Nachrichten getagged: Nachruf

Nachruf: Ken Russell (1927-2011)

Von , 28. November 2011 15:56

Gestern starb der britische Regisseur Ken Russell im Alter von 84 Jahren.

Ken Russell gehörte zusammen mit seinen Landsmänner Nicholas Roeg, Derek Jarman und Peter Greenaway zu den bedeutensten zeitgenössischen Regisseuren der Insel. Wie diese schuf er ganz einzig- und eigenartige Bilderwelten.

Seine Verfilmung der Rock-Oper “Tommy” mit seinen Bädern aus Bohnensuppe, seinen grellen Farben und Messiasfiguren auf Schrottplätzen topte er dann (wieder mit Who-Frontmann Roger Daltrey in der Hauptrolle) noch in seinem höchst eigenwilliger, sexuell überhitzter Liszt-Biographie “Lisztomania“.

Überhaupt waren Musikerbiographien sein großes Steckenpferd, wie er mit “The Music Lovers” (über Tschaikowski), “Mahler” und diverse Fernsehfilme, darunter zwei über Edward Elgar. Unter Genrefans dürfte er spätestens seit “Der Höllentrip” und “China Blue” eine feste Größe sein. “Die Teufel” und “Gothic” finden sich auf vielen Lieblingsfilmlisten wieder.

Nachdem er einen Harry-Palmer-Film mit Michael Caine (“Das Milliarden Dollar Gehirn“) gedreht hatte, erlebte er seinen Durchbruch mit der “skandalöse” D.H.Lawrence-Verfilmung “Women in Love“, bei der das erste Mal in einem britischen Film männliche Genitalien auf der Leinwand zu sehen waren.

Auch “Die Teufel” geizte nicht mit Provokationen, wurde angeblich in Italien verboten und die beiden Hauptdarsteller zu drei Jahren Haft verurteilt, falls sie italienischen Boden betreten sollten. Auch wenn diese Geschichte möglicherweise ins Reich der Fabeln gehört, so ist unbestritten, dass es keinen anderen Film mit solch einer langen und komplizierten Zensurgeschichte wie “Die Teufel” gibt.

Neben seiner Filmarbeit inszenierte Ken Russell zahlreiche Opern. In den letzten Jahren wurde es ruhiger um ihn und er drehte für das Fernsehen und Kurzfilme.

in Deutschland ist sein Werk bisher nur recht spärlich auf dem Heimvideomarkt erschienen. Hoffentlich wird sich dies in Zukunft noch ändern.

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Nachruf: David Hess (1942-2011)

Von , 18. Oktober 2011 13:31

Vor genau 10 Tagen ist plötzlich und unerwartet der amerikanische Schauspieler und Komponist David Hess gestorben. Eigentlich wollte ich daraufhin sofort einen Nachruf schreiben, komme aber erst jetzt dazu. Den Filmfans ist David Hess für seine, im wahrsten Sinne des Wortes “schreckliche”, Darstellung des Psychopathen Krug Stillo in Wes Cravens berüchtigten “Last House on the Left” (dt. Mondo Brutale) bekannt. Hier spielt er den Anführer eine Bande Krimineller, die zwei Mädchen misshandeln und töten. Dieser Charakter des Krug Stillo, die Hess so eindrucksvoll  furchterregend verkörperte, sollte dann zu zwei ähnlich gelagerten Rollen in zwei italienischen Filmen führen. In  “Autostop Rosso Sangue ” (“Wenn Du krepierst, lebe ich” aka “Hitch-Hike”) spielte er neben Franco Nero und Corinne Clery den sadistischen Anhalter und in “La casa sperduta nel parco” (“Der Schlitzer” aka “House on the Edge of the Park”) den bösartigen und doch charmanten Eindringling in eine High Socitey Party. Beide Filme untermauerten seinen Kult-Status und gelten heute als Klassiker des italienischen Exploitation-Kinos. In der Folge spielte er noch in diversen US-Horror-Filme oder TV-Serien kleinere Rollen. In Italien war er zudem in dem eher schwachen Slasher “Body Count” von “Schlitzer”-Regisseur Ruggero Deodato und in Enzo G. Castellaris Versuch der Western-Wiederbelebung “Jonathan of the Bears” neben Franco Nero zu sehen. Was die Fans seiner Filme kaum wissen: Vor und während seiner Schauspielkarriere war David Hess auch ein bekannter und höchst erfolgreicher Musiker. So komponierte er u.a. Elvis Presleys No. 1 Hit “All Shook Up” und war auch später noch für den “King” als Komponist aktiv. Pat Boone hatte 1962 mit dem von Hess komponierten “Speedy Gonzales” einen noch heute oft gespielten Welthit. Auch für den Soundtrack seines berühmtesten Films (“Last House on the Left”) zeichnete er sich verantwortlich. Zweimal nahm er auch hinter der Kamera Platz: In dem 1980 entstanden Slasher “To All A Good Night” (der in Deutschland den schönen Titel: “Goodnight – Die Nacht, als Knecht ‘Blutbrecht’ kam” verpasst bekommen hatte) und letztes Jahr bei der Kurzdoku “Steel Drums, Not Guns” über die Geschichte der Steel Drum. Obwohl David Hess auf der Leinwand immer so bedrohlich wirkte, war er im Privatleben ein sehr sympathischer Kerl, der gerne Filmtreffen besuchte und dort mit seinen Fans stundenlang über alles mögliche quatschte und gerne mal mit ihnen ein Bierchen trank. Kleines Trivia am Rande: Krug Stillo hat seinen Schöpfer Wes Craven so beeindruckt, dass er seinen nächsten großen Leinwand-Bösewicht nach ihm benannte: Freddy KRUGer.

Nachruf: Peter Falk (1927-2011)

Von , 28. Juni 2011 17:26

Es ist schade, dass ein so großartiger Schauspieler wie Peter Falk heutzutage weniger für seine wegweisende Arbeit mit John Cassavetes (“Ehemänner“, “Eine Frau unter Einfluss“) oder seine zwei Oscar-Nominierungen für Frank Capras “Die unteren Zehntausend” und “Unterwelt” erinnert wird.

Aber unsterblich wurde er nun einmal als Inspektor Columbo (echt nur mit “unsichtbarer” Ehefrau, zerknautschtem Mantel und ohne Vornamen). Als scheinbar schusseliger, aber genialer Detektiv, dem kein noch so gewiefter und kreativer Mörder entkam, wurde er zu einer unsterblichen TV-Legende. Angefangen hatte alles mit der Theaterstück-Verfilmung “Mord nach Rezept“. Als für die 1968er TV-Verfilmung dieses Broadway-Stückes von 1962 ein Darsteller des “Columbo” gesucht wurde, klopfte man zunächst bei Bing Crosby und Lee J. Cobb an, doch beide hatten keine Zeit und so wurde Peter Falk zu Inspektor Columbo. Der TV-Film erfreute sich einer solchen Beliebtheit, dass drei Jahre später der Pilotfilm für eine eigene “Columbo”-Serie folgte. “Columbo: Lösegeld für einen Toten” gab den Startschuss zu insgesamt 68 “Columbo”-Folgen. 2003 fand die Reihe mit “Columbo: Die letzte Party” ihren Abschluss.

Peter Falks Wurzeln lagen schon immer im TV, wo er in den 50er Jahren in zahlreichen TV-Serien als Gast auftrat. Ab Mitte der 50er sah man ihn dann auch vermehrt auf der großen Leinwand. Zumeist als Gangster und harter Hund. In den 60ern erweiterte sich sein Spektrum um komischen Rollen, wie die als Jack Lemmons Assistenten in Blake Edwards “Das große Rennen um die Welt” oder “Eine total, total verrückte Welt“.

1970 trat er das erste Mal in einem Spielfilm seines Kumpels John Cassavetes auf, mit dem er ein Jahr zuvor in dem italienischen Gangsterfilm “Die Unschlagbaren“  zusammengespielt hatte. “Husbands” ist ein Meilenstein des Indie-Kinos, der bereits viele Elemente moderner Indie-Filme vorwegnahm und wie ein Exot im Hollywood-Umfeld wirkt. Körnige schwarz-weiß Bilder, improvisierte Dialoge, eine intensive Erarbeitung der Geschichte zwischen Regisseur und Schauspielern und der Bruch sämtlicher Hollywood-Regeln. In “Eine Frau unter Einfluss” wurde diese Zusammenarbeit erfolgreich fortgesetzt.

1987 war er gleich in zwei überaus erfolgreichen Filmen zu sehen. Zunächst in Wim Wenders zauberhaftem “Himmel über Berlin“, in dem er sich selbst spielte, und dann in dem Kultfilm “Die Braut des Prinzen“, wo er den Erzähler/Großvater gab. Danach wurde es wieder ruhig um ihn, bis 1989 nach 11-jähriger Pause Inspektor Columbo auf den Bildschirm zurückkehrte.

Peter Falk starb am vergangen Donnerstag im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Alzheimer Erkrankung.

Für mich bleibt er neben “Columbo”, auch immer die Sam-Spade-Parodie “Sam Diamond” aus “Eine Leiche zum Dessert“. In meiner Kindheit war das tatsächlich einer meiner liebsten Filme.

Ein Ausschnitt daraus auf Deutsch:

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und einer im O-Ton:

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Nachruf: Sidney Lumet (1924-2011)

Von , 11. April 2011 16:22

Am vergangenen Samstag verstarb wieder einer der ganz Großen: Sidney Lumet.

Lumet gehört zu einer Zwischen-Generation von Regisseuren, die nicht mehr zum “Golden Zeitalter” der großen Studios gehörten, sondern sich in den 50ern mühsam durch die Mühlen des Fernsehens nach oben gekämpft haben und dann zu jung für Hollywood und zu alt für das “New Hollywood” waren. Sam Peckinpah war auch so einer. Dabei steht Lumet für alles, was das “New Hollywood” ausgemacht hat: Aktualität, soziale Schärfe und harte Realität. Wenn ich heute an Lumet denke, fallen mir auch sofort seine großen Werke aus den 70ern ein. Klassiker wie “Hundstage” (einem meiner Lieblingsfilme), “Serpico”, “Network” oder “Sein Leben in meiner Gewalt”. In seiner Konsequenz ging Lumet sogar noch weiter als die Stars eines “neuen Hollywoods”, die bald den Boden unter den Füssen verloren und deren einstige “Rebellion” in Gigantomanie umschlug.

Da fällt es schwer, sich daran zu erinnern, dass Lumet seinen ersten Spielfilm schon 1957 gedreht hat : “Die zwölf Geschworenen“, der sofort ein Klassiker des Gerichtsfilms wurde und sofort mit drei Oscar-Nominierungen bedacht wurde. Auch Lumet wurde gleich für sein Debüt nominiert, sollte den Oscar aber im Laufe seiner Karriere, trotz weiterer vier Nominierungen, nie gewinnen. Ein Ehren-Oscar für das Lebenswerk 2005 war da zumindest ein kleiner Trost.

In den 60ern lieferte Lumet einige interessante kleine Filme ab, die heute leider überwiegend in Vergessenheit geraten sind. Das böse und pessimistische Nuklearkrieg-Szenario “Fail Safe” mit Henry Fonda und Walter Matthau, “Der Pfandleiher” ein düsteres Drama mit Rod Steiger oder das brutale Kriegsdrama “Ein Haufen toller Hunde” mit Sean Connery.

Nach einem kleinen Durchhänger mit eher belanglosen Filmen Ende der 60er, startete er dann 1971 mit dem Gangsterfilm “Der Anderson Clan” und dem Polizei-Thriller “Sein Leben in meiner Gewalt” (1972), beide mit Sean Connery, der hier erfolgreich gegen sein James-Bond-Image anspielte, so richtig durch. In der Folgezeit jagte bis Anfang der 80er ein Klassiker den nächsten: “Serpico” (1973), “Hundstage” (1975), “Network” (1976), “Equus – Blinde Pferd” (1977), “Prince of the City” (1981) und schließlich “Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit” (1983). Erwähnt werden soll auch noch eine, wenn nicht DIE, gelungenste Agatha-Christie-Verfilmung “Mord im Orient-Express“. Über das “Zauberer von Oz”-Remake “The Wiz” mit Diana Ross und Michael Jackson legen wir einmal das Mäntelchen des Schweigens.

Ab Mitte der 80er schien Lumet etwas an Biss verloren zu haben. Aber mit seinem (leider) letzten Film “Tödliche Entscheidung“, meldete er sich noch einmal eindrucksvoll zurück und setzte einen beeindruckenden Schlusspunkt unter ein großes Lebenswerk.

Hier eine meiner Lieblingszenen, nicht nur aus einem Sidney-Lumet-Film, sondern auch überhaupt. ATTICA! ATTICA!

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Zwei Nachrufe: Elizabeth Taylor (1932-2011) und Farley Granger (1925-2011)

Von , 29. März 2011 20:15

Schon in der vergangenen Woche verstarb Hollywood-Legende (dieser ausgelutschte Begriff trifft hier wirklich mal den Nagel auf den Kopf) Elizabeth Taylor. Eine der letzten Ikonen des klassischen Hollywoods und seiner goldenen Jahre in den 50ern und frühen 60ern. Begonnen hatte die in London als Tochter eines us-amerikanischen Ehepaars geborene Taylor als Kinderstar. Dabei will es die Legende, dass die nicht besonders hoch gewachsene von ihrem Vater auf eine Streckbank gezwungen wurde, was noch im späteren Alter zu schmerzhaften Problemen und zu ihrer Alkohol- und Tablettensucht führte.

Schon früh wurde sie ins Haifisch-Becken Hollywood geworfen und spielte mit 9 Jahren die Hauptrolle in dem Kinderfilm-Klassiker “Heimweh” (Lassie come home). Es folgten weitere Kinderrollen bis sie 1952 das erste Mal eine Erwachsenenrolle hatte: Die Tochter von Spencer Tracy in “Vater der Braut” und der Fortsetzung “Ein Geschenk des Himmels“. In den folgenden Jahren trat sie vermehrt in Dramen auf, wie dem formidablen “Die Katze auf dem heißen Blechdach“, “Ein Platz an der Sonne“, “Giganten” oder “Land des Regenbaums“. 1960 gewann sie für die – zur damaligen Zeit – kontroverse Darstellung einer Prostituierten in “Telefon Butterfly 8” ihren ersten Oscar.

Anfang der 60er galt sie als schönste Frau der Welt und wurde in dem Monumentalfilm “Cleopatra” in der Titelrolle besetzt. Der Film schlug alle bis dahin bekannten Superlativen. Die Dreharbeiten liefen völlig aus dem Ruder, zogen sich über zwei Jahre hin und verschlangen immer mehr Geld. Am Ende war “Cleopatra” der bis dahin teuerste Film der Geschichte (und sollte – inflationsbereinigt – erst 2009 von James Camerons “Avatar” abgelöst werden!) und das Filmstudio 20th Century Fox so gut wie bankrott. Dafür hatte sich Elizabeth Taylor ihren Co-Star Richard Burton geangelt und mal locker 7 Millionen US-Dollar Gage eingestrichen.

Mit Burton zusammen spielte sie 1966 auch in dem großartigen “Wer hat Angst vor Virginia Woolf” (für den sie ihren zweiten Oscar gewann) und im Jahr darauf die “Der widerspenstigen Zähmung“. Ende der 60er Jahr rückten mehr die turbulenten, alkoholgeschwängerten Streitereien mit Burton, die Scheidung von ihm 1974 und die erneute Heirat ein Jahr später in den Vordergrund. Prägnante Rollen blieben aus und die Taylor verwandelte sich in einen grellgeschminkten und mit Übergewicht kämpfenden 70er-Jahre-Albtraum. Von der zarten und eleganten Schönheit der 50er keine Spur mehr, dafür wurde sie nun immer matronenhaftiger. Mir selbst ist aus dieser späten Zeit nur noch der unheimliche Psychothriller “Die Nacht hat 1000 Augen” (den ich als Kind mal heimlich im Spätprogramm geguckt habe und der mir daraufhin eine schlaflose Nacht bescherte) und die Gastrolle in der Miss-Marple-Film “Mord im Spiegel” in Erinnerung.

Schlagzeilen machte die Taylor nur noch in Bezug auf ihr Privatleben und die Presse schrieb genüsslich über ihre Ehe mit einem 20 Jahre jüngeren Bauarbeiter, den sie während ihres Aufenthalts in einer Entzugklinik kennen gelernt hatte. Allerdings nutzte sie ihre Bekanntheit auch für gute Zwecke. So setzte sie sich bereits ab 1981 vehement für die AIDS-Forschung ein und unterstützte diese mit Geld und öffentlichen Auftritten. Im Jahre 2000 wurde die Schauspielerin, die einen englischen und einen amerikanischen Pass besaß, von Elisabeth II zur “Dame” geadelt. Am 23. März starb Dame Elizabeth Taylor in Los Angeles an einem Herzversagen.

Am Sonntag verstarb mit 85 Jahren der us-amerikanische Schauspieler Farley Granger. Grangers erste große Rolle ein Teil des jugendlichen Duos, welches in Alfred Hitchcocks “Rope” ihrem Professor (James Stewart) den perfekten Mord präsentieren wollen. Richtig berühmt sollte er allerdings erst 1950 werden, als er die Hauptrolle in einem anderen Hitchcock-Film übernahm: In dem Klassiker “Der Fremde im Zug“. Danach drehte er mit Luchino Visconti “Sehnsucht“, dann konzentrierte er sich erst einmal auf eine Theaterkarriere und trat vermehrt im TV auf.

In den frühen 70er Jahren zog er mit seinem Lebensgefährten Robert Calhoun nach Italien, wo er in der Folgezeit in zahlreichen Genrefilmen auftrat, die das Herz des Italo-Fans schneller schlagen lassen. Z.B. in “Die linke und die rechte Hand des Teufels” mit Bud Spencer und Terence Hill, “Der Tod trägt schwarzes Leder” von Massimo Dallamano oder “Schön, nackt und liebestoll” (gerade in einer tollen Edition bei Camera Obscura erschienen) von Roberto Bianchi Montero. Bei Letzterem haben die findigen Produzenten ohne Grangers Wissen Hardcore-Szenen in das Werk hinein schneiden lassen, woraufhin Granger diese Fassung gerichtlich verbieten ließ. 1981 war er noch in Joseph Zitos “Forke des Todes” zu sehen, danach wurde es ruhiger um ihn.

Nachruf: Michael Gough (1916-2011)

Von , 19. März 2011 12:40

Am vergangenen Donnerstag verstarb der britische Schauspieler Michael Gough im gesegneten Alter von 94 Jahren. Den jüngeren (na ja) Filmfreunden wird er vermutlich nur durch seine Rolle als Butler Alfred Pennyworth in den ersten vier Batman-Filmen von Tim Burton bzw. Joel Schumacher bekannt sein.

Wer sich aber für britisches Genre-Kino der goldenen 50er, 60er und 70er begeistert, dem werden beim Namen Michael Gough die Augen leuchten. So spielte er doch zusammen mit Peter Cushing und Christopher Lee in dem ersten großen Erfolg der legendären Hammer-Studios “Dracula“, die Hauptrollen in den beiden Kultfilmen “Das schwarze Museum” und “Konga“, war zu Gast in den Produktionen der Amicus-Studios (u.a. “Die Todeskarten des Dr. Schreck“, “Der Schädel des Marquis de Sade“) und den wunderbaren TV-Serien “Mit Schirm, Charme und Melone” (wo er Dr. Clement Armstrong, den Erschaffer der legendären “Cybernauten” spielte) und “Dr. Who“. In den 70ern war er der Star solcher Filme wie “Frankensteins Horror-Klinik” oder “Teufelsbrut – Sklaven des Satans”.

1989 besetzte ihn Tim Burton als Alfred Pennyworth, Bruce Waynes Butler und väterlichen Freund, in dem Mega-Erfolg “Batman“. Diese Rolle übernahm Michael Gough dann auch in der ausgesprochen gelungenen Fortsetzung “Batman Returns” (eine meiner liebsten Comic-Verfilmungen überhaupt) und den beiden unsäglichen Sequels von Joel Schumacher. Ein Jahr später holte Tim Burton ihn für seine Hommage an die klassischen Hammer-Filme “Sleepy Hollow” und nutzte später Goughs markante Stimme in seinen Filmen “Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche” und “Alice im Wunderland“. Letzterer, wo er einem Dodo seine Stimme lieh, war dann auch Michael Goughs letzte Filmarbeit.

Neben seiner Filmtätigkeit war Michael Gough auch ein gefeierter Theaterschauspieler und trat in zahlreichen TV-Produktionen auf.

Michael Gough starb am 17.März 2011.

Nachrufe: Maria Schneider, Lena Nyman und Tura Satana

Von , 6. Februar 2011 19:00

Im Abstand von nur zwei Tagen starben gleich drei Schauspielerinnen, die gleich durch ihre ersten Hauptrollen zu Sexsymbolen ihrer Ära wurden: Maria Schneider, Lena Nyman und Tura Satana.

Maria Schneider (27.03.1952 - 03.02.2011)

Maria Schneider wurde durch Bernardo Bertoluccis “Der letzte Tango von Paris” auf einen Schlag weltberühmt. In dem damals hochkontroversen (und heute eher harmlosen) Film spielte sie eine junge Frau, die sich in einem Pariser Apartment für vier Tage einem von Marlon Brando gespielten, Witwer hingibt, was letztendlich in einer Katastrophe endet. Dies tat sie vorzugsweise nackt. Zudem wartete der Film mit damals (für ein Hochglanz-Kunstfilm) sehr gewagten Szenen auf, bei denen z.B. ein Stück Butter eine wichtige Rolle spielt. Maria Schneider wollte aber nicht auf die hübsche Nackte festgelegt werden. Später wetterte sie heftig gegen Bertolucci und Brando, dass beide sie für diesen Film ausgenutzt und manipuliert hätten. Für ihre Filme nach dem “Letzten Tango” weigerte sie sich, sich noch einmal vor der Kamera auszuziehen. Obwohl sie danach noch in Michelangelo Antonionis  wunderbaren “Beruf: Reporter” oder in Jacques Rivettes “Merry-Go-Round” mitspielte, blieben doch die großen Rollen und die große Karriere aus. Berühmt ist sie heute vor allem für ihre freizügige Rolle in dem Film, den sie am meisten hasste: “Der letzten Tango in Paris”. Sie starb mit 56 Jahren am 3.2. in Paris an Krebs.

Lena Nyman (23.05.1944 - 04.02.2011

Lena Nyman erinnert vom Aussehen her ein wenig an Maria Schneider. Beide waren etwas pummelig und pausbäckig. Wie Maria Schneider wurde sie mit ihrer freizügigsten Rolle berühmt. Sie spielte die Lena in Vilgot Sjömans Skandalfilmen “Ich bin neugierig – gelb” und “Ich bin neugierig -blau” die neugierige “Lena”, die nicht nur Sex mit einem verheirateten jungen Mann hat, sondern vor allem auch viele Frage nach der Politik und Gesellschaft stellt. die Sexszenen waren für damalige Verhältnisse schon recht explizit – so dass der Film in den USA als Pornographie eingestuft wurde -, aber der wahre Skandal waren Lenas scheinbar naive kritische Fragen. Nach dem Skandal um “Ich bin neugierig” wurde Lena Naman eine der berühmtesten Theaterschauspielerinnen und Komödiantinnen Schwedens. 1978 spielte sie (kam erkennbar und absolut überzeugend) die behinderte Schwester von Liv Ullman in Ingamr Bergmans “Herbstsonate“. Sie starb am 4.2. nach langer Krankheit mit 66 Jahren in Stockholm.

Tura Satana (10.06.1935 - 04.02.2011)

Tura Satana ist ein ganz anderes Kaliber als die beiden vorgenannten Damen. Geboren 1935 in Japan als Tochter eine japanisch/indianisch-schottischen Paares. Mit 13 Jahren kam sie in die USA und arbeitete dort als Fotomodell (u.a. für Harold Lloyd!) und Burlesque-Tänzerin. Nach kleinen Statistenrollen im Film und Fernsehen kam ihre große Stunde 1964 als sie in Russ Meyers unvergleichlichen “Faster Pussycat! Kill! Kill!” (dt. “Die Satansweiber von Titfield”). Hier spielte sie die Anführerin eine gnadenlose Mädchenbande. Dieser Film sollte sie unsterblich machen (und bin meiner Jungessellen-Bude hinge über viele Jahre das Poster dieses Filmes). Danach war sie noch in Ted V. Mikels “Astro Zombies” (auch so ein Kultfilm, aber eher von der Sorte “So schlecht, dass er schon wieder gut ist”) und “The Doll Squad” zu sehen. Dann wurde es still um sie. Nach bewegenden Jahren mit vielen privaten Katastrophen (u.a. wurde sie von einem Ex-Liebhaber angeschossen!), tauchte sie 2002 in einer Fortsetzung von “Astro Zombies” wieder auf.

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Nachruf: Bernd Eichinger (1949-2011)

Von , 30. Januar 2011 18:52

Ich gebe zu, dass mir Bernd Eichinger eigentlich immer unsympathisch war. Ein deutscher Jerry Bruckheimer, der Hollywood weitaus näher stand, als dem europäischen Autorenkino. Der gerne den starken Mann markierte und großkotzig auftrat. Bis zu einem Augenblick im letzten April, wo ich das erste Mal wirkliche Sympathie für den Kerl empfunden habe.

Am 23. April 2010 erhielt Bernd Eichinger den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie für sein Lebenswerk. Als Eichinger dann auf die Bühne ging, um seinen Preis abzuholen, war er sichtlich bewegt. Ein Eindruck, der sich in seiner Dankesrede verfestigte. Dieser mächtige Mann war zutiefst dankbar und gerührt dafür, dass seine Arbeit endlich gewürdigt wurde. Dass er letztendlich einmal auch Anerkennung von der deutschen Filmszene erhielt. Da wirkte er dann zutiefst menschlich und zum erste Mal war er mir von Grund auf sympathisch. Ja, ich freute mich sogar für ihn, obwohl ich seinen Werken sehr kritisch gegenüberstehe.

Vor allem, wenn er aus tragischen Ereignissen der deutschen Geschichte, wie dem dritten Reich (“Der Untergang“) oder dem deutschen Herbst 1977 (“Der Baader-Meinhoff-Komplex“) massentaugliches Eventkino machte. Aber andererseits hat er hat auch den “Namen der Rose” produziert, “Christiane F.” und “Das Geisterhaus“. Er hat das deutsche Kino mit schrecklich seichten oder schlichtweg dämlichen Komödien überflutet, andererseits aber auch internationale Großproduktionen nach Deutschland geholt und damit die Industrie hier gefestigt. Fast im Alleingang sorgte er dafür, dass Deutschland international als Filmstandort kein unbeschriebenes Blatt ist. Was wiederum viele Filmschaffende in Brot und Lohn bringt und die Chance eröffnet, sich international zu beweisen.

Nun verstarb Bernd Eichinger völlig überraschend am 24. Januar. In den Nachrufen und Feuilletons wird sein Lebenswerk nun glorifiziert und die bange Frage gestellt, ob es eine Zukunft für den deutschen Film nach Eichinger gibt. Natürlich tut es das. Vor allem abseits der großen “Neue Constantin”-Produktionen, hat sich eine feine Szene von überaus talentierten jungen Filmemachern entwickelt, die mangelndes Budget durch gute Geschichte, Einfallsreichtum und großes Talent ausgleichen.  Hier seien nur mal Andreas Dresen, Christian Petzold oder Hans-Christian Schmid erwähnt.

Was aber die großen Mainstream-Produktionen angeht, befürchte ich, dass nun die Manager und Controller die Produktionen übernehmen und die Situation noch unerträglicher wird, als sie es schon war. Bei Eichinger, der ja erwiesenermaßen das Kino liebte, gab es noch hier und da Ecken und Kanten. Ich befürchte, diese werden von seinen Nachfolgern nun endgültig ausgebügelt. Und vor allem wird der deutschen Filmlandschaft ein weiterer Charakterkopf fehlen, an dem man sich mit Vergnügen reiben konnte.

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Anmerkung: Ich sehe gerade, dass Eichinger nicht nur das Prestige-Objekt “Der Untergang”, sondern 1977 auch Hans-Jürgen Syberbergs siebenstündiges Mammut-Kunstwerk “Hitler, ein Film aus Deutschland” produziert hat. Das finde ich bemerkenswert.

Nachruf: Jean Rollin (1938-2010)

Von , 17. Dezember 2010 13:51

Gestern geisterte die Nachricht erst als Gerücht durch diverse Foren. Nachdem am frühen Nachmittag erst Entwarnung gegeben wurde, bestätigte sich die traurige Meldung dann doch noch. Jean Rollin ist tot. Obwohl bereits gemunkelt wurde, dass seine letzter Film gleichzeitig sein eigenes Requiem war, kam die Nachricht doch wie ein Schock.

Jean Rollin begleitet mich schon lange durch mein filmisches Leben. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Rollin-Film. Es war “Requiem For A Vampire” und ich war von Anfang an gebannt. Wie es der Zufall so will, war ich damals schon im Netz aktiv und hatte flugs einen kleinen Text für meine damalige Homepage verfasst, den ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte. Man sollte allerdings bedenken, dass dieser nun um die 15 Jahre alt ist.

Ein phantastischer, unglaublich schöner Film. Der Film schwelgt in wunderschönen Bildern und verzichtet dabei fast völlig auf Dialoge. Allein der Anfang, wo die beiden als Clowns verkleideten Mädels über die Felder laufen, lässt einen wohlige Schauer vor lauter Schönheit der Bilder über den Rücken laufen. Auch sonst ist alles perfekt. Da Rollin, wie gesagt, fast völlig auf Dialog verzichtet, wird die Story allein durch Stimmungen und Atmosphäre erzählt. Man fühlt sich (auch durch den kongenialen Musikeinsatz) stark an alte Stummfilme erinnert. Wer allerdings auf Action steht sollte von diesem sehr bedächtigen Film die Finger lassen. Für alle anderen: Pflichtprogramm!

Rollins Filme sind seltsame Gebilde, die man entweder liebt oder mit denen man so gar nichts anfangen kann. Bekannt wurde er mit seinen vier erotischen Vampirfilmen, die er zwischen 1968 und 1971 drehte. Für diese war eine traumgleiche Stimmung kennzeichnend. Schöne, halbnackte Mädchen in durchsichtigen Gewändern, die traumwandlerisch durch die Gegend strichen; Vampire, die plötzlichen aus Standuhren heraus traten; dazu eine lyrisch-poetische Stimmung und das alles endete dann oft an Rollins Lieblingsplatz, dem Strand von Pourville in der Normandie. Rollins Filme kann man schwer beschreiben, man muss sie erleben. Weitere Meisterwerke folgten mit “La rose de fer” (1973), “Les démoniaques” (1974) und “Lèvres de sang” (1975).

1973 begann Jean Rollin unter dem Pseudonym Michel Gentil auch Sexfilme zu drehen, die bald schon die Grenzen zur Pornographie überschritten. In dieser Phase entdeckte er den Pornostar Brigitte Lahaie, der er dann auch Rollen in seinen ambitionierteren Filmen gab. Brigitte Lahaie wurde durch diese Filme Ende der 70er zum Kultstar.

Ende der 70er/Anfang der 80er drehte er dann seine kommerziellsten und in Genre-Fan-Kreisen beliebtesten Filme; “Les raisins de la mort” (1978, der in Deutschland unter dem markigen Titeln “Foltermühle der gefangenen Frauen” oder – noch schlimmer – “Zombis – Geschändete Frauen” veröffentlicht wurde), “Fascination” (1979) und “The Living Dead Girl” (aka “Lady Dracula”, 1982). Vor allem auch einen seiner besten Filme, den großartigen und unterkühlten “La nuit des traquées” (The Night of the Hunted, 1980).

Ab Mitte der 80er drehte er vor allem wieder Pornos. Mit “Les deux orphelines vampires” feierte er 1997 ein Comeback, dem 2002 “La fiancée de Dracula” und 2007 “La nuit des horloges” folgten. Noch in diesem Jahr kam ein neuer Film heraus, “Le masque de la Méduse“, der – wie eingangs erwähnt – von den Fans bereits als Abschiedsgeschenk aufgefasst wurde. In diesem, seinen nun leider wirklich endgültig letzten, Film hatte Jean Rollin noch einmal all die Themen behandelt, die ihn in seiner Karriere begleitet hatten. Die Rollen waren mit alten Freunden, Weggefährten und auch Familienmitgliedern besetzt. Es war sein Abschied und noch einmal die Zusammenfassung einer außergewöhnlichen Karriere. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt starb Jean Rollin am Mittwoch in Paris. Mit ihm stirbt ein visionärer Filmemacher und ein Stück dessen, was wir heute “Euro-Cult” nennen.

Weiterführende Links:

mubi.com

fearnet.com

Ein langes und sehr informatives Rollin-Portrait auf Telepolis

Aus dem “filmtagebuch” von Thomas Groh

Nachruf von Christian Keßler

Nachruf: Blake Edwards (1922-2010)

Von , 17. Dezember 2010 11:17

Ein großer Komödien-Regisseur ist von uns gegangen. Am Mittwoch starb Blake Edwards im Alter von 88 Jahren an einer Lungenentzündung.
Edwards hat die 60er Jahre maßgeblich mitgeprägt und in dieser Zeit auch einen der schönsten Filme aller Zeiten gedreht: “Frühstück bei Tiffany” mit der entzückenden Audrey Hepburn. Kurz danach startete er mit “Der rosarote Panther” durch in dem Peter Sellers den chaotischen Inspektor Clouseau gab. Diesen Erfolg sollte er dann noch mit weiten acht “Pink Panther”-Filmen noch bis 1993 fortsetzen sollte (da leider mit dem katastrophalen “Der Sohn des rosaroten Panthers” in dem Roberto Benigni mehr schlecht als recht den unehelichen Sohn des legendären Inspektor Clouseau spielte).
Neben seinen beiden berühmtesten Filmen dreht Blake Edwards 1968 noch eine meiner absoluten Lieblingskomödien, die im Original schlicht “The Party” heißt und in Deutschland den etwas plumperen Titel “Der Partyschreck” bekam. Wieder mit Peter Sellers in der Hauptrolle.
In den 70ern wurde es etwas ruhiger um ihn, bis auf die obligatorischen “Pink Panther”-Filme, bis er 1979 mit “10” noch einmal voll durchstartete und aus Dudley Moore und Bo Derek kurzfristig internationalen Stars machte. Es folgten “S.O.B.” und der tolle “Victor/Victoria“, das Remake einer deutschen Komödie von 1933. 1989 und 1991 ließ er noch einmal mit den beiden Erfolgen “Skin Deep” bzw. “Switch” von sich reden, dann wurde es sehr ruhig um ihn. Sein letzter Kinofilm war dann der oben schon mal genannte “Sohn des rosaroten Panther”, der leider keinen würdigen Abschluss dieser mit Juwelen besetzten Karriere darstellte.

Hier noch zwei weitere Nachrufe auf ihn:

sueddeutsche.de
mubi.com

Sowie zwei unvergessliche Momente aus seinen Filmen, die ihn unsterblich gemacht haben.

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