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Blu-ray-Rezension: „52 Pick-Up“

Von , 19. Dezember 2018 09:13

Harry Mitchell (Roy Scheider) kann sich nicht beschweren. Seine Firma wirft genug ab, dass er und seine Frau Barbara (Ann-Margret) sich ein gutes Leben mit Villa, Swimming-Pool und einem teuren Jaguar leisten können. Doch Harry hat auch ein Geheimnis. Seit einiger Zeit hat er eine heiße Affäre mit einer 22-jährigen Blondine (Kelly Preston). Als seine Frau ein politisches Amt anstrebt, will er die Affäre beenden.Doch statt seiner Geliebten findet er drei maskierte Männer vor, die ihn mit einem kompromittierenden Videotape erpressen wollen. Doch Harry denkt gar nicht daran, der Forderung nachzukommen. Das setzt jedoch Ereignisse in Gang, die Harry bald schon überrollen und ein erstes Menschenleben fordern…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die Namen der Beteiligten kann man sich ruhig einmal auf der Zunge zergehen lassen: Regie John Frankenheimer, Drehbuch und Vorlage Elmore Leonard, Kamera Jost Vacano, Hauptrollen Roy Scheider und Ann-Margret. Warum besitzt „52 Pick-Up“ keinen Kultstatus, wie beispielsweise „Blood Simple“? Vielleicht war er seiner Zeit einfach voraus. Vielleicht wurde er in eine falsche Schublade gesteckt, weil er von den Action-Spezialisten von Cannon produziert wurde? Verdient hat der Film seine relative Unbekanntheit zumindest nicht. Tatsächlich gehört er zu den besten und elegantesten Thrillern der zweiten Hälfte der 80er Jahre. Zu verdanken ist dies nicht nur den gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten, sondern vor allem auch dem unfassbaren John Glover, der hier in seiner ersten großen Rolle als Bösewicht ein wahres Feuerwerk abbrennt. Sein Alan Raimy ist ebenso schleimig, wie verführerisch, ebenso brutal, wie gebildet; abstoßend und charmant. Sein gewinnbringendes Lächeln zeigt zu viele Zähne, seine mitfühlenden Augen können sich in einem Wimpernschlag in die eines Psychopathen verwanden. Alan Raimy ist seinen Mitmenschen gegenüber vollkommen gefühllos, eiskalt, skrupellos, verlogen und dabei süchtig nach Anerkennung, Selbstverliebt und ganz auf sich selbst fokussiert. Dass so jemand 30 Jahre später es im realen Leben bis an die Hebel der Macht schafft, hat 1986 wohl niemand erwartet. Aber anders als sein real-life-Nachfolger im Weißen Haus ist John Glovers Raimy charismatisch, intelligent und gutaussehend.

Nachdem Cannon Leonards Roman zwei Jahre zuvor schon einmal – zumindest in groben Zügen – als „The Ambassador“ verfilmt hatte (ein Film in dem Leonard seinen Roman nicht im Geringsten wiederfand), durfte Leonard für die 86er Fassung selber am Drehbuch mitschreiben. „52 Pick-Up“ nimmt sich Zeit, seine Figuren vorzustellen und in Stellung zu bringen. Der Beginn ist dabei zwar recht spannend, aber auch eher unspektakulär ausgefallen. Roy Scheiders Mitchell findet sehr schnell die richtige Antwort auf den Erpressungsversuch: Er beichtet seiner Frau den Seitensprung, nimmt den Entführung damit das Druckmittel und schiebt ihnen noch ein dickes „Fuck You!“ hinterher. Bis dahin konnte es sich der Zuschauer in Mitchells Leben bequem machen, ihn kennenlernen, seine Hintergründe verstehen, dem Drama zwischen ihm und seiner zutiefst verletzten Frau beiwohnen, welches Frankenheimer gefühlvoll und mit der nötigen emotionalen Härte zeichnet. Doch dann zieht das Drehbuch das Stahlband immer enger um seinen Protagonisten. Manövriert ihn in immer ausweglosere, gefährlichere Situationen. Zeigt mit wem er sich da eingelassen hat und verbaut ihm nach und nach jeden Ausweg. Mitchell reagiert auf die Drohungen immer nachvollziehbar und logisch. Doch er glaubt glaubt dabei immer, eine rationale Reaktion zu erhalten. Was bei seinen drei Peinigern – dem eiskalten Raimy, den skrupellosen Billy und dem völlig überforderten Leo – aber nicht der Fall ist. Erst als sich Mitchell selber auf das Niveau der drei Erpresser und Mörder begibt, findet er einen Weg, seine Gegner zu schlagen. Doch dabei riskiert er beinahe fahrlässig alles, was er noch hat.

Neben den lebendigen und individuellen Haupt und Nebenfiguren, denen jederzeit genügend Raum gegeben wird, um sich zu entfalten, und der sich langsam aufbauenden und dann immer weiter eskalierenden Geschichte, ist es vor allem die grandiose Kamera des Osnabrückers Jost Vacano, die diesen brillanten Neo-Noir weit über das Mittelfeld hebt. Vacano war in dieser Zeit Stamm-Kameramann von Paul Verhoeven (weshalb die Stimmung des Filmes zeitweise an den großen niederländischen Hollywood-Provokateur erinnert) und in Deutschland für Meisterwerke wie „Das Boot“ oder Roland Klicks „Supermarkt“ verantwortlich. Auch der – zugeben sehr in den 80ern verhaftete – Synthie-Score von Gary Chang passt ganz hervorragend zu dem Film. Gerade in der heutigen Zeit, in der es mit Serien wie „Stranger Things“ oder Filmen wie „Es“ zu einem lupenreinen 80er-Revival gekommen ist und auch der Stil von Musik wie der von Gary Chang erfolgreich imitiert wird, ist die Zeit reif für the real deal und die Wiederentdeckung von „52 Pick-Up“.

Heute fast schon vergessen, wird es Zeit den brillanten Neo-Noir „52 Pick-Up“ wiederzuentdecken, denn er gehört zu den besten und elegantesten Thrillern der zweiten Hälfte der 80er Jahre.

Das Mediabook von OFDb Filmworks sieht wirklich sehr schick aus. Es beinhaltet den Film auf BluRay und DVD, sowie eine DVD mit Bonusmaterialien (Achtung: Hier wurden die Aufkleber vertauscht und der Film ist auf der Bonus-DVD und das Bonusmaterial auf der Film-DVD). Fangen wir diesmal mit dem Bonus an. Hierfür hat OFDb Filmworks eine weitere Folge der US-TV-Doku-Serie „The Directors“ lizenziert. In knapp 60 Minuten lernen wir John Frankenheimer und sein Werk kenne. Ein hervorragender Einstieg in eine weitere Beschäftigung mit diesem hochinterssanten Regisseur. Dazu gibt es noch ein 23-minütiges, zeitgenössisches Making-Of, welches damals scheinbar als Promo für den Film gedreht wurde. Auf der Film-BluRay befindet sich darüber hinaus noch (man ist schon geneigt zu sagen „natürlich“) ein Audiokommentar von Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger, die isolierte Filmmusik und ein Audio-Interview mit Komponist Gary Chang, sowie die entsprechende „Trailers from Hell“-Episode (2 Minuten), in der mir etwas zu sehr gegen Cannon gehetzt wird. Das Bild ist für das Alter des Filmes und einem Film aus der Mitte der 80er sehr gut. Nur am Anfang schwankt die Qualität etwas, was aber am Ausgangsmaterial liegen kann. Ansonsten gibt es hier nichts zu beanstanden. Der Stereo-Ton klingt besonders auf der englischen Spur sehr klar. Positiv hervorheben möchte ich an dieser stelle, dass die Untertitel nicht nur auf Deutsch, sondern auch Englisch vorliegen. Leider keine Selbstverständlichkeit. Nicht zu vergessen: Das 16-seitiges, informative Booklet mit Text von Thorsten Hanisch.

Blu-ray-Rezension: “Tödliche Umarmung“

Von , 26. Februar 2015 20:37

toedliche_umarmungNachdem seine Ehefrau bei einem seiner Einsätze ums Leben kam, musste Geheimagent Harry Hannan (Roy Scheider) einige Zeit in psychiatrischer Behandlung verbringen. Nun ist er als geheilt entlassen und möchte gleich wieder ins einem alten Job anfangen. Doch man lässt ihn nicht, Hannan gilt als Risiko. Als ein Mordanschlag auf ihn ausgeführt wird, glaubt Hannan, seine ehemaligen Kollegen wollten ihn aus dem Weg räumen. Doch bald schon entdeckt Hannan, das etwas ganz anders hinter der Sache steckt, und er auf der Todesliste, eines geheimnisvollen Killers steht, der bereits des Öfteren zugeschlagen hat…

Nachdem Jonathan Demme die Roger-Corman-Schmiede verlassen hatte, wand er sich seriöseren Produktionen zu. Mit „Tödliche Umarmung“ kehrte er kurz vor seinem Durchbruch mit der preisgekrönten Komödie „Melvin und Howard“ noch einmal zum Thriller-Genre zurück, bevor er dann 1992 mit „Das Schweigen der Lämmer“ das Genre sogar zu Oscar-Weihen führte. Mit letzterem Werk sollte man „Tödliche Umarmung“ allerdings nicht vergleichen. „Tödliche Umarmung“ steigt einerseits tief ins Pulp-Gebiet ein, andererseits versucht sich Demme mit diesem Film auch an einer recht deutlichen Hitchcock-Hommage. Damit steht „Tödliche Umarmung“ in einer Reihe mit Filmen wie „Charade“, „Höhenkoller“ und diversen Brian de Palma-Produktionen. Tatsächlich hat der Film dann auch etwas von „Hitchcock gefiltert durch die Brille diverser B-Filme“. Besonders ernst sollte man Demmes Film nicht nehmen, dazu fährt er einfach zu schwere Geschützte auf. Auch wenn diese sich am Ende zu keinem einheitlichen Ganzen fügen wollen, kann man „Tödliche Umarmung“ einen angenehmen Unterhaltungswert nicht absprechen. Munter mischt Demme Zitate aus „Psycho“, „Der unsichtbare Dritte“, „Familiengrab“ und vor allem und immer wieder „Vertigo“.  Aber auch andere Thriller, wie „Der Marathon-Man“ und „Niagara“ kommen einem während des Filmes immer wieder  in den Sinn.

Die vorgebliche Spionage-Handlung, die gleich am Anfang etabliert wird und Harry Hannans Trauma auslöst, ist – so viel darf verraten werden – eine falsche Spur, die aber immerhin Christopher Walken und den immer wieder gern gesehen Charles Napier einen Auftritt garantiert. Die kurze Szene in der ein noch sehr junger Walken den Chef des alten Hasen Roy Scheider gibt, gehört dann auch zu einem der Höhepunkte des Filmes. Es ist jammerschade, dass Walkens Rolle nicht größer ist. Auch Napiers Charakter dient allein der Verwirrung des Zuschauers und hat keine weitere Funktion, als Scheiders Figur hier und dort in Gefahr, und den Zuschauer auf eine falsche Spur zu bringen. Der dieser letztendlich nur der Ablenkung dienende Geheimdienst-Komplex nimmt in der ersten Hälfte des Films einen nicht gerade kleinen Raum ein. Neben der viel zu kleinen Rolle Walkens und der Verschwendung des großartigen Napiers, muss auch festhalten, dass hier viele kleine und interessante Fäden aufgenommen werden – wie Scheiders verzweifelte Versuche wieder einen Job zu bekommen, und sein „normales“ Leben weiterzuführen oder der Geheimdienst, der seine nicht mehr voll funktionstüchtige Waffe entsorgen will – die dann aber am Ende nie miteinander verknüpft, geschweige denn zu Ende geführt werden. So zerfällt der Film in zwei Hälften, die beide viel zu viele unbefriedigende Löcher aufweisen und den Film obendrein unnötig zerfasern.

Ähnliches gilt auch für die zweite Hälfte, in der Scheider langsam auf die Spur der Bedrohung kommt, und ihm mit Sam Levene  als Sam Urdell ein kauziger Sidekick zur Seite gestellt wird. Auch hier wimmelt es von falschen Fährten und verpassten Gelegenheiten. Letztere betreffen zum Beispiel den von John Glover wunderbar eingebildet und versponnen gespielte Professor Peabody  dessen Figur  viel Potential zeigt, welches aber nie voll entfaltet wird. Nachdem das Drehbuch dem Zuschauer allerlei „rote Heringe“ hingeworfen hat, ist dann der Schnitt auf den wahren Täter so hart und aus dem Nichts kommend, dass man für kurze Zeit vollständig aus dem Film geworfen wird, und dadurch die großartigste Szene des ganzen Films ganz an Durchschlagskraft verliert, da  man noch vollkommen damit beschäftigt ist, sich zu fragen, was das da alles plötzlich soll. Da lohnt es sich dann den Film später noch einmal zurück zu spulen und sich in Ruhe den Mord durch Koitus in der Badewanne anzusehen, in der die Todeszuckungen des Opfers sein Gegenüber zu höchsten Orgasmusfreuden bringt. Das zwar passt nicht zu Motiv und Charakter der Person hinter den Morden, ist aber ein wunderbar schmieriger Griff ins Bahnhofskino, aus dem Demme ja auch stammt. Der Bruch nach der – zugeben vollkommen überraschenden – Enthüllung der Identität und des Motivs des Täters, ist dann auch so hart, dass es dem Film nicht gut tut. Dass das Motiv darüber hinaus auch nur ein sehr schwaches und nicht unbedingt nachvollziehbares ist, macht es auch nicht leichter. Immerhin führt dies dann gleich zum großen Finale vor dem Hintergrund der Niagara-Fälle.

Um den Hitchcock-Effekt noch zu erhöhen wurde Altmeister Miklós Rózsa für den Soundtrack engagiert. Der hat zwar nie für Hitchcock komponiert, soll aber scheinbar ein Bernard-Herrman-Gefühl in den Film einbringen. Was allerdings nicht gelingt, da Rózsas Musik für sich genommen zwar hörenswert ist, aber sich weniger an Herrman Hitchcock-Scores, als vielmehr an seinen Film-Noir-Filmen oder viel mehr noch den Dramen der 40er Jahre orientiert und die dramatischen Orchestermelodien in einem starken Kontrast zum doch sehr 70er-mäßigen Gestaltung von „Tödliche Umarmung“ steht. Demgegenüber muss die sehr dynamische und einfallsreiche Kameraarbeit Tak Fujimotos hervorgehoben werden. Fujimotos arbeitete regelmäßig mit Demme zusammen und fotografierte für ihn auch seine Hits „Das Schweigen der Lämmer“ und „Philadelphia“, später wurde er dann auch Stammkameramann M. Night Shyamalans. Besonders eine Szene ganz am Anfang, in der die Kamera wie wild Scheiders im Grunde ereignislosen Gang zur U-Bahn begleitet und dabei über den Bahnsteig fegt wie ein wilder Derwisch lässt das Herz höher schlagen. Diese Szene endet dann auch in einer lupenreinen Hommage an einen anderen Regisseur, dem in jungen Jahren auch Tendenzen zur Hitchcock-Nachahmung unterstellt wurden: Dario Argento. Vielleicht ist „Tödliche Umarmung“ ja auch weniger eine lupenreine Hitchcock-Hommage, als vielmehr eine Hommage an diejenigen, die in ihrem Werk Hitchcock ihre Ehre erweisen.

Obwohl nicht makellos und an insgesamt ausgefranst und überladen, kann man „Tödliche Umarmung“ einen Unterhaltungswert nicht absprechen. Die souveränen Darsteller, eine schöne Kameraarbeit und der ein oder andere gute Einfall können das schlecht konstruierte, unentschlossene Drehbuch welches sich immer wieder Vorlagen liefert, dies es dann doch nicht verwandelt, dann doch noch ausgleichen.

Die Blu-ray des Hauses OFDb Filmworks präsentiert den Film in einer guten Bildqualität, die allerdings ihr Alter auch nicht leugnen kann. Der Ton liegt in Stereo vor, wahlweise Deutsch oder Englisch, zudem können gute deutsche Untertitel zugeschaltet werden. Bei den Extras herrscht – bis auf den Trailer – leider völlige Ebbe.

BluRay-Rezension: “Die Seven-Ups”

Von , 21. Juni 2012 19:09

Die „Seven-Ups“ sind eine geheime Spezialeinheit der New Yorker Polizei, die sich auf die ganz großen Fische konzentriert. Daher auch der Name: “Seven-Ups“ heißt, dass die Leute, die die Einheit festnimmt, mindestens für sieben Jahre in den Knast gehen. Eher zufällig werden die „Seven-Ups“ in eine Reihe von Entführungen involviert, bei denen einflussreiche Mitglieder der lokalen Mafia gekidnappt und gegen hohes Lösegeld wieder freigelassen werden. Als einer der „Seven-Ups“ sein Leben lassen muss, schlagen seine Kameraden unbarmherzig zu…

Die Seven-Ups“ gehört in die Kategorie Filme, die heute so nicht mehr gedreht werden. Schaut man sich die Polizei-Thriller der letzten Jahre an, so haben selbst Filme, die sich einen gewissen Realismus auf die Fahnen geschrieben haben – wie z.B. „Helden der Nacht“ – einen Hang zum Stylischen. Dieser geht den „Seven-Ups“ völlig ab. Die Inszenierung erinnert mehr an die geliebten US-Polizeiserien der 70er Jahre, wie „Einsatz in Manhattan“ oder „Die Straßen von San Francisco“.

Ebenso unglamourös wie das Bild kommen die Darsteller daher. Der äußerst markante Roy Scheider und auch Tony Lo Bianco wirken, wie direkt von der Straße weg engagiert. Sie agieren völlig natürlich, verfallen nie in Posen. Unter den Nebendarstellern tummeln sich viele bekannte Gesichter. So spielt Ken Kercheval, der Cliff Barnes aus „Dallas“, einen der Seven-Ups, dessen Schicksal hier schon seinen ewigen Loser aus der Erfolgsserie vorweg zu nehmen scheint. Joe Spinell, der sieben Jahre später mit der Titelrolle in „Maniac“ unsterblich werden sollte, sieht man in einer kleinen Rolle als Garagenbesitzer, und schließlich hält auch noch ein sehr junger Richard Lynch seine verbrannte Visage in die Kamera. Lynch spielte übrigens zusammen mit Tony Lo Bianco in Larry Cohens apokalyptischem Horrorklassiker „God Told Me To“ und war bis Ende der 80er ein gerne gesehener Gast in Low-Budget-Horrorproduktionen, wo er – bei seinem Gesicht kein Wunder – fast immer die Bösen spielte. Leider verstarb der charismatische Mime in der letzten Woche. Sein letzter Film wird damit Rob Zombies neustes Werk „The Lords of Salem“ sein, dass irgendwann im Laufe diesen Jahres veröffentlicht wird.

Frauen kommen in „The Seven-Ups“ so gut wie gar nicht vor. Die Seven-Ups selber scheinen keinerlei Privatleben zu führen. Nie sieht man sie außerhalb des Jobs, immer scheinen sie im Einsatz zu sein. Die „Seven-Ups“ sind eine hermetisch abgeschlossene Gemeinschaft, eine Familie mit einem eigenen Codex und Ehrbegriff. Ganz wie bei den Mafiosi, die sie bekämpfen. Wobei die Anfangssequenz nahelegt, dass es sich für sie hier weniger um einen Kampf, als vielmehr um ein Spiel handelt. Erst als einer der ihren angegriffen wird, schlagen sie skrupellos und nur ihren eigenen Regeln gehorchend zurück. Somit sind die „Seven-Ups“ als Allegorie auf die kämpfende Truppe in Vietnam zu sehen, die ja auch eine persönliches, nur der eigenen Einheit verpflichtetes, Gesetz entwickelte und Angriffe auf die Einheit unbarmherzig bestraft. Hier sei z.B. an das My-Lai-Massaker erinnert.

Andererseits agieren die Seven-Ups auch ganz ähnlich, wie es die faschistoiden Polizisten in dem zweiten Dirty-Harry-Film „Calahan“ tun. Nur dass sie, im Gegensatz zu den Vigilanten dort, in dieser Geschichte die Helden und nicht die Schurken sind. Aber im Grunde operieren sie genauso außerhalb des Gesetzes. Da wird in fremde Häuser eingebrochen und die unschuldige Ehefrau eines – nicht unsympathischen – Mobsters bedroht; Verdächtige gefoltert und die Drahtzieher nicht etwa der Justiz überantwortet, sondern der Mafia zum Fraß vorgeworfen.

Der inszenatorische Mittelpunkt des Filmes stellt eine 10minütige Auto-Verfolgungsjagd dar, die von den besten ihrer Zunft in Szene gesetzt wurde. Stuntfahrer Bill Hickman (der im Film auch eine kleine Rolle als zweiter Schurke neben Richard Lynch hat) war bereits für die legendären Autoszenen in „Bullitt“ und „French Connection“ verantwortlich. Diese Jagd hier steht eindeutig in dieser Tradition und ist den berühmteren Filmen mindestens ebenbürtig. Das ist auch kein Zufall. Philip D’Antoni , für den „Die Seven-Ups“ die einzige Regiearbeit blieb, war von Haus aus Produzent. Und als solcher auch für eben „Bullitt“ und „The French Connection“ verantwortlich. Bedenkt man, dass Roy Scheiders Charakter in „The French Connection“ und „Die Seven-Ups“ auf den Namen Buddy hört (auch wenn der Nachname unterschiedlich ist) und die Schauplätze identisch sind, kann man hier durchaus von einem Spin-Off zu William Friedkins erfolgreichem Klassiker sprechen.

Die BluRay von Koch Media hat, neben den Trailern, leider nur noch ein Extra an Bord. Dies ist aber von daher sehr interessant, dass es sich hier um zeitgenössisches Material handelt. Ein Werbefilm, in dem der Dreh der Autoverfolgungsjagd dokumentiert wird. Allein aufgrund des Zeitkolorits sehenswert. Das Bild ist für das Alter des Filmes sehr gut, wenn es auch in lichtärmeren Szenen zu einer extrem starken Körnung und Rauschen kommt. Was allerdings am Ausgangsmaterial liegen dürfte. Ich muss allerdings sagen, dass ein Film von 1973 auch gerne so aussehen darf wie von 1973. Glattpoliert und zu Tode gefiltert würde er auch eine Menge an rauem Charme und vor allem Direktheit verlieren. Da mir eine BluRay vorliegt, kann ich diesmal leider keine Screenshots machen, sondern bin auf Pressematerial angewiesen.

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