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Interview mit Cineploit-Gründer Alex Wank

Von , 15. März 2013 10:42

CineploitVor einigen Wochen hatte ich hier im Blog das österreichische Musik-Label „Cineploit“ vorgestellt (hier nachzulesen). Nun fand sich die Gelegenheit, ein Interview mit dem sympathischen Cineploit-Chef Alex Wank zu führen, und ihn direkt zu Cineploit, die dort vertretenen Bands und zukünftige Pläne zu befragen.

Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle auch auf die neuste Veröffentlichung des Labels hinweisen: „ Eclipse“ von der schwedischen Band Oscillotron ist letzten Montag erschienen.

Frage: Alex, Du kommst ja ursprünglich aus einer ganz anderen musikalischen Ecke. Wie kam es dazu, dass Du Deine Liebe für Italo-Soundtracks entdeckt hast?

Cinematic GreetsAlex Wank: Dies ist sehr sehr lange her. Abgesehen davon, dass ich seit den späten 70ern ins Kino gehe und unbewusst sicher immer wieder beeinflusst wurde, hat der gute Ennio Morricone mich Anfang 1980 in seinen Bann genommen, als ich mir die Platte „For A Fistful of Dollars/For A Few Dollars More“ gekauft hatte. Ich kann mich noch lebhaft erinnern, dass die Platte monatelang auf und ab lief, und ich sie nicht mehr vom Plattenteller bekam. Ab dem Zeitpunkt, in etwa, achtete ich mehr und mehr auf die Namen in Credits. Vor allem bei italienischen Filmen. Und natürlich war da bei gefühlt jedem Zweiten Ennio dabei! Dadurch nahm ich aber auch immer wieder andere Namen, sowie deren Musik wahr. Und parallel zu meinen enormen Interesse an Musik generell, fing ich an, immer wieder (italienische) Soundtracks zu kaufen.

Wann hattest Du die Idee zu Cineploit?

2009/2010 hatte ich erste Sessions bezüglich MalaBimba, und nach den Aufnahmen überlegte ich, wie und wo ich das veröffentlichen könnte. Das war so im Herbst 2011, wo ich auch mit Frank von Orgasmo Sonore in Kontakt war. Und es reifte immer mehr die Idee zu einer eigenen Plattform, sodass ich mich Jänner 2012 dazu entschlossen habe und mit dem arbeiten daran begann.

Wie würdest Du „Cineploit“ in ein paar Worten beschreiben?

Cineploit ist eine Plattform für Soundtrack-lastige Musik, die speziell von den großen Zeiten des europäischen Kinos beeinflusst ist. Schwerpunkt 70er. Schwerpunkt Italien könnte man auch noch dazu schreiben.

Etwas, was bei Cineploit sehr wichtig ist, ist die Tatsache, dass alle Veröffentlichungen (einige sogar ausschließlich) auf Vinyl erscheinen. Warum ist Dir das so wichtig?

Ich bin seit jeher Vinylsammler und Vinylhörer und hab dies weder aufgegeben, noch bin ich damals auf CD gewechselt oder später auf MP3 Player. Einmal Vinyl, immer Vinyl. Eigentlich wollte ich ein „vinyl only“ Label sein, hab mich dann aber dazu durchgerungen, auch kleine CD Auflagen dazu zu machen.

Angefangen hast Du ja mit Thelema und Deinem eigenen Projekt MalaBimba. Wie kam der Kontakt mit Thelema zustande?

Thelema ist ein Ein-Mann-Projekt aus Salzburg und ein Freund von mir. Er hat auch seine Metal Vergangenheit, sowie sich ein Jahrzehnt im Ambient bzw. Industrial Feld aufgehalten. Seit vielen Jahren lebt er seine Filmleidenschaft auch musikalisch aus, und seine Kompositionen werden immer cinematographischer. Außerdem liebt er ebenfalls das italienische Exploitation-Kino und ist auch fester Bestandteil von MalaBimba!

Wie hast Du Zoltan und Sospetto entdeckt? Kamen die auf Dich zu oder kanntest Du die Bands schon vorher?

Als ich im Jänner 2012 dem Kind den Namen Cineploit gab, machte mich ein guter Freund von mir auf einen Bekannten von ihm aufmerksam, der eben gerade dabei war, die Aufnahmen zu der ersten Zoltan Platte zu beenden, und ein Label dafür suchte. Zoltan ist wie geschaffen für Cineploit, und ich habe ihnen sofort angeboten, ihre Platte zu veröffentlichen, aber auch betont, dass ich wirklich erst am Anfang bin. Die Jungs waren sofort begeistert und dabei, was ich einfach nur großartig finde. Als ich anfing Cineploit mit den ersten Vorankündigungen zu promoten, kamen Sospetto auf mich zu, und ich war schon wieder verliebt……

Wenn man die Liner Notes der CDs ansieht, so erfährt man eigentlich gar nichts über die Künstler. Bei manchen steht dort noch nicht einmal die Namen der Musiker, andere – wie Du ja auch bei MalaBimba – verstecken sich hinter Pseudonymen. Warum?

Ich gebe den Künstlern nicht viel vor. Wichtig ist mir nur, dass das Artwork gut zu deren Platte passt. Alle machen das eigentlich perfekt, und ich brauche da niemanden etwas sagen. Die wissen, wie es auszusehen hat. Da die Musik ja instrumental ist, gibt’s keine Texte abzudrucken, und ich denke auch sonst soll ja das Kopfkino angeregt werden. Daher auch grade mal Credits, wenn einmal einer etwas zu sagen hat, so wie z.B. Frank von Orgasmo Sonore, dann gibt’s ja auch mal was zu lesen.

Namen sind wie Schall und Rauch. Eigentlich wollte ich nie, dass mein Name überhaupt ins Spiel kommt. Die Musik soll von selber Wirken. Ein name-droping ist ja in meinem Fall total deplatziert. Leider ist die Menschheit viel zu neugierig, und ich konnte es nicht verbergen….was solls.

Frank von Orgasmo Sonore hat ja im Selbstverlag schon eine LP herausgebracht. Wird diese auch irgendwann noch einmal bei Cineploit veröffentlicht?

Franks erste Platte kam zu einem Zeitpunkt raus, wo ich noch nicht fix wusste, ob und wie ich es mache. Also zu früh für eine Veröffentlichung auf Cineploit. Ich bin aber nicht abgeneigt, den Vol. 1 in Europa auf Vinyl zu veröffentlichen und hatte auch schon Gespräche diesbezüglich mit ihm – ist also nur eine Frage der Zeit!

Das durchgängige Thema von Cineploit ist ja die Beeinflussung durch Soundtracks der 60er bis 80er Jahre, vornehmlich aus dem Exploitationbereich. Sind die Mitglieder der Bands auch große Fans der dazugehörigen Filme?

Ich kenne ja leider nicht jeden persönlich, aber ich denke schon. Alle Acts huldigen ja mehr oder weniger den selben Komponisten aus dieser Zeit. Und wenn man die Komponisten kennt, dann kennt man meist auch den Film dazu.

Was ist für dieses Jahr geplant? Wird es neue Bands auf Cineploit geben?

Ja, ein neuer Act kommt demnächst, am 11. März erscheint Cine 06 und zwar der schwedische Act OSCILLOTRON. David heißt der Mann, er hat mich letztes Jahr kontaktiert, und es gefällt mir so gut, dass ich es machen musste. Sehr atmosphärische, 80er Synthie Horrorfilmscore, toll! Und da ihr ja alle neugierig seid: Sein Hauptprojekt nennt sich Kongh und ist eine großartige Doomband, die gerade eben ihre neue Platte veröffentlicht hat! Des weiteren wird es einige Tributes/Omaggios geben. Und zwar von Zoltan (Psychomania), Orgasmo Sonore (Bruno Nicolai), Thelema (Cronenberg), Sospetto (noch nicht bekannt), sowie auch Deak Ferance/Roger Conrad (Giombini) und Leonard/Wank (Riz Ortolani). Von Sospetto wird es auch ein neues Album, im Herbst, geben.

Hat man irgendwo die Chance die Bands auch live zu sehen? Ist vielleicht irgendwann ein „Cineploit-Festival“ in Sicht?

Ach, das wäre schön. Fast alle Projekte sind Studioprojekte, und es ist etwas schwierig und auch mit einigen Aufwand verbunden, das live zu realisieren. Wenn es Publikum dafür gäbe, würde ich gern! Optimal wäre es, in einem gelungenen Rahmen, wie einem Filmfestival. Zoltan ist eigentlich die einzige „Band“, und die haben zaghaft zu spielen begonnen. Alles nicht so einfach, aber vielleicht gelingt es mir einmal, alle die sich mal live präsentieren wollen, irgendwo zusammenzubringen. Dies wird die Zukunft weisen!

Lieber Alex, vielen Dank für die Deine Zeit und die interessanten Antworten. Ich wünsche Dir auch weiterhin viel Erfolg mit Deinem Label.

Was für die Ohren: Das Musik-Label „Cineploit“ – Filmmusik ohne Film

Von , 10. Januar 2013 14:25

CineploitDas letzte Jahr war ein sehr gutes Jahr für Freunde obskurer Filmmusik. Aus Wien kommt ein neues Musiklabel, welches sich die Veröffentlichung von bisher ungehörten Soundtracks auf die Fahnen geschrieben hat: Cineploit. Und diese „Soundtracks“ sind deshalb so „ungehört“, weil es die Filme dazu gar nicht gibt. Cineploit bringt Musik heraus, die wie vergessene Soundtracks klingt, aber tatsächlich von Liebhabern italienischer Soundtracks der 60er und 70er oder atmosphärischer Scores á la David Lynch komponiert und einspielt wurde. Das Ergebnis weiß auf ganzer Linie zu überzeugen und macht sich sehr gut im heimischen Musikregal, und das nicht nur bei Fans ungewöhnlicher Filme.

Grundsätzlich ist Cineploit der handgemachten, analogen Musik (am Computer entstandene Stücke sucht man hier vergebens) und dem guten, alten Vinyl verpflichtet. So können einige Sonderpressungen dann auch nur als Schallplatte geordert werden. Die hier besprochenen fünf Hauptveröffentlichungen sind aber auch als CD zu haben – entscheidet man sich hier aber für Vinyl, so liegt jeder Schallplatte auch eine kostenlose CD bei. Man merkt an der liebevollen Aufmachung der Vinyl-Scheiben, dass hier absolute Liebhaber der Materie am Werk sind. Die CDs fallen weniger opulent aus, sind dafür aber auch etwas günstiger.

Kopf hinter dem Cineploit-Label ist Alex Wank. Dieser dürfte einigen noch als Gründungsmitglied und Drummer der berühmt-berüchtigten österreichischen Death-Metal-Band „Pungent Stench“ in Erinnerung sein. Mit Cineploit lebt er seine Leidenschaft für obskure Exploitationfilme, vorzugsweise aus Bella Italia, und der dazugehörigen Filmmusik aus. Daher auch der Name seines Labels: Cinema + Exploitation = Cineploit.

Die ersten beiden Veröffentlichungen erschienen im April. Bis heute sind noch drei weitere gefolgt.

 Thelema – Hearing the Light (Cine01)

thelemaBei Thelema handelt es sich um eine Band, die schon seit 1994 Musik macht. Kopf hinter Thelema ist Hans-Jürgen und Ziel der neuen Platte „Hearing the Light“ ist es, „a virtual soundtrack mixing Film Noir with `60s and `70s Euro Trash“ zu schaffen. Der Sound ist besonders bei den ersten Tracks eher düster und erinnert leicht an Bands wie „Bohren & the Club of Gore“ oder „The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble“. Die Stimmung ist dicht und dahin wälzend. Ab Track 4, Becoming a Hearer, ändert sich dies etwas. Der tröpfelnde Synthesizer und eine zwischen lasziv-rauchig und hell-unschuldig oszillierende Frauenstimme lassen einen an melancholisch tanzende Elfen auf vom Morgentau benetzten Feldern denken. Ein Höhepunkt dieses gelungenen Albums ist der Titeltrack Hearing the Light, wo zunächst ein einsames Xylophon unbarmherzig das musikalische Thema des Albums hämmert, bis das klagende Keyboard einsetzt. Gleich darauf folgt mit dem passend betitelten Heading Forward das mächtigste Stück des Albums, welches gar eine Santana-esque Gitarre einsetzt und definitiv Ohrwurmqualität besitzt. Auf Still Hearing the Light wiederholen sich noch einmal die musikalischen Themen. Wieder wird die weibliche Stimme eingesetzt, die nun aber gar nichts Unschuldiges mehr hat. Der Synthie verleiht dem Stück eine süße Bedrohlichkeit. Oftmals werden bei Thelema Rhythmen wiederholt, bis durch ihre Überlagerung etwas Neues entsteht. Thelema unterscheidet sich etwas von den restlichen Veröffentlichungen des Cineploit-Labels, da hier nur wenig an alte Italo-Soundtracks erinnert. Stattdessen wird man in eine düster-melancholische Welt hineingezogen, die oftmals mit den Filmen David Lynchs verglichen wird. Ein Vergleich, den ich so nicht zu 100% unterschreiben würde (Angelo Badalamentis Musik unterscheidet sich schon stark von dem Thelema-Sound. Allein I Repeat erinnert mit seinem jazzigen Schlagzeug an den „Twin Peaks“-Soundtrack), aber um die Richtung anzudeuten, finde ich ihn schon statthaft. Der ideale Soundtrack für die Zeit zwischen Sonnenuntergang und finsterer Nacht.

Soundsamples:

http://soundcloud.com/thelema-cineploit-com

http://thelema-music.bandcamp.com

 

MalaBimba – MalaBimba (Cine02)

malabimbaDas Duo MalaBima, welches sich hinter Pseudonymen versteckt (tatsächlich sitzt hier Label-Boss Alex Wank höchstpersönlich hinter den Drums) benannte sich nach dem gleichnamigen Horror-Porno des italienischen Sleaze-Meisters Andrea Bianchi und das gibt schon mal die Stoßrichtung vor. Pate für die Sounds standen italienische Soundtrack-Komponisten wie Riz Ortolani, Franco Micalizzi, Goblin oder Stelvio Cipriani. MalaBimbas Musik ist aber auf das Äußerste reduziert. Fausto di Cipolla spielt einen alten Synthesizer und Nello di Cipolla gibt mit dem Schlagzeug den Takt vor. Dieses knackige Sound-Skelett wirkt erst einmal gewöhnungsbedürftig. Auch die Tatsache, dass sich die Melodien innerhalb eines Stückes gerne mal mit nur leichten Variationen wiederholen, lässt einen mehr an Minimalmusik Glass’scher Prägung, als an die explosiven Scores eines Stelvio Cipriani denken. Doch wie bei Philipp Glass, fängt auch hier die Musik mit mehrmaligem Hören an, unaufhaltsam zu wachsen. Die Melodien bleiben im Gehörgang kleben und breiten sich im Hirn aus, bis man den ganzen Tag lang Stücke von der MalaBimba-Platte vor sich hin summt und damit einfach nicht mehr aufhören kann. Man mag gar keinen Track besonders herausheben, da jeder einzelne ein hohes Suchtpotential mit sich bringt. Anspielen sollte man aber auf jeden Fall mal Malabimba 1, Senza Disciplina oder Addormentato (sogni d’oro).

http://soundcloud.com/malabimba

http://myspace.com/malabimbakomm

http://malabimba.bandcamp.com

 

Zoltan – First Stage Zoltan (Cine03)

ZoltanZoltan unterscheidet sich wieder deutlich von den vorangegangenen beiden Veröffentlichungen, bleibt aber dem Geist des Labels absolut treu. Statt nach Giallo oder Noir, klingen Zoltan nach frühen 80ern. Nach Goblin in ihrer „Dawn of the Dead“ und „Buio Omega“-Phase, nach Science Fiction (mit Echos des genialen „Captain Future“-Soundtracks von Christian Bruhn oder der Arbeit von Queen an „Flash Gordon“) und nach Italo-Endzeit-Filmen. Wie MalaBimba besteht die Instrumentierung vornehmlich aus Keyboards und Drums, hier und dort aufgelockert durch einen Bass und eine 12-saitige Akustikgitarre. Und was sind das für herrlich drückende, bedrohlich wummernde Keyboards. Ursprünglich kam dieses Projekt nur zustande, weil Andy Thompson – einer der drei britischen Bandmitglieder – seine Sammlung alter analoger Synthesizer ausprobieren wollte. Daraus entstand, zusammen mit seinem Bruder Matt und dem Drummer Andrew Prestidge, dann „Zoltan“. Zoltans Sound stapelt mächtige Türme aus Synthie-Klängen übereinander, die von energischen Drums und einem pulsierenden Bass unerbittlich vorangetrieben werden. Entsprechend Platz brauchen die Stücke, um sich zu entfalten und ihre düster-psychedelische Energie zu verströmen. So dauert der letzte Track der Platte (Black Iron Prison) dann auch gleich mal 14 Minuten. Würden sich Zoltans Klänge materialisieren und auf Zelluloid gebannt werden, käme am Ende wahrscheinlich der legendäre SF-Sleazer „The Beast in Space“ dabei heraus.

http://www.soundcloud.com/zoltantheband

 

Orgasmo Sonore –  Revisiting Obscure Music – Volume 2 (Cine04)

orgasmoOrgasmo Sonore ist ein Ein-Mann-Projekt des franko-kanadischen Multi-Instrumentalisten Frank Rideau. Im Gegensatz zu den anderen Cineploit-Bands setzt Orgasmo Sonore vor allen Dingen auf Coverversionen und so heißt sein Album auch folgerichtig „Revisiting Obscure Music Vol.2“ (Vol. 1 erschien 2011 noch in einer auf 200 Kopien limitierten Eigenproduktion). Wobei die Songauswahl für Fans des Genres nicht unbedingt „obskur“ sein sollte. Tatsächlich bearbeitet Orgasmo Sonore viele von Italo-Soundtrack-Liebhabern hochgeschätzte Tracks. Da er diese aber auf seine ganz eigene Art interpretiert, soll einen dies nicht stören. Bereits mit dem fetzigen Opener, dem Morricone-Cover La Seconda Caccia kann Frank Rideau alias Mr. Orgasmo die Herzen der Fans für sich gewinnen. Auch Bruno Nicolais Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer? ist ein echter Dauerbrenner, den man gerne in die Dauerrotation nimmt. Das schönste Stück auf der Platte ist aber das süchtig machende, drogenschwangere Pearls von Piero Piccioni. Das sollte auf jeder Party laufen! Orgasmo Sonores Bearbeitungen decken die ganze Bandbreite ab: Von stark dem Original folgend (das geniale Bronx 1990 von Walter Rizzati) bis sehr freien Interpretationen, wie das Liebesthema aus „Hexen bis aufs Blut gequält“ von Michael Holm. Sogar ein Original gibt es zu bestaunen: Summertime Bossa, ein hübsches Musikstück, welches Rideau für eine spanische Komödie namens „Summertime“ komponiert hat und welches nach dem klingt, was der Titel verspricht. Da darf man hoffen, dass auf einer dritten Platte dann vielleicht noch mehr eigene Werke Eingang finden.

http://soundcloud.com/orgasmo-sonore

 

Sospetto – Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro (Cine05)

Sospetto-FRONTÜber Sospetto weiß man nicht viel. Nur, dass dahinter ein deutsches Duo steckt. Was sehr schade ist, denn die beiden Jungs (?) hätten etwas mehr Ruhm verdient. Ihr Erstlingswerk ist ein geniales Konzeptalbum, welches die Giallo-Soundtracks der 70er in ihrer ganzen Glorie wieder auferstehen lässt. Dabei werden Knabenstimmen, Männerchöre und liebliche Frau-Stimmen eingesetzt. Schneidende Bassriffs und Old-School-Synthesizer verleihen dem Ganzen eine gewaltige Dichte und Vielstimmigkeit. Man glaubt sogar, ein großes Orchester im Hintergrund zu hören. Gleichzeitig gibt es verführerische Melodien, zwischen deren Noten sich etwas Beängstigendes versteckt. Nicht unterschätzt werden sollte auch das Schlagzeug, welches die Richtung vorgibt und den Sound immer weiter nach vorne drängt. „ Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro “ soll klingen wie „a soundtrack of a never-filmed Giallo.“ Und das ist absolut gelungen. Wunderbar auch die Spielfreude des Duos, welches keine Experimente scheut und gerne mal in den kurzen Zwischenstücken mit schrägen Tönen und Klängen experimentiert. Interessanterweise wirkt „Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro“ trotz der Vielfältigkeit der Musikstile aus einem Guss. Besonders schön ist das, sowohl an Peter Thomas Wallace-Scores, als auch sonnige Eurospy-Themen, erinnernde La fiducia e l’omicidio. Oder die exotische Bossa-Rhythmen in Agente d’Oriente, bei denen man Bettie Page als weiblichen James Bond wieder auferstehen sieht. Das luftig-süßliche Sotto l sole, mit seinem mysteriösen Unterton, hätten auch die großen Meister wie Morricone, Cipriani und Nicolai nicht viel besser hinbekommen. Und das temporeiche, von Handclaps unterstützte Dottore Phelps contro il pipistrello wird man so schnell auch nicht mehr los. Mit „Segni Misteriosi, con il sangue dipinto sul muro“ nimmt uns Sospetto mit auf eine Reise in das Kino einer anderen Zeit. Zu gerne würde man hier den Film zum Soundtrack sehen. Könnte das bitte mal jemand übernehmen? Jetzt! Schnell!

http://soundcloud.com/sospetto-music/sets/first-album-demos

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