Nachrichten getagged: Christian Keßler

Filmbuch-Rezension: Christian Keßler “Das versteckte Kino“

Von , 19. Dezember 2016 13:26

verstecktekinoEr hat es wieder getan. Nachdem er seinen Leser zweimal in kurzer Folge „Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“ geliefert hat, hat Christian Keßler nun „Das versteckte Kino“ ins grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geholt. Der Aufbau des Buches gleicht seinen beiden Vorgängern, der Ton ist aber ein anderer. Während in „Wurmparade auf dem Zombiehof“ und „Der Schmelzmann in der Knochenmühle“ viel Liebe über die Filme aus dem unteren Videothekenregal ausgeschüttet wurde, ist es hier vor allem Respekt, der bei den Vorstellungen der Film überwiegt. Und während bei „Wurmparade“ und „Schmelzmann“ eigentlich klar ist, warum die dort vorgestellten Filme keinen Platz in der „normalen“ Filmgeschichte gefunden haben, so ist es bei den Filmen, über die Christian Keßler in „Das versteckte Kino“ schreibt, doch höchst verwunderlich, dass das Gros bis heute nicht im goldenen Rahmen in der Hall of Fame der Cinephilie hängen.

Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Filme wie „Heathers“, „Die Frau mit der 45er Magnum“ oder „Johnny zieht in den Krieg“ dürften jedem Filmfreund, der etwas weiter über den Tellerrand schaut, durchaus geläufig sein. Hier nimmt sich Christian Keßler einfach das Recht des Hausherren heraus, auch über Filme zu schreiben, auf die die selbstgewählte Kategorie „verstecktes Kino“ nicht zu 100% zutrifft. Der Großteil der Filme sind allerdings wirklich weit weniger bekannt. Manche erzeugen irgendwo weit hinten in der Erinnerung einen Wiederhall, wie „Die Chorknaben“, „Joe“ oder „Wo is‘ Papa?“. Andere sind ganz aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden wie „Marjoe“, „The Groove Tube“ oder „Alabama’s Ghost“.

Hier darf man Christian Keßler sehr dankbar dafür sein, dass er sie aus dem dunklen-feuchten Schatten der Filmgeschichte an die Sonne zerrt. Oder man verflucht ihn, weil es mitunter recht schwer ist, einer (legalen) Kopie dieser Werke Herr zu werden, um sich in den heimischen vier Wänden selbst von ihren Vorzügen zu überzeugen. Was bei diesem Buch verwundert ist ein neuer Ton bei Christian Keßler. Wurde es in den vorherigen Veröffentlichungen peinlichst vermieden, Filme zu erwähnen, die der Autor nicht mag, so nimmt er hier kein Blatt vor den Mund. Etwas, was insbesondere „The Breakfast Club“ zu spüren bekommt. Ferner haben sich zwei kleine, wenn auch belanglose Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen, auf die ich hier aber nicht eingehen will, da sie für den Kontext vollkommen unwichtig sind. Ich erwähne es hier auch nur, weil sie mich in dem Moment doch sehr irritiert haben.

Aber das soll nicht davon ablenken, dass Christian Keßler mit „Das versteckte Kino“ ein großer Wurf gelungen ist. Das Buch macht einen noch reiferen Eindruck als die – ebenfalls sehr empfehlenswerten – „Trashfilm“-Bücher. Der unverwechselbare Keßler-Groove ist hier etwas zurückhaltender und der Ernsthaftigkeit vieler der hier vorgestellten Filme angemessen. Aber trotzdem spürt man in jeder Zeile, dass ihm dieses Buch eine Herzensangelegenheit ist und wie sehr es ihn wurmt, dass die hier besprochen Filme bisher nicht den ihnen eigentlich zustehen Platz in der Filmgeschichte einnehmen konnten. Warum auch immer. Umso wichtiger ist diese wundervolle Missionarstätigkeit der Liebe.

Christian Keßler “Das versteckte Kino – Die besten Filme,von denen Sie niemals gehört haben!, Martin Schmitz Verlag, 336 Seiten, € 18,80

Filmbuch-Rezension: Christian Keßler “Der Schmelzmann in der Leichenmühle – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“

Von , 30. Dezember 2015 18:06

schmelzmannRecht schnell hat Christian Keßler seinem erst vor einem Jahr erscheinen Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof“ eine Fortsetzung folgen lassen. Das neue Werk trägt den Titel „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ und bietet dem geneigten Leser wiederum „40 Gründe, den Trashfilm zu lieben“. Dies stellt den Rezensenten vor ein kleines, wenn auch angenehmes Problem. Zum neuen Buch kann man im Grunde nur das wiederholen, was man schon zum ersten Band schrieb. Christian Keßler knüpft nahtlos an den zur Recht erfolgreichen Vorgänger an. Wieder hat er den Schlüssel zu einer ganz wunderbaren Filmwelt in der Tasche. Wieder sind seine Präsentationen manchmal schier unfassbarer Wunderwerke frei von dem galligen Zynismus, mit dem so mancher „Filmexperte“ über den sogenannten Trashfilm herziehen.

Wobei allein ja schon in der Formulierung „Trashfilm“ eine spöttische und herabwürdigende Distanz zu den vorgestellten Filmen steckt. Nicht so bei Keßler, aus denen Zeilen eine aufrichtige Liebe für das Nicht-perfekte, das Buckelige und den riesigen Enthusiasmus der Filmemacher spricht. Dass das Wort „Trash“ trotzdem im Titel auftaucht, hat nur etwas mit einer besseren Vermarktung zu tun. Keßler selber distanziert sich ganz klar davon. Aber wenn es dem Propheten nutzt, mit diesem hässlichen Wort seine Botschaft der Filmliebe unter ein ansonsten vielleicht ignorantes Volk zu streuen – dann bitte.

Liest man die Texte, fühlt man sich gleich gleich wieder in eine andere, vielleicht sogar besser, Welt versetzt. Wem es nicht hinter den Augen juckt, jetzt unbedingt und gleich „Deafula“, den einizgen Vampirfilme von und für Taubstumme, sehen zu wollen, bei dem ist wahrscheinlich sowieso Hopfen und Malz verloren. Der soll ruhig weiter „Transformers“-Materialschlachten ansehen und bei „Sharknado 3“ so richtig volle Kanne ablachen. Alle anderen werden aber vom Zauber einer „Lady Terminator“ oder dem Charme der „2000 Maniacs“ gefangen werden.

Mich freut diesmal besonders, dass sich Keßler auch einiger Lieblingsfilme von mir angenommen hat, die ich bereits im Rahmen unserer Bremer Filmreihe „Weird Xperience“ auf der großen Leinwand zeigen durfte. So den gottgleichen „Die Satansweiber von Titfield“ und dem einzigartigen „Das Stundenhotel von St. Pauli“, das ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Aber auch andere, völlig zu unrecht kaum bekannte Filme, werden von Keßler ans Tageslicht gebracht. Wie der schier unglaubliche „Thundercrack!“ und der einfach unfassbare „Terrorgang“. So könnte es jetzt noch seitenweise weitergehen, doch es soll auch nicht unterschlagen werden, dass Christian Keßler in diesem Buch – stärker noch als im Vorgänger – um die Filme kleine Geschichten baut, die einiges über seine Sicht auf die Welt und die Missstände in denen wir leben müssen erzählt. Die Welt ist nicht immer schön und gerecht, auch diese traurige Erkenntnis schmuggelt Keßler in sein Buch. Dass er dabei aber trotzdemimmer einen positiven Grundton beibehält und nie aufsteckt, das verbindet ihn mit vielen der Filmemacher, deren Filme er uns hier ans Herz legt.

Kurzum, wer „Wurmparade auf dem Zombiehof“ verschlungen hat und Christian Keßlers legendären Artikel in der leider eingestellten „Splatting Image“ vermisst, der sollte jetzt sofort und ohne schuldhaftes Zögern den „Schmelzmann“ bestellen. Wer beides nicht kennt, sollte sich zumindest einmal im Leben auf eine wilde und exotische Reise durch die Welt der obskuren Filme einlassen. Vielleicht wird er ja angefixt und schaut dann, wie man an „Incubus“, diesen auf Esperanto gedrehten Film mit William „Cpatain Kirk“ Shatner, heran kommt. Das würde ich mir jedenfalls wünschen. Ebenso, wie einen Auftritt Keßlers in seiner Heimatstadt Bremen. Weihnachten ist ja gerade vorbei, vielleicht klappt es da noch mit den Wünschen.

Christian Keßler “Der Schmelzmann in der Leichenmühle – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“, Martin Schmitz Verlag, 300 Seiten, € 18,80

Zwei Veranstaltungshinweise für Freunde des „Unterschlagenen Films“

Von , 26. November 2014 20:45

Wer sich für die merkwürdigen Gewässer jenseits der bekannten cineastischen Handelsrouten interessiert, der kann in dieser Woche froh sein, in Bremen zu wohnen. denn für die Freunde des Abseitigen, stehen gleich zwei Veranstaltungen auf dem Programm.

Am Donnerstag, den 27.November heißt es im Kommunalkino City 46 wieder „Willkommen bei Weird Xperience“. In dieser Reihe – dich ich selber mit betreue – wird diesmal David Cronenbergs seltsamer Klassiker „Videodrome“ gezeigt. Da dieses Werk nie in deutschen Kinos lief, greifen wir hier auf eine digitale HD-Projektion zurück. Gezeigt wird der Film in Originalfassung und im Unrated-Director’s Cut.

YouTube Preview Image

Mehr Infos gibt es unter http://weird-xperience.de

Am Freitag, den 28. November stellt Christian Keßler um 21:00 uhr im Lagerhaus sein neues Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“ vor. Versprochen ist keine einfache Lesung, sondern quasi eine Multimedia-Show mit zahlreichen Filmausschnitten. Meine buch-Rezension findet ihr hier. Mehr zur Veranstaltung findet man unter http://www.kulturzentrum-lagerhaus.de

Update 27.11.: Heute auch in der taz.

Cover_Trash

Filmbuch-Rezension: Christian Keßler “Wurmparade auf dem Zombiehof – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“

Von , 25. November 2014 19:39

Cover_TrashChristian Keßler dürfte jedem, der sich für das europäische Exploitation-Kino interessiert, ein Begriff sein. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass er mit seinen enthusiastischen und humorvollen Artikeln in der legendären „Splatting Image“ viele Leser erst dazu gebracht hat, sich mit diesem Sujet zu beschäftigen. So hat er geholfen die Saat für die zahlreichen Blogs und Foren zu legen, in denen sich heute lebhaft über den italienischen oder spanischen Genrefilm der 60er und 70er Jahre ausgetauscht wird.

Ich erinnere mich noch sehr genau an meine erste Begegnung mit einem Christian-Keßler-Text. Es war in der „Splatting Image“ Nummer 29, und es ging um italienische Polizeifilme. Für jemanden wie mich, der mit Filmbüchern von Georg Seesslen und Joe Hembus aufgewachsen war, ist der lockere Plauderton und die zahlreichen Wortspiele zunächst sehr befremdlich gewesen. Nein, ich konnte damit nichts anfangen und fand es erst einmal albern, so „unernst“ über Film zu schreiben. Doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase schlug mich der „Keßler-Slang“ immer mehr in seinen Bann. Bald schon waren seine Artikel immer das Erste, was ich aufschlug, wenn mir die nächste „Splatting Image“ ins Haus flatterte. Man spürte in seinen Texten nur nicht ein Lächeln und eine tiefe Liebe zu seinen Themen, sondern auch eine ungeheure Lust am Spiel mit der Sprache, welches stark an Max Goldt erinnert. Und an der Verschleierung ernster Themen durch einen nur scheinbar harmlos-lustigen Satz.

Gerade Letzteres kennzeichnet auch sein nun im Martin-Schmitz-Verlag erschienenes Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“. Wie viele der nur scheinbar simplen, und auf vordergründiges Spektakel gebürsteten „Trash“-Filme, die er hier vorstellt, schmuggelt Christian Keßler durchaus ernste Themen, die ihm ans Herz legen,mit seinen humorvollen Texten ins Unterbewusstsein seiner Leser. So entpuppt sich manch lockere dahin geworfene Pointe beim näheren Hinsehen, als durchaus manchmal bitterer Kommentar auf die Missstände des Lebens. Aber hier liegt natürlich nicht der Schwerpunkt des Buches. Tatsächlich steht der Spaß und die Freude am sogenannten „Trashfilm“ im Vordergrund. Alles andere liest wahrscheinlich nur diejenigen zwischen den Zeilen, die Christian Keßlers pointierten Einträge auf seinem Facebook-Profil kennen, wo auch manchmal unter der Maske des Hofnarren eine unbequeme Wahrheit ausspricht.

Ein Wort zum Begriff „Trashfilm“, den Christian Keßler selber nicht mag, wie er in der Einleitung schreibt. Einen Film als Müll zu bezeichnen, hätte etwas abwertendes, nichtssagendes, was den in seinem Buch vorgestellten Filmen nicht gerecht wird. Man solle doch bitte mit ihnen Lachen und nicht über sie. Mich selber erinnert eben dieses immer an den berühmten Vergleich mit dem Baby, das laufen lernt. Dieser wird zwar in erster Linie immer herangezogen, wenn es um Motivation geht, aber ich finde, er kann auch hier angebracht werden. Wenn ein Baby sich bemüht zu laufen, es dies aber noch nicht kann und darum ständig auf den Hintern plumpst, lacht man es ja auch nicht aus, weil es zu blöde für so eine einfache Sache wie laufen ist, sondern man muntert es auf, lobt die Anstrengungen, und wenn man lacht, dann weil es so niedlich aussieht, wie es immer wieder „bums“ macht. So sollte man es auch mit dem „Trashfilm“ halten, auch wenn einige davon – wie „Mosquito, der Schänder“ – ganz bestimmt nicht „niedlich“ sind.

Christian Keßlers Buch ist in 10 Abschnitte unterteilt. 10 exotische Inseln im Zelluloid-Ozean, zu denen uns ein alter Seebär auf seinem Kahn mitnimmt. So zumindest die anfängliche Idee, die dann am Ende des Buches wieder aufgenommen wird. Zunächst geht es zu den „Eisbrechern“. Jenen Filmen, die Sonnenstrahlen ins verknöcherte Herz der Mainstream-Gucker werfen sollen. Hier begegnen uns Hermann Umgar aus „Die Wurmfresser“, die Ratten von Manhattan aus Bruno Matteis „Riffs 3“, die legendären „Mad Foxes“ und der unfassbare „Türkisch Star Wars“. Wer hier schon abwinkt, der kann die Reise auch gleich abbrechen, denn er ist ein hoffnungsloser Fall.

Weiter geht es mit „Klassiker“, wo man dann auch auf Ed Wood stößt, über „Monsterfilme“, „Männerfilme“ (hauptsächlich Söldnerware, aber auch „Django und die lüsternen Mädchen von Porno Hill“), „Frauenfilme“ u.a. mit Doris Wishman und ihrer Entdeckung Chesty Morgan, „Bauernfilme“ (mit dem titelgebenen „Zombiehof“), „Kirchenfilme“, bei denen selbstverständlich auch Wenzel Storch zugegen ist, „Mutantenfilme“ und hin zu – last but not least – „Penisfilme“. Gerne macht sich Christian Keßler ein Spaß daraus, Filme in den jeweiligen Kategorien vorzustellen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas mit dem jeweiligen Abschnitt zu tun haben. Warum zum Beispiel John Waynes ultra-konservativer „The Green Berets“ unter „Mutantenfilme“ zu finden ist, darüber möge sich jeder selber seine Gedanken machen. Schön auch, wie Keßler hier und da alte Freunde mit einem Text bedenkt und deren Filme den verdienten Kontext gibt. Wie „Operation Dance Sensation“ von Thilo Gosejohann oder „Der Glanz dieser Tage“ von Wenzel Storch. Der Hinweis auf seinen Verlags-Kollegen Jörg Buttgereit und dessen Buch „Die Monsterinsel“ fehlt da natürlich auch nicht.

„Wurmparade auf dem Zombiehof“ ähnelt in vielerlei Hinsicht einem stream of consciousness, als einem lange recherchiertem Werk, an dem der Autor Jahre gesessen hat. Christian Keßler besitzt eine umfangreiches Wissen über die Filme, die er hier beschreibt und so wirken die Texte oftmals wie eine launige Plauderei aus dem Stehgreif, die gerne auch mal hier oder dorthin driften kann. Da wird dann auch schon mal ein Gespräch in einer 80er-Jahre Ruhrpott-Videothek simuliert. Das soll aber nicht den Informationsgehalt des Buches schmähen. Trotz des lockeren Tones und den lustigen Scherzen werden dem Leser auch zahlreiche Anekdoten und Informationen über die Filmemacher mitgegeben. Z.B. was mit dem Huhn aus „Pink Flamingos“ geschah, dem das Buch gewidmet ist.

Wer Christian Keßlers bisherige Arbeiten – vor allem für die Splatting Image“ – kennt, dem wird hier einiges bekannt vorkommen, er wird aber auch viel Neues entdecken können. Denn der Ozean ist weit und niemand kann bereits jede Insel angefahren haben. Und Neuland zu betreten, sei hiermit ausdrücklich jedem alten Skipper, und vor allem den vielen neuen Leichtmatrosen da draußen empfohlen.

Wer Christian Keßler gerne einmal persönlich erleben möchte, der hat am Freitag, den 28. November um 21:00 Uhr im Bremer Lagerhaus die Gelegenheit. Ich werde auf jeden Fall da sein und freue mich auch schon auf die Filmausschnitten, welche die Lesung begleiten sollen.

Christian Keßler “Wurmparade auf dem Zombiehof – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben, Martin Schmitz Verlag, 288 Seiten, € 18,80

“Weird Xperience”: Morgen im City 46 – „Nude on the Moon“ mit Gast Christian Keßler

Von , 24. September 2014 16:59

Nude_on_the_moontZum Auftakt des zweiten Halbjahres zeigt Weird Xperience morgen, Donnerstag, den 25. September, um 20:30 Uhr einen ganz besonderen Leckerbissen des Sexploitation-Films: Doris Wishmans zweiten Spielfilm “Nude on the Moon”, der 1961 in die Kinos kam und umgehend im Staate New York verboten wurde. Die kuriose Begründung: Es sei zwar legal, Nacktheit in einem Nudistencamp zu zeigen – Nacktheit in einem Nudistencamp auf dem Mond ginge aber zu weit.

Trotzdem (oder gerade drum) wurde “Nude on the Moon”, der für ein paar Dollar in einem Freizeitpark in Miami gedreht wurde, ein großer Erfolg. Doris Wishman sollte danach noch weitere sechs “Nudisten”-Filme drehen, die so schöne Titel trugen wie “Blaze Starr Goes Nudist”, “Gentleman Prefer Nature Girls” oder “Behind the Nudist Curtain”. Danach avancierte sie mit Werken wie “Bad Girls Go to Hell”, “The Amazing Transplant” und vor allem “Deadly Weapons” (deutscher Titel: “Teuflische Brüste”) und “Double Agent 73″ (beide mit Chesty Morgan) endgültig zur Grand Dame des amerikanischen Sexploitationkinos .

“Nude on the Moon” handelt von den beiden Wissenschaftlern Professor Nichols und Dr. Jeff Huntley, die mit ihrer Rakete zum Mond fliegen, um dort eine erdähnliche Vegetation und Gold zu entdecken. Dummerweise ist der Mond von einer Kolonie telepathisch begabter Nudisten besiedelt, die unsere beiden Helden , umgehend gefangen nehmen und zu ihrer Königen bringen. Werden sie sich die Beiden aus den Klauen der Nudisten befreien können und zur Erde zurückkehren?

“The B-52s”-Sänger Fred Schneider, der auch mit Doris Wishman befreundet war, ist ein riesiger Fan dieses Films und benannte ein “The B-52s”-Best-Of-Doppelalbum nach “Nude on the Moon”.

nude-on-the-moon-2Wir freuen uns sehr, nicht nur dieses bisher nie in Deutschland veröffentliche Juwel des frühen amerikanischen Sexploitation-Films zeigen zu können, sondern gleichzeitig auch einen kompetenten Gast zu präsentieren, der wie kein anderer in Deutschland die Botschaft des “anderen” Films unter ein begeistertes Volk bringt: Christian Keßler. Christian wurde bekannt mit seinen Artikeln zum Exploitationkino, die er der legendären Zeitschrift “Splatting Image” veröffentlichte und mit den zahlreichen Audiokommentare, die er für zahlreiche DVD-Veröffentlichungen eingesprochen hat. Ferner hat er Bücher über den italienischen Genrefilm, den Italo-Western und den amerikanischen Pornofilm der 70er Jahre geschrieben. Im Herbst erscheint sein neustes Buch “Wurmparade auf dem Zombiehof: Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben”, in dem er auch so einiges über “Tante Doris” Wishman zu erzählen hat.

Panorama Theme by Themocracy