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Blu-ray-Rezension: „Das Grauen aus der Tiefe“

Von , 11. Januar 2017 20:49

das-grauen-aus-der-tiefeIn dem beschaulichen Fischerdorf Noyo an der Westküste der USA passieren merkwürdige Dinge. Ein Boot fliegt scheinbar ohne Grund in die Luft und unschuldige Hunde werden bestialisch abgeschlachtet. Schließlich verschwinden noch einige junge Menschen. Der Mob der Stadt unter Führung des rassistischen Hank Slattery (Vic Morrow) machen Johnny Eagle (Anthony Pena), einen Indianer, für die Vorfälle verantwortlich. Johnny behauptet jedoch, ein fischähnliches Monster gesehen zu haben. Bald schon macht er sich zusammen mit Dr. Susan Drake (Ann Turkel) und seinem Freund Jim Hill (Doug McClure) auf die Suche, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Schnell werden sie fündig und bekommen heraus, dass die Fischmonster genmanipulierte Lachse gegessen haben und zu menschenähnlichen Wesen mutiert sind, die sich fortpflanzen wollen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Die 80er Jahre haben viel hervorgebracht, was in den ach so coolen 90ern verlacht wurde, sich heute aber wieder seinen Platz in den Herzen der Filmfreunde zurückerobert. Insbesondere der B-Film der frühen 80er erfreut sich wieder einer großen Beliebtheit. Und ein hervorragendes Beispiel für eben diese B-Filme ist der unglaubliche „Das Grauen aus der Tiefe“, dessen Originaltitel „Humanoids from the Deep“ wie ein Misfits-Song klingt. Produziert wurde dieser kleine Kultfilm von der Legende Roger Corman für seine damalige Produktionsgesellschaft New World Pictures. Die Regie übernahm überraschenderweise eine Frau – zumindest offiziell, dazu später mehr – und die Darstellerriege wird vom alten Cowboy Doug McClure angeführt, dessen besten Jahre damals auch schon etwas zurücklagen. Und es geht um Fischmonster aus dem Meer, die an Land junge, hübsche Mädchen jagen und vergewaltigen. Also ein Stoff, aus dem Exploitation-Träume sind. Dementsprechend erfolgreich war der Film dann auch. So erfolgreich, dass 1996 sogar ein Remake folgte.

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Zunächst einmal klaut sich „Das Grauen aus der Tiefe“ durch die Filmgeschichte. Gleich der Anfang erinnert mit seinen Kameraeinstellungen und der Musik frappierend an „Der weiße Hai“, die frauenverrückten Fischwesen sind natürlich Verwandte des „Schreckens vom Amazonas“, die Umweltproblematik hat man schon in „Piranhas“ und „Die Prophezeiung“ gehabt, die Hinterwäldler kennt man aus Filmen von „Wer Gewalt säht“ bis „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und am Ende guckt noch das „Alien“ vorbei. Aber das stört alles nicht, sondern macht ganz im Gegenteil den Charme dieses kleinen, schmutzigen B-Films aus, der vor allem auf ein setzt: Blut und Titten. Letzteres dürfte aber nicht auf dem Mist seiner Regisseurin Barbara Peeters gewachsen sein. Wenn man den Ausführungen der Beteiligten in den Making-Ofs Glauben schenkt, ist „Das Grauen aus der Tiefe“ ein Fall von Zwei-Filmen-in-Einem. Während Peeters einen sehr straighten und düsteren Monsterfilm mit dem Titel „Beneath the Darkness“ drehte, schickte Corman ein zweites Team unter der Führung von Jimmy T. Murakami los, welchen einen komplett anderen Film dreht, der sehr viel mehr mit hemmungsloser Exploitation zu tun hatte. Als Barbara Peeters das Ergebnis sah, welches Cutter Mark Goldblatt (später Regisseur des Lundgren’schen „Punisher“) aus den beiden Elementen zusammengefrickelt hatte, war sie entsetzt. Neben den extrem blutiger Monster-Angriffen im Schutze der Nacht, gab es jetzt auch plötzlich noch Szenen, in denen die Fischmonster am helllichten Tag ihren knackigen, jungen, weiblichen Opfern den Bikini vom Leib rissen und sich um die Fortpflanzung kümmerten. So wild das Ergebnis dies Mash-Ups auch war, Corman landet damit einen Hit.

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Für einen jungen James Horner, der sich später zu einem der größten Filmkomponisten Hollywoods mauserte und für „Titanic“ den Oscar gewann, war „Das Grauen aus der Tiefe“ die erste größere Arbeit. Seine Musik verlieht dem Geschehen eine epische Ernsthaftigkeit, die fast gar nicht zu dem Geschehen auf der Leinwand passen will, dieser aber auch nach weit mehr aussehen lässt. Geschickt verwendet Horner auch Motive aus den Vorbildern bei denen sich „Das Grauen aus der Tiefe“ bedient. Geschäftsmann der er ist, verwendete Corman Teile des edlen Scores dann auch in späteren Produktionen. Was auch für einige Action- und Monsterszenen gilt, die dann teilweise in „Der Vampir aus dem All“ auftauchen. Mit seinen gerade Mal 80 Minuten lässt „Das Grauen aus der Tiefe“ auch keine Langweile aufkommen. Ständig ist was los. Es gibt Schlägereien, fiese Brandanschläge, es wird sich beim Slasherfilm bedient und wenn schließlich die Monster beim großen „Lachsfest“ zuschlagen, sorgt Daniel Lacambres gute Kamera und Mark Goldblatts Talent als Cutter dafür, dass die drei Männer in Gummikostümen aussehen wie eine Armee Fischmenschen.

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„Das Grauen aus der Tiefe“ ist ein 80er-Jahre-B-Film at it’s best. Eine abstruse Handlung, die ordentlich aus anderen Filmen zusammen klaut, viel Sex, deftige, handgemachte Effekte und das alles sauber mit einigen Veteranen in den Hauptrollen inszeniert. Das macht Spaß und weckt nostalgische Gefühle.

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Die Luxus-Ausstattung, die OFDb Filmworks diesem Film angedeihen ließ, ist fast schon zu edel für dieses kleine, aber feine B-Filmchen. Auf drei Scheiben finden sich neben dem Film auf Blu-ray und DVD zahlreiche Extras. Der Film selber hat gleich zwei Audiokommentare spendiert bekommen. Einen vom Cutter Mark Goldblatt und einen vom bewährte Team Kai Naumann & Marcus Stiglegger. Ein sehr informatives „Making Of“ strotzt nur so vor Anekdoten und bringt in seinen nur 23 Minuten ein Maximum an Wissenswertem unter. Ferner gibt es noch zwei Featurettes mit Sound Designer David Lewis Yewdall (15 Min.) und Creature Effects Artist Steve Johnson (22 Min.), die beide auf sehr unterhaltsame Weise nicht nur ihre Spezialbereiche näher beleuchten, sondern auch etwas über ihren Werdegang und die ihre Arbeit an sich erzählen. Wie schon bei „Thief“ hat sich OFDb Filmworks auch hier eine einstündige Episode der Reihe „The Directors“ gesichert. Diesmal handelt sie von Roger Corman. Neben einem sehr kurzem Interview von Leonard Maltin mit Roger Corman (knapp vier Minuten), gibt es noch Trailer, TV-Spots und sonstiges Werbematerial. Des weiteren liegt noch ein 16seitiges Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch bei, der sich allerdings weniger um den Film als vielmehr um die „Beach Party“-Serie aus den 60ern dreht. Auch wenn „Horror of Beach Party“ an einigen Stellen immer wieder als Vorbild für „Das Grauen aus der Tiefe“ genannt wird, halte ich diese Verbindung und vor allem die Beschäftigung mit der Serie für etwas weit hergeholt. Kann man aber machen. Bild und Ton lassen keine Wünsche übrig. Das Bild hat einen sehr hübschen 80er-Look, wie man es von den preisgünstigen Produktionen bis zum Mitte des Jahrzehnts kennt. D.h. das Bild ist etwas dunkel und körnig, hat aber satte, wenn auch etwas dunklere Farben. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, ist gut zu verstehen und in orignialen 2.0 Stereo belassen. D.h. er kommt nur von vorne.

Blu-ray-Rezension: „Thief“

Von , 12. April 2016 17:44

thiefDer Ex-Sträfling Frank (James Caan) ist offiziell als Autohändler und Barbesitzer tätig, doch in Wirklichkeit verdient er sein Geld als professioneller Juwelendieb. Und als solcher gehört er zu den Besten seiner Zunft. Als nach einem erfolgreichen Beutezug sein Anteil in die Hände von Gangstern fällt, versucht er alles, um sein Geld zurückzubekommen. Dabei lernt er Leo (Robert Prosky) kennen, der Kopf der Gangsterbande. Leo will, dass Frank exklusiv für ihn arbeitet und macht ihm ein lukratives Angebot. Frank zögert zunächst, da ihm seine Unabhängigkeit über alles geht. Als Frank und seine Freundin Jessie (Tuesday Weld) ein Kind adoptieren wollen, und dies von den Behörden abgelehnt wird, verschafft Leo ihnen ein Kind vom Schwarzmarkt. Frank willigt ein, einen letzten großen Coup für Leo durchzuziehen, nicht ahnend, worauf er sich dabei einlässt.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Michael Manns Kinofilmdebüt „Thief“ als Vorstudie zu seinem epochalem „Heat“ oder seinem Nachtstück „Collateral“ zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Mit „Thief“ gelang Mann aus dem Stand ein frühes Meisterwerk, dessen Echo sich zwar in den eben genannten, aber auch generell Manns bisherigem Schaffen wiederfindet, welches aber nicht in deren Schatten steht. Es ist erstaunlich welche Kunstfertigkeit der bis dahin lediglich als Drehbuchautor für TV-Serien aufgefallene Mann an den Tag legt, wenn es gilt wunderbare Bilder und packende Charakterzeichnungen miteinander zu verheiraten. Während viele seiner Kollegen einen „Style over substance“-Ansatz pflegen, benutzt Mann seine vollendet komponierten Bilder, um seinen Figuren einen Raum zu schaffen, in welchem sie existieren können. Und wie kaum ein anderer versteht es Mann, die urbane Nacht zu inszenieren. Ein natürliches Biotop gestrandeter Seelen, das nach Sonnenuntergang zu seinem Neon-Leben erwacht.

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Wenn man sich gewundert hat, woher viele der ästhetischen Entscheidungen stammen, die Nicolas Winding Refn für seinen Neo-Noir-Klassiker „Drive“ getroffen hat, der möge sich „Thief“ ansehen, um die Antwort zu erhalten. Beide Film versprühen gerade in den Fahrten durch den Großstadt-Dschungel das selbe ausserweltliche Gefühl, welches hier wie dort auch durch den nüchternen, gleichzeitig aber auch traumhaft-schwebenden Soundtrack hervorgerufen wird. Für den „Thief“-Soundtrack konnte Michael Mann die deutschen Elektro-Pioniere „Tangerine Dream“ gewinnen, für die dies nach Friedkins „Sorcerer“ der zweite große Soundtrack-Auftrag in den USA war. Dass nun ausgerechnet dieser wunderbare und atmosphärische Soundtrack in jenem Jahr bei dem Anti-Oscar, dem Razzie Award, als schlechtester Filmscore des Jahres nominiert war, spricht nicht unbedingt gegen ihn, sondern sagt viel mehr etwas über die Güte des Razzie aus, der oftmals noch engstirniger und trendverliebter ist, als sein großer Bruder, der Oscar genannte Academy Award.

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Die großartige Konversation zwischen James Caan und Tuesday Weld in einem nächtlichen Diner ist nicht nur eine der wundervollsten Dialogszenen der Filmgeschichte, sondern erinnert selbstverständlich auch frappierend an das mittlerweile legendäre Zusammentreffen von Al Pacino und Robert de Niro (bevor beide in seelenlosen und immer alberneren Fließbandproduktionen ihren guten guten Ruf verspielten), welches an selber Stelle in Michael Manns 14 Jahre später entstandenen „Heat“. Tatsächlich fühlt sich „Thief“ oftmals wie ein Prequel zum späteren Film an, indem der von DeNiro gespielte Neil McCauley davon spricht, dass einen nichts binden sollte und man innerhalb von 30 Sekunden alles zurücklassen können muss, if you feel the heat around the corner. Frank scheint ein junger McCauley zu sein, welcher diese Lektion erst noch schmerzhaft lernen muss. Der noch daran glaubt, diesem Leben, welches er führt, entfliehen zu können. Der sich wortwörtlich eine Traumwelt gebastelt hat, die er auf einer Postkarte geklebt immer mit sich führt. Das Ideal eines normalen, bürgerlichen Lebens, welches irgendwann zerknüllt auf einem dreckigen Parkplatz landet.

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Dies ist die große Traurigkeit des Filmes. Am Ende ist Frank all seiner Illusionen und Träume beraubt. Er hat erkannt, dass er in der Lage sein muss, alle Verbindungen innerhalb von wenigen Minuten zu kappen. Die Menschen, die er liebt zu verlassen, ohne ein Gefühl von Reue und Trauer zu empfinden. Zu verschwinden, wenn es nötig ist, und niemals wiederzukehren. Keine Verbindungen, keine Liebe, keine Gefühle. Ein Wolf unter Wölfen. Er muss zu McCauley werden, um in der Großstadt-Steppe zu überleben. Das Einzige, was man dem Film vorwerfen kann, ist dass er die von Tuesday Weld beeindruckend gespielte Jessie im letzten Drittel etwas vernachlässigt und der interessante Subplot mit der von Willie Nelson gespielten Vaterfigur Okla etwas unterentwickelt bleibt. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte, die in keinster Weise an der Krone dieses großartigen Filmes kratzen können.

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Gleich mit seinem Kino-Debüt „Thief“ erreichte Michael Mann ein erstaunlich hohes Niveau und schuf einen Klassiker des modernen Film Noir, welcher bereits die großen Themen seiner späteren Filme behandelt. Manns grandiose Symbiose aus packender Charakterzeichnung und einer berauschenden Optik macht, im Zusammenspiel mit dem wundervollen Tangerine-Dream-Score und den furiosen Schauspielern, aus „Thief“ einen der großartigsten Filme der frühen 80er Jahre.

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Für diese „Ultimate Edition“ fällt mir wirklich nur noch das war „ultimativ“ ein. Hier hat sich OFDb filmworks selber übertroffen. Auf fünf Scheiben verteilt finden sich neben zahlreichen Extras gleich drei Versionen des Filmes. Wobei das Prunkstück natürlich der neue Director’s Cut ist, der nicht nur einen brandneuen 4K-Transfer spendiert bekommen hat, sondern auch von Regisseur Michael Mann noch einmal farblich überarbeitet wurde. Wer aber den Film sehen möchte, wie er einst im Kino lief, für den ist selbstverständlich noch die Original-Kinofassung dabei. Und als besonderen Bonus enthält die edel aufgemachte Edition noch einen „Special Director’s Cut“, welcher 1995 erstellt wurde. Letzterer liegt nur auf DVD vor, da die Qualität des Masters nicht für eine Bluray reichte. Die anderen beiden Fassungen sind jeweils als Bluray und DVD enthalten. Einziger Kritikpunkt: Die wunderbaren Extras sind über alle Discs verteilt, so dass man sie sich erst zusammen suchen muss, da keine Übersicht enthalten ist, wo welche Extras zu finden sind. Aber das ist Meckern auf ganz, ganz hohem Niveau.   Der neue Director’s Cut kommt mit zwei Audiokommentaren daher. Einmal von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, der zweite von Prof. Dr. Marcus Stiglegger. Dazu kommt noch unter dem Titel „Stolen Dreams“ ein neues, viertelstündiges Interview mit James Caan. Auf der Kinofassungs-Disc gibt es eine isolierte Musik- und Effektspur, so die über eine stunde gehende Doku „The Art of the Heist – Ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F.X. Feeney“.  Der „’special Director’s Cut von ’95 wird abgerundet von einer einstündigen Folge aus der TV-Reihe „The Directors“, die sich mit Michael Mann und seinen Filmen beschäftigt, sowie einer 23-minütigen-Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, die kurz nach Abschluss der Dreharbeiten des Films entstand. Ferner enthält die Ultimate Edition noch ein 14-seitiges Booklet mit dem Essay „Kool Killers and Violent Streets“ von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und ein gefaltetes A4-Filmposter. Wow! Die Bildqualität ist ebenfalls umwerfend, insbesondere was den neuen Director’s Cut angeht. Aber auch die Kinofassung kann sich mehr als sehen lassen. Demgegenüber fällt der „Special Director’s Cut“ von 1995 stark ab, aber das ist mehr als zu verschmerzen. Der Originalton ist einwandfrei und liegt im Original 2.0, sowie einer 5.1. Abmischung vor. Bei der deutschen Synchronisation soll es zu einem Fehler gekommen sein, der mir aber nicht auffiel (ich habe den Film aber auch im Original geschaut und nur kurz mal die die deutsche Sprachfassung gehört). Hier sind die Tonhöhen zu tief. Ein Statement von OFDb filmworks liegt hierzu aber bereits vor.

Blu-ray-Rezension: „Die Teuflischen von Mykonos“

Von , 13. Dezember 2015 16:59

die_teuflischen_von_mykonos_mb_aDas britische Pärchen Christopher (Robert Behling) und Cecile (Jane Lyle) kommen auf die griechische Insel Mykonos. Angeblich, um hier Ferien zu machen, tatsächlich aber, weil sie in London von der Polizei gesucht werden. Auf Mykonos ist Christopher von den „einfachen und guten“ Menschen der Insel fasziniert und will diese darum radikal von den „perversen Sündern“ säubern. Was das schwer gestörte Pärchen gleich in die Tat umsetzt…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Es gibt einen Film der beiden Sleaze-Meister Joe D’Amato und Bruno Mattei, der sich „Alle Perversionen dieser Welt“ nennt. Dies wäre auch ein höchst treffender Titel für „Die Teuflischen von Mykonos“. Als ich diesen griechischen Film vor ungefähr 17 Jahren das erste Mal sah, verfasste ich umgehend eine erste Besprechung, in der ich meiner großen Verstörung Ausdruck verlieh. Diese Besprechung ist mittlerweile aus dem Netz verschwunden, was mich ziemlich erleichtert hat. Ursprünglich sollte diese uralte Besprechung nämlich das Rückgrat der hier nun vorliegenden neuen Rezension sein. Doch als ich sie in den Tiefen meines PCs wiederfand, war ich doch recht beschämt, da ich feststellen musste, dass diese alten Texte sprachlich ungeheuer unausgereift waren. Vor allem fiel mir auf, dass ich damals mehrmals das Unwort „krass“ benutzte. Wobei „krass“ den Inhalt von Nico Mastorakis‘ Film im Grunde recht gut beschreibt.

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Nico Mastorakis gibt an, zu „Die Teuflischen von Mykonos“ durch eine Kinovorstellung des damals gerade frisch angelaufenen „Texas Chain Saw Massacre“ inspiriert worden zu sein. Nun hat „Die Teuflischen von Mykonos“ recht wenig mit Tobe Hoopers Klassiker zu tun, doch es ging Nico Mastorakis auch gar nicht so sehr darum, eine Kopie des Terrorstreifens zu produzieren, sondern vielmehr einen Film, der die in „Texas Chain Saw Massacre“ gezeigten Brutalitäten und Schockmomente noch übertrifft. Aus diesem Grunde dachte er sich eine Story aus, in die er alles packte, was nur irgendwie kontrovers war und Tabus brach. Homosexualität zwischen Männern oder Frauen, Inzest, Drogenkonsum, Voyeurismus, Sodomie, Vergewaltigung (sowohl einer Frau als auch eines Mannes), Blasphemie, Pinkeleinlagen und Sex mit reiferen Frauen. Und natürlich Morde, Morde, Morde. Männer, Frauen und Tiere müssen in mehr oder weniger expliziten Szenen dran glauben. Es verwundert (und erleichtert), dass Nico Mastorakis zumindest Kinder außen vor lässt.

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Nico Mastorakis macht keine Gefangenen und arbeitet mit einer Technik der ständigen Eskalation. Interessanterweise stumpft man durch das Gezeigte nicht irgendwann ab, sondern wird immer wieder aufs Neue von den Aktionen des mörderischen Pärchens überrascht und abgestoßen. Nico Mastorakis inszeniert dies alles auf den größtmöglichen Effekt hin und erschafft eine Welt, in der es keine Hoffnung auf ein normales Leben mehr gibt. Der Knalleffekt mit dem er seinen Film beschließt ist da ebenso konsequent, wie logisch. In einer zynischen Form ist das Ende von „Die Teuflischen von Mykonos“ ein ebenso vergiftetes Happy End, wie beispielsweise das Finale des koreanischen „OldBoy“. Interessant ist es, wie Nico Mastorakis die Opfer des Pärchens Christopher und Celia in Szene setzt. Jeder von ihnen geht einem Laster nach. Sündigt also, wenn man eine erzkonservative Bibelauslegung zugrunde legt. Dafür werden sie von Christopher, der sich als eine Art „Zorn Gottes“ versteht, bestraft. Der Trick, den Nico Mastorakis anwendet, besteht darin, dass sich die „Sünden“ der Opfer im Vergleich zu den Taten des „Bestrafers“ nur als völlig harmlos herauszustellen, ja in einer aufgeklärten Gesellschaft auch nicht als „Sünden“ aufgefasst werden sollten. Christophers erzkonservative, bibelgestärkte Rechtfertigung seines Mordtriebes bei gleichzeitig maximalen Verstoß gegen alle christlichen Gebote macht eine Identifikation mit ihm (hoffentlich) unmöglich, ist aber auch gleichzeitig ein parodistisch überzogener Kommentar auf die abgrundtiefe Heuchelei jener, die immer mal wieder gerne mit dem Finger auf „die da“ zeigen.

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Christophers Geisteskrankheit wird ganz offen zur Schau gestellt. Bei Cecila geht Mastorakis etwas subtiler vor. Sie unterstützt Christopher bei seinem Blutrausch, doch ihr Motiv ist dem Christophers entgegengesetzt. Christopher tötet aus Frustration über sein eigenes sexuelles Unvermögen. Seinen größten Kick erhält er, wenn er Cecila oder jemand anderes beim Sex beobachten kann. Seine durch Voyeurismus kompensierte Impotenz wird durch das Motiv der Kamera, welche er als eine Verlängerung des eigenen Blickes benutzt, symbolisiert. Er selbst kommt entweder gar nicht erst zum Zuge oder wird abgewiesen, was seine Raserei noch mehr entfacht und ihm erst im ultimativen Tabubruch (Inzest, Sodomie, Mord) soweit stimuliert, dass er den Akt vollziehen kann. Er ist der sadistische Teil des Pärchens. Cecila hingegen wird mehrschichtiger gezeichnet. Generell wird sie durch Unterwerfung sexuell stimuliert. Dies kann entweder ihre eigene oder die eines der Opfer sein. Somit gibt es für sie am Ende ein Happy End, wenn der „impotente“ Christopher entsorgt wird und sie jemanden trifft, der einerseits mit seiner Primitivität und Gewalttätigkeit ihre submissiven Bedürfnisse befriedigt, sich gleichzeitig aber auch von ihr manipulieren lässt. So genießt sie es deutlich, sich gegenüber des leicht schwachsinnig wirkenden Schäfers zunächst in die Rolle des Opfers zu begeben, um den einfachen Mann dann dahingehend zu manipulieren, dass er ihre Rollenspiel mitmacht. Daher könnte man „Die Teuflischen von Mykonos“ fast schon als schmierige Ergänzung zu Peter Stricklands aktuellen Film „The Duke of Burgundy“ ansehen.

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„Die Teuflischen von Mykonos“ ist einer jener völlig unfassbaren Filme, die scheinbar nur in den 70er Jahren entstehen konnten. Ein Film, der nach feuchtem Keller riecht und nach dessen Sichtung man am liebsten eine lange und gründliche Dusche nehmen möchte. Ob man dies nun als Empfehlung oder Warnung (oder beides) verstehen möchte, muss jedem selber überlassen bleiben.

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Die Aufbereitung die OFDb filmworks diesem Film hat zukommen lassen ist sowohl vorbildlich als auch definitiv. Das Mediabook ist vollgepackt mit Extras, die keine weiteren Wünsche mehr offen lassen. So finden sich auf der Blu-ray und der DVD jeweils folgende Features: Ein Vorwort von Nico Mastorakis (1:15 min.), ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und Kai Naumann, das Essay „Return to ‚Island of Death’“ (16:55 min.) in dem Mastorakis nach Mykonos zurückkehrt, die Originalschauplätze zeigt und zu allen ein paar Anekdoten bereit hat, das Feature „Exploring ‚Island of Death’“ (38:24 min.) in dem Exploitation-Filmexperte Stephen Thrower (der Standardwerke über Fulci, Franco und den US-Indie-Horrorfilm schrieb) über den Film referiert. Es gibt den deutschen und englischen Trailer und zwei alternative Vorspänne. Unter „Island Sounds“ findet man fünf Musikstücke aus dem Score mit einer Laufzeit von insgesamt rund 24 Minuten. Weiter geht es auf der Bonus-DVD mit der unglaubliche 152 Minuten laufenden Doku „Die Filme von Nico Mastorakis“, einem Interview mit Nico Mastorakis (22:04 min.) und einem mehr als halbstündigen Mastorakis Trailer Reel. Laut Cover wurde eine „brandneue 2K-Restaurierung, erstellt in Zusammenarbeit mit Regisseur Nico Mastorakis“ verwendet und der Film sieht wirklich fantastisch aus. Fast schon zu gut, denn „Die Teuflischen von Mykonos“ ist einer jeder Filme, die man sich eigentlich nur als verschlissene und nach Essig riechende 35mm-Kopie vorstellen kann, die irgendwann mal hinter das Real gefallen ist und beim Aufräumen zufällig wiedergefunden wurde. Das Bild der OFDb filmworks-Fassung ist aber ,wie gesagt, brillant und mit kräftigen Farben. Nur im letzten Akt gab es scheinbar kein adäquates Filmmaterial mehr. Dort pulsiert das Bild manchmal leicht und scheint an der rechten Ecke etwas entfärbt. Das Bildformat ist ein korrektes 1:1,33. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in 2.0 Mono vor. Ein fest im Mediabook eingeklebtes Booklet gibt es auch. Dieses enthält einen interessanten Artikel von Thorsten Hanisch, der sich gar nicht so sehr um „Die Teuflischen von Mykonos“ dreht, sondern den Schwerpunkt auf das weniger bekannte griechische Exploitationkino der 70er Jahre legt. Abgerundet wird dies durch eine „Jagdliste“ von Vrasidas Karalis, der neun griechsiche Sexploitation-filme vorstellt, die man seiner Meinung nach gesehen haben sollte.

Nachbarschaftshilfe: Bremer OFDb Filmworks bringt „The Resurrected“

Von , 5. Juli 2015 01:03

Resurrected__aNachdem ich vor Kurzem über die Veröffentlichung des großartigen Italo-Krachers „Wenn Du krepierst – lebe ich“ – ein Pflichtprogramm für jeden Italophilen- berichtet habe (aber bis jetzt irgendwie gar nichts von dessen Veröffentlichung mitbekommen habe), wollte ich nun auf ein Projekt verweisen, welches so lange in der Mache war, wie es die OFDb Filmworks gibt: Dan O’Bannons Lovecraft-Verfilmung „The Resurrected„. An diesen Film habe ich noch lebendige Erinnerungen aus den alten Videotheken-Tagen. Denn dort fiel mir einst ein Tape auf, welches so derartig schamlos vorgaukelte, es würde sich dabei um „Tanz der Teufel“ handeln, dass man vor soviel Dreistigkeit schon den Hut ziehen musste. Beginnend mit dem Titel „Evil Dead – Saat des Bösen“ bis zum vom „Tanz der Teufel 2“-Cover geklauten, grinsenden Totenkopf, schrie alles: TANZ DER TEUFEL. Und es klappte auch irgendwie, denn neugierig wie ich damals war, nahm ich den Film mal mit, um zu gucken, was sich dahinter versteckte. Und was das war, erkannte ich recht schnell: Eine recht vorlagengetreue Umsetzung von H.P. Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“. Mit tanzenden Teufeln hatte das also rein gar nichts zu tun, und mich würde mal interessieren, wie viel Leute die Kassette aufgrund enttäuschter Erwartungen den Videothek an den Kopf geworfen haben. Natürlich zu unrecht, denn O’Bannons Film hat unbestreitbar seine Qualitäten.

Nun wird er nach jahrelanger Vorbereitungszeit weltweit erstmals auf Blu-ray und als erste legale DVD-Veröffentlichung in Deutschland als limitierte Collector’s Edition veröffentlicht. Und das randvoll mit interessanten Extras. Und da ich einige der Leute kenne, die an diesen mitgewerkelt haben, ist es mir eine Freude, die Veröffentlichung hier anzukündigen, auch wenn so etwas auf diesem Blog nicht auf Dauer Einzug halten soll.

Hier der Überblick über besagte Extras:

• Audiokommentar von den Produzenten Mark Borde und Kenneth Raich, Drehbuchautor Brent V. Friedman,
Special Make-Up Effects Creator Todd Masters und Schauspieler Robert Romanus (englisch)
• Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch)
• Audiokommentar von Jörg Kopetz und Daniel Perée vom Wicked-Vision Magazin (deutsch)
• Adapting Lovecraft – Ein Interview mit Drehbuchautor Brent V. Friedman
• The Man Inside – Ein Interview mit Hauptdarsteller Chris Sarandon
• Human Experiments – Ein Interview Special Make-Up Effects Creator Todd Masters
• Grotesque Melodies – Ein Interview mit Komponist Richard Band
• Lovecraftian Landscapes – Ein Interview mit Produktionsdesigner Brent Thomas
• Deleted & Extended Scenes
• Dan O’Bannon’s Dankesrede bei der Verleihung des „Fangoria Chainsaw Awards for Best Independent/Direct-
To-Video Feature“ im Jahre 1992
• Trailer (US Video Promo & japanischer Trailer)
• Bildergalerie
• H. P. Lovecraft – Der Fall Charles Dexter Ward (Teil 1 und 2) – die komplette Hörspielumsetzung der Lovecraft-
Geschichte in der Reihe Gruselkabinett von Titania Medien (auf der Bonus-DVD übers Menü und zusätzlich im
DVD-ROM-Part als MP3)
• 84-seitiges Booklet: „Lovecraft Resurrected – Die kosmische Katakomben-Kunst des Dan O’Bannon“ von Jörg
Kopetz

Und darum geht’s in „The Ressurected“:

Nachdem der wohlhabende Chemiker Charles Dexter Ward eine Kiste mit alten Familienerbstücken erhalten hat, beginnt er sich zusehends merkwürdig zu verhalten. Dies beunruhigt seine Ehefrau Clare soweit, dass sie sich an den Privatdetektiv John March wendet, um die Ursache der Veränderung ihres Mannes zu ergründen. Die Erkenntnisse, die John im Zuge seiner Ermittlungen gewinnt, sind jedoch alles andere als erfreulich: So läßt sich der immer weiter von der Außenwelt abschottende Charles größere Mengen Blut und Leichenteile in das abgeschiedene Haus seines Vorfahren Joseph Curwen liefern, in das er sich zurückgezogen hat. Es scheint beinahe so, als ob er von dem Geist seines Ahnen besessen sei, der als Alchemist mit Leben und Tod experimentiert hatte…

Als alternatives Cover gibt es übrigens auch noch das von mir oben angesprochene Motiv der alten VHS-Kassette.

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Bremer OFDb Filmworks bringt „Wenn du krepierst – lebe ich“

Von , 21. Mai 2015 22:41

HitchhikeAusgesprochen gute – wenn auch mittlerweile schon etwas ältere – Nachrichten aus der Nachbarschaft. Die OFDb Filmworks veröffentlicht am 05.06.2015 den grandiosen „Hitch Hike – Wenn du krepierst lebe ich“ von Pasquale Festa Campanile. Campanile ist mehr für seine Dramen und Komödien bekannt. Hier zieht er ganz mächtig vom Leder und lässt in seinem misogynen Meisterwerk David Hess („Krug“ aus Wes Cravens Kult-Schocker „Last House on the Left“ und ebenfalls in Ruggereo Deodatos bösen„Der Schlitzer“ zu sehen) Franco Nero und die bezaubernde Corinne Cléry aus „Die Geschichte der O“ zu einem grandiosen Morricone-Soundtrack aufeinander los.

Walter Mancini (Franco Nero) befindet sich mit seiner Frau Eve (Corinne Cléry) auf einer Reise durch den Süden der USA. Die Reise ist aber kein allzu großes Vergnügen, denn das Paar ist zerstritten und die Beziehung alles andere als harmonisch. Als ihnen ein Anhalter begegnet, der offensichtlich eine Autopanne hatte, hält Eve gegen den Willen ihres Mannes an und nimmt ihn mit. Zuerst unterhält sich Walter noch mit Adam Konitz (David Hess), aber als dieser sexistische Bemerkungen gegenüber seiner Frau macht, eskaliert die Situation schnell und Konitz zeigt sein wahres Gesicht: Er ist ein gesuchter Krimineller, der eine Beute von zwei Millionen Dollar bei sich hat, die er mit der Hilfe von Walter und Eve über die mexikanische Grenze schmuggeln will…

Die Veröffentlichung kommt als 3-Disc Limited Edition daher, die eine Blu-ray und zwei DVDs im Digipak enthält. Der Film wurde neu vom Originalnegativ in HD abgetastet und mit drei Tonspuren (Deutsch, Englisch, Italienisch) versehen. Auch die Extras können sich sehen lassen. Enthalten sind u.a. ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und die 85 (!)-minütige Doku „Road to Ruin“.

Da herrscht bei mir große Vorfreude, und meine alte US-DVD dürfte bald ausgedient haben.

Blu-ray-Rezension: “V/H/S – Viral”

Von , 4. April 2015 21:06

vhsviral1. Kevin ist süchtig danach, seine Freundin Iris zu filmen. Als eines Abends direkt vor seinem Haus die Polizei einen geheimnisvollen Eisverkäufer-Wagen verfolgt, sieht er seine Chance gekommen, ein YouTube-Star zu werden. Doch als er auf die Straße tritt, um die Jagd zu filmen, wird Iris von dem Wagen entführt. 2. Dante, ein erfolgloser Zauberer, kommt in den Besitz des Umhangs des Magiers Houdini, welcher über dämonische Kräfte verfügt. 3. Der Erfinder Alfonso hat im Keller seines Hauses ein Tor in eine parallele Dimension errichtet. Als es ihm gelingt dies zu öffnen, steht er seinem Doppelgänger aus der Parallelwelt gegenüber. Beide beschließen für 15 Minuten jeweils die Welt des Anderen zu erkunden. 4. Drei Skateboarder, die ihre gefährlichen Stunts filmen und ins Netz stellen, verschlägt es nach Mexiko, wo sie auf einem abgelegenen Areal durch einen dummen Zufall die Toten zum Leben erwecken.

Mittlerweile gehört das sogenannte „Found-Footage“ zu der ausgelutschtesten und auserzähltesten Filmprämisse überhaupt. Filmemacher, die mit dieser Form der pseudo-realen Filmerei etwas anzufangen wissen und ihr neue Aspekte abgewinnen, sind sehr rar gesät. Zumeist wird sich auf darauf verlassen, dass die scheinbar „echten“ Aufnahmen so stark verwackelt sind, dass filmische Unzulänglichkeiten nicht weiter auffallen. Man kann ja schließlich von einem Filmamateur, der seine neue Videokamera ausprobiert keine Kamerafahrten ala Kubrick erwarten. Oder doch? So inkompetent, wie diese Filme die Leute hinter der Kamera darstellen, führen sich in der Regel noch nicht einmal Vierjährige auf. Dies verärgert in der Regel sogar noch mehr, als der merkwürdige Hang der angeblich realen Kameramänner, das Grauen stets bis zum letzten Augenblick filmen zu wollen, anstatt sich in Sicherheit zu bringen. Doch solange die Ausrede „Found Footage“ es untalentierten Regisseuren ermöglicht, für wenig Geld ihre Machwerke runter zu kurbeln, wird das Genre wohl nicht aussterben. Es gibt aber auch immer wieder Ausnahmen von der Regel. Wenn sich z.B. kompetente Filmemacher darüber Gedanken machen, wie und warum sie „Found Footage“ einsetzen und in wie weit dieser Kniff ihre Geschichte unterstützt.

In der Horror-Anthologie „V/H/S“ (Kritik hier) hatten sich die Stars des Mumblecore – in der Definition von Wikipedia sind dies Filme mit einem kleinem bis sehr kleinem Produktionsbudget, improvisierten Dialogen, der Nutzung von Innenräumen, Auftritten von Laienschauspielern und generell einer Do-it-yourself-Ästhetik – versammelt, um gemeinsam einen kostengünstigen Horrorfilm herzustellen. Das Resultat war nicht an allen Stellen überzeugend (gerade der bekannteste Name – Ti West -lieferte das langweiligste Segment ab), aber der Film wirkte frisch und mit ebenso großen Enthusiasmus, wie Experimentierwillen gemacht. Zudem war er stellenweise kreuzunheimlich. Die Fortsetzung „S-VHS“ konnte ich bisher leider noch nicht sehen. Da sie in Deutschland nur gekürzt gezeigt werden durfte, nehme ich an, dass hier in Punkto Härte noch eine Schippe draufgelegt wurde. Die Kritiken im Netz sind überwiegend wohlgesonnen und bestätigen meine Vermutung. Gerade der zweite Teil konnte mit einigermaßen bekannten Namen aufwarten, wie Eduardo Sánchez, der einst mit „Blair Witch Project“ die ganze Lawine an billigen Nachahmern lostrat und Gareth Evans, der mit seinen ultraharten „The Raid“-Actionfilmen für Furore sorgte. Bei „V/H/S – Viral“ fehlt es an solchen Namen. Allein Nacho Vigalondo kennt man etwas besser, da er den ganz wunderbaren und leider viel zu wenig bekannten „Time Crimes“ gedreht hat und gerade sein Mystery-Thriller „Open Windows“ mit Elijah Woods auf den Markt kam.

„V/H/S – Viral“ dehnt die Vorgaben des „Found Footage“ teilweise so weit, dass man sich fragt, weshalb gerade dieses Format für die Geschichten verwendet wurde. In der Rahmenhandlung wird das Thema „gefundenes Videomaterial“ zwar aufgenommen, doch in keinen unbedingt zwingenden Zusammenhang gebracht. Da wird Videomaterial verwendet, durch das immer wieder alte „Bildreste“ durchscheinen, obwohl die Handlung mit einer Digitalkamera gefilmt wird. Aber auch dies ist nicht konsequent umgesetzt, da immer wieder aus anderen Perspektiven gefilmt wird. Von wem? Und wer hat das Material zusammengetragen und geschnitten? Vielleicht der geheimnisvolle Eisverkäufer-Wagen, der hier von allen möglichen videohungrigen und YouTube-geilen Leuten gejagt wird? Das stark an „Videodrome“ erinnerndes Ende deutet darauf hin, kommt aber nicht einmal auf Steinwurf an Cronenbergs Meisterwerk heran. Überhaupt leidet die von Marcel Sarmiento gedrehte Episode „Vicious Circles“ sehr an seiner hektischen Machart, die es dem Zuschauer über weite Strecken unmöglich macht, nachzuvollziehen, was überhaupt vor sich geht. Dadurch wird einem die Handlung egal und von Grusel oder Shock fehlt hier jede Spur. Man fühlt sich einfach nur genervt. Dass diese Rahmenhandlung weniger in die Geschichten einführt, als vielmehr eine ganz eigenständige, allerdings immer wieder durch die anderen Erzählungen unterbrochene, Geschichte darstellt, hilft auch nicht wirklich weiter.

Die zweite Geschichte, „Dante the Great“ von Gregg Bishop, um einen kleinen Zauberer, der den magischen Umhang Houdinis entdeckt und durch einen darin lebenden Dämon zu echten Zauberkräften kommt, ist nett, aber nicht mehr. Auch hier wird der „klassische“ Found Footage aufgehoben und „Dante the Great“ als Fake-Dokumentation präsentiert. Das wirkt dann alles etwas unbeholfen und gezwungen, ist aber immerhin unterhaltsam und mit Tempo inszeniert. Auch wenn man die Geschichte um den dämonischen Zauberumhang schnell vergisst, zählt sie zu den stärkeren Momenten von „V/H/S – Viral“. Die überzeugendste Arbeit liefert der Spanier Nacho Vigalondo ab, der einerseits das Found-Footage-Motiv konsequent und nachvollziehbar durchzieht, andererseits aber auch eine interessant-merkwürdige und in der Tat unangenehm gruselige Parallelwelt erschafft. Eine weitere Expedition in diese seltsame Welt könnte man sich durchaus auch in Spielfilmlänge vorstellen. Selbst wenn das Ende dann doch eher enttäuschend ausfällt und durch merkwürdig lächerliche Effekte an Wirkung einbüßt. Trotzdem ist „Parallel Monsters“ der einzige Grund, sich „V/H/S – Viral“ zuzulegen. Denn bereits die nächste Geschichte, „Bonestorm“ von Justin Benson und Aaron Moorhead, stellt den absoluten Bodensatz dieser einst so vielversprechenden Serie dar. Drei hochgradig unsympathische, zum Kotzen coole Skater-Boys gegen mexikanische Zombies, die an die „reitenden Leichen“ erinnern. Das alles so billig und ohne jegliches Gefühl für Timing und Horror abgefilmt, dass man zwangsläufig an einschlägige Amateur-Horrorfilme denken muss, deren Protagonisten oftmals ähnlich „realistische Sympathieträger“ sind, und in denen „geiler Splatter“ über einem vernünftigen Drehbuch stehen. Absolut verzichtbar.

Die auffällig kurze Laufzeit von 80 Minuten ist der Tatsache geschuldet, dass ursprünglich noch eine fünfte Episode zum Film gehören sollte: „Gorgeous Vortex“ von Todd Lincoln. In letzter Sekunde wurde diese allerdings aus den fertigen Film geworfen, da sie sich angeblich nicht ins Gesamtkonzept einfügen wollte. Da ich kein Konzept erkennen kann, denke ich aber, dass irgendwelche anderen Gründe den Ausschlag gaben. Da „V/H/S – Viral“ zur allgemeinen Überraschung eine FSK 16 bekommen hat, könnte ich mir vorstellen, dass die Produzenten in den USA die Episode auch aus Freigabe-Gründen gestrichen haben. Da ich „Gorgeous Vortex“ aber nicht kenne, bleibt dies erst einmal Spekulation. Die 2-Disc-Limited Edition, die OFDb Filmworks ebenfalls herausbracht hat, enthält die Episode als Extra und ist nicht FSK geprüft. Ob aber gerade „Gorgeous Vortex“ den Kauf des deutlich teureren Mediabooks zwingend erforderlich macht, kann ich wie gesagt nicht beurteilen.

„V/H/S – Viral“ kann leider zu keinem Moment an den ersten Teil der Serie anknüpfen. Obwohl Nacho Vigalondo eine sehr interessante Episode abgeliefert hat, von der man gerne mehr gesehen hätte, kann lediglich die Pseudo-Doku „Dante the Great“ für solide Unterhaltung sorgen. Die beiden anderen Episoden, insbesondere „Bonestorm“, können noch nicht einmal als Fingerübungen durchgehen und enttäuschen auf ganzer Linie.

Wie immer bei Filmen, die vorgeben sich aus gefundenen Videomaterial zu speisen, kann man über die Bildqualität keine wirklichen Aussagen machen, da eine nicht optimale Wiedergabe hier zum Konzept gehört. Der Ton ist überzeugend und irritiert hübsch durch einige Effekte. Die Extras sind nicht unbedingt erwähnenswert, aber schön, dass die Scheibe nicht „bare bones“ daherkommt. Es gibt ein 8-minütiges Making of von „Dante the Great“ und ein 5-minütiges der katastrophalen Episode „Bonestorm“.

Blu-ray-Rezension: “Tödliche Umarmung“

Von , 26. Februar 2015 20:37

toedliche_umarmungNachdem seine Ehefrau bei einem seiner Einsätze ums Leben kam, musste Geheimagent Harry Hannan (Roy Scheider) einige Zeit in psychiatrischer Behandlung verbringen. Nun ist er als geheilt entlassen und möchte gleich wieder ins einem alten Job anfangen. Doch man lässt ihn nicht, Hannan gilt als Risiko. Als ein Mordanschlag auf ihn ausgeführt wird, glaubt Hannan, seine ehemaligen Kollegen wollten ihn aus dem Weg räumen. Doch bald schon entdeckt Hannan, das etwas ganz anders hinter der Sache steckt, und er auf der Todesliste, eines geheimnisvollen Killers steht, der bereits des Öfteren zugeschlagen hat…

Nachdem Jonathan Demme die Roger-Corman-Schmiede verlassen hatte, wand er sich seriöseren Produktionen zu. Mit „Tödliche Umarmung“ kehrte er kurz vor seinem Durchbruch mit der preisgekrönten Komödie „Melvin und Howard“ noch einmal zum Thriller-Genre zurück, bevor er dann 1992 mit „Das Schweigen der Lämmer“ das Genre sogar zu Oscar-Weihen führte. Mit letzterem Werk sollte man „Tödliche Umarmung“ allerdings nicht vergleichen. „Tödliche Umarmung“ steigt einerseits tief ins Pulp-Gebiet ein, andererseits versucht sich Demme mit diesem Film auch an einer recht deutlichen Hitchcock-Hommage. Damit steht „Tödliche Umarmung“ in einer Reihe mit Filmen wie „Charade“, „Höhenkoller“ und diversen Brian de Palma-Produktionen. Tatsächlich hat der Film dann auch etwas von „Hitchcock gefiltert durch die Brille diverser B-Filme“. Besonders ernst sollte man Demmes Film nicht nehmen, dazu fährt er einfach zu schwere Geschützte auf. Auch wenn diese sich am Ende zu keinem einheitlichen Ganzen fügen wollen, kann man „Tödliche Umarmung“ einen angenehmen Unterhaltungswert nicht absprechen. Munter mischt Demme Zitate aus „Psycho“, „Der unsichtbare Dritte“, „Familiengrab“ und vor allem und immer wieder „Vertigo“.  Aber auch andere Thriller, wie „Der Marathon-Man“ und „Niagara“ kommen einem während des Filmes immer wieder  in den Sinn.

Die vorgebliche Spionage-Handlung, die gleich am Anfang etabliert wird und Harry Hannans Trauma auslöst, ist – so viel darf verraten werden – eine falsche Spur, die aber immerhin Christopher Walken und den immer wieder gern gesehen Charles Napier einen Auftritt garantiert. Die kurze Szene in der ein noch sehr junger Walken den Chef des alten Hasen Roy Scheider gibt, gehört dann auch zu einem der Höhepunkte des Filmes. Es ist jammerschade, dass Walkens Rolle nicht größer ist. Auch Napiers Charakter dient allein der Verwirrung des Zuschauers und hat keine weitere Funktion, als Scheiders Figur hier und dort in Gefahr, und den Zuschauer auf eine falsche Spur zu bringen. Der dieser letztendlich nur der Ablenkung dienende Geheimdienst-Komplex nimmt in der ersten Hälfte des Films einen nicht gerade kleinen Raum ein. Neben der viel zu kleinen Rolle Walkens und der Verschwendung des großartigen Napiers, muss auch festhalten, dass hier viele kleine und interessante Fäden aufgenommen werden – wie Scheiders verzweifelte Versuche wieder einen Job zu bekommen, und sein „normales“ Leben weiterzuführen oder der Geheimdienst, der seine nicht mehr voll funktionstüchtige Waffe entsorgen will – die dann aber am Ende nie miteinander verknüpft, geschweige denn zu Ende geführt werden. So zerfällt der Film in zwei Hälften, die beide viel zu viele unbefriedigende Löcher aufweisen und den Film obendrein unnötig zerfasern.

Ähnliches gilt auch für die zweite Hälfte, in der Scheider langsam auf die Spur der Bedrohung kommt, und ihm mit Sam Levene  als Sam Urdell ein kauziger Sidekick zur Seite gestellt wird. Auch hier wimmelt es von falschen Fährten und verpassten Gelegenheiten. Letztere betreffen zum Beispiel den von John Glover wunderbar eingebildet und versponnen gespielte Professor Peabody  dessen Figur  viel Potential zeigt, welches aber nie voll entfaltet wird. Nachdem das Drehbuch dem Zuschauer allerlei „rote Heringe“ hingeworfen hat, ist dann der Schnitt auf den wahren Täter so hart und aus dem Nichts kommend, dass man für kurze Zeit vollständig aus dem Film geworfen wird, und dadurch die großartigste Szene des ganzen Films ganz an Durchschlagskraft verliert, da  man noch vollkommen damit beschäftigt ist, sich zu fragen, was das da alles plötzlich soll. Da lohnt es sich dann den Film später noch einmal zurück zu spulen und sich in Ruhe den Mord durch Koitus in der Badewanne anzusehen, in der die Todeszuckungen des Opfers sein Gegenüber zu höchsten Orgasmusfreuden bringt. Das zwar passt nicht zu Motiv und Charakter der Person hinter den Morden, ist aber ein wunderbar schmieriger Griff ins Bahnhofskino, aus dem Demme ja auch stammt. Der Bruch nach der – zugeben vollkommen überraschenden – Enthüllung der Identität und des Motivs des Täters, ist dann auch so hart, dass es dem Film nicht gut tut. Dass das Motiv darüber hinaus auch nur ein sehr schwaches und nicht unbedingt nachvollziehbares ist, macht es auch nicht leichter. Immerhin führt dies dann gleich zum großen Finale vor dem Hintergrund der Niagara-Fälle.

Um den Hitchcock-Effekt noch zu erhöhen wurde Altmeister Miklós Rózsa für den Soundtrack engagiert. Der hat zwar nie für Hitchcock komponiert, soll aber scheinbar ein Bernard-Herrman-Gefühl in den Film einbringen. Was allerdings nicht gelingt, da Rózsas Musik für sich genommen zwar hörenswert ist, aber sich weniger an Herrman Hitchcock-Scores, als vielmehr an seinen Film-Noir-Filmen oder viel mehr noch den Dramen der 40er Jahre orientiert und die dramatischen Orchestermelodien in einem starken Kontrast zum doch sehr 70er-mäßigen Gestaltung von „Tödliche Umarmung“ steht. Demgegenüber muss die sehr dynamische und einfallsreiche Kameraarbeit Tak Fujimotos hervorgehoben werden. Fujimotos arbeitete regelmäßig mit Demme zusammen und fotografierte für ihn auch seine Hits „Das Schweigen der Lämmer“ und „Philadelphia“, später wurde er dann auch Stammkameramann M. Night Shyamalans. Besonders eine Szene ganz am Anfang, in der die Kamera wie wild Scheiders im Grunde ereignislosen Gang zur U-Bahn begleitet und dabei über den Bahnsteig fegt wie ein wilder Derwisch lässt das Herz höher schlagen. Diese Szene endet dann auch in einer lupenreinen Hommage an einen anderen Regisseur, dem in jungen Jahren auch Tendenzen zur Hitchcock-Nachahmung unterstellt wurden: Dario Argento. Vielleicht ist „Tödliche Umarmung“ ja auch weniger eine lupenreine Hitchcock-Hommage, als vielmehr eine Hommage an diejenigen, die in ihrem Werk Hitchcock ihre Ehre erweisen.

Obwohl nicht makellos und an insgesamt ausgefranst und überladen, kann man „Tödliche Umarmung“ einen Unterhaltungswert nicht absprechen. Die souveränen Darsteller, eine schöne Kameraarbeit und der ein oder andere gute Einfall können das schlecht konstruierte, unentschlossene Drehbuch welches sich immer wieder Vorlagen liefert, dies es dann doch nicht verwandelt, dann doch noch ausgleichen.

Die Blu-ray des Hauses OFDb Filmworks präsentiert den Film in einer guten Bildqualität, die allerdings ihr Alter auch nicht leugnen kann. Der Ton liegt in Stereo vor, wahlweise Deutsch oder Englisch, zudem können gute deutsche Untertitel zugeschaltet werden. Bei den Extras herrscht – bis auf den Trailer – leider völlige Ebbe.

Blu-ray-Rezension: „3 Minutes“

Von , 13. Januar 2015 21:13

3minutesJack Tramell (James Parks) moderiert sehr erfolgreich die immens populäre Quizshow „3 Minutes“. Als er eines Tages von einem arbeitsreichen Tag nach Hause kommt, wird er im Aufzug zu seinem Apartment von einer ihm unbekannten Frau (Caroline Goodall) attackiert. Die Frau, die sich ihm als Kathryn vorstellt, stoppt den Fahrstuhl und fesselt Tramell. Dann beginnt sie mit ihm ein schmerzhaftes Spiel, welches auf den Regeln von „3 Minutes“ fußt. Bald schon entwickelt sich ein tödlicher Psychokrieg zwischen den Beiden, bei dem man nicht weiß, zu welcher Seite man halten soll. Ist Jack unschuldiges Opfer oder gibt es in seiner Vergangenheit ein finsteres Geheimnis?

Mit „3 Minutes“ hat OFDb Filmworks wieder einmal einen kleinen, eher unbekannteren Thriller mit überraschenden Wendungen auf den Markt geworfen. Doch im Gegensatz zum exzellenten „The Body“ (Rezension hier) oder dem feinen „Cold Blooded“ (Rezension hier), will das Rezept hier nicht so ganz aufgehen. Dabei besitzt „3 Minutes“ alle Zutaten, um für spannende 90 Minuten zu sorgen: Eine mysteriöse Handlung, ein fieses Spielchen bei dem man nie weiß, wer nun der Gute und wer der Böse ist, sowie gute Schauspieler, die das Kammerstück durchaus über die volle Laufzeit tragen könnten. Doch irgendwie scheint Regisseur Massimo Coglitore seinem Drehbuch nicht zu trauen und versucht es doch verschiedene Eskalationen noch zu beschleunigen und spektakulärer zu gestalten. Dabei verliert er allerdings immer wieder den roten Faden und was ihm besonders anzulasten ist: Er torpediert ständig seine eigene, gar nicht uninteressante Prämisse.

Dass der Quizmaster hier in einer pervertierten Version seiner eigenen Show um sein Leben kämpfen muss, verspricht einige Spannung. Coglitore entscheidet sich allerdings dafür, dies damit zu konterkarieren, dass nach der ersten Runde klar ist, dass die Fragen, die dem TV-Star Jack gestellt werden, recht belanglos und einfach zu beantworten sind – wenn die Lösung nicht völlig abstrus und unter die Rubrik „Hat sich der Drehbuchautor halt so ausgedacht“ fällt. Ein Beispiel dafür ist die Frage, welcher Film („Misery“, „Machete“, „Kill Bill“ oder „Million Dollar Baby“ ) nicht in diese Reihe gehört, welche lediglich platt mit vorgegaukeltem Filmwissen ala Tarantino kokettiert, aber letztendlich höchst einfallslos, gezwungen und in der Auflösung vollkommen an den Haaren herbeigezogen daherkommt. Auch wird schnell deutlich, dass es eigentlich völlig egal ist, welche Antworten Jack gibt, da sie zum Teil gar nicht nachvollzogen werden können und seine Peinigerin offensichtlich auch kein großes Interesse daran hat, das Spiel durch Jacks Tod vorzeitig abzubrechen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Jack zwar leidet, aber keine ernsthaften Konsequenzen tragen muss. Ein herausgerissener Fußnagel schmerzt sicherlich höllisch, ist aber ein Witz gegenüber dem, was Jack sonst angedroht wird, aber in letzter Konsequenz dann doch nicht geschieht. Ebenfalls irritiert es, wenn Dinge, die auch dem unbedarftesten Zuschauer relativ schnell klar sind, einem als plötzliche Überraschung und große Sensation verkauft werden. Wenn sich im Laufe der Spielzeit dann auch noch herausstellt, dass die Motivation der Frau, diesen hohen Aufwand zu betreiben, um Jack zu foltern, auf ganz, ganz tönernen Füssen steht, macht sich beim Zuschauer eine gewisse Gereiztheit breit, die von dem sich ganz besonders clever gebenden Ende nicht unbedingt gelindert wird.

Immerhin kann sich Coglitore aber auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen. Insbesondere die Engländerin Caroline Goodall wirft sich mit großem Enthusiasmus in ihre Rolle und agiert durchaus überzeugend als Frau, bei der man nie so recht weiß, ob es jetzt Verzweiflung oder schon purer Wahnsinn ist, der sie zu ihren Taten treibt. Auch Tarantino-Stammschauspieler James Parks bringt die richtige Mischung aus schmieriger Arroganz und Angst mit, um seine Rolle durchaus ambivalent zu gestalten, was dem Film sehr gut tut. Ein totaler Ausfall ist allerdings der Gaststar des Filmes, Burt Young. Wahrscheinlich geholt, um mit einem „großen Namen“ werben zu können, spielt er den Nachtwächter mit Boxkarriere (ein Hinweis auf die „Rocky„-Reihe, die ihn berühmt machte?) im Halbschlaf und merklich ohne große Lust.

„3 Minutes“ ist kein vollkommener Fehlschlag. Tatsächlich kann er streckenweise gut, wenn auch oberflächlich, unterhalten und profitiert deutlich von seinen beiden spielfreudigen Hauptdarstellern. Umso ärgerlich ist es, mit anzusehen, wie er sein durchaus vorhandenes Potential verschwendet und auf dem Weg zum Geheimtipp immer wieder ausrutscht und auf dem Hintern landet.

Wie von OFDb Filmworks gewohnt, bietet auch diese Blu-ray ein hervorragende Bildqualität. Auch beim Ton gibt es wieder einmal nichts zu meckern. Neben der deutschen Tonspur, ist auch eine englische O-Tonfassung mit an Bord (der Film ist zwar eine italienische Produktion, allerdings mit englischsprachigen Darstellern auf Englisch gedreht). Hierbei ist trotz guter Synchronisation die englische Tonspur zu empfehlen, um Caroline Goodalls herrlichen, britischen Akzent genießen zu können. Extras gibt es, außer einem Trailer, leider keine.

Blu-ray-Rezension: “Graceland”

Von , 15. November 2014 20:32

graceland bluMarlon Villar (Arnold Reyes) arbeitet als Fahrer für den korrupten Politiker Changho (Menggie Cobarrubias), der eine ungesunde Schwäche für minderjährige Mädchen hat. Als diese an die Öffentlichkeit dringt, verdächtigt Changho Marlon geplaudert zu haben und entlässt ihn nach vielen Jahren treuer Dienste. Als letzte Amtshandlung holt Marlon noch Changhos Tochter Sophia (Patricia Gayod) und seine eigene Tochter Elvie (Ella Guevara) von der Schule ab. Da passiert die Katastrophe: Marlon gerät in eine Entführung. Sophia wird erschossen und Elvie an ihrer Stelle gekidnappt. Verzweifelt versucht Marlon Sophias Tod zu vertuschen, um die Lösegeldzahlung für Elvie zu sichern. Dabei gerät er schnell ins Visier der Ermittler, die ihn für einen Mittäter halten…

Mit „Graceland“ hat der auf den Philippinen geborene, aber in New York lebende Regisseur Ron Morales seinen zweiten Langfilm abgeliefert. Wie sein Erstling „Santa Mesa“ von 2008 spielt auch dieser wieder auf ARNOLD-DUMPden Philippinen. Morales hat ein scharfes Gespür für die Missstände in seinem Geburtsland und nimmt auch kein Blatt vor den Mund, was die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen dort angeht. Zwar erreicht er nicht die radikale Wut, die sein Landsmann Khvan in seinem Wutschrei „Mondomanila“ auszudrücken vermochte, doch Morales‘ Blick ist eine ebenso pessimistischer. Keine seiner Figuren taugt zur Identifikation Auch der „Held“ Marlon Villar nicht. Zwar fiebert man anfangs mit ihm mit und erfährt fast schon körperlich sein Verzweiflung, doch auch er ist ein Täter. Denn bei den perversen Taten seines Vorgesetzten schaute er nicht nur weg, sondern war auch direkt daran beteiligt, auch wenn er nicht selber die jungen Mädchen schändet. Doch er sorgte dafür, dass die „Ware“ an den richtigen Ort kommt und dann von dort auch wieder verschwindet. Möglicherweise hat er auch einmal geholfen, eine Leiche verschwinden zu lassen. Marlon mag also ein guter Vater und treusorgender Ehemann sein, doch moralisch hat er sich seinem Umfeld angepasst.

ARNOLD_MENGGIE_GRACELAND_OVERPASS_NIGHT„Graceland“ macht keine Gefangenen. Gleich zu Beginn wird auf das Elend der minderjährigen Mädchen, die Freiwild für reiche Pädophile sind, aufmerksam gemacht. Dabei scheut sich Ron Morales auch nicht, die Opfer nach dem perversen Akt auch nackt zu zeigen (Ron Morales nutzt hier ein Body-Double, was der Szene aber nichts von ihrer verstörenden Wirkung nimmt). Menschenleben zählen in dieser Vorhölle namens Manila nichts. Selbst unschuldige Kinder werden ohne mit den Augen zu zwinkern kaltblütig erschossen. Nach Szenen wie diese muss man erst einmal erst tief durchatmen. Wer immer bei der FSK für eine Freigabe dieses Films „ab 12 Jahren“ zuständig war, muss sehr tief geschlafen haben. Neben oben angeführten Szenen, werden auch die (echten) Kinderbordelle Manilas gezeigt, korrupte Polizisten prügeln auf Verdächtige ein und auch Organhandel wird am Rande thematisiert. Dies alles zwar relativ unblutig, doch die physische und psychische Gewalt in dieser menschenverachtenden Umgebung frisst sich tief ins Bewusstsein. Das ist definitiv kein Stoff, aus dem Kinderträume sein sollten.

INT-ROOMGerade in der ersten Hälfte erzählt Ron Morales eine aufwühlende und sehr gradlinige Geschichte, in der er die Ausweglosigkeit der Situation für den Zuschauer greifbar macht. Man kann Marlons Angst und Verzweiflung beinahe schmecken. Wozu auch der junge Arnold Reyes, der den Marlon spielt, schauspielerisch einen großen Teil beiträgt. Er bleibt jederzeit glaubhaft und überträgt seine Gefühle so intensiv auf den Zuschauer, dass dieser sich bald selber in einem ausweglosen Netz aus Lügen gefangen glaubt. Umso bedauerlicher ist es, dass Ron Morales in seine zuvor simpel, aber ausgesprochen effektiv erzählten Geschichte, gerade in der zweiten Hälfte einige Tricks und überraschende Plotwendungen einbaut, die zwar die Handlung noch ambivalenter machen, dem Film aber insgesamt auch einiges von seiner rohen, unmittelbaren Kraft einbüßen lassen. Insbesondere die Entscheidung aus dem Entführer letztendlich auch „nur“ ein Opfer zu machen, ihm also ein Motiv für seine schreckliche Tat und somit etwas Menschliches, „Gerechtes“, statt nur egoistischer Geldgier, unterzuschieben, ist etwas unglücklich. Denn es erlaubt es dem Zuschauer, sich des Griffes des Filmes zu entziehen. Die Ursache der Gewalt wird „vermenschlicht“ und damit relativiert.

RIVERTrotz dieser Kritikpunkte ist Ron Morales ein intensiver, packender Film gelungen, der unter die Haut geht. In vielen Kritiken wird auf die Ähnlichkeit mit den Filmen „Sympathy for Mr. Vengeance“ und Akira Kurosawas „Zwischen Himmel und Hölle“ hingewiesen. Dies mag stimmen, und im Falle Kurosawa hat Morales diesen auch als Inspiration für seinen Film genannt, doch Morales formt daraus etwas ganz Eigenständiges. Etwas sehr „Philippinisches“. Und so nimmt die Hauptstadt Manila in diesem Film beinahe die Rolle eines eigenständigen Charakters an. Morales zeigt die dunklen, hässlichen Seiten. Die von Armut geprägten Viertel der Stadt, die gigantische Müllkippe, die heruntergekommenen Straßen, das Krankenhaus, welches eher an ein Gefängnis erinnert, die Bordelle. Selbst das Büro eines mächtigen Mannes wie Changho sieht recht erbärmlich aus und auch seine Prunkvilla wirkt kalt, ungemütlich und irgendwie ärmlich. Dies mag dem mickrigen Budget geschuldet sein, fügt sich aber nahtlos ins Bild, welches der Film von Manila zeichnet.

LEON_GRACELAND_INT_DAYAm Ende scheint es dann doch fast so etwas wie ein Funken Hoffnung zu eben. Doch es spricht für Ron Morales, dass er hier nicht den einfachen Weg geht und den Zuschauer auf einer positiven Note entlässt. Sondern dass er auch dies vage hält und sich die Waage des Schicksals durchaus in die eine oder andere Richtung senken kann. Auf der Blu-ray befindet sich noch ein alternatives Ende, welches allerdings ebenso ausgelutscht, wie vorhersehbar ist. Mit dem nun gewählten Schlusspunkt hat Morales nicht nur den richtigen Ton getroffen, sondern er gibt dem Film noch eine weitere – für den, der zwischendrin gut aufgepasst hat – beängstigende Ebene.

In seinem zweiten Spielfilm „Graceland“ zeichnet Ron Morales ein deprimierend-freudloses Bild seines Geburtslandes, den Philippinen. Neben der realistischen Beschreibung einer bis ins Mark korrupten und menschenverachtenden Gesellschaft, in der die Reichen sich alles erlauben können und die Armen zu Handlangern ihrer Verbrechen werden, erzählt Morales auch eine spannende Thriller-Geschichte, die zwar in der zweiten Hälfte durch einige plötzliche Wendungen etwas an Durchschlagskraft einbüßt, den Zuschauer aber bis zum Ende nicht mehr loslässt.

„Graceland“ ist erst die sechste Veröffentlichung des jungen Bremer Labels OFDb Filmworks. Und wie bei den bisherigen Titeln, haben die Macher wie ein gutes Händchen für einen interessanten Film bewiesen. Auch technisch ist nichts an der Blu-ray auszusetzen. Zwar wirkt das Bild etwas blass, doch dies ist eine künstlerische Entscheidung, um die von Armut und Verfall geprägte Umgebung visuell zu entsprechen. Der Ton liegt auf Deutsch und Tagalog mit ausblendbaren, deuuschen Untertiteln vor. Als Bonus gibt es ein Making-Of, welches vor allen Dingen aus Interviews mit dem Regisseur, seinem Kameramann und den beiden amerikanischen Produzenten besteht. Hier wird leider nur auf die schwierigen und zum Teil abenteuerlichen Drehbedingungen und dem täglichen Kampf mit dem geringen Budget eingegangen. Hier hätte ich lieber etwas über die Hintergründe des Filmes und die Beweggründe, gerade dieses Thema so zu verfilmen erfahren. Doch dies bleibt leider außen vor. Möglicherweise wird darauf aber im Audiokommentar (den ich bisher aus zeitlichen Gründen nicht anhören konnte) eingegangen, den Regisseur/Drehbuchautor Ron Morales, die Produzenten Rebecca Lundgren und Sam Rider, Kameramann Sung Rae Cho und Gaffer Blaise Miller bestreiten. Ferner gibt es noch einen Audio-Kurzkommentar mit Sound Mixer Nikola Chapelle und eine Handvoll entfernter Szenen, die dem Film aber auch nichts weiter hinzufügen. Das alternative Ende ist wie oben erwähnt, enttäuschend und dem letztendlich genommenen Ende weit unterlegen.

Nachbarschaftshilfe: Neues von der Bremer OFDb FILMWORKS

Von , 28. September 2014 21:20

DVD_GracelandDas in Bremen ansässige Filmlabel OFDb FILMWORKS bat mich höflich, auf einige Neuigkeiten – ihre nächste Veröffentlichung – betreffend, hinzuweisen. Und im Rahmen der Nachbarschaftshilfe (in Bremen sieht es ja nicht gerade rosig aus, was die hier ansässigen Firmen angeht, und da ist man als hanseatischer Lokalpatriot doch froh, einer einzelnen einmal behilflich sein zu können) mache ich das ausnahmsweise auch noch einmal.

Die nächste Veröffentlichung von OFDb FILMWORKS wird der philippinische Thriller „Graceland“ sein, der bereits zahlreiche Preise gewonnen hat. Mit Elvis hat der Film – trotz des Titels- nichts zu tun. Es geht um einen jungen Familienvater, der als Chauffeur für einen korrupten Politiker arbeitet. Als er eines Tages seine Tochter und die des Politikers von der Schule abholt, kommt es zu einer Entführung, bei der statt der Politikertochter seine eigene gekidnappt wird (das erinnert stark an Akira Kurosawas „Zwischen Himmel und Hölle„). Da ihm niemand glaubt und er keine Hilfe erwarten kann, macht er sich selber auf die Suche nach dem, was er am meisten liebt. Doch dadurch werden er und seine Familie immer tiefer in einen Strudel der Gewalt gezogen…

DVD und Blu-ray kommen am 10.11.2014. Verkaufstart ist der 18.11.2014.

Trotz des finsteren Themas hat der Film ohne Schnittauflagen ein FSK 12 erhalten und wird auch einen Kinostart bekommt. Es ist für OFDB FILMWORKS  als junges Label somit der erste Kinofilm im Programm. Ermöglicht wurde dies durch Filmverleiher Drop-Out Cinema. „Graceland“ startet im Rahmen der „Cinema Obscure“-Reihe am 06.11.2014 in den Kinos. Mal schauen, ob auch in Bremen.

 

Noch zur Info, hier eine Übersicht der kommenden OFDb FILMWORKS-Veröffentlichungen:

– The Elevator- Three Minutes can change your Life

– Last Embrace – Tödliche Umarmung

– Criminal Law – der Frauenmörder

– The Resurrected – Evil Dead – die Saat des Bösen

– Retribution – die Rückkehr des Unbegreiflichen

Und- als in meinen Augen absolutes Highlight – der großartige

– Hitch Hike – wenn du krepierst lebe ich

mit Franco Nero, David Hess und der wunderschönen Corinne Cléry

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