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Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 1

Von , 7. Februar 2018 23:33

Am vergangenen Wochenende machte ich mich mit einer sehr netten Truppe aus Bremen, Kirchweyhe und Herford auf den Weg ins karnevaleske Düsseldorf. Aber mitnichten, um diesem seltsamen närrischen Treiben beizuwohnen, sondern um an einer der schönsten Kinoveranstaltungen des Jahres teilzunehmen: Dem vierten „Mondo Bizarr Weekender“ in dem Kino Black Box, welches sich im schönen Filmmuseum Düsseldorf befindet. Uns erwarteten acht Filme aus aller Welt, die in den 60er, 70er und frühen 80er Jahren in die deutschen (Bahnhofs-)Kinos kamen. Alles natürlich stilecht als 35mm-Kopien. Ein Traum für jeden Filmfreund, der ein großen Flecken in seinem Herzen für die buckeligen Wege neben der gut asphaltierten Kanon-Filmgeschichte hat.

Der „Mondo Bizarr Weekender“ ging drei Tage, und unsere gut gelaunte Reisegruppe war im Hotel Kastens untergekommen, welches ich schon von unserem Deliria-Italiano.de-Forentreffen vor zwei Jahren gut kannte. Das Kastens schien generell das bevorzugte Hotel der von weiter weg kommenden „Mondo“-Gäste zu sein. Zumindest sah man morgens im Frühstücksraum bekannte Gesichter und unzählige männliche Gäste in thematisch gut abgestimmten T-Shirts. Zur Black Box ist es auch nicht weit, und so waren wir trotz eines langen Staus im Ruhrgebiet pünktlich und sogar noch beim Libanesen um die Ecke gut gestärkt im Kino. Am Freitag lief zunächst ein Double-Feature.

Argoman – Der fantastische Supermann – Man hätte das kleine Festival der guten Laune nicht besser starten können als mit diesem bunten Superheldenfilm aus dem wundervollen Italien. „Argoman“ war Teil einer kleiner Superhelden-Welle Ende der 60er Jahre, die weniger an Marvel und Konsorten, sondern eher an die italienischen Fumetti erinnerten. Dementsprechend hat Argoman zwar Superkräfte, befindet sich aber näher an seinem schurkischen Kollegen Diabolik und den damals populären Agentenfilmen.

Argomans Kraft ist Telekinese. Einmal nutzt er diese, um eine hinreißende Brünette samt ihres Hoovercrafts auf seine luxuriöse Insel zu bringen. Keine gute Idee, denn nach dem Sex verliert unser Held seine Kräfte immer für sechs Stunden. Was sein treuer Diener (Schurken- und Patriachendarsteller Eduardo Fajardo mit Bräunungscreme und Turban) minutiös protokolliert. Argoman heißt in zivil Sir Reginald Hoover und wird von dem Amerikaner Roger Browne gespielt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Barbies Ken aufweist und über ähnliche schauspielerische Fähigkeiten verfügt. Browne ist auch der Schwachpunkt des Filmes, denn sein stets siegesgewiss grinsender, extrem übergriffiger Sir Reginald besitzt weder Charme, noch besonders viele Sympathiepunkte. Eigentlich muss man sogar sagen, dass man dem schmierigen Gockel von Herzen unsympathisch findet. Ihm wird Jenabell, die „Königin der Welt“ gegenübergestellt. Gespielt von der schönen Dominique Boschero, die in jeder Szene ein neues, extravagantes Kostüm trägt und weitaus mehr Präsenz verspürt als unser Argoman.

Die Geschichte ist zwar unnötig kompliziert erzählt, aber wunderschön gefilmt und voller herrlichem Zeitkolorit. Regisseur Sergio Grieco ist hier noch sehr viel dichter an seinen vielen ebenfalls unter dem Pseudonym Terence Hathaway gedrehten James-Bond-Rip-Offs als an seinem rauen Meisterwerk „Der Tollwütige“. „Argoman“ ist zu keiner Sekunde langweilig. Man greift sich zwar des öfteren an den Kopf und auch die ein oder andere sexistische Szene lässt einem heutzutage den Magen grummeln, aber man ist durchaus bereit, dies dem bunten Film zu verzeihen, der eben ein typisches Kind seiner Zeit ist. Untermalt von der fluffigen Musik eines Piero Umiliani lässt man den farbenfrohen Bilderreigen über sich hinweg rauschen und ist am Ende dann ein wenig in Dominique Boschero verliebt.

Planet des Schreckens – Auf diese Roger-Corman-Produktion hatte ich mich sehr gefreut. Hatte ich doch kurz zuvor den schwer unterhaltsamen „Mutant“ gesehen, der teilweise in denselben Kulissen entstand. Leider konnte mich dieser Planet nicht ganz überzeugen. Vielleicht waren einfach die Erwartungen zu hoch. Vielleicht tat der Schlaf, der mich zu dieser späten Stunde immer wieder übermannte sein übriges. Vielleicht muss ich mich noch einmal in die „Galaxy of Terror“ schießen lassen, um dem Film gerecht zu werden. So bleibt ein ziemlich „krauchiger“ Film, der ewig braucht, um in Fahrt zu kommen und sich immer wieder in seine eigene, von „Alarm im Weltraum“ inspirierte Geschichte verheddert.

Oftmals hat man das Gefühl, dass die Macher um Regisseur Bruce D. Clark selber nicht so recht wussten, worum es eigentlich gehen soll und manche Szenen einfach so entlang des Weges improvisiert wurden. Egal, ob sie nun in den Handlungsfaden passen oder nicht. Es scheint fast so, als ob jemand die Idee hatte, wie das wohl wäre, wenn eine attraktive Frau von einer riesigen Made vergewaltigt würde – und sich dann angestrengt eine Handlung drumherum ausgedacht hätte. So bleibt der Film leider Stückwerk, welches sich um jede nachvollziehbare Logik einen Dreck schert.

Was bleibt sind die fantastischen Kulissen, die ein junger James Cameron aus alten Pappkartons und Spucke gezaubert hat, und die von Kameramann Jacques Haitkin (später auch bei Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ und dessen Fortsetzung als „Director of Photography“ hinter der Kamera, heute an großen Produktionen wie den Marvel-Filmen, Fast&Furious-Serie oder „Kong“ beteiligt) beeindruckend eingefangen wurden. Ja, „Planet des Schreckens“ sieht einfach toll aus. Er besitzt auch einige bemerkenswerte Szenen (wie Robert Englunds Kampf gegen sich selber oder eben die schon erwähnte Madenszene), die aber zusammen nicht wirklich ein Ganzes ergeben. Da können auch die gern gesehen Schauspieler, wie Grace Zabriskie (die schon als junge Frau sehr creepy aussah), Robert „Freddy“ Englund, die großartige Fresse Sid Haig und Ray Walston nicht viel ausrichten. Die Helden bleiben demgegenüber sehr blass und der spätere Produzent von stylischer 80s Erotik, Zalman King, darf over-acten und so ekelhaft blöd daher kommen, dass gerade sein Kotzbrocken Baelon ganz besonders im Gedächnis bleibt. Schade. Aber durchaus einen zweiten Blick wert. Irgendwann.

Insgesamt aber ein toller Auftakt, der viel für das weitere Wochenende versprach. Ein Wort noch zu den 35mm-Kopien. Diese waren absolut tadellos und sahen einfach fantastisch aus. Nach dem Kino suchten wir noch eine nette Schänke, um in einer kleinen Gruppe das Gesehene zu verarbeiten. Doch seltsamerweise werden in Düsseldorf Freitags nach Mitternacht die Bürgersteige hochgeklappt. Wir fanden schließlich noch eine recht großes Gasthaus, welches aber nach – mit für Düsseldorf scheinbar typisch rauer Herzlichkeit ausgeführten – Ausschank auch schon bald die Pforten schloss. Also ab ins Hotel und Schlaf für den folgenden Tag tanken.

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