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News: Nach 41 Jahren wird Orson Welles‘ letzter Film „The Other Side of the Wind“ von Netflix fertiggestellt

Von , 15. März 2017 11:30

Vor einigen Jahren sah ich den wunderbaren Dokumentarfilm „Orson Welles: The One Man Band“, welcher sich mit dem  Leben und Werk von Orson Welles befasste. Dieses wunderbare Kleinod befand sich auf der deutschen DVD von Welles‘ brillantem „F wie Fälschung“. Zu sehen gab es unter anderem Ausschnitte aus Welles‘ vielen unvollendeten Werken. Darunter waren auch viele Szenen aus seinem letzten Film „The Other Side of the Wind“, den er zwar abgedreht, aber niemals fertiggestellt hatte. Und – Junge, Junge – das war etwas. Die außergewöhnlichen Bilder versprachen ein visionäres Meisterwerk. Aber, ob das Versprechen eingelöst worden wäre – das konnte niemand sagen. Denn die Filmrolle lagerten irgendwo. Darauf wartend, dass sich jemand ihrer annimmt.

In der Zwischenzeit gab es immer mal wieder Gerüchte, dass der Film des 1985 verstorbenen Welles doch noch fertig gestellt wird. Einmal wollte Welles Freund Peter Bogdanovic (der bei „The Other Side of the Wind“ neben der anderen Regielegende John Huston die Hauptrolle spielt) sich des Werkes annehmen. Vor zwei Jahren gab es eine Crowd-Funding-Aktion, bei der $400,000 für die Fertigstellung des Filmes zusammenkamen. Und nun endlich tut sich etwas. Spiegel Online berichtete, dass der Streaming-Dienst Netflix die weltweiten Rechte an dem Film gekauft hat und das unvollendete Werk nun fertigstellen wird. Die 1083 Filmrollen mit Material seien schon in Los Angeles eingetroffen. Wer nun befürchtet, der Film würde nur zum Streaming zur Verfügung gestellt werden, für den gibt es eine wundervolle Nachricht: Scheinbar plant Netflix auch Kinovorführungen. Das wäre für mich ein Traum, der wahr wird. Ich bin sehr freudig gespannt.

Geschrieben wurde „The Other Side of the Wind“ von Welles und der kroatischen Schauspielerin Oja Kodar, die er 161 bei den Dreharbeiten von „Der Prozess“ traf und die bis an sein Lebensende eine Liebesbeziehung verband. Oja Kodar spielt auch eine der Hauptrollen in „The Other Side of the Wind“ und ist auch in Welles‘ Film „F für Fälschung“ eine der Hauptfiguren. Gedreht wurde unter widrigen Umständen zwischen 1970 und 1976. An der Kamera stand Gary Graver, der unter dem Pseudonym Robert McCallum unzählige Klassiker des amerikanischen Pornofilms drehte.

„The Other Side of the Wind“ ist – laut Wikipedia – “a satire of both the passing of Classic Hollywood and the avant-garde filmmakers of the New Hollywood of the 1970s. The film was shot in an unconventional mockumentary style in both color and black-and-white, and it incorporated a film-within-a-film that spoofed the work of Michelangelo Antonioni.” Er handelt von dem altem Regisseur Jake Hannaford, der einen Tag nach seinem 70sten Geburtstag stirbt. Der Film erzählt von der rauschenden Geburtstagsparty in der Nacht vor seinem Tod und von dem gewagten Film-im-Film „The Other Side of the Wind“, welcher Hannafords Comeback werden sollte.

Das Netflix-Projekt wird vom  Produzenten Frank Marshall geleitet, der damals auch an dem Film mitgearbeitet hatte. Das Material muss noch fertig geschnitten werden, es fehlt die komplette Filmmusik sowie die gesamte Postproduktion. Marshall und sein Team wollen sich dabei an persönlichen Notizen von Welles orientieren. Wann „The Other Side of the Wind“ endlich fertiggestellt wird ist noch offen. Eine Deadline gibt es nicht. Laut Netflix-Manager Ted Sarandos darf sich das Team so viel Zeit nehmen wie nötig. Auch eine gute Nachricht.

Western Unchained: „Navajo Joe“ & „Tepepa“

Von , 1. März 2013 15:31

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Die Bande des Banditen Duncan (Aldo Sambrell) ermordet wahllos Indianer und verkauft ihre Skalps. Als sie das Dorf des jungen Indianers Joe (Burt Reynolds) niedermachen, setzt sich dieser auf ihre Fährte, um blutige Rache zu üben. Als die Banditen einen Zug überfallen und eine halbe Million Dollar stehlen, nimmt Joe ihnen die Beute ab und bringt das Geld zu seinem Bestimmungsort, eine abgelegene Stadt am Rande der Zivilisation. Dort bietet er den Einwohnern an, sie gegen die Banditen zu verteidigen. Obwohl diese dem Indianer nicht trauen und mit offener Feindseligkeit entgegentreten, sind sie doch bald gezwungen, Joes Angebot anzunehmen…

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Burt Reynolds bezeichnet „Navajo Joe“ als den schlechtesten Film, den er je gemacht hat. Er würde wohl nur in Gefängnissen und auf Schiffen gezeigt werden, weil dort niemand weglaufen könne. Wie Reynolds zu diesem Urteil kommt, lässt sich nur vermuten. Scheinbar hatte er bei der Annahme der Hauptrolle geglaubt, Sergio Corbucci wäre mit Sergio Leone identisch und war deshalb enttäuscht. Möglicherweise waren auch die Dreharbeiten kein Zuckerschlecken. Wenn man die Stunts sieht, die Reynolds offensichtlich selbst ausführt, dann kann man sich gut vorstellen, dass die Dreharbeiten für den Amerikaner sehr anstrengend und auch schmerzhaft waren.

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Natürlich ist „Navajo Joe“ kein schlechter Film. Sicherlich nicht Corbuccis Bester, aber gut, harte Unterhaltung. Reynolds sieht als Indianer Joe in der Tat etwas merkwürdig aus, was an dem übertriebenen Make-Up und der unpassend-albernen Perücke liegt. Zudem merkt man ihm an, dass er nicht mit dem Herzen dabei ist. So wird ihm die Show dann auch von dem großartigen Aldo Sambrell gestohlen, der sich mit Leib und Seele in die Rolle des bösen Halbbluts Duncan wirft. Die Actionszenen sind – wie immer bei Corbucci – sehr solide umgesetzt, und mit der Gewalt wird auch nicht gerade zimperlich umgegangen, was „Navajo Joe“ ein FSK 18 einbrachte.

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Der heimliche Star des Filmes ist Ennio Morricones Musik, die er unter dem Pseudonym Leo Nichols beigesteuert hat. Das Titelthema ist schlichtweg himmlisch und das unvergessliche Hauptthema fand auch prominent in Tarantions „Kill Bill“-Saga und Alexander Paynes „Election“ Verwendung. „Navajo Joe“ ist für Fans des Genres definitiv ein Must-See, auch wenn der Film nicht ganz an die großen Glanztaten seines Regisseurs heranreicht.

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Auch „Navajo Joe“ (Nummer 9 auf Tarantinos Top 20 Liste) ist ein Repack. Als Extras ist, wie bei der Erstveröffentlichung, das 11-minütige Featurette „On Behalf of American Indians“ an Bord, in dem Filmkritiker Antonio Bruschini das Werk bespricht. Die etwa 30-minütige Doku „An Indian Named Joe“ besteht aus Interviews mit Rugero Deodato (der hier als Regieassistent tätig war), Sergio Corbuccis Frau Nori und der Schauspielerin Nicoletta Machiavelli. Wie bei „Mercenario“ gibt es auch hier einen Vergleich der Drehorte gestern und heute (6 Minuten). Das Bild könnte etwas schärfer sein, ist aber sonst absolut in Ordnung. Der Ton liegt wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch vor. „Navajo Joe“ ist auch auf BluRay erschienen.

 

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Mexiko zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der ehemalige Revolutionär, Jesus Maria Moran (Tomas Milian), genannt Tepepa, steht bereits vor dem Exekutionskommando des Oberst Cascorro (Orson Welles), da rettet ihm der Engländer Dr. Henry Price (John Steiner) das Leben. Doch dies tut dieser nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil er in Tepepa den Mann vermutet, der am Tod seiner Verlobten Schuld ist. Und diesen will er eigenhändig umbringen. Doch Tepepa gelingt es immer wieder, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Enttäuscht von einer Revolution, die den Armen des Landes nichts eingebracht hat, sammelt Tepepa seine Männer um sich und beginnt erneut, gegen die Armee zu kämpfen…

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Tepepa“ ist eine ideale Ergänzung zu „Mercenario“. Der Film ist ebenfalls ein Revolutions-Western, Giulio Petroni geht aber weitaus ernster und weniger episodenhaft als Corbucci zur Sache. Diesmal schlüpft wieder Tomas Milian in eine Rolle, die er so oder in ähnlicher Form, oft verkörperte. Der ungebildete Bauer, der in die Wirren der Revolution geworfen wird. Hier spielt Milian aber weitaus ernsthafter als z.B. in „Zwei Companeros“. Sein Tepepa weiß, was er will, und er versteht, was Revolution ist. Zwar lässt auch er, wenn er die Möglichkeit erhält, keine Gelegenheit vorübergehen, sich selbst etwas Gutes zu tun, aber generell hat er in erster Linie das Wohl seiner Leute und den Kampf für soziale Gerechtigkeit im Sinn. Dabei spielt Milian weitaus weniger „krakelig“, als man es von ihm in solchen Rollen gewohnt ist.

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Auch der Humor hält sich in Grenzen. Nur über Milians eigenwillige Art, seinen Sombrero zu tragen, sollte man besser hinwegsehen. Dadurch wirkt die Figur alberner, als sie eigentlich angelegt ist. Auch in Tepepa taucht wieder ein Gringo auf, der das für ihn exotische Geschehen mit kühlen, westlichen Augen sieht. Der junge John Steiner erinnert hier vom Aussehen noch stark an Peter O’Toole zu Lawrence-von-Arabien-Zeiten. Seine Rolle ist aber etwas verschenkt. Zwar wird ihm eine Rachegeschichte untergeschoben, viel zur Handlung trägt er allerdings nicht bei. Hier und da darf er Tepepa retten oder sich die ganze Geschichte aus der Distanz ansehen, aber bis auf das Ende ist sein Dr. Price eigentlich unwichtig, wenn auch nicht störend.

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Aber wie Franco Nero als Kowalski in „Mercenario“ oder Gian Maria Volonté in „Von Angesicht zu Angesicht“ ist er mal wieder ein „Kapitalist“, der sich nur in Mexiko aufhält und bei der Revolution lediglich mitmischt, weil er einen eigenen Vorteil sucht. Wenn auch hier keinen monetären, sondern die Befriedigung seiner Rache. Milians Figur Tepepa ist sehr vielschichtig angelegt. Obwohl Held der Geschichte, und damit eigentlich Sympathieträger, erlaubt er sich einige folgenschwere Fehltritte und Grausamkeiten, die man zwar objektiv nachvollziehen kann, einen aber trotzdem erschüttern. Auch seine Einstellung Frauen gegenüber spricht nicht dafür, dass er tatsächlich alle Menschen als gleichwertig ansieht. Doch genau diese Widersprüche machen ihn interessant.

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Als Antagonist wurde der große Orson Welles verpflichtet, der seinen Stiefel routiniert runter spielt, aber merklich wenig mit dem Herzen involviert ist. Im Vergleich zu „Mercenario“ ist Tepepa der ruhigere und auch ernsthaftere Film. Der Zynismus eines Corbucci geht Giulio Petroni völlig ab, vielmehr meint man eine gewisse Melancholie zu verspüren, dass die Armen am Ende immer die Betrogenen sind und sich an den herrschenden Verhältnissen nichts ändert, sondern nur die Köpfe oben ausgetauscht werden.

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„Tepepa“ ist nun erstmals in Deutschland auf DVD veröffentlicht worden. Auf der Tarantino Liste steht er auf Platz 17. Im Kino und auf VHS war der Film bisher immer massiv gekürzt. Überhaupt war es bisher sehr schwierig, den Film überhaupt einmal ungeschnitten zu sehen zu bekommen, da auch die internationalen Veröffentlichungen gekürzt waren. Hier nun liegt er erstmals in voller Länge vor, worauf Regisseur Giulio Petroni direkt nach dem Start der DVD mit einem kurzen Grußwort aufmerksam macht. Giulio Petroni hat für diese Veröffentlichung auch einen Audiokommentar eingesprochen. Die 30-minütige Doku „Freude und Revolution“ besteht aus einem Interview mit Regisseur Giulio Petroni und einem Audiointerview mit Tomás Milian. Milian macht in seinem Part allerdings einen ausgesprochen selbstverliebten Eindruck, was sich aber auch mit den Schilderungen Petronis deckt. Von der dreiminütigen entfallenen Szene ist kein Ton mehr enthalten. Sie wird von Petroni kommentiert. Der alternative Vorspann und zwei Trailer zum Film runden die Extras ab. Das Bild ist sehr gut, der Ton wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch dabei. Leider „jault“ der deutsche Ton etwas. Was man zwar in den Dialogen nicht bemerkt, was aber bei Morricones grandioser Musik auffällt. Eine BluRay ist auch erschienen.

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