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Nachruf: George A. Romero (1940-2017)

Von , 18. Juli 2017 20:47

Einem Feuersturm gleich rauschte am Sonntagabend die Nachricht durch meine sozialen Netzwerke, dass George A. Romero gestorben ist. Dass diese traurige Nachricht in Windeseile meine Timeline auf Facebook füllte, zeigte mir einerseits, dass ich dort mit den richtigen Leuten verbunden bin, und andererseits, wie viel George A. Romero so vielen Menschen bedeutet hat.

In den Feuilletons war gestern immer wieder die Rede vom „Vater des modernen Horrorfilms“. Das mag stimmen, engt aber die Wahrnehmung etwas zu stark ein. Ja, natürlich ist Romero in erster Linie für seine Zombiefilme bekannt. Für „Night of the Living Dead“, der in der Tat der Anfang einer neuen Geschichtsschreibung im Horrorfilm war. Für den vielgeliebten „Dawn of the Dead“, der erst recht seinen Kultstatus untermauerte – auch wenn viele Leute hierzulande nur die von Mit-Produzent Dario Argento angefertigte, sehr viel rasanteren Schnittfassung kennen – und nicht die längere, langsamere – aber auch böserer und mit hintersinnigem, schwarzen Humor angereicherte US-Schnittfassung (von dem später entstandenen Director’s Cut mal ganz zu schweigen). „Day of the Dead“ war schließlich lange Zeit der etwas unbeliebtere Nachzügler (ein Kompromiss-Produkt, da Romero seine ursprünglich sehr viel größere Vision finanziell nicht realisieren konnte), dessen Qualitäten erst mit den Jahren entdeckt wurden.

Dabei fallen seine Versuche aus dem Ghetto des „Zombie-Opas“ auszubrechen leider allzu häufig unter den Tisch. Wie sein vielleicht reifster Film „Martin“, der den Vampirmythos dekonstruiert und offen lässt, ob sein durch die heruntergekommene Stahlstadt Pittsburgh wandernder Protagonist nun wirklich ein Vampir ist oder nicht. „The Crazies“ und die Horror-Comic-Verfilmung „Creepshow“, die er mit seinem guten Freund Stephen King realisierte, sind noch sehr beliebt, aber wer kennt „Season of the Witch“ – den er trotz des eines okkulten Themas selber nicht als Horrorfilm bezeichnete – und seine romantische Komödie „There Is Always Vanilla“ (die er zugegebenermaßen selber nicht mochte)? Tatsächlich hat sich Romero vor allem mit seinen Zombiefilmen ein Denkmal gesetzt – und ein Gefängnis gebaut. Denn in den späteren Jahren und nach dem immensen Flop seines Filmes „Bruiser“ dauerte es ein halbes Jahrzehnt bis er wieder einen Film finanziert bekam. Und dies auch nur, da nach dem extrem erfolgreichen Remake seines eigenen „Dawn of the Dead“ durch Zack Snyder (an dem er nicht beteiligt war) Zombiefilme wieder schwer en vogue waren.

So konnte Romero noch einmal mit „Land of..“, „Diary of…“ und „Survival of the Dead“ eine Folgetrilogie realisieren, die nicht überall auf Applaus stieß. Gerade „Diary“, der zudem das preisgünstige, aber auch 2007 schon inflationären Found-Footage-Genre zugeordnet werden kann, musste viel Kritik einstecken. Auch „Survival“ wurde nicht von jedem positiv aufgenommen. Ein häufiger Vorwurf war, dass sich Romero wiederholen und seine sozialkritische Botschaft zu dick auftragen würde. Dabei war es gerade dieser doppelte Boden, der ihn von anderen Filmemachern, die sich im Horrorgenre versuchten, abhob.

In Romeros Filmen gab es immer diese zweite Ebene, die der Gesellschaft mit viel schwarzem Humor einen Spiegel vorhielt. In Romeros Filmen scheitert der Mensch nie an den Untoten oder den übernatürlichen Feinden – sondern immer an sich selbst. Dem Egoismus, der grenzenlosen Gedankenlosigkeit, den Vorurteilen und der Unfähigkeit auch unter Druck zusammenzuarbeiten. So war beispielsweise die Stephen-King-Verfilmung „Stark – The Dark Half“ ein perfekter Romero-Film. Am Ende muss der Held gegen seine eigene, dunkle Seiten kämpfen. Kein übernatürlicher Killer der irgendwo aus dem Nichts gekommen ist, sondern ein Teil seiner selbst. Gerade dieser Subtext sprach vielen seiner Fans aus der Seele.

Romeros Horrorfilme waren immer etwas mehr. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Menschen und der Gesellschaft, die er erschaffen hat. Und dies ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Romeros letztes vollendetes Projekt war wieder eine Zombie-Geschichte: Die Comic-Reihe „Empire of the Dead“. Obwohl diese aufgrund der schieren Masse der Themen, die hier verarbeitet wurden, gescheitert ist, blieb sich Romero doch auch hier immer treu.

George A. Romero starb am  16. Juli 2017 in Toronto mit nur 77 Jahren nach einem  kurzen, aber intensiven Kampf an Lungenkrebs. Er ist friedlich eingeschlafen, zur Musik seines Lieblingsfilmes: „Der Sieger“ von John Ford. Er wird fehlen.

Nachruf: Michael Ballhaus (1935-2017)

Von , 14. April 2017 15:50

Über Michael Ballhaus muss man nicht viele Worte verlieren. Er war einer der brillantesten, einfallsreichsten und berühmtesten Kameramänner der Welt. Gerade letzteres zeigt seinen großen Stellenwert in der Filmgeschichte. Sind doch die Namen selbst der Großen dieser Zunft oftmals nur einem interessierten Kreis bekannt. Schlechter ergeht es da oftmals nur den Drehbuchautoren. Michael Ballhaus war aber eine Legende. Berühmt geworden als Stammkameramann Faßbinders, dann in die USA gegangen, um dort eine langjährige Kooperation mit Martin Scorsese zu beginnen.

Doch Ballhaus sollte auf keinen Fall auf seine Arbeit für diese beiden Regie-Ikonen reduziert werden. Auch für andere Regisseure fing er grandiose, atemberaubende und vor allem immer als seine zu erkennende Bilder ein. Für Steve Kloves‘ wunderschön anzusehenden „Die fabelhaften Baker Boys“, für Robert Redfords Regiearbeiten, Kollegen Barry Sonnenfeld, Barry Levinson, Wolfgang Petersen, Prince (!) und Francis Ford Coppola bei dessen „Dracula“-Verfilmung.

Letztere scheint Ballhaus besonders am Herz gelegen zu haben. Als er im Herbst 2011 in Bremen zu Gast im City 46 sein sollte, hatte er sich ausdrücklich diesen Film gewünscht. Ich weiß noch, wie ich damals diesem Tag entgegenfieberte und extra Urlaub genommen hatte, um dabei sein zu können. Leider musste Michael Ballhaus kurz vorher aus persönlichen Gründen absagen. Ich war sehr traurig über diese verpasste Gelegenheit und hoffte, dass sich trotzdem irgendwann die Gelegenheit ergeben würde, Michael Ballhaus persönlich zu erleben. Diese ergab sich leider nie.

Nun ist Michael Ballhaus am 12. April im Alter von 81 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin verstorben. Bereits 2014 hatte er in Autobiographie öffentlich gemacht, dass er durch den grünen Star nach und nach seine Sehkraft verlor. Für einen Menschen, der ganz mit und durch die Augen lebte die Höchststrafe. Er selber sagte dazu: „Was mir bleibt, sind die Bilder im Kopf. Sie sind da und kommen immer wieder“. Seine Bilder werden auch uns im Kopf bleiben.

Nachruf: Radley Metzger (1929-2017)

Von , 4. April 2017 16:22

Radley MetzgerUnd wieder muss ich unerwartet einen Nachruf schreiben. Noch dazu einen, der mich besonders traurig stimmt, da ich zumindest einmal die Chance hatte, den Verstorbenen einmal persönlich zu erleben. 2010 war Radley Metzger auf dem 17. Internationalen Filmfest Oldenburg zu Gast, wo ihm eine Retrospektive gewidmet war. Begenet bin ich ihm damals nur durch Zufall. Als „Oldenburg-Novize“, wusste ich noch nicht, wo man, wann sein sollte. Und da ich mich in der „filmlosen Zeit“ vor der ersten Vorstellung des Tages langweilte, warf ich einen Blick in die VIP-Lounge. In der Lounge hatte man einen Beamer aufgebaut und als ich rein kam, lief dort gerade Radley Metzgers „Carmen, Baby“, ein Film der gar nicht zur Retrospektive gehörte. Nach dem Film guckte Radley Metzger auch noch persönlich vorbei und plauderte etwas aus dem Nähkästchen. Was wunderbar war, da der Mann nicht nur unglaublich sympathisch, sondern auch einem verschmitzten Schalk im Nacken ausgestattet war. Dann wurde – begleitet von seinen humorvollen Anmerkungen – noch ein „Making-Of“ seines Filmes „Score“ gezeigt, an dessen Anschluss Metzger noch eine DVD aus der Tasche zauberte, die ein – wie er ankündigte – sehr gelungenes Interview mit ihm enthielt.  Auf seine Frage, ob jemand Interesse hätte dies zu sehen, antworteten die Anwesenden natürlich unisono mit „Ja!!!“. Leider bin ich ja von Natur aus sehr schüchtern und konnte mich nicht überwinden, meinen Helden meiner frühen „Filmausbildung“ und des erotischen Films in den 60er und 70er Jahren generell anzusprechen. Worüber ich mich heute noch ärgere.

Ein  Jahr später sah ich ihn erneut in Oldenburg. Da saß er dann zusammen mit Matthew Modine in der internationale Jury. Leider war der Ort an dem wir uns trafen nicht dafür geeignet, um endlich mal allen Mut zusammenzunehmen und ein paar Worte an Radley Metzger zu richten. Wir begegneten uns nämlich auf der Toilette des Casablanca-Kinos. Damals fiel mir allerdings schon auf, dass er im Vergleich zum Vorjahr sehr gealtert und gebrechlich schien. 2013 war er nochmal in Oldenburg, um seinen Film „The Image“ in einer neuen remasterten Version vorzustellen. Aber da kreuzten sich unsere Wege leider nicht mehr.

2014 wurde ich von der  geschockt über die Nachricht, dass ausgerechnet dieser Film in Deutschland verboten wurde. Metzgers Meisterwerk „The Image“ – welches bisher nur bei der amerikanischen Firma „Synapse“ auf DVD veröffentlicht wurde – wurde am 30. Januar 2014 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, kurz BpjM, indiziert und auf ihre berüchtigte Liste B gesetzt, auf der nur Filme (Musik, Spiele, Bücher usw.) stehen, bei denen von schwerer Jugendgefährdung und der Annahme einer strafrechtlichen Relevanz ausgegangen wird. Und am 02. April 2014 beschlagnahmt das Amtsgericht Fulda die amerikanische „Synapse“-DVD. Metzgers „The Image“ verstosse angeblich gegen § 131 StGB, woraus folgt, dass er „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt.“ Ich kann beim allerbesten Willen keinen der oben genannten Punkte in diesem Film sehen – es sei denn bereits das Zeigen sado-masochistischer Praktiken (die ja unter Einverständnis beider Parteien geschehen) ist bereits eine „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeit“. Dann müssten aber auch Filme wie der im selben Jahr entstandene „Die Geschichte der O“ oder „9 1/2 Wochen“ auf der Liste B landen. Mir ist auch nicht bekannt, dass 2013 in Oldenburg jemand wegen dieses Filmes in Ohnmacht gefallen oder vor lauter Empörung die Festivalsleitung angezeigt hätte. Richtig ärgerlich wurde die ganze Geschichte, wenn man damals in einer Diskussion auf Facebook aus berufenem Munde hören konnte, dass bereits eine deutsche Veröffentlichung des neu gemasterten Filmes unter Beteiligung von Radley Metzger persönlich in Vorbereitung war. Angesichts der sehr dünnen Verbreitung von Metzgers Filmen in Deutschland (es sind hierzulande bis heute gerade einmal „Das lüsterne Quartet“, „Camille 2000“ und „Die Katze und der Kanarienvogel“ auf DVD erschienen), wäre dies nicht nur großartig gewesen, sondern hätte möglicherweise zu einer kleinen und längst überfälligen „Radley-Metzger-Renaissance“ führen können, die bis heute nicht wirklich stattfand.

Radley Metzger begann seine Karriere in den späten 50er und frühen 60er Jahren, indem er europäische Arthouse-Produktionen von Bergmann oder Rossellini für den amerikanischen Markt aufbereitete, kürzte und den „sensationellen “ (sprich sexuellen) Inhalt in den Vordergrund schob. Diese „europäische“ Ausbildung merkt man dann auch in seinen ersten eigenen Spielfilmen, welche er dann auch konsequenterweise in Europa drehte, an. „Carmen, Baby“ (1967) ist ein wichtiger Meilenstein, weil Metzger sich erstmals dazu entschloss, den Film in Farbe zu drehen. Als „sexiest film with no nudity“ bescherte ihm der Film den größten finanziellen Erfolg seiner Karriere. Um Kosten zu sparen, realisierte Metzger viele seiner Filme in Europa, die er zudem vornehmlich im gutbürgerlichen Milieu ansiedelte. Aus diesem Grund wird er auch gerne als „Aristokrat der Erotik“ bezeichnet. „Therese und Isabelle“ (1968) wird als sein bester Film gehandelt: Basierend auf Violette Leducs autobiographischem Roman schildert er eine aufkeimende Liebe in einem Mädcheninternat. Der Film erschien auch in Deutschland, erhielt hervorragende Kritiken und gilt ebenso wie „Das lüsterne Quartet“ (1970) als ein Meisterwerk des erotischen Films. Metzger arbeitete mehrfach mit dem deutschen Kameramann Hans Jura zusammen, der in den sechziger Jahren zweimal mit dem Bundesfilmpreis für seine herausragenden Fähigkeiten als Kameramann ausgezeichnet wurde.

The Lickerish Quartet (1970)1973 drehte er mit Christiane Krüger und Siegfried Rauch in den Hauptrollen den empfehlenswerten „Evita Peron“-Schlüsselfilm „Sie nannten ihn kleine Mutter„, bevor er ein Jahr später mit „Score“ die Grenzen des erotischen Films schon leicht verschob.

Danach folgten 1974-78 einige Filme, welche dann ganz eindeutig im pornographischen Bereich angesiedelt waren. Aber auch hier leistete Metzger (unter dem Pseudonym Henry Paris) Außerordentliches. Er drehte keine platten Pornos, nein, seine Filme waren hochwertige und sehr stylische Spielfilme mit pornographischem Inhalt. Vor allem „The Opening of Misty Beethoven„, aber auch „The Private Afternoons of Pamela Mann“ und „Barbara Broadcast“ sind Klassiker und absolute (ähem) Höhepunkte des Genres, welche man sich so heute gar nicht mehr vorstellen kann. Großes Kino, dort wo man es normalerweise nicht (mehr) erwartet.

Camille 2000 (1969)In den „Paris“-Jahren drehte er nur einen Film unter eigenem Namen: Den oben schon erwähnten „The Image“ (aka „The Punishment of Anne“). Eine ernsthafte und hocherotische Auseinandersetzung mit dem Thema sexuelle Abhängigkeit und Sadomasochismus. Nach dieser Phase trat Metzger dann eigentlich nur noch mit dem Gruselkrimi-Remake „Die Katze und der Kanarienvogel“ (prominent besetzt mit Edward Fox und Honor Blackmann), sowie 1984 mit „The Princess and the Call-Girl“ (den ich allerdings nicht kenne) in Erscheinung. Seitdem hat sich Radley Metzger aus dem Filmgeschäft zurückgezogen.

Radley Metzger starb bereits am 31. März im stolzen Alter von 88 Jahren in New York.

Nachruf: Tomas Milian (1933-2017)

Von , 24. März 2017 19:43

Nachrufe zu schreiben ist immer eine ebenso traurige, wie ungeliebte Aufgabe. Darum halte ich mich damit zumeist gerne zurück, es sei denn, es betrifft einen jener Leinwand-Heroen oder Menschen hinter der Kamera, die mir etwas ganz Besonderes bedeuten. Vorgestern verstarb Tomas Milian. Wer sich nur im Entferntesten für das italienische Kino der 60er und 70er Jahr interessiert, der kennt dieses Gesicht. Nun, vielleicht sogar nicht nur dieses eine, denn Milan war ein begnadetes Chamäleon, welches vollkommen mit seiner Rolle verschmolz.

Besonders schön ist dies in Umberto Lenzis „Die Kröte“ zu sehen, wo er eine Doppelrolle spielt. Einmal den langhaarigen Buckligen, aus dem ein aus jahrelangem Spott und Unterdrückung geborener Menschenhass herausbricht (unvergesslich die Szene, in der sich zunächst vor der „feinen Gesellschaft“ zum Clown macht, um sich dann langsam als furchterregender Springteufel zu entpuppen, der bereit ist jeden einzelnen von ihnen mit seiner MG zu durchsieben). Und dann spielte er auch noch den bärtigen, mit einem gewaltigen Lockenkopf versehenen „Monnezza“, der ständiger in er blaue Latzhose steckt und sich lautstark über alles und jeden beschwert. Diesen wild gestikulierenden, lauten und immer ziemlich assigen „Monnezza“ , kannte man bereits aus „Das Schlitzohr und der Bulle“ und „Die Gangster-Akademie“.

1976 transformierte Milian diese Figur in „Die Strickmütze“ in den unkonventionellen, an Al Pacinos „Serpico“ orientierten Polizisten Nico Giraldi. Dem „Hippie Nico von der Kripo“, dem „Superbullen“ und „Schlitzohr“ von dem die deutschen Filmtitel der zwischen 1976 und 1984 enstandenen, 11-teiligen „Nico-Geradi-Reihe“ künden. Hierzulande hieß Geraldi bald schon „Tony Marroni“, die Kastanie, und dürfte unter diesem Namen vielen ein Begriff sein, die sich in den 80ern die den Videotheken herumgetrieben oder Anfang der 90er viel frühes Privatfernsehen geschaut haben. Milians bekannteste Figur, zeigte ihn als sehr körperlichen Schauspieler. Überlebensgroß, schon jenseits der Grenze zum comichaften. Leinwandsprengend, mitunter auch etwas nervig.

Aber Milian konnte auch ganz anders. Still, grüblerisch und ernsthaft in Filmen wie „Der Todesengel“ oder „Don’t torture a duckling“. Bedrohlich als vollkommen außer Kontrolle geratener Giulio Sacchi in Lenzis intensivem „Der Berserker“ oder als sadistischer Chako in Lucio Fulcis „Verdammt zu leben – verdammt zu sterben“. Milian war im Arthouse-Kino eines Michelangelo Antonioni („Identifikation einer Frau“) und Luchino Visconti („Boccaccio 70“ ) ebenso Zuhause, wie in herrlichem Blödsinn wie „Stetson – Drei Halunken erster Klasse“, wo er einen verrückten Samurai verkörperte oder in „Bud, der Ganovenschreck“ als schmierige Gigolo an der Seite von Bud Spencer.

Bei mir hinterließ er den ersten großen Eindruck in Sergio Sollimas erstklassiger Italo-Western-Trilogie „Der Gehetzte der Sierra Madre“, „Von Angesicht zu Angesicht“ und „Lauf um Dein Leben“. Meilensteine des Genres, die auch von Milians fiebriger Darstellung leben. Und natürlich als stoischer Fremder in Giulio Questis surrealistischen Albtraum-Western „Töte Django“.

Mitte der 80er ging der auf Kuba geborene Schauspieler in die USA, wo er schon in den 50er Jahren lebte und sich wie James Dean in den legendären Actor’s Studios ausbilden ließ. Dort war er im Fernsehen in den Serien „Miami Vice“ und „Mord ist ihr Hobby“ zu sehen, aber auch in großen Produktionen wie Sydney Pollacks „Havanna“, Oliver Stones „JFK“ oder Steven Spielbergs „Amistad“. Meist in kleiner Nebenrollen. 2000 holte ihn Steven Soderbergh für „Traffic“ vor die Kamera, wo er noch einmal eine größere Rolle spielte. Dann wurde es still um diesen großen Schauspieler. 2014 hatte er nach neun Jahren Pause noch einmal einen Auftritt in der Komödie „Fugly!“ mit John Leguizamo in der Hauptrolle.

Nun ist die Legende am 22. März in Miami mit 84 Jahren gestorben. Uns aber bleiben seine Filme, die diesen Ausnahme-Schauspieler für immer lebendig halten werden.

Nachruf: Bud Spencer (1929-2016)

Von , 28. Juni 2016 22:19

buddy3Es will in diesem Jahr kein Ende nehmen. Noch freudetrunken ob des sensationellen Sieges der Isländer über England und deren Einzug ins Viertelfinale der EM, schaute ich auf Facebook nach, was wohl die Freunde und Bekannten so dazu schreiben. Und augenblicklich war meine gute Laune verflogen. Was sich wie ein Lauffeuer auf Facebook verbreitete waren keine fröhlichen Sprüche über die Isländer (und Seitenhiebe auf die Engländer), sondern die Nachricht, dass Bud Spencer gestorben ist. Heute, am Tag danach, reißt der Strom der Beileidsbekundungen noch immer nicht ab. Fast jeder fühlt diesen tiefen Drang, seine ganz persönliche Erinnerung an Carlo Pedersoli, dem Mann der sich Bud Spencer nannte, zu teilen. Ich habe nur kurz darüber nachdenken müssen, wo Bud Spencer Spuren in meinem Leben hinterlassen hat. Da war einer meiner ersten Kinobesuche – der einzige mit meinem Onkel, wenn ich mich recht erinnere. Wir sahen „Buddy haut den Lukas“. Dann ein Besuch bei meiner Cousine, deren Freund einen Videorekorder hatte, um endlich mal „Vier Fäuste für ein Halleluja“ zu sehen, von dem mein Vater mir immer erzählt hatte. Film und Besuch sind mir lebhaft in Erinnerung geblieben. Sich mit dem Schulkameraden auf dem Sportplatz treffen und ein improvisiertes „Football“-Spiel auszutragen – weil wir alle am Vorabend „Sie nannten ihn Mücke“ gesehen haben.

buddy4Jeder scheint Bud geliebt zu haben (bisher las ich tatsächlich nur einen einzigen äußerst geschmacklosen Kommentar zu seinem Tod). Für alle war Bud Spencer ein Stück Kindheit. Der große Held. Kein Superheld, nein, sondern ein sehr, sehr menschlicher Held. Mit all seinen Fehlern und Makeln. Der sich aber nie unterkriegen und – für Kinder wichtig – sich auch nicht von Autoritätspersonen und Regeln aufhalten ließ. Der einfach das tat, was alle Kinder auch gerne machen würden. Einfach mal nicht auf die Eltern hören. Dass Bud Spencer seinen Figuren seit dem ersten gemeinsamen Film mit Terence Hill („Gott vergibt – Django nie“), spätestens aber nach den großartigen „Die linke und die rechte Hand des Teufels“ (mein Lieblingsfilm der Beiden) mit einem großen, goldenen Herzen ausstattete, machte ihn zu dem geliebten Onkel, mit dem man Pferde stehen wollte (tatsächlich ist er in den ersten Spaß-Western ja auch dann konsequenterweise ein Pferdedieb).

bud4In Deutschland war Bud Spencer immer ein Weltstar gewesen. Angehimmelt von mehr Fans, als so mancher strahlende und schöne Hollywood-Held. Ja, wo gibt es heutzutage noch jemanden, auf den sich Generationen so stark einigen können? Wobei sein riesiger Erfolg hierzulande sicherlich zu einem teil auch auf seine deutsche Synchronstimme Wolfgang Hess (der vor gerade einmal zwei Monaten ebenfalls verstarb) zurückzuführen. Dieses tiefe Grummeln beherrschte keienr so wie er. Nicht einmal Bud Spencer selber. Und dann ist da natürlich auch Rainer Brandt, der dem Duo Spencer-Hill immer die kessen Sprüche und beliebten Kalauer in den Mund legte (und damit auch so manchen ernsthaften Auftritt Bud Spencers oder Terence Hills versaute). Ich glaube, die Figur Bud Spencer war eine Mischung aus Pedersolis mächtiger Präsenz, Hess‘ Stimme und Brandts Sprüchen. Doch damit ist es jetzt für immer vorbei.

Bud Spencer - etwas näher dran

Bud Spencer – etwas näher dran

Wie populär Bud Spencer hierzulande noch immer war, obwohl er seit dem letzten „typischen“ Bud-Spencer-Film 22 Jahre vergangen waren, konnte man 2011 beobachten. Bud Spencer hatte gerade seine Autobiographie geschrieben (oder vielmehr schreiben lassen) und sein Verlag schickte den damals schon krank wirkenden, aber immer noch voller Energie steckenden Bud Spencer auf große Promo-Tour. Neben TV-Auftritten wurden auch große Autogrammstunden gegeben. Eine davon auch bei Thalia in Bremen. Leider war ich an diesem Tag verhindert und schickte daher meine Frau, um seine Autobiographie zu kaufen und für mich signieren zu lassen. So verpasste ich ein großes Ereignis in meinem Leben, weshalb ich mich heute noch ärgere. Aber meine Frau war erfolgreich, stellte sich tapfer in die schier unendliche Schlange wartender Fans und war erstaunt über die ganze – ja – Hysterie die diesem alten, ihr vollkommen unbekannten Mann entgegengebracht wurde. Und ich halte heute mein Buch mit dem schnell hingeschriebenen „Bud“ in Ehren. Auch wenn diese eher dünne Autobiographie irgendwie flach und unvollständig wirkte. Der Verlag hatte aber Blut geleckt und ließ Bud gleich noch eine Fortsetzung „schreiben“ und dann noch ein Kochbuch. Jedes Mal begleitet von der Ochsentour mit den Signaturen. Ein eher unwürdiges „durch das Dorf treiben“ einer Kuh, die so offensichtlich schnell noch gemolken werden sollte, bevor der Tod zuschlägt. Ich fand das widerlich und habe deshalb den ganzen Zirkus nicht mehr mitgemacht. Bud Spencer hatte etwas anderes verdient, als als kranken, alter Mann wie ein Zirkusbär durch die Manage gezogen zu werden. Auch wenn ihm selber der riesige Zuspruch seiner Fans sicherlich Freude bereitet hat.

Jetzt hat es ein Ende. Und ich vermisse ihn, denn ein Teil des eigenen Lebens, der Kindheit ist gegangen. Ist man erwachsen, wenn die Helden von damals nicht mehr da sind?

Nachruf: Andrzej Żuławski (1940-2016)

Von , 17. Februar 2016 21:44

andrzej-zulawskiHeute morgen begann mein Tag damit, dass ich – wie fast jeden Morgen – beim eiligen Frühstück auf Facebook herum surfte. Dort zitierte Tim Lucas ein Posting, in dem Andrzej Żuławskis Sohn Xawery geschrieben hatte, dass sein Vater im Krankenhaus sei und an unheilbaren Krebs leide. Das traf mich ziemlich unvorbereitet in die Magengrube. Doch wie das Leben so ist. Die Hektik und tiefe Müdigkeit am Morgen vertrieben die Gedanken an Żuławski, der zu meinen großen Helden gehört. Da der ganze Tag dann auch unter die Rubrik: „Wäre ich doch im Bett geblieben“ fiel, und mir der Arbeitsstress die Synapsen klingeln ließ, vergaß ich, was ich da am Morgen gelesen hatte. Überstunden taten dann noch ihr übriges dazu. Wider Erwarten schaffte ich es doch noch irgendwie, meine Jobs zu erledigen, und sass dann, von der den ganzen Tag über anhaltenden Hektik leicht zitternd, in der U-Bahn Richtung Hauptbahnhof. Zur Ablenkung klappte ich mein Smartphone auf (was ich im Grunde hasse) und begab mich heute zum zweiten Mal auf Facebook. Dort sprang mir gleich ein neues Posting ins Auge. Diesmal von Thomas Groh, der mitteilte, dass Żuławski heute morgen gestorben sei. Da kam alles zurück, was ich den ganzen Tag über verdrängt habe. Und in meinem Kopf schwirrt augenblicklich ein Lied herum, welches noch immer, während ich dies schreibe, in meinem Kopf widerhallt: „Blackstar“ von David Bowie.

Dessen Tod am 11. Januar hatte mich ebenfalls ziemlich aus der Kurve getragen. Und wie bei Żuławski frage ich mich, warum der Tod dieses Menschen so einen großen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ja, ich habe Bowie immer bewundert, seine Musik geliebt und ihn als Person – sofern man dies anhand von Dokumentationen und Artikeln beurteilen kann – respektiert und gemocht. Bowie war jemand, der mich lange Zeit mit seiner Musik begleitet hat, der immer irgendwie da war und von dem man glaubte, er würde ewig leben. Aber ich kannte ihn (natürlich) nicht persönlich. Trotzdem war es, als ob ein Verwandter gestorben wäre Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass sein Tod aus dem Nichts kam. Nichts hatte einen darauf vorbereitet. Im Gegenteil. Nach langen Jahren der Stille, war er erst kürzlich mit einem neuen Album zurückgekehrt, welches grandios ausgefallen war. Und dann hört man hier und dort Stückchen von dem, was sein nächstes Album werden sollte. Ungewöhnliche, interessante Musik. Ich habe selten einer Album-Veröffentlichung so entgegen gefiebert, wie der von „Blackstar“. Und vor allem war ich sehr aufgeregt, wenn ich daran dachte, was da noch alles kommen würde. Bowie schien sich mal wieder neu erfunden zu haben, und es war aufregend darüber zu spekulieren, in welche Richtung sich das alles noch entwickeln würde. Und dann die Nachricht: Bowie ist tot. Einfach so. Scheiß Krebs. Das hat mir etwas den Boden unter den Füssen weggezogen, und nachdem ich danach zwei Wochen lang nur noch seine Musik gehört und über ihn und seine letzten Jahre gelesen hatte, war die Trauer umso größer. Beim Video zu „Lazarus“ habe ich geweint.

andrzej-zulawski2Auch Andrzej Żuławski habe ich nicht persönlich gekannt. Ich hätte ihn vielleicht noch kennenlernen können, wenn er etwas länger gelebt hätte – aber das ist ist eine andere Geschichte und gehört hier nicht her. Ja, ich habe Żuławski immer bewundert, seine Filme geliebt und ihm als Person respektiert und gemocht. Es gibt in einem einstündigen Interview, welches sich auf der polnischen DVD von „Der silberne Planet“ befindet, eine wunderbare Szene, die mich über alle Maße entzückt hat. Da kommt während des Interviews seine damalige Lebensgefährtin Sophie Marceau, herein und fragt ihn, wie lange das denn noch dauern würde. Sie wollten doch mit den Kindern los. Das fand ich irgendwie großartig. Żuławski hat mich nicht so lange Zeit mit seinen Filmen begleitet hat, wie Bowie mit seiner Musik. Aber sie haben einen gewaltigen Eindruck bei mir hinterlassen, den ich kaum beschreiben kann. Seine Filme hatten eine unglaubliche Wucht. Einen Żuławski-Film erkennt man sofort. Die unglaublich energetische Kamera, das leidenschaftlich, beinah expressionistische Agieren seiner Figuren. Die Musik (Andrzej Korzyński!), die sich in den Gehörgang bohrt und sich zusammen mit den Bildern im Hirn verankert. Und was für Bilder fand Żuławski! Ich gebe zu, Filme wie „Der Teufel“ oder „Der silberne Planet“ nicht bis hinter die letzte Nachkommastelle verstanden zu haben. Aber muss man das? Nein, weil man seine Filme im besten Sinne des Wortes ERLEBT. Sie reißen einen mit, wirbeln einen herum und verändern einen. So wie Isabelle Adjani sich in seinem bekanntesten Film „Possession“ verändert. Wie bei Bowie herrschte auch bei Żuławski eine lange Zeit des Schweigens. Nach seinem letzten großen Film mit Sophie Marceau, „Die Treue der Frauen“ im Jahre 2000 kam nichts mehr. Bis zum letzten Jahr, als die Neuigkeit die Runde machte, dass Żuławski nach 15 Jahren wieder an einem neuem Film arbeitet. „Cosmos“ wurde nun in Berlin in der „Woche der Kritik“ (und unverschämterweise nicht auf der Berlinale) gezeigt. Ich habe mich bemüht, so wenig Kritiken wie möglich zu lesen, um mir die Freude des ersten Sehens zu bewahren. Doch was man so hörte klang danach, dass Żuławski wieder zurück gefunden hätte. Nein, dass der Film Żuławski zurückbekommen hätte. Ich malte mir schon aus, was man von Żuławski in der Zukunft noch erwarten könnte. In welche Richtung der neue Abschnitt in seinem filmischen Leben gehen würde. Und dann die Nachricht: Żuławski ist tot. Einfach so. Scheiß Krebs.

Żuławski hat mein Verständnis vom Film tief geprägt. Ich hätte ihn doch gerne kennengelernt.

Nachruf: Christopher Lee (1922-2015)

Von , 11. Juni 2015 22:27

Christopher-LeeeugenieHeute wurde bekannt, dass Christopher Lee bereits am 07. Juni im Alter von stolzen 93 Jahren verstarb. Ein Schock. Denn Christopher Lee begleitet mich schon so lange in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, der Mann wäre unsterblich. Was natürlich Quatsch ist. Aber gerade Lee, der in den letzten Jahrzehnten noch in Blockbustern wie den „Der Herr der Ringe“/“Der Hobbit“-Trilogie oder sogar „Star Wars“ mitgespielt hatte, war irgendwie immer um einen herum und schien immer so voller Energie und Lebenskraft, von solch einer beeindruckenden Aura, dass überhaupt nicht daran zu denken war, dass er irgendwann nicht mehr da ist. Jetzt ist er tot.

Ich erspare mir seine biographischen Details. Das kann jeder in Wikipedia nachlesen. Oder in einem der zahlreichen Nachrufe überall. Heute war der News-Stream meines Facebook-Accounts fast ausschließlich mit Postings zu seinem Tod gefüllt. Seitenweise haben meine Facebook-Freunde ihrer Bestürzung Ausdruck verliehen. Christopher-Lee007Was mir einerseits zeigt, dass ich die richtigen Facebook-Freunde habe und andererseits, welche große Rolle Christopher Lee in deren Leben gespielt hat. Welche gewaltige Wertschätzung dieser – wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf nicht immer einfache – Mann genossen hat. Nein, noch immer genießt. Lee gehörte zu denjenigen, die die große Gabe besitzen, allein durch ihre Anwesenheit eine Leinwand vollkommen auszufüllen.

Denkt man an Lee, denkt man nicht primär an einen Schauspieler. Man denkt eher an seine ungeheure Präsenz. An seine Autorität, seine dunklen, alles durchdringenden Augen, seine imposante Gestalt, seine zugleich furcht- wie respekteinflößende Aura, seine tiefe Stimme, die man einmal hörte und dann nie wieder vergaß, seine Erotik und – ja auch seinen Humor. Letztes Jahr sah ich ihn auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg in Philippe Moras „The Return of Captain Invincible“. Christopher-Lee_draculaIch wurde gefangengenommen von seiner parodistischen, aber nicht albernen Darstellung des finsteren Schurken Mr. Midnight und – mal wieder – zutiefst beeindruckt von seinem enormen Sangeskünsten. Es gab augenscheinlich nichts, was dieser Mann nicht konnte. Schauspielen, Singen, fünf Sprachen fließend sprechend, vier weitere so, dass es zur Konversation reicht. Unter anderem Mandarin. Er war aristokratischer Abstammung, mit James-Bond-Vater Ian Fleming verwandt – und machte dann auch als Bond-Schurke eine hervorragende Figur. Es war ausgebildeter Opern-Sänger und nahm eine Heavy-Metal-Scheibe auf. Und er war natürlich der ewige Dracula, aber auch Fu-Manchu. Er spielte für Tim Burton und Billy Wilder ebenso, wie für Jess Franco. Und selbst in den schlechtesten Filmen blieb er immer würdevoll und unantastbarChristopher-Lee_Wicker. Eigentlich gab es auch keine schlechten Filme mit ihm, den er veredelte sie alle mit seiner Gegenwart.

Nun ist Christopher Lee nicht mehr da. Man sollte heute Abend „The Wicker Man“ schauen. Einen Film, den er selbst produzierte und sehr mochte. Oder einen anderen seiner über 250 Filme. Und sich dann ein Glas guten Weines einschenken, zum Himmel hoch schauen und diesem großen Mimen noch einmal zuprosten.

 

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Nachruf: Giuliano Gemma (1938-2013)

Von , 2. Oktober 2013 21:06

vlcsnap-00021Heute im Laufe des Morgens verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer die Nachricht vom Tode Giuliano Gemmas. Wohl jeder, der die Nachricht lass, war geschockt darüber. Versprühte Gemma doch zeitlebens eine solch intensive Energie und Lebensfreude, dass man das Gefühl hatte, dieser Mann würde ewig leben. Da erscheint es fast passend, dass ihn ein tragischer Autounfall mit 75 Jahren aus dem Leben riss und nicht das Alter. Als Greis hätte man sich den noch immer vor Kraft strotzenden Mann gar nicht vorstellen können.

gemma3Giuliano Gemma wurde am 2. September 1938 in Rom geboren. Schon früh war er als Sportler aktiv und gelangte dann auch zunächst als Stuntman ins Filmgeschäft. Was man insbesondere seinen Western ansah, denn hier übernahm er die zum Teil beeindruckenden Stunts kurzerhand selber. Es folgten dann zunächst Statisten – und später dann auch Nebenrollen in Historienfilmen. Duccio Tessari, der auch später entscheidenen Einfluss auf Gemmas Karriere haben sollte, gab ihm die seine erste große Rolle in „Kadmos, Tyrann von Theben„. Auch danach sollte der gut gebaute Gemma, neben einem Kurzauftritt in Viscontis „Der Leopard„, in einigen „Sandalenfilmen“ auftreten. Nachdem er in zwei „Angelique„-Filmen als Nicolas zu sehen war, hob seine Filmkarriere im Jahre 1965 so richtig ab. Duccio Tessari besetzte ihn als Ringo in dem Italo-Western-Klassiker „Eine Pistole für Ringo„, der prompt ein Welterfolg wurde. Hier versteckte sich Gemma noch hinter dem „amerikanischen“ Pseudonym Montgomery Wood. Doch schon bald sollte er dieses „Täuschungsmanöver“ nicht mehr nötig haben.

vlcsnap-00002Der Italo-Western wurde Giuliano Gemmas Heimat. Es folgt die Quasi-Fortsetzung seines ersten Erfolges „Ringo kommt zurück“ und er für Tonino Valeriis in „Der Tod ritt dienstags“ neben Lee van Cleef und in „Blutiges Blei„. „Adios Gringo„, „Arizona Colt“ oder „Der lange Tag der Rache“ sind weitere beliebte Western in denen er die Hauptrolle spielte. Mit seiner jugendlichen Lausbuben-Ausstrahlung war er auch prädestiniert für die Anfang der 70er immer populärer werdenden Spaß-Western und war Partner von Mario Adorf in „Amigos – Die (B)Engel lassen grüßen“ und von George Eastman in „Ben und Charlie„. 1973 gab er gar den Terence-Hill-Ersatz neben Bud Spencer in der Gauner-Komödien „Auch die Engel essen Bohnen“ und dessen Fortsetzung „Charleston – Auch die Engel mögen’s heiß“ von Enzo Barboni. Gemma begleitete den Italo-Western bis zu dessem Ende. so spielte er in zwei der letzten großen Italo-Western die Hauptrolle: In Lucio Fulcis „Silbersattel“ und dem wunderbar-melancholischen „Der Mann aus Virginia“ von Michele Lupo, der auch gleichzeitig eine der bestens schauspielerischen Leistungen Gemmas zeigte.

gemma1Neben seinen vielen Western, war Gemma aber auch in anderen Genres Zuhause. Er spielte Erik, den Wikinger und Robin Hood. War Bruder von Klaus Kinski und Sohn von Rita Hayworth in „Der Bastard“ (wieder von Tessari). Er war bei „Als die Frauen noch Schwänze hatten„, ebenso wie in Mafiafilmen wie „Der eiserne Präfekt“ oder Polit-Thrillern wie „Ein Mann auf den Knien“ von Damiano Damiani dabei. Auch Kriegsfilme wie Umberto Lenzis „Die große Offensive“ waren ihm nicht fremd. Vielen dürfte er auch aus Dario Argentos Giallo-Klassiker „Tenebre“ ein Begriff sein. Mitte der 80er wurde es ruhiger um Giuliano Gemma und ab den 90ern war er vor allem in TV-Produktionen zu sehen. Seine letzte Rolle war dann allerdings wieder großes Kino. Er spielte den Hotel Manager in Woody Allens „To Rome with Love„.

Ansonsten widmete sich Gemma mit ganzem Herzen der Bildhauerei und brachte es hierbei zu einigem Ansehen. Oder er wurde für diverses DVD-Bonusmaterial interviewt. Hier beeindruckte er nicht nur durch Charisma und Esprit, sondern auch mit seinem auch im fortgeschrittenen Alter noch immer blendenden Aussehen.

Gestern stieß sein Wagen bei Cerveteri, einem Küstenort nordwestlich von Rom, frontal mit einem anderen Wagen zusammen. Giuliano Gemmas starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder, sowie Millionen Fans.

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Meine Reviews zu Giuliano Gemma Filmen:

Eine Pistole für Ringo
Ringo kommt zurück
Amigos
Der Mann aus Virginia

 

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L’Amore in cittá
Der Kinogänger
Spiegel Online

Nachruf: Ray Harryhausen (1920-2013)

Von , 8. Mai 2013 22:20

harryGestern starb im stolzen Alter von 92 Jahren einer der größten Magier des Kinos: Ray Harryhausen. Mit seinem Tod ist nun eine Ära zu Ende gegangen, an die sich viele von uns sicherlich mit viel Sonne im Herzen erinnern. Jüngere werden vielleicht Harryhausens Kunst mit einem Lächeln abtun und sich mit einem Schulterzucken wieder ihren Monstern aus Bits und Bytes zuwenden. Doch wer zur Generation 40+ gehört, erinnert sich bestimmt noch gerne an Sonntagnachmittage, an denen Sindbad gegen Zyklopen kämpfte, fliegende Untertassen auf Washington stürzten oder ein Saurier durch New York stapfte.

Ray Harryhausen war ein Meister, wenn es um die Kunst des Stop-Motion ging. Er tüftelte lange an seinen Modellen von Medusen, Skeletten oder Außerirdischen, die er dann selber Stück für Stück zum Leben erweckte. Und wie lebendig sie wurden! Jede seiner Gestalten hatte Persönlichkeit. Und obwohl sie im Original nur einige Zentimeter hoch waren, wirkten sie doch auf der Leinwand stets riesig. Und sie hatten Gewicht. Man merkt einfach, dass da etwas war, was man anfassen konnte. Was mich heute bei vielen CGI-Geschichten – die die klassische Stop-Motion schon seit langer Zeit abgelöst hat – so stört, ist die Tatsache, dass sie keine „Schwere“ haben. Man spürt nicht, dass es sich hier um etwas Reales handelt. Die physische Präsenz ist einfach nicht da. Bei Harryhausens Modellen ist das anders. Hier springt die Liebe, die ihr Schöpfer in sie gesteckt hat, auf den Zuschauer über. Natürlich wirkt das alles nicht naturalistisch, aber Harryhausens große Kunst bestand auch darin, dass er seine Zuschauer dazu brachte, dies einfach nicht zu sehen. Nicht sehen zu wollen. Das ist seine Magie. Der Ymir ist im Film „Die Bestie aus dem Weltraum“ genauso echt wie Hauptdarsteller William Hopper. Mit dem riesenhaften Gorilla Joe Young in „Panik um King Kong“ fühlt man genauso mit, wie mit Heldin Terry Moore. „Suspension of disbelief“ nennt man das wohl.

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Ray Harryhausen wurde am 29. Juni 1920 in Los Angeles geboren. Sein Leben änderte sich radikal als er mit 13 Jahren „King Kong“ sah. Fortan experimentierte er mit der Stop-Motion-Technik und drehte einige experimentelle Kurzfilme, in denen er seine Technik verfeinerte. 1947 erfüllte sich sein großer Traum und er wurde Assistent des großen Willis O’Brien, dem Schöpfer des King Kong. Gemeinsam arbeiten sie an „Panik um King Kong“, bei dem ihm O’Brien den Großteil der Animation überließ. Für diesen Film erhielt O’Brien den Oscar für die besten Spezialeffekte.

1952 begann die Welle der „Monsterfilme“ in Hollywood und Harryhausen wurde engagiert, um den Oktopus und die Spezialeffekte in „Das Grauen aus der Tiefe“ anzufertigen. Es folgte „Dinosaurier in New York“ nach einer Kurzgeschichte seines Freundes Ray Bradbury (beide hatten mit 19 zusammen mit Foorey Ackermann einen SF-Club gegründet und blieben ein Leben lang enge Freunde). Dieser Film wurde weltweit ein riesiger Erfolg und Harryhausen perfektionierte darin die Technik des Stop-Motions, indem er neue Aufnahmetechniken und Möglichkeiten entwickelte, die Modelle mit Schauspielern interagieren zu lassen.

Seinen größten Erfolg bei Publikum und den Filmkritikern feierte er 1963 mit „Jason und die Argonauten“, dessen legendärer Kampf der Helden mit einer Armee Skeletten unzählige Filmemacher (unter ihnen Steven Spielberg, George Lucas und Tim Burton) inspirierte und von Sam Raimi in „Armee der Finsternis“ und Stephen Sommer in seinem Blockbuster „Die Mumie“ direkt zitiert wurde.

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1981 war Harryhausen das letzte Mal in Filmarbeiten involviert. Schon damals war „Kampf der Titanen“ altmodisch und völlig unzeitgemäß. Die Computer hatten Einzug ins Spezialeffekte-Geschäft gehalten und Industrial Light and Magic setzte mit den Star Wars Filmen neue Maßstäbe. In vielerlei Hinsicht war „Kampf der Titanen“ das Ende einer Ära und der Abgesang auf die handgemachte Magie des Kinos. Will man einen Eindruck vom Charme der von Harryhausen erschaffenen Effekte bekommen, muss man nur das Original mit dem 2010 erstanden Remake vergleichen, das fast vollständig im Computer entstanden ist.

Nachdem sich Harryhausen Anfang der 80er aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hatte, blieb er als lebende Legende bis zum Schluss ein von den Fans hochverehrtes und geliebtes Relikt aus der Zeit, in der noch mit viel Liebe von Hand gearbeitet wurde. Und viele namhafte Fans haben ihm seitdem Tribut gezollt. Neben Sam Raimi in „Armee der Finsternis“, seien hier noch Tim Burton (das Klavier in „Corpse Bride“ trägt den Namen „Harryhausen“) und die Leute von Pixar (in „Monster AG“ geht man natürlich im „Harryhausen’s“ essen) erwähnt. Goodbye Ray und danke für alles.

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Tim Lucas (VideoWatchdog)

Spiegel Online

Digitale Leinwand

Nachruf: Jess Franco (1930-2013)

Von , 2. April 2013 22:36

franco3Ich will gar nicht so viele Fakten über Jess Franco und sein Werk hier ausbreiten. Das wird dem großen Mann des europäischen Exploitationkinos nicht gerecht. Nur ein paar Eckdaten sollen es sein. Geboren am 20. Mai 1930 unter dem Namen Jesús Franco Manera. 199 Filme in 55 Jahren. Zeitweise in den 70ern drehte er bis zu neun Filme in einem Jahr. Berühmte Pseudonyme: Jess Frank, Clifford Brown, Frank Hollman, James P. Johnson, David J. Khune und ca. 40 andere. Zusammenarbeit mit allen Größen des europäischen Exploitationkinos: Klaus Kinski, Christopher Lee, Helmut Berger… und immer wieder Howard Vernon. Entdecker der Filmgöttinen Soledad Miranda und Lina Romay. Jazz-Musiker. Regieassistent von Orson Welles. Voyeur. „Schmuddelfilmer“. Legende.

Heute starb Jess Franco im Alter von 82 Jahren. Ich hatte mit so etwas schon gerechnet. Nachdem letztes Jahr seine große Liebe und Muse Lina Romay einem Krebsleiden erlag, rechnete ich bereits damit, dass Jess ihr bald folgen würde. Jess Franco ohne Lina Romay? Das erschien mir schwer vorstellbar. Etwas Hoffnung gab es mir, dass sich Jess relativ zügig wieder seiner zweiten großen Liebe zuwandte: Dem Film. Bald schon hieß es, dass er zwei neue Filme fertiggestellt habe.

Doch dann hörte ich von der desaströs verunglückten Jess-Franco-Retrospektive in Berlin. Wo seine Filme von DVD und im falschen Format, manchmal sogar nur in Italienisch ohne Untertitel gezeigt wurden. Jess war als Gast mit dabei und musste erleben, wie er nicht nur im Rollstuhl als Kuriosum herum gefahren wurde, sondern sein filmisches Werk lieblos und vor nur sehr wenigen Zuschauern gezeigt wurde. Eine erschütternde Beschreibung dieser etwas würdelosen Veranstaltung, hat ugo-piazza im Deliria-Italiano-Forum hinterlassen. Da erinnert man sich doch lieber an die große Gala 2009, als Jess der Goya, der wichtigste spanische Filmpreis, für sein Lebenswerk überreicht wurde und auch Lina noch dabei war.

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Ugo schrieb bereits, dass Jess einen sehr zerbrechlichen Eindruck gemacht hätte. Letzten Mittwoch informierte der amerikanische Filmjournalist und Franco-Kenner Tim Lucas (Herausgeber des „Video Watchdog“-Magazins), dass Jess einen Schlaganfall erlitten hätte und sich in einem sehr kritischen Zustand befände. Da ahnte ich schon, dass sich ein Leben, welches sich leidenschaftlich dem Film und den eigenen Obsessionen gewidmet hatte, dem Ende entgegen geht. Noch hatte ich gehofft, dass Jess vielleicht doch noch wieder aufersteht. Zu Ostern hätte das ja gut gepasst. Nicht umsonst ist sein richtiger Vorname ja Jésus. Doch heute war dann klar, dass alles Hoffen nicht geholfen hatte. Wieder war es Tim Lucas, der als erster die Nachricht vom Tode Jess Francos im Netz verbreitete und schon kurz danach lief mein News-Stream auf Facebook heiß. Filmfreunde von überall her zeigten sich darüber betroffen, dass der Großmeister des europäischen Exploitationfilms in eine andere Welt gewechselt ist. Der einzige Trost ist, dass er dort endlich wieder mit seiner geliebten Lina vereint ist.

franco1Meine erste Begegnung mit dem Namen Jess Franco hätte schlechter gar nicht sein können. Damals sah ich vor allem Horrorfilme und ähnliches. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland bei weitem nicht so viel Literatur zum phantastischen Film, wie es heute der Fall ist. Also las ich die Nachschlagewerke „Hölle auf Erden“ oder „Die Angst sitzt neben Dir“. Ja, Franco tauchte dort auf, wurde aber immer wieder als Stümper, Billigfilmer und „schlechtester Regisseur der Welt“ betitelt. Nein, die Autoren diese Bücher konnten mit Jess Francos spezieller Art Filme zu machen nichts anfangen. Natürlich übernahm ich zunächst diese Meinung und mied seine Filme wie die Pest.

Erst später hatte ich mein persönliches Erweckungserlebnis. Im Internet lernte ich Uwe G. kennen. Uwe war schon etwas älter (tatsächlich aber wohl damals so alt, wie ich heute) und ein riesiger Fan von Exploitationfilmen generell und Jess Franco im Besonderen. Wir schickten uns lange, sehr lange, Mails hin und her. Uwe schwärmte mir von Lina Romay vor. Seiner Traumfrau. Und er brachte mich dazu, mich endlich mal mit Jess Franco zu befassen. Als erstes schickte er mir also den Film „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ und ich war hin und weg. Ich tauchte ein in Jess Francos Seele. Wie er unverschämt seiner Ehefrau Lina Romay zwischen die Beine zoomte, selber den heruntergekommenen Privatdetektiv Al Pereira (eine, ähnlich wie Dr. Orloff und viele andere, in Francos Werk immer wieder auftauchende Figur) spielte und das Ganze in einer Stimmung filmte, die weniger ein perfekter Film war (Francos Filme glänzen zwar häufig durch brillante Einfälle, glatt und „perfekt“ sind sie aber nie), als vielmehr die fieberhafte Idee eines Films.

franco5So ist es bei Franco eigentlich immer. Oftmals hat man den Eindruck, nicht einen normalen Film zu sehen, sondern vielmehr die Nacherzählung eines Filmes, angereichert mit dem, was Jess darin gerne gesehen hätte, aber ursprünglich gar nicht da war. Diese „Fremdkörper“ sind es dann auch, die Jess‘ Filme so persönlich, so unverwechselbar machen. Es sind seine Fetische, die Folgen seines unstillbaren Voyeurismus und die Liebe zu den Themen, die ihn sein Leben lang begleitet haben – aber auch zu den Menschen, mit denen er immer wieder zusammenarbeitete und die wie seine Familie wirkten.

franco2Bald schon merkte ich, dass man Jess von Film zu Film mehr liebte. Egal wie dumm oder schlecht einige seiner Filme waren, in ihnen spürte man (fast) immer den Mann hinter der Kamera. Seine Leidenschaft, seine Freude, seinen Enthusiasmus. Tim Lucas schrieb einmal „You can’t see one Franco film until you’ve seen them all“. Das ist zwar sehr überspitzt formuliert, aber trifft den Kern der Sache schon ganz gut. Jess Francos Welt ist ein großartiges Mosaik und jeder seiner Filme – auch die schlechtesten – sind die Steinchen dazu. Erst wenn man tief in die Welt des Jess Franco eingetaucht ist und so 20-30 seiner Filme gesehen hat, kann man diese erst so richtig verstehen. Mit jedem Franco-Film, den man sieht, wird das Bild klarer und der Blick in seine obsessive Seele (nicht umsonst hieß das große Buch, welches über ihn und seine Filme geschrieben wurde – und heute leider nicht mehr erhältlich ist – „Obsession“) deutlicher.

Jess Francos Filme kann man weniger über den Kopf verstehen, man muss sie sich erfühlen. Und ich fordere jeden auf, es zu wagen, die obskure, bizarre, erotische, manische Welt des Jesús Franco Manera zu betreten. Wer guten Herzens ist, der wird belohnt.

Weitere Nachrufe im Netz:

Tim Lucas auf „Video Watchdog“

Christian Keßler auf Facebook

Thomas Groh auf filmtagebuch

Spiegel Online

franco4

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