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Cinemaxx Bremen senkt drastisch die Preise – Grund zur Freude oder zur Sorge?

Von , 17. Mai 2018 23:50

Okay, jetzt ist es raus: Ab heute, dem 17. Mai, sollen im Cinemaxx Bremen alle Filme in 2D € 5,99 kosten. Egal, wie lang der Film ist, egal, ob Parkettplatz oder Loge. Nur für den Besuch eines 3D-Films oder für einen Platz in einem sogenannten VIP-Sessel muss ein Aufpreis gezahlt werden.

Klingt eigentlich nach einer sehr guten Nachricht. Wird das Kinovergnügen doch drastisch günstiger. Ich weiß noch, wie ich z.B. an einem Samstagabend mal eben locker bei fast 15 Euro pro Karte war (weil online gebucht, da wird ja – auch wenn es in meinen Augen so überhaupt keinen Sinn macht, weil ja jede Arbeit und der Materialaufwand beim Drucken beim Kunden liegt – immer noch eine Gebühr fällig). Aber mir stellen sich auch viele Fragen, die meine Freude augenblicklich schrumpfen lassen.

Geht es dem Cinemaxx wirklich so schlecht, dass die solche Dumping-Preise aufrufen müssen? Was bleibt dem Kino da eigentlich noch, wenn man mal die exorbitanten Verleihkosten die z.B. Disney für ihre Filme aufrufen, abzieht? Soll das dann über die Massen, die aufgrund des günstigeren Preises ins Kino strömen kompensiert werden. Klar, 100 Leute, die 5,99 ausgeben bringen mehr ein, als 30, die das Doppelte zahlen. Ich habe so meine Zweifel, dass die Rechnung aufgeht. Bisher lag Bremen ja mit den Kinobesuchen pro Einwohner immer mit vorne. Werden jetzt so viele ihre eingeschliffenen Streaming-Gewohnheiten aufgeben? Das bleibt abzuwarten, und ich bin tatsächlich sehr gespannt, was passiert.

Ängstlich gespannt bin ich darauf, was das für die Programmkinos bedeutet, die ja teilweise auch schon bei Ticketpreisen von 9-10 Euro sind. Preise, die nicht aus Gier – sondern schlicht und einfach aufgerufen werden, um zu überleben. Denn das müsste jedem klar sein: Kinos, die besondere Filme jenseits des Mainstream zeigen, wie City 46 oder Cinema Ostertor, kalkulieren immer am Existenzminimum. Werden die Programmkinos also gezwungen sein den Preiskampf mitzumachen? Oder bleiben sie bei ihren Ticketpreisen und riskieren es Zuschauer an das Cinemaxx zu verlieren und letztendlich die Pforten schließen zu müssen? Oder ist das Programm-/Kommunalkino-Publikum eh ein ganz anderes, welches hier wenig preissensibel reagiert? Aus meinem Bekanntenkreis, der die 40 deutliche überschritten hat, weiß ich – auch wenn das natürlich keine repräsentative Stichprobe ist – dass die zwar regelmäßig ins Kino gehen, aber die Multiplexe wie der Teufel das Weihwasser meiden. Die Multiplexe sind ihnen zu laut, das Publikum zu unruhig, die Atmosphäre wenig einladend und generell fehlt ihnen dort das Besondere, ja, familiäre, welches die kleineren, unabhängigen Kinos bieten.

So oder so. Das Cinemaxx hat einen ziemlich lauten Schuss abgegeben und ein Feld betreten, von dem man noch nicht weiß, ob es eine blühende Wiese oder ein Schlachtfeld ist, auf dem am Ende viele verrecken. Ich wage hier auch keine Prognose. Mein Gefühl ist allerdings gar kein Gutes. Mal schauen, was ich hier in einem Jahr schreiben werde und wer von den Kinos dann noch da ist. Ich hoffe doch sehr, es werden alle sein.

Im Weser Kurier kann man nachlesen, dass die Mitbewerber des Cinemaxx bisher noch gelassen sind. Das Cinespace argumentiert dort mit einer der dem Cinemaxx technisch überlegenen und generell modernen Ausstattung. Die Schauburg und das Cinema sehen aufgrund des unterschiedlichen Programmangebots erst einmal keine Gefahr und denken nicht über ähnliche Preissenkungen nach.
Thomas Settje vom Cinema Ostertor sagt aber auch: „Wenn die Leute die aktuellen Preise nicht mehr bezahlen, müssen wir das Kino irgendwann aufgeben“.

 

Aus für das IMAX in Bremen!

Von , 3. Februar 2013 16:54

imax_logoWie der „Weser Report“ heute berichtet, wird das IMAX nach zwei Jahren wieder aus dem Cinemaxx Bremen verschwinden. Der Vertrag für das IMAX lief jetzt nach zwei Jahren aus und wird aufgrund zu geringer Zuschauerzahlen nicht verlängert, so der „Weser Report“.

Dafür zieht jetzt das „Maxximum 3D“ in den größten Saal des Bremer Cinemaxx ein. Dafür wird aus Frankreich eine neue Leinwand geliefert, die höher und breiter sein soll, als die bisherige IMAX-Leinwand (die war ca. 9.09m x 16.90m). Auch ein neues Sound-System namens „Maxximum Sound“ wird installiert.

Mit dem IMAX bin ich aufgrund der sehr unglücklichen Architektur (dadurch, dass die Leinwand bis zum Boden ging, hatte man eigentlich immer die Köpfe der Vorderleute im Blickfeld) nie ganz warm geworden. Auch wenn Bild- und Tonqualität immer sehr gut war. Allerdings fand ich die Lautstärke dort in letzter Zeit immer viel zu hoch. Ganz besonders schlimm war es bei „Dark Knight Rises“. Eine Beschwerde, die ich auch von anderen Leuten gehört habe.

Ich bin sehr gespannt, ob das Cinemaxx aus den Fehlern des IMAX  (siehe auch meinen damaligen Erfahrungsgericht hier) gelernt hat und bin sehr neugierig, wie der neue Saal dann aussehen wird.

Rezension: „The Dark Knight Rises“

Von , 28. Juli 2012 23:26

Acht Jahre sind seit „The Dark Knight“ vergangen. Nachdem Batman die Schuld am Tod Harvey Dents auf sich genommen und diesen dadurch zu einem Helden gemacht hat, ist es ruhig in Gotham City geworden. Batman ist seitdem verschwunden, auf den Straßen sorgt die Polizei für Sicherheit. Doch ein Sturm zieht auf. Der Söldner Bane fällt über Gotham her und ihm folgen Zerstörung und Anarchie. Als Batman aus den Schatten zurückkehrt und Bane stellen will, scheint er seinen Meister gefunden zu haben…

Nachdem der dritte Teil der Nolan’schen „Batman“-Saga nun vom einfachen Sequel zum gesellschaftlichen Ereignis hochgejazzt wurde, stellt sich die Frage, ob der Film die gewaltigen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, überhaupt stemmen kann. Vorab geisterten ja schon die ersten durchaus auch kritischen Meinungen zum Film durch das Netz. Ebenso wurden die idiotischen Kommentare einiger Pubertierender auf der Seite „Rotten Tomatoes“ zum Anlass genommen, ein – leider absolut typisches – Internetphänomen zu einer großen Geschichte vom wütenden Mob aufzublasen. Die Tragödie von Aurora im US-Bundesstaat Colorado, bei der  ein Irrer während der „The Dark Knight Rises“-Premiere ins Publikum schoss,  tat ein Übriges dafür, den Film tagelang in den Schlagzeilen, nicht nur des Feuilletons, zu halten.

Aber was ist nun mit dem Film selber? Erst einmal ist er ein erschlagendes 169-Minuten-Bombardement der Sinne. Man hat permanent das Gefühl, in Bewegung zu sein, da die Handlung mal diesem, mal jenem Charakter folgt. Batman selber ist nur eine Figur von vielen, ja, er wird fast schon zum Nebendarsteller in seinem eigenen Film. Der Polizist John Blake (tadellos gespielt von Joseph Gordon-Levitt) ist mindestens gleichwertig angelegt. Auch vermeintliche Nebencharakter wie Jim Gordon (wieder einmal überzeugend: Gary Oldman) und Catwoman (umwerfend sexy:  Anne Hathaway) sind elementar wichtig für die Handlung und werden mit einer erstaunlichen Tiefe ausgestattet.

Fast fühlt man sich wie in einer dieser TV-Serien um eine Hauptperson und sein Team, wo auch immer wieder das eine oder andere Team-Mitglied im Vordergrund steht. Durch diese Vorgehensweise behält der Film ein durchgängig hohes Spannungsniveau, was allerdings zu Lasten klassischer Dramaturgie geht. Der Film bildet einen permanenten Höhepunkt, ohne dass es  einzelne Auf und Abs, oder die eine spektakuläre Szene gäbe, über die am Ende alle sprechen. Das kann auf die Dauer ziemlich erschöpfend sein.

Nolan hat ein sehr gutes Gespür für Architektur und Räume. Damit gelingt es ihm, Gotham City als einen Ort zu erschaffen, in dem man sich recht schnell heimisch fühlt. Der einen einlädt, einzutreten in die Welt von Bruce Wayne, seinen Freunden und Feinden. Dabei hilft es sehr, wenn man die beiden vorangegangenen Teile gesehen hat. Denn bereits dort wurden Figuren wie Lucius Fox oder der treue Butler Alfred Pennyworth so liebevoll und lebendig gezeichnet, dass man sich ihnen jetzt sofort wieder nah fühlt, wenn sie die Leinwand betreten.

Zudem ist es angenehm erfrischend, dass hier auf das mittlerweile übliche 3D-Brimborium bewusst verzichtet wird. Überhaupt versprüht der Film einen angenehm klassisch-handfesten Charme. Die CGI werden nicht inflationär eingesetzt und wenn – bis auf die Szene im Football-Stadion – eher dezent. Bei den vielen Verfolgungsjagden lässt Nolan richtiges Blech und keine Pixel krachen. So etwas kennt man von den großen Sommer-Blockbustern schon gar nicht mehr und das führt einmal mehr vor Augen, warum Filme früher mehr „Gewicht“ hatten.

Christopher Nolan baut seinen Film in mehreren Schichten auf, bei der jede einer Figuren zugeordnet ist. Diese Schichten sind aber durchlässig und interagieren miteinander. Man könnte fast sagen, dass „The Dark Knight Rises“ ähnlich funktioniert, wie die verschiedenen Traumebenen in seinem „Inception“ (mit dem er sich auch viele Darsteller teilt: Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Michael Caine, Marion Cotillard und Cillian Murphy).

Da ist einmal Batman, dessen vermeintlicher Sieg im zweiten Teil der Saga („The Dark Knight“) in Wirklichkeit eine Niederlage war. Er hat sich für eine Lüge geopfert, und nur diese Lüge hält Gotham zusammen. Er selber kann nicht wieder zurückkehren, ohne diese Lüge zu gefährden. Seine dunkles „Alter Ego“ muss unterdrückt werden, der menschliche Halt für seine Bruce Wayne-Seite (Rachel Dawes, gespielt  von Maggie Gyllenhaal ) konnte er nicht retten, was Schuldgefühle in ihm hervorruft. Ohne „Batman“ ist Bruce Wayne nicht vollständig. Bruce Wayne weiß das und hat doch Angst davor, etwas zu ändern. Dann gibt es die Ebene mit Jim Gordon, der ebenfalls unter der Lüge Harvey Dent leidet. Er ist als Polizist der Wahrheit verpflichtet und muss doch lügen, um den Status Quo zu halten. Sein stoischer Kampf gegen das Böse ist auch ein Versuch, sich davon rein zu waschen.

Die heimliche Hauptfigur des Filmes, John Blake, kämpft ohne Maske gegen das Böse. Er ist Polizist, ein einsamer Wolf ohne Beziehungen (darin Batman nicht unähnlich) und aufgrund einer privaten Tragödie ebenso besessenen davon, das Richtige zu tun, wie Batman.  Aber er ist kein Superheld, sondern ein einfacher Mensch. Was zeigt, dass in jedem ein Superheld stecken kann, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist und dies auch gar nicht anstrebt.

Und dann haben wir da noch das Proletariat (Bane, Catwoman), das sich gegen die herrschende Klasse (Börse, Firmenvorstände) auflehnt. Die Reichen, die nur für ihren Hedonismus leben (schön gezeichnet auf der Wohltätigkeitsparty oder in den Dialogen der Börsianer) und das „Volk“, das gefrustet ist und von den Mächtigen daran gehindert wird,  ein besseres Leben führen zu können (Catwoman/Selina Kyle, die genau dies dem Milliardär Bruce Wayne vorwirft; Bane der dieses Gefühl als skrupelloser Agitator ausnutzt). Dieser Zusammenstoß zwischen Arm und Reich führt unweigerlich zur Katastrophe, zur Zerstörung, Anarchie und Gesetzlosigkeit (bei diesen Szenen steht eindeutig die Französische Revolution Pate, Nolan selber nennt auch „Eine Geschichte aus zwei Städten“ von Charles Dickens als Inspirationsquelle). Gerettet werden kann die Welt nur, wenn Arm (Selina Kyle/Catwoman) und Reich (Bruce Wayne/Batman) zusammenarbeiten. Nur dann gibt es Hoffnung, das Chaos zu bewältigen. Dies erinnert dann schon sehr an das Ende von Fritz Langs „Metropolis“, mit seiner Aussöhnung zwischen den Bewohnern der Oberstadt und den Arbeitern. Und wem diese Interpretationsansätze dann aber zu viel und zu weit hergeholt sind, für den kann „The Dark Knight Rises“ immer noch eine hervorragende Comic-Verfilmung sein , bei der für den Fan viele kleine Anspielungen auf die Comic-Serie (Banes erster Kampf mit Batman, die Verwendung von Elementen der „Knightfall“ und „No Man’s Land“-Storylines u.ä.) zu finden sind.

Aber auch ein Film wie „The Dark Knight Rises“ ist nicht ganz ohne Makel. So hat man das Gefühl, dass aus dem Bösewicht Bane noch sehr viel mehr hätte gemacht werden können. Die Figur ist natürlich in keinster Weise mit dem, von Heath Ledger so genial verkörperten, Joker zu vergleichen – dazu sind sie einfach zu verschieden – aber trotzdem fehlt das letzte Quäntchen, um Bane als einen wirklich bedrohlichen Gegner darzustellen. Was verwundert, da Tom Hardy eigentlich in allen seinen Filmen durch eine große Präsenz auf der Leinwand aufgefallen ist. Vielleicht ist es die Maske, die den größten Teil seines Gesichtes verdeckt oder die fürchterliche deutsche Synchronstimme. Wer Tom Hardy jemals im Original gehört hat, kennt seine markant, raue-heisere Stimme. Seine Synchronstimme hier ist weitaus heller, überschlägt sich sogar manchmal und wirkt dadurch eher lächerlich-komisch. Wobei dies im Original ähnlich sein kann, da Hardy in Interviews betonte, die Stimme an einen irischen Boxer angelegt zu haben.

Und selbstverständlich könnte man Christopher Nolan vorwerfen, dass er im Grunde simple Geschichten erzählt, die er nur dadurch verkompliziert, dass es so viele sind und er sie dann so geschickt übereinanderstapelt, dass ihre Einfachheit  nicht auffällt. Man kann aber auch sagen, dass gerade darin Nolans  großes Talent besteht und er seinen Zuschauern genau das gibt, wonach sie lechzen: Großartige und gar nicht dumme Unterhaltung.

Schade, dass „The Dark Knight Rises“ der letzte Teil der Serie sein soll, den er weckt großen Appetit auf mehr. Wie auch – um ein letztes Mal diesen Vergleich zu ziehen – eine gute TV-Serie das Warten auf die neue Staffel zur Qual machen kann.

Zum Abschluss ein paar Worte zur Vorstellung im Bremer „IMAX“. Die speziell für das IMAX hergestellten Szenen in 1:1,44 warten mit einer unglaublichen Brillanz auf und nutzen die Leinwand komplett aus. Die normal gefilmten Szenen in 1:2,35 sind von der Bildqualität auch sehr gut, fallen gegenüber den IMAX-Szenen aber etwas ab. Ein echtes Manko ist allerdings der Ton. Bei der Vorpremiere im IMAX war dieser viel zu laut und weit jenseits der Schmerzgrenze. Gleich bei der fulminanten Eröffnungsszene taten einem die Ohren weh. Und das nicht nur bei den Effektszenen, sondern auch bei den Dialogen (insbesondere, wenn Bane spricht). Das ist sehr anstrengend und macht keinen Spaß. Zumal der Lärm auch die Boxen im IMAX deutlich überlastete.

Rezension: „The Amazing Spider-Man“

Von , 29. Juni 2012 20:31

Nachdem seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen, wächst Peter Parker bei seinem Onkel Ben und seiner Tante May auf. In der Schule hat er es nicht leicht. Er ist heimlich in die schöne Gwen Stacy verliebt und wird von deren Freund Flash gerne mal als Punchingball benutzt. Eines Tages entdeckt er im Keller zufällig die alte Aktentasche seines Vaters und darin versteckt eine geheimnisvolle Formel. Auf der Suche nach Antworten schleicht er sich in das Labor von Dr. Curt Connors ein, der einst mit seinem Vater zusammenarbeitete. Dr. Connors leitet die Wissenschaftsabteilung des mächtigen Oscorp-Konzerns. Bei seinen Nachforschungen gerät Peter in ein Labor voller Spinnen. Er wird von einem dieser Krabbeltiere gebissen und entwickelt in der Folge übermenschliche, spinnenartige Fähigkeiten.

Eigentlich hatte ich mich schon darauf eingerichtet, dass hier ein großer Verriss folgen wird. Der Idee, das Spider-Man-Franchise gerade mal 10 Jahre nach dem ersten Film und nur fünf Jahre nach dem dritten Film zu „rebooten“, wie es ja seit „Casino Royale“ Mode geworden ist, fand ich schon äußerst fragwürdig. Noch schlimmer hingegen wog, dass das eingespielte, und aus meiner Sicht perfekte, Team Raimi/Maguire auseinander gerissen wurde, weil die Produzenten scheinbar mit einem „erwachseneren“ Ansatz nicht einverstanden waren und lieber mit einem Regisseur, Marc Webb, der vorher nur durch Musikvideos und eine romantische Teenie-Komödie aufgefallen ist, auf Teenager-Fang gehen wollten. Das machte mir den neuen „Spider-Man“ schon von Anfang an unsympathisch, und wäre ich nicht eingeladen worden, hätte ich ihn wohl auch komplett boykottiert und mir lieber noch einmal das „Original“ von 2002 auf DVD angesehen.

Aber ich muss zugeben, dass meine Vorbehalte ziemlich grundlos waren. Natürlich kann man sich noch immer vortrefflich darüber streiten, ob der Film wirklich nötig gewesen wäre, und man nicht doch besser einen vierten Teil mit dem alten Team hätte produzieren sollen. Aber jetzt ist „The Amazing Spider-Man“ nun einmal da und zu meiner Überraschung auch durchaus gelungen. Andrew Garfield übernimmt das Spinnen-Kostüm von Tobey Maguire – der für mich eigentlich die perfekte Besetzung war – und schafft es, dass man während des Filmes Tobey Maguire tatsächlich nicht einmal hinterhertrauert. Andrew Garfield ist nicht nur vom Aussehen und seiner Physis her nicht mit Maguire vergleichbar, sein Zugang zu der Rolle ist auch ein ganz anderer. Während Maguires Peter Parker der unterdrückte, liebenswert ungeschickte Nerd war, so spielt Garfield ihn als linkischen Außenseiter, der ein wenig an James Dean in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ erinnert. Das funktioniert sehr gut und wird den Comics ebenso gerecht, wie es zuvor Maguires Interpretation war. Auf Fotos, und auch im Trailer, wirkt Andrew Garfield immer einen Tick zu gutaussehend und arrogant. Im Film aber zeigt er sich von einer ganz anderen Seite. Sein Peter Parker ist wirklich ausgesprochen sympathisch, und da es recht lange dauert, bis Peter Parker sich das Spinnenkostüm überstreift, hat er auch ausführlich Gelegenheit, sich als talentierter Schauspieler zu präsentieren und seinen Charakter mit viel Leben zu füllen.

Ähnliches gilt für Emma Stone, die hier Gwen Stacy spielt (im Comic tatsächlich Peter Parkers erste Freundin. Mary Jane Watson, die Kirsten Dunst so überzeugend in der Raimi-Trilogie verkörperte, taucht erst später auf). Die Stone erinnert mit ihren großen Augen und vollen Lippen stark an Heike Makatsch und konnte mich auf Fotos nicht unbedingt überzeugen. Aber auf der Leinwand entwickelt sie schnell eine sehr warme und liebenswürdige Ausstrahlung. Überhaupt wurde bei der Besetzung der Nebenrollen ein gutes Händchen bewiesen. Sally Field als Tante May, und vor allem auch Martin Sheen (der hier irgendwie merkwürdig aussieht… ich hoffe sehr, seine neuen dritten Zähne gehören nur zur Rolle) als Onkel Ben, möchte man am liebsten in den Arm nehmen. Und es ist auch schön, mal wieder den guten, alten Denis Leary zu sehen. Ihn mag ich ja seit der Zeit, als er den Pausenfüller bei MTV (als das noch ein cooler Musiksender war) gab.

Ein nettes Wiedersehen (auch wenn ich ihn nicht erkannt habe) gibt es mit C.Thomas Howell, der einen Kranführer und Vater eines kleinen Jungen spielt, der von Spider-Man gerettet wird. C.Thomas Howell gehörte Ende der 80er Jahren zu DEN jungen und aufstrebenden Teeniestars („The Outsiders„, „Soul Man„, „Hitcher – Der Highwaykiller„) und hätte damals auch ein gutes Potential gehabt, Spider-Man zu verkörpern. Heute ist er zwar sehr gut beschäftigt, spielt aber nur noch in billigen C-Filmen mit. In „The Amazing Spider-Man“ ist er leider in den schwächsten und albernsten Szenen des ganzen Filmes zu sehen. Die Szene um die Rettung seines Sohnes hat man so schon 1000x gesehen, und wenn er im Finale („Hey, das ist der Typ der meinen Jungen gerettet hat“) unter heroischer Musik seine Kollegen antreibt, Spider-Man durch die Ausrichtung ihrer Kräne zu helfen, dann ist das nicht nur lächerlich-pathetisch, sondern am Rande der Parodie und wirkt wie ein Fremdkörper im Film.

Überraschenderweise fällt der sonst so zuverlässige Rhys Ifans als Bösewicht etwas ab. Was ich merkwürdig finde, da Ifans eigentlich ein guter Schauspieler ist, den ich sehr mag. Aber in „The Amazing Spider-Man“ bleibt er seltsam blass und schafft es nicht, seiner Figur die Tiefe zu verleihen. Dr. Curt Connors ist die klassische Jekyll-und-Hyde-Figur. Als Connors ist er – zumindest in den Comics – warmherzig, hilfsbereit und zutiefst verzweifelt über sein böses „Ich“, die Echse. Hier allerdings wirkt Conners von Anfang an wie ein Bösewicht. Kalt, arrogant und skrupellos. Dass angedeutet wird, er hätte eine Rolle beim Tod von Peter Parkers Eltern gespielt, macht die Sache nicht besser. Nein, Mitgefühl kann man für diese Person nicht aufbringen, und damit geht ihr auch einiges an dramatischem Potential verloren. Da wirkt eine edle Tat von ihm am Ende dann auch eher konstruiert und nicht überzeugend aus der Handlung heraus entwickelt. Schade, man hätte dem neuen Spider-Man doch einen komplexeren Gegner gewünscht. Aber der wird wohl für die Fortsetzung aufgespart. Wer zu früh das Kino verlässt, verpasst im Abspann noch eine Szene, in der dieser bereits eingeführt wird. Wer sich da im Schatten befindet, wird zwar offen gelassen, aber es dürfte sich dabei um den beliebtesten Spider-Man-Gegner überhaupt handeln: Norman Osborn alias der „Grüne Kobold“.

Muss man die Entstehungsgeschichte von Spider-Man jetzt unbedingt ein zweites Mal durchkauen? Wäre es nicht besser gewesen, diesen vierten Film an die Vorgänger anzuhängen, statt alles noch einmal ganz von vorne zu erzählen? Nun, gerade im Falle Spider-Man ist der Fan der Comics sowieso schon so einiges gewöhnt. Mir fällt spontan kein anderer Superheld ein, dessen Geschichte so oft neu und umgeschrieben wurde. Wo bei Storylines quasi ständig auf den „Reset“-Knopf gedrückt wird und alle Veränderungen stumpf rückgängig gemacht werden. In mancher Hinsicht erinnern die Spider-Man-Comics häufig an die 9. Staffel von „Dallas“. Daher ist es zu verschmerzen, ja beinahe sogar logisch, dass Spider-Mans Ursprungsgeschichte für den neuen Film abgeändert wurde. Vor allem, da sie sich hervorragend in die aktuelle Geschichte einfügt und gleichzeitig auch die Saat für zukünftige Fortsetzungen sät. Und obwohl sich die Ursprungsgeschichte in manchen Dingen grundlegend von der aus den Comics bekannten unterscheidet – da war der Raimi-„Spider-Man“ sehr viel näher an den klassischen Comics – werden die Eckpfeiler des Spider-Man-Mythos nicht angetastet (Eltern verloren, der Spinnen-Biss, die Geschichte mit dem Einbrecher und Onkel Bens Tod), sondern nur der neuen Geschichte angepasst. Und ganz ähnlich wie in den „Avengers“-Filmen, werden in dieser neuen Ursprungsgeschichte bereits wichtige Puzzleteile für spätere Filme ausgelegt. In der Tat macht „The Amazing Spider-Man“ Lust auf mehr, und man freut sich auf weitere Folgen mit unserem „friendly neighborhood Spider-Man“. Dabei wünsche ich mir sehr, dass dabei der Hauptdarsteller nicht noch einmal ausgetauscht wird und uns der überzeugende Andrew Garfield noch länger unter der Spider-Man-Maske erhalten bleibt.

Die Action-Szenen sind scheinbar überwiegend am Rechner entstanden. Das ist aber auch klar, wenn Spider-Mans Hauptgegner eine 3 Meter große Echse ist. Diese wird heute natürlich nicht mehr von einem Mann im Gummianzug dargestellt. Was ich persönlich allerdings schade finde. Andererseits müssen die spinnenartigen Bewegungen von Spider-Man und seine blitzschnellen Reflexe überzeugend dargestellt werden, was auch nur durch Zuhilfenahme des Computers möglich ist. Die Kämpfe sind allesamt optisch nett umgesetzt (und bieten an einer Stelle Spider-Man-Schöpfer und Comic-Gott Stan Lee Raum für einen charmanten Auftritt), wenn auch nicht übermäßig spektakulär. Gleiches gilt für die 3D-Effekte, die seltsam verhalten eingesetzt werden. Man hat nicht unbedingt das Gefühl, dass der Film die zusätzliche Dimension benötigen würde. Bis auf das wirklich gelungene Schlussbild, welches einen der schönsten 3D-Effekte bietet, die ich in diesem Medium bisher gesehen habe. Die 3D-Projektion im Bremer IMAX ist mal wieder ohne Makel. Die Bilder sind gestochen scharf und nicht zu dunkel. Und der Sound ist L-A-U-T, was bei einem Effektfilm meines Erachtens nach aber immer von Vorteil ist.

Rezension: “Snow White & the Huntsman”

Von , 6. Juni 2012 19:35

Nachdem sich die böse Hexe Ravenna in das Herz des Königs Magnus geschlichen hat, bringt sie ihn um und sperrt seine Tochter Snow White im Schloss ein. Snow White wächst zur jungen Frau heran und Ravenna erkennt, dass das Mädchen der Schlüssel ihrer ewigen Jugend ist. Zu Ravennas Leid gelingt es Snow White aber zu fliehen, bevor die böse Königin ihr die Kräfte rauben kann. Snow White flüchtet in den dunklen Wald und Ravenna schickt ihr einen zum Trinker gewordenen Jäger hinterher. Dieser verbündet sich allerdings mit Snow White und hilft ihr auf der Flucht vor den Schergen der Königin.

Das ist er also. Der mittlerweile zweite „Schneewittchen“-Film dieser Saison. Nach „Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ mit Julia Roberts als böser Königin und Audrey-Hepburn-Verschnitt Lily Collins als Schneewittchen, sind jetzt Charlize Theron und Twilight-Shooting-Star Kristen Stewart an der Reihe, dem Märchen neues Leben einzuhauchen. „Snow White & the Huntsman“ soll sich durch Düsternis und Dreckigkeit von der bunten „Spieglein, Spieglein“-Welt des Bilderzauberers Tarsem Singh abheben. Was aber herausgekommen ist, ist ein „Herr der Ringe„-Abklatsch mit aseptischem Schmutz, welcher zu keinem Zeitpunkt real, sondern kunstvoll dahindrapiert aussieht. Ein Beispiel gefällig? Immer wieder zeigt die Kamera in Großaufnahme die dreckigen Fingernägel von Snow White. Das soll wohl Realismus simulieren. Klappt aber nicht, wenn die „Schmutzgestaltung“ so aussieht, dass die Nagelränder zwar eine schwarze Linie haben, die Nagelspitzen aber strahlend sauber und perfekt manikürt sind. Dies ist ein Symbolbild für den ganzen Film. Überall wird behauptet, der Film sei nun besonders rau und finster. Aber in Wirklichkeit bietet er doch nur harmlose Familien- und vor allem Teenie-taugliche Unterhaltung. Von einer „echten“ Grimm-Verfilmung ist man hier genauso weit entfernt, wie es Disneys um Welten besserer Zeichentrick-Klassiker von 1937 ist.

Die Kämpfe sehen auf den ersten Blick brutal aus, Blut sieht man in der Regel aber keins. Selbst als einer der Oberbösewichter von unzähligen, abgestorbenen Zweigen durchbohrt wird, fließt es nicht, sondern wird durch ein umfallendes Tintenfass simuliert. Zu keiner Sekunde traut sich der Film, einmal richtig ernst zu machen und voll durchzuziehen. Stattdessen gibt er sich ständig den bloßen Anschein, als ob er eben dies täte. Spätestens aber wenn man feststellen muss, dass die Szene, in der Snow White bei ihrer Flucht aus dem Schloss an einem Strand, zwischen Felsklippen ein weißes Pferd findet, das dort nur auf sie gewartet hat, nicht etwa ironisch, sondern wirklich ernst gemeint ist, sollte man seine Erwartungen auf ein Minimum reduzieren.

Kristen Stewart als Snow White ist eine krasse Fehlbesetzung. Ständig sieht sie so aus, als käme sie geradewegs vom Kostümball einer kalifornischen High School. Zwischen all den anderen, die sich zumindest bemühen so auszusehen, als würden sie tatsächlich in einem britischen (zumindest bemühen sich außer der Stewart alle, einen möglichst britischen Akzent an den Tag zu legen) Mittelalter leben, wirkt sie wie ein Fremdkörper. Noch dazu sind ihre mimischen Möglichkeiten arg limitiert und beschränken sich im Grunde darauf, durch offenen Mund und halb geschlossene Augen melodramatisch zu wirken oder mit zusammengekniffenen Lippen und vorgeschobenem Kinn kämpferisch. Zudem, sollte Schneewittchen nicht schöner sein als die böse Königin? Geht es in der Geschichte nicht im Grunde darum? Nun, gegen die überirdische Schönheit einer Charlize Theron wirkt die Stewart wie ein ganz hübsches Teenie-Girl, dem es aber leider an Ausstrahlung fehlt.

Davon hat Charlize Theron zwar eine ganze Menge, aber die schwache Regie (Debütant Rupert Sanders) weiß damit nichts anzufangen. Was auch die Theron gemerkt haben muss, denn sie wirft sich mit solch einer Inbrunst in Pose, das man zeitweise von grimassieren sprechen muss. Schade, denn dass sie eigentlich eine sehr gute Schauspielerin ist, hat sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Außerdem ist es problematisch, der bösen Königin eine wehleidige Hintergrundgeschichte zu verpassen und dadurch ihre Bosheit quasi zu entschuldigen. Aber wir sind hier ja in einem Teenie-Film, da darf einfach niemand durch und durch böse sein.

Der Huntsman wird von Chris Hemsworth gespielt, der es gerade durch seine Rolle als Thor im gleichnamigen Film und in den „Avengers“ zu etwas Berühmtheit gebracht hat. Leider kann Hemsworth in „Snow White & the Huntsman“ nicht so glänzen, wie in seiner Paraderolle. Nicht, dass er wirklich grottenschlecht spielen würde, aber er „spielt“ eben. Nie wird er eins mit seiner Figur, immer sieht man einen Schauspieler der vorgibt, jemand anderes zu sein. Auch er also: vergeudet. Und was Prinz Willhelm (Sam Claflin) für eine Aufgabe hat, wird auch nicht klar. Für die Handlung ist er völlig überflüssig und als „love interest“ für Snow White taugt seine Figur auch nicht.

Halbwegs achtbar kann sich gerade noch Sam Spruell als Bruder der bösen Königin aus der Affäre ziehen, wenn er auch hier und da ganz schön überzieht. Aber zu seiner Rolle passt das wenigstens. Und natürlich die acht (!!!) Zwerge, die zum Großteil von bekannten britischen Schauspielern (Bob Hoskins, Eddie Marsan oder Nick Frost) gespielt werden, die dann durch das Wunder der Technik zu Kleinwüchsigen gemorpht wurden. Leider sieht man von ihnen viel zu wenig und einige peinliche Momente wurden auch ihnen nicht erspart (Stichwort: Singen und Tanzen).

Das Schlimmste an „Snow White & the Huntsman“ ist aber, dass er schrecklich langweilt. Immer wieder kommt die Handlung zum Halten, weil irgendjemand ohne großen Elan viele tolle Sätze aufsagen muss, die scheinbar aus dem Drehbuch-Generator stammen. Hohle Phrasen, die wohl bedeutend klingen sollen, aber nur wiederholen, was man in 83 Jahren Tonfilmgeschichte schon x-Mal gehört hat… nur besser. Auch die Schauplätze der Handlung, die Kostüme und die uninspirierte „Wir-sind-mittendrin“-Kameraarbeit hat man schon unzählige Male gesehen. Was man aber so wahrscheinlich noch nicht gesehen hat, ist das „Feenland“. Diesen Kitsch-Overkill inklusive weißem Hirsch, von Pandora importierten bunten Pflanzen und moosbewachsenen Schildkröten, möchte man eigentlich auch gar nicht sehen. Die geschlechtslosen, wie abgemagerte Teletubbies aussehenden Feen, übrigens auch nicht. Dagegen ist der berühmte Disney-Touch schierer Neorealismus. Und natürlich ist diese Szene für die Filmhandlung völlig unerheblich und sorgt nur einmal mehr für Leerlauf.

Aber das ist alles schon viel zu viel Aufregung für solch einen schwachen Film, der seine Versprechen zu keiner Sekunden einhalten kann. Bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann jemand den Mut hat und die Gelegenheit bekommt, ein Grimmsches Märchen so zu verfilmen, wie es „Snow White & the Huntsman“ vielleicht ursprünglich mal vorgehabt hat. Bis dahin sollte man diesen, am Reißbrett mit Zielgruppen-Fokus entstandenen, Schnarcher für pubertierende Teenies möglichst meiden.

Rezension: “Men in Black III”

Von , 28. Mai 2012 11:49

Seit 14 Jahren sind die beiden „Men in Black“-Agenten J und K nun schon ein Team. Noch immer verteidigen sie die Erde vor „the worst scum of the universe“. Nun stehen sie vor ihrer bisher größten Herausforderung. Aus einem Hochsicherheitsgefängnis auf dem Mond ist Boris, die Bestie, einer der skrupellosesten und gemeingefährlichsten Verbrecher des Universums geflohen. Einst hatte Agent K Boris nicht nur einen Arm abgeschossen, sondern ihn auch lebenslänglich hinter Gitter gebracht. Nun sinnt Boris auf Rache. Er reist zurück ins Jahr 1969 um Agent K zu töten, bevor sich die Geschichte wiederholen kann. Scheinbar hat er damit Erfolg, denn plötzlich kann sich in der Gegenwart niemand außer Agent J mehr an K erinnern. Zudem steht eine Invasion von Boris‘ Heimatplaneten bevor, da durch Ks Tod in der Vergangenheit, ein lebenswichtiges Abwehrsystem nie installiert wurde. Für J gibt es nur eine Möglichkeit, die Welt zu retten: Er muss ebenfalls ins Jahr 1969 reisen, um seinen Partner und die Welt zu retten…

Das Kalkül hinter „Men in Black III„ ist ganz offensichtlich. Hauptdarsteller Will Smith hat seit seinen finanziell nicht überwältigenden Versuchen, sich als ernsthafter Schauspieler zu etablieren („Sieben Leben“) und dem ebenfalls mäßig erfolgreichen „Hancock“ eine vierjährige Pause eingelegt. Jetzt braucht er dringend einen schlagkräftigen Comeback-Film. Der einst sehr gefragte Regisseur Barry Sonnenfeld ist nach „Men in Black II“ und dem Flop „Die Chaoscamper“ beim Fernsehen gelandet und hat seit sechs Jahre keinen Kinofilm mehr gedreht. Zudem bietet es sich für das Studio an, aus einer potentiellen „3“ ein „3D“ zu machen und mit der neuen Technik groß abzukassieren. Die Zeichen stehen also auf schnellem, einfallslosem Cash-in. Ich bin hocherfreut, vermelden zu können, dass diese Sorgen ganz unberechtigt sind.

Seit dem zweiten Teil der „Men in Black“-Saga vor 10 Jahren scheint kein Tag vergangen zu sein. Sofort fühlt man sich in der „Men in Black“-Welt wieder heimisch. Allein dem stark gealterten Tommy Lee Jones sieht man deutlich an, dass seit seinem letzten Einsatz als Agent K einiges an Wasser die Weser hinabgeflossen ist. Will Smith aber scheint keinen Tag älter zu sein als beim Debüt der „Men in Black“ vor 15 Jahren. Er strahlt immer noch jugendlichen Überschwang aus und blickt mit großen, staunenden Augen in die, von undercover lebenden Aliens bevölkerte, Welt. Was sich allerdings etwas mit der Tatsache beißt, dass auch in der Filmhandlung 14 Jahre vergangen sind und Will Smiths Agent J mittlerweile zum Senior Agent aufgestiegen ist. Dass er sich nach all den Jahren immer noch über seinen knurrigen, bärbeißigen Partner wundert, scheint ebenfalls etwas seltsam. Aber wer Logik sucht, der ist hier eh fehl am Platze. Hier geht es um Spaß, um One-Liner und Will Smiths komisches Talent. Gute Laune vor Tiefsinn, Spaß vor Anspruch. Und das macht der Film dann auch sehr gut. Popcorn-Unterhaltung at it‘s best.

Wer die ersten beiden Teile mochte, der wird auch am dritten Teil sein Gefallen finden, denn er bietet mehr vom selben, aber ohne ein fader Abklatsch zu sein. Die Geschichte wird forterzählt und nicht einfach nur kopiert. Dabei fällt positiv auf, dass man sich auch verkniffen hat, diesen Teil mit noch mehr Action, noch mehr Aliens und noch mehr Schauwerten künstlich aufzuplustern. Im Gegenteil, es wird sich ganz auf die Stärken der Vorgängerfilme besonnen, statt den billigen Weg des noch größeren Spektakels zu suchen.

Dass Tommy Lee Jones wahrlich nicht mehr der Jüngste ist (der Mann ist 65) und ihm dementsprechend nicht mehr die Anstrengungen einer körperlich fordernden Action-Rolle zugemutet werden, wird mit einem eleganten Kniff des Drehbuchs kompensiert. Nach ca. 20 Minuten verschwindet der „alte“ K aus der Handlung und wird dank der Zeitreise-Thematik durch ein jüngeres Ich ersetzt. Dieses wird von dem hochtalentierten Josh Brolin gespielt, der bereits in „No Country For Old Men“ bewiesen hat, dass er zur ersten Garde der Charakter-Darsteller gehört, die zwar immer durch eine starke Präsenz auffallen, aber es (noch?) nicht in die erste Reihe der Stars geschafft haben. Auch in dieser Hinsicht ähnelt Brolin dem jungen Tommy Lee Jones, der ja bereits in jüngeren Jahren eine Reputation als charismatischer Charakterkopf hatte, aber erst mit „Auf der Flucht“, 1993, im Alter von 47 Jahren den Durchbruch in die A-Klasse schaffte. Josh Brolin gibt den jungen K (der übrigens laut Drehbuch 15 Jahre jünger als sein Darsteller ist, was auf charmant-witzige Weise auch thematisiert wird) nicht als 1:1-Kopie der älteren Tommy-Lee-Jones-Charakter, sondern gibt ihm eine ganz eigene Persönlichkeit, die sich harmonisch ins Gesamtbild einpasst.

„MiB III“ ist nicht mit ganz so vielen Aliens wie Teil 2 bevölkert, aber man kann hier durchaus von Klasse statt Masse sprechen. Die Aliens sind so fantasie- und liebevoll gestaltet, dass man ganz vergisst, dass sie zum größten Teil aus dem Computer stammen. Etwas schade ist es, dass aus dem Setting des Jahres 1969 nicht wirklich viel gemacht wird. Die Handlung könnte ebenso gut in jedem beliebigen anderen Jahrzehnt oder auch nur ein paar Tage in der Vergangenheit spielen. Zwar werden einige Scherze über die 1969 noch vorhandene Rassendiskriminierung gemacht (allerdings sehr dezent und ohne wirklichen Biss), und es gibt eine nette Szene in Warhols Factory, aber dies ist recht beliebig und nicht speziell `69. Auch wirkt die Szene, in der J und K auf futuristischen Flugrädern durch die Stadt jagen, etwas übertrieben. Dass die beiden damit nicht auffallen, kann man nun wirklich nicht glauben. Wie man überhaupt sagen muss, dass eigentlich die gesamte Weltbevölkerung des Jahres 1969 hätte „geblitzdingst“ werden müssen, um die Spuren der Men in Black zu verwischen. Hier erfordert der Film schon eine ganze Menge wohlwollende Gutmütigkeit vom Zuschauer. Auch ist leider der große dramatische Paukenschlag im Finale, der den ganzen Film über als tragischer Wendepunkt im Leben Ks aufgebaut wird, am Ende dann doch enttäuschend unspektakulär und vor allem vollkommen unwichtig. Aber egal, diese kleinen Schwächen verzeiht man dieser rasant-witzigen, anspruchslosen, aber nicht dummen Zerstreuung gern. Und man freut sich schon jetzt auf einen weiteren Einsatz der coolen Männer in den schwarzen Anzügen.

Die 3D-Umsetzung im IMAX ist mal wieder technisch makellos und ansprechend. Die dreidimensionalen Effekte werden dabei effizient und zum Teil wahrlich spektakulär eingebaut. Der Besuch der 3D-Fassung lohnt sich also durchaus. Lediglich zu Anfang gibt es einige Minuten, die seltsam unscharf wirken, aber dies kann möglicherweise der Projektion an meinem Besuchstag geschuldet sein.

Rezension: “Dark Shadows”

Von , 23. Mai 2012 15:26

Als der reiche und mächtige Barnabas Collins 1770 das Herz der Hexe Angelique bricht, rächt sie sich fürchterlich an ihm. Erst tötet sie seine große Liebe, dann verwandelt sie ihn in einen Vampir und sorgt dafür, dass er für 200 Jahre lebendig begraben wird.
1972 wird Barnabas durch einen Zufall befreit. Doch die Welt ist eine andere als zu seinen „Lebzeiten“. Hippies, Discomusik und merkwürdige Fahrzeuge verstören den aristokratischen Vampir zutiefst. Auch um seinen Besitz und letzte Nachfahren ist es schlecht bestellt. Barnabas beschließt, das alte Ansehen der Familie wieder herzustellen und muss dabei feststellen, dass seine alte Erzfeindin Angelique ebenfalls noch sehr a(ttra)ktiv ist…

Dark Shadows„, der neue Film von Tim Burton, beruht auf einer amerikanischen TV-Serie, die ursprünglich von 1967 bis 1971 lief. Hierzulande ist sie mangels TV-Ausstrahlung (immerhin schaffte es ein auf der Serie basierender Spielfilm von 1970, unter dem Titel „Das Schloß der Vampire„, nach Deutschland) so gut wie unbekannt. Nur wer sich für amerikanische Pop-Kultur interessiert (oder einige frühe Stephen-King-Romane gelesen hat, wo sie ab und zu erwähnt wurde) hat schon mal von Barnabas Collins und seiner Sippe gehört.

Die von Dan Curtis erfundene TV-Serie „Dark Shadows“ war so eine Art „Dallas mit Vampiren und Geistern“. Ebenso wie sein Lieblingsschauspieler Johnny Depp, gehört auch Tim Burton zu den Fans der Serie. Da lag es auf der Hand, dass sich beide zusammentaten – nun bereits zum achten Mal – und einen Spielfilm basierend auf der geliebten Serie konzipierten (Depp ist nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent). Auch der alten Besetzung der Serie wurde Ehre erwiesen, und sie darf bei der großen Ball-Szene durchs Bild huschen. Schräge Charaktere, eine fantastisch-absurde Geschichte und Referenzen an die Gruselfilme der 60er Jahre. So gesehen der perfekte Stoff für einen Tim-Burton-Film.

Herausgekommen ist aber nicht mehr, wenn auch nicht weniger, als nette Sonntagnachmittag-Unterhaltung. Vom speziellen „Burton-Flair“ keine Spur. Statt handgemachter Effekte platzt der Film nur so vor aufwändiger CGI. Das sieht (meistens) zwar perfekt aus, lässt aber komplett den Charme alter Burton-Filme vermissen. Auch eine seine stärksten Waffen, die skurrilen Nebenfiguren, bleiben blass. Was insbesondere im Falle seiner Ehefrau und Muse, der großartigen Helena Bonham-Carter, wirklich tragisch ist. Aber auch Chloë Grace Moretz, die in „Hugo Cabret“ noch zu begeistern wusste, wirkt hier unsympathisch und überflüssig. Auch mit dem missverstanden Jungen David (ein typischer Tim-Burton-Charakter mit großem Potential zum Alter-Ego des Regisseurs) weiß Burton überhaupt nichts anzufangen.

Merkwürdigerweise kann auch Eva Green als böse Hexe nicht wirklich Präsenz entfalten. Trotz aufreizender Kleidung und der nachgewiesenen Schönheit von Eva Green, bleibt ihre Angelique merkwürdig plastikhaft und unerotisch. Mag es an der deplaziert wirkenden blonden Perücke liegen? Oder an dem diffusen Weichzeichner, mit dem der Film aufgenommen wurde? Letzterer soll vielleicht eine Hommage an die Horrorfilme der frühen 70er (also der Zeit, in der Dark Shadows spielt) darstellen – hat aber auf jeden Fall den netten Nebeneffekt, dass der gealterten Michelle Pfeiffer stark geschmeichelt wird. Allerdings wirken die Figuren dadurch auch konturlos. Überhaupt fehlt dem Film jede Erotik, obwohl es an erotisch gemeinten Szenen keinen Mangel gibt. Am eklatantesten wird dieser Mangel in der „Sex-Kampf-Szene“ zwischen Barnabas und Angelique, die man nur als missglückt bezeichnen kann, da sie verkrampft spaßig und zudem schlecht geschnitten ist.

So bleibt es Johnny Depp überlassen, dem Film Leben einzuhauchen. Und dies tut er mit sichtlich großer Freude. Leider wird „Dark Shadows“ dadurch zu einer reinen „One-Man-Show“, denn neben dem strahlendem Hauptdarsteller bleibt alles andere blass und verschwommen. Allerdings macht es auch großen Spaß, Depp dabei zuzuschauen, wie er mit seiner altertümlichen Sprache und seinen steifen Manieren immer wieder für Irritationen sorgt und trotz aller Mühen so gar nicht ins Jahr 1972 passt. Der groovende 70er-Soundtrack, nebst Gastauftritt von Alice Cooper (“ …ugliest woman I’ve ever seen“), macht Laune. Man kann auch nicht behaupten, dass „Dark Shadows“ vollkommen misslungen wäre. Er plätschert eben harmlos-nett vor sich hin. Das ist für einen Tim-Burton-Film dann aber doch etwas wenig.

Rezension: “The Avengers”

Von , 5. Mai 2012 20:50

Der böse Gott Loki plant zusammen mit einer außerirdischen Macht die Erde zu überfallen und sich zu ihrem Herrscher aufzuschwingen. Zu diesem Zwecke stiehlt er einen mächtigen Energiewürfel, der gleichzeitig als Dimensionsportal fungiert, aus dem Besitz der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. Um den Würfel zurück zu bekommen und die Welt vor Lokis finsteren Plänen zu schützen, ruft S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury mit Iron Man, Thor, Hulk und Captain America die mächtigsten Superhelden der Welt zusammen. Doch aus dem wilden, egozentrischen Haufen ein Team zu machen ist gar nicht so einfach…

The Avengers sind Heavy Metal im besten Sinne des Wortes. Laut, größenwahnsinnig und voller überzogener Macho-Attitüde. Popcorn-Kino in seinem besten Sinne. Nirgendwo lugt eine verborgene Botschaft oder ein patriotischer Auftrag um die Ecke. Auch fehlt das schwermütige „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ eines Spider-Man. Hier heißt es, mit großer Macht kommt großer Spaß. Und dieser Spaß besteht vor allem im Posing der Helden, im Schwanzvergleich und der diebischen Freude möglichst alles kaputt zu hauen. Und wenn man dabei noch kurz die Menschheit retten kann, umso besser.

„The Avengers“ ist ein Film mit großen Jungs für große Jungs. Alles ist eine Nummer größer als sein müsste, alles etwas lauter, alles irgendwie cooler. Nein, ein anspruchsvolles Drehbuch sucht man vergebens. Eigentlich besteht es nur aus zwei gigantischen Schlacht-Szenen und viel komischem Macho-Gehabe dazwischen. Aber das verzeiht man gerne. Denn das Drehbuch mag vielleicht nicht tiefsinnig sein, aber es ist auch nicht dumm. Natürlich dient alles nur dazu, ein paar Superhelden zusammen zu bringen und sie dann den Außerirdischen ordentlich in den Hintern treten zu lassen. Aber im Gegensatz zu anderen Produktionen (z.B. der völlig missglückte „Battleship„) nimmt sich der Film zu keiner Sekunde ernst. Was er allerdings ernst nimmt – und darin liegt seine Qualität – sind seine Charaktere. Diese werden mit Respekt behandelt und gewinnen dadurch eine Dimension, an der es vielen Comic-Verfilmungen mangelt: Menschlichkeit und Sympathie.

Man kann es durchaus schon eine Kunst nennen, in einem Film, der so viele Helden präsentiert, allen ein eigenständiges Profil zu verleihen. So kann man am Ende nicht sagen, dass einer der  Superheld mehr Aufmerksamkeit erhalten hätte als der andere. Natürlich ist, der wie immer großartig arrogant aufspielende, Downey Jr. der Star. Ja, Thor taucht erst nach der Hälfte des Filmes auf. Einverstanden, Captain America wirkt wie ein Milchbubi inmitten echter Kerle (was diese ihn auch immer wieder spüren lassen) und der Hulk darf erst am Ende auf den Putz hauen (und stiehlt dabei prompt den anderen die Show). Aber letztendlich könnte wirklich jeder der vier Helden die Besetzungsliste anführen.

Auch die Nebendarsteller werden so liebevoll gezeichnet, dass sie nach dem Film noch lange weiter im Gedächtnis bleiben. Dies gilt vor allem für Clark Gregg als Agent Phil Coulson und natürlich, den hier leider etwas vernachlässigten, Jeremy Renner als Hawkeye. Von ihm hätte man gerne mehr gesehen, aber das Drehbuch lässt ihn leider lange Zeit nur als Handlanger des Schurken Loki agieren. Trotzdem schafft es Renner mit seiner limitierten Spielzeit ein großes Ausrufezeichen zu setzen und sich mal wieder als Action-Held kommender Filme zu empfehlen. Im Finale darf er dann gleichberechtigt mit Iron Man & Co. zeigen, was in ihm steckt. Vor diesem Hintergrund ist es spannend, ob der im September bei uns anlaufende vierte Teil der Bourne-Serie (Das Bourne Vermächtnis) ihm endgültig den großen Durchbruch bringen wird, den er spätestens seit „The Hurt Locker“ verdient hätte. Von einem Durchbruch kann man auch bei dem weitgehend unbekannten Tom Hiddleston als Schurke Loki sprechen. Wirkt dieser aufgrund seiner eher schmächtigen Gestalt und dem schmalen Gesicht zunächst eher blass, so weiß er sich doch durch bösen Charme, ätzender Ironie und einem wahnsinnigen Grinsen zu einem würdigen Gegner der „Avengers“ hoch zu spielen.

Über die übrigen Protagonisten muss man nicht viele Worte verlieren. Ihnen allen sieht man an, dass sie mit viel Spaß bei der Sache sind. Das hat dann schon etwas von einem Kindergeburtstag mit verkleiden. Und während Chris Hemsworth als Thor dem weiblichen Publikum glänzende Augen verleiht, erfüllt Scarlett Johansson die gleiche Aufgabe effektiv für das männliche Publikum effektiv. Das enge Lederkostüm, das ihre Kurven vorne und hinten betont, lenkt dann auch ganz hervorragend von ihren limitierten Schauspielkünsten ab.

Regisseur Joss Wheadon war genau der Richtige für diesen Job. Mit seinen Serien „Firefly“, „Buffy“ oder „Angel“ hat er schon einmal mit viel Elan angestaubten Genres aufgefrischt und auch später dabei geholfen seine Serien für Comics zu adaptieren. Zudem schreibt er nebenbei auch für einige Comic-Serien, u.a. die ebenfalls aus dem Hause Marvel stammenden X-Men. Und diese Freude und Verständnis für Comics merkt man den „Avengers“ dann auch zu jeder Sekunde an, was sich auf das Publikum überträgt. Bei der „Avengers“-Vorstellung im Cinemaxx kam fast so etwas wie Festival-Stimmung auf. Spätestens beim Abspann gab es vom dankbaren Publikum laute Bravo-Rufe und Standing Ovations. Es wäre interessant, ob der Film auch im Heimkino die gleiche Kraft entwickeln wird. Denn gerade bei den Avengers lohnt es sich, den Film im IMAX und in der 3D-Fassung (die zwar nachträglich erstellt wurde, was aber nicht unangenehm auffällt) zu erleben. Zusammen mit dem bombastischen Sound und einem johlenden Publikum ist das dann nämlich die Party des Jahres.

Rezension: „Battleship“

Von , 14. April 2012 22:43

Der junge Alex Hopper hat sein Leben nicht so richtig im Griff und macht ständig Blödsinn. Da nimmt ihn sein strenger Bruder unter die Fittiche und nimmt ihn mit zur Navy, wo aus ihm ein richtiger Mann gemacht werden soll. Dort eckt der heißblütige Junge aber auch überall an (macht aber trotzdem eine Blitz-Karriere) und steht gerade kurz vorm Rauswurf, als er mit seinem Bruder ins Manöver zieht. Wie das immer so ist, greifen just in diesem Moment Aliens die Erde an und installieren über dem Pazifik nahe Pearl Habor ein gewaltiges, undurchdringliches Schutzschild. Nur ein paar Schiffe sind innerhalb des Schildes verbleiben und versuchen die Invasion aufzuhalten. Dabei werden einige Schiffe versenkt und Alex plötzlich zum Kapitän eines Zerstörers befördert. Jetzt lernt er im Crash-Kurs, wie sich ein echter Soldat zu verhalten hat.

Wenn man schon auf den abstrusen Gedanken kommt, „Schiffe versenken“ zu verfilmen, dann sollte man doch bitte schön auch den Mut haben, einen adäquat abstrusen Film zu drehen. Leider haben die Macher von „Battleship“ diesen Mut nicht und flüchten sich stattdessen in eine so abgenudelte, risikofreie Geschichte, dass man den Verdacht hegen muss, das Drehbuch wäre von einer Software generiert wurde. Kein Funken Ironie, nur hohler Pathos und ein Loblied auf die Navy und „ die amerikanische Werte“ durchwehen diesen Film. Am Ende wartet man nur noch darauf, dass eine Adresse eingeblendet wird, wo man sich für die Aufnahme in die Navy bewerben kann.

Dabei hat die doofe Idee doch durchaus Potential für einen herrlich bescheuerten und dabei schwer unterhaltsamen Film. Gegen Ende gibt es dann tatsächlich diese eine, wirklich charmante Szene. Diese zeigt leider deutlich, was „Battleship“ hätte sein können, aber eben nicht ist. In dieser Sequenz versuchen die Überlebenden Navy-Angehörigen, in einem letzten Versuch der Alien-Invasion Einhalt zu gebieten, das alte Schlachtschiff „U.S.S. Missouri“ wieder flott zu machen. Dieses dient seit Ende des 2. Weltkrieges als Museumschiff. Ratlos steht die Handvoll Soldaten auf dem Deck des Schlachtschiffes und fragt sich, wie sie das Schiff steuern sollen, da die Steuerung „nur analog, nicht digital“ ist. Davon versteht heutzutage natürlich keiner mehr was (die Frage, wie 5-6 Leute ein 270 Meter langes Schlachtschiff mit normal zwischen 1.500 und 2.300 Mann Besatzung überhaupt bedienen sollen, stellt natürlich niemand). Da erscheinen wie aus dem Nichts Veteranen des 2. Weltkrieges und des Koreakrieges. Alte Käuze in verwitterten Uniformen. In Zeitlupe schreitet diese skurrile Truppe auf die Jungen zu und zeigt den Jungspunden dann erst einmal, was so ein richtiger Seemann ist. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, knallt dazu noch über die beeindruckenden IMAX-Lautsprecher mit tosendem Gebrüll AC/DCs „Thunderstruck“. Das ist dann so over the top, dass es richtig Spaß macht. Leider entschädigen diese 10 Minuten Spaß nicht für die langweilig vorhersehbaren und pathetischen Momente vorher und im kitschigen, überraschungsfreien Finale.

Auch die computergenerierten Effekte wissen nicht recht zu überzeugen. Ja, sie sehen – wie heutzutage immer – perfekt aus. Aber irgendwie fehlt ihnen das Gewicht, um real zu wirken. Hauptdarsteller Taylor Kitsch müht sich redlich und wirkt hier auch nicht so schrecklich angestrengt wie in „John Carter“, wo er einen deutlich älteren Charakter verkörpern musste. Hier ist er altersgerecht als 24jähriger Twen besetzt, wobei die Rolle eigentlich etwas älter hätte angelegt werden müssen (ursprünglich sollte Jeremy Renner den Alex Hopper spielen, stieg aber kurz von den Dreharbeiten aus), da es recht unwahrscheinlich ist, dass ein junger Kadet so schnell Karriere macht. Alle anderen stehen in der Gegend rum (bewegt sich Liam Neeson irgendwann einmal?) oder übertreiben maßlos (Hamish Linklater). Einzig der Darsteller des beinamputierten Ex-Soldaten (dessen Namen ich leider nirgendwo finden kann) weiß, schon aufgrund seines markanten Gesichts, einigermaßen zu überzeugen. Über Rihanna kann man bei ihrem Spielfilmdebüt zumindest vermelden, dass sie nicht groß stört. Aber welche Funktion ihre Figur jetzt eigentlich ausübt, kann auch nicht ohne weiteres beantwortet werden.

Am schlimmsten ist aber, dass man den Aliens gar keinen Charakter oder zumindest eine Motivation zugesteht. Sie sind einfach da, schießen mal auf die Menschen, dann mal wieder nicht. Ihre Aktivität und Passivität wechselt genauso beliebig, wie es das Drehbuch gerade gebrauchen kann. Da hilft auch die schöne Idee nichts mehr, überdimensionale Yo-Yos zur Hauptwaffe der Aliens zu machen. Daraus macht der Film auch nichts weiter. Alles in allem also ein langweilig-mutloser Navy-Rekrutierungsfilm, dem jeder potentielle Spaß ausgetrieben wurde.

Rezension: „Zorn der Titanen“

Von , 30. März 2012 19:34

„Alles fliegt Dir um die Ohren“ war der Titel eines späten Italo-Westerns von 1981, der – in 3D gedreht – ein großer Erfolg in den USA war und dort eine kleine 3D-Renaissance auslöste. Sein Trick dabei: Ständig wurden irgendwelche Sachen Richtung Kamera geworfen, geschossen oder gespuckt. Pures Rummelplatz-Kino also.

„Alles fliegt Dir um die Ohren“ beschreibt auch sehr schön den neuen Film „Zorn der Titanen“.  Während der erste Teil „Kampf der Titanen“ (das Remake des alten Ray-Harryhausen-Stop-Motion-Klassikers „Clash of the Titans“) noch aufgrund miserabler, nachträglicher 3D-Konvertierung fast der frühe Sargnagel des neuen 3D-Booms war, scheinen die Macher der Fortsetzung nun aus ihren früheren Fehlern gelernt zu haben. „Zorn der Titanen“ wurde von vornherein in 3D gedreht und vor allem auch konzipiert. Ich hatte mich ja schon bei „John Carter“ gefragt, warum man den 3D-Effekt nicht nachhaltig einsetzt, wenn man schon in 3D dreht. Hier wird er eingesetzt… und wie! Ständig fliegen Gesteinsbrocken oder Feuerbälle auf den Zuschauer zu. Die Pranken der Monster scheinen aus dem Bild zu greifen oder Harpien direkt in den Zuschauerraum zu krachen. Ganz nach den Motto: Wenn schon 3D, dann aber richtig. Sogar die ältesten 3D-Tricks aus den 50er Jahren werden recycelt, wenn einmal die Speere aus der Leinwand ragen. War die 3D-Technik in „Hugo Cabret“ sorgfältig, kunstvoll und ganz im Dienste einer wundervollen Geschichte eingesetzt, sind sie hier die einzige Attraktion des Filmes. Wie oben beschrieben: Rummelplatz-Kino im besten Sinne des Wortes. Die Handlung bleibt dabei zweitrangig.

Perseus hat sich als Fischer in einem kleinen Dorf aus dem Heldengeschäft zurückgezogen. Als sich allerdings sein Onkel Hades und sein Halbbruder Ares zusammentun, um gegen den Willen von Göttervater Zeus und Onkel Poseidon, den Ur-Gott Kronos aus seinem Gefängnis befreien wollen, sieht sich Perseus gezwungen sein altes Schwert auszugraben und wieder in den Kampf zu ziehen. Als Subtext geht es – wir sind in einem US-Film – darum, dass Väter ihre Söhne nicht verstehen und andersherum. Erst wenn Väter ihre Söhne akzeptieren und die Söhne nicht mehr aufbegehren, wird alles gut.

Die Götter werden fast durch die Bank weg von gestandenen britischen Schauspielern gespielt. Wobei Liam Neeson als Zeus und Ralph Finnes als Hades ihren Stiefel ohne große Anstrengungen runter spielen. Einzig der nicht zu erkennende Bill Nighy als Hephistos gibt ordentlich Dampf. Dem Helden leiht, wie schon im ersten Teil, Sam Worthington (Avatar, Terminator: Salvation) seine muskulöse Figur. Hier noch einmal der Vergleich zu „John Carter“. Während Taylor Kitsch dort ziemlich pathetisch und humorfrei auftrat, zeigt Worthington erfrischende Anflüge von Selbstironie. Und da er ab der Hälfte des Filmes quasi die Halbgötter-Version des schwitzenden Bruce Willis im blutigen Unterhemd gibt, wirkt er auch realer und sympathischer als der Mars-Soldat.

Überhaupt ist „Zorn der Titanen“ nicht übertrieben ernsthaft, sondern macht nie einen Hehl daraus, was er ist: Großes Kasperle-Theater für große Jungs. Und dies auf so unterhaltsame Weise, dass seine  99 Minuten wie im Fluge vergehen.  Ich mag mir aber nicht ausmalen, wie der Film wohl ohne 3D auf dem heimischen Bildschirm wirkt. Nein, dieser Film ist nun wirklich nur für 3D und die große Leinwand gemacht.  Dabei fällt auch positiv auf, dass das Bild nicht – wie bei „John Carter“ – so übertrieben scharf und damit lebloser und flacher wirkt, sondern weitaus filmischer und damit auch lebendiger. Der bewusst bombastische Soundtrack und die zahlreichen, die 3D Effekte unterstützenden – Soundeffekte kommen auf der Bremer IMAX-Anlage sehr druckvoll rüber.

Wer also auf Spektakel  und technisch anspruchsvollen Trash steht, der sollte sich jetzt auf den Weg ins Kino machen und nicht warten bis der Film für das Heimkino erhältlich ist.

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