Nachrichten getagged: Jess Franco

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 30 erhältlich

Von , 5. Januar 2019 13:17

Pünktlich zum neuen Jahr trudelte die neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ein. Diesmal geht es im Titelthema um das Spanische Kino, und ich hatte die Ehre mich auf fünf Seiten mit dem Frühwerk von Jess Franco auseinanderzusetzen. Was für mich eine sehr lohnende und spannende Angelegenheit war, die mir mal wieder ganz neue Facetten eines meiner Lieblingsfilmemacher aufgezeigt hat. Wer noch einmal behauptet, Franco wäre ein „talentloser Trash-Regisseur“ soll sich doch bitte einmal solch ein kleines Noir-Meisterwerk wie „Rififí en la ciudad“ ansehen.

Aber auch meine tollen Mitstreiter haben allerlei spannende Themen rund ums Spanische Kino zusammengetragen. Und Kollege Christian Genzel berichtet noch einmal vom Internationalen Filmfest Braunschweig, bei dem wir von „35 Millimeter“ Medienpartner waren. Was mir Gelegenheit gibt, in dieser Ausgabe – neben einem Kurzauftritt bei „Redaktion befragt“ – noch kurz ein drittes Mal (mit Bild!) aufzutauchen.

Weitere Themen:

Segundo de Chomón – der spanische Méliès
„Der Tod eines Radfahrers“ – Spaniens Film Noir
„Im Turm der sieben Buckligen“ – General Francos erster Horrorfilm
Edgar Nevilles
Sara Montiel
Salvador Dali im Film
Kolumnen: „Operation: Europloitation“, „Nordische Schätze“, „Film Noir“, „Noir Western“, „Original und Remake“ und „Der vergessene Film“
Das Metropolis Orchester Berlin
Bericht 29. Film- und Musikfest in Bielefeld
Vlady Bystrov im Residenzschloss Braunschweig
James Whale
Joseph Kane

Heft #30 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

Einführung zu „Lolita am Scheideweg“ auf dem 5. Deliria-Italiano-Forentreffen in Nürnberg

Von , 28. Oktober 2014 19:34

deliria_lolitaAuf dem 5. Öffentlichen Forentreffen von deliria-italiano.de am 10. und 11. Oktober hatte ich die Ehre, die Einführung zu dem ersten von vier auf 35mm gezeigten Filmen zu halten. Einer Aufgabe, der ich gerne nach kam, handelte es sich doch hierbei um „Lolita am Scheideweg„. Einem selten gezeigten Film des von mir sehr verehrten Jess Franco.

Da ich verschiedentlich darum gebeten wurde, den Vortrag noch einmal zur Verfügung zu stellen, werde ich Ihn hier nun einer breiteren Masse zugänglich machen.

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„Der amerikanische Filmjournalist Tim Lucas schrieb einst, man kenne keinen Jess-Franco-Film, bis man sie nicht alle gesehen hätte. Das ist vielleicht überspitzt formuliert, trifft aber den Kern der Sache. Francos Filme sind kleine Mosaiksteinchen, die sich am Ende zu dem Bild eines besessenen Filmemachers zusammenfügen, welcher uns mit glühender Leidenschaft an seinen Fetischen, Träumen und Albträumen teilhaben lässt.

Laut der IMDb hat der am 12. Mai 1930 in Madrid geborene Jesús Franco Manera zwischen 1957 und 2013 bei 202 Filmen Regie geführt. In den 70er und den 80er Jahren waren es manchmal bis zu 14 Filme in einem Jahr. Jess Francos Leben war Film und er lebt in seinen Filmen weiter, denn er hat sie bedingungslos mit seiner Persönlichkeit, seinen Obsessionen und seiner ganze Liebe gefüllt.

Seine Schauspieler waren für ihn seine Familie. Und dies manchmal nicht nur im übertragenen Sinne, wie man an seiner Ehefrau Lina Romay sieht. Mit ihr war er ab 1973 zusammen und bis zu ihrer schweren Krebserkrankung 2005 trat sie fast jedem seiner Filme auf (in „Lolita am Scheideweg“ ist sie „Sultana“, die Hundefrau, welche man gleich am Anfang sieht). Antonio Mayans alias Robert Forster, der Franco seit den frühen 70er Jahren begleite, kümmerte sich in dessen letzten Monaten um ihn, und beendete seinen letzten Film „Revenge of the Alligator Ladies“, nachdem Jess Franco am 2.April letzten Jahres verstarb. In „Lolita am Scheideweg“ sehen wir ihn gleich in der Rolle des Alberto de Rosa.

Das leider schon lange vergriffene Buch „Obsession – The Films of Jess Franco“, welches heute auf Amazon und eBay nur noch zu Fantasiepreisen von um die Euro 400,- zu bekommen ist, unterteilt Jess Francos Karriere in sieben Phasen, die ich hier der Einfachheit halber übernehmen möchte. Auch wenn ich mit den Einteilungen nicht wirklich zufrieden bin, und man diese auch sicherlich noch einmal diskutieren müsste.

Jess Francos Karriere beginnt danach mit den „Classical Years 1952-1965“ in denen er seine ersten Schritte im Filmgeschäft unternahm und zunächst alle möglichen Genres bediente, wie die Komödie, das Musical oder sogar den Western. Der Krimi „La Muerte Silba un Blues“ (1962), eine Mischung aus „jazzy film noir“ und Eurospy, gefiel dem von Franco hoch verehrten Orson Welles so gut, dass er Franco später mit den 2nd Unit Aufnahmen seiner Shakespeare-Verfilmung „Chimes at Midnight“/“Falstaff“ (1965) betraute. Wichtiger aber noch ist Francos erster Horrorfilm „The Awful Dr. Orlof“, der ihn nicht nur mit seinem späteren Stammschauspieler und guten Freund Howard Vernon zusammenführte, sondern auch den Startschuss zu Francos eigentlicher Karriere gab. Franco führte in diesem Film erstmals zahlreiche Themen und Motive ein, zu denen er in den nächsten 50 Jahren immer wieder zurückkehren sollte.

Die zweite Phase nennt „Obsession“: „The Pop Art Years 1965-1967“. Hier drehte Franco z.B. für die Münchener Aquila Film des Schauspielers und Regisseurs Adrian Hoven. Dazu gehörten zwei Filme um das von Franco erfundene weibliche Detektiv-Dou „Die Roten Lippen“: „Sadisterotica“ (unter dem blumigen Titel „Der Wolf – Horror Pervers“ später auf Video veröffentlicht) und „Küß Mich, Monster“. Sowie einer seiner berühmtesten Filme: Der surrealen „Necronomicon – Geträumte Sünden“, welcher sogar der Regielegende Fritz Lang gefiel.

Das höchste Budget seiner langen Karriere, dürfte Franco in den „Harry Alan Towers Years 1968-70“ zur Verfügung gestanden haben. Für den britischen Filmproduzent drehte er den aufwändigen „Der Hexentöter von Blackmoor“ mit zahlreichen Massen- und Schlachtszenen, „Nachts, wenn Dracula erwacht“ mit Christopher Lee in der Titelrolle. Und einen meiner Lieblings-Francos: Die surreale Jazz-Fantasie „Venus im Pelz“. Zudem fällt in diese Phase auch „Eugenie – The Story of her Journey into Perversion“ alias „Die Jungfrau und die Peitsche“, wiederum mit Christopher Lee, der gar nicht erfreut war, als er im Nachhinein feststellte, dass er in einem Sexfilm besetzt worden war. Dieser Film ist quasi die „Urfassung“, des Filmes, den wir heute Abend sehen. Dazu aber später mehr.

Es folgen „The Peak Years 1970-73“ in denen Franco u.a für Artur Brauners CCC die wunderbaren Klassiker „Vamypros Lesbos“ und „Sie tötete in Ekstase“ drehte. In diesen Filmen spielte seine damalige Muse Soledad Miranda alias Susann Korda die Hauptrolle. Leider kam sie mit nur 27 Jahren 1971 bei einem Autounfall ums Leben, was Franco ziemlich aus der Bahn warf. 1971 wechselte er auch zu Robert de Nesles berüchtigte Billigfirma C.F.F.P. Dort realisierte er die surreal-bizarren Frankenstein-Filme „Die Nacht der offenen Särge“ und „Erotic Rites of Frankenstein“ (schöner deutscher Titel „Das Blutgericht der gequälten Frauen“). Bei den Dreharbeiten zu Letztgenanntem, lernte er die junge Rosa María Almirall Martínez kennen, die hier noch als Statistin arbeitete, doch schnell das Herz Francos gewann und von ihm 1973 unter dem Namen „Lina Romay“ in „Female Vampire“ („Entfesselte Begierde, Erotikill“) in der Hauptrolle besetzt wurde. Diese spielte sie ab da auch in seinem Leben.

Die Phase von 1973-1979 wird in „Obsession“ etwas derespektierlich unter „The Porno Holocaust Years“ zusammengefasst. Was ich unglücklich finde, da „Porno Holocaust“ erstens ein recht schlechter Zombie-Porno-Mix von Joe D’Amato ist, und zweitens in diese Phase einige hochinteressante Franco-Filme fallen. Wie z.B. sein beinahe autobiographischer Schlüsselfilm „The Sadist of Notre-Dame“, sowie die Filme, die er zwischen 1975 und 1977 für Erwin C. Dietrich drehte und welche heute zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen. Wie „Frauengefängnis“, „Jack the Ripper“ oder “Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“.

Der heute gezeigte Film „Lolita am Scheideweg“ gehört in die „The Homecoming Years 1980-1987“, die ihn mit dem Umweg über die Lisa-Film – für die er u.a. den in Deutschland noch immer verbotenen „Die Säge des Todes“ mit Oliva Pascal inszenierte – zurück in seine Heimat Spanien führte, wo 1980 auch „Lolita am Scheideweg“ entstand. Leider ist von diesen spanischen Filmen – von denen er teilweise acht Stück pro Jahr drehte – kaum ein Titel außerhalb Spaniens veröffentlicht worden. Am Ende dieser Phase stehen dann einige billige Pornos, die er zusammen mit Lina Romay unter dem Pseudonym Lulu Laverne herstellte. Wie die „Falcon Crest“-Parodie „Falo Crest“ oder „Lulu’s Talking Asshole“.

Die „Autumn Years ab 1987“ fingen zunächst sehr vielversprechend an. Eurociné gab Franco noch einmal richtig Geld in die Hand, mit dem er „Faceless“ drehen konnte. Dieser war mit Helmut Berger und Telly Savalas ausgesprochen prominent besetzt und seine größte Produktion seit den späten 60er Jahren. Nach 1990 wurde es dann ruhig um Franco und erstmals seit über 30 Jahren legte er auch Pausen ein. In dieser Zeit restaurierte er Orson Welles unvollendetes „Don Quixote“-Projekt aus den 50er Jahren. Francos restaurierte Fassung hatte 1992 unter dem Titel „Don Quijote de Orson Welles“ in Cannes Premiere. 1993 erschien dann das Buch „Obsession – The Films of Jess Franco“ und vor lauter Euphorie steckten – bzw. versenkten – zwei der Herausgeber 1997 ihr Geld in Francos Film „Tender Flesh“. Dieser wurde erstmals auf Video gedreht und markiert den Anfang dessen, was ich „The Final Years 1997-2013“ nennen möchte.

Auf „Tender Flesh“ folgten noch zahlreiche weitere, billig auf Video gedrehte Filme.Vor allem in den letzten Jahren waren dies mehr oder weniger private Angelegenheiten, die in Francos eigener Wohnung mit kaum mehr als einer Handvoll Laien-Darsteller inszeniert wurden. Am Ende verzichtete Franco dann vollständig auf eine Narrative und konzentrierte sich gänzlich darauf, seine voyeuristischen Träume in Bilder zu fassen. Sein letzter Film war 2012 „Al Pereira vs. the Alligator Ladies“, in dem er noch einmal auf die von ihm entwickelte (und teilweise auch gespielte) Figur des heruntergekommenen Privatdetektivs Al Pereira zurück griff.

Immer wieder tauchen in Francos Werken die gleichen Namen und Figuren auf. Neben Al Pereira sind die z.B. Orloff, Morpho, Radek, Martine de Bressac oder eben auch Eugenie. Oftmals kehrte er auch zu Themen zurück, die ihn ihn schon zuvor beschäftigt hatten. Die Geschichte seines Film „The Awful Dr. Orlof“ beispielsweise verwendete er nicht nur in „Jack the Ripper“, sondern gleich auch noch einmal in „Faceless“, sowie teilweise auch in „Die Rache des Hauses Usher“. Und auch die Geschichte um „Eugenie“ verfilmte er mehrfach. Dabei kann man aber nicht unbedingt von schlichten Remakes reden. Franco war nicht nur Filmemacher, sondern auch leidenschaftlicher Jazzmusiker und daher wäre es nur angebracht, besser von verschiedenen Variationen eines Themas zu sprechen.

Im dem Buch „Pioniere und Prominente des modernen Sexfilms“, welches sich 1983 erstmals in deutschsprachigen Raum ernsthaft mit Francos Arbeit beschäftigte, wird er mit folgenden Worten zitiert: „Ich bin ein sexuell Besessener, ein enorm Besessener. Ich bin ein Voyeur, und ich will davon nicht geheilt werden – daher mein gigantisches Vergnügen, Sexszenen zu erfinden, sie zu dirigieren, sie zu sehen und sie obendrein zu filmen… Das erfreut mein ganzes Wesen.“
Genau diese Freude an der Inszenierung seiner ganz eigenen, voyeuristischen Bedürfnisse, wird auch immer wieder ganz direkt in seinen Filmen thematisiert. So gibt es häufig minutenlange Nachtclub-Sex-Shows, die mit der eigentlichen Handlung des Filmes nichts, oder nur partiell zu tun haben. Auch die Kamera ist Francos Filmen immer voyeuristisch. Sie verbirgt sich hinter Weingläsern, Aquarien oder Blumenkübeln, um aus diesem Versteck heraus, heimlich die Liebesspiele der Akteure zu beobachten. Oder sie lässt den Blick schnell einmal über eine Brustwarze – oder noch lieber zwischen die Schenkel einer der Darstellerinnen – wandern, auch wenn eine klassische Bildauflösung nach einer ganz anderen Einstellung verlangt hätte.

Aber nicht nur nackte Menschen haben es Franco angetan. In seinen Filmen widmet er sich auch ausführlich anderen schönen Dingen. Kaum ein Film, in dem der Establishment shot – also eine Landschaftseinstellung, die die Handlung verortet – nicht sehr viel länger als eigentlich nötig über die Landschaft streicht. Oftmals benutzt Franco auch ungewöhnliche Architektur oder Interieurs als Hintergrund für seine Filme. Wie den Apartment-Komplex „El Xanadu“ des spanischen Architekten Ricardo Bofill Levi in Calpe/Alicante an der Costa Blanca, den er in „Sie tötete in Ekstase“, „La Comtessa Perverse“ und in unserem heutigen Film „Lolita am Scheideweg“ als Kulisse nutzte.

Ebenfalls wichtig für das Werk Francos, sind die Schriften des Marquis de Sade, die ihn immer wieder inspiriert haben. Insbesondere „Die Philosophie im Boudoir oder Die lasterhaften Lehrmeister“ hatte es ihm angetan. Der Untertitel des Buches lautet „zur Erziehung junger Damen bestimmt“ und es handelt davon, wie die freigeistige Madame de Saint-Ange und ein Freund ihres Bruders, der Libertin Dolmancé, die Sexualerziehung des 15 Jahre alten Mädchens Eugénie übernehmen. Der Unterricht umfasst die anatomische Erörterung der Sexualorgane und der erogenen Zonen, die praktische Überprüfung des Gelernten in konkreten Sexualhandlungen, sowie sittlich-moralische Betrachtungen über das Sexualverhalten der Geschlechter im Besonderen und über deren Sozialverhalten im Allgemeinen. Im Verlauf der praktischen Erziehungsarbeit werden weitere Personen wie der Bruder von Madame de Saint-Ange und ihr Gärtner unterstützend hinzugezogen.

Franco hat seine Version der „Philosophie im Boudoir“ erstmals 1969 als „Eugenie… the Story of her Journey into Perversion“ (Die Jungfrau und die Peitsche) mit Marie Lilljedahl als Eugenie, Maria Röhm Mme de St. Ange und Christopher Lee als Dolmancé verfilmt. Im selben Jahr folgte „Eugenie de Sade“ mit Soledad Miranda als Eugenie und Paul Muller in der Rolle ihres Vaters. Dieser Film erzählt in einer von der de Sadeschen Geschichte inspirierten Handlung davon, wie Eugenie Radeck von ihrem Vater in die Welt der sexuellen Perversion eingeführt wird. 1978 inszenierte Franco die Geschichte noch einmal als Porno unter dem Titel „Cocktail Spécial“. Und 1980 entstand „Lolita am Scheideweg“ mit der damals gerade einmal 14-jährigen Katja Bienert als Eugenie.

Die spanische Originalversion dieses Filmes trägt den Titel „Eugenie, Historia de una Perversion“ und ist 94 Minuten lang. Für den deutschen Markt wurde der Film von Carl Spiehs für seinen Residenz-Verleih gekauft und bearbeitet. Die Kinofassung – die wir heute sehen – ist nur noch 77 Minuten lang, die Videoversion dann 70, die RTL-TV-Ausstrahlung nur noch 64 Minuten. Die getragene Jazz-Musik, die im Original von Franco und Pablo Villa alias Daniel J. White stammt, wurde in der deutschen Fassung komplett durch einen weitaus schmissigere Score von Gerhard Heinz ersetzt, zudem wurden einige Szenen aus der 1977er Lisa-Produktion „Die Insel der 1000 Freuden“ von Hubert Frank als Traumsequenzen in den Film hereingeschnitten. Und wie man am Titel bereits sieht, wurde aus „Eugenie“ in dieser Fassung dann auch noch „Lolita“.

Ich wünsche Euch allen nun viel Spaß bei dem jetzt folgenden Film: „Lolita am Scheideweg“.“

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DVD-Rezension: “Die Sklavinnen“

Von , 25. Februar 2014 22:08

sklavinnenMartine (Martine Stedil), die Tochter des Millionärs Radeck (Vítor Mendes) wurde entführt. Obwohl Radeck das geforderte Lösegeld von fünf Millionen Dollar zahlte, bleibt seine Tochter verschwunden. Die Spur führt zur Besitzerin des Edel-Bordells „Pagode“, Madame Arminda (Lina Romay), die allerdings gerade im Gefängnis sitzt, weil sie ihre Mädchen mit Drogen gefügig macht und gegen ihren Willen festhält. Um herauszufinden, was mit seiner Tochter und dem Lösegeld passiert ist, organisiert Radeck Armindas Flucht, um sie dann von seinem Handlanger (Jess Franco) foltern zu lassen. Der Plan geht auf: Arminda beginnt zu erzählen…

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Die Sklavinnen“ ist ein weiter Film aus der Ära, in der der spanische Kultregisseur Jess Franco für den Schweizer Filmproduzenten Erwin C. Dietrich Filme am Fließband produzierte. Die Rollen waren immer gleich verteilt: Dietrich steuerte unter dem Pseudonym „Manfred Gregor“ das Drehbuch bei, Franco inszenierte und die beiden Baumgartners, Peter und Walter, waren für die Kamera bzw. die Musik zuständig. Bei einem Ausstoß von bis zu sieben Filmen im Jahr und den selben Leuten hinter – und zumeist auch vor – der Kamera, ist es nicht verwunderlich, wenn diese Filme einige Ähnlichkeiten aufweisen und in der Rückschau auch ineinander verschwimmen. Immer geht es um Frauen, die irgendwo gefangengehalten werden (hier in der „Pagode“, dem Edel-Bordell von Madame Arminda) und gerne wird noch eine rudimentäre Krimi-Handlung integriert. Besonders auffällig ist allerdings die gewaltige Misanthropie, mit der Dietrich seine Drehbücher ausstattet. So wählt er oftmals Enden, die wenige Anlass auf Hoffnung geben und den Zuschauer eher runter ziehen, statt ihm ein Happy End zu gönnen.

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In „Die Sklavinnen“ treibt diese pessimistische Weltsicht ihre ausgeprägtesten Blüten. Als Erzählerin, und damit Identifikationsfigur für den Zuschauer, wird ausgerechnet die skrupellose Puffmutter Arminda gewählt. Diese lamentiert dann darüber, dass sie ein so schweres Schicksal habe und ihre Geliebte ja unter Drogen setzen und ins Bordell abschieben musste, weil es nun einmal so zu sein hätte. Dieser Zynismus ist schon bemerkenswert, ebenso wie die Tatsache, dass „Die Sklavinnen“ keinerlei positive Hauptfiguren kennt. Nun könnte man Martine Radeck als solche bezeichnen, doch schaut man genau hin, dann ist auch sie selbstsüchtig und beginnt nur eine Affäre mit Madame Arminda, um ein wenig an deren Macht partizipieren zu können. Das Schicksal der Mädchen in der Pagode ist ihr ziemlich egal. Tatsächlich gib es nur zwei Figuren, die eine menschliche Regung zeigen. Einmal die von Peggy Markoff gespielte Vicky, die versucht Martine zu retten, und dann mit Abstrichen der von Franco persönlich gespielte Handlanger des Radeck, der zwar auch eine gewisse Brutalität an den Tag legt, dem aber auch die finale Einstellung gehört, in welcher sein Gesicht die Resignation vor der Niedertracht der Menschen widerspiegelt.

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Wie so oft wirkt Francos Film über weite Strecken, als wäre er nur die Inhaltszusammenfassung eines anderen Filmes. Alles, was nicht unbedingt wichtig ist, wird weggelassen, und viele Dinge entweder nur behauptet oder als bekannt vorausgesetzt. Wenn sich Lina Romay am Anfang von einer Festungsmauer abseilt, wird einfach unterstellt, dass diese jetzt zu einem Gefängnis gehört. Das muss nicht noch einmal gezeigt werden. Auch das Madame Arminda ein prunkvolles Bordell mit vielen hundert Mädchen führt, wird zwar behauptet, aber durch das Bild nie bewiesen. Es ist auch unwichtig für die Handlung und ein solcher optischer Beweis würde nur Geld kosten. Oftmals greift Franco auch konsequent auf Stereotype und Handlungen zurück, die man aus der Filmgeschichte – oder Francos eigenem Oeuvre – zu genüge kennt. Da muss nichts erklärt oder plausibilisiert werden, weil sich durch die Filmerfahrung des Zuschauers die Handlung in seinem Kopf formt. Ganze Handlungsabschnitte werden einfach übersprungen und dem Zuschauer lediglich das Resultat gezeigt. Hier ist der Erzähler Franco eben auch ein Meister der Ökonomie. Das Fett vom Braten wird radikal weggeschnitten und auf die blanken Knochen dann viel nacktes Fleisch gehangen.

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Als böse Madame Arminda macht Lina Romay im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur. Da Arminda als Identifikationsfigur aufgebaut wird, ist Lina Romay eine gute Wahl, denn sie bringt – bis auf Ausnahmen wie „Greta – Haus ohne Männer“ wo sie auch rein äußerlich verändert auftritt – immer auch etwas naiv-begeistert Liebenswertes mit. Mit einer Monica Swinn z.B. hätte diese doppelbödige Rolle nicht unbedingt funktioniert. Ihr zur Seite steht die ausgesprochen hübsche Martine Stedil, die an die junge Brigitte Lahaie erinnert. Martine Stedil ist als Schauspielerin interessanterweise nur in Franco/Dietrich-Filmen aufgetaucht. Zwischen 1975 und 1977 brachte sie es auf fünf Auftritte. Nach „Die Sklavinnen“ verschwand sie dann spurlos von der Bildfläche, und es war mir nicht möglich gewesen, irgendetwas über ihren weiteren Werdegang in Erfahrung zu bringen. Aber es ist ja für Franco durchaus typisch, dass es einen Kern von Schauspielern gibt, die ausschließlich mit ihm drehen – und dies oftmals über lange Jahre – und deren Filmographie dann irgendwann abrupt abbricht. Ich vermute einmal, dass viele nur aus persönlicher Freundschaft zu Franco in seinen Filmen auftraten und ansonsten keine weiteren Ambitionen auf eine große Filmkarriere hegten.

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„Die Sklavinnen“ ist ein weiterer Titel aus der Franco/Dietrich-Ära, der mit kleinem Geld eine zutiefst zynische und pessimistische Krimigeschichte um eine scheinbar entführte Millionärstochter, einer gierigen Jagd nach dem Lösegeld und Betrug auf allen Fronten erzählt. Mit Lina Romay und Martine Stedil ist das Filmchen dabei überaus attraktiv besetzt. Das Drehbuch weißt zwar große Lücken auf, doch diese überspringt Franco mit dreistem, aber auch sehr ökonomischem Pragmatismus und stopft diese mit viel nackter Haut zu.

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Die DVD weist ein gutes Bild auf, dessen Schärfe allerdings auch oftmals einen guten Blick auf diverse Hautunreinheiten freigibt. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor. Extras gibt es bis auf den Trailer und eine Bildgalerie, sowie ein 40-minütiges Audio-Interview, welches Hans D. Furrer am 17.06.1976 mit Jess Franco im Hotel Gregory in Zürich geführt hat. Das Interview ist auf französisch mit deutschen Untertiteln.

DVD-Rezension: “Die teuflischen Schwestern”

Von , 26. Januar 2014 21:34

Die-teuflischen-SchwesternIn einem Nachtclub wird Edie (Kurt Meinicke) von der schönen Edna (Pamela Stanford) aufgegabelt und mit nach Hause genommen. Dort soll er allerdings nicht die Dame des Hauses, sondern deren Schwester Millie (Karine Gambier) beglücken, die in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wird. Millie leidet nämlich scheinbar unter deiner besonders krankhaften Form der Nymphomanie. Edie und Millie verlieben sich, doch am nächsten Tag wacht Edie allein am in seinem Auto auf, ohne Erinnerung daran, wo er Millie finden kann. Derweilen schmiedet Edna zusammen mit dem angeblichen Arzt Dr. Barnes (Jack Taylor) einen sinisteren Plan. Sie wollen Millie in den Wahnsinn treiben, um an das Erbe zu kommen, welches sie an ihrem 21. Geburtstag ausgehändigt bekommen soll.

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Es ist 1977 und die Dietrich/Franco-Connection läuft auf Hochtouren. Ganze sieben Filme sollen die beiden in diesem Jahr zusammen machen. Die Rollenverteilung ist dabei immer die gleiche. Dietrich produziert und liefert unter dem Pseudonym Manfred Gregor das Drehbuch, Jess Fraco inszeniert in ein paar Tagen für wenig Geld. Wobei die Frage ist, in wie weit „Manfred Gregor“ wirklich am Drehbuch beteiligt war und ob das Pseudonym nicht auch von Franco genutzt wurde. Zumindest legt dies das de Sade’sche Element, welches auch in Francos andere Arbeiten seit den 60ern zu finden ist. Besonders deutlich tritt es in „Die teuflischen Schwestern“ wieder einmal zutage. Die „Gute“, die von der „Bösen“ verführt. gedemütigt und verdorben wird. Entfernt eine „Justine/&Juliette“-Geschichte, die Franco ja neben der Euginé-Figur aus „Die Philosophie im Boudoir“ gerne für seine Filme verwendete. Am sicherlich prominentesten in der Verfilmung „Justine“ von 1969 mit Romina Power in der Hauptrolle. Hier wird die Justine-Figur von Karine Gambier gespielt. Deren Charakter „Millie“ ist zwar hoffnungslos nymphoman, doch – wie man im weiteren Verlauf der Handlung erfährt – nur deswegen, weil die „böse Schwester“ (also die Juliette-Figur) sie unter Drogen hält und langsam in den Wahnsinn treibt. Innerlich ist Millie aber eine reine Seele geblieben, was dadurch hervorgehoben wird, dass sie sich sogleich aufrichtig verliebt, sobald der Richtige an ihre – ähem – Pforte klopft. Die böse Edna hingegen, versteckt hinter der Maske der fürsorglichen Schwester in Wahrheit eine eiskalt kalkulierende und nur ihre sexuelle und materielle Befriedigung gehorchende Intrigantin, die sich an den Leiden ihrer Schwester ergötzt und sexuell erregt.

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Als Schwestern castete Franco zwei absolut gegensätzliche Typen. Die wasserstoffblonde und dralle Karine Gambier spielt die Millie, während die brünette, sehnige Pamela Stanford ihre böse Edna spielt. Die Gambier war zu der Zeit ein gefragter Pornostar und so etwas wie die vulgärere Version von Brigitte Lahaie. Zudem spielte sie in einigen Softcore-Produktionen, wie z.B. dem 11. Teil der berühmten „Schulmädchen-Report“-Filmen mit und war bei den Dietrich/Franco-Produktionen „Ruf der blonden Göttin“ und vor allem beim extrem misanthropischen „Frauen für Zellblock 9“ dabei. 1981 beendete sie ihre Karriere nach nur 5 Jahren und ist seitdem vom Erdboden verschwunden. Die interessant aussehende Pamela Stanford alias Monique Delaunay war eine ehemalige Tänzerin im Folies Bergère und späteres Nacktmodel für diverse Herrenmagazine. Sie begann ihre Filmkarriere 1969 und spielte 1973 das erste Mal unter Jess Franco in „Les exploits érotiques de Maciste dans l’Atlantide„. Danach gehörte sie zu Francos Stammpersonal, zunächst in Minirollen, dann in „Lorna, l’exorciste“ erstmals in einer Hauptrolle. Nach einigen Sexfilmen für andere Regisseure, sowie einigen sehr billigen Naziploitationfilmen aus dem Hause Eurociné, verschwand sie dann 1983 nach einer letzten Zusammenarbeit mit Jess Franco („Claire„) von der Bildfläche. Unter den Herren sticht zunächst einmal der amerikanische Europloition-Star Jack Taylor hervor, der in vielen spanischen und französischen Horrorfilmen („Geisterschiff der schwimmenden Leichen„, „Dr. Jekyll vs. the Werewolf„) dabei war, ebenfalls häufig mit Franco zusammenarbeitete und hier überraschend blank zieht. Taylor ist heute noch aktiv und trat in Arthouse-Filmen wie Polanskis „Die neun Pforten“ und Milos Formans „Goyas Geister“ auf. Kurt Meinicke hüpfte in diversen Dietrich-Filmen, aber auch Alois-Brummer-Hardcore-Produktionen durch das Bild, Eric Falk gehörte in vielen legendären Dietrich- und Franco-Produktionen zum Inventar.

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Was den Zuschauer bei den „Teuflischen Schwestern“ erwartet, ist erst einmal viel nacktes Fleisch und ausschweifende Sexszenen, die immer knapp an der Grenze zur Pornographie entlang schrammen. Wer von den vielen nackten Brüsten nicht völlig abgelenkt ist, kann aber viele schöne Details entdecken. Wie z.B. die unzähligen Katzenportraits, die die Wände der Villa zieren. Wobei die Zimmer für eine angeblich große Villa doch arg eng und wahrscheinlich nur schnöden Hotelzimmer sind. Franco-Liebhaber entdecken auch das Schild der Praxis von „Dr. Milton Arcos“ wieder, welches dann in „Frauen ohne Unschuld“ (Review hier) wieder auftaucht. Auch der Käfig in dem sich Karine Gambier vor Lust windet, ist ein schönes Ausstellungsstück, welches ein wenig an „Das Blutgericht der gequälten Frauen“ erinnert. Und natürlich lässt es sich Franco nicht entgehen, eine seiner typischen Nachtclub-Szenen komplett mit frivol-mysteriöser Bühnenshow und ein Zitat aus Henri-Georges Clouzots „Die Teuflischen“ (ist die titelähnlichkeit wirklich Zufall?) einzubauen. Wer allerdings für diese kleinen Mosaiksteinchen und Verweise in das Jess-Franco-Universums keinen Sinn hat, die vielen Sexszenen langweilig findet und den das unspektakulär-abrupte Ende (welches in der Tat plötzlich die gesamte Luft aus dem Film entweichen lässt) frustriert zurück lässt, dem sei hier gründlich abgeraten. Wer Franco und seine Welt im Herzen trägt, dem werden auch „Die teuflischen Schwestern“ ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Als Einsteigerfilm in diese Welt ist der Film allerdings etwas problematisch.

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Billig-Produktion aus der Dietrich/Franco-Ära mit allen typischen Franco-Ingredienzien. Was für die einen ein Grund zur Freude, für die anderen zur Flucht ist. Für Einsteiger in den Jess-Franco-Kosmos nicht unbedingt geeignet. Für diejenigen, die bereits infiziert sind, aber natürlich ein Muss.

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Das Bild der DVD aus der „Jess Franco Golden Goya Collection“ ist den Umständen entsprechend sehr gut. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich hier um eine Billig-Produktion aus den 70er Jahren handelt, bei der auf die Qualität des Filmmaterials nicht viel Rücksicht genommen wurde. Der Ton liegt nur in Deutsch vor – welches auch die Originalsprache ist. Wie üblich wurde stumm gedreht und dann später mit professionellen Sprechern nachsynchronisert. Das Resultat ist ausgesprochen zottig und derb ausgefallen, was durchaus ein Markenzeichen der Dietrich/Franco-Filme ist. Als Extras liegen nur Trailer für andere DVDs der „Jess Franco Golden Goya Collection“ bei. Als Kuriosum sei noch erwähnt, dass die DVD japanische Untertitel mit an Bord sind.

DVD-Rezension: “Wicked Women”

Von , 5. Januar 2014 22:27

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In einer Villa werden die Leichen eines nackten Paares gefunden. Die einzige Zeugin der Bluttat, Margeritta (Lina Romay) ist durch das traumatische Erlebnis schwer verwirrt und hat hat die Fähigkeit zum Sprechen verloren. Sie wird umgehend in die psychiatrische Klinik des Doktoren-Pärchens Farkas (Kurt Meinicke und Muriel Montossé) eingewiesen. Doch auch hier ist sie nicht sicher, da sich ein geheimnisvoller Mörder in der Klinik herumtreibt. Außerdem haben die Farkas, zusammen mit dem Arzt Dr. Antonio, ein ungesundes Interesse an verschwundenen Juwelen, von denen Margeritta angeblich wissen soll, wo sie versteckt sind.

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Ich bin mir nicht sicher, ob die Mitarbeiter des Labels Ascot Elite wissen, wie das Label einst entstand. Die Elite Film war die Schweizer  Produktionsgesellschaft des legendären Sexploitation-Produzenten Erwin C. Dietrich, bekannt für Klassiker wie „Die Nichten der Frau Oberst„, „Ich – ein Groupie“ oder die „Blutjunge Verführerinnen„-Reihe. Ascot war später, als Nachfolger das Avis, sein Standbein in Berlin, von wo aus der Vertrieb seiner Filme in der Bundesrepublik und viele internationale Co-Produktionen organisiert wurden. 1975 ging Dietrich eine kurze Partnerschaft mit dem spanischen Regisseur Jess Franco ein. Dieser sollte seinen Produktionen einerseits ein internationales Flair geben, und stand darüber hinaus in dem Ruf, schnell und kostengünstig zu arbeiten. In der Folge drehte Franco 14 Filme für den Schweizer. Die Bekanntesten dürften „Jack the Ripper“ mit Klaus Kinski und der berüchtigte „Frauengefängnis“ mit seiner Muse Lina Romay sein. Letzterer trat eine ganze Lawine ähnlich gelagerter Filme (das Gerne wird kurz „W.I-P.“ = Women in Prison“ genannt) los. Auch „Wicked Women“ (oder „Frauen ohne Unschuld“, wie er bei früheren Veröffentlichungen hieß) war einer davon. Zwar spielt der Film in keinem Frauengefängnis, doch Personal und Struktur des Filmes ist mit dem der W.I.P.-Filme identisch. Ein unschuldige Schönheit gerät in Schwierigkeiten und wird von einer skrupellosen Exekutive (in der Regel Militärpolizei, hier die Mitarbeiter eines örtlichen Irrenhauses) hinter Gitter gebracht, wo sie auf einen Haufen durchgeknallter und gerne auch lesbisch veranlagter Miteinsitzender trifft. So dann auch hier, nur das das Gefängnis ein Irrenhaus ist. Dies gibt dem Franco’schen Frauengefängnis-Stammpersonal (u.a. wieder Peggy Markoff und Esther Studer) die Gelegenheit, noch mehr als sonst ihre Rollen zu überziehen und ordentlich auf den Putz zu hauen. Für die markante Markoff war dies die letzte Filmrolle. Soweit die Internet-Recherche nicht trügt und es keine zufällige Namensgleichheit ist, scheint sie in den letzten Jahren eine Karriere als Sängerin von Liedern aus den 20er und 30er Jahren gestartet zu haben.

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Wie immer wurden alle Schauspieler nachsynchronisiert und die Texter der deutschen Fassung lassen keine Gelegenheit aus, noch mal einen oben draufzusetzen. Oftmals erkennt man deutlich, dass die Tonspur noch munter weiterplappert, während die Münder der angeblich Sprechenden schon lange geschlossen sind. Was da dann an Obszönitäten und Albernheiten rauskommt, reicht eigentlich für zwei Filme. „Frauen ohne Unschuld“ war einer der letzten Filme, die Franco für Dietrich drehte und hier packt er noch einmal alles rein, was möglich ist. Da gibt es einen maskierten Killer mit langem Messer, eine Schmuggler-Geschichte mit blutigem Ausgang, das Irrenhaus als pittoresken Schauplatz, intrigante Schurken und natürlich viel, viel Sex. Dieser unterbricht ständig die rudimentäre Handlung und ist Dreh- und Angelpunkt des Filmes. Natürlich sind wieder alle Frauen potentiell lesbisch und dauergeil. Die Männer entweder Bösewichte oder/und Schlaffis, die sich von den dominanten Frauen um den Finger wickeln lassen. So etwas wie Spannung will bei der Krimigeschichte nicht aufkommen. Man genießt das typische Jess-Franco-Panoptikum und lässt sich von ihm durch den Film spülen. Immer in der Position des Voyeurs.

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So gerät dann auch der letzte Teil des Filmes, in dem die Vorgeschichte aufgerollt wird, zur Geduldsprobe. Vorbei der Wahnsinn der verrückten Frauen im Irrenhaus, kein maskierter Killer mehr und nackte Opfer, die von Dachbalken hängen. Franco konzentriert sich in weichgezeichneten Bildern ganz auf die Menage-a-trois zwischen der unschuldigen Touristin Lina Romay und dem Schmugglerpärchen – und natürlich auf ausgedehnte Sexszenen. Immerhin mit Lina Romay. Diese stellt im Film meistens ihre, aus „Greta – Haus ohne Männer“ bekannte, Kurzhaarfrisur zur Schau. Diese gereicht ihr hier aber nicht zum Vorteil gereicht, da die Romay, im Vergleich zu „Greta“, doch einige Pfunde mehr mit sich herum trägt und nicht mehr das harte, jungenhafte Aussehen aus dem anderen Film hat. Für die Vorgeschichte trägt sie dann eine schwere Perücke. Trotz der in diesem Teil schön gefilmten Bilder (Kamera: Peter Baumgartner), schaut man hier doch häufiger einmal auf die Uhr.

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Neben Lina Romay ist die Spanierin Muriel Montossé als Klinikleiterin und Schurkin zu sehen. Sie spielt hier unter dem Pseudonym Nanda van Bergen. Im Jahr zuvor hatte sie noch als Vicky Adams ihr Film-Debüt in „Der Ruf der blonden Göttin“ (ebenfalls eine Dietrich/Franco-Kollaboration) gegeben. Und irgendwas scheint in diesem Jahr mit ihr passiert zu sein. Sie wirkt blasser und klobiger. Zudem meint es die DVD-Technik, die den Bildern eine exzellente Schärfe verleiht, nicht gut mit ihr. Zu deutlich sieht man die Narben einer Brust-Vergrößerung. Schade, um diese eigentlich sehr schöne Frau, die noch bis Mitte der 80er mit Franco drehte. Ebenfalls mit dabei ist auch Michael Maien, der vom Ende der 60er bis in die 70er Jahre in diversen Exploitationfilmen mitwirkte. U.a. in Olsens „Das Stundenhotel von St. Pauli„, wo er einen ähnlich zwielichtigen Charakter wie hier verkörperte. Maien war noch bis Mitte der 80er in diversen „Derrick“ und „Der Alte„-Folgen zu sehen, dann verliert sich seine Spur. Prominent wird auch mit dem Namen der Belgierin Monica Swinn geworben. Diese hat sehr häufig mit Franco zusammengearbeitet. Zumeist spielte sie dabei sadistisch veranlagte Charaktere, wie die Direktorin in „Frauengefängnis“, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Hier hat sie nicht viel zu tun und wird zudem durch eine riesige Sonnenbrille und unpassende Perücke entstellt. Nach „Frauen ohne Unschuld“ drehte sie nur noch wenige Filme und verschwand dann 1982 ganz von der Bildfläche, um sich Theaterarbeit zu widmen. Allerdings hat sie laut IMDb eine Rolle in dem neuen Film von Peter Strickland („Berberian Sound Studio„), „The Duke of Burgundy“ bekommen. Man darf gespannt sein, zumal sie dort den Rollennamen „Lorna“ (den Franco seinen Figuren auch gerne gab) bekommen hat.

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In „Frauen ohne Unschuld“ wird das Frauengefängnis gegen ein Irrenhaus für weibliche Patienten ausgetauscht, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Eine dünne Krimihandlung wird mit einem gialloesquen Killer, verrückten Weibern und viel, viel Sex aufgebauscht. Wenn der Film im letzten Drittel diese Elemente zugunsten eine schön gefilmten Menage-a-trois Geschichte vernachlässigt, wird es schnell etwas langweilig. Für Franco-Fans und Lina-Romay-Verehrer trotzdem ein Muss. Alle anderen seien vorgewarnt.

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Nachdem der Film bereits in einer „The Official Jess Franco Collection“ als „Frauen ohne Unschuld“ erschienen ist, hat Ascot Elite ihn nun im Rahmen einer sogenannten „Jess Franco Golden Goya“-Reihe, zusammen mit anderen Franco/Dietrich-Kollaborationen, noch einmal neu veröffentlicht. Das besondere dabei ist, dass der Film auch auf Blu-ray erschienen ist. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor, Extras gibt es leider (bis auf den Trailer und eine Fotogallerie) keine.

Die Abstastung dürfte neu sein. Anbei ein Bildvergleich zwischen der alten „The Official Jess Franco Collection“ (links) und der neuen „Jess Franco Golden Goya Collection“ (rechts).

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Nachruf: Jess Franco (1930-2013)

Von , 2. April 2013 22:36

franco3Ich will gar nicht so viele Fakten über Jess Franco und sein Werk hier ausbreiten. Das wird dem großen Mann des europäischen Exploitationkinos nicht gerecht. Nur ein paar Eckdaten sollen es sein. Geboren am 20. Mai 1930 unter dem Namen Jesús Franco Manera. 199 Filme in 55 Jahren. Zeitweise in den 70ern drehte er bis zu neun Filme in einem Jahr. Berühmte Pseudonyme: Jess Frank, Clifford Brown, Frank Hollman, James P. Johnson, David J. Khune und ca. 40 andere. Zusammenarbeit mit allen Größen des europäischen Exploitationkinos: Klaus Kinski, Christopher Lee, Helmut Berger… und immer wieder Howard Vernon. Entdecker der Filmgöttinen Soledad Miranda und Lina Romay. Jazz-Musiker. Regieassistent von Orson Welles. Voyeur. „Schmuddelfilmer“. Legende.

Heute starb Jess Franco im Alter von 82 Jahren. Ich hatte mit so etwas schon gerechnet. Nachdem letztes Jahr seine große Liebe und Muse Lina Romay einem Krebsleiden erlag, rechnete ich bereits damit, dass Jess ihr bald folgen würde. Jess Franco ohne Lina Romay? Das erschien mir schwer vorstellbar. Etwas Hoffnung gab es mir, dass sich Jess relativ zügig wieder seiner zweiten großen Liebe zuwandte: Dem Film. Bald schon hieß es, dass er zwei neue Filme fertiggestellt habe.

Doch dann hörte ich von der desaströs verunglückten Jess-Franco-Retrospektive in Berlin. Wo seine Filme von DVD und im falschen Format, manchmal sogar nur in Italienisch ohne Untertitel gezeigt wurden. Jess war als Gast mit dabei und musste erleben, wie er nicht nur im Rollstuhl als Kuriosum herum gefahren wurde, sondern sein filmisches Werk lieblos und vor nur sehr wenigen Zuschauern gezeigt wurde. Eine erschütternde Beschreibung dieser etwas würdelosen Veranstaltung, hat ugo-piazza im Deliria-Italiano-Forum hinterlassen. Da erinnert man sich doch lieber an die große Gala 2009, als Jess der Goya, der wichtigste spanische Filmpreis, für sein Lebenswerk überreicht wurde und auch Lina noch dabei war.

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Ugo schrieb bereits, dass Jess einen sehr zerbrechlichen Eindruck gemacht hätte. Letzten Mittwoch informierte der amerikanische Filmjournalist und Franco-Kenner Tim Lucas (Herausgeber des „Video Watchdog“-Magazins), dass Jess einen Schlaganfall erlitten hätte und sich in einem sehr kritischen Zustand befände. Da ahnte ich schon, dass sich ein Leben, welches sich leidenschaftlich dem Film und den eigenen Obsessionen gewidmet hatte, dem Ende entgegen geht. Noch hatte ich gehofft, dass Jess vielleicht doch noch wieder aufersteht. Zu Ostern hätte das ja gut gepasst. Nicht umsonst ist sein richtiger Vorname ja Jésus. Doch heute war dann klar, dass alles Hoffen nicht geholfen hatte. Wieder war es Tim Lucas, der als erster die Nachricht vom Tode Jess Francos im Netz verbreitete und schon kurz danach lief mein News-Stream auf Facebook heiß. Filmfreunde von überall her zeigten sich darüber betroffen, dass der Großmeister des europäischen Exploitationfilms in eine andere Welt gewechselt ist. Der einzige Trost ist, dass er dort endlich wieder mit seiner geliebten Lina vereint ist.

franco1Meine erste Begegnung mit dem Namen Jess Franco hätte schlechter gar nicht sein können. Damals sah ich vor allem Horrorfilme und ähnliches. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland bei weitem nicht so viel Literatur zum phantastischen Film, wie es heute der Fall ist. Also las ich die Nachschlagewerke „Hölle auf Erden“ oder „Die Angst sitzt neben Dir“. Ja, Franco tauchte dort auf, wurde aber immer wieder als Stümper, Billigfilmer und „schlechtester Regisseur der Welt“ betitelt. Nein, die Autoren diese Bücher konnten mit Jess Francos spezieller Art Filme zu machen nichts anfangen. Natürlich übernahm ich zunächst diese Meinung und mied seine Filme wie die Pest.

Erst später hatte ich mein persönliches Erweckungserlebnis. Im Internet lernte ich Uwe G. kennen. Uwe war schon etwas älter (tatsächlich aber wohl damals so alt, wie ich heute) und ein riesiger Fan von Exploitationfilmen generell und Jess Franco im Besonderen. Wir schickten uns lange, sehr lange, Mails hin und her. Uwe schwärmte mir von Lina Romay vor. Seiner Traumfrau. Und er brachte mich dazu, mich endlich mal mit Jess Franco zu befassen. Als erstes schickte er mir also den Film „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ und ich war hin und weg. Ich tauchte ein in Jess Francos Seele. Wie er unverschämt seiner Ehefrau Lina Romay zwischen die Beine zoomte, selber den heruntergekommenen Privatdetektiv Al Pereira (eine, ähnlich wie Dr. Orloff und viele andere, in Francos Werk immer wieder auftauchende Figur) spielte und das Ganze in einer Stimmung filmte, die weniger ein perfekter Film war (Francos Filme glänzen zwar häufig durch brillante Einfälle, glatt und „perfekt“ sind sie aber nie), als vielmehr die fieberhafte Idee eines Films.

franco5So ist es bei Franco eigentlich immer. Oftmals hat man den Eindruck, nicht einen normalen Film zu sehen, sondern vielmehr die Nacherzählung eines Filmes, angereichert mit dem, was Jess darin gerne gesehen hätte, aber ursprünglich gar nicht da war. Diese „Fremdkörper“ sind es dann auch, die Jess‘ Filme so persönlich, so unverwechselbar machen. Es sind seine Fetische, die Folgen seines unstillbaren Voyeurismus und die Liebe zu den Themen, die ihn sein Leben lang begleitet haben – aber auch zu den Menschen, mit denen er immer wieder zusammenarbeitete und die wie seine Familie wirkten.

franco2Bald schon merkte ich, dass man Jess von Film zu Film mehr liebte. Egal wie dumm oder schlecht einige seiner Filme waren, in ihnen spürte man (fast) immer den Mann hinter der Kamera. Seine Leidenschaft, seine Freude, seinen Enthusiasmus. Tim Lucas schrieb einmal „You can’t see one Franco film until you’ve seen them all“. Das ist zwar sehr überspitzt formuliert, aber trifft den Kern der Sache schon ganz gut. Jess Francos Welt ist ein großartiges Mosaik und jeder seiner Filme – auch die schlechtesten – sind die Steinchen dazu. Erst wenn man tief in die Welt des Jess Franco eingetaucht ist und so 20-30 seiner Filme gesehen hat, kann man diese erst so richtig verstehen. Mit jedem Franco-Film, den man sieht, wird das Bild klarer und der Blick in seine obsessive Seele (nicht umsonst hieß das große Buch, welches über ihn und seine Filme geschrieben wurde – und heute leider nicht mehr erhältlich ist – „Obsession“) deutlicher.

Jess Francos Filme kann man weniger über den Kopf verstehen, man muss sie sich erfühlen. Und ich fordere jeden auf, es zu wagen, die obskure, bizarre, erotische, manische Welt des Jesús Franco Manera zu betreten. Wer guten Herzens ist, der wird belohnt.

Weitere Nachrufe im Netz:

Tim Lucas auf „Video Watchdog“

Christian Keßler auf Facebook

Thomas Groh auf filmtagebuch

Spiegel Online

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Nachruf: Lina Romay (1954-2012)

Von , 24. Februar 2012 15:19

Vor einer Woche, am 15. Februar, starb für ihre Fans völlig unerwartet und unbemerkt Lina Romay mit nur 57 Jahren an einem Krebsleiden. Viele Leser werden sich jetzt vielleicht fragen: Lina… Wer? Die paar aber, die mit diesem Namen etwas anfangen können, werden von der Nachricht genauso geschockt gewesen sein, wie ich.

Lina Romay wurde 25. Juni 1954 als Rosa María Almirall Martínez in Barcelona geboren. Ihren Künstlernamen „Lina Romay“ (nach einer amerikansichen Jazz-Sängerin und Schauspielerin) erhielt sie von dem Mann, den sie für 40 Jahre inspirieren und lieben sollte und der wiederum sie zu seiner Muse und Göttin machte: Jesús Franco Manera, besser bekannt als Jess Franco. Franco wird in diversen Nachschlagewerken mit den wenig schmeichelhaften Titeln „Schmuddel-„, „Viel-“ oder „Trash“-Filmer bedacht. An ihm scheiden sich die Geister. Er wird von seinen Fans (zu denen auch ich mich zähle) verehrt oder in seltener Einigkeit von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen verachtet, bestenfalls belächelt.

Lina Romay war ab 1972 nicht nur in weit über 100 Jess-Franco-Filmen als Schauspielerin präsent, sondern auch die Sonne, um die das merkwürdige Franco-Universum kreiste. Als sie sich trafen, befand sich Franco in einer tiefen Depression. Knapp zwei Jahre zuvor war seine andere große Muse: Soledad Miranda alias Susann Korda („Vampyros Lesbos„) bei einem Autounfall ums Leben gekommen und hinterließ ein schwarzes Loch in Francos Seele. Sein Zusammentreffen mit Lina Romay (die quasi das Gegenteil der stets etwas melancholisch und geheimnisvoll wirkenden, schlanken Soledad war) bei den Dreharbeiten zu „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein„, wo Lina eine kleine Rolle als Zigeunermädchen hatte, war der Urknall zu einer viele Jahrzehnte anhaltenden Liebe vor und hinter der Kamera. Es war einfach ein göttliche Fügung, dass der obsessive Voyeur Jess Franco auf die hemmungslose Exhibitionistin Lina Romay traf.



Wie perfekt sich beide ergänzten, sieht man schon daran, mit welcher Lebensfreude und absoluter Hingabe sich Lina in ihre Rollen warf und sich lüstern der Kamera ihres Lebensgefährten auslieferte. Es gibt wohl keine Stelle an Linas sehr fraulichen Körper, die dem Zuschauer geheim geblieben wäre. Zwar war sie auch spärlich für andere Regisseure aktiv gewesen (Erwin C. Dietrich in „Rolls Royce Baby“ oder Calos Aured in „Apocalipsis sexual„), aber das waren Ausnahmen. Bis zu ihrem Tod blieb sie ihrem Jess treu. Und er ihr. Auch als sie deutlich älter geworden war und mit einigen Kilo zuviel und raspelkurzem grauen Haar vor der Kamera stand, filmte Jess Franco sie immer noch wie das schöne, verrührerische Mädchen, das sie in den 70er und 80ern war. Dass sie sich weiterhin nackt vor der Kamera zeigte, war ihr egal. Für Jess und sie war es ganz natürlich und ich glaube nicht, dass sie jemals einen Gedanken, wie „Das tut man ihn unserem Alter aber nicht mehr“ gehabt haben könnten.

Ihre schönste Rolle waren die Vampirin Irina Karlstein in „Entfesselte Begierde„. Aber auch die zeigefreudige Schwindlerin in „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ bzw. desssen Quasi-Remake „La noche de los sexos abiertos“ (in dem sie so schön wie nie war) bleiben durch ihre sextriefenden Darstellungen in Erinnerung . Sie konnte aber auch anders. Ihre Knastlesbe Roasaria in „Greta – Haus ohne Männer“ zeigte als hartes, gefährliches Mädels und in „Die Marquise von Sade“ liefert sie solch ein Schauspiel von Irrsinn ab, dass einem Angst und Bange wird. Vor allem wird sie aber auch für ihr komisches Talent in Erinnerung bleiben, in Filmen die ihrem fröhlichen Wesen wohl am nächsten kamen, wie „Celestine – Mädchen für intime Stunden.

Mitte der 80er zog sie sich mit Jess Franco nach Spanien zurück, wo sie zwar weiter Filme wie am Fließband drehten, diese aber außerhalb Spaniens kaum jemand mehr zu Gesicht bekam. In dieser Zeit drehte sie mit Jess Franco auch unter den Pseudonymen Candy Coster (welches sie schon Ende der 70er benutzte, wann immer sie sich eine blonder Perücke überstreifte) und Lulu Laverne Hardcorefilme. Als Lulu Laverne stand sie dabei auch selber hinter der Kamera.

Ende der 90er kam es dann zu einem Comeback. Teures Filmmaterial war inzwischen von den billigeren Video abgelöst worden und Jess Franco begann nun sein Werk (finanziert zum größten Teil von Fans) weiter zu führen. Natürlich mit Lina. Und natürlich war sie nicht mehr in der Form, in der sie als junges Mädchen war. Aber das hielt Franco nicht davon ab, sie weiterhin in erotischen Situationen zu filmen und Lina nicht, dabei sichtbar Spaß zu haben. Ihr letzter gemeinsamer Film war „Paula – Paula“ von 2010.

Ich hätte nie gedacht, dass sie vor dem in letzter Zeit stark kränkelnden Franco von uns gehen würde. Und wenn man bedenkt, wie tief die Beziehung zwischen beiden war, befürchte ich schon fast, ich weiß für wen ich den nächsten Nachruf schreiben muss. Mach’s gut Lina. Ich kann mir schon vorstellen, wie du gerade auf irgendeiner Wolke da oben Dein Kleidchen lupfst.

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