Nachrichten getagged: Irland

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 28. Oktober 2017 12:15

Erstmals war ich auch an einem Sonntag in Oldenburg. Die Jahre zuvor hatte ich auf diesen Tag immer verzichtet, um mich Zuhause von dem Film-Marathon zu erholen, bevor es Montags wieder ins Büro geht. Diesmal aber hatte ich den Sonntag schon für R.P. Kahls „A Thought of Ecstasy“ reserviert, für den es ja zu meiner großen Enttäuschung aber keine Karten mehr gab. Da jetzt der Sonntag schon einmal fest eingeplant war, disponierte ich eben um. Und als ich sah, dass noch einmal „Junk Head“ lief, den ich zuvor verpasst hatte, war klar, wie mein neuer Plan aussah. Unterwegs war ich wieder mit einem Weird-Xperience-Partner Stefan, der diesmal auch die Chauffeurs-Rolle übernahm. In Oldenburg trennten wir uns dann, den während ich mich für den irischen Gefängnisausbruchs-Film „Maze“ im cineK-Studio entschieden hatte, ging Stefan in den indonesischen Film „Marlina the Murderer in Four Acts“, was im Nachhinein auch die bessere Wahl war, obwohl „Maze“ nun wahrlich nicht schlecht war.

MAZE – „Maze“ beruht auf wahren Ereignissen und zeigt den Massenausbruch von 38 IRA-Kämpfern aus einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Wenn man so will, könnte man „Maze“ als so etwas wie das Sequel zu Steve McQueens preisgekrönten Drama „Hunger“ bezeichnen, denn er schließt direkt an die dort gezeigten Ereignisse an. Die Hauptfigur Larry Marley, welche in der Folge das Mastermind hinter dem Ausbruch werden soll, gehörte nämlich ebenfalls zu den IRA-Kämpfern, die sich in britischer Haft zu Tode gehungert haben. Nur, dass Marley diese Aktion überlebte, weshalb er an großen Schuldgefühlen leidet und Opfer gezielter Beleidigungen sowohl der britischen, als auch der irischen Seite wird. Denn nach seiner Einlieferung in das Hochsicherheitsgefängnis, muss er feststellen, dass britische und irische Häftlinge in einem Block untergebracht sind, was zu massiven Streitigkeiten und Spannungen führt.

Regisseur Stephen Burke nimmt dies aber nicht zum Anlass für spektakuläre und blutige Szenen, sondern inszeniert seine Geschichte ruhig und manchmal etwas unterkühlt. Dabei konzentriert er sich ganz auf die Beziehung zwischen dem brillant von Tom Vaughan-Lawlor verkörperten Larry Marley und dem Gefängniswärter Gordon Close, den Marley skrupellos für seine Zwecke ausnutzt. Wobei Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3'»

DVD-Rezension: “Grabbers”

Von , 1. Dezember 2012 14:53

Auf der irischen Insel Erin Island kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Menschen verschwinden und tote Wale treiben an der Küste an. Bald schon stellt sich heraus, dass tentakelreiche Aliens dahinterstecken. Der dem Suff verfallene Inselpolizist Ciarán O’Shea und seine neue Kollegin vom Festland, Lisa Nolan, entdecken durch Zufall, dass es einen wirksamen Schutz gegen die Bedrohung aus dem Weltall gibt: Unmengen Alkohol. Und so entwickeln sie gemeinsam eine wirkungsvolle Strategie: Die Inselbewohner müssen möglichst alle sturzbetrunken sein, will man eine Chance gegen die mörderischen, bluttrinkenden Aliens haben…

Dass irische Cops anders ticken, konnte man ja Anfang des Jahres bereits in „The Guard“ (ebenfalls bei Ascot Elite erschienen, Besprechung hier) erleben. Die beiden Hauptpersonen aus „Grabbers“ gehören ebenfalls der irischen „Garda“ an. Und auch der Inselpolizist O’Shea hat seine ganz eigene Auffassung von Pflichterfüllung. Die meiste Zeit ist er betrunken und trauert seiner verflossenen Liebe hinterher. Seine neue Partnerin Lisa Nolan kommt vom Festland und kann mit ihrem Alkoholiker-Kollegen zunächst nicht viel anfangen. Da wäre ich auch schon beim Hauptkritikpunkt an „Grabbers“: Er spult einfach jedes Klischee durch, welches man aus der schönen Welt der Filme kennt: Das ungleiche Cop-Pärchen, das nicht miteinander kann, dann aber lernt, sich zu respektieren (oder sich – sofern es sich wie hier um Macho-Mann und Dienstvorschriftentussi handelt – ineinander verliebt). Auch andere Handlungselemente kennt man zu Genüge: Das erste Auftauchen des Monsters im Schatten, den komisch-steifen Wissenschaftler, den versoffenen Fischer, die geheimnisvolle Höhle usw. usf. Das macht die Geschichte leider auch bis in die allerletzte Einstellung hinein arg vorhersehbar.

Wenn „Grabbers“ es also schon auf fast kriminelle Art und Weise an Originalität vermissen lässt (von der doch ganz lustigen Prämisse, sich per übermäßigem Alkoholgenuss gegen die Monster immun zu machen, mal abgesehen), so kann er aber immerhin mit einigen liebenswerten Charakteren Punkte machen. Auch die von der Kamera perfekt eingefangene Schönheit der irischen Insel weiß sehr zu gefallen. Allerdings neigt Kameramann Trevor Forrest auch dazu, auch in eigentlich ruhigen Szenen, immer mal wieder dramatische Kamerafahrten einzubauen. Diese wollen dann auch gar nicht so recht in den eher gemütlichen Film passen und wirken eher enervierend. Aber trotzdem: Mit Typen wie Lalor Roddy als kauziger Fischer Paddy, David Pearse als Pubbesitzer und Bronagh Gallagher als seine schnodderige Frau macht es Spaß, den „Eingeborenen“ beim Kampf gegen die Tentakelmonster zuzuschauen.

Die Monster wirken im Film Gottseidank auch nicht so komplett artifiziell, wie der Trailer vermuten lässt. Zwar sind vor allem die ausgewachsenen Grabber klar als CGI-Schöpfungen zu erkennen, aber zwischendurch gibt es auch noch mal klassische Gummi- und Latexarbeit, was gut tut. Zudem werden den Baby-Grabbers eigene Charaktere zugebilligt, und in einer schönen Szene im Pub führen sie sich so auf, wie weiland die allseits beliebten Gremlins. Bei der Gestaltung hat sich Shaune Harrison (der auch für die Effekte bei den letzten beiden „Harry-Potter“-Filmen und „Captain America“ verantwortlich war) zwar deutlich bei größeren Vorbildern inspirieren lassen, aber man merkt schon eine große Liebe zum Detail.

Demgegenüber bleiben die eigentlichen Protagonisten eher etwas blass, zumal sie als reine Stereotype angelegt sind. Immerhin sind sie dann doch so sympathisch, dass dies nicht allzu sehr stört. Und Ruth Bradley als Lisa Nolan ist auch hinreichend niedlich – besonders, wenn sie sinnlos betrunken ist-, so dass das Publikum durchaus bereit ist, sich um ihr Wohl zu sorgen. Man hat allerdings das Gefühl, dass der Film, würde er sich nicht allzu starr ans Einmaleins des Monsterfilms halten, sehr viel interessanter hätte ausfallen können. Auch wird die im Grunde sehr witzige und innovative Idee, dass ein ordentlicher Alkoholrausch davor schützt, nicht von den Monstern gefressen zu werden, nur halbherzig umgesetzt. In dieser Idee schlummert sehr viel mehr Potential, als von der Inszenierung ausgeschöpft wird. Zumal recht schnell feststeht, dass der Rausch zwar vor dem Gefressenwerden schützt, die Monster aber trotzdem die Menschlein ruckzuck um die Ecke bringen.

„Grabbers“ ist ein nettes, kleines Filmchen, welches recht gut die Langweile vertreiben kann, aber nicht wirklich packend oder übermäßig komisch ist. Es ist eher gemütlich-gediegen ohne große Höhepunkte, aber mit einigen nett anzuschauenden Monstern, skurrilen Typen und einer schön fotografierten Landschaft. Ideal für regnerische Sonntage, wenn im TV nichts läuft.

Als Extras liegt der Ascot-Elite-DVD  ein 12-seitiges Booklet bei, in dem ein Artikel und Interview zum Film von Nando Rohner abgedruckt wurde, der bereits im Filmmagazin „Deadline“ erschienen ist. Ein 16-minütiges „Making Of“ besteht zwar zum großen Teil aus den üblichen Lobgesängen aller Beteiligten, aber auch einigen interessanten Hintergrundinformationen. Die 25-minütigen „Outakes“ sind zwar schon fast zu viel des Guten und bestehen überwiegend aus Versprechern. Immerhin kommt die gute Stimmung beim Dreh gut rüber. Das Bild ist wie immer bei Ascot gut, der Ton bekommt aber nicht immer die Balance zwischen Dialog und Effektszenen hin. Generell ist die Originaltonspur zu bevorzugen, da hier das Lokalkolorit schön unterstützt wird. Man braucht hier allerdings auch als Englischkundiger die deutschen Untertitel, um alles zu verstehen.

DVD und BluRay erscheinen am 04. Dezember im Handel.

DVD-Rezension: “The Guard – Ein Ire sieht schwarz”

Von , 8. April 2012 22:20

Gerry Boyle ist ein ungewöhnlicher Streifenpolizist in Irland. Seine Methoden und sein schroffen Auftreten stoßen seine Kollegen und Mitmenschen immer wieder vor den Kopf. Durch Zufall wird er in einen großen Schmuggel-Fall verwickelt, bei dem er plötzlich gezwungen ist, mit einem farbigen FBI-Agenten zusammenzuarbeiten. Dieser ist zunächst gar nicht von Boyle und seiner Art begeistert, merkt aber bald, dass der exzentrisch wirkende Ire weit mehr auf dem Kasten hat, als ursprünglich gedacht.

Die deutsche Bewerbung des Filmes als typische Culture-Clash-Komödie mit dem schrillen Untertitel „Ein Ire sieht schwarz“ ist ziemlicher Quatsch und führt den Zuschauer auf eine völlig falsche Fährte. Denn wenn „The Guard“ eine Komödie ist, dann kann man auch z.B. „Colombo“ oder Dr. House“ als Comedy-Serie bezeichnen. Nein, der titelgebende „Guard“ (Garda ist die Abkürzung für Garda Síochána na hÉireann – „Hüter des Friedens“, so heißt in Irland die Nationalpolizei) ist mitnichten eine Witzfigur. Er ist auch kein – wie die Werbung vermuten lässt – unsympathischer Rassist. Zwar stößt er die Leute mit Vorliebe vor den Kopf und provoziert auch gerne den farbigen, amerikanischen FBI-Agenten Wendell Everett mit scheinbar diskriminierenden Äußerungen, damit verfolgt er allerdings ein bestimmtes Ziel. Anhand der Reaktionen seines Gegenübers schätzt er diesen ein, klopft dessen Schwachstellen und Charakter ab. Natürlich wirkt seine schroffe Art zunächst belustigend, insbesondere wenn seine Mitmenschen darauf konfus reagieren. Aber sie hat durchaus ihren tieferen Sinn. Boyle ist auch kein dummer Starrkopf, sondern sehr belesen und gebildet, was er ab und an durchblicken lässt, wodurch sein Gegenüber noch mehr irritiert wird.

Eigentlich ist Gerry Boyle die perfekte Hauptperson für eine gute Krimiserie. Somit ist der Spielfilm „The Guard“ eigentlich das falsche Umfeld für diesen Charakter. Zwar gibt sich Regie-Debütant John Michael McDonagh alle Mühe, seine Hauptfigur mit allen möglichen Hintergrundgeschichten auszustatten, aber auf gerade mal 92 Minuten komprimiert, wirkt dies fast schon ein wenig überladen. Trotzdem ist Gerry Boyle eine Figur, die Spaß macht und von der man gerne noch mehr sehen möchte.

Dementsprechend werden aber alle anderen Figuren von Gerry Boyle, dem der großartige Brendan Gleeson seine massige Gestalt leiht, regelrecht in den Hintergrund gequetscht. Der wie immer sehr zuverlässige Don Cheadle als FBI-Agent Wendell Everett hat eigentlich keine Chance, um seiner Figur Tiefe zu verleihen. Auch das Geplänkel zwischen ihm und Boyle wirkt recht oberflächlich. Falls Regisseur McDonagh beabsichtigt hat, eine typische Fisch-aus-dem-Wasser oder Buddy-Komödie zu drehen, so ist ihm dies so leider nicht gelungen. Dazu räumt er der Beziehung zwischen Boyle und Everett viel zu wenig Platz ein.

Noch schlimmer geht er mit den drei Schurken seines Filmes um. Zwar sind diese mit den drei Charakterköpfen Mark Strong, Liam Cunningham und David Wilmot ausgezeichnet besetzt, aber ihre philosophierenden Gangster riecht doch zu sehr nach Quentin Tarantino. Das wirkt dann leider eher angestrengt als amüsant. Auch wenn man zugeben muss, dass die drei Schauspieler hier einen guten Job abliefern und sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Bei der Gestaltung seines Debütfilms hat McDonagh noch ein anderes, fast schon übermächtiges Vorbild: Den finnischen Meisterregisseur Aki Kaurismäki. Nicht nur die Farbgebung, auch der lakonische, immer auch immer leicht melancholisch wirkende Boyle und seine, wortkargen, dem Alkohol und Kneipengang nicht abgeneigten irischen Mitmenschen scheint direkt aus einem Kaurismäki-Film zu stammen. Allerdings redet Boyle weitaus mehr als seine finnischen Gegenstücke. Überhaupt scheint McDonagh etwas zu sehr an bekannten Vorbildern zu kleben und dabei nicht recht zu wissen, was er genau will. Doch einen Buddy-Film? Eine Art irischen Tarantino-Film, einen Studie der coolen Melancholie ala Kaurismäki oder am Ende doch – wie das schön inszenierte Finale erahnen lässt- einen irischen Western?

Nichtsdestotrotz ist „The Guard“ ein grundsympathischer und irgendwie gemütlicher Film, der ganz von seinem im höchsten Masse überzeugenden Hauptdarsteller Brendon Gleeson getragen wird. Nicht unerwähnt soll hier auch nicht der eingängige Soundtrack der bekannten Indie-Folk Gruppe Calexico bleiben. Dieser mischt irische Folk-Elemente mit denen eines klassischen Western-Scores, was dem Film gut zu Gesicht steht. Wie gesagt, als TV-Serie könnte ich mir das Ganze sehr gut vorstellen, als Kinofilm bietet er aber zumindest gediegene Unterhaltung.

Die DVD aus dem Hause Ascot Elite kommt mit einigen Extras daher, von denen der Debüt-Kurzfilm des Regisseurs aus dem Jahre 2000 das interessanteste ist. In dem 11-minütigen Film mit dem Titel „The Second Death“ spielt Liam Cunningham (der Hauptschurke aus „The Guard“) einen Mann in einem irischen Pub, dem scheinbar ein schlechtes Gewissen aufs das Herz drückt. Stimmung und die Figurenzeichnung der Gäste des Pubs nehmen schon etwas von McDonaghs Spielfilm-Debüt vorweg und somit kann „The Second Death“ durchaus als Fingerübung für „The Guard“ gelten.

Des Weiteren befinden sich in den Extras 24 Minuten Deleted/Extended Scenes, welche recht interessant sind, aber nicht zwangsläufig für die Handlung notwendig. Abgerundet wird das Ganze mit 3 Minuten Outtakes (die allerdings nicht besonders lustig sind), einem kurze 10minütigen Werbe-Making-Of von 11 Minuten, 18 Minuten Behind the Scenes und Interviews mit den Beteiligten, die recht nichtssagend sind und sich z.T. auch aus dem Making-Of und Behind the Scenes wiederholen. Ebenfalls vorhanden: Ein Audio Kommentar mit Brendan Gleeson, John Michael McDonagh und Don Cheadle (der den Film übrigens auch mitproduzierte).

Das Bild der DVD kann man nur als brillant bezeichnen. Gestochen scharf mit tiefen und sehr kräftigen Farben. Einen besonderen Reiz bezieht der Film durch die englische Tonspur, die allerdings durch den irischen Zungenschlag sehr schwer zu verstehen ist. Aber dafür hat die DVD ja deutsche Untertitel an Bord. Die deutsche Synchronisation ist zwar gut, aber gerade bei diesem Film ist der Originalton mit seinem starken Lokalkolorit doch auf jeden Fall vorzuziehen.

Panorama Theme by Themocracy