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DVD-Rezension: „Shaolin – Warteliste des Todes“

Von , 27. März 2018 20:51

Chang Sheng (John Liu) lebt friedlich als erfolgreicher Geschäftsmann und Besitzer einer Kung Fu Schule. Doch der böse Fang Keng (Philipp Ko) greift mit seinen Leuten die Schule an und zerstört Chang Shengs Geschäft. Cheng Sheng stellt sich dem Feind, der das Duell nicht überlebt. Dummerweise hat Fang Keng einen genauso bösen Bruder (nochmal Philipp Ko), der nun auf Rache sinnt. Eines Tages taucht ein junger Kämpfer Shu Keng (Stephen Tung Wai) auf, der von Chang Sheng dessen wundersamen „magischen Stoss-Tritt“ erlernen will. Zwar weigert sich Chang Sheng, Shu Keng zu unterrichten, doch dieser nistet sich schon bald bei Chang Sheng und dessen Gefolgsleuten ein. Gehört dies etwa zu einem perfiden Plan, um Rache für den Tod von Fang Keng zu nehmen?

Shaolin – Warteliste des Todes“ ist einer jener schön bekloppten Titel, die den unzähligen Kung-Fu-Kloppern von den deutschen Verleihern für die Auswertung in den Bahnhofskinos verpasst wurden. International firmiert er unter „Wu Tang Magic Kick“, was nicht nur knackiger klingt, sondern auch besser zum Film passt. Denn die Beinarbeit des Hauptdarstellers John Liu ist wahrlich magisch und alleine schon einen Blick wert. Der Taiwaner Liu erlernte schon klein auf die Kunst des chinesischen Kung Fu, gewann Meisterschaften und entwickelte später seinen ganz eigenen Stil mit Namen „Zen Kwan Do“, einer Mischung aus traditionellen Kung Fu und Taekwondo. Seine Kampfkünste brachten ihn Anfang der 70er Jahre zum taiwanischen Film, wo er ab 1976 zum Star aufgebaut wurde. Zwischen 1977 und 1979 war er in elf Filmen zu sehen. 1981 gründete sein eigenes Filmstudio , welches allerdings nach einigen Flops schon 1982 Pleite ging. Lui ging dann nach Paris, um dort sein Zen Kwan Do zu propagieren und verabschiedete sich bis auf wenige kleine Ausnahmen vom Filmgeschäft.

Als Demonstration seiner unglaublichen „magischen Stoßtritte“ eignet sich „Warteliste des Todes“ vorzüglich. Die zahlreichen Kampfszenen, die nur ab und zu durch Handlung unterbrochen werden, sind sehr energiegeladen und rau in Szene gesetzt. Die Kamera ist immer nah am Geschehen, was dem ganzen noch einmal eine ganz eigene, brutal-realistische Qualität gibt, gerät aber trotzdem nicht ins Wackeln und ermöglicht dem Zuschauer einen guten Überblick über das geschehen. Etwas, was die Kameramann heute scheinbar schon verlernt haben oder was in den meisten aktuellen Actionfilmen im angeblich dynamisierenden Schnitt zerstört wird. Hier kann man 90 Minuten dabei zusehen, wie sich die Gegner kunstvoll verprügeln und wie unglaublich flexible vor allem John Liu war. Um den Film zu genießen, muss man allerdings auch einen Faible für Zooms haben. Gegen das Zoom-Feuerwerk, welches hier abgebrannt wird, wirkt ein Jess Franco regelrecht lethargisch.

Wie viele Taiwanische Produktionen kann man „Warteliste des Todes“ ansehen, dass nicht besonders viel Budget zur Verfügung stand. Die Darsteller sind in der Mehrzahl unbekannt und wirken mit ihren wilden Perücken und Bärten wie von der Straße geholt. Neben Liu kennt man Philipp .. aus Hongkong, der hier eine Doppelrolle spielt und mit seinen gewaltigen Augenbrauen und dem schlechten Haarteil derartig billig aussieht, dass es eher wie eine Parodie wirkt. Aber darauf kommt es ja auch nicht an, denn die Kämpfe zwischen ihm und Liu befinden sich auf hohem Niveau. Was man vom Drehbuch nicht behaupten kann, welches eine recht einfallslose, überraschungsfreie Standard-Geschichte erzählt, die aber mit einem hohen Maß an Enthusiasmus und Action gut kaschiert wird.

Wie immer, wenn Kung-Fu-Filme preisgünstig in Taiwan gedreht wurden, stehen auch hier keine großartigen Studiokulissen zur Verfügung, was dem Film aber durchaus zum Vorteil gereicht. Denn so zieht man sich in die wilde Natur des Landes und den tatsächlich vorhanden, beeindruckenden Bauten zurück. Die Eleganz, Schönheit, aber auch Künstlichkeit einer Shaw Brothers Produktion geht einem Film wie „Warteliste des Todes“ völlig ab. Aber gerade hier liegt ja auch ein besonnenerer Reiz. Langweilig ist „Warteliste des Todes“ auch zu keiner Sekunde. Ständig ist etwas los, allein in den ersten acht Minuten kommt es schon zu drei großen Kämpfen. Dazu werden nett verrückte Szenen eingestreut, wie z.B. jene in der John Lius Figur in einem Goldenen Käfig in den Wahnsinn getrieben wird. Und wem trotzdem langweilig ist, der kann ja fröhlich mit raten, aus welchem Western gerade wieder die Musik geklaut wurde.

Zwar folgt die Geschichte von „Shaolin – Warteliste des Todes“ der Standard-Formel für billige Hongkong-Klopper, doch John Lius unglaubliche Fuss-Akrobatik, pausenlose Action mit wilden Kämpfen und die ein oder andere verrückte Idee hieven den Film locker über den Durchschnitt.

Leider ist die neue filmArt-Veröffentlichung kein Ruhmesblatt. Als Grundlage diente dasselbe (schlechte) Ausgangsmaterial wie bei den vorhergehenden Veröffentlichungen durch andere Labels, nämlich ein Digibeta-Tape. Dieses ist laut filmArt die derzeit weltweit einzige Quelle. Immerhin hat filmArt aber den Film erstmals anamorph in Scope auf DVD gebracht und die alte Fassung in 2,35:1 (Letterbox) als (einziges) Extras beigegeben. Das Bild ist aber wirklich unterdurchschnittlich. Nicht besonders scharf, an eine VHS erinnernd und in der linken Bildhälfte taucht ab und zu etwas auf, was wie eine schmale, transparente Säule aussieht und das Bild dahinter verzerrt. Der deutsche Ton ist etwas dünn und leicht dumpf, aber sehr viel besser als die ebenfalls enthaltende sehr dumpfe englische Tonspur. Die Synchro ist solide. Extras gibt es wie gesagt bis auf die nicht-anamorphe Letterbox-Fassung keine. Nicht mal ein Booklet.

DVD-Rezension: „Die Todeshand des schwarzen Panthers“

Von , 22. Dezember 2015 20:37

todeshandpantherYuen Hsiao Liang (Kuan Tai Chen) reist nach Shanghai, um dort seinen Patenonkel, den Gangsterkönig Fan Chi Yu, zu besuchen. Gleich nach seiner Ankunft wird Yuen Hsiao Liang Zeuge eines brutalen Mordes. Ein Mann wird vor seinen Augen mit einer Axt umgebracht. Wie es sich herausstellt, war das Opfer Fan Chi Yu und Yuen Hsiao Liang gilt plötzlich als Hauptverdächtiger. Nur knapp kann sich Yuen Hsiao Liang von den Vorwürfen befreien und kündigt an, sich auf die Suche nach dem Mörder seines Onkels zu machen. Doch immer, wenn Yuen Hsiao Liang bei seinen Ermittlungen einen Schritt weiter kommt, fällt ein weiterer Verdächtiger dem geheimnisvollen Axtmörder zum Opfer…

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Taiwan war lange Zeit für die großen und kleinen Hongkong-Studios der Ort, wo sie preisgünstige Produktionen auf die Beine stellen konnten. Zudem hatte man in Taiwan den Vorteil, im Gegensatz zum doch räumlich arg begrenzten und zugebauten Hongkong, die weiten Landschaften für eindrucksvolle Außenaufnahmen verwenden zu können. Wang Yu drehte hier, Jackie Chan wurde hier von Lo Wei immer wieder in Filmen eingesetzt, die ihn als Bruce-Lee-Nachfolger aufbauen sollten und viele der heute fast vergessenen Billig-Klopper für die unersättliche Bahnhofskino- und spätere Videothekenwaren wurde hier hergestellt. Vor allem unbekanntere Regisseure konnten sich hier ihre ersten Sporen verdienen. Unbekannt war Hsueh Li Pao nicht gerade, da er zuvor dem großen Chang Che bei Filmen wie „Die sieben Schläge des gelben Drachen“, „Der Pirat von Shantung“ oder dessen ebenfalls kürzlich erschienenen Quasi-Fortsetzung „Die Mann mit der Tigerpranke“ als Co-Regisseur zur Verfügung stand. Daher kannte er auch Shaw-Brothers-Superstar Kuan Tai Chen, mit dem er auch für die Shaw Brothers einige Filme in Eigenregie gedreht hatte, bevor sie 1977 nach Taiwan gingen, um für eine kleine Produktionsgesellschaft „Die Todeshand des schwarzen Panthers“ zu drehen.

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„Die Todeshand des schwarzen Panthers“ wurde von Shu Mei Chin geschrieben, einer der wenigen Drehbuchautorinnen, die sich Genrekino aus Hongkong der 70ern durchsetzen konnte. Shu Mei Chin war auch für einige Shaw-Brothers-Produktionen verantwortlich und arbeitete häufig mit Hsueh Li Pao zusammen, mit dem sie einigen Quellen nach auch verheiratet war. In „Die Todeshand des schwarzen Panthers“ strickt er aus vielen verschiedene Fäden einen bunten Pulli, doch von Zeit zu Zeit scheint er die eine oder andere Masche zu verlieren. Die im Grunde recht simple Detektiv-Geschichte wird durch eine Vielzahl von Charakteren und Drehbuchwendungen unnötig verkompliziert. Da die Namen der unzähligen Haupt- und Nebenfiguren für die ungeübten westlichen Ohren alle sehr ähnlich klingen, fällt es sehr schwer, bei den vielen Dialogen den Überblick zu behalten. Dabei ist die Prämisse eines geheimnisvollen Fremden, der Stück für Stück einen Mordfall lösen will und dabei in ein Wespennest aus Intrigen stößt, sehr reizvoll. Zunächst erinnert der von Kuan Tai Chen gespielte Held Yuen Hsiao Ling mit seinem schwarzen Mantel und breitkrempigen Hut an die klassische Figur des Privatdetektivs, doch dieser nette Ansatz wird recht schnell aufgegeben.

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Da das Drehbuch mit seinen vielen Handlungsfäden und den unter einer hohen Mortalitätsrate leidenden Figuren es dem Zuschauer nicht einfach macht, der sich immer wieder windenden Handlung zu folgen, kann sich dieser auch zurücklehnen, die Geschichte Geschichte sein lassen und sich ganz auf die actionreiche Inszenierung und bunten Kulissen konzentrieren. Die von Mu Chuan Chen choreographierten Kämpfen sind sehr brutal und blutig in Szene gesetzt. Wobei gerade die favorisierte Waffe des geheimnisvollen Mörders, eine Axt, dafür sorgt, dass das Blut reichlich fließt. Überraschend ist gerade am Ende die gnadenlose Härte, mit der gegen unschuldige Frauen vorgegangen wird. Vielleicht landete der Film aus diesem Grunde 1984 auf dem Index. Generell verstört die mitleidlose Art und Weise, wie der Film mit seinen Figuren umspringt. Da wird selbst eine als lustige Sympathieträger aufgebaute Figuren skrupellos über die Klinge springen gelassen oder eine positiv gezeichnete Figur stellt seine Prinzipien störrisch über das leibliche Wohl seiner Tochter und sieht scheinbar ungerührt ihrer Verstümmlung zu. Harter Tobak, den man so anfangs nicht erwartet hätte.

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Am Besten fährt man mit „Die Todeshand des schwarzen Panthers“, indem man gar nicht erst versucht, der sich in unzähligen Wendungen verirrenden und mit seiner Überzahl an Figuren schwer durchschaubaren Geschichte zu folgen, sondern sich ganz auf die Schauwerte konzentriert. Diese sind sehr solide, überraschend brutal und mitleidslos in Szene gesetzt.

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FilmArt veröffentlicht den bereits bei einigen Billiglabels herausgekommenen Film ungeschnitten und im originalen Breitwand-Format veröffentlicht. Leider stand dafür keine wirklich gut erhaltenen Kopie zu Verfügung. Das verwendete Bildmaterial erweckt wirklich starke Assoziationen mit dem Bahnhofskinoprogramm für das er einst gedacht war. Die Kopie wimmelt nur so vor Laufstreifen und Verschmutzungen. Besonders den rechten Bildabschnitt scheint es ziemlich schlimm erwischt zu haben. Aus dem vorhandenen Ausgangsmaterial wurde dann das Beste gemacht, für Freunde glasklarer Restaurierungen ist die vorliegende DVD aber sicherlich nicht akzeptabel, für Grindhouse-Nostalgiker aber wohl ein Traum. Wer sich zwischen diesen beiden Polen befindet, muss sich selber eine Meinung bilden. Auch die deutsche Tonspur passt sich dem Bild an, ist aber trotzdem gut verständlich. Im Gegensatz zur ebenfalls beigefügten englischen Variante. Als Extras gibt es den deutschen Trailer, den US-Trailer und dem zuvor nicht erhältlichen deutsche Kinotrailer „Jen Ko – In seinen Fäusten brennt die Rache“. Im 12-seitiges Booklet fehlt der Name des Verfassers, die dort verbreiteten Informationen sind durchaus interessant, auch wenn der zwischen gewollt seriös und kumpelhaft pendelnde Stil nicht so meins ist.

Blu-ray-Rezension: “Das Todeslied des Shaolin”

Von , 25. August 2015 21:31

todesliedshaolinEnde des 19. Jahrhunderts: China steht unter dem Einfluss Japans. Der Kaiser ist schwach und soll nach Willen der Japaner durch einen ihnen genehmen Nachfolger ersetzt werden. Aus diesem Grund schickt Japan Kizu (Sit Hon) und Sheila (Cheung Ying Shen) nach China, um dort Kontakt mit General Tso aufzunehmen, der von Japan als Thronfolger auserkoren wurde. Doch Kizus und Sheilas Mission wird immer wieder durch den schier unbesiegbar erscheinenden Kämpfer Chin Lung (Jimmy Wang Yu) sabotiert. Also engagieren Kizu und Sheila verschiedene Kämpfer, um Chin Lung auszuschalten. Doch erst der mit modernen Pistolen ausgestattete Sau Pai-lung (Lung Fei) erweist sich als echte Gefahr für Chin Lung…

Jimmy Wang Yu ist ein Phänomen. Mitte der 60er Jahre stieg er kometenhaft zum Superstar des Hongkong-Kinos auf. Nach ersten Erfolgen wie beispielsweise in dem wegweisenden Martial-Arts-Film „ Der Tempel des roten Lotus“ wurde er von dem Shaw Brothers Studio, zum zu ihrem Star aufgebaut. 1968 schlüpfte er dann in die Rolle, die in endgültig an die Spitze katapultieren sollte und ihm gleichzeitig wie auf den Leib geschneidert war: Der einarmige Schwertkämpfer in „Das goldene Schwert des Königstigers“. Hier konnte auf sehr kreative Weise ein Manko beseitigt werden, welches Wang Yu von seinen Mitkonkurrenten unterschied. Während diese die Kampfkunst von der Pike an gelernt hatten, kam Wang Yu von einer anderen Sportdisziplin. Er war vor seiner Filmkarriere Schwimmer gewesen. Dass er nicht ganz die einzigartigen Fähigkeiten eines Ti Lung oder David Chiang (die beide nach ihm auf der Bildfläche erschienen) mitbrachte, konnte nicht nur durch geschickte Kameraarbeit, sondern auch den Umstand, dass er mit nur einem Arm kämpfte, erklärt werden. In den folgenden Jahren sollte Wang Yu sehr häufig zu dieser Rolle oder Rollenvarianten zurückkehren und darin sogar einmal gegen den berühmten blinden Samurai Zatoichi antreten.

In „Das Todeslied der Shaolin“ besitzt Wang Yus Charakter zwar beide Arme, vermeidet aber große Kampfszenen Mann gegen Mann. Vielmehr springt er meterhoch durch die Gegend, fängt Dinge auf und schleudert diese mit tödlicher Präzision auf den Feind zurück. Am Ende bleibt er – egal wer der Gegner ist – der lachende Sieger. Einmal steht er sogar lächelnd auf der Spitze eines gigantischen Speers, den sein Widersacher in der Hand hält. Generell zeichnen sich Wang Yus Filme durch ein wunderbares Sammelsurium grotesker Kämpfer und Waffen aus. Dies war so schon in seiner ersten Regiearbeit „The Chinese Boxer“ (Deutscher Titel: „Wang Yu – Sein Schlag war tödlich“) – als dessen Fortsetzung dieser Film unter dem Titel „The Return of the Chinese Boxer“ in den USA vermarktet wurde – der Fall und erst recht in seinem 1976 entstanden Klassiker „Duell der Giganten“, welcher es insbesondere Quentin Tarantino angetan haben dürfte, da dieser den Film exzessiv in seinen „Kill Bill“-Filmen musikalisch und visuell zitiert. Auch „Das Todeslied des Shaolin“ kann mit einem ganzen Panoptikum skurriler Gestalten aufwarten.

Neben den pistolen-schwingenden Antagonisten, den Ninjas und dem am ganzen Leib mit Wurfmesser ausgestatteten Helfer der bösen Sheila, sind dies vor allem drei Zombie-Kämpfer. Diese wurden mit schwarzer Magie aus dem Reich der Toten zurück in ihre verrottenden Kadaver geholt und treten nun in einer äußerst denkwürdigen Szene gegen den Helden an. Aber auch die Waffen sind überdimensioniert. So gibt es eine Pistole mit scheinbar unendlich vielen, langen Läufen, den bereits erwähnten überdimensionierten Speer und noch zahlreiche andere Waffen, die beinahe wie Parodien wirken. Stahlkrallen, Sicheln mit explosiven Ketten und noch vieles mehr. Man kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Dabei geht diese Lust des Zeigens zulasten einer stringent erzählten Geschichte. Diese ist eh schon sehr dünn und wenig mehr als ein Vorwand, Jimmy Wang Yu und seine Mitstreiter in Aktion zu erleben. Doch Wang Yu kümmert sich auch nicht weiter darum, sondern geht sogar so weit, den Film durch eine völlig unnötige Rückblende zu unterbrechen, welche die Erzählung über einen Kampfwettbewerb bebildert, der für die eigentlichen Handlung des Filmes aber von keinerlei Belang ist.

In dieser merkwürdigen Sequenz geht es um eine Gestalt namens Yin Feng, die als unbesiegbarer Kämpfer angepriesen wird und später gegen Wang Yu antreten wird. Das Unorthodoxe an der ganzen Episode ist es, dass die Japanerin Sheila und den von ihm gewonnen Wettbewerb nur nebenbei erwähnt, worauf hin dieses Turnier dann aber viele Minuten lang in aller Ausführlichkeit gezeigt wird. Als die Episode zu ende ist, wird das gerade gesehene von der Erzählenden dahingehend kommentiert, dass sie plötzlich einen weiteren potentiellen Helfer für den Kampf gegen den von Wang Yu gespielten Chin Lung aus dem Hut zaubert. Die beiden machen sich sogleich auf diese Suche nach diesem noch besseren Kämpfer, ohne dass Yin Feng noch einmal erwähnt wird. Trotzdem taucht Yin Feng später dann noch einmal recht unmotiviert auf, wird aber dem Ruf, den die Geschichte um den Wettbewerb aufgebaut hatte, nicht im mindesten gerecht. Er flieht feige vor Chin Lung und begeht schließlich einen recht dilettantisch wirkenden Selbstmord. Entweder wollte der Regisseur Wang Yu seine eigene Figur Chin Lung damit noch einmal kräftig überhöhen oder auf subtilen Weise andeuten, dass man nicht alles glauben soll, was man über Andere hört. Wang Yus durchaus schwierigen Charakter im Hinterkopf habend, ist letzteres aber eher unwahrscheinlich.

So bleibt es dann Lung Fei als Pistolenmann Sau Pai-lung überlassen, einzig ebenbürtiger Gegner Chin Lungs zu sein. Wobei seine Gleichwertigkeit nur mithilfe seiner Schusswaffen hergestellt wird. Was zu einem wundervollen Finale führt, in dem Sau Pai-lung unseren Helden in einer riesigen Scheune sucht, welche von oben bis unten mit Chin Lung-Puppen voll gestellt ist. Eine hübsch einfallsreiche Variation des Spiegelmotivs aus Orson Welles „Die Lady von Shanghai“ oder natürlich auch dem bahnbrechenden Bruce-Lee-Klassiker „Der Mann mit der Todeskralle“. Besonders effektiv ist hierbei der seltsam-unheimliche Dampf geraten, der den Puppen im Augenblick ihres „Todes“ entweicht. Diesem gelungenen Finale folgt dann noch ein eher unspektakulärer und mittlerweile auch ziemlich egaler Appendix, der noch einmal die Ziellosigkeit des Drehbuchs unterstreicht. Aber auch hier gilt, die Schauwerte – in diesem Fall eine schöne Frau beim Schwerttanz, entschuldigen für diese Holprigkeiten.

Trotz einer dünnen Story und eines katastrophal konstruierten Drehbuchs macht Jimmy Wang Yus Ego-Show „Das Todeslied des Shaolin“ eine ganze Menge Spaß, da der Film mit bizarren Ideen und Bildern vollgestopft wird, die die Augen eines jedem, der Sinn für bunten Wahnsinn hat, zum Leuchten bringen.

Die Blu-ray us dem Hause filmArt präsentiert den Film ungekürzt in glorreichem Widescreen. Die Qualität des Bildes schwankt dabei von sehr gut bis okay. Wobei letzteres auch am Kameramann liegen kann, der scheinbar an einigen Stellen vergaß, wo man den Fokus einstellt. Lediglich die Titelsequenz fällt etwas ab und ist offensichtlich von einer schon sehr verbrauchten deutschen Kinorolle gezogen worden. Der Film liegt in Deutsch und Englisch vor. Die Originaltonspur fehlt somit leider. Die deutsche Synchronisation aus dem Hause Schier ist zwar preisgünstig, aber professionell und mit den typischen 70er-Eigenheiten gespickt. Der englischen Fassung ist sie haushoch überlegen. Extras gibt es bis auf die obligatorischen Trailer leider keine, dafür aber ein informatives – wenn auch manchmal leider etwas ungelenk formuliertes – Booklet von Frank Faltin.

Blu-ray-Rezension: “Die gelbe Hölle des Shaolin”

Von , 19. August 2014 22:05

gelbehoelleNachdem er einen Mörder dem Gericht übergeben hat und dieser hingerichtet wurde, wird der Schwertkämpfer Nan Kun (Yueh Hua) mit einem fürchterlichen Massaker konfrontiert. Seine gesamte Familie ist umgebracht und seine seine Schwester entführt worden. Nur sein kleiner Neffe hat das Blutbad überlebt. Nan Kun begibt sich, mit dem kleinen Jungen im Schlepptau, auf die Suche nach den Verantwortlichen. Bald schon stellt sich heraus, dass der Vater des Hingerichteten hinter allem steckt. Um Nan Kun aufzuhalten, setzt dieser nun ein Kopfgeld auf den Schwertkämpfer aus. Dieses will sich auch ein finsterer und skrupelloser Profi-Killer (Philip Ko) und den Nagel reißen, was nicht nur Nan Kun, sondern auch seinen kleinen Neffen in eine tödliche Gefahr bringt…

Neben den großen Studios Shaw Brothers und seinem kleineren Konkurrenten Golden Harvest, tummelten sich im Hongkong der 70er Jahre auch zahlreiche Billiganbieter, die ihre Erzeugnisse zumeist im kostengünstigen Taiwan drehen ließen. Oftmals kamen dabei nicht mehr als bestenfalls durchschnittliche Werke mit Dauergekloppe und unbekannten Darstellern heraus, die dann mit Beginn des Videobooms in Deutschland direkt mit Billig-Synchros versehen in die Videotheken gekippt wurden. „Die gelbe Hölle des Shaolin“ hatte zwar sogar 1981 eine Kinoaufführung spendiert bekommen, wurde dann allerdings von Videolabel zu Videolabel gereicht. Produzent war ein gewisser Jimmy Shaw, bei dem allerdings keine Verwandtschaft zu den berühmten Shaw Brothers besteht. Regisseur Fu Di Lin stammt aus Taiwan und hatte dort Anfang der 60er Jahre mit Dramen seine Regie-Laufbahn begonnen. Später stellte er vor allem billige Kung-Fu-Filme her, von denen es meines Wissens nach allerdings nur „Kung Fu – Die Rache der Gefürchteten“ ebenfalls nach Deutschland schaffte und hier 1981 ebenfalls ins Kino kam, bevor er dann als Videotape die Runden machte und auf DVD bei MIB in zahlreichen Low-Budget-Kung-Fu-Kollektionen eine Heimat fand.

Die Synchronisation des Films „Die gelbe Hölle des Shaolins“ stammt von dem berühmten – vielleicht auch berüchtigten – Uwe Schier, der die deutschen Tonspuren gerne durch eine Extraportion „Schmier“ anreicherte. Hier hält sich das Synchrondrehbuch spürbar zurück, dafür wird es bei den Schlägereien sehr laut. Dort knallt und kracht es, dass man die Lautstärke besser etwas runter regelt – auch auf die Gefahr hin, dann die Dialoge nicht mehr verstehen zu können. Generell ist es mit dem Verständnis bei diesem Film so eine Sache. Das Drehbuch wurde laut IMDb von Lung Ku geschrieben, der für einige großartige Klassiker der Shaw Brothers Schmiede verantwortlich war. U.a. schrieb er die Drehbücher für die wundervollen wuxia-Filme die Yuen Chor (aka Chu Yuan) mit Ti Lung in der Hauptrolle inszenierte, wie z.B. „Die Herrschaft des Schwertes“ oder „Das Unbesiegbare Schwert der Shaolin„. Das Lung Ku etwas mit diesem kleinen Film zu tun haben soll, halte ich auf dem ersten Blick für unwahrscheinlich, auf dem zweiten Blick offenbart die Geschichte allerdings zahlreiche Elemente, die für seine Arbeiten typisch sind. Wie z.B. die übernatürlichen Kräfte, der Grusel-Touch und die vielfältigen Verflechtungen unterschiedlicher Clans/Familien. Fast scheint es so, als habe jemand ein Drehbuch von Lung Ku bekommen, dieses dann aber verloren und so gut es geht versucht, nachzuerzählen. Wobei derjenige immer wieder ins Straucheln gerät oder Dinge vergisst. So bleibt es das größte Mysterium des Filmes, was eigentlich aus der Schwester des Helden wird, die ja zu Beginn der Grund für seine Reise war. In älteren Reviews wird gemutmaßt, das die Antwort auf diese Frage den Kürzungen der alten deutschen Videofassung zum Opfer gefallen sei. Nach Begutachtung der ungeschnittenen DVD-Fassung aus dem Hause filmArt muss man dies allerdings verneinen. Die gute Frau, die sowieso nie auftaucht, spielt plötzlich keine Rolle mehr und wird im letzten Drittel dann auch gar nicht mehr erwähnt.

Durch die ersten 30 Minuten des Films muss man sich förmlich quälen. Es passiert viel zu viel auf einmal. Die Familie eines mächtigen Mannes wird ermordet, dieser beauftragt einen Schwertkämpfer den Mörder dingfest zu machen. Der Mörder wird schnell aufgespürt und es kommt zu einem Duell. Der Schwertkämpfer siegt, der Mörder wird ausgeliefert, zum Tode verurteilt und geköpft. Daraufhin schwört der Vater des Mörders (ebenfalls ein mächtiger Mann) Rache, lässt die Familie des Schwertkämpfers abschlachten und dessen Schwester entführen. Und dann sind gerade mal 8 Filmminuten vergangen. Der Schwertkämpfer macht sich nun auf die Suche nach den Mördern und seine Schwester, immer wieder gefolgt von seinem minderjährigen Neffen, was später zu einigen dezenten „Lone Wolf and Cub„-Reminizenzen führen wird. Leider ist diese Suche von unspektakulären, reichlich hölzern ausgeführten Kämpfen und viel zu dunklen Szenen begleitet. Man möchte schon abschalten, als man einer halben Stunde das Gefühl bekommt Regisseur Fu Di Lin hätte sich gesagt: „An dem, was ich bisher zusammengefilmt habe, ist nichts mehr zu retten – also was soll’s“.

Plötzlich bevölkern bizarre Gestalten die Szenerie und ein unheimlicher, ganz in schwarz gekleideter Mann mit großen Hut und ganz kleinen Skrupeln taucht auf. Immer mehr gerät der Film zu einer fast schon wahnsinnigen Trash (ich mag das Wort wirklich nicht, aber hier passt es einmal)-Show, die einem die Sinne raubt. Da fliegen deutlich als verkleidete Sandsäcke zu erkennende Körper wild durch die Luft, in Supersupersupersuperzeitlupe fällt ein Baum um, der vorher gar nicht berührt wurde, eine Figur wird von einer kleinen Puppe gedoubelt über das Wasser gezogen und, und, und… Hier wird auf ein Mal das Gaspedal fest durchgedrückt und in Richtung Irrsinn abgebraust. In einer Szene, die mein Herz augenblicklich gewonnen hat, wird der Held von einem Greifvogel angegriffen. Nach einigen fuchteligen Bewegungen mit dem Schwert, fällt plötzlich ein sauber gerupfter Truthahnbraten zu Boden, während es um den Helden herum Federn regnet. Großartig!

Neben den offensichtlichen Albernheiten, hält der Film aber auch noch eine überraschend tragische Geschichte bereit. Nach 2/3 der Laufzeit wendet sich das Drehbuch plötzlich von unserem Helden ab, ja scheint ihn für einen Augenblick regelrecht zu vergessen. Stattdessen wird der Zuschauer mit einer Nebenfigur bekannt gemacht, die zuvor einige Mal aufgetaucht war. Ein junger Mann, der den Helden für ein üppiges Kopfgeld töten will, damit er endlich seine große Liebe heiraten kann. Diese versucht erfolglos ihn davon abzuhalten. Natürlich verliert der junge Mann – dessen Waffen kleine Bomben sind – gegen den Helden, der ihn aber großmütig ziehen lässt – aber nicht, ohne ihn durch einen Schwertstreich zweiter Finger zu berauben und ihn dadurch kampfunfähig zu machen. In einer rührenden Szene, versöhnen sich der junge Mann und seine Geliebte, gestehen sich ihre ewige Liebe und der Weg ins Reich des Glückes wäre frei. Wenn da nicht der gut behütete Bösewicht auftauchen und das Glück auf brutale Weise zerstören würde. Überraschenderweise ist diese Passage ziemlich souverän und – wenn man zur Sentimentalität neigt und ein Herz für romantischen Kitsch besitzt – recht herzergreifend umgesetzt worden. Dass dann minutenlang „Jill’s Theme“ aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf der Tonspur zu hören ist, irritiert etwas. Ebenso wie die Sprenkel elektronischer Synthesizermusik, die ich nicht recht identifizieren konnte und in die „Alan Parson’s Project“-Ecke packen würde. Dass aus der jungen Frau dann noch in den letzten Minuten eine knallharte Rächerin wird, verwundert nicht mehr groß und wird gerne angenommen. Zum Schlusskampf zaubert der Film dann noch ein schier unbesiegbarer Endgegner aus dem Hut und endet mit einer schönen Umkehrung des „Lone Wolf & Cub“-Motives, wenn der kleine Junge seinen, in einer kleinen Karre hockenden Onkel, durch die Gegend zieht.

Nach einem überaus holprigen und schlecht choreographierten Beginn, bei dem gerne mal schwarz gekleidete Männer in einer mondlosen Nacht gegeneinander kämpfen, glaubt man schon nicht mehr, dass der eher konventionelle Film noch große Überraschungen aufbieten könnte. Dann aber macht er eine 180-Grad-Wende in Richtung Irrsinn und brennt ein Feuerwerk an wahnwitzig-grotesken Ideen und miserablen Effekten ab, dass man wahlweise aus dem Staunen oder dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommt. Wenn das unsägliche Wort vom „Trash“ einmal angebracht ist, dann hier.

FilmArt hat diesen Film nur auf Blu-ray veröffentlicht, was etwas verwundert, denn eine solch ein brillantes HD-Bild wäre im hier vorliegenden Fall gar nicht nötig gewesen. Vor allem, weil einige Szenen extrem unscharf sind. Was aber wohl nicht an der Aufbereitung des Filmmaterials, sondern tatsächlich am Kameramann liegt. Denn es fällt auf, dass die Unschärfe nur einzelne Szenen und dort zumeist dann auch nur den Gegenschuss betreffen, während der Rest zum Teil so brillant klar ist, dass man die Maserung auf dem Holz erkennen kann. Als Extra liegt der Film auch in einer unbearbeiten, also mit vielen Filmdefekten und Laufstreifen gesegneten, Fassung vor. Der Ton ist auf Deutsch (gefiltert und ungefiltert) und auf Englisch enthalten, wobei die englische Syncho recht steif und unnatürlich ist. Als Extra wird auch das Booklet von Frank Faltin angekündigt. Hier hätte es aber nicht geschadet, wenn noch mal jemand drüber geschaut hätte, bevor es in den Druck gegangen ist. Es wimmelt nur so von ganz offensichtlichen Grammatik- und vor allem Kommafehlern, dass es schlichtweg ein Graus ist und den Lesefluss empfindlich stört. Da fragt man sich in der Tat, warum da niemand die Zeit gehabt hat, einmal Korrektur zu lesen. Ein Makel, der aber auch andere filmArt-Booklets – wenn auch nicht in diesem Ausmaß – betrifft und wo noch ordentlich Raum zur Verbesserung ist.

Taiwanesische Regisseurin Wang Shaudi stellt zwei Filme im City 46 vor

Von , 4. Oktober 2012 14:51

Die taiwanesische Regisseurin Wang Shaudi und ihre Produzentin Liming Huang stellen am Montag, den 8. Oktober ab 18:00 Uhr persönlich zwei ihrer Filme im City 46 vor. Beide Filme laufen in der Originalfassung mit englischen Untertiteln.

Um 18:00 Uhr läuft „Bear Hug“ von 2004. Darin geht es um ein 9-jähriges, emotional vernachlässigtes Schlüsselkind, Da Jun. Seine Eltern sind geschieden. Er lebt mit seinem Vater zusammen, der sehr mit seinem Job und seiner Freundin – einer schillernden Schauspielerin – beschäftigt ist.

Um 20:00 Uhr folgt „Fantome, où es-tu?“ von 2010. Der Student „Cool Ma“ wird im Streit mit einem Schulrivalen erschlagen. Doch seine Seele wandert nichts ins Jenseits, sondern bleibt als Geist auf Erden. Also zieht er bei der rebellischen Teenagerin „Candy“ Tang-Guo ein, die ihn unfreiwillig getötet hat. Und weil sie eine besondere Beziehung zu seinem Ableben hat, ist sie auch die einzige, die ihn sehen kann.

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