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„Blutiger Zahltag“ ist noch einmal bei filmArt erschienen

Von , 7. April 2018 11:05

In filmArts Giallo-Edition ist ein als neuster Titel „Blutiger Zahltag“ erschienen. Allerdings nicht als Teil der Reihe, sondern ohne Nummerierung als Stand-Alone. Wo man die Nummer 8 erwartet hätte, prangt lediglich das Produktionsjahr 1977. Aus gutem Grunde, denn hierbei handelt es sich um eine Neuverpackung der alten Koch-Media-DVD. Diese war bisher nur in der „Koch-Media-Giallo-Collection Teil 2“ zusammen mit „The Child – Eine Stadt wird zum Albtraum“ und „In the Fold of the Flesh“ enthalten. Schon damals gab es Kritik, da „Blutiger Zahltag“ bereits in Deutschland erhältlich war. Allerdings nur in gekürzter Form, lediglich mit deutschem Ton und im falschen Bildformat. Ebenso zeigten sich jetzt wieder einige potentielle Käufer enttäuscht, dass der aktuelle Giallo von filmArt keine neue Veröffentlichung, sondern ein alter Bekannter sei. Zudem wieder nur auf DVD und nicht als Bluray-Update. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich und klug, dass filmArt den Titel außerhalb der Reihe laufen lässt und sich vor allem an diejenigen wendet, die aus welchem Grund auch immer, nicht zur „Koch-Media-Giallo-Collection Teil 2“ greifen wollten oder noch wollen. Da sich inhaltlich an der Veröffentlichung nichts geändert hat (einziger Unterschied ist ein wirklich voluminöses, 24-seitiges „tenebrarum“-Booklet von Martin Beine), verweise ich hier auf meine Review der Koch-Media-DVD.

Blu-ray Rezension: “Der Mann mit den Röntgenaugen“

Von , 4. November 2015 21:31

mannaugenDr. Xavier (Ray Milland) hat ein Serum entwickelt, mit dessen Hilfe die Sehkraft des menschlichen Auges gesteigert wird. Beaufsichtigt von seinem Freund Dr. Brant (Harold J. Stone) testet er das Mittel im Selbstversuch. Dieser ist ein voller Erfolg. Schon bald kann Xavier sogar durch Gegenstände hindurchsehen. Als Xavier immer exzessiver das Serum nutzt, versucht Brant ihn von weiteren Versuchen abzuhalten. Bei einem Streit, stößt Xavier seinen Freund versehentlich durch ein Fenster in den Tod. Xavier flüchtet und versteckt sich als Wahrsager Dr. Mentalo auf einem Jahrmarkt…

Regisseur Roger Corman hält „Der Mann mit den Röntgenaugen“ für seinen besten Film. Eine Haltung, die man durchaus diskutieren kann, schließlich ist der Mann auch für „Satanas – Schloss der blutigen Bestie“ verantwortlich. Unstrittig dürfte aber sein, dass „Der Mann mit den Röntgenaugen“ zu den allerbesten Film des King of the Bs zählt. Wofür, neben einem starken Drehbuch und innovativen Kameraeffekten, vor allem Hauptdarsteller Ray Milland verantwortlich ist. Milland ist einer der großen, aber heutzutage leider immer etwas unterschätzten Hollywood-Stars. Wer sich an „Der unheimliche Gast“ oder seine Glanzleistung in Billy Wilders „Das verlorene Wochenende“ erinnert, kann kaum verstehen, weshalb dieser Mann, der sowohl eleganten Esprit, als auch tiefste Verzweiflung gleich überzeugend auszudrücken vermochte, es nie ganz in den heute gültigen Hollywood-Pantheon geschafft hat. Und das, obwohl er nach „Verlorenes Wochenende“ zu den bestbezahltesten Schauspielern Hollywoods gehörte. Vielleicht war es sein normales Aussehen – welches allerdings, wie in „Bei Anruf Mord“, durchaus auch dämonisch daherkommen konnte. Vielleicht aber auch die Tatsache, dass er sich in den 50er Jahren zunehmend auf die Arbeit hinter der Kamera konzentrierte. Anfang der 60er adelte er das Reich der B-Filme mit seinen beeindruckenden Auftritten in drei Roger-Corman-Produktionen. Neben der Poe-Verfilmung „Lebendig begraben“, waren dies der hier besprochene Film und „Panik im Jahre Null“, welchen er auch selber inszenierte. In den 70ern wurde zu einem Relikt aus einer anderen Zeit, mit dessen Namen sich viele preisgünstige Produktionen gerne schmückten. Aber auch in größeren Produktionen trat er hin und wieder in kleinen Nebenrollen auf. Heute sind es neben „Bei Anruf Mord“ und dem grandiosen „Verlorenen Wochenende“ gerade die Corman-Produktionen, an die man sich bei seinem Namen erinnert.

In „Der Mann mit den Röntgenaugen“ zeigt Ray Milland noch einmal die ganz Palette seines Könnens. Sein Dr. Xavier ist ein Getriebener seines Forschungsdrangs. Den von ihm versehentlich herbeigeführten Tod seines besten Freundes, quittiert er mit einem Blick, der sagt „Schade, ist aber so“. Gleichzeit kann Milland aber auch glaubwürdig die spitzbübische Freude zeigen, wenn er die netten Nebeneffekte seiner Erfindung entdeckt – ebenso wie die tiefe Verzweiflung und Lebensmüdigkeit, wenn er sich aus der Umklammerung seiner Fähigkeiten nicht mehr lösen kann. Mit Milland kann man also ebenso sehr Mitleid haben, wie man seine wissenschaftliche Kaltschnäuzigkeit, die an Herzlosigkeit grenzt, verabscheuen kann. Doch ein Bösewicht im klassischen Sinne ist Xavier nicht. Tatsächlich will Xavier Gutes für die Menschheit tun, und dabei gleichzeitig zu beweisen, was für ein brillanter Kopf er doch ist. Xavier ist nicht wirklich gut, nicht wirklich böse. Das verleiht diesem Charakter seine Tiefe. Milland erkennt dies und macht Xavier zu einer der interessantesten Gestalten des klassischen Science-Fiction-Films.

Am Ende ist es Xaviers Stolz und seine Gier nach Anerkennung, die sei Schicksal besiegelt. Niemand hat ihn gezwungen, das Mittel an sich selbst auszuprobieren. Den unglücklichen Tod seines besten Freundes hätte er verhindern können, wenn er nicht so starrsinnig gewesen wäre. Und wenn seine Tarnung am Ende auffliegt, so liegt es auch wieder nur daran, dass er sich nicht zurückhalten konnte und anfing mit seinen außerordentlichen Fähigkeiten zu prahlen. Der Film erzählt also die klassische Geschichte eines begnadeten Mannes, der das Gute will und am Ende über die eigene Eitelkeit stolpert. Roger Corman erzählt Xaviers Tragödie in drei Akten. Im ersten Akt lernen wir Xavier als (über)ambitionierten, enthusiastischen Wissenschaftler kennen, der sich über die Konsequenzen seines Tuns nicht im Klaren ist. Xavier ist selbstsicher und arrogant. Im zweiten Akt lernen wir einen ganz anderen Xavier kennen. Die vorangehenden Ereignisse haben ihn zu einem verbitterten, zynischen Menschen gemacht. Abgestiegen zu einen billigen Jahrmarktsattraktion, die sich ohne großen Widerstand einem kleinen Gauner manipulieren lässt. Im dritten Akt dann das letzte Aufbäumen. Xavier sieht seine Chance gekommen, dem Dreck und Elend den Rücken zu kehren, und wieder in der besseren Gesellschaft anzukommen. Sich ein Stück Normalität in seiner anormalen Situation zu erkämpfen. Sein Anker ist die junge Frau, die sich in ihn verliebt hat. Doch wieder sind es seine Gier nach Bewunderung, die zur endgültigen, persönlichen Katastrophe führen.

Neben Millands brillanter Darstellung tragen noch weitere Faktor dazu bei, aus „Der Mann mit den Röntgenaugen“ einen Klassiker seines Genres zu machen. Wie die wunderbare, sich auf unheimliche Weise in die Gehörwindungen schleichende Musik von Lex Baxter. Auch die Titelsequenz, in der minutenlang ein blutiger Augapfel zu sehen ist, dürfe dem Publikum damals schlaflose Nächte bereitet haben. Möglicherweise liegt hier auch der Grund darin zu sehen, warum der Film zu seiner Entstehungszeit keinen deutschen Verleih fand. Trotz Ray Milland und den Erfolgen von Cormans Poe-Filmen. Oder war Film den Verleihern hierzulande zu ernst, zu düster? Ein ähnliches Schicksal erfuhr ja auch Hammers Juwel „Sie sind verdammt“, welches ich hier erst kürzlich vorstellte. Im Falle von „Der Mann mit den Röntgenaugen“ mussten die deutschen Zuschauer sogar bis 1979 warten, bis der Film in der ARD seine Deutschland-Premiere erlebte.

Um so schöner, dass der Film hier nun als Blu-ray erschienen ist. Nachdem er bereits in Anolis Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“ als DVD erschienen ist, liefert Anolis nun die HD-Variante nach. Und das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Die Farben sind kräftig, das Schwarz wirklich tiefschwarz und insbesondere die Titelsequenz wird fast schon plastisch. Manchmal ist das Bild fast schon zu klar, wodurch einige Effektszenen plötzlich sehr deutlich als sehr simple Kameratricks zu entlarven sind. Doch dies tut der Freude keinen Abbruch. Schade ist es allerdings, dass die wunderbaren und vielzähligen Extras der DVD-Fassung nicht mit auf die Blu-ray gepackt wurden. Vermutlich um die Exklusivität der „Rückkehr der Galerie des Grauens“ zu wahren und die Käufer der nicht gerade preisgünstigen DVD nicht zu verärgern. So befinden sich auf der Blu-ray unter „Extras“ dann auch nur zwei Trailer und eine Bildgalerie. Der Mono-Ton liegt in klar verständlichem Englisch und in einer guten TV-Synchronisation mit bekannten Sprechern vor.

DVD-Rezension: “Ministerium der Angst”

Von , 13. Dezember 2014 21:03

Ministerium der AngstIm zweiten Weltkrieg: Während der deutschen Luftangriffe auf London, wird Stephen Neale (Ray Milland) nach 10 Jahren aus einer geschlossenen Anstalt entlassen. Sein Weg in der neugewonnen Freiheit führt ihn zu einem kleinen Jahrmarkt, auf dem ein Wohltätigkeitsbasar der „Mothers of Free Nations“ abgehalten wird. Hier gewinnt Neale unter mysteriösen Umständen eine Torte, die ihm nach dem Auftauchen einen geheimnisvollen Mannes (Dan Duryea) wieder abgenommen werden soll. Neale weigert sich jedoch, die Torte wieder herauszugeben und macht sich mit dem Zug auf den Weg nach London. Auf dem Weg dahin wird er – als der Zug aufgrund eines Fliegerangriffs stehen bleiben muss – von einem angeblichen Blinden niedergeschlagen, welcher ihm die Torte stiehlt. Neale verfolgt den Dieb, welcher auf ihn schließt, bevor er von einer deutschen Fliegerbombe getroffen wird. In London angekommen versucht Neale auf eigene Faust herauszufinden, was hinter den seltsamen Vorgängen steckt…

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Hört man hierzulande den Namen Fritz Lang, so denkt man sofort an „Metropolis“, vielleicht noch seine beiden „Dr. Mabuse“-Filme aus den 20ern bzw. 30ern (weniger an seine letzte Regiearbeit aus den 60ern), und natürlich „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Manchen fallen vielleicht noch „Die Nibelungen“ ein. Generell wird Lang zumeist auf diese Großproduktionen der Weimarer Republik reduziert. Und auch bei seiner Rückkehr in die Heimat 1957 durfte er gleich wieder zwei exotische Großfilme inszenieren: „Der Tiger von Eschnapur“ und „Das Indische Grabmahl“, ein Projekt, an dem er schon in den 20er Jahren interessiert war, welches dann aber von Joe May übernommen wurde. Eher wenig ist von seiner Schaffensphase zwischen Flucht und Rückkehr bekannt, als er in den USA zumeist bei kleinere Produktionen Regie führte, die allerdings zu seinen interessantesten Werken gehören. Vor allem im Film Noir schuf Lang Überdurchschnittliches und es ist sehr schade, dass diese Phase in Langs Karriere in der allgemeinen Wahrnehmung seiner Person bisher recht wenig Beachtung fand. Zumindest in Deutschland, wo er – siehe oben – noch immer hauptsächlich mit seinen deutschen Werken und hier eben „Metropolis“ identifiziert wird.

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In Frankreich hingegen liebte man Lang auch für solche Filme, wie „Ministerium der Angst“. Kleine B-Thriller, in denen er – wie sein Kollegen Robert Sidomak – den deutschen Expressionismus und eine pessimistische Weltsicht in die Welt des amerikanischen Thrillers transportierte und damit dieses Genre entscheidend prägten. Den langen Schatten des Expressionismus findet man in „Ministerium der Angst“ in den harten Schatten, dem Kontrast von Hell und Dunkel, der geometrischen Anordnung der Räume, den künstlichen Kulissen und dem schmalen Grad zwischen Wahn und Wirklichkeit. Der Held der Geschichte wird in ein Abenteuer geworfen, welches anscheint direkt einem verwirrten Geist entsprungen ist. Zu Beginn ist dem Zuschauer nicht klar, ob das, was er sieht, einer gestörten Wahrnehmung der Hauptfigur geschuldet und real ist. Am Anfang wird Stephen Neale aus einer Irrenanstalt entlassen. Warum er dort war, bleibt zunächst im Dunkeln. Somit besteht durchaus die Möglichkeit, dass der als geheilt Entlassene, sich in eine wilde Welt aus Spionen, Verschwörungen und Morden hinein träumt. Tatsächlich sprechen viele Indizien dafür. Der merkwürdig künstliche Jahrmarkt, auf dem die Besucher wie Statisten wirken, die nur den Zweck haben den Jahrmarkt zu füllen. Alle Besucher scheinen nur auf Stephen Neale gewartet haben, um ihm eine vordergründige Wirklichkeit vorzugaukeln, die aber nur wie eine Theaterbühne wirkt. Die bewusst künstlichen Studio-Kulissen, die Lang verwendet, unterstreichen diesen Eindruck noch.

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Ebenso verhält es sich mit dem Blinden, der sich scheinbar im Dampf der Lokomotive materialisiert und dann langsam als Sehender entpuppt, nur um sich später in einer ebenfalls irrealen Situation wieder durch einen Bombeneinschlag wieder zu dematerialisieren. Später sucht Neal die geheimnisvolle Mrs. Bellane, welche sich plötzlich als eine ganz andere Person entpuppt, jedoch behauptet mit der von ihm Gesuchten identisch zu sein. Sie zieht ihn spontan in einen vollbesetzten Raum, in welchen augenblicklich eine unheimliche Séance stattfindet. Diese entpuppt sich dann zwar später als aufwändige Falle, doch zu diesem Zeitpunkt könnte es durchaus auch nur eine paranoide Fantasie in einer unzuverlässig erzählten Geschichte sein, die lediglich die Geisteswelt des paranoiden Protagonisten ist. Verursacht durch sein schlechtes Gewissen. Denn ohne große Not, schreit er hier heraus, dass er am Tod seiner Frau schuld sei. Leider gibt der Film kurz darauf seine Ambivalenz auf. Er erklärt Dinge und verortet sie in einer fiktiven Wirklichkeit. Obwohl Lang später immer wieder zu traumartigen Bildern zurückkehrt – wie bei der überdimensionalen Schwere eines sinisteren Schneiders – wird dem Publikum klar gemacht, dass Stephen Neale sein Abenteuer tatsächlich erlebt und es keine Hirngespinste sind, die ihn bedrohen.

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So wandelt sich der Film nach einem Drittel von einer ambivalenten Albtraum-Situation in einen lupenreinen Paranoia-Thriller. Dabei verharrt Lang jedoch in der von ihm anfangs geschaffenen künstlichen Welt mit ihren stilisierten Überhöhungen und leeren, dunklen Orten, was dem Film eine besonders bedrohliche Stimmung verleiht. Obwohl Lang sich zunächst sehr für die Regie des Filmes, der auf einem Roman des von ihm verehrten Graham Greene beruht, interessierte, soll er später versucht haben, die Regie abzugeben. Grund dafür war das Drehbuch, welches viele dunkle und beklemmende Elemente des Romans eliminierte und die Geschichte massentauglicher machte. Vielleicht verlegte sich Lang darum auf die sorgsame Gestaltung der Bilder, welche dem Film eine Finsternis und Bedrohlichkeit wiedergeben, welche das Drehbuch nur noch bedingt liefert. Ganz nebenbei schuf er dabei einen visuell aufregenden Film, dessen expressionistische Bilder lange im Gedächtnis haften bleiben.

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Mit „Ministerium der Angst“, seinem dritten Anti-Nazi-Propagandafilm hintereinander, kreierte Fritz Lang einen visuell aufregenden, expressionistischen Film Noir, der insbesondere im ersten Drittel durch die Ambivalenz seines Hauptcharakters gewinnt. Aber auch in der Folge kann der Film mit seiner wunderbaren Bildgestaltung als Paranoia-Thriller überzeugen.

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Die DVD, die nun neu als 18. Film in der Reihe „Film Noir“ aus dem Hause Koch Media erschienen ist, weißt eine für das Alter des Filmes hervorragende Bild- und Tonqualität auf. Leider wurde an den Extras gespart. Hier gibt es, neben einer Bildgalerie mit Werbematerial, nur einen Trailer.

DVD-Rezension: “Der unheimliche Gast”

Von , 7. Juni 2014 21:58

unheimliche gast_Die Geschwister Roderick und Pamela Fitzgerald (Ray Milland und Ruth Hussey) entdecken in ihrem Urlaub ein leerstehendes Herrenhaus nahe einer Steilküste. Pamela verliebt sich augenblicklich in das Gebäude. Zusammen mit ihrem Bruder kauft sie es seinem Besitzer, Commander Beech (Donald Crisp), ab. Dieser ist auch gar nicht unglücklich darüber, das Anwesen los zu sein. Es gehörtet einst seiner Tochter, Mary, die dort einst durch tragische Umstände ums Leben kam. Gar nicht erfreut über die neuen Besitzer ist ihre Tochter Stella (Gail Russell), die nach dem Tod der Mutter bei ihrem Großvater aufwuchs. Sie fühlt sich auf besondere Weise zum Haus hingezogen. Bald schon bemerken Roderick und Pamela, dass etwas in ihrem neuen Heim nicht stimmt…

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Konnte man mit gutem Willen die vorherigen Veröffentlichungen der Reihe „Film Noir“ noch halbwegs als „Noirs“ durchgehen lassen, so fällt dies bei „Der unheimliche Gast“ schon schwerer. Denn hierbei handelt es sich um einen lupenreinen Gruselfilm, komplett mit übernatürlichen Erscheinungen und einem alten Fluch. Allerdings orientiert sich Kamera und Set Design deutlich am deutschen Expressionismus, was ja auch bei den „echten“ Noirs der Fall war. Ich meine sogar, dass das unheimliche Atelier des verstorben Künstlers und ehemaligen Herrn des Spuk-Hauses, auch in dem, im selben Jahr entstandenen, Film Noir „Zeuge gesucht“ (ebenfalls in der „Film Noir“-Reihe erschienen, Kritik hier) Verwendung fand.

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Der unheimliche Gast“ mixt auf effektive Weise Screwball-Elemente mit einer handfesten Gruselgeschichte. Dabei unterstreicht der leichte Ton, der vor allem zwischen den Geschwistern Roderick und Pamela Fitzgerald herrscht, die unheimlichen Vorgänge, welche immer wieder in die scheinbar sorgenlose Welt der Beiden einbrechen. Man könnte beinah denken, dass die Geschwister ursprünglich als Ehepaar konzipiert waren, so perfekt werfen sie sich die Bälle zu. Dies kennt man sonst vor allem von legendären Screwball-Paaren wie William Powell und Myrna Loy in der „Dünne Mann“-Serie oder Spencer Tracy/Kathrine Hepburn. Doch die Beiden waren schon in der literarischen Vorlage von Dorothy Macardle nur Bruder und Schwester. Dieses verwandtschaftliche Verhältnis hilft natürlich dabei, die Liebesgeschichte zwischen den weltmännischen Roderick und der blutjungen und unerfahrenen Stella aufzubauen, die im Zentrum der unheimlichen Geistergeschichte steht. So erinnern die unbeschwerten Szenen zwischen ihr und Roderick an die romantischen Komödien dieser Zeit. Umso stärker ist die Kraft, mit der das Übernatürliche, das Ernste und Tragische in die Geschichte einbricht.

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Diese unheimlichen Element wirken niemals aufgesetzt, sondern sind integraler Bestandteil der Geschichte. Und man muss Regisseur Lewis Allen bescheinigen, dass es ihm grandios gelingt, einen wirklich unheimlichen Film zu gestalten. Gerade dadurch, dass die oberflächliche Handlung einen eher heiteren – und damit für den Zuschauer „realistischeren“ – Ton anschlägt, wirkt das finsterer Herz der Geschichte, welches unablässig unterhalb diese Oberfläche pocht, umso angsteinflößender. Eine Taktik, wie sie z.B. auch Stephen King in seinen besten Büchern anwendet. Nicht umsonst setzte ihn Martin Scorsese 2009 auf seine Lister, der, seiner Meinung nach, elf unheimlichsten Filme aller Zeiten. Und nennen ihn Guillermo Del Toro einen der Filme, die ihn geängstigt und beeinflusst haben.

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Zu unheimlichen Stimmung trägt, wie oben erwähnt, auch das Set Design bei. Dieses wurde übrigens von einem waschechten Bremer erstellt. Hans Dreier wurde 1885 in Bremen geboren. Später studierte er in München und begann dann bei der Ufa zu arbeiten. Anfang der 20er Jahre folgte er Ernst Lubitsch und anderen in die Vereinigten Staaten, wo sie sich ein höheres Einkommen versprechen. In der Folgezeit war Dreier zunächst für das Design aller Filme sowohl von Lubitsch, als auch Josef von Sternberg zuständig, in die er seine Expressionistischen Erfahrungen einfließen lies (besonders deutlich zu sehen bei Sternbergs „Die scharlachrote Kaiserin“). Später bestimmte er nicht nur den „Look“ der Produktionen der Paramount Studios, sondern arbeitete eng mit Billy Wilder an all seinen großen Filmen bis „Boulevard der Dämmerung“ zusammen. Des weiteren war Dreier auch an den Filmen von Preston Sturges und zahlreichen „Film Noir“-Klassikern, wie z.B. „Die Narbenhand“ beteiligt. Irgendwann in der Zukunft werde ich mich sicherlich noch einmal eingehend mit diesem Sohn meiner Heimatstadt beschäftigen.

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„Der unheimliche Gast“ gilt als erster ernsthafter „Haunted House“-Film und war damals ein ungeheurer Erfolg. Dies gilt im übrigen auch für die Filmmusik. Das eigenes für diesen Film geschriebene Stück „Stella by Starlight“, welches Roderick der jungen Stella mal eben beiläufig auf dem Klavier vorklimpert und dabei nonchalant meint, er hätte es sich „mal eben so“ ausgedacht, wurde eine ausgesprochen beliebter Jazz-Standard, der von zahlreichen großen Künstlern interpretiert wurde. Ich kannte es z.B. in der Version des großartigen Krzystof Komeda, aber auch Miles Davis, Stan Getz und Dexter Gordon haben ihn gespielt. Ein wenig erinnert „Der unheimliche Gast“ auch an Hitchcocks amerikanisches Debüt „Rebecca“, welches ebenfalls davon erzählt, wie eine zu Beginn des Filmes verstorbene Person, Macht über die Lebenden gewinnt. Die Figur der Miss Holloway erinnert auch ein wenig an Mrs. Danvers aus dem Hitchcock-Film und die riesige Portraits der Mary Meredith, die förmlich in das Filmbild drängen und die junge Stella schier zu erdrücken scheinen, finden sich so ähnlich auch in „Rebecca“. Doch während in „Rebecca“ nur mit dem Gedanken gespielt wird, die Titelheldin könnte noch am Leben sein oder als Geist Manderly heimsuchen, ist die Bedrohung in „Der unheimliche Gast“ von Anfang an ganz klar übersinnlicher Natur. Am Ende erscheint der Geist sogar in einer für die damalige Zeit spektakulären – und auch heute seine Wirkung wahrlich nicht verfehlenden – Weise auf der Leinwand.

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Zwar kann man „Der unheimliche Gast“ nur bedingt dem Genre „Film Noir“ zuordnen, er ist aber mit Fug und Recht ein Klassiker der Horrorfilms. Er verbindet die Leichtigkeit einer Screwball-Comedy mit wirkungsvollen Horrorelementen, die durch den scheinbar realistischen Kontext noch verstärkt werden. Dabei lebt der unheimliche Film auch von seinem expressionistischen Set Design und wartet mit überraschend überzeugenden Special Effects auf.

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Das Bild der DVD aus dem Haus Koch ist gut und der Ton ist für das alter recht klar. Die deutsche Synchronisation geht in Ordnung, allerdings klingt die deutsche Fassung recht steril, da die Geräusche der Originaltonspur ausgeblendet, bzw. durch neue ersetzt wurden. Als Extras sind gleich zwei Radio-Hörspiele des Stücks beigegeben. Einmal eine Aufführung des Screen Guilde Theater von 1944 (mit Ray Milland und Ruth Hassey in ihren Filmrollen) und dann von The Screen Directors Playhouse aus dem Jahre 1949 , wieder mit Ray Milland.  Die DVDs der Reihe „Film Noir“ zeichnen sich in der Regel auch immer durch informative Booklets aus. Da mir hier allerdings nur die DVD an sich ohne Verpackung zur Rezension vorlag, kann ich hierzu leider keine Angaben machen.

DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″

Von , 19. November 2013 19:32

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Da ist sie nun also. Die zweite Giallo-Box aus dem Hause Koch Media. Und wieder gab es bei den Fans im Vorfeld einiges Murren bezüglich der Filmauswahl. Tatsächlich ist wieder nur ein Film von dreien ein waschechter Giallo: „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“. Die anderen beiden Filme finden sich in einschlägigen Nachschlagewerken aber ebenfalls unter „Giallo“. Was auch nicht verkehrt ist, denn „Giallo“ steht in Italien ganz allgemein für „Krimi“ bzw. Thriller. Somit ist die „Giallo Box 2“ keine Mogelpackung. Mittlerweile wird der Begriff „Giallo“ aber mit einer ganz besonderen Art des Thrillers gleichgesetzt. Jener nämlich, die im Gefolge von „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ entstand und als Zutaten möglichst viele stylische Morde – vornehmlich an schönen Frauen -, einen geheimnisvollen Killer mit schwarzen Handschuhen und tolle Filmmusik aufweist. Auf „Blutiger Zahltag“ und „In the Folds of the Flesh“ triff dies nur bedingt zu, weshalb einige Leute diesen Filmen den „Giallo“-Status absprachen und über die Auswahl maulten. Besonders „Blutiger Zahltag“ traf es, der außerdem in Deutschland – wenn auch als Bootleg und in gekürzter Form – bereits verschiedene Veröffentlichungen erfuhr. Auch „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“ war bereits in guter Qualität auf DVD zu kaufen gewesen – allerdings auf einer nicht lizenzierten Scheibe.

Dann erschien kurzfristig ein Cover der Box bei Amazon, auf dem statt „Blutiger Zahltag“ plötzlich Umberto Lenzis „Deadly Trap“ zu lesen war. Das schürte kurz die Verwirrung, stellte sich dann aber als früher Entwurf heraus, der auf geheimnisvollen Wegen ins Netz geraten war. Tatsächlich war ursprünglich „Deadly Trap“ geplant, doch da es hierzu nur ein gekürztes Master gab, wurde der Film erst einmal – für eine Veröffentlichung in einer möglichen dritten Giallo-Box – zurückgestellt. Als Untertitel der finalen Box prangt wieder ein martialischer Schriftzug auf der Vorderseite: „Die spektakuläre Box der blanken Messer“, was wieder völliger Quatsch ist, den potentiellen Käufer tatsächlich auf eine falsche Fährte lockt und zu Enttäuschungen führen könnte. Keine Enttäuschung ist auf jeden Fall die Bild- und Tonqualität der Filme, denn die ist hervorragend.

The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (Chi l’ha vista morire, 1972)

In den französischen Alpen wird ein kleines Mädchen von einer mysteriösen, ganz in schwarz gekleideten Frau umgebracht. In Venedig ereilt dieses grausige Schicksal vier Jahre später auch die kleine Roberta (Nicoletta Elmi), Tochter des Bildhauers Franco Serpieri (George Lazenby). Voller Trauer und Selbstvorwürfen Weiter lesen 'DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″'»

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