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DVD-Rezension: “The Void“

Von , 15. Juni 2017 06:36

Während seiner nächtlichen Streife entdeckt Deputy Carter (Aaron Poole) ein schwerverletzten Mann (Evan Stern) am Straßenrand. Carter bringt diesen umgehend zum nächstgelegenen Krankenhaus, obwohl dort zur Zeit nur eine Notbesetzung ihren Dienst tut. Dort angekommen entwickelt sich die Nacht zu einem einzigen Albtraum: Vor dem Gebäude versammelt sich eine unheimliche Gruppe vermummter Gestalten, und im Krankenhaus verwandeln sich die Eingeschlossenen in rasende Killer und schleimige Monster…

Würde man eine Liste anfertigen, von welchen Genrefilmen sich die Macher des kanadischen „The Void“ inspiriert haben lassen, so wäre rasch der erste Absatz dieser Besprechung und vielleicht auch noch der zweite gut gefüllt. John Carpenters „Die Fürsten der Dunkelheit“ (mit Abstrichen auch „Assault on Precint 13“), „Hellraiser“ und „Re-Animator“ sind da nur die Beispiele, die als erstes ins Auge springen. Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofmauer“ und „Die Geisterstadt der Zombies“ sind etwas weniger plakative Inspirationsquellen. Tatsächlich fühlt man sich angenehm an das Horrorkino der 80er Jahre erinnert. Was auch daran liegt, dass man erfreulicherweise auf seelenlose CGI-Effekte weitgehend verzichtet hat und ein beeindruckender Teil des Aufwands in wunderschöne, handgemachte Effekte geflossen ist. Da laufen dem Freund von Latexmasken und Kunstblut angenehme Schauer den Rücken herunter und man fragt sich unwillkürlich, warum die hohe Kunst der „echten“ Special Effects heutzutage fast schon vergessen ist, und selbst das Blut aus dem Computer stammt muss. Eine recht preisgünstige Produktion wie „The Void“ – die mit Crowdfunding-Mitteln realisiert wurde – schafft es doch auch, kreative Masken und handgemachte Effekte auf den Bildschirm zu zaubern.

Dass das alles dann auf Kosten einer originellen Geschichte geht, nimmt man mal so hin. Auch, dass die Charaktere nicht gerade mit dem feinen Pinsel, sondern eher mit der groben Bürste gezeichnet wurden. Überraschungen bleiben also aus, sofern man die „Originale“ kennt. Und ein Subplot, wie der um den Verlust eines Kindes durch das Protagonisten-Paar, wirkt zu dick aufgetragen, um wirken zu können. Auch aus dem Schurken hinter der apokalyptischen Geschichte hätte man mehr machen können. Hinter seiner freundlichen Maske bleibt er anfangs so blass und egal, dass man nach seiner Verwandlung in ein dämonisches Überwesen mit Gottkomplex Mühe hat, sich an seine vorherige Inkarnation überhaupt zu erinnern. Zu beliebig wird diese Figur aus dem Hut gezaubert. Immerhin schafft es Aaron Poole in der Hauptrolle, seinen Deputy Carter sehr sympathisch und lebendig zu gestalten. Ebenfalls relativ gut gelungen ist das Duo, welches zunächst als unheimliche und skrupellose Killer eingeführt wird, sich dann aber als wertvolle Helfer im Kampf gegen Sektenmitglieder und untote Kreaturen entpuppen. Allerdings merkt man dem Drehbuch zu sehr die Absicht an, diese beiden Charaktere als heimliche Helden zu etablieren. Das wirkt dann eher krampfhaft bemüht als cool, zumal die Figur des Sohnes vom Drehbuch vollkommen im Stich gelassen wird.

Doch davon abgesehen, weiß „The Void“ durchaus zu gefallen, was nicht nur an den einfallsreichen, bodenständigen „Creature Designs“ und der für eine FSK16 recht ungewöhnliche Härte liegt. Das Regie-Duo, welches bei einigen großen Blockbustern schon in der Special Effects Abteilung zusammengearbeitet hat, zieht seine Geschichte flott und angenehm humorlos durch. Keine ironisches Augenzwinkern in Richtung der Vorbilder, keine coolen Sprüche. Diese Ernsthaftigkeit tut dem Film sehr gut. Zudem machen Jeremy Gillespie und Steven Kostanski das Beste aus ihrem schmalen Budget und lassen das verlassene Krankenhaus tatsächlich zum „Tor zur Hölle“ werden. Die dichte, stimmungsvolle Inszenierung lässt einen trotz aller Vorhersehbarkeit ab und zu an den Nägeln kauen. Handwerklich kann man Gillespie und Kostanski also keine Vorwürfe machen. Kameraarbeit, Ausstattung, Lichtsetzung – alles vom Feinsten. Es wird spannend sein, den weiteren Weg der Beiden zu beobachten und zu sehen was passiert, wenn sie die Möglichkeit haben ein etwas eigenständiges, besser ausgearbeitetes Drehbuch zu realisieren. Bis dahin ist „The Void“ aber schon einmal eine erstklassige Visitenkarte mit der Empfehlung für höhere Weihen,

„The Void“ ist eine sympathische, blutig-schleimiger Eintopf aus Motiven der großen Horrorklassiker der 80er Jahre von Carpenter über Baker bis Fulci. Dabei bleibt die Eigenständigkeit etwas auf der Strecke und die Figuren sind mitunter recht grob geschnitzt. In Sachen Creature Design, blutige Effekte, Ausstattung und stimmungsvoller Kameraarbeit können die beiden Regisseure aber bereits eine eine Empfehlung in eigener Sache abgeben.

Das Bild der DVD ist recht gut, auch wenn es an einigen Stellen noch optimaler hätte ausfallen können. Da lässt dann die Schärfe etwas nach. Der Ton ist klar und deutlich, wobei kaum die Möglichkeit zu Surround-Effekten genutzt wird. Trotz einer sehr liberalen FSK 16 ist der recht blutige und harte Filme ungeschnitten. Echtes Bonusmaterial sucht man vergeblich. Lediglich mit Trailern wird man abgespeist.

Blu-ray Rezension: „Curtains – Wahn ohne Ende“

Von , 28. Juli 2015 21:40

curtainsNachdem sich der alternde Theater-Star Samantha Sherwood (Samantha Eggar) in einem Anfall von extremen method acting unter einem Vorwand in ein Irrenhaus einweisen ließ, nutzt der berühmte Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) dies aus, um die bereits Samantha zugesagte Rolle der „Audra“ in seinem neuen Stück umzubesetzen. Zu diesem Zwecke lädt er vier Schauspielerinnen (u.a. Linda Thorson) auf sein Landgut ein, um diese hier ein Wochenende lang zu testen. Überraschend gesellt sich auch Samantha dazu, die in der Zwischenzeit aus der Anstalt fliehen konnte und nicht gewillt ist, die Rolle jemand anderen zu überlassen. So denkt scheinbar noch jemand, denn bald stapeln sich die Leichen…

Man sieht „Curtains“ seine nicht gerade einfache Produktionsgeschichte durchaus an. Gedreht ursprünglich 1980, wurde der Film nach vielen Nachdrehs erst im Jahre 1983 fertiggestellt und in die Kinos gebracht. In der Zwischenzeit wusste scheinbar niemand, wo die Reise genau hingen soll. So zeugen am Ende zwei Einblendungen von den vielen Katastrophen und Verzögerungen hinter den Kulissen. Regisseur Richard Ciupka zeichnete den Film nicht mit seinem eigenen Namen, sondern mit dem seiner Hauptfigur Jonathan Stryker, jenem diktatorischen und seine Schauspielerinnen skrupellos manipulierenden Theater-Regisseur. Ferner ist der Abspann in „Akt I“ und „Akt II“ unterteilt, jeweils mit unterschiedlichen technischen Mitarbeitern. Seine Zerrissenheit und das Stückwerk, welches erst später zu einem Ganzen zusammengefügt wurde, überfällt den Zuschauer förmlich. Der Film bewegt sich mal in diese, dann wieder in eine andere Richtung. Manche Szenen scheinen gar zu einem ganz anderen Werk zu gehören.

Der Beginn dampft die Geschichte von Sam Fullers meisterlichen „Shock Corridor“ auf 15 Minuten herunter. Dabei fährt Richard Ciupka die ganze Klaviatur des Irrenhaus-Horrors auf. Merkwürdige alte Frauen in Kindchenmodus, plötzlich aus dem Nichts kommende Furien, Fratzen, die dem Zuschauer ins Gesicht schreien. Schatten, Farbspiele und verkantete Winkel. Dazu die von Samantha Eggar gespielte Samantha Sherwood, die immer apathischer wird, um dann ebenfalls langsam dem Wahnsinn zu verfallen. Ciupka hetzt förmlich durch sein Albtraum-Szenario und verschießt so schon eine Menge Pulver, welches den Mittelteil dann gehörig durchhängen lässt, bevor er sich dann wieder aufrappelt, um die hängen gelassenen Zügel wieder anzuziehen. Da die ganze Irrenhaus-Szenerie nicht viel mit dem eigentlichen Film zu tun hat, sondern wie ein überlanger Prolog daher kommt, führt sie am Ende auch zu nichts. Es ist nur allzu deutlich zu merken, dass etwas fehlt und der Anschluss später krampfhaft durch ein Hilfskonstrukt dazwischen geflickt wurde. Man sieht plötzlich die sich in einem Schlafzimmer befindliche Samantha, die einer unbekannten Person davon erzählt, dass sie aus dem Irrenhaus geflüchtet wäre. Kurze Zeit später taucht sie dann bei Jonathan Strykers Casting auf, als sei nichts geschehen. Und es findet auch niemand seltsam, sie dort anzutreffen, obwohl doch die Flucht einer berühmten und angesehenen Schauspielerin aus einer geschlossenen Anstalt sicherlich Aufsehen erregt hätte.

Aber man sollte bei diesem Film sowieso nicht allzu sehr in der Logik-Kiste kramen. Eine andere Szene zeigt den Mord an einer jungen Schauspielerin. Diese kann durchaus als zweiter Prolog aufgefasst werden, den von der Stimmung her, passt diese Passage mit Kurzfilmcharakter ebenfalls nicht recht zum Hauptfilm. Es wird beispielsweise eine gruselige Puppe eingeführt, die es auch auf das Filmplakat geschafft hat. Diese steht in einer unheimlichen Szenen im Mittelpunkt, welche sich dann aber nur als Albtraum herausstellt. Später taucht sie nicht mehr auf, und auch der auf diese Szene folgende, recht effektiv in Szene gesetzt Mord spielt keine Rolle mehr. Erst jetzt setzt die eigentliche Handlung ein, die den Pfaden eines klassischen Whodunits folgt. Mehrere Personen sind in einem vornehmen Herrenhaus versammelt, weitab der Zivilisation. Jeder könnte ein Motiv haben, die anderen zu beseitigen, und dann fällt einer nach dem anderen einem maskierten Unhold zum Opfer. Das mondäne Anwesen und die Upper-Class-Attitüde lassen hierbei an eine Agatha-Christie-Verfilmung denken. Hierzu passen auch die recht dezenten Morde, die teilweise im Off stattfinden.

Drei Szenen katapultieren den in diesem Teil eher gemütlichen Film dann aber doch wieder in Slasher-Regionen. Das Auffinden eines abgeschlagenen Kopfes in einer Toilette, eine mit vielen Licht- und Schattenspielen inszenierte Verfolgungsjagd durch eine farbenfrohe Requisitenhalle und vor allem der Mord aus dem Eis. Diese höchst effektive Szene ist es dann auch, die man noch lange nach dem Abspann im Kopf behält. Wenn sich eine mit der unheimlichen Maske einer alten Frau ausgestattete Figur rasant auf ihr Opfer zu bewegt, erreicht der Film kurzzeitig eine wahrhaft mörderische Intensität.

Die lange Produktionszeit merkt man auch den Schauspielern an, die offensichtlich irgendwann auch keine große Lust mehr hatten, immer wieder zu Nachdrehs zu erscheinen. Was man insbesondere John Vernon ansieht, der eine ziemlich lustlose Vorstellung gibt, obwohl gerade seine Rolle Potential für mehr gehabt hätte. Die restliche Besetzung zieht ihr Ding professionell durch, wobei Samantha Egger insbesondere im ersten Teil Gelegenheit hat, etwas aus sich heraus zu gehen. Ein nettes Wiedersehen gibt es auch mit Linda Thorson, die einst als Emma-Peel-Nachfolgerin Tara King einige – meines Erachtens ungerechtfertigte – Prügel von den „Mit Schirm, Charme und Melone“-Fans einstecken musste. Hier darf sie einmal die egozentrische Diva geben, was ihr gut steht.

„Curtains“ ist nicht unbedingt ein Highlight, auch wenn der Film mit einigen durchaus sehenswerten Einzelaktionen aufwarten kann. Doch die über drei Jahre zusammengebastelten Einzelstücke wollen nicht wirklich ein überzeugendes Ganzes ergeben. Interessant anzusehen ist er trotzdem, und man kann sich auch weitaus schlechter unterhalten.

Der Film befand sich aus mir unerfindlichen Gründen 25 Jahre auf dem Index und war daher bisher nicht für eine digitale Heimkino-Auswertung in Frage gekommen. Nun veröffentlicht CMV in Verbund mit New Vision Video diesen Slasher erstmals in Deutschland auf Blu-ray und DVD. Das Bild der Blu-ray ist zwar nicht ganz taufrisch, bietet aber sonst keinen Grund zum Meckern. Diesen hat man vielmehr bei der ausgesprochen schwachen deutschen Synchronisation. Aber da auch der Originalton mit an Bord ist, ist dies ebenfalls zu verschmerzen. Schwerer wiegt der vollständige Verzicht von Bonusmaterial, welches beispielsweise bei der us-amerikanischen Veröffentlichung von Synapse reichlich zu finden sind. Gerade bei der spannenden Produktionsgeschichte wäre dies eigentlich ein Muss gewesen.

DVD-Rezension: “WolfCop”

Von , 6. Februar 2015 20:00

WolfcopDer versoffene und faule Polizist Lou Garou (Leo Fafard) schiebt seinen Dienst in einer kanadischen Kleinstadt. Nachdem er eines Nachts zu einem Einsatz im nahegelegenen Wald gerufen wird, ändert sich sein Leben. Am nächsten Morgen erwacht er mit einem Pentagramm auf seiner Brust und geschärften Sinnen. Doch Lou kümmert das zunächst wenig, und er säuft erst einmal weiter. Als er sich dann aber bei Vollmond in ein haariges Monster verwandelt, sieht sich selbst Lou Garou dazu gezwungen, nach den Hintergründen zu fahnden. Unterstützt wird er dabei von seinem kauzigen Kumpel Willie (Jonathan Cherry) und seiner ehrgeizigen Kollegin Tina (Amy Matysio). Als Wolfcop gerät er dabei in eine finstere Verschwörung, die weit zurück reicht und Lou in tödliche Gefahr bringt…

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Es ist heutzutage durchaus eine Wohltat, wenn sogenannte „Trash“-Filme (ein fürchterliches Wort) einmal nicht mit dem ironischen Zwinker-Zwinker in den Augen daherkommen. Wenn sie sich nicht in ihrer eigenen Schlechtigkeit suhlen und Fließbandware als „Kult“ (noch so ein Unwort) verkaufen wollen, weil sie ja so crazy und billig gemacht sind. Ab und zu guckt doch mal ein B-Filmchen um die Ecke, welches sein Herz auf dem rechten Flecken hat und eine verrückte Idee nicht in billiges Zellophan, sondern festes Geschenkpapier wickelt. „WolfCop“ ist solch ein B-Filmchen. Einen Polizisten zum Werwolf mutieren zu lassen, und diesen dann noch auf Streife zu schicken, ist eine dieser Ideen, bei denen man sich fragt, warum zuvor noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Okay, Vampire als Polizisten gab es schon, aber gegen ein haariges Monster haben die blassen Blutsauger hier in Sachen Originalität keine große Chance. Der Werwolf in Polizeiuniform ist dann auch das prägnante Element in diesem mit 76 Minuten recht kurzen Film. Und man darf es Regisseur und Drehbuchautor anrechnen, dass er seine dünne Geschichte nicht künstlich aufbläht, sondern knackig zum Ende führt. Ob das in dem, bereits vor dem Abspann angekündigten, „WolfCop 2“ auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

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„WolfCop“ fühlt sich an, wie eine dieser Direct-to-video-Produktionen, die Ende der 80er/Anfang der 90er in die Videotheken kamen. In einer Zeit also, in der gerade noch statt billiger, lebloser CGI, Geld in gute, alte Handarbeit gesteckt wurde. So sind die Masken und Special Effects in „WolfCop“ dann auch kostengünstig, aber atmen den Charme von etwas Echtem, Anfassbaren. Und man spürt förmlich die Freude, mit der die Maskenbildner und Special Effects Leute sich hier austoben. Latex, Prothesen, Kunstblut. Die ganze Palette altehrwürdiger Maskenkunst wird hier aufgefahren und mit sichtlichem Spaß und Kreativität eingesetzt. Man sollte nur keine atemberaubenden Transformationen wie in „American Werewolf“ oder „Das Tier“ erwarten. Dafür stand augenscheinlich auch nicht das Budget zur Verfügung. Aber mit einigen geschickten Kameraeinstellungen zaubert Lowell Dean hier durchaus überzeugende und angenehm altmodische Effekt-Szenen. Nur bei einigen Explosionen und kurzen Verwandlungsszenen ganz am Ende, kommt auch Dean nicht umhin, auf den Computer zurückzugreifen, was ihm aber verziehen werden darf.

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Auch wenn der haarige Polizist durchaus eine Innovation darstellt, die Geschichte tut es nicht. Sie bleibt dünn, vorhersehbar und offenbart auch ein paar Durchhänger. Jedoch wird gar nicht erst versucht dies Mängel durch ein übergroßes Spektakel zu kaschieren, sondern man steht in bester B-Film-Tradition dazu, was den Film näher an die Grindhouse-Filme der 70er und 80er rückt, als so manches gewollt cooles Neo-Retro-Filmchen. Zwar wird „WolfCop“ als Horrorkomödie vermarktet, aber der Komödienanteil ist dankenswerter Weise bis auf zwei-drei Stellen nicht übermäßig forciert, sondern ergibt sich aus der Absurdität der Geschichte, die von den Darstellern ernsthaft und ohne Parodiecharakter gespielt wird. Dies gilt insbesondere für den Hauptdarsteller Leo Fafard, der zwar „im wahren Leben“ seine Brötchen als „generator operator“ hinter der Kamera verdient, sich aber als Idealbesetzung für Lou Garou (kleines Wortspiel mit loup-garou, dem französischen Wort für Werwolf) entpuppt. Selbst ohne Make-Up hat er schon etwas „wölfisches“ an sich und spielt seine Rolle, die durchaus auch als Slapstick-Charakter hätte angelegt werden könnte, ernsthaft und mit starker physischer Präsenz. Auch seine Mitstreiter schlagen sich recht gut, vor allem Amy Matysio als Hilfssheriff Tina, eine Rolle, die in falschen Händen auch schnell zu einer nervigen Witzfigur hätte geraten können. Nicht vergessen sollte man auch Sarah Lind als überaus heiße Jessica, deren Auftritte man – nicht unbedingt durch ihre Schauspielkünste, aber immerhin – nicht so schnell vergisst. Nur Jonathan Cherry als Lous etwas verrückter Kumpel und Aidan Devine als Sheriff neigen dazu, die Grenze zur Albernheit ein paar Mal zu überschreiten.

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„WolfCop“ wurde mit Hilfe der Cinecoup film accelerator competition finanziert. So etwas wie einer Online-Casting-Show für Filmfinanzierungen. Er setzte sich aufgrund eine 2-minütigen Trailers gegen 89 Konkurrenten durch und erhielt eine Fan-Finanzierung, die den Dreh des Filmes erst möglich machte, und noch die Garantie dafür, dass der Film in seiner Heimat Kanada einen Kinostart bekam. Und der Film liefert dann auch das, was die Fans aufgrund der Prämisse erwarten durften. Leichte, und überraschend blutige, Unterhaltung, die keinen großen Anspruch erhebt, außer seinem Publikum eine gute Zeit zu bescheren. Was ihn ungleich sympathischer macht als die sterilen CGI-Monsterfilme, die eiskalt auf den Geldbeutel ihrer Zuschauer starren und dabei vergessen, warum es im sogenannten „Trash“-Film geht: Nämlich das Herz am rechten Fleck zu haben, und sein Thema soweit ernst zu nehmen, dass man mit dem Film, statt über ihn lacht.

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Der kanadische Low-Budget-Film „WolfCop“ erweist sich als sympathisches und ganz und gar anspruchsloses Party-Filmchen, dass zugunsten von guten, alten handgemachten Effekten, fast vollständig auf billige CGI verzichtet. Ein gut besetzter Hauptdarsteller, schöne Frauen und literweise Kunstblut runden das positive Bild ab, in dem Komödie über weite Strecken nicht mit albernen Plattheiten gleichgesetzt wird.

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Die Bildqualität der Ascot Elite DVD ist gut. Die Farben an manchen Stellen wunderbar kräftig. Hier und Dort weist das Bild allerdings einen gewissen „Video-Look“ auf, der etwas billig wirkt. Die Synchronisation ist okay, aber die Originaltonspur ist eindeutig zu bevorzugen, da die wunderbar tiefe Stimme des Hauptdarstellers in der deutschen Fassung zu hell und beliebig ist. Die Extras der DVD sind nicht besonders spektakulär. Es gibt eine 5-minütiges Featurette in dem der Cast bei den Dreharbeiten herumalbert und mehrere Takes eine alternativen Szene zu finden sind, in der Hilfssheriff Tina statt eines abgerissenen Gesichts einen Penis findet. Dann gibt es noch ein Musikvideo, drei kurze Videos über „Cinecoup – The Film Accelerator“, worüber der Film finanziert wurde und letztendlich noch sechs „Missions Videos“, die zusammen eine Laufzeit von knapp 13 Minuten ergeben. Das aufschlussreichste Feature ist aber ein Audiokommentar mit Lowell Dean (Autor und Regisseur) und Emmersen Ziffle (Spezial Make-up). Gegenüber der von mir gesichteten DVD, soll die Blu-ray noch ein 45-minütiges „Making Of“ enthalten.

Bericht vom 21. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 26. September 2014 14:53

Olenburg1Wieder einmal Oldenburg. Wie jedes Jahr habe ich mich auch in diesem Jahr auf in die schöne Nachbarstadt (mit nur 45km kann man durchaus noch von Nachbarschaft sprechen) gemacht. Das 21. Internationale Filmfest rief, und ich war nur allzu bereit, dem Ruf zu folgen. Im Vorfeld waren wieder einige unerfreuliche Dinge bezüglich der mangelhaften Unterstützung durch die Stadt zu hören gewesen. Fast macht es den Anschein, als hätten die politisch Verantwortlichen einen persönlichen Hass auf das Festival. Und wenn man sich noch einmal die mimosenhaften Streitereien aus dem Vorjahr ins Gedächtnis ruft, ist man fast geneigt, diese Möglichkeit Glauben zu schenken.

Noch kann die fehlende Unterstützung der Stadt so halbwegs mit Sponsorengeldern und viel Improvisation mehr oder weniger kompensiert werden. Aber es stellt sich die bange Frage: Wie lange noch? So war ich sehr gespannt, was mich dieses Jahr in Oldenburg erwarteten würde. Wird man die Einschnitte bemerken? Die Antwort lautet: Nein. Der „normale“ Zuschauer wird die dünnen Fäden, mit denen alles zusammengehalten wurde, nicht bemerkt haben. Dafür ein ganz großes Kompliment an Torsten Neumann und sein Team.

Wenn man ganz genau hinsieht, fällt einem natürlich auf, dass der German Independence Award auf Eis gelegt werden musste, so dass es dafür auch keine Jury mit bekannten Namen gibt. Dass das Filmangebot weiter ausgedünnt wurde und vor allem wieder neue, scheinbar kostengünstigere Abspielstätten (mit dem winzigen cineK und dem Casablanca nehmen wieder nur zwei „echte“ Kinos teil) dazukamen, und. Andererseits unterstreicht letzteres noch die familiäre Intimität dieses Festival. Ich erinnere mich noch, dass diese spezielle Stimmung einer großen, cineastischen Familie, in den beiden Cinemaxx-Sälen, die bis 2012 noch zur Verfügung standen, nicht aufkam. Mit der Ausnahme des Casablanca und der weit abseits gelegenen, ungemütlichen Alten Flaiva, konzentriert sich das Festival nun ganz auf die Bahnhofstr. mit cineK, Kulturetage und theaterhof. Was zur Folge hat, dass man sich trotz Kinowechsel immer wieder über den Weg läuft und sich auf der Straße Festival-Gäste und Publikum wunderbar vermischen. Was diesmal sicherlich auch daran lag, dass uns das Wetter laue Altweibersommer-Nächte beschwerte.

Vielleicht war das gute Wetter auch daran Schuld, dass die immer schon recht positive Stimmung auf dem Filmfest Oldenburg, einem diesmal gleich noch wärmer erschien. Oder waren es die Gäste? Viele junge Weiter lesen 'Bericht vom 21. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Rezension: „I Declare War“

Von , 28. November 2013 19:53

I-Declare-War-dvd_coverIn einem Wald treffen sich regelmäßig einige Kinder, um „Krieg“ zu spielen. Dabei müssen zwei Gruppen versuchen, die jeweils gegnerische Basis aufzuspüren und die Fahne des Gegner zu erobern. Das Spiel verläuft immer nach festen Regeln. Doch diesmal ist es anders. Der aufbrausende Skinner (Michael Friend) fängt an, die Regeln zu brechen und nimmt Paul (Siam Yu), den besten Freund des genialen Strategen P.K. (Gage Munroe), als Geisel. Auch als Skinner beginnt Paul zu foltern, geht das Spiel immer weiter…

Im gleichen Jahr, in dem er sein Spielfilm-Debüt „Cold Blooded“ (ebenfalls bei OFDB filmworks erschienen) realisierte, stellte Regisseur Jason Lapeyre zusammen mit seinem Kollegen Robert Wilson, der zuvor vor allem als Produzent aufgetreten war, diesen Jugendfilm auf die Beine. Und obwohl sich „I Declare War“ thematisch deutlich von „Cold Blooded“ unterscheidet, haben beide doch die klassisch-ruhige Inszenierung ganz ohne vordergründige Effektheischerei gemeinsam. Zudem handeln beide Filme von zwei gegnerischen Gruppen, die in einem klar umrissenen Raum gegeneinander antreten.

Liest man die Inhaltsangabe von „I Declare War“, denke man zunächst einmal an eine Mischung aus „Bugsy Malone“ und „Battle Royale“ oder „Die Tribute von Panem„. Doch diese Vergleiche gehen größtenteils in eine völlig falsche Richtung. Tatsächlich sieht man 90 Minuten einer Gruppe Kindern beim Spielen zu. Nicht mehr und nicht weniger. Der Clou ist aber, dass die Kinder ihr Spiel sehr ernst nehmen und das Geschehen hauptsächlich durch ihre Augen gezeigt wird. Und in ihren Augen verwandelt sich ein dicker Ast dann eben in eine Bazooka und eine Zwille in eine tödliche Armbrust. Wie man es vielleicht noch aus eigenen Kinderspielen kennt, in denen die Kraft der Imagination aus einem schnöden Stock ein fein geschmiedeten Degen machte. Lapeyre/Wilson gehen recht geschickt vor, um die Spielrealität der Kinder zu zeigen. Auch für den Zuschauer sind die „Waffen“ zunächst echt. Erst im Laufe des Films überlagert hin und wieder die Realität die Fantasie. Beinahe beiläufig sieht der Zuschauer, dass das Präzionsgewehr eigentlich nur ein Rohr, welches notdürftig in ein provisorisches Spielzeuggewehr umgebaut wurde, und das Zielfernrohr eine Stoffschlaufe ist.

Wie stark diese Macht der Imagination ist, habe ich vor vielen Jahren einmal während des Grundwehrdienstes erleben dürfen/müssen. Damals sollte eine 24-Stunden-Übung vorbereitet werden, und wir kleinen Wehrpflichtigen mussten üben, wie man sich bei einem Angriff verhält. So wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt: Angreifer und Verteidiger. Da wir allerdings noch keinen Zugang zu Waffen haben durften (das war erst für den Folgetag geplant), wurde uns befohlen im Wald Stöcke zu suchen. Diese sollten dann unsere Gewehre sein. Man stelle sich die absurde Situation vor, wenn erwachsene, uniformierte Menschen im Wald mit Holzstöcken aufeinander zielen und dabei laut „Peng! Peng!“ rufen. Was noch dadurch übertroffen wurde, dass einige Kameraden wirklich in Streit darüber gerieten, ob sie nun getroffen wurden oder nicht. Ähnlich verhält es sich bei den Kindern in „I Declare War“. Für sie ist die ganze Situation während des Spiels absolut real und bitterernst.

I_Declare_War_Bild_04So wirft dann zum Beispiel Odie Henderson auf rogerebert.com auch dem Film vor, nicht zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden und schreibt, es würde ihn krank machen zu sehen, wie Kinder auf Kinder schießen. Dass diese nicht wirklich aufeinander schießen und die „Getöteten“ lediglich aus dem Spiel ausscheiden und nach Hause gehen, macht da für ihn keinen Unterschied. Wer allerdings als Kind selber „Cowboy und Indianer“ oder eben „Krieg“ gespielt hat – was, wie ich denke, nichts unnormales ist -, der sieht das vielleicht etwas entspannter. Es geht hier auch nicht so sehr um das „Kriegsspielen“, als vielmehr um gruppendynamische Prozesse, die aufgrund von Eitelkeiten, verletzten Gefühlen oder falsch verstandener Loyalität ein im Grunde harmloses Spiel zum Eskalieren bringen können. Ob das Spielen mit Waffen (wenn auch unechten) unbedingt etwas für Kinder sein sollte, will ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Für die Aussage des Filmes hätte man natürlich auch zeigen können, wie die Kinder z.B. mit Matchbox-Autos Rennen veranstalten und sich darüber in die Haare geraten.

I_Declare_War_Bild_02Andererseits gibt es durch das Spiel noch andere filmische Ebene. So setzen Lapeyre/Wilson permanent, wenn auch leise und subtil, eine Geräuschkulisse ein, wie man sie aus Kriegsfilmen kennt. Ständig hört man leise Funksprüche, Hubschrauber und Explosionen. Durch diese Dauerberieselung vergisst man schnell, dass man „nur“ einem Spiel zusieht und auch für den Zuschauer werden die kriegerischen Handlungen der Akteure real, die Bedrohung spürbar. Gleichzeitig parodieren die Filmemacher auch das Kriegsfilmgenre, da die Kinder genau die Stereotypen annehmen, die man aus diesen Filmen kennt. Der Stratege, der Psychopath, der coole Veteran, der schüchterne Rookie, der Possenreisser und so weiter. Immer wieder gibt es kurze Momente, wo die jungen „Soldaten“ aus ihrer Rolle fallen. Z.B. wenn sich der vermeintliche Sadist als hilfloses, einsames Kind herausstellt, oder der beliebte Anführer bereit ist, Freunde zu opfern, um am Ende den Sieg davonzutragen. Am Deutlichsten aber, wenn die Amazone als verliebte Kitschromantikerin entlarvt wird.

I_Declare_War_Bild_03Die kindlichen Darsteller sind sehr gut ausgesucht. Die meisten haben auch schon langjährige Erfahrungen in TV-Serien gesammelt. Die Laien fügen sich ebenfalls gut ins Bild ein, wenn ihre schauspielerischen Leistungen auch gegenüber den „Profis“ etwas abfallen. Einzig Mackenzie Munro wirkt fehlbesetzt, da sie im Vergleich zu den anderen Kindern zu alt wirkt und weitaus abgeklärter als ihre jungen Kollegen spielt. Überhaupt ist die Figur der Jessica Dobrzanski eine der wenigen echten Schwachstellen im Film. Sie ist so klischeehaft auf „Mädchen“ angelegt, dass leider selbst ihre Klugheit, strategischen Fähigkeiten und der kaltblütige Umgang mit der Armbrust nicht die naive Schwärmerei für den hübschen Quinn aufwiegen können. Dass sie I_Declare_War_Bild_01alles nur tut, um ihrer großen Liebe zu gefallen und ihre schrecklich kitschige „Paris-Romantik“ stören doch sehr. Hier verrät das Drehbuch diesen eigentlich starken Charakter und breitet die übelsten Mädchen-Klischees aus. Ebenfalls unpassend sind die Szenen, in denen sich „Joker“ als Superwesen, das tödliche Strahlen aus den Augen schießt, imaginiert. Hierdurch wird immer wieder mit dem Holzhammer darauf hingewiesen, dass die Kinder eben nur ihre subjektive Welt, und nicht die reale, sehen. Etwas mehr Subtilität hätte an dieser Stelle gut getan. Eine starke Leistung bringt Michael Friend als psychopathischer Skinner. Wie er Skinner gleichzeitig schwach und ungelenk, aber gleichzeitig doch auch gefährlich, und fest zu absolut allem fest entschlossen, darstellt, ist schon sehenswert.

Mit „I Declare War“ hat OFDb filmworks eine kleine Perle an Land ziehen können, die auf mehren Ebenen gut funktioniert. Da kann man über die oben angesprochenen Schwächen durchaus hinwegsehen. Leider lag mir auch hier zur Rezension nur ein Screening-Stream vor, so dass ich zu den technischen Aspekten der OFDb filmworks-DVD wiederum nichts sagen kann.

Rezension: „Cold Blooded“

Von , 28. November 2013 19:52

BD_2D_Cold_BloodedNachdem ein Überfall auf einen Juwelier schief gegangen ist, wird einer der Diebe, Cordero (Ryan Robbins), scheinbar durch Polizeigewalt schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wird er in einen abgeschlossenen Teil untergebracht, der zur Zeit leer steht. Die junge Polizistin Frances (Zoie Palmer) soll ihn dort bewachen. Während der eloquente Cordero versucht, die prinzipientreue Frances zu überreden, ihn laufen zu lassen, verschaffen sich drei Männer Zugang zu dem Teil des Krankenhaus, in dem der Dieb untergebracht ist. Ihr Anführer ist der Gangster Holland (William MacDonald), der den Juwelenraub organisiert hat und nun auf der Suche nach der Beute ist.

Der kanadische Regisseur Jason Lapeyre drehte 2012 zwei Filme, die beide ins Programm des letzten Fantasy Filmfests aufgenommen wurden und in Kürze eine Heimkino-Veröffentlichung durch OFDb filmworks erhalten. Der erste dieser beiden Filme ist eine kleine Gangster-/Thrillergeschichte, die durch und durch den Atem der 90er Jahre verströmt. Und dies ist durchaus nicht negativ gemeint. Im Zuge des Erfolges von „Reservoir Dogs“ und vor allem „Pulp Fiction“ schossen damals zahlreiche kleine Filme aus dem Boden, die mit dem Attribut „tarantinoesque“ bedacht wurden. Auch wenn der Vergleich häufig hinkte. Was diesen Filmen gemeinsam war, waren pointierte, lässige Dialoge, sowie skurrile Charaktere und/oder Situationen. Oftmals in karikaturhafte rutschende Antagonist und abstruse Zufälle mit oftmals mörderischem Ausgang sorgten für einen schwarzhumorigen Touch. Beispiele hierzu wären „Thursday – Ein mörderischer Tag„, „2 Tage in L.A.“ oder „Cold Blooded„. Mit letzterem teilt sich Lapeyres Film dann auch seinen Titel.

Cold_Blooded_Bild_02Cold Blooded“ ist ein kleiner Film, dem man sein geringes Budget zwar durchaus ansieht, der aber auch keine peinlichen Versuche unternimmt, dies durch hektische Schnitte, pausenlos hämmernde Musik oder sonstige vordergründige Effekte zu kaschieren. Im Gegenteil, der Film fließt ruhig vor sich hin. Er nimmt sich Zeit seine, zugegeben etwas dünne, Geschichte zu erzählen und vor allem, die einzelnen Charaktere vorzustellen. Wie ähnlich gelagerte Low-Budget-Filme spielt er an einem einzigen Ort. Bei Horrorfilmen ist das gerne mal ein Labortrakt oder eine Höhle, hier ein von der Außenwelt weitgehend abgeschnittener Krankenhausflügel. Tatsächlich scheint man immer wieder nur die selben drei Korridore zu sehen. Aber Lapeyre macht das Beste draus und gerade der enge Raum sorgt für klaustrophobische Spannung, wenn es keinen Ausweg für die „Helden“ gibt und hinter jeder Ecke ein „Bösewicht“ stehen kann. Das hat ja kürzlich auch bei „The Raid“ ganz gut geklappt, auch wenn „Cold Blooded“s angenehm altmodische Erzählweise ansonsten nichts mit dem philippinischen Actionfeuerwerk zu tun hat. Auf Action wird hier dann auch weitestgehend verzichtet. Die Konfrontationen beschränken sich auch einige kurze, bodenständige Prügeleien und ansonsten wird hier eher mit diversen Stich- und Schusswaffen gedroht.

Cold_Blooded_Bild_01Die kurzen Gewaltausbrüche sind zwar brutal und im Falle einer Handamputation auch recht heftig, aber nie besonders grafisch dargestellt, sondern finden teilweise auch im Off statt. Dabei setzt Lapeyre häufig auf Kopfkino, wenn z.B. einem kleinen Jungen der Arm gebrochen wird und man dies – dankenswerterweise – nur über das Telefon mitbekommt und der Schwerpunkt der Szene auf der entsetzten Reaktion des hilflosen Vaters liegt. Auch der Running Gag mit einer (recht realistisch aussenden) abgetrennt Hand, die immer wieder den Besitzer wechselt, ist eher spielerisch und nicht ekelig inszeniert. Überhaupt sieht der Film davon ab, unbedingt superclever sein zu wollen und permanent neue Wendungen einzubauen, um die Handlung und Personen ständig im neuen Licht dastehen zu lassen. Die Handlung läuft schnörkellos und jederzeit nachvollziehbar ab, und auch in der Zeichnung der Charaktere gibt es keine großen Brüche. Dadurch bleiben zwar größere Überraschungen aus, aber Lapeyres schafft glaubwürdige und sympathische Charaktere, denen man gerne folgt und die zum mitfiebern einladen.

Cold_Blooded_Bild_03In der Besetzung finden sich keine große Namen. Hauptdarstellerin Zoie Palmer kommt vom Fernsehen, wo sie in der Mystery-Serie „Lost Girl“ (in Deutschland bei Sony auf DVD erschienen) eine wiederkehrende Rolle hat. Sie spielt die Polizistin Frances genauso so, wie die Rolle auch angelegt ist: Absolut professionell. Auch ihr Partner Ryan Robbins kommt vom Fernsehen und spielte eine der Hauptrollen in der Serie „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ (in Deutschland komplett von Koch Media veröffentlicht). Sein Cordero ist charmant, sympathisch und doch auch genügend zwielichtig, um den Charakter über die gesamte Spielzeit interessant zu halten. Auf Seiten der Bösen glänzt der eher unbekannte William MacDonald, der zwar auf eine lange Cold_Blooded_Bild_04Karriere in diversen TV-Filmen und -serien zurückblicken kann, aber bisher keine großen Hauptrollen hatte. Als Mastermind Louis Holland gelingt ihm das Kunststück, gleichzeitig wie der freundliche Mann von nebenan und der Teufel persönlich zu wirken. Wenn er seine Drohungen ausspricht, gibt es kein Zweifel daran, dass es ernst wird. Profi durch und durch ist er aber kein Sadist, sondern erledigt einfach das, was zu tun ist, um ans Ziel zu kommen. Lediglich die Idee, dass er eine abgetrennte Hand als Souvenir behalten will, passt nicht so ganz zu dem Charakter seiner Rolle. Die restlichen Schauspieler agieren souverän, ohne aber großartig aufzufallen.

Mit „Cold Blooded“ gelingt Jason Lapeyre ein souveränes Spielfilmdebüt, welches gut und spannend unterhält. Dabei scheint der Film irgendwie aus der Zeit gefallen und erinnert in seiner Machart eher an eine „tarantinoesque“-Low-Budget-Produktion aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Mit den heutigen hippen, flashigen Produktionen hat er nichts gemeinsam. Sympathisch-glaubwürdige Charaktere runden den guten Eindruck ab.

Leider lag mir zur Rezension nur ein Screening-Stream vor, so dass ich zu den technischen Aspekten der OFDb filmworks-DVD nichts sagen kann.

DVD-Rezension: “Fear X – Im Angesicht der Angst”

Von , 14. Juli 2012 15:55

Die schwangere Frau des Kaufhaussicherheitsbeamten Harry Caine ist bei einer mysteriösen Schießerei in der Tiefgarage ums Leben gekommen. Seitdem ist Harry davon besessen, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum seine Frau sterben musste. Nacht für Nacht sieht er sich die Bänder der Überwachungskameras an, um irgendwo einen versteckten Hinweis zu finden. Eines Tages entdeckt er durch Zufall Fotos einer ihm unbekannten Frau, die eine vage Spur darstellen. Harry fährt nach Montana, um dort diese Frau zu finden. Er mietet sich in einem Hotel ein und weckt schon bald die Aufmerksamkeit der lokalen Polizei und eines Mannes, der ihm seine bohrenden Fragen beantworten könnte…

Nach zwei erfolgreichen Indie-Filmen, die er in seinem Heimatland Dänemark geschrieben, produziert und inszeniert hatte, zog es den damals noch sehr jungen Nicolas Winding Refn 2003 nach Kanada. Gründe hierfür waren Abschreibungsgeschichten, die es lukrativer machten, seinen nächsten Film teilweise in Kanada, statt in Dänemark zu drehen. Wobei Kanada für die US-amerikanischen Bundesstaaten Wisconsin und Montana herhalten musste. Zudem konnte Refn erstmals auch mit gestandenen amerikanischen Schauspielern drehen. Allen voran John Turturro, aber auch Deborah Kara Unger und James Remar.

Für Refn muss die Herstellung seines Filmes „Fear X“ ein traumatisches Erlebnis gewesen sein. In  dem, auf der DVD enthaltenen, aufschlussreichen „Making Of“ sieht man ihn irgendwann kleinlaut vor seinem Team stehen und ihnen mitteilen, dass er kein Geld mehr habe und den geschuldeten Lohn nicht mehr zahlen könne. Dann appelliert er schüchtern an sie, trotzdem weiterzumachen.  Scheinbar hat dieser Appell geholfen, denn der Film wurde irgendwie fertig gestellt. Doch sein kommerzieller Misserfolg brach Refns Produktionsfirma das Genick und schickte sie in die Insolvenz. Zurück in Dänemark konzentrierte er sich dann erst einmal darauf, mit den Fortsetzungen seines sensationellen Erstlings „Pusher“ weiter an seiner Reputation zu arbeiten. Erst 2008 ging es wieder ins Ausland, wo er in England „Bronson“ drehte. 2010 folgte der Überfilm „Walhalla Rising“, und aktuell dürfte er mit seinem US-Film „Drive“ endgültig seinen Durchbruch geschafft und sich für weitere, großbudgetierte  Projekte empfohlen haben.

In der IMDb wimmelt es nur so vor hasserfüllten Kritiken zu „Fear X“. Bis auf wenige Stimmen, wird der Film in der Regel in der Luft zerrissen. Die Leute hassen insbesondere das Ende des Filmes. Der Grund für diese totale Ablehnung ist mir schleierhaft. Wenn man sich das Drehbuch ansieht, so muss man nüchtern konstatieren, dass es relativ dünn ist. Aber was Refn mit dieser im Grunde einfachen Geschichte macht, ist schlichtweg atemberaubend. Über allem liegt der Hauch des Mysteriösen, des Unbehaglichen, der Welt zwischen den Bildern.

Und Refn ist nicht nur selber ein großer Könner, was das perfekte Tempo und die Bildgestaltung angeht, hier  holte er sich auch gleich die Hilfe der Allerbesten. Für das dröhnende Sounddesign, welches  sich wie ein dichtes Netz über den Film legt (ähnlich wie in „Walhalla Rising“, wo dieses Stilmittel aber noch exzessiver eingesetzt wird),  sicherte er sich die Dienste von Brian Eno. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit dem großen Hubert Selby Jr., der durch Romane wie „Last Exit Brooklyn“ und „Requiem for a Dream“ weltberühmt und „weltberüchtigt“ wurde. Und schlussendlich konnte er für die Arbeit hinter der Kamera Larry Smith  gewinnen.  Jener hat unter Stanley Kubrick mit dem legendären Kameramann John Alcott  zusammengearbeitet. Bei „Barry Lyndon“, wo zum Ausleuchten reines Kerzenlicht verwendet wurde, und bei „The Shining“, der in „Fear X“ visuell zitiert wird.

Gemeinsam verwandeln sie die normale Quasi-Detektivgeschichte in einen Aufenthalt im Vorhof der Hölle. Der allgegenwärtige, bedrohliche Klangteppich, eine – durch langsame Kamerafahrten und die tranceähnlichen Bewegungen der Protagonisten – traumgleiche Stimmung, das Spiel mit Licht und Farben. All das erinnert zunächst einmal an Filme von David Lynch, wie „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“. Aber auch die großen  Klassiker des „Hotel als Hölle“-Genres werden zitiert. Natürlich „The Shining“, was bei der Wahl des Kameramannes ja auch kein Wunder ist. Teilweise erinnert der Film aber auch an „Barton Fink“, und dies nicht nur, weil Barton Fink persönlich, John Turturro, hier die Hauptrolle spielt. Auch die Visionen, die Caine plagen, sind dem Meisterwerk der Coen Brothers nicht unähnlich. Wenn Harry Caine am Anfang immer wieder die VHS-Tapes der Überwachungskamera auf der Suche nach Hinweisen durchlaufen lässt, mit der Kamera Bilder vom Bildschirm abfotografiert und vergrößert, fühlt man sich auch in Michelangelo Antonionis „Blow-Up“ versetzt. Refn kennt eben seine filmischen Väter. Und, ähnlich wie ein Quentin Tarantino, baut er aus den Zitaten, die nicht 1:1 übernommen, sondern nachgefühlt werden, etwas Neues.

Ich verstehe Zuschauer, die aufgrund des Finales – welches mehr Fragen stellt, als zuvor beantwortet wurden – frustriert sind.  Auch bedingt durch die Entscheidung Refns, die große Konfrontation, auf die seine Geschichte hinausläuft, nicht zu zeigen. Den Höhepunkt des Filmes einfach zu verweigern. Diesen konsequent auszublenden und provozierend durch mysteriöse Computergrafiken zu ersetzen. Möglicherweise ist diese große Leerstelle aber auch keine bewusste Entscheidung Refns gewesen, sondern schlicht und einfach dem fehlenden Geld geschuldet. Da im „Making Of“ betont wird, dass Refn unbedingt chronologisch filmen wollte, ist dies durchaus denkbar. Vielleicht soll aber auch unterstrichen werden, dass  Wahn und Wahrheit bei diesem Film enger zusammen liegen, als gedacht. Die Antwort kennen vielleicht nur Refn und Selby Jr. selber.

So bleibt es dem Zuschauer überlassen, wie er auf dieses Ende reagiert. Mit Wut, wie die Internetgemeinde, die ihn mit Hass und Ablehnung überschütten. Oder er lässt sich einfach in den Film fallen und Mitreißen von dem Sog, den er entfaltet. Man kann das Ende auch als Aufforderung verstehen, tiefer in die unterschiedlichen Schichten des Filmes einzutauchen und sich mit der Obsession der Hauptfigur zu beschäftigen. Denn auch Harry Caine ist besessen davon, Antworten zu finden. Und die große Tragik ist, dass er diese Antworten nicht finden wird. Ebenso, wie dem Zuschauer am Ende die Antworten vorenthalten werden, nach denen er so begierig lechzt. Und so werden die Schmerzen Harrys am Ende identisch mit den Schmerzen des Zuschauers, dem nur zwei Dinge übrig bleiben: Er suhlt sich in diesem Schmerz, oder er akzeptiert, dass es nicht auf alle Fragen eine Antwort gibt. Dieselbe Möglichkeit hat auch Harry Caine.

In „Fear X“ findet sich schon viel von Windings späteren Meisterwerken, „Walhalla Rising“ und vor allem „Drive“. Trotz des relativ großen zeitlichen Abstandes kann „Fear X“ als Studienobjekt und Fingerübung für größere Aufgaben angesehen werden. Mit dem Erfolg von „Drive“ hat nun endlich auch „Fear X“ eine DVD-Veröffentlichung in Deutschland erhalten. Die qualitativ sehr gute DVD von Sunfilm Entertainment enthält neben dem Film noch das bereits oben angesprochene, 25-minütige und hochinteressante „Making Of“, welches während der Dreharbeiten entstanden ist und eine gute Ahnung von den vielen Schwierigkeiten während des Drehs gibt.

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