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Blu-ray Rezension: „Geheimagent Barrett greift ein“

Von , 21. September 2018 19:40

Der ehemalige Geheimagent und jetzige Privatdetektiv Lee Barrett (George Maharis) wird von seinen ehemaligen Arbeitgebern reaktiviert, um sie bei einem geheimnisvollen Fall zu unterstützen. In einem streng geheimen Labor inmitten der Wüste wurde der Sicherheitschef ermordet, und der führende Wissenschaftler Dr. Baxter ist verschwunden. Bald schon findet Barrett heraus, dass Baxter ebenfalls ermordet und ein tödliches Gas, welches die Erde innerhalb weniger Monate komplett entvölkern könnte, gestohlen wurde. Bald schon geht der erste Warnung ein. Der geheimnisvolle Dieb des todbringenden Gases droht, dieses einzusetzen, falls das Geheimlabor nicht zerstört werden würde. Bei einer Machtdemonstration des Unbekannten, gibt es in Florida kurz darauf die ersten Toten…

Dass „Geheimagent Barrett greift ein“ in der Reihe „Phantastische Klassiker“ erscheint, ist etwas irreführend. Denn obwohl der Film mit seinem Killergas, das es schaffen würde, den gesamten Planeten zu entvölkern, ein Sci-Fi-Element besitzt, ist er im Grunde doch „nur“ eine klassische Agentengeschichte ala James Bond. Wie immer muss der unser Held versuchen, einen Superschurken davon abzuhalten, die Weltherrschaft zu übernehmen. Wobei es in diesem im Falle eine ziemlich leere und einsame Welt wäre. Von daher ist es durchaus verständlich, dass der deutsche Verleih damals, auf dem Höhepunkt der Bonditis, den Originaltitel „Der Satanskäfer“ durch ein dynamisches „Geheimagent Barrett greift ein“ ersetzte. Wobei genannter Barrett kein klassischer Geheimagent, sondern eher ein Freelancer ist, der schon lange nicht mehr für die Regierung arbeitet, da er dort durch fortwährende Insubordination auffällig wurde. Nichtsdestotrotz werden sein Rat und Mithilfe von seinen ehemaligen Vorgesetzten nun dringend benötigt. Besonders rebellisch verhält sich unser Held im Folgenden allerdings nicht, sondern macht einen eher braven Eindruck.

Dieser brave Eindruck mag auch an Hauptdarsteller George Maharis liegen. Ein hierzulande eher unbekanntes Gesicht, welches außer gutem Aussehen (er war 1973 Nacktmodell im „Playgirl“) leider nicht besonders viel Charisma mitbringt und es trotz des behaupteten Hanges, immer wieder seinen eigenen Kopf durchzusetzen zu müssen, an Ecken und Kanten vermissen lässt. Die anderen Schauspieler wie Richard Baseheart, Dana Andrews und Anne Francis (die beiden letzteren unsterblich durch ihre Erwähnung im Kult-Song „Science Fiction/Double Feature“) verhalten sich ganz so, wie ihre Figuren: Die agieren sehr professionell und präzise. Allerdings hat man bei keinem das Gefühl, er würde weitaus mehr als als eben nur seinen Job machen. Diese Professionalität färbt positiv auf die handelnden Figuren ab. Denn auch dies verrichten schnörkellos und ohne viel Aufhebens ihren Job, was der Handlung ein gewisses Tempo und angenehm gradlinige Dynamik gibt. Sie hat aber auch zur Folge, dass niemand wirklich nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Professionell und schnörkellos ist auch John Sturges Regie. Man merkt zwar – was auch in dem sehr informativen Booklet näher ausgeführt wird – dass Sturges nicht wirklich bei der Sache war, und sein Interesse schon bei seinem nächsten Projekt lag. Aber Sturges ist nun einmal ein talentierter Profi, der auch mit halber Kraft einen anständigen Film hinbekommt. Viele kleine Mängel lassen sich sicherlich auch auf das niedrige Budget schieben. So wirkt der Film an vielen Stellen so, als ob weitaus größere, aufwändigere Szenen geplant worden seien, dafür dann aber kein Geld zur Verfügung stand. So musste man scheinbar vor Ort „kleine Lösungen“ improvisieren. So fällt gleich zu Beginn auf, dass davon gesprochen wird, wie übel die Leichen zugerichtet sind. Diese werden aber nie gezeigt oder auch nur visuell angedeutet. Tatsächlich sieht man bis weit nach der Hälfte des Filmes keinerlei Tote, sondern nur die Reaktion derjenigen, die die Toten entdecken. Das kann natürlich als narratives Element genutzt werden, um den Horror in den Köpfen der Zuschauer zu formen – wirkt hier aber tatsächlich allein den Umständen geschuldet. Auch dass ständig von einer globalen Bedrohung geredet wird, der Film aber fast ausschließlich in einem überschaubaren Wüstenabschnitt spielt, erweckt mehr den Eindruck eines Kammerspiels und weniger einer Großproduktion, wie es noch Sturges vorangegangenen Erfolge „Gesprengte Ketten“ oder „Die glorreichen Sieben“ waren. Wenn die tödlichen Konsequenzen eines ersten Einsatzes des Killergases gezeigt werden, so sind dies auch nur aus weiter Distanz aufgenommene kleine, schwarz-weiße Fernsehbilder, die ebenso gut einen Stau zeigen könnten.

Trotz all dieser kleinen Mängel und einer etwas übertriebenen Länge von 114 Minuten kommt bei „Geheimagent Barrett greift ein“ nicht groß Langeweile auf. Was an der routinierten, gradlinigen Regie durch Action-Spezialist John Sturges liegt, die sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhält. Auch sorgt die Musik des jungen Jerry Goldsmith für die richtige Stimmung. Und in der Szene, in der Barrett in das Labor geht und einen Hamster dabei hat,um zu prüfen, ob der Raum noch kontaminiert ist oder nicht, ist von Sturges unglaublich spannend inszeniert worden. Der Rest des Filmes ist angenehm gemütlich und lässt Erinnerungen an die guten alten Zeiten hochkommen, als Filme wie „Geheimagent Barrett greift ein“ noch regelmäßig Samstags um 22:20 Uhr in der ARD liefen.

Die Bildqualität der Anolis-Bluray verdient die Höchstnote. Kristallklar und messerscharf. Besser geht es meiner Meinung nach nicht. Auch der Ton ist sowohl in der deutschen, wie auch in der englischen Originalfassung vollkommen klar. Ob man jetzt die Originalfassung oder die gelungene deutsche Kinosynchro bevorzugt, bleibt jedem selbst überlassen. Wobei angemerkt werden muss, dass George Maharis in der deutschen Fassung von Gert Günther Hoffmann gesprochen wird, der Figur also ein gehöriges Bond-Flair mitgegeben wird, welches in der Originalfassung in dieser Form fehlt. Nachdem ich bei den letzten Anolis-Veröffentlichungen das Booklet kritisiert habe, freue ich mich diesmal über einen sehr informativen Text, der von Mike Siegel stammt. Davon gerne mehr. Ferner sind als Bonus enthalten: Ein Audiokommentar von Prof. Dr. Stiglegger, Trailer, Radiospots, Werberatschläge und eine Bildgalerie. Auf der beigelegten DVD findet man eine „Grindhouse-Fassung“ des Filmes. D.h. eine unbearbeitete Variante des Hauptfilms inklusive zeitgenössischer Trailer und Kinowerbung (!). Eine sehr schöne Idee, die ich gerne öfter sehen würde.

DVD-Rezension: „Das schwarze Buch“

Von , 20. Dezember 2013 19:59

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Zur Zeit der französischen Revolution. Maximilian Robespierre (Richard Basehart) hat ein Schreckensregime errichtet. Zur Stärkung seiner Position lässt er den berüchtigten „Schlächter von Strassburg“, Duvall, nach Paris beordern. Dieser wird allerdings von dem Patrioten Charles D’Aubigny (Robert Cummings)umgebracht. D’Aubigny schlüpft in die Rolle Duvalls, um Robespierres Pläne auszuspionieren. Da weder Robespierre, noch sein Gehilfe Fouché (Arnold Moss)Duvall je zu Gesicht bekommen haben, geht der Plan auf. Robespierre gibt dem falschen Duvall eine Vollmacht und den Auftrag, koste es, was es wolle, sein geheimes „schwarzes Buch“ wieder zu finden, welches ihm von Unbekannten gestohlen wurde. In diesem Buch befinden sich die Namen aller, die Robespierre des Verrats verdächtig. Fiele dieses Buch in falsche Hände, könnte es zu einem Aufstand gegen Robespierre kommen. Mit der Hilfe seiner ehemaligen Geleibten Madelon (Arlene Dahl), macht sich D’Aubigny auf die Suche.

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Die, im übrigen sehr empfehlenswerte, Reihe „Film noir Collection“ aus dem Hause Koch Media, fasst den Begriff „Film noir“ gerne einmal etwas weiter. So fand sich in dieser Serie bereits Fritz Langs Krimi-Komödie „You and Me“ von 1938 wieder. Mit dieser teilt sich der mittlerweile 13. Beitrag der „Film noir Collection“ dann auch den Hauptdarsteller: Robert Cummings. Das Sujet des Filmes lässt allerdings zunächst einmal überhaupt nicht an einen „Film noir“ denken. „Das schwarze Buch“ (der in den USA sowohl als „The Black Book“, als auch unter dem Namen „Reign of Terror“ lief, während der deutsche Titel „Guillotine“ oder „Der Dämon von Paris“ lautete) ist ein lupenreiner Kostümfilm und spielt während der französischen Revolution. Trotzdem ist es legitim, „Das schwarze Buch“ in die „Film noir“-Serie einzureihen. Nicht nur behandelt Regisseur Anthony Mann die verbrecherischen Revolutionäre wie Gangsterbosse, auch seine Hauptfigur könnte ohne Probleme ein Undercover-Cop im Großstadt-Dschungel der 40er sein. Optisch orientiert sich der Film ebenfalls stark am deutschen Expressionismus der 20er Jahre, der die Grundlage für die Ästhetik des Film noir lieferte. Das Schwarz der Nacht und die Finsternis in den Häusern und Verliesen, scheinen ständig die handelnden Personen zu bedrängen und erinnern an die allgegenwärtige Gefahr, dass sich der Feind langsam aus den Schatten schälen könnte, oder im Dunklen verborgene Pläne geschmiedet werden, um die Handelnden ins Unglück zu stürzen. Das Paris des Filmes ist kein fröhliches, sondern ein ein finsterer Ort, an dem Furcht und Schrecken regieren. Ein Ort, an dem es keine Hoffnung gibt. Und wenn das Böse am Ende durch das Fallbeil hingerichtet wird, scheint auch nicht wieder die Sonne, sondern das Dunkel bleibt und in ihm erhebt schon der nächste Tyrann sein Haupt.

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Selbstverständlich hilft das Spiel mit den Schatten den Filmemachern auch, das niedrige Budget zu kaschieren. Gedreht wurde in den übriggebliebenen Kulissen des epischen „Jean D’Arc“-Films von Victor Fleming mit Ingrid Bergman. Einem Kassenflop, an dem auch „Das schwarze Buch“-Produzent Walter Wanger beteiligt war. Somit liegt der Verdacht nahe, dass „Das schwarze Buch“ vor allen Dingen produziert wurde, um noch schnell die teuren Kulissen zu nutzen. Was Regisseur Anthony Mann und Kameramann John Alton, zusammen mit den Drehbuchautoren Philip Yordan und Aeneas MacKenzie, daraus gemacht haben, ist allerdings ein kleines Meisterwerk. Einen großen Anteil daran hat sicherlich auch das große Mastermind William Cameron Menzies, der hier zwar offiziell nur als Produzent aufgeführt wird, inoffiziell aber auch bei der Art direction die Finger mit im Spiel gehabt haben soll. Menzies war als genialer Ausstatter z.B. bei der 1940er Version von „Der Dieb von Bagdad„, berühmt geworden. Und er kreierte den Look von „Vom Winde verweht„, wo er nicht nur als Produktionsdesigner und Storyboard-Autor tätig war, sondern auch die berühmte „Brand von Atlanta“-Szene inszenierte. Er setzte für Hitchcock die von Dali entworfene Traumsequenz in „Ich kämpfe um dich“ um und war selber als Regisseur bei den beiden stylischen SF-Filmen „Things to come“ und „Invasion vom Mars“ tätig. Kameramann John Alton (eigentlich Johann Altmann und ungarisch-österreichischer Herkunft) dreht einige der einflussreichsten „Noirs“ und prägte den Stil des Genres. Gemeinsam mit Anthony Mann hatte er bereits bei dem ebenfalls optisch und atmosphärisch beeindruckenden „Schritte in der Nacht“ (Rezension hier) zusammengearbeitet. Diese Kollaboration großer Talente machte aus „Das schwarze Buch“ einen der bestaussehenden „Noirs“ der 40er Jahre. Jede Einstellung möchte man sich am Liebsten einrahmen und über das Bett hängen. Die Licht- und Schattenspiele, verkanteten Perspektiven, die kleinen, symbolhaften Details im Hintergrund und ausdrucksstarken, verschwitzen Gesichter im Vordergrund vereinen das Beste miteinander, was Expressionismus und Film noir zu bieten haben.

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Unterstützt werden die intensiven Bilder von einer spannenden und überraschend gut recherchierten Geschichte. So sind die Ereignisse, die zu Robespierres Enthauptung führten, relativ akkurat, wenn auch natürlich in das Korsett der Geschichte geschnürt. Auffällig ist die Brutalität, die gezeigt wird. Von Folteropfern, über blutige Kopfschüsse bis hin zum Zerschmettern des Kiefers Robespierres zeigt der Film weitaus mehr, als man es von einem Post-Hayes-Code-Film erwarten würde. Interessant auch die Ambivalenz des Filmes, der zur Hochphase der McCarthy’schen Hexenjagd auf Kommunisten entstand. So kann man die Geschichte über die Todesliste im schwarzen Buch Robespierres durchaus als kritischen Kommentar auf den berüchtigten Senator McCarthy oder das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ sehen. Andererseits bietet es sich aber auch an, den Film als Warnung vor totalitären Systemen, wie eben dem stalinistischen Regime in der kommunistischen Sowjetunion und dem Kommunismus an sich – die Revolutionäre sind ja „Bürgerliche“, die eine Herrschaft des Volkes errichten wollen – zu verstehen. Neben dieser politischen Analogie, glänzt der Film aber auch mit zwei großen Suspense-Szenen, die direkt aus einem Hitchcock-Film stammen könnten. Einmal, wenn D’Aubigny und Madelon aus dem Gefängnis flüchten und am Gefängnistor von einem tatterigen Greis aufgehalten werden. Während dieser in seinem gewaltigen Bund nicht den richtigen Schlüssel für das Tor findet, wartet direkt vor dem Tor eine ältere Frau, die mit nur einem Wort die Tarnung der Beiden auffliegen lassen könnte. Diese Szene ist genussvoll und nervenzerfetzend in die Länge gezogen, gänzlich ohne Musikbegleitung, nur mit den Geräuschen des Schlüsselbundes unterlegt. In der zweiten Szene legt sich der böse Saint Just in einer Hütte zur Ruhe, ohne zu wissen, dass unter seinem Kissen das von ihm gesuchte schwarze Buch versteckt ist. Die Versuche der Helden, an dieses zu gelangen, sind ebenfalls absolut eines Hitchcocks würdig.

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Bei der Besetzung finden sich keine große Namen. Der bekannteste dürfte Richard Basehart sein, der bereits in Manns „Schritte in der Nacht“ (ebenfalls bei Koch erschienen) den überlegenen Schurken spielt. Hier wirkt er als Maximilian „Don’t call me Max“ Robespierre zwar etwas steif, was allerdings hervorragend zur Rolle passt und nicht weiter ins Gewicht fällt, da Basehart eine unbedingte Autorität ausstrahlt, die eines Robespierre angemessen ist. Robert Cummings hat bereits zweimal bei Hitchcock gespielt, der mit seinem „leading man“ allerdings nicht ganz zufrieden war. Er fand, Cummings habe ein „komisches Gesicht“. Sein Charles D’Aubigny ist kein überragender Charakter und bleibt, wie die meisten Helden, gegenüber den charismatischeren Schurken blass. Trotzdem erledigt Cummings seine Aufgabe routiniert und durchaus überzeugend. Vor allem wird dem Zuschauer Arnold Moss in Erinnerung bleiben, der den durchtriebenen, schlangenhaften und doch irgendwo sympathischen Fouché spielt. Eine Rolle, die an Claude Reins Captain Renault in „Casablanca“ erinnert. Moss ist das dunkle Herz des Filmes, und man ist regelrecht enttäuscht, wenn er scheinbar aus der Handlung verschwindet. So fällt seine nicht gerade logische Wiederauferstehung dann auch gar nicht negativ auf. Während Fochés Abwesenheit zaubern die Drehbuchautoren mit dem teuflischen Saint Just einen neuen Schurken aus dem Hut. Jess Barker steht das diabolisch-verschlagene nicht so sehr ins Gesicht geschrieben wie Arnold Moss, doch er füllt die Rolle des Saint Just mit genug unterschwelliger Boshaftigkeit und Sadismus aus, so dass er einen überzeugenden und Angst einflößenden Bösewicht abgibt. Die schöne Arlene Dale verkörpert eine starke Heldin, die erfreulicherweise die Fäden selbst in der Hand behält und dem Helden auch mal aus der Patsche hilft und nicht andersherum.

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Normalerweise halte ich mich mit einer solchen Superlative zurück, aber in diesem Falle mache ich gerne eine Ausnahme und nenne „Das schwarze Buch“ ein Meisterwerk des „Film noir“. Optisch höchst beeindruckend, mit Bildern für die Ewigkeit. Gleichzeit spannend und vielschichtig erzählt, sowie, insbesondere auf der Seite der Bösen, mit eindrucksvollen Charakteren besetzt. Empfehlung.

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Die, wie üblich in einem buchähnlichen Cover, bei Koch Media erschienene DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild und Ton aus. Zwar weist das Bild hier und dort kleine Schäden und Laufstreifen auf, doch insgesamt ist es sehr scharf und klar. Als Extras findet man nur einen Trailer zum Film und eine Bildgalerie. Entschädigt wird man aber durch ein ausgezeichnet geschriebenes und hoch informatives Booklet von Thomas Willmanns.

DVD-Rezension: „Schritte in der Nacht“

Von , 11. August 2013 11:22

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In Los Angeles wird ein Polizist tödlich verwundet, als er einen mutmaßlichen Einbrecher (Richard Basehart) zur Rede stellen will. Zwar macht die Polizei mit hohem Druck Jagd auf den Mörder, doch dieser scheint vom Erdboden verschluckt. Erst durch einen Zufall kommen die beiden Polizisten Marty Brennan (Scott Brady) und Chuck Jones (James Cardwell) einem Mann auf die Spur, der sich „Roy Martin“ nennt. Bei einem Versuch, ihm eine Falle zu stellen, wird Jones zum Krüppel geschossen. Wieder verschwindet „Roy Martin“. Doch Brennan gibt nicht auf und kommt nach zäher Recherche einem Roy Morgan auf die Spur, der der Gesuchte sein könnte…

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Schritte in der Nacht“ ist einer jener Noir-Thriller, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. Naturgemäß liegt bei diesen Filmen der Schwerpunkt mehr auf der Polizeiarbeit, als auf der Psychologie des Verbrechers. So auch hier, wobei der Film förmlich in zwei Teile zerfällt. Zunächst einmal in die Beschreibung der langwierigen Arbeit der Polizei, die versucht ihr Netz um den Mörder zu spannen. Dieser Teil ist recht nüchtern und einem Blick auf eine möglichst realistische Darstellung inszeniert. Und dann ist da der Teil, der den Täter zeigt und in denen der Film in wunderbar stimmungsvollen, expressionistischen Einstellungen schwelgt. Und während der Polizeiteil reich an Dialogen ist, werden die Szenen um den Killer ohne großes Gerede abgehandelt. Wenn hier geredet wird, was selten der Fall ist, dann nur das aller nötigste. Wenn sich dann beide Eben treffen gibt es fast gar keine Dialoge mehr. Ja, fast auch keinen Ton, was die eine ausgesprochen bedrückende Stimmung hervorruft. Die Polizei umkreist das Haus des Killers. Kommuniziert wird nur noch über Handzeichen, man hört keine Schritte, sondern sieht nur Schemen durch die Dunkelheit huschen, während drinnen Morgans Wohnung durch die Schatten der Jalousien in ein Gefängnis verwandelt. Das ist großes Spannungskino und ein Höhepunkt innerhalb des Film Noir.

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Der von Richard Basehart gespielte Killer agiert häufig nur im Schatten, aus dem er plötzlich auftaucht und in dem er ebenso schnell wieder verschwindet. Im Vergleich zu den eher steif daherkommenden, und somit langweiligen, Polizisten, ist es eine Freude, dem cleveren und seinen Verfolgern immer zwei Schritte vorauseilenden Mörder zuzuschauen. Die Kamera kommt ihm sehr nah, fängt jeden Schweißtropfen ein, während die Polizisten immer nur distanziert und in der in der Halbtotalen gezeigt wird. Basehart gibt den Roy Morgan mit vollem Körpereinsatz und schafft es, dass der Zuschauer ihm, den skrupellosen Schurken, sowohl fürchtet, als auch fasziniert von ihm ist. Interessanterweise füllt diese Figur die Leinwand gänzlich aus, ohne dass sie wirklich erklärt wird. Roy Morgan bleibt so anonym, wie die Polizisten, die ihn jagen. Man erfährt kaum etwas über seine Motivation oder seine Hintergrundgeschichte. Doch dies lässt Morgan nur noch gefährlicher und überlegender erscheinen.

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Offiziell zeichnet Alfred L. Werker für die Regie verantwortlich, inoffiziell hat aber wohl Western-Experte Anthony Mann mindestens die Hälfte des Filmes inszeniert. Vermutlich hat er die dynamischen Actionszenen und vor allem die aufregende, finale Verfolgungsjagd in der Kanalisation in Szene gesetzt.

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Eine kleine Rolle als Forensiker spielt Joe Webb, der bei den Dreharbeiten den Polizisten Marty Wynn, der hier als technischer Berater fungiert, traf. Zusammen entwickelten sie die Idee einer Serie, die – wie „Schritte in der Nacht“ – die Polizeiarbeit möglichst realistisch nachzeichnen. Daraus entstand zunächst eine Radiosendung, kurz danach eine der erfolgreichsten US-TV-Serien aller Zeiten: „Dragnet“. Diese lief von 1951 bis 1959, sowie von 1967 bis 1970, und gehört in den USA zum allgemeinen Kulturgut. An „Schritte in der Nacht“ erinnert dort sowohl die Texttafel, die anfangs erklärt, dass es sich um echte Fälle handeln würde, bei denen die Namen der Beteiligten geändert wurden, um die Unschuldigen zu schützen, als auch der generelle Ton. Auch nach Deutschland kam „Dragnet“, allerdings in anderer Gestalt. Hier wurde das Konzept der Serie eingedeutscht und unter dem Namen „Stahlnetz“ zum Straßenfeger. Neben der Idee, reale Kriminalfälle zu zeigen und den Hauptaugenmerk auf die Polizeiarbeit zu richten, wurde auch noch die berühmte Titelmelodie übernommen.

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Die Koch Media DVD lässt kaum Wünsche offen. Das Schwarz-Weiß Bild ist ausgezeichnet und der Monoton rauschfrei. Lediglich bei den Extras findet man nichts weiter als eine kleine Bildgalerie und den Trailer.

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