsamen Suche nach Befriedigung und etwas, was ihre leere Existenz füllt. Beim Ehepaar Ballard ist es zunächst der Sex. Tagsüber suchen sie sich ihre Abenteuer. Sie lässt sich in einem Flugzeughangar von einem Mechaniker oral verwöhnen, doch ihr Interesse gilt nicht dem Mann hinter ihr, sondern der kalten, glatten Oberfläche des Flugzeugs vor ihr. Er fällt förmlich über eine Mitarbeiterin her, tierisch, ohne Freude, ganz dem schnellen eigenen Höhepunkt entgegen strebend – der ihm dann doch verwehrt wird. Am Abend versuchen sich die Ballards dann mit ihren Erlebnissen gegenseitig heiß zu machen, was auch nur bedingt funktioniert. Echte Leidenschaft füreinander? Fehlanzeige. Eher hat man das Gefühl, dass man sich gerne übertrumpfen möchte und sich seine Geschichten mehr für sich selber und zur Bestätigung der eigenen Libido erzählt.

Dieser eklatante Mangel an Empathie stößt zunächst einmal von den Figuren ab, die sich in einem ganz eigenen Kosmos zu bewegen scheinen. Als James einen tödlichen Unfall verursacht und eine Leiche durch seine Windschutzscheibe kracht, verspürt er weder Schrecken, Angst oder Ekel, sondern nur ein erstauntes Interesse an dem Toten. Vielmehr erregt ihn die entblößte Brust der Fahrerin im verunglückten Wagen. Dass er fahrlässig einen Menschen umgebracht hat, scheint ihn nicht weiter zu beschäftigen. Und wenn, ist es für ihn eher Kollateralschaden auf dem Weg zu einer neuen, sexuellen Erfahrung. Der Chance seine im Grunde langweilige Existenz mit einem erregenden Gefühl zu füllen. Vielleicht wirklich einmal so etwas wie Ekstase zu empfinden. Verstörenderweise scheint es allen Figuren um Ballard herum so zu gehen. Sogar für die Witwe von Ballards Opfer scheint der tote Ehemann nicht viel mehr zu sein als ein Spielzeug, welches jetzt kaputt gegangen ist, aber schnell gegen ein neues ersetzt werden kann. Und tatsächlich sieht man sie bald schon beim Sex mit dem “Mörder“ ihres Mannes. Diese im Grunde irrationale und „falsche“ Verhaltensweise verstört und entfremdet ebenso, wie die „Shows“ um Vaughan herum, in denen tödliche Autounfälle als Amüsement und zur Erregung des Publikums nachgestellt werden. Und eine fast schon surreale Szene, in der die Protagonisten in einer unwirklichen Unfallszenerie herumwandern, neugierig die Opfer bestaunen, sich in erotischen Posen vor den blutverschmierten Autos fotografieren oder sich fasziniert unter die Schwerverletzten mischen.

Man kann mit den Figuren in „Crash“ im wahrsten Sinne des Wortes nicht „warm werden“. Sie bleiben kalt, fremd, ja auch ein wenig unheimlich (denn wer möchte im wahren Leben schon solchen emotionalen verkrüppelten, ich-fixierten Menschen begegnen) und abstoßend. Aber Cronenberg lässt uns in ihre Welt schauen ohne zu werten. Man blickt hinein, wundert sich, ist durchaus fasziniert, versucht hinter den Sinn des Ganzen zu kommen, muss sich sein eigene Gedanken zum Gesehenen machen. Cronenberg nimmt einen nicht väterlich an die Hand und führt einen herum. Er stößt einen hinein in diese seltsam-verwirrende Welt und lässt einen dort allein mit seinen Gefühlen zurück. Dies macht die Stärke von „Crash“ aus. Es ist kein bequemer Film. Keiner in dem man sich wohl fühlt. Das Verhalten der Figuren beunruhigt einen, macht einen vielleicht auch wütend. Aber es lässt einen nicht gleichgültig. Es trifft einen im Inneren, macht etwas mit einem.

Tatsächlich Leidenschaft findet man selten in „Crash“. Wenn die Figuren miteinander Sex haben, geschieht dies meist auf eine seltsam distanzierte Weise. Kaum blicken sie sich dabei ins Gesicht. Meisten wird der Beischlaf von hinten vollzogen, voneinander abgewandt. Befindet sich die Gesichter dann doch einmal zugewandt, verschließt man die Augen, um sich wieder ganz auf sich selbst zurückzuwerfen. Es scheint auch immer um Kontrolle zu gehen. Man kontrolliert seine Lust, seinen Höhepunkt. Der andere ist Mittel zum Zweck. Einzig in der Sexszene zwischen James und Vaughan scheint es so etwas wie ein Interesse an dem Anderen, an dessen Körper zu geben. Ja, wenn schon nicht Liebe (zu so etwas sind die Menschen in „Crash“ gar nicht mehr fähig), dann doch zumindest Interesse und Neugier. Auch bei Vaughan geht es um Kontrolle. Um kontrollierten Kontrollverlust. Vaughan schafft ein Umfeld, welches er kontrolliert, aber welches zu einer Situation führt, deren Ausgang er nicht kennt. Das verschafft ihm seinen Kick. Sei es nun beim Nachstellen von Verkehrsunfällen, wenn er mit seinem im Laufe des Filmes immer mehr zerbeulten Wagen Jagd auf andere macht oder eben beim Sex die aktive Rolle an James abgibt. Bei allem was er tut steht nur ein Mensch im Mittelpunkt: Vaughan. Alle anderen dienen nur dazu, ihm seine ihm eigene Befriedigung zu verschaffen.

„Crash“ ist ein bedrückender Kommentar auf die Entfremdung der Menschen, den Verlust des Mitgefühls, die konsequent selbst vorangetriebene Vereinsamung. Den Rückzug in einen Raum, der einen noch mehr von seinen Mitmenschen trennt: Das Auto, welches als Exoskelett der Egomanen wird. Zur mächtigen Verlängerung des eigenen Körpers. Ein typisches Thema bei Cronenberg. Die Technik, die den menschlichen Körper verändert, mit ihm verschmilzt. Hier treibt der Mensch diese Veränderung selbst voran. In fatalen Unfällen wird der Körper durch das Auto deformiert, verändert, mechanischer gemacht. Gut sehen an der Figur der Gabrielle, welche sich nur noch mit Krücken fortbewegen kann, deren Gelenke von künstlichen Schrauben gehalten, deren Körper durch ein Korsett in Form geschnürt wird – und an deren Oberschenkel sich vaginaartige Narbenwucherungen gebildet haben. Oder an James selber, dessen Beine nach dem Unfall von unzähligen Schrauben gehalten werden. Das Verschmelzen mit den Fahrzeugen, das auf sich selbst zurückgeworfene Selbst im Inneren der Maschine, der „Crash“ mit anderen und der Tod als ultimativer Orgasmus, weil man zum liebevolle Verschmelzen mit einem geliebten Anderen gar nicht mehr in der Lage ist, sondern in einer lieblosen und (Selbst)optimierungsfixierten Welt selber schon Maschine geworden. Davon erzählt „Crash“ und es ist keine optimistische, sondern eine zutiefst bedrückende Geschichte.

Cronenberg gelingt all dies in wundervoll ambivalenten Bildern einzufangen, die seinen Stammkameramann Peter Suschitzky ebenso wunderschön, wie erschreckend abstoßend gestaltete. Wunden, Blut und Verstümmelungen werden als ästhetische Alternativen zum klassischen Schönen gezeigt. Die Schauspieler leisten Unfassbares und zeigen einen großen Mut. Nicht nur in Bezug auf die Nacktheit des Körpers, sondern auch der Seele. Insbesondere die wunderschöne, immer etwas geheimnisvoll und undurchsichtig wirkende Deborah Kara Unger muss hier hervorgehoben werden. Gerade in der Szene, in der ein zunächst harmloses Liebesspiel mit Vaughan auf dem Rücksitz zu einer brutalen Vergewaltigung entwickelt, die von ihrem Ehemann mit einer Mischung aus Neugier und Erregung beobachte wird. Wie sie die tiefe Verletzung ihrer Seele und ihres Körpers zeigt ist beeindruckend. Aber auch Spader, der mit seinem Yuppie-Image spielt, eigentlich zu jugendlich und beinah kindlich wirkt, aber eben auch die perfekte Verkörperung der seelenlosen, ich-bezogenen 90er ist, die auch Monstren wie Brett Easton Ellis‘ Patrick Bateman erschaffen konnten. Wie überhaupt „Crash“ eine große Nähe zu „American Psycho“ besitzt, der ähnlichen Themen bearbeitete. Ebenfalls fantastisch: Holly Hunter. Und interessant: In einer Szene nimmt sie während eines gemeinsamen „Videoabend“ sexuelle Handlungen an James und der von Rosanna Arquette ebenfalls großartig gespielten Gabrielle vor, während sie sich von Bildern von Autocrash stimulieren lässt. Eine ähnliche Szene gibt es in Jörg Buttgereits „Nekromantik 2“ und irgendwie reizt es einen auch, gerade diese beiden Filmen, in denen es um spezielle Fetische und aber auch die Vereinsamung geht, miteinander in Verbindung zu setzen. Und was wäre „Crash“ ohne die packende und ebenso simple, wie hochkomplexe Musik Howard Shores, die in jede gute Soundtrack-Sammlung gehört? „Crash“ ist ein allen Bereichen ein unbequemes Meisterwerk, auf das es lohnt, sich einzulassen.

Das Mediabook von Turbine wird dem absolut gerecht. Endlich kann man „Crash“ in jener Brillanz sehen, die der Film verdient. Das Bild der Blu-ray ist kristallklar, ohne artifiziell zu wirken. Der Ton ohne Beanstandungen und gerade Shores kongenialer Soundtrack bekommt den Raum, den er benötigt. Das Mediabook erschien in zwei Cover-Varianten. Das oben abgebildete, über welches ich mal den Mantel des Schweigens ausbreitete und das alte Kinoplakat mit Spader und Hunter im Auto. Die Extras sind ausgesprochen interessant. Herzstück ist ein fast einstündiges Gespräch zwischen Cronenberg, seinem späteren Stammschauspieler Viggo Mortensen und einem Mitarbeiter des tiff auf dem Toronto International Filmfestival. Mortensen durfte sich zwei Film aus dem tiff-Archiv aussuchen und wählte (neben Dreyers „Passion der Jeanne D’Darc“) eben „Crash“. Er leitete kompetent in den Film ein und holt später Überraschungs-Gast Cronenberg auf die Bühne, um mit ihm vor allem über „Crash“ zu sprechen. Das ist alles sehr sympathisch, unterhaltsam und vor allem informativ. Weiter geht es mit jeweils um die 25-Minuten langen, aktuellen Interviews mit Kameramann Peter Suschitzky, Produzent Jeremy Thomas, Komponist Howard Shore und Casting-Director Deirdre Bowen, die allesamt auch sehr detailliert und interessant über „Crash“ sprechen und dabei allesamt sehr sympathisch erscheinen. Da macht es großen Spaß zuzuhören. Älter sind 11 Minuten mit Aufnahmen von den Dreharbeiten und kurze Promo-Interviews, die zum Kinostart mit Cronenberg, Autor Ballard, James Spader, Holly Hunter, Deborah Kara Unger und Elias Koteas geführt wurden. Wunderbarerweise wurden noch drei neuere Kurzfilme von Cronenberg mit auf die Scheibe gepackt: The Nest (2013), Camera (2000) und At the Suicide of the Last Jew in the World in the Last Cinema in the World (2007). Letzteren konnte man schon mal bei Arthaus in der Kurzfilm-Sammlung „Chacun son cinéma – Jedem sein Kino“ sehen, „Camera“ war Teil des „Videodrome“-Mediabooks von Koch und „The Nest“ war bisher nur auf YouTube zu sehen. Hervorheben möchte ich noch das sehr ausführliche und informative 40-seitige Booklet (mehr Book, als -let) von Stefan Jung und Christoph N. Kellerbach.

Blu-ray-Rezension: „Suicide Kings“

Von , 14. März 2020 17:10

Die drei Freunde Avery (Henry Thomas), Max (Sean Patrick Flanery) und Brett (Jay Mohr) entführen den ehemaligen Paten Charlie Barret alias Carlo Bartolucci (Christopher Walken), der sich angeblich vor einiger Zeit aus dem kriminellen Geschäft zurückgezogen haben soll. Ihr Plan: Barret soll mit seinen alten Kontakten und seinem Geld dafür sorgen, dass Averys Schwester Elise (Laura Harris), die von zwei Gangstern (Frank Medrano, Brad Garrett) entführt wurde, wieder freigelassen wird. Als Zeichen, dass sie es ernst meinen, haben die Entführer Elises kleinen Finger abgeschnitten. Um Barret unter Druck zu setzen, hat der angehende Arzt T.K, (Jeremy Sisto) ein weiterer Freund Averys, dieselbe Operation an Barret durchgeführt, was diese naturgemäß weniger lustig findet. Trotzdem willigt er ein, den Freunden zu helfen. Mit ein paar Telefonaten bringt er die Sache ins Rollen, findet dabei aber heraus, dass einer der Freunde tiefer in der Sache steckt, als er zugeben will. Während Barrets Anwalt Marty (Cliff DeYoung) die Geldübergabe organisiert und sein Chauffeur/Bodyguard/Killer Lono (Denis Leary) auf der Such nach seinem Boss eine blutige Spur durch die Stadt zieht, beginnt Barret die freunde langsam gegeneinander auszuspielen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die 90er Jahre waren die große Zeit der Gangster-Komödie im Fahrwasser von „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“. Überall schossen sie aus dem Boden, die Filme mit den philosophischen Killern in skurrilen Situationen. Brutalität gewürzt mit schwarzem Humor. Und ob Regisseur Peter O’Fallon es jetzt im auf dieser Blu-ray enthaltenen Interview vehement bestreitet oder nicht – auch „Suicide Kings“ reiht sich in diese Welle ein. Nun ist „Suicide Kings“ zwar kein platter Tarantino-Epigone, doch der Vergleich mit den Filmen des Meisters drängt sich immer wieder auf. Was möglicherweise an dem brillanten Christopher Walken liegt, der in einigen Filmen diese Welle bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zum Beispiel in „Pulp Fiction“ selber, in „Das Leben nach dem Tod in Denver“ oder in dem grandiosen „True Romance“ mit einem Tarantino-Drehbuch. Hier bringt er das Kunststück fertig, den gesamten Film zu beherrschen, ohne sich dafür bewegen zu müssen. Denn 90% der Spielzeit ist er an einen Stuhl gefesselt und auf Stimme und Mimik reduziert. Dass dies für Walken kein Hindernis darstellt, eine ebenso faszinierende, wie furchterregende Darstellung abzuliefern, dürfte niemanden überraschen, der schon einmal einen Film mit diesem Ausnahme-Schauspieler gesehen hat. Walken kann selbst den größten Schrott veredeln.

Von „großem Schrott“ ist „Suicide Kings“ weit, weit entfernt. Der Film ist ein mehr als solider Vertreter seines Genres. Auch wenn er etwas hinter den Erwartungen bleibt. So präsent und beeindruckend Walken hier auch aufspielt, es geht zu Lasten seiner direkten Mitspieler, die demgegenüber blass und uninteressant wirken. Was verwundert, da es sich hier nicht um irgendwelche Leichtgewichte handelt. Sean Patrick Flanery war durch seine Hauptrolle in „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ kein Unbekannter und scheinbar auf dem Weg, auch als Erwachsener ein Star zu werden. Henry Thomas kennt man natürlich als E.T.s jungen Freund. In den 90ern strampelte er sich aber vom Kinderstar-Image frei. Jay Mohr gehörte zu Besetzung von „Saturday Night Live“ (wo er u.a. Christopher Walken imitierte) und hatte gerade in „Jerry Maguire“ mitgespielt. Jeremy Sisto konnte man auch in einigen damals populären Filmen gesehen und Johnny Galecki war zwar noch nicht der TV-Superstar aus „The Big Bang Theory“, aber durch die immens erfolgreiche Serie „Roseanne“ ein bekanntes Gesicht. Walken wurde also gleich eine ganze Truppe aufstrebender, junger Stars entgegen gesetzt. Warum funktioniert es dann nicht? Die Antwort ist recht simpel: Weil ihre Rollen so schrecklich unsympathisch gezeichnet sind, und sich zwischen den Figuren niemals eine besondere Chemie einstellt. Man hat das Gefühl jeder spielt für sich allein und nicht miteinander. Am Besten schlägt sich noch Galecki, der allerdings auch den dankbarsten Part hat. Ein pedantisches, zur Hysterie neigendes Papasöhnchen, welches ständig versucht, sich bei Walken einzuschleimen.

Vielleicht ist die Präsenz der „Bösen“ in diesem Film auch einfach zu stark und erschlägt alles andere. Denn der wie immer großartige Dennis Leary ist Walken durchaus ebenbürtig. Mit der Rolle des persönlichen Chauffeurs (und Mädchen für alle – insbesondere die dreckigen Aufgaben) Lono geht Leary einfach durch die Decke. Er gleitet durch seine Szenen mit einer fröstelnd machenden Coolness, sieht unverschämt gut aus (nicht auf die glatte Posterboy-weise wie Flanery, sondern auf die wirklich interessante Art), improvisiert in Hochgeschwindigkeit Sätze, auf die der große Quentin neidisch sein kann und wirkt dabei gleichzeitig ebenso amüsant, wie gefährlich. Eine Schlange in Mantarochen-Stiefeln. Da ist es fast klar, dass der Film jedes Mal, wenn Walken und Leary nicht im Bild sind, in ein Loch fällt, welches die anderen Darsteller nicht füllen können. Allenfalls noch Brad Garrett und Frank Medrano als tumbes und unberechenbares Entführerpaar können da mithalten. Der Rest bleibt seltsam blass und kann für seine schablonenhaften, inhaltsleeren und verzogenen Figuren kein wirkliche Sympathie hervorrufen. So bleibt einem das Schicksal seiner „Helden“ herzlich egal, was sich nicht gut auf den Gesamtfilm auswirkt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Plan der fünf Freunde absolut hirnrissig ist und von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wer glaubt den ernsthaft, man können einen supergefährlichen Gangsterboss mit legendärem Ruf als kaltblütiger Killer einen Daumen abschneiden und am Ende trotzdem davonkommen? Selbst wenn man in Betracht zieht, dass es vielleicht noch einen Twist gibt, so funktioniert das einfach nicht.

„Suicide Kings“ ist eine grandiose Show für Walken und Leary, die den Film zu jeder Sekunde dominieren. Den Beiden zuzuschauen macht einen riesigen Spaß und sie genießen spürbar ihre toll geschrieben Rollen. Demgegenüber stehen die blassen und unsympathischen Protagonisten und die Bürde eines allzu offensichtlich dämlichen Plans, den Zuschauer den IQ unserer akademischen Freunde im einstelligen Bereich vermuten lässt. Schluckt man dies, wird man an „Suicide Kings“ durchaus seine Freude haben.

Das Mediabook von Turbine ist mal wieder sehr gelungen. Stabil und von guter Haptik ist das Cover, informativ das im Innenteil eingeklebte Booklet von Stefan Jung. Das Bild ist sehr gut, der Ton liegt in Deutsch 5.1 und Original Stereo 2.0 Surround vor, gleiches gilt für die englische Tonspur, die ein wenig klarer sein. Eine fünfte Tonspur enthält den Audiokommentar von Regisseur Peter O`Fallon und Drehbuchautor Wayne Allan Rice. Die Extras können sich wahrlich sehen lassen. Es gibt ein interessantes und launiges Interview mit Peter O`Fallon (19:03 Min.), eines mit Kameramann Christopher Baffa (30:24 Min.) und noch ein langes Gespräch zwischen Wayne Allan Rice und Peter O`Fallon, bei dem sich allerdings auch vieles aus dem O’Fallon Solo-Interview wiederholt (47:40 Min.). Auch Editor Chris Peppe kommt zu Wort (12:48 Min.). Interessant auch die alternativen Enden mit Regie-Kommentar (17:04 Min.), bei denen genau erklärt wird, warum dieses Ende angedacht und dann letztendlich doch verworfen wurde. Des weiteren gibt es noch ein kurzes „Hinter den Kulissen“ (01:32 Min.), einen Storyboard-Film-Vergleich (01:10 Min.) und ein Sound-Design-Feature (02:27 Min.). Trailer und TV-Spots runden die Bonus-Sektion ab. Insgesamt also eine absolut vorbildliche Veröffentlichung.

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