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DVD-Rezension: „Robot Jox“

Von , 14. November 2014 21:25

Robotjox50 Jahre nach dem 3. Weltkrieg, der die Erde verheerend zerstört hat, sind Kriege verboten. Stattdessen kämpfen stellvertretend die besten „Jox“ der beiden Weltmächte „Market“ und „Konföderation“ in gigantischen Robotern um die Herrschaft in den verbliebenen Ländern der Welt. Der beste Jox des „Market“ ist Achilles (Gary Graham), der bereits 9 seiner vertraglich geforderten 10 Kämpfe gewonnen hat. Er muss gegen den sadistischen Alexander (Paul Koslo) von der „Konföderation“ antreten. Beim Duell der Beiden kommt es zu einer Katastrophe. Durch einen unfaireren Angriff Alexanders kommen hunderte Zuschauer zu Tode. Der Kampf wird als Unentschieden gewertet. Voller Gewissensbisse lehnt Achilles eine Wiederholung ab, wodurch die junge Athena (Anne-Marie Johnson), die als In-Vitro-Kämpferin nur für diesen Zweck gezüchtet wurde, ihre Chance wittert als erster weiblicher Jox anzutreten…

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Robot Jox“ ging bereits 1986, auf dem Höhepunkt der damals grassierenden „Transformers„-Hysterie (die TV-Animationsserie und die Spielzeuge waren damals DER Renner in us-amerikanischen Kinderstuben) in die Planung. Stuart Gordon hatte die Idee, aus der Animationsserie einen Live-Action-Film zu machen und trat damit an Charles Bands Empire-Studio heran, die Gordons erste Erfolge produziert hatten. Diesem war das Projekt zunächst zu teuer, ließ aber von einige Stop-Motion-Sequenzen, die Gordon als Demo erstellt hatte, doch überzeugen mit 7 Millionen US-Dollar das höchste Budget für eine „Empire“-Produktion überhaupt. Der preisgekrönte SF-Autor Joe Haldemann wurde engagiert zusammen mit Gordon das Drehbuch zu schreiben, aber bald schon knallte es zwischen den beiden, da man sich über die Ausrichtung des Filmes nicht einige wurde. Haldemann plante einen „Erwachsenenfilm, den auch Kinder schauen können“, während Gordon in Richtung Kinderfilm, der auch für Erwachsene unterhaltsam ist, einschlagen wollte. Neben diesen Spannungen waren auch die Dreharbeiten von unvorhergesehenen Schwierigkeiten geplagt. Nachdem der größte Teil des Filmes in Italien abgedreht war, sollten die Szenen mit den Robotern in San Bernardino gedreht werden, so allerdings Sandstürme und Fluten die Kulissen zerstörten. Am Ende betrug das Budget dann 10 Millionen US-Dollar, die man dem Film allerdings zu keiner Sekunde ansieht.

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Als der Film endlich fertiggestellt war, ging „Empire“ in den Bankrott und „Robot Jox“ bliebt zunächst einmal im Regal liegen. Erst Ende 1990 kam er dann in die Kinos. Von den „Transformers“ wollte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr etwas wissen und auch der alte „Kalte Krieg“-Konflikt, mit dem „Robot Jox“ offensiv spielt, war mittlerweile Geschichte. Und so wollte dann auch niemand mehr „Robot Jox“ sehen. Ob der Film allerdings drei Jahre vorher ein größeres Publikum gefunden hätte, bleibt Spekulation. Das Hauptspektakel des Filmes sind die Roboter-Kämpfe, doch diese kommen etwas zu kurz. Nur zwei Kämpfe gibt es zu bestaunen, wovon der erste schon recht schnell vorbei ist. Gedreht wurden die Duelle vorwiegend in Stop-Motion. Aber auch eine Marionette mit deutlich erkennbaren Fäden) kommt zum Einsatz. Obwohl man den Spielzeugcharakter der Maschinen nicht verleugnen kann, hat dies doch weitaus mehr Charme als seelenlose CGI. Zudem hat man bei den Robotern eine Menge Kreativität bewiesen. So klappt der russischen Kampfmaschine auch schon mal eine Kreissäge aus dem Gemächte. Gerne hätte man davon noch mehr gesehen, doch den größten Teil der Zeit muss an sich damit begnügen, die seelischen Konflikte des Helden mitzuerleben oder einer halbgaren Spionage-Geschichte zu folgen.

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Wie eingangs bereits geschrieben, scheint der größte Teil des Budgets irgendwo versickert zu sein. Massenszenen werden durch eine Ansammlung von maximal 20 Personen gedoubelt und in der Zentrale der vereinten westlichen Welt arbeiten ebenfalls nur eine überschaubare Anzahl Personen. Leider keine besonders interessanten. Die Geschichte um die Gruppe In-Vitro-Kämpfern z.B. ist nicht besonders packend, was auch daran liegt, dass der Konflikt zwischen Athena und ihrem Konkurrenten um Achilles Nachfolge ebenso klischeehaft, wie vorhersehbar ist. Ein wandelndes Klischee ist auch unser Held Achilles, der von Gary Graham seltsam lustlos gespielt wird. Demgegenüber geben die Herren Paul Koslo als böser Alexander und Michael Alldredge als legendärer Tex Conway umso mehr Gas. Insbesondere um Paul Koslo muss man sich Sorgen machen, dass er vor lauter wildem Augenrollen und hämischen Lachen keinen Herzinfarkt bekommt. Und Michael Alldredge als verfetteter Ex-Star-Jox, der ständig einen Cowoby-Hut trägt und pseudo-coole Macho-Sprüche um sich wirft, kann trotz seines Enthusiasmus, den er in die Rolle einbringt, auch nicht gerade zu den Sympathieträgern gezählt werden. Die eingeflochtene Geschichte um einen Verräter in den Reihen der „Western Market“-Kämpfer baut auch keine übermäßige Spannung auf.

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Aber immerhin ist Stuart Gordon ein versierter Regisseur, der aus dem wenigen, was ihm zur Verfügung steht, einen soliden B-Film zaubert, dem zwar sämtliche Kinoqualitäten abgehen, der sich aber gut in den Regalen der Videotheken macht. Eine effektive Lichtsetzung sorgt für die nötige Stimmung und täuscht über die spärlichen Kulissen hinweg. Die stereotypen Figuren werden angenommen und es wird nicht vorgegaukelt große Kunst abzuliefern. Stuart Gordon sorgt eben für dass, was er von Anfang an im Sinn hatte: Gute Unterhaltung für große Kinder. Wären dort nicht einige kleine Geschmacklosigkeiten (in der US-Fassung mit PG-13-Rating dann auch sorgsam eliminiert wurden), könnte der Film auch im Rahmen einer Vorabendserie laufen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Film mittlerweile eine kleine Fan-Gemeinde hat, die den Film als Haupt-Inspiration für Guillermo del Toros „Pacific Rim“ ansehen.

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Trotz eines klischeebeladenen Drehbuch und altbekannten Stereotypen, bringt Stuart Gordon seinen kleinen B-Film über die von sogenannten Jox gesteuerten, riesigen Robotern gut über die Runden. Von den ausgesprochen charmant und ohne viel Geld animierten Roboter-Kämpfen hätte man allerdings gerne mehr gesehen, statt die Zeit mit den uninteressanten Helden zu vertrödeln.

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Explosive Media hat den Film in einer unspektakulären Ausgabe veröffentlicht. Bild und Ton sind zwar gut, doch irgendwelche Extras sucht man, abgesehen von einer kleinen Bildgalerie, vergeblich. Bezüglich der nur auf Englisch vorliegenden Untertitel bestehen die selben Probleme, wie bei der „Vigilante Force – Das Gesetz sind wir“-DVD. Sie geben nicht immer das Gesprochene wieder und sind teilweise fehlerhaft.

Blu-ray-Rezension: „Castle Freak“

Von , 4. Januar 2014 17:17

Castle-Freak_Blu-ray_cover (Vorbemerkung: Da ich noch immer keinen guten Weg gefunden habe, wie man Screenshots von Blu-rays macht und mir keine offiziellen Pressefotos vorliegen, verzichte ich in diesem Fall auf eine reichhaltige Bebilderung der Rezension)

Der Amerikaner John Reilly (Jeffrey Combs) erbt überraschenderweise ein Schloss in Italien. Kurzentschlossen macht er sich mit seiner Ehefrau Susan (Barbara Crampton) und seiner Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide) auf, um das Schloss in Augenschein zu nehmen, und einen möglichst schnellen Verkauf in die Wege zu leiten. Zudem hofft er, dass sich die Beziehung zu seiner Frau wieder normalisiert. Vor Jahren hatte er durch eine alkoholisierte Autofahrt einen Unfall gebaut, der seinem 5-jährigen Sohn das Leben und seiner Tochter das Augenlicht kostete. Bald schon hat die Familie das Gefühl, im Schloss nicht allein zu sein, denn immer häufiger hören sie seltsame Geräusche. Was sie nicht wissen: Diese stammen von einer Kreatur, die von der Vorbesitzerin 40 Jahre lang im Verlies eingesperrt und gequält wurde. Und dieser „Castle Freak“ hat sich nun aus seinem Gefängnis befreien können…

Nach dem großen Erfolg von „Re-Animator“ und dem schönen, aber leider weniger erfolgreichen, „From Beyond“ (Review hier), stellt „Castle Freak“ die dritte Zusammenarbeit des Trios Stuart Gordon-Jeffery Combs-Barbara Crampton dar. Mit Drehbuchautor Denis Paoli, Filmkomponist Richard Band, sowie den beiden Produzenten Albert und Charles Band sind sogar noch weitere Mitstreiter aus den vorangegangenen Filmen an Bord. Trotzdem erreichte „Castle Freak“ nie die große Popularität, deren sich die beiden anderen Zusammenarbeiten erfreuen. Dies verwundert etwas, hat doch auch „Castle Freak“ seine Qualitäten, nur liegen diese in einem vollkommen anderen Bereich. Waren sowohl „Re-Animator“, als auch „From Beyond“, grandiose Geisterbahnfahrten mit Hektolitern an Blut und Schleim, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kam, ist „Castle Freak“ stockernst und setzt mehr auf eine sich langsam aufbauende Atmosphäre, als auf fröhlichen Splatter.

Beibehalten wurde aber das Lovecraft-Element. Wie die Vorgänger beruht der Film auf einer Geschichte des amerikanischen Autoren Howard Philips Lovecraft, um die herum Gordon und Drehbuchautor Paoli sehr frei eine völlig neue Geschichte gestrickt haben. Lovecrafts Kurzgeschichte „The Outsider“ handelt von einem Wesen, welches allein in einem Schlosses lebt, dies irgendwann verlässt, nur um wenig später mit seinem eigenen Spiegelbild konfrontiert zu werden, und zu erkennen, dass es ein Monster ist. Diese Geschichte wird rudimentär auch in „Castle Freak“ verwendet, aber statt der Reaktion des Monsters, zeigt Gordon nur den zertrümmerten Spiegel.

Das Monster selbst wird zunächst gut versteckt und man kann nur erahnen, welche schrecklich zugerichtete Kreatur sich unter dem blutigen Laken verbirgt. D.h., wenn man nicht zuvor einen Blick auf das DVD-Cover geworfen hat, welches den „Freak“ in all seiner Pracht zeigt und damit den großen Schockeffekt des Filmes verpuffen lässt. Dies war schon bei der alten VHS-Veröffentlichung der Fall, auf der groß „mit Splatter-Garantie“ prangte. Nun, von einem Blutbad wie „Re-Animator“ ist „Castle Freak“ weit entfernt und mehr im Gothic Horror, denn im Splatterfilm verhaftet. Trotzdem war es schon damals überraschend, dass der Film ohne Kürzungen veröffentlicht wurde. Man erinnere sich: Anfang der 90er Jahre hatte das wilde „Enteiern“ von Horror- und Actionfilmen gerade seinen Höhepunkt erreicht. Zwar ist „Castle Freak“ nicht über die Maße blutig, aber stellenweise doch ziemlich brutal und in seinen sexuell aufgeladenen Grausamkeiten recht unangenehm. Hier sei nur auf die Szene verwiesen, in welcher der Freak einem weiblichen Opfer zunächst eine Brustwarze abbeißt und später die Vagina des noch lebenden Opfers verspeist. Letzteres wird natürlich nicht explizit gezeigt, ist aber doch sehr eindeutig.

Trotz seines abstoßende Äußeren und grausamen Handlungen, kann der Zuschauer so etwas wie Mitleid für den Freak hegen. Wird er doch gleich zu Anfang als Opfer einer herzlosen und ihn mit einer Peitsche misshandelnden Mutter eingeführt. Auch seine späteren Verbrechen scheinen vor allem darauf zurückzuführen zu sein, dass er nie Liebe erfuhr und einfach nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Mehr als einmal wird angedeutet, dass seine Morde schrecklich aus dem Ruder gelaufene Versuche sind, so etwas wie Zuwendung zu zeigen. Hier kommt ein Element zu tragen, wie man es aus dem 1930er „Frankenstein“ kennt, wenn das Monster in aller Unschuld das kleine Mädchen ertränkt. Etwas gezwungen wirkt hier die Dopplung zwischen dem Freak und dem Sohn von Jeffrey Combs Charakter, welcher durch die Schuld seines Vaters starb. Ganz klar soll hier das Monster als Metapher für verdrängter/unverarbeiteter Vergangenheit fungieren, die das normale Leben der Hauptperson bedroht. Allerdings wird dieses Motiv in „Castle Freak“ fast schon zu deutlich, und damit etwas aufdringlich, verwendet.

Auf Seiten der Schauspieler neigt Jefferey Combs wieder einmal dazu, etwas zu euphorisch zu agieren. Etwas, was seinen Figuren in „Re-Animator“ und „From Beyond“ gut tat, hier hätte man sich allerdings etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Barbara Crampton bekommt nicht viel Gelegenheit ihre Rolle auszudifferenzieren. Die meiste Zeit ist sie die ständig nörgelnde, und damit recht unsympathische Ehefrau. Auch sieht man ihr recht deutlich an, dass seit „From Beyond“ fünf Jahre vergangen sind. Sie wirkt merkwürdig schnell gealtert. Ist dies der Grund dafür, warum eine Gelegenheit, sie – wie in den beiden anderen Lovecraft-Verfilmungen – oben ohne zu zeigen, beinahe verschämt übergangen wird? Erst am Ende des Filmes darf die Crampton etwas mehr Einsatz zeigen. Gleiches gilt für die Debütantin Jessica Dollarhide, deren einzige Filmrolle dies bleiben sollte. Auch sie spielt sehr farblos und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. So lebt der Film vor allem vom Freak, der von dem Theaterschauspieler Jonathan Fuller gespielt wird, welcher auch in anderen Produktionen ähnliche Rollen übernahm. Blickfang ist dabei natürlich erst einmal die fantastische Maske und das überraschend freizügige Kostüm. Doch auch darüber hinaus schafft es Fuller, dem Freak echtes Leben und eine Seele einzuhauchen.

Gedreht wurde in Italien. Das titelgebende Schloss befindet sich in Giove/Umbrien und soll angeblich der Familie Band gehören, die dort auch Stuart Gordons „Meister des Grauens“ (ebenfalls mit Combs und von Paoli geschrieben) produzierte. Generell fühlt sich der Film stark nach einem Film aus der späten Phase des italienischen Horrorfilm an. Die Bilder sind gräulich-blau gehalten, wie man es z.B. aus den späten Fulci-Filme kennt, und auch eher rau, statt elegant. Dabei befindet sich hinter der Kamera ein wahrer Meister: Mario Vulpiani, der nicht nur viele Italo-Western fotografierte, sondern vor allem auch Marco Ferraris Meisterwerk „Das große Fressen“.

Wer eine Geisterbahnfahrt im Stile von „Re-Animator“ erwartet, wird vom weitaus ernsteren und langsameren „Castle Freak“ wahrscheinlich erst einmal enttäuscht sein. Der Film nimmt sich Zeit seine Geschichte aufzubauen, und erlaubt sich den heute leider selten gewordenen Luxus, sein hervorragend gestaltetes Monster nicht gleich zu zeigen. Mehr Gothic Horror als Splatter, überrascht „Castle Freak“ mit einigen harten und schmerzhaften Szenen.

Die von CMV veröffentlichte Blu-ray hat ein sehr gutes Bild, bedenkt man, dass das Filmmaterial schon älter ist und es sich bei „Castle Freak“ um eine Low-Budget-Produktion handelt. Als Extra ist ein knapp 10-minütiges, zeitgenössisches „Behind the scenes“ von der Art, wie man sie früher bei Videokassetten mit Band-Produktionen häufig hinter dem Hauptfilm fand, enthalten. Als besonderer Bonus zum 15-jährigen CMV-Jubiläum lag meiner Blu-ray noch eine DVD mit dem Film „Die Wurmfresser“ bei.

Blu-ray-Rezension: „From Beyond“

Von , 12. Oktober 2013 20:44

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Dr. Edward Pretorius (Ted Sorel) und sein Mitarbeiter Crawford Tillinghast (Jeffrey Combs) haben eine Maschine, den Resonator, entwickelt, mit dessen Hilfe die Zirbeldrüse im Gehirn anregt werden soll, in der sie verborgene geistige Kräfte vermuten. Allerdings hat der Resonator noch eine Nebenwirkung: Er macht nicht nur eine Paralleldimension sichtbar, sondern lässt auch die fremden Wesen aus dieser in unsere Realität eindringen. Dr. Pretorius verliert bei der Begegnung seinen Kopf, Tillinghast wird unter Mordverdacht in die Psychiatrie eingewiesen. Die junge und erfolgreiche Ärztin Dr. Katherine McMichaels (Barbara Crampton) interessiert sich für seinen Fall und kehrt mit Tillinghast, sowie dem Polizisten Buford „Bubba“ Brownlee (Ken Foree) in Dr. Pretorius‘ Haus zurück.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Howard Philip Lovecraft (1890-1937) gehört zu den bedeutendsten amerikanischen Autoren der phantastischen Literatur. Seine Einflüsse erstrecken sich nicht nur auf moderne Autoren wie Stephen King oder Clive Barker, sondern auch auf Filmemacher wie John Carpenter und Guillermo del Toro. In Deutschland war Lovecraft allerdings lange Zeit ein großer Unbekannter. Dies liegt möglicherweise einerseits daran, dass sein Werk erst relativ spät, nämlich erst Ende der 60er/Anfang der 70er hierzulande veröffentlicht wurde. Zunächst in der „Bibliothek des Hauses Usher“ im Insel-Verlag, später dann als Taschenbuchausgabe im renommierten Suhrkamp-Verlag. Andererseits gab es auch relativ wenige Lovecraft-Verfilmungen. Erst 1963 wurde erstmals eine Lovecraft-Geschichte verfilmt, wenn auch unter falscher Flagge, denn dem „Der seltsame Fall des Charles Dexter Ward“ wurde kurzerhand ein Gedicht des ungleich populäreren Edgar Allan Poe vorangestellt und unter dem Titel „The Haunted Place“ (dt. „Die Folterkammer des Hexenjägers“) als Bestandteil von Roger Cormans legendärer Serie mit Poe-Verfilmungen vermarktet. Die erste Adaption, die sich tatsächlich auf Lovecraft beruft, war dann zwei Jahre später „Das Grauen auf Schloss Witley“, der „The Colour from Outer Space“ zugrunde lag. Es folgten noch einige wenig Verfilmungen seiner Werke und einige Filme, die zumindest „Lovecraft-beeinflußt“ sind, wie Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder Fulcis „Das Haus an der Friedhofsmauer“.

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Dies alles sollte sich 1985 mit „Re-Animator“, basierend auf Lovecrafts früher Story „Herbert West: Re-Animator“, dramatisch ändern. Der von Stuart Gordon in Szene gesetzte und von Brian Yuzna mit Jeffery Combs und Barbara Crampton in den Hauptrollen produzierte Film, war ein überraschender Erfolg, der alle Beteiligten bei den Horrorfans augenblicklich in den Fokus des Interesses rückte. Der extrem blutige und schwarzhumorige Film zog noch ein sehr erfolgreiches Sequel, „Bride of Re-Animator“ und einen billigeren Nachklapp “Beyond Re-Animator“ nach sich. Auch Gordon sollte zunächst einmal den Ruf des Lovecraft-Experten nicht loswerden und kehrte immer wieder zu diesem Autor zurück. Da über „Re-Animator“ groß „H.P. Lovecraft’s“ prangte, ließen auch die Nachahmer nicht auf sich warten, und mit „The Resurrected“ und „The Unnamable“ folgten schnell weiter Lovecraft-Adaptionen, so dass der Name Lovecraft nun auch in weltweit an Berühmtheit gewann.

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Ein Jahr nach „Re-Animator“ versuchte das Erfolgsteam mit „From Beyond“  ihren Hit zu wiederholen. Wieder wurde Stuart Gordon mit der Regie beauftragt, Brian Yuzna produzierte und Richard Band lieferte den eingängigen Soundtrack. Aus „Re-Animator“ konnten ferner die Hauptdarsteller Jeffery Combs der mittlerweile zum Genre-Star aufgestiegen war) und die neue „Scream-Queen“ Barbara Crampton (die kurz zuvor durch ein „Playboy“-Shooting von sich reden gemacht hatte) übernommen werden. Des Weiteren wurde mit Ken Foree, dem Helden aus George A. Romeros „Zombie“, ein weiterer, in Fankreisen beliebter, Name verpflichtet. Statt fässerweise Blut und Eingeweiden, setzten die Macher bei „From Beyond“ ganz auf Schleim und ein kreatives Creature Design. Trotzdem konnte der Film den riesigen Erfolg des Vorgängers nicht wiederholen. War er den Horrorfans zu wenig „splatterig“ oder das Tempo zu langsam? Wie dem auch sei, es bildete sich trotzdem recht schnell eine kleine Gruppe von Horror- und Science-Fiction-Liebhabern, die den Film in ihr Herz schlossen. Nicht nur wegen der berühmtesten Szene, in der Barbara Crampton einen Leder-Fetisch entwickelt.

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Die nur wenige Seiten umfassende Vorlage handelt Stuart Gordon gleich im Prolog ab, danach hat er dann frei Hand, um die Geschichte ganz nach seinem Willen zu gestalten. Auffällig ist dabei, wie sexualisiert „From Beyond“ ist. Die vergrößerte Zirbeldrüse hat Ähnlichkeit mit einem Fortpflanzungsorgan und auch das Obermonster in „From Beyond“ sieht aus, wie ein Penis auf einem laufenden Hodensack. Was gut dazu passt, dass die Schwingungen des Resonators nicht nur die Tür zu einer anderen Dimension öffnet, sondern gleichzeitig den Sexualtrieb erhöht. Was Gordon dann auch freundlicherweise ausnutzt, um aus der zunächst sehr zugeknöpften Barbara Crampton einen Straps- und Leder-Vamp zu machen. Wer von den männlichen Zuschauern damals die Szene gesehen hat, in der die Crampton sich in Dr. Pretorius S&M-Zimmer die Leder-Dessous und Nylonstrümpfe anzog, um sich dann über den komatösen Jeffery Combs (der zu diesem Zeitpunkt bereits selber Ähnlichkeit mit einem Penis hat) herzumachen, der dürfte einige schlaflose Nächte durchlitten haben und heute bei dem Gedanken, „From Beyond“ in gestochen scharfen HD-Bildern zu besitzen, blind zugreifen.

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Diese Fokussierung auf Sex und die starke Erotisierung verwundert zunächst, wenn man weiß, dass Lovecraft ein sehr asexueller Mensch war und Sex oder selbst Frauen in seinen Geschichten überhaupt keine Rolle spielten. Andererseits hat dieses Verneinen von allem Sexuellen bei Lovecraft nicht auch etwas von Verdrängung? Und beschreibt er seine Monstern nicht häufig als schleimig und feucht? Spricht aus seinen Erzählungen nicht irgendwo auch eine unterdrückte Angst vor der Sexualität und ist es dann nicht konsequent, in „From Beyond“, ausgelöst durch den Resonator, diese verdrängten Ängste wieder an die Oberfläche zu holen? Immerhin bleibt Stuart Gordon den Gedanken Lovecrafts treu, wenn am Ende jemand aufgrund des Erlebten, der Konfrontation mit den inneren Ängsten, den Verstand verliert.

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Vielleicht hat auch die Bundesprüfstelle diesen Zusammenhang gesehen und fand ihn zu gefährlich für das „normale“ Publikum, denn obwohl der Film relativ harmlos ist (die alte deutsche Videofassung beruhte auf dem R-Rated-Cut), landetet er 1989 auf dem Index, wo er sich auch heute noch befindet. Umso dankbarer muss man OFDb filmworks sein, dass sie ihn trotzdem veröffentlichen. Immerhin versperren sie sich so den Weg in die großen Elektrokaufhäuser und verlieren hierdurch sicherlich potentielle Kunden. Zu diesem Thema möchte an dieser Stelle auf das Interview hinweise, welches ich vor einigen Wochen mit OFDb-Chef Sascha Imme geführt habe und wo dies auch thematisiert wurde. Dort gibt es auch noch einmal ein erhellendes Statement zur Doppelstrategie, diese Veröffentlichung nur als Blu-ray/DVD-Kombi anzubieten und der Preisgestaltung.

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Vielleicht verhinderte „From Beyond“s Kammerspiel-Charakter, dass er sich wie sein Vorgänger „Re-Animator“ in die Reihe der Klassiker des modernen Horrorfilms stellte. Der Film spielt kostengünstig an nur zwei Orten (dem Haus des Dr. Pretorius und der Klinik) und den größten Teil des Filmes bestreiten Combs, Crampton und Foree allein. An sonstigen Sprechrollen sind lediglich noch Ted Sorel in der Rolle des Schurken Dr. Pretorius und Stuart Gordons Ehefrau Carolyn Purdy-Gordon in der für sie typischen Rolle als bösartige Schlange erwähnenswert. Alle anderen auftretenden Personen kommen über den Status von Statisten nicht unbedingt hinaus. Die Special Effects wirken immer dann, wenn mit Kameratricks gearbeitet wird, ziemlich veraltet und billig (das war schon zur Zeit seiner ersten Veröffentlichung so), dafür aber irgendwo charmant. Der ganze Stolz des Filmes sind seine beiden, wunderbar von Hand gestalteten Monster, sowie die hübschen Make-Up-Effekte, wie die sich aus der Stirn züngelnde Zirbeldrüse. Auch müssen Splatterfans im vorliegenden Director’s Cut nicht auf ihre geliebten, derben Effekte verzichten, auch wenn diese hier zwei Nummern kleiner ausfallen, als im für seine Exzesse berüchtigten „Re-Animator“.

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„From Beyond“ ist ein kleiner, charmanter B-Film, der sich in Fankreisen einiger Beliebtheit erfreut, auch wenn er nicht an den überraschenden Erfolg des unmittelbaren Vorgängers „Re-Animator“ anknüpfen konnte. Hauptaugenmerk liegt hier auf den hübsch anzusehenden Monster-Designs. Aber auch als Lovecraft-Verfilmung funktioniert der kammerspielartige Film sehr gut, da er den Geist der nur wenige Seiten umfassenden Vorlage trotz einer zum allergrößten Teil neu erfundenen Handlung beibehält. Dabei fällt die starke Sexualisierung der Geschichte auf, die auf dem ersten Blick im Widerspruch zu Lovecrafts Werken steht.

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Das neue Label ofdb filmworks hat sich „From Beyond“ als erste Veröffentlichung ausgesucht und damit nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt, um die bisher umfangreichsten Veröffentlichung dieses Filmes vorzulegen. Neben allen Extras der bisher im Ausland veröffentlichten Editionen, wurde noch ein eigener Audiokommentar produziert. Somit enthält die Blu-ray nun insgesamt drei Audiokommentare. Einmal von Regisseur Stuart Gordon und den Darstellern, dann von Drehbuchautor Denis Paoli und letztendlich der exklusiv produzierte von Marcus Stiglegger und Kai Naumann. Ferner sind in den Extras enthalten: Zwei Interviews mit Stuart Gordon (21 und 9 Min.), Interviews mit Drehbuchautor Denis Paoli (16 Min.), Darsteller Jeffrey Combs (18 Min.), Produzent Charles Band (5 Min.), Komponist Richard Band (4 Min.) und nochmal zwei Interviews mit Barbara Crampton (beide 14 Min.). Zwei Dokus: „Multiple Dimensions“ (23 Min.) und „Monsters & Slime“ (21 Min.). Geschnittene Szenen (5 Min.) und vier Storyboard- /Film-Vergleiche (insgesamt ca. 12 Min.). Und einen englischen Trailer gibt es auch noch. Hinzu kommt ein 12-seitiges Booklet von Kai Naumann. Ich behaupte mal, wenn man alle Extras durchgearbeitet hat, sollte man keinerlei Fragen mehr zu dem Film haben.

Das Bild der Blu-ray ist erwartungsgemäß sehr gut für eine preisgünstige Produktion von 1986. Der Ton liegt in HD-DTS vor. In der englischen Fassung in 4.0 und der deutschen in 2.0. Kauft man die Blu-ray, so erhält man die DVD-Version gleich mit dazu. Zu dieser nicht unumstrittenen Praxis habe ich weiter oben schon auf mein Interview mit Sascha Imme verwiesen. Bei der DVD-Version wurden Film + Audiokommentare und die restlichen Extras auf zwei DVDs gesplittet, wobei die Extras-DVD noch eine zusätzliche Fotogalerie hat. Das Ganze ist auf 3.000 Stück limitiert.

Update 30.01.14: Der Film „From Beyond“ wurde Anfang des Jahres nach 25 Jahren vom Index gestrichen und kann somit nun frei beworben und verkauft werden. Ferner hatte OFDb filmworks den Titel nach der Listenstreichung noch zur Neuprüfung bei der FSK eingereicht und der ungeschnittene Director’s Cut wurde nun ab 16 Jahren freigegeben! Dementsprechend wird es demnächst eine Zweitauflage geben, die allerdings gegenüber der oben besprochen Collector’s Edition abgespeckt wird.

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