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Blu-ray-Rezension: “Die Blutsbrüder des gelben Drachen“

Von , 5. September 2017 09:24

Die beiden Straßenräuber Chang Wen Hsiang (David Chiang) und Huang Chang (Chen Kuan-tai) versuchen eines Tages den durchreisenden Ma Xinyi (Ti Lung) um sein Hab und gut zu erleichtern. Doch bei Ma Xinyi sind sie an der falschen Adresse, denn dieser entpuppt sich als überlegener Kung-Fu-Kämpfer. Ma Xinyi ist allerdings von den Talenten der beiden Brüder derart beeindruckt, dass er sie prompt anheuert, mit ihm für den Kaiser zu kämpfen und eine eigene Armee aufzubauen. Mit der Zeit werden die drei zu Blutsbrüdern. Doch Ma Xinyi ist sehr ehrgeizig. Er bildet sich weiter und zieht an den kaiserlichen Hof, um dort Karriere zu machen. Sehr zur Trauer von Huang Changs Ehefrau Mi Lan (Ching Li), die sich in Ma Xinyi verliebt hat und deren Gefühle er erwidert. Jahre später hat Ma Xinyi die gewünschte Karriere gemacht und ist nun ein mächtiger General. Er lässt seine Blutsbrüder zusammen mit Mi Lan und der Guerilla-Armee zu seinem Hof bringen. Doch das Wiedersehen soll Verrat, Blut und Tod enden…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ gehört zu den beliebtesten klassischen Martial Arts Filme des legendären Shaw Brothers Studios (was man schon an den unzähligen Veröffentlichungen in Deutschland sieht) und gleichzeitig als einer der besten Filme seines legendären Regisseurs Chang Cheh. „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ erzählt eine ungewöhnlich komplexe und trotzdem stringente Geschichte, welche die häufig übliche Episodenhaftigkeit ähnlicher Filme zwar nicht gänzlich aufgibt, aber diese doch merklich zurückfährt, um sich ganz auf die Geschichte der drei Blutsbrüder zu konzentrieren. Dementsprechend sind die Kämpfe auch nicht die Höhepunkte des Filmes und für Chang Chehs Verhältnisse sogar relativ unblutig. Da ist man von ihm doch weitaus größere Blutbäder gewohnt. Stattdessen wird auf eine (melo)dramatische Geschichte gesetzt, welche die drei Superstars auch schauspielerisch fordert. Was im Falle von Ti Lung zur Folge hatte, dass er prompt bei den Golden Horse Awards (dem asiatischen Äquivalent zum amerikanischen Oscar) einen Spezialpreis für seine Darstellung erhielt. Aber auch David Chiang schlägt sich wacker und zeigt eine weitaus größere Bandbreite als sonst. Wenn sein übliches fröhlich-freches Grinsen sich nur leicht verzerrt, als er langsam erkennt, dass sein Freund Ma Xinyi zu einem Feind geworden ist, kann man seine widerstreben Gefühle deutlich in seinem Gesicht lesen. . Chang Wen Hsiang ist eine der besten schauspielerischen Leistungen dieses doch immer wieder auf den selben Typen festgelegten Chiang.

Dritter im Bunde ist Chen Kuan-tai, der hier leider weniger gefordert wird als seine beiden Partner und auch weniger im Fokus steht. Dabei ist doch gerade sein Charakter der Grund, der die Blutsbrüderschaft zerbrechen lässt. Chen Kuan-tai spielt den einfachen, naiven Huang Chang der bis zum bitteren Ende an Dinge wie Ehrlichkeit, Brüderlichkeit und Treue glaubt und dem nie in den Sinn kommen würde, dass ihn sein „Blutsbruder“ und seine Frau hintergehen. Diese Rolle steht in einem starken Kontrast zu den sonstigen Rollen, die Chen Kuan-tai für die Shaw Brothers spielte, und in denen er zumeist die zornigen jungen Männer spielte. Chen Kuan-tai wirkt aber auch hier sehr überzeugend. Nur schade, dass er seine überragenden Martial Arts Künste nur einmal wirklich zur Geltung bringen darf. Seine untreue Ehefrau Mi-lan wird von Ching Li gespielt, die in nur 25 Jahren in über 60 Filmen dabei war, und sehr häufig die weibliche Hauptrollen in den Shaw Brothers Filmen,spielte. Zwar ist Mi-lan auf den ersten Blick keine Sympathieträgerin. Viel zu enthusiastisch wirft sie sich Ma Xinyi an den Hals und zeigt unbändige Freude, wenn mal wieder ein Lebenszeichen von Ma Xinyi eintrifft. Einerseits kann einem der naive Huang Chang da durchaus Leid tun. Andererseits tut er aber auch nichts, um das Interesse seiner Frau an ihm hochzuhalten. Auch beachtet er sie nicht so sehr, als dass er merken würde, dass in ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Im Gegenteil, als einmal von Chang Wen Hsiang direkt darauf angesprochen wird, weshalb er sich lieber beim Spielen und Trinken amüsiert, statt bei seiner Frau zu sein, wischt er dies mit einer Geste zur Seite, die besagt: „Ach, die…“. Und sieht man den charismatischen, gutaussehenden und hochgebildeten Ma Xinyi kann man schon verstehen, weshalb er Mi-lan den Kopf verdreht.

Die Geschichte des Films beruht scheinbar auf wahren Geschehnissen. Zumindest gab es tatsächlich einen Ma Xinyi. der sehr jung aufgrund seiner herausragenden Leistungen an den verschiedenen Kaiserlichen Ausbildungsstätten die höchsten Ämter bekleidete und schließlich, nach einer militärischen Karriere, Vizekönig mehrerer Provinzen wurde. Ma Xinyi wurde 1870 ermordet, sein Mörder niemals gefangen. Diese Geschichte inspirierte neben den „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch noch den 2007 entstanden Film „The Warlords“ von Peter Chan Obwohl „The Warlords“ der Story von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ relativ eng folgt, will Regisseur Peter Chan seinen Film nicht als Remake verstanden wissen, sondern fühlt sich eher von John Woos „A Better Tomorrow“ inspiriert. John Woo wiederum war – neben Godfrey Ho (der später mit billig zusammengeschnitten Ninja-Filmen so etwas wie eine Kultfigur wurde) bei „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ Chang Ches Regie-Assistent. So schließt sich der Kreis. Tatsächlich haben ja John Woos „Heroic Bloodshed“-Klassiker viel gemeinsam mit Chang Ches Martial-Arts-Epen, insbesondere was die Männerfreundschaften, Verrat und Opfer angeht. Tatsächlich würde die Geschichte von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch hervorragend funktionieren, wenn sie im urbanen Hongkong der 90er Jahre angesiedelt würde und Ti Lung hier ein hohes Tier bei der Polizei wäre, David Chiang und Chen Kuan-tai seine Gangster-Freunde aus früheren Zeiten und statt Martial Arts praktiziert aus allen Rohren geballert würde. Vielleicht gibt es so einen Film auch. So gesehen sind Chang Ches Geschichten dann auch zeitloses Actionkino.

„Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ zählt zu den inhaltlich stärksten Werken des legendären Shaw-Brothers-Stammregisseur Chang Cheh. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf dem tragisch-melodramatischen Aspekt, ohne dass dabei die kunstvoll choreographierten – hier allerdings weniger blutigen – Kämpfe vernachlässigt werden. Daher können die drei Stars hier auch einmal ihr schauspielerisches Talent beweisen.

Mit „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ hat filmArt nun schon den neunten Film in der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition veröffentlicht. Und dies auf gleichbleibend hohem Niveau. Zwar geizt die reihe – mangels verfügbaren Materials – etwas an Extras (insbesondere, wenn man die letzten Veröffentlichungen in der „Polizeschi“-Reihe als Vergleich hinzuzieht), dafür strahlt das Bild der Blu-ray (eine DVD mit identischen Inhalt ist ebenfalls enthalten, mal wieder in tollen Farben und ist von einer einzigartigen Klarheit. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Filmmaterial mittlerweile auch schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Der Ton ist auf Deutsch und Mandarin vorhanden. Fehlstellen in der deutschen Synchronfassung (die alte deutsche Kinofassung war um ca. eine halbe Stunde gekürzt) werden durch den O-Ton mit deutschen Untertiteln ausgefüllt. Als Extras liegt der Blur-ay ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei, und auf der Scheibe findet man den Originaltrailer. Ferner kann man noch die original deutsche (gekürzte) Kino-Fassung in HD abspielen. Und zum ersten Mal habe ich bemerkt, dass die Veröffentlichung ein Wendecover mit einem anderen Motiv (dem alten deutschen Kinoplakat) hat.

Blu-ray-Rezension: “Die 13 Söhne des gelben Drachen“

Von , 22. März 2017 06:33

Der Stammesfürst Li Ke Yung (Feng Ku) und seine 13 Generäle, allesamt Söhne und Adoptivsöhne des Patriarchen, gehen gegen Rebellen vor, welche die Hauptstadt Changan besetzt halten. Im Alleingang kann sein jüngster Sohn Li Tsun Hsiao (David Chiang) den gegnerischen General Meng (Bolo Yeung) besiegen, was ihm die Gunst des Vaters und gleichzeitig die Eifersucht seiner Brüder Li Tsun Hsin (James Nam) und Li Kang Chun (Chung Wang) einbringt. Diese machen gemeinsame Sache mit dem Stadthalter des Kaisers Chu Wen (Sing Cheng), der Li Ke Yung zu einem opulenten Siegesmahl einlädt, in der Absicht ihn umzubringen. Nur mit Hilfe seiner treusten Söhne und unter schmerzlichen Opfern kann Le Ke Yung entkommen. Doch die Intrige der beiden abtrünnigen Brüder soll noch mehr Tote fordern…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die 13 Söhne des gelben Drachen“ ist einer jener opulenten Ausstattungsfilme, für die es bei den legendären Shaw Brother Studios vor allem einen Spezialisten gab: Chang Cheh. Und gerade bei solch einer aufwändigen Produktion wie „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ erkennt man warum. Scheinbar mühelos manövriert er Hunderte von Statisten und eine fast schon unüberschaubare Anzahl von Pro- und Antagonisten durch eine im Grunde simple, dann durch ihre Episodenhaftigkeit und der Unmenge von Namen, die einem um die Ohren gefeuert werden, doch wieder komplizierte Geschichte. Am Ende aber bekommt der Zuschauer einen Film, der trotz seiner vielen bunten Einzelteile doch wie aus einem Guss wirkt und dem ihm – auch wenn man nicht sofort alle Hintergründe und Verwicklungen erfassen kann – bestens unterhält. Da helfen dann natürlich die gut choreographierten Kämpfe und Massenaufmärsche, die Chang Cheh mit einem fast unfehlbaren Auge für beeindruckende Bilder festhält.

Im Gegensatz zu seinen Filmen „Der Pirat von Shantung “ oder „Duell ohne Gnade“ wirkt „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ sogar recht zahm und zurückhaltend. So fließt das Blut nicht gleich von Beginn an in rauschenden Bächen und das Maß an Sadismus, welches für seine Filme häufig typisch ist, bleibt zunächst im normalen Rahmen. Dies gilt vor allem für den ersten Kampf zwischen David Chiang und einem sehr jungen Bolo Yeung oder die „Kommando-Aktion“ von sieben Brüdern, die in die Festung des Gegners eindringen. Das wirkt – gerade im Vergleich zu den beiden voran genannten Titeln – dann fast schon kindertauglich. Aber nur fast. Wenn Chang Cheh erst einmal loslegt, gibt es kein Halten mehr. Gerade zwei Szenen sind es, die hier lange im Gedächtnis haften bleiben. Einmal ein blutiger Kampf auf einer engen Brücke, bei dem Ti Lung versucht, seinen Vater aus den Klauen der Gegner zu retten und wortwörtlich als „Last Man Standing“ immer neue Wellen von Angreifern zurückschlägt. Und dann natürlich die berüchtigte Szene, in der eine der Hauptfiguren von vier Pferden auseinandergerissen wird und seine Einzelteile blutige Spuren im Sand hinterlassen. Gerade weil der Film in Vergleich zu Chang Chehs sonstigen Exzessen recht zurückhaltend bleibt, schockiert gerade diese Szene zutiefst.

Die Geschichte von den „13 Söhnen des gelben Drachen“ spielt lange vor der Zeit, die normalerweise in den Shaw Brothers-Filmen abgehandelt wird, nämlich in der Tang Dynastie (618-907). Dies ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Kostümierung der „Heldenhaften“ mit den Fellmützen und -mänteln ist doch etwas ungewohnt. Auch ist man überrascht, dass der Patriarch Li Ke Yung und seine 13 (Adoptiv-)Söhne gegen Rebellen antreten.Denn normalerweise sind es ja die Rebellen, die in den klassischen Hongkong-Filmen die Helden stellten. Zu der Verwirrung trägt auch die Besetzung des Li Ke Yung mit dem charismatischen Ku Feng bei. Dieser ist eigentlich auf durchtriebene, skrupellose Bösewichte abonniert und auch seine farbenfrohe Darstellung hier gestaltet sich durchaus ambivalent. Zwar ist er zum einen natürlich derjenige, auf dessen Seite einen der Film stellt, zum anderen besitzt er auch keine Skrupel seine Söhne, wenn sie die ihnen gestellte Aufgabe nicht nach seinem Willen erledigt haben, kurzerhand zum Tode zu verurteilen. Nein, ein sympathischer Charakter ist dieser Li Ke Yung wahrlich nicht.

Auch seine Söhne begeistern nicht gerade durch übertriebene Freundlichkeit. Allein der von David Chiang gespielte Heißsporn Li Tsun Hsiao ist – trotz aller Arroganz die er ausstrahlt – eine Identifikationsfigur. Ti Lung bringt als Shih Ching Szu zwar auch alle Qualitäten eines stoischen Helden mit, bekommt aber relativ wenig zu tun und spielt hier nur die zweite Geige. Han Chin fällt noch als besonnener Bruder auf, während James Nam möglicherweise ein tragischer Charakter sein soll, allerdings ebenso schleimig unsympathisch bleibt wie der bekannte Schurkendarsteller Wong Chung als durchtriebenster und fieseste Bruder von allen. Die restlichen Brüder dienen eher als Staffage. Was leider im Finale zu einem Problem wird, wenn diese eher gesichts- und farblosen Charaktere plötzlich mit den Bösewichten abrechnen. Da sie zuvor nicht richtig eingeführt und zu lebendigen Figuren aufgebauten wurden, verpufft die Dramatik hier leider ziemlich.

Die Geschichte der 13 Söhne und dem „gelben Drachen“ soll auf wahren Begebenheiten der chinesischen Geschichte beruhen. Allerdings wurden sich – bis auf den historischen Kontext – große fiktionale Freiheiten erlaubt. Diese historischen Geschehnisse scheinen in China durchaus bekannt zu sein, denn 1982 entstand noch eine Fernsehserie um die 13 Generäle des Li Ke Yung, die vom damals noch unbekannten Johnnie To in Szene gesetzt wurde. Im Cast dieser Serie finden sich auch einige weibliche Schauspielerinnen. Solche tauchen in „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ so gut wie gar nicht auf. Zwar darf David Chiang kurz einem jungen Mädchen schöne Augen machen, welches die alte Ordnung gegen die Rebellen unterstützt, doch dieses verschwindet fast ebenso schnell aus dem Film, wie es gekommen war. Was schade ist, wird das Mädchen doch von Lily Li gespielt, ein gern gesehenen Gesicht in zahlreichen Shaw Brothers Produktionen. Doch Chang Ches Film sind nun einmal reiner Männerfilm. Und während er in andere Filme meist noch eine dünne Alibi-Liebesgeschichte einbaut (wobei es aufrichtige Liebe und Respekt dann doch nur wieder unter Männer gibt), verzichtet er hier ganz darauf. Zugunsten von viel Pathos, Spektakel, blutigen Verrat und hinterhältigen Intrigen.

Chang Cheh verzichtet bei seinem bunten Kostüm-Epos größtenteils auf allzu blutige und sadistische Details, um dem Zuschauer am Ende doch noch ein extrem schmerzhaftes Finale zu bieten. „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ bietet darüber hinaus aber auch schön choreographierte Massen- und Schlachtszenen, böse Intrigen und eine Menge Stars.

Auch mit der Nummer 8 ihrer Shaw-Brothers-Collector’s-Edition bleibt sich filmArt treu. Wieder ist es eine BluRay/DVD-Combo. Und wie bei den vorangegangenen Veröffentlichungen innerhalb dieser Reihe weiß das Bild durch eine unglaubliche Klarheit und Brillanz zu bestechen. Der Ton besteht aus der deutschen Neu- und Kinosynchronisation, sowie Mandarin mit zuschaltbaren detuschen untertiteln. Die Neusynchro stammt von 2004 und war notwendig, da in der alten Veröffentlichung satte 30 Minuten Handlung fehlten. Man kan sich aussuchen, ob man den Film nun komplett in der neuen Synchronisation schauen möchte, oder in der Kinofassung, wobei die zahlreichen „Leerstellen“ mit der Neusynchro aufgefüllt werden. Hierzu kann dasselbe wie zu „Die 36 Kammern der Shaolin“ geschrieben werden. Die neue Synchronisation ist gut, aber im Vergleich zu der sehr lebendigen Kinofassung mit seinen markanten Sprechern etwas steril. Allerdings ist der Unterschied nicht ganz so drastisch, wie bei den „36 Kammern“. D.h., wann immer von der Kino- zur Neusynchro gesprungen wird, ist der Bruch zwar merkbar, aber nicht ganz so hart. Als Extras liegt ein Booklet mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei. Zusätzlich kann der Zuschauer auch die Fassung der Erstaufführung (von 35mm, 95 Minuten) oder der Wiederaufführung (von 16mm, 80 Minuten) auswählen. Außerdem gibt es noch einen Trailer und eine selbstlaufende Bildergalerie.

Blu-ray-Rezension: “Der Pirat von Shantung”

Von , 2. November 2016 20:46

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Ma Yung Cheng (Cheng Kuan-Tai) ist ein armer Bauernsohn aus der Provinz Shantung, der mit seinem Freund Hsiao Chiang-pei (Cheng Kang-Yeh) nach Shanghai kommt, um hier sein Glück zu machen. Hier geraten sie schnell zwischen die Fronten, denn die Stadt ist zwischen den beiden Gangsterbossen Yang (Nan Chiang) und Tan Sze (David Chiang) aufgeteilt. Der böse Yang nutzt die „vier Meister“, um seinen Teil der Stadt unter der Knute zu halten. Als Ma Yung Cheng einen der Meister besiegt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Tan Si hingegen ist ein ehrenvoller Gangster und wird schnell zum Vorbild für Ma. Nachdem Ma ihn mit seinen Kampfkünsten und seiner unerschütterlichen Ehre beeindruckt hat, überlässt ihm Tan Si ein kleinen Teil seines Gebiets. Ma klettert die Gangsterkarriere-Leiter schnell herauf und ist sehr beliebt. Doch Yang schmiedet bereits einen teuflischen Plan, um Ma Yung Cheng und Tan Si für immer loszuwerden.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Mit „Der Pirat von Shantung“ startete Cheng Kuan-Tai seine langlebige Karriere bei den Shaw Brothers. Zuvor auf kleine Neben- und Statistenrollen beschränkt, konnte der hochtalentierte Kämpfer nun in seiner ersten Hauptrolle zeigen, dass er locker einen ganzen Film allein tragen kann. Wobei er hier noch prominente Hilfe in Gestalt von David Chiang bekommt. Dieser spielt die kleine, aber sehr prägnante Nebenrolle eines Gangsterbosses, der dem von Cheng Kuan-Tai gespielten Ma Yung Cheng als Idol und Vorbild dient. Gegenüber dem sehr physischen, bodenständigen Cheng Kuan-Tai, der einen stoischen, rauen Schauspielstil mitbringt, hebt sich David Chiang nicht nur durch seine extrem geschmackvolle Kleidung und ein gewinnbringendes Lächeln hervor. Wenn es daran geht, Füße und Fäuste zu schwingen, so ist es eine Freude beiden zuschauen. Wobei Cheng Kuan-Tais Stil kraftvoller und athletischer wirkt, während Chiang mehr geschmeidig und tänzerisch daherkommt. Für die Rolle des Ma Yung Cheng kann man sich kaum einen besseren als Cheng Kuan-Tai vorstellen, der mit stoischer Wucht und einer gewissen bäuerlichen Naivität durch Shanghai pflügt. Die damals ausgesprochen populären Darsteller David Chiang und Ti Lung wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen, Allenfalls Alexander Fu-Sheng könnte man sich noch als „Pirat von Shantung“ vorstellen, aber dessen Zeit war noch nicht gekommen.

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„Der Pirat von Shantung“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Shaw Brothers und legte den Grundstein zu einer ganzen Flut von Filmen, die sich mit Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses beschäftigten. Cheng Kuan-Tai selber sollte noch im selben Jahr wieder auf die Straßen von Shanghai zurückkehren, um im Sequel „Der Mann mit der Tigerpranke“ nochmals einen aufstrebenden Gangsterboss zu spielen. Trotz der epischen Dauer von 130 Minuten schafft es der Film, durch ein durchgehend hohes Tempo keine große Längen aufkommen zu lassen. Positiv fällt dabei auf, dass die Story nicht primär dazu dient, einzelne Kampfszenen miteinander zu verbinden, sondern sich diese organisch aus der Handlung ergeben. Was aber nicht heißen soll, dass die Kämpfe nicht spektakulär wären. Besonders in Erinnerung bleibt der exotische Kampf zwischen Cheng Kuan-Tai und dem riesigen Italiener Mario Milano, der schon ein wenig den legendären Fight zwischen Bruce Lee und Kareem Abdula Jaba in „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“ vorweg nimmt. Herzstück ist aber das 15-minütge Finale, welches zu den blutigsten, brutalsten und spektakulärsten Schlachtszenen gehört, die je in den Shaw Brothers Studios entstanden sind. Hier spritzt der rote Lebenssaft als ob damit das ganze Studio undekoriert werden sollte. Und Cheng Kuan-Tais Ma Yung Cheng beweist Nehmerqualitäten und Steh-Auf-Mentalität, die ihres Gleichen sucht.

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Regisseur Chang Cheh teilte sich bei diesem Film den Regiestuhl mit Choreograph Hsueh Li Pao (wobei auch der spätere Regiesuperstar John Woo hier als Regieassistent beteiligt war, ebenso wie der später berüchtigte Viel- und Billigfilmer Godfrey Ho). Angeblich schoss Chang Cheh aufgrund seines engen Terminkalenders nur die Nachtszenen, während er die Tagszenen seinem, in den Titeln unerwähnten, Co-Regisseur überließ. Auch wenn dem so sein sollte, „Der Pirat von Shantung“ ist ein echter Chang Cheh geworden. Nicht nur, was das blutige Todesballett und die routiniert-stilsichere Inszenierung angeht. Auch liegt Chang Chehs Fokus wieder mehr auf den Männerfreundschaften, als auf der hastig eingeflochtenden Liebesgeschichte, die sich nie wirklich entwickelt. Was sehr schade ist, denn mit Li Ching hatte man eine gute und charismatische Darstellerin zur Hand. Hier wird sie aber auf den Status eines dekorativen Ausstattungsstückes reduziert. Lediglich in einer Szene, wenn unser Held in einem Bordell zu sehr dem Alkohol frönt und seine Geliebte in eine der dortigen Damen hinein imaginiert, wird überhaupt darauf Bezug genommen, dass sich dort zarte Bande bilden. Sehr viel sorgfältiger wird da die gegenseitige Faszination zwischen Ma Yung Cheng und dem „guten“ Gangster Tan Sze thematisiert, ja romantisiert. Ebenso wie die brüderliche Liebe zwischen Ma Yung Cheng und seinem besten Freund Hsiao Chiang-pei, der von dem auf diese Art von Rollen spezialisierten Kang-Yeh Cheng gespielt wird.

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„Der Pirat von Santung“ gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des fleißigen Shaw Brothers Studios, sondern katapultierte den bis dahin unbekannten Cheng Kuan-Tai in die erste Liga der Kung-Fu-Stars. Zurecht, denn der Film liefert nicht nur die Blaupause für unzählige Nachahmer, sondern steuert zielsicher und trotz seiner Länge ausgesprochen kurzweilig einem extrem blutigen Finale zu, welches zu den spektakulärsten seiner Gattung gehört.

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Wie immer ist „Der Pirat von Shantung“ in der empfehlenswerten „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Neben der alten deutschen Kinosynchronisation, ist noch eine 2. deutsche Synchronisation von 2005 mit dabei. Die alte deutsche Kinofassung war damals um satte 40 Minuten Handlung erleichtert worden. Wie das dann aussah, kann man man sich hier ebenfalls anschauen, denn die Kinofassung wurde auf Basis des neuen HD-Masters rekonstruiert und ist auf der Scheibe ebenfalls enthalten. Die Stellen, die damals für die deutsche Kinofassung nicht synchronisiert wurden, werden auf der „Kinofassung-Tonspur“ mit der Zweisynchronisation von 2005 aufgefüllt, was recht irritierend wirkt, da die Unterschiede echt deutlich zu hören sind. Bis auf ein Booklet mit Aushangfotos und Trailern gibt es keine weiteren Extras.

Blu-ray-Rezension: “Duell ohne Gnade”

Von , 16. Juli 2015 23:10

duellohnegnadeJen Chieh (Ti Lung) ist der Sohn eines mächtigen Bandenchefs im Hongkong der 20er Jahre. Nachdem seine Familie einen anderen Clan während einer Trauerfeier angegriffen hat, übt diese Rache. Jen Chiehs Vater (Yeung Chi-Hing) wird ermordet und er selber von seinen Stiefbrüdern überredet, die alleinige Verantwortung für das Massaker zu übernehmen, und ins Exil zu fliehen. Dort werden immer wieder heimtückische Anschläge auf Jen Chieh verübt, denen er aber jedes Mal entkommen kann. Nach einem Jahr kehrt er in die Heimat zurück, um herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet. Zuhause hat sich in der Zwischenzeit eine Menge getan. Sein Stiefbruder Jen Lin (Ku Feng) hat die Macht in der Familie übernommen und Jen Chiehs Verlobte Butterfly (Ping Wang) ins Bordell schaffen lassen. Zusammen mit seinem zweiten Stiefbruder (Chuen Yuen), einem alten Jugendfreund (Kang-Yeh Cheng) und einem geheimnisvollen Fremden (David Chiang), der einst im Dienst von Jen Chiehs Vater stand, plant Jen Chieh Rache zu nehmen…

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Unglaubliche 27 Filmen haben Regisseur Chang Che und seine beiden Hauptdarsteller Ti Lung und David Chiang in nur sieben Jahren zusammen gedreht. Dazu kommen noch die Filme, die jeweils nur einer oder zwei dieses „Iron Triangle“ gedreht haben. Da kann natürlich nicht jeder Film ein Meisterwerk wie „Das Schwert des gelben Tigers“ sein. Auch wenn „Duell ohne Gnade“ nicht zu den ganz großen Leistungen des „Iron Triangle“ zählt, so siedelt er sich aber locker im oberen Drittel an. Die Geschichte um den verratenen Bruder und seine Rache ist ebenso vorhersehbar, wie formelhaft. Doch Chang Cheh zaubert daraus mit leichter Hand wieder einmal eine rasante Geschichte, deren zahlreichen und vor allem blutigen Kämpfe so manche holzschnittartige Szene problemlos überspielt. Dass es sich hier nicht um einen Kung-Fu-Film im klassischen Sinne handelt, sondern die Auseinandersetzungen mit der blanken Klinge geführt werden und die Langmesser in Sekundentakt durch gegnerisches Fleisch schneiden, nutzt Chang Cheh die roten Fontänen natürlich als großen den Schauwert seiner Actionszenen.

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Der noch blutjunge und gutaussehende Ti Lung macht in mehr als einer Hinsicht eine gute Figur als Jen Chieh, dem loyalen Stiefbruder, der aufgrund einer Intrige ins Exil geschickt wird und dort seines Lebens nicht mehr sicher ist. Nicht nur in seinen zahlreichen Kampfszenen besticht er durch Eleganz und Athletik, auch sein solides Schauspieltalent ist gefragt. Ti Lung strahlt selbst in der Rolle des nach Rache dürstenden Jünglings die Ruhe und Würde aus, die später sein Markenzeichen wurde, und es ihm ohne Probleme ermöglichte, nach John Woos „Der City-Wolf“ seine Karriere bis weit über die 90er Jahre hinweg verlängerte. Demgegenüber gibt David Chiang den athletischen Draufgänger, welchen er in der Paarung mit Ti Lung immer verkörperte. Wobei sein geheimnisvoller Chiang Nan in diesem Film insbesondere durch einen erlesenen Kleidergeschmack und eine lässige Coolness gefällt. Gegenüber Ti Lung wirkt er aber trotzdem immer lausbubenhaft und die Beiden bilden in ihren Filmen daher oftmals ein Großer-Bruder-Kleiner-Bruder-Gespann. In „Duell ohne Gnade“ erscheint dieses Verhältnis zur Abwechslung aber einmal umgekehrt, da Chiangs Figur hier der ruhigere und abgeklärtere Part gegenüber dem heißblütigen Jen Chieh zufällt.

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Obwohl beide sich spät im Film in das titelgebende Duell miteinander stürzen, währt ihre Gegnerschaft nur kurz und ist von tiefem gegenseitigen Respekt geprägt. Wobei reiner Respekt ein Wort ist, welches nicht weit genug reicht. Tatsächlich wäre es korrekter hier von Liebe zu sprechen. Chang Chehs blutigen Epen hatten schon immer jenen homophilen Touch, welchen Cheh hier voll auslebt. Immer wieder werfen sich Lung und Chiang Blicke zu, die eine Geschichte hinter der Geschichte erzählen. Beide verzehren sich ganz offensichtlich nacheinander, können dies aber – der gesellschaftlichen, wie auch genre-immanenten Konventionen wegen – niemals zugeben. Doch in ihren Dialogen sind die beidseitigen Liebesbekundungen trotzdem kaum kaschiert. „Warum tötest Du mich nicht? Weil Du eine tiefe Sympathie für mich hegst. Ich hege auch eine tiefe Sympathie für Dich“. So die zumindest die deutsche Synchronisation. Da die Blicke dabei hier Bände sprechen, kann man davon ausgehen, dass der Originaltext ganz ähnliches gesagt wird. Nur im Kampf können sich Jen Chieh und Chiang Nan körperlich nahe sein. Und so sucht im großen Finale der eine immer wieder den anderen, möchte ihn greifen und mit ihm zusammen sein Leben aushauchen. Im Angesicht des Todes gönnt Chang Cheh den beiden Liebenden endlich die ganz großen Gefühle.

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Zuvor aber wird Jen Chieh eine Verlobte an die Seite gestellt. Sie zu seiner legitimen Frau zu machen, gilt dann zunächst auch Jen Chiehs ganzes Trachten. Für seine Butterfly lässt er sich einen großen Schmetterling auf die Brust stechen. Jener erhält im Laufe seines Exils Gesellschaft von einigen wirklich miesen Tattoos, wie einem schlecht gemalten Anker. Vielleicht der Hinweis auf eine Liebe im Hafen? Erklärt wird dies nicht. Als Jen Chieh seine Butterfly wiedersieht, arbeitet sie im Bordell. Und wenn sie sich für ihn auszieht, wirkt das nicht gerade so, als sei sie verzweifelt und mit Gewalt gezwungen worden. Erst als sie ihn erkennt, verwandelt sie sich wieder in das junge, verliebte Mädchen vom Anfang zurück. Und Jen Chieh akzeptiert dies fast sofort. Es will sie weiterhin zur Frau nehmen. Große Romantik oder das Bedürfnis, zur „richtigen Seite“ zu gehören? Inszeniert wird dies wie ersteres, die Ereignisse im letzten Drittel legen letzteres nahe. Interessant auch Jen Chiehs Verhältnis zu Hsiao Mao (gespielt von Kang-Yeh Cheng), einem alten Freund und treuen Weggefährten, den er am Ende mit einer von ihnen geretteten Frau fortschickt. Der enttäuschte Blick von Hsiao Mao und der gleichzeitig bewundernde Blick von Jen Chieh zu Chiang Nan erzählen hier eine ganz eigene Geschichte.

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Aber abgesehen von diesem – gar nicht so sehr – versteckten Kontext, funktioniert „Duell ohne Gnade“ natürlich auch als reiner Actionfilm. Chang Cheh hält das Tempo hoch und immer wieder krachen mit Messern oder sonstigen Waffen ausgestattete Gruppen aufeinander und müssen es Jen Chieh oder Chiang Nan abwechselnd es mit mehreren Gegner zugleich aufnehmen. Im Finale scheint sich dann ein schier unendlicher Strom an Feinden auf die beiden Helden zu ergießen. Auch in Sachen Brutalität hält sich Cheh, wie man es von ihm gewohnt ist, nicht zurück. Insbesondere die angedrohte Folter mit einem Gasbrenner und das anschließende Schicksal des Foltermeisters wirken noch heute unangenehm und sind ihrer Zeit an Drastik ein paar Jahre voraus. In diesen Szenen kann sich dann auch Kameramann Mu-To Kung auch fröhlich in bava-esken Farb- und Schattenspielen austoben und eine Atmosphäre wie in einem Horrorfilm schaffen. Dies gilt auch gerade für die anschließende Szene, in der Jen Chiehs Freunde dessen scheinbaren leblosen Körper in einem nebelverhangenen Wäldchen vor den Schergen der Bösen verteidigen. Hier wähnt man sich ob der artifiziellen Studiokulisse in einem der frühen Horrorfilme der legendären britischen Hammer-Studios.

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Ein früher Film des bewährten Teams Chang Che/Ti Lung/David Chiang, der auf einem hohen Niveau unterhält. Neben vielen blutigen Kämpfen und Szenen, die auch einem Horrorfilm entsprungen seien könnten, ist es Chang Cheh gelungen, noch eine tragische Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten mit eingeschmuggelt.

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Die Bild-Qualität dieser zweiten Folge in der filmArt-Reihe „Shaw Brothers Collector’s Edition“ besticht wie schon seine Vorgänger mit einer exzellenten Qualität, bei welcher der Zuschauer förmlich die kleinen Schweißperlen auf der Stirn der Kämpfenden sehen kann. Auf der Tonspur ist hier die sehr gute, deutsche Synchronisation mit Thomas Danneberg als Ti Lung und Arne Elsholtz als David Chiang zu empfehlen. Aber natürlich ist auch der Originalton mit deutschen Untertiteln mit an Bord. Extras gibt es bis auf eine Bildgalerie diverse Trailer leider keine, dafür liegt ein schmuckes Booklet mit dem deutschen Aushangfoto-Satz und Werberatschlägen bei. Ebenfalls mit im Paket ist eine DVD des Films enthalten, welches inhaltsgleich mit der Blu-ray ist. Von dieser DVD stammen die Screenshots im Text oben.

Blu-ray-Rezension: “Die tödlichen Zwei”

Von , 20. Januar 2015 21:24

tödlichen zweiDie mongolischen Unterdrücker haben den chinesischen Prinzen Kang, ein Mitglied der Sung-Dynastie, in ihre Gewalt gebracht. Alle Versuche, den Prinzen zu befreien waren bisher zum Scheitern verurteilt. Da erfährt der Patriot Pao (Ti Lung), dass der Prinz in einer Festung gefangen gehalten wird, die nur über eine marode, schier unüberquerbare Brücke einzunehmen ist. Allein der zwielichtige Yian Luyan besäße die Fähigkeit, die Brücke unbeschadet zu überqueren. Doch dieser ist bereits einen Handel mit den Mongolen eingegangen. Zufällig kreuzen sich aber die Wege Baos mit denen von Pien (David Chiang), einem ehemaliger Schulkamerad Yians, der diesem nicht nur überlegen ist, sondern auch bereit ist, sich der guten Sache anzuschließen…

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Lange Zeit waren die Hunderte von Filmen, welche die legendären Shaw Brothers Studios ab Ende der 50er bis Mitte der 80er Jahre produziert haben, nicht mehr zugänglich. Da das Studio selber, sich nicht um sein Erbe kümmerte, waren die Fans lange Zeit auf alte VHS-Kassetten angewiesen, wo sie sich dann zwischen den teilweise massiv gekürzten deutschen Fassungen im korrekten Bildformat und den zwar vollständigen, aber ins brutalste Pan&Scan gezwängte Fassungen aus den Niederlanden entscheiden konnten. Erst ab 2002 trat eine deutliche Verbesserung der Lage ein, als Celestial Pictures die originalen Negative, die sie 2000 den Shaw Brothers Studios abgekauft hatten, restaurierten und als DVDs zugänglich machten. In Deutschland war das Billig-Label „M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz“ der erste Nutznießer der Celestial-Versionen. Allerdings musste aus Lizenzgründen auf die vertraute alte Synchronisation verzichtet werden. Stattdessen wurde eine eigene, preisgünstig produzierte deutsche Tonspur hinzugefügt. Als nächstes waren dann Koch Media an der Reihe. Das vorbildliche Label brachte unter dem Titel „Shaw Brothers Collection“ zwei wunderschöne Boxen mit jeweils vier Filmen auf den Markt. Nun kümmert sich auch filmArt um das Shaw-Brothers-Erbe in Deutschland und hat als ersten Titel einer neuen Reihe namens „Shaw Brothers Collector’s Edition“ den Film „Die tödlichen Zwei“ veröffentlicht.

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„Die tödlichen Zwei“ zählt sicher nicht zu den besten Shaw-Brothers-Filmen. Dazu fehlt ihm Tiefe, Dramatik und epischer Atmen. Doch er vereint all die Elemente, die das Studio in den 70ern bei den Fans fernöstlicher Kampfkunst-Kost so beliebt gemacht hat. Schön choreographierte Kämpfe, ebenso spektakuläre, wie exotische Waffen, routinierte Darsteller und ein Hauch Mystik. Da der Film mit seinen 82 Minuten für Shaw-Brothers-Verhältnisse eine relativ kurze Laufzeit besitzt, konzentriert er sich ganz auf das, was das Publikum in solch einer Produktion sehen will: Schauwerte, die sich über farbenprächtige Kostüme und brutaler Action ausdrücken. Die Geschichte um die Befreiung des Prinzen aus den Klauen der mongolischen Herrscher ist dünn gesponnen und gibt nur den Faden vor, an den dann die einzelnen Actionsequenzen gehangen werden. Diese zeichnen sich durch eine für das Jahr 1971 ungewöhnlich hohe Blutrünstigkeit aus. So besitzt der von David Chiang gespielte Held eine Waffe, die einen Dorn mit Widerhaken durch die Körper der Gegner bohrt, was beim wieder Herausreißen zu hässlichen Wunden führt. Generell werden häufig Körper explizit durchbohrt und Kehlen durchgeschnitten. Der rote Saft tropft sehr oft zu Boden. Sei es von Ti Lungs überdimensionaler Doppelaxt oder aus den Wunden der tödlich Verletzten.

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„Die tödlichen Zwei“ nimmt dabei schon eine Tendenz vorweg, die sich später noch – vor allem in den Filmen, die Chang Cheh Ende des Jahrzehnts und in den frühen 80ern drehen sollte, noch verstärken wird. Die fantasievollen Gegner,die mit skurril-übertriebenen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet sind. Wie die legendären „Five Venoms„, die im gleichnamigen Film (deutsch: „Die unbesiegbaren 5“) die Eigenschaften unterschiedlicher, giftiger Tiere besitzen. Und noch deutlicher die „Super Ninjas„, die ihre Gegner aus Bäumen, vom Himmel und aus dem Boden angreifen. Auch die Handlanger der Bösen in „Die tödlichen Zwei“ sind beinahe übermenschliche Wesen. Jeder von ihnen für eines der chinesischen fünf Elemente: Da gibt es die, vom beliebten Filmbösewicht Bolo Yeung gespielte „Flussschlange“, der in einer erinnerungswürdigen Szenen, seine Gegner auf einem Floss und im Fluss erledigt (Wasser). Der „Maulwurf“ gräbt sich ein und springt dann überraschend vor seinen Gegner aus dem Versteck (Erde). der Feuerdrache verschießt explodierende Kugeln (Feuer), ein anderer kämpft mit etwas, was wie rasiermesserscharfe Salatschüsseln aussieht (Metall) und der fünfte versteckt sich mit Vorliebe in Baumstämmen (Holz). Die Choreographie der Kämpfe stammt im Übrigen u.a. von Lau Kar-Leung, dem Regisseur solcher Klassiker wie „Die 36 Kammern der Shaolin„, „Drunken Master II“ oder „Tiger on the Beat„.

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Trotz allem muss man aber auch festhalten, dass bei allem Unterhaltungswert, das Drehbuch von I Kuan, der für die Shaw Brothers weit über 200 Filme – darunter auch zahllose zeitlose Klassiker – geskriptet hat, mit der heißen Nadel gestrickt ist. Dass keine der Figuren einen wirklichen Hintergrund hat, mag man da noch verschmerzen. Ti Lung und David Chiang sind solche Archetypen und harmonieren so gut zusammen, dass man keine näheren Erklärungen braucht, um zu verstehen, wer sie sind und welche Charaktereigenschaften sie mitbringen. Alle anderen Figuren bleiben aber trotz aller Farbenfrohheit, blass. Sie sind lediglich die Abziehbilder bekannter Stereotypen. Zudem agieren sie teilweise idiotisch. Als fünf von Ti Lungs Männern (die sich zuvor im Kampf als tapfer und loyal erwiesen haben) auf ihn an einer – wie es heißt unpassierbaren – Brücke warten sollen, haben sie nichts Besseres zu tun, als einer nach dem anderen zu versuchen, über den Abgrund zu spazieren. Dass dabei – trotz angepriesener Talente – einer nach dem Anderen in den Abgrund stürzt, hält die Anderen nicht davon ab, es ebenfalls zu versuchen. So trifft Ti Lung dann später auf eine arg dezimierte Truppe. Wobei es daraufhin sein erster Gedanken ist, es ebenfalls blindlings zu versuchen, über die tödliche Brücke zu gelangen. Auch die Geschichte mit der Karte, die jemand einem Gefangenen mit dem Fingernagel auf den Rücken gekratzt hat, lässt einen die Stirn kräuseln. Zudem hat sich I Kuan – vielleicht um seinen Drehbuch eine Komplexität vorzugaukeln, die es gar nicht besitzt – entschlossen, die erste Hälfte des Filmen nicht immer chronologisch, sondern in zahlreichen, aber unnötigen Rückblenden zu erzählen.

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Trotz einer zunächst unnötig komplizierten Erzählstruktur, fehlender Tiefe und einigen Ungereimtheiten, weiß „Die tödliche Zwei“ vorzüglich zu unterhalten. Was einerseits an dem, wie immer höchst charismatischen, Duo Lung und Chiang liegt. Aber auch an den überzeugend und bunten Kampfszenen, sowie den fantasievoll gezeichneten Gegnern. Bei einer überraschend kurzen Laufzeit von 82 Minuten, kommt trotz der dünnen Geschichte zu keinem Zeitpunkt Langweile auf.

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filmArt hat „Die tödlichen Zwei“ als Mediabook mit Blu-ray und DVD herausgebracht. Die Bildqualität der Blu-ray ist schlichtweg umwerfend. So habe ich noch nie einen Shaw-Brothers-Film noch nie gesehen. Das Bild ist so scharf, dass man bei den Schauspielern genau die überschminkte Kante sieht, an der die Perücken anfangen. Der Ton liegt in der alten Kinosynchronisation und auf Mandarin vor.  Die deutschen Untertitel folgen dabei der Mandarin-Fassung, nicht der deutschen Synchro.  Extras gibt es bis auf zwei Trailer soweit keine. Dem Mediabook liegt ein 20-seitiges Booklet bei, welches das komplette deutsche Werbematerial aus den 70er Jahren enthält. Auf dem Cover hat sich leider ein Fehler bei der Laufzeitangabe eingeschichen. Hier wird der Film mit 86 (BR) bzw. 82 (DVD) Minuten angebenen. Tasächlich sind es aber 82 (BR) und 78 (DVD). Insgesamt ist die „Shaw Brothers Collector’s Edition“ auf 10 Teile angelegt. Nach „Die tödlichen Zwei“ sollen in 2015 noch vier weitere Titel folgen. Zunächst „Duell ohne Gnade“, dann „Der gnadenlose Vollstrecker“, „Der Mann mit der Tigerpranke“ und ein Titel, auf den ich mich ganz besonders freue: „Das Omen des Bösen“.

Die Screenshots stammen von der DVD.

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