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Blu-ray Rezension: „Willard“

Von , 13. Juni 2018 09:59

Willard Stiles (Bruce Davison) ist ein 27-jähriger, ebenso stiller, wie zurückgezogener Mann, der noch immer bei seiner nicht minder problematischen Mutter (Elsa Lancaster) in einer Villa lebt, welche auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Zudem gibt es im Garten der Villa ein Rattenproblem. Als Willard von seiner Mutter aufgefordert wird, sich um dieses Problem zu kümmern, entwickelt er eine etwas ungesunde Faszination für die pelzigen Nager. Besonders die beiden intelligenten Ratten Sokrates und Ben haben es ihm angetan, und bald schon verbindet Mensch und Nager eine tiefe Freundschaft. Im Berufsleben läuft es für Willard allerdings weniger gut. Er arbeitet in der Firma seines verstorbenen Vaters, welche diesem aber bereits vor Jahren von Mr. Martin (Ernest Borgnine) abgenommen wurde. Mr. Martin duldet Willard zwar in seiner Firma, lässt aber kaum eine Möglichkeit aus, um ihn zu demütigen. Als Willards Rattenfamilie immer größer wird, und er nicht mehr weiß, wie er sie füttern kann, schmiedet er einen Plan, um sich mit Hilfe seiner vierbeinigen Freunde Geld zu beschaffen…

Willard“ war 1971 der Überraschungs-Hit im amerikanischen Kino und gilt als Wegbereiter des Tierhorrorfilms, der in den 70ern so richtig ins Rollen kam und mit „Der weiße Hai“ seinen Höhepunkt fand. „Willard“s enormer Einfluss und Erfolg verwundert etwas, denn rückblickend entpuppt sich „Willard“ als eher wenig spektakulär. Aber vielleicht liegt dies auch daran, dass sich die Sehgewohnheiten doch stark geändert haben und vor allen Dingen „Willard“s Nachfolger weitaus detailverliebter und brutaler zu Werke gingen. Allerdings sind die Szenen in denen sich gefühlt tausend Ratten aus Willards Keller ergießen wahrlich beeindruckend und dürften bei so manchem Ratten-Phobiker viele schlaflose Nächte verursachen. Generell ist es erstaunlich, was die Ratten-Dompteure hier auf die Beine stellen. Wüsste man es nicht besser, könnte man fast auf CGI tippen, so perfekt verhalten sich die schlecht beleumundeten Nager. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass hier mehr drin gewesen wäre. Denn egal, ob die Ratten nun im Haus hin und her laufen, Türen zernagen oder über Leute herfallen, so richtig bedrohlich und beängstigend wirkt das alles eher weniger.

Besonders die berühmte „Zerreißt ihn“-Szene mit Ernest Borgnine wirkt unfreiwillig komisch, da man deutlich sieht, wie die Ratten in hohen Bogen auf ihn geworfen werden. Und dass es dann nicht zum angekündigten „Zerreißen“ kommt, enttäuscht dann doch ein wenig die Erwartungen. So ist „Willard“ bezüglich seines Horror-Potentials dann doch ein eher harmloser Film. Wo „Willard“ aber punkten kann, ist die Darstellung der Welt in der die Hauptperson lebt und in der ihre Psyche gewaltsam verbogen wird. So ist die größte Horrorszene dann auch jene, in der Willards Mutter (die großartige Elsa Lancaster in einer ihrer letzten Rollen) ihrem Sohn eine Geburtstagsfeier ausrichtet. Da Willard aber keine gleichaltrigen Freunde (geschweige denn Freundinnen) hat, muss er mit den Freunden seiner Mutter feiern. Die dann auch so tun, als seinen sie auf einem Kindergeburtstag und nicht bei einem erwachsenen, 27jährigen Mann. Wie sie da mit ihren Hütchen und Tröten sitzen ist wahrlich gruselig. Wie auch Elsa Lancasters formidable Darstellung der Mutter. Zwischen krankhaftem Behüten, Verlustängsten, egozentrischen „an-sich-binden“ und beginnendem Schwachsinn. Dass solch ein Umfeld nicht zuträglich für ein gesunde geistige Verfassung ist, dürfte jedem klar sein.

Der junge Bruce Davison zeigt dies sehr deutlich. Manchmal allerdings auch überdeutlich, denn er neigt zum Grimassieren und ist häufig einfach zu sehr drüber. Selbstverständlich soll bei der Figur des Willard dieser tiefe Schmerz darüber, dass es ihm verwehrt wird erwachsen zu werden, er von allen Seiten manipuliert, heruntergemacht und unterschätzt wird deutlich werden. Allerdings wählen weder Regisseur Daniel Mann, noch Hauptdarsteller Davison den dezenten Strich, sondern tragen die Farbe mit der ganz groben Rolle auf. Demgegenüber gelingt es dem Profi Ernest Borgnine spielend, jede Szene an sich zu reißen. Denn obwohl sein Mr. Martin ein widerlicher Schmierlappen ist, besitzt er doch dieses übergroße Borgnine-Charisma und viele seiner Entscheidungen sind zwar durchtrieben, aber klug und erst einmal auf den Vorteil der Firma ausgelegt. Und man muss sich fragen, ob man an seiner Stelle nicht den völlig unzuverlässigen Willard – Versprechen an den Vater oder nicht – rausgeworfen hätte. Sondra Locke, die kurze Zeit später zu Clint Eastwoods Muse wurde, hat hier eine nur kleine Rolle, die sie souverän und sympathisch spielt, wobei ihr allerdings nicht viele Möglichkeiten gegeben werden, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Der größte Kritikpunkt ist aber die biedere Regie von Daniel Mann, die recht altbacken wirkt. Die ganze Welt in der „Willard“ spielt, angefangen mit Kostümen und Kulissen, scheint ein paar Jahre älter zu sein, als man beim Produktionsjahr 1971 erwarten würde. So erinnert „Willard“ dann leider allzu häufig an einen Fernsehfilm aus den 60er Jahren.

„Willard“ ist der zweite Titel der neuen Anolis-Reihe „Der phantastische Film“. Wie beim Vorgänger „Mutant – Das Grauen im All“ ist auch „Willard“ eine vorbildliche Veröffentlichung, an der es nichts zu meckern gibt. Vor allem nicht an dem unglaublich klaren und scharfen Bild. Aber auch der Ton ist ausgesprochen sauber und klar. Wobei der englische Originalton etwas kräftiger und vor allem in den Rattenszenen „geräuschvoller“ daher kommt. Als weitere Tonspur kann man einen unterhaltsamen Audiokommentar mit dem Filmhistoriker Nathaniel Thompson (dessen Internet-Blog ich sehr empfehlen kann) und Hauptdarsteller Bruce Davison. Bruce Davison ist auch in einem interessanten 12-minütigen Interview zu sehen. Weiter geht es mit dem US-Trailer, Radiospots, der Super-8-Fassung (16 Minuten), Werberatschläge und Bildergalerie. Das 28-seitiges Booklet enthält Produktionsnotizen, Aushangfotos, sowie die beiden Texte „Die falschen Freunde“ von Ingo Strecker (der mir ausgesprochen gut gefallen hat und all jene Punkte anspricht, die mir auch aufgefallen waren) und „Königreich der Ratten“ von David Renske, mit dessen cool-rotzigen Stil ich allerdings so meine Probleme hatte.

DVD-Rezension: Drei Söldnerfilme von „Anthony M. Dawson“

Von , 14. Juni 2014 21:16

Mitte der 80er erlebte ein Genre seine Blütezeit, welches heute – bis in den warmen Erinnerungen der Mit-40er – fast vergessen ist: Der Söldnerfilm. Dieses wurde fast im Alleingang von einem Mann auf dem Boden gestampft: Erwin C. Dietrich. Dietrich hatte mit dem Prototyp der in den 80ern folgenden Söldnerfilme – „Die Wildgänse kommen“ – im Jahre 1978 seine erste große, internationale Co-Produktion verwirklicht. Das Ganze funktionierte vor allem als Star-Vehikel, welches mit großen Namen wie Richard Burton, Roger Moore oder Hardy Krüger protzen konnte. Zwar zog der Film einige ähnlich gelagerte Filme, wie „Die Seewölfe kommen“ nach sich, doch Dietrich sollte den Söldnerfilm, so wie man sich heute an ihn erinnert, erst einige Jahre später in einer Handvoll deutsch-italienischer Co-Produktionen definieren. Nachdem Ascot-Elite bereits „Die Rückkehr der Wildgänse“ (Kritik hier) und „Im Wendekreis des Söldners“ (Kritik hier) veröffentlichte, kommen nun auch jene drei großen Söldnerfilme auf den DVD-Markt, die in den späten 80ern die Augen der Videothekenbesucher zum Leuchten brachten. Allen dreien ist der Hauptdarsteller Lewis Collins und der Regisseur Antonio Margheriti (alias Anthony M. Dawson) gemein, sowie die Besetzung der weiteren Rollen mit alternden Hollywoodstars und deutschen Synchronsprechern. Und noch eins fällt auf: In allen drei Werken stiehlt der großartige Manfred Lehmann dem etatmäßigen Helden Lewis Collins gehörig die Schau.

 

Geheimcode: Wildgänse (1984)

geheimcode wildgänse
Captain Robert Wesley (Lewis Collins) wird mit seinem Söldner-Team von dem Geschäftsmann Brenner (Hartmut Neugebauer) angeheuert, um im Auftrag der amerikanischen Drogenfahndung im Goldenen Dreieck ein großes Heroinlager zu vernichten, welches einem korrupten General gehört. Damit soll der Drogennachschub in die USA und Europa unterbunden werden. Unterstützt von Weiter lesen 'DVD-Rezension: Drei Söldnerfilme von „Anthony M. Dawson“'»

Nachruf: Ernest Borgnine (1917-2012)

Von , 9. Juli 2012 16:48

Wer Ernest Borgnine irgendwann einmal in einem Film gesehen hat (und bei weit über 200 Filmen und TV-Serien sollte das eigentlich jeder sein), wird den grobschlächtigen Kerl mit dem fleischigen, breiten Gesicht, den buschigen Augenbrauen und dem Grinsen von einem Ohr zum anderen, welches in der Mitte von einer dekorativen Zahnlücke gekrönt wurde, nie vergessen. Egal, ob er auf der einen oder der anderen Seite des Gesetzes stand, der gutmütige Kumpel war oder der verabscheuungswürdige Fiesling: Borgnine hatte eine enorme Präsenz, die den nominellen Helden oftmals verblassen ließ. Menschen meiner Generation z.B. werden sich beim Stichwort „Airwolf“ neben Borgnine vielleicht noch an den titelgebenden Hubschrauber erinnern. Der Held der Serie, Jan-Michael Vincent, wird den meisten nicht mehr besonders präsent sein.

Gleich seine erste Rolle war die eines Schurken. Er spielte einen chinesischen Bandenführer in dem heute unbekannten Abenteuerfilm „China Corsair“ von 1951. Zwei Jahre später hatte er seinen großen Durchbruch, als er, in der grandiosen Bestseller-Verfilmung „Verdammt in alle Ewigkeit„, den sadistischen Sgt. „Fatso“ Judson spielte. Trotz absoluter Starbesetzung (Montgomery Clift, Burt Lancaster, Deborah Kerr), war es Borgnines Charakter, der am Meisten Aufsehen erregte. Wie er den armen Frank Sinatra piesackt, ist ebenso unvergesslich, wie Lancaster und Kerrs oft zitierter Kuss in der Brandung.

Auch in seinen nächsten Rollen spielte er den Part der Bösen. U.a. war er in den Edel-Western „Johnny Guitar“ und „Vera Cruz“ zu sehen. 1955 dann der nächste große Triumph. Schon als Schurke festgelegt, brach er aus diesem Rollen-Korsett aus und spielte das sensiblen Muttersöhnchen „Marty„, einen 34-jährigen Metzger, der noch bei seiner Mutter lebt und um die Liebe seines Lebens kämpft. Belohnt wurde seine Leistung mit einem Oscar. Nach weiteren, heute eher unbekannten Filmen, machte er einen erste Abstecher nach Italien, wo er u.a. in der „Bandit von Neapel“ neben Vittorio Gassman spielte. 1969 folgte dann ein Film wie ein Donnerschlag: „The Wild Bunch„. Ernest Borgnine marschiert neben Wilhelm Holden und Warren Oates aufrecht in den Tod. Ein großartiger Film und einer der besten Western aller Zeiten.

In den 70ern war Borgnine gut beschäftigt. „Willard„, „Poseidon Inferno„, der bei Genre-Fans beliebte „The Devil’s Rain“ oder wieder bei Sam Peckinpah in „Convoy„, um nur einige zu nennen. In den 80ern ging es weiter mit der Terence-Hill-Klamotte „Der Supercop“ und John Carpenters Kult-Klassiker „Die Klapperschlange„. Mit seiner Rolle als väterlicher Freund des Helden in der TV-Serie „Airwolf“ (1984-1986) landete er zu Beginn des Privatfernseh-Booms mitten in den deutschen Kinderzimmern. Ab Ende der 80er filmte er auch in Deutschland. 1989 war er zusammen mit Christopher Mitchum und John „Higgins“ Hillerman in „Gummibärchen küsst man nicht“ zu sehen und 1993/95 in den beiden von Uschi Glas geschriebenen „Tierärztin Christine„-TV-Filmen von Otto Retzer. Mit diesem arbeitete er auch 1993 in der Abenteuergeschichte „Der blaue Diamant“ mit Pierre Brice in der Hauptrolle zusammen.

Bis ins hohe Alter drehte Ernest Borgnine Filme wie am Fließband und synchronisierte nebenbei noch den „Meerjungfraumann“ in „SpongeBob Schwammkopf„. Allein 2011, im Alter von 94 Jahren, war er noch in vier Filmen zu sehen. Sein letzter Auftritt wird nun die Hauptrolle in der gerade abgedrehten Western-Komödie „The Man Who Shook the Hand of Vicente Fernandez“ sein.

Ernest Borgnine, einer der großen Charakterköpfe des Kinos, ist gestern nach einem langen und erfüllten Leben mit 95 Jahren gestorben. Aber in seinen Filmen wird er unsterblich bleiben.

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