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DVD-Rezension: „After Midnight“

Von , 19. Juni 2020 16:57

Nachdem Hank von (Jeremy Gardner) seiner langjährigen Freundin Abby (Brea Grant) verlassen wurde, sucht ihn jeden Abend kurz nach Mitternacht ein Monster heim, welches in den Wäldern um sein abgelegenes Haus herum lebt und versucht in Hanks Heim einzudringen. Natürlich will niemand Hank seine Geschichte glauben, doch Hank hält unerschütterlich daran fest, dass dieses Monster existiert, und das nächtliche Geschehen nicht auf seinen derangierten Zustand nach Abbys Verschwinden zurückzuführen ist…

Horrorfilm? Oder doch Beziehungsdrama? Beides? Ja und doch wieder nicht. Co-Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jeremy Gardner gelingt das Kunststück in „After Midnight“ beides unter einen Hut zu bekommen, ohne dass das eine das andere schwächen würde. Der Monster-Horror ist handfest und gruselig, das langsame Auseinanderleben und die kleinen Dinge, die eine Beziehung über die Jahre scheitern lassen aber auch. Dass das Ding, welches dort draußen immer kurz nach Mitternacht versucht ins Haus zu kommen eine Metapher auf die Angst Hanks ist, sein bisheriges, recht bequemes Leben aufgeben zu müssen und die Furcht vor dem Ende seiner Beziehung zu Abby ist, wird nicht neunmalklug mit dem Finger gezeigt. Das Vieh ist da und macht Angst. Vor allem, da die beiden Regisseure Jeremy Gardner und Christian Stella die „Weiße-Hai“-Lektion gelernt hat und erst einmal nicht zeigt, was da des nächstens Hanks Tür zerkratzt. Gerade in diesen Monsterszenen zeigt sich ihr Geschick eine ungemein packende und herzschlagerhöhende Stimmung zu schaffen.

Doch auch im anderen Erzählstrang wissen Gardner/Stella genau, wie er sie Spannung aufrecht erhält und durch eine raffinierte Rückblendenstruktur zu intensivieren. Wobei es sicherlich hilfreich ist, selber schon mal in einer solchen langjährigen Beziehung gesteckt zu haben, in der man sich bequem eingerichtet hat und den anderen mehr und mehr aus den Augen verloren hat. Hank hat dies zu Beginn des Filmes sogar wortwörtlich, denn seine geliebte Abby ist weg. Scheinbar weiß er nicht wohin sie verschwunden ist. Alles was ihm bleibt ist eine Notiz auf dem Kühlschrank und ihre Mailbox. Auch dem Zuschauer ist nicht klar, was hier vorgeht. Eine erste Rückblende auf das erste Treffen vor 10 Jahren, zufällig an Abbys Geburtstag, könnte einen Hinweis geben. Ob er sie in sein „Texas Chainsaw Massacre“-Haus gelockt habe möchte sie wissen und ob er das mit seinen Ex-Freundinnen auch getan hätte. Die sind noch alle hier grinst er. Und ein Mix-Tape für eine Verflossene lässt Hank ein wenig nervös werden. Wurde die verschwundene Abby als vielleicht Opfer eines Verbrechens? Der derangierte Hank der Gegenwart, welcher in der Nacht angeblich gegen Monster kämpft macht zumindest einen suspekten Eindruck.

Doch weitere Rückblenden zeigen ein verliebtes, ausgelassenes, glückliches Paar. Immer wieder kehren Hanks Gedanken an diese Zeit zurück. Immer wieder erinnert er sich an einen weiteren Geburtstag seiner Abby. Und dem aufmerksamen Zuschauer entgehen die kleinen Hinweise nicht, die Gardner und Stella streuen. Die heile Welt bekommt Risse. Ohne, dass Hank es bemerkt. Während einer weiteren Geburtstagsfeier fragt eine schwangere Freundin, wann Hank und Abby denn endlich heiraten und Kinder bekommen würde, was Hank mit einer lustig gemeinten Bemerkung wegwischt. Subtil fängt die Kamera dabei das Gesicht der krampfhaft lächelnden Abby ein und man spürt, dass genau in diesem Augenblick etwas in ihr zerbricht. So sezieren Gardner und Stella Stück für Stück mit viel Fingerspitzengefühl das schleichende Ende einer Liebe. Kontrapunktiert wird dies in der tristen Gegenwart mit Hanks Jagd nach dem Monster, von dem man nicht weiß ob es wirklich existiert oder doch nur ein Hirngespinst ist. Verdrängte Schuld, weil Hank weiß, dass er ein gutes Stück weit schuld am Tod der Beziehung ist? Gerade diese Ambivalenz macht „After Midnight“ spannend. In wie weit zahlt die Beziehungsgeschichte auf die Horrorstory ein? Wie ist beides verbunden? Ist es überhaupt miteinander verbunden? Was zum Teufel geht hier vor?

Am Ende muss sich Hank stellen. Seiner Abby, seiner eigenen Bequemlichkeit, seinem Leben. Denn Abby hat einst alles für ihn aufgeben. Ist in eine Kleinstadt in der Provinz gezogen, in der sie nie leben wollte. Hat ihre Träume aufgeben. Kultur, Freunde, die große Stadt. Alles für ihre große Liebe Hank. Und was hat er getan? Ist auch er bereit Kompromisse einzugehen? Sich aus seiner Komfortzone zu bewegen, um Abby Luft zum Atmen zu geben? Sich aus der Sicherheit der langweiligen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt hinaus in die Welt bewegen. Oder hält ihn ein inneres Monster zurück? Die Antwort gibt ein Film, der sich Zeit nimmt, seine Schauwerte nicht ausstellen muss, sondern gerade dadurch, dass er sie mehr andeutet als zeigt seine Kraft gewinnt. Hierin ist er den Werken des tollen Gespanns Justin Benson und Allen Moorhead nicht unähnlich, die kürzlich u.a. mit „The Endless“ begeistern konnten und die – Überraschung – hier als Produzenten agieren, wobei Benson sogar auch eine größere Nebenrolle innehat. Selbst die Tagline, die Meteor dem Film in Deutschland verpasst hat „Liebe ist ein Monster“ ist direkt vom „deutschen“ Untertitel von Benson/Moorheads „Spring“ geklaut: „Love is a Monster. Wobei das natürlich Quatsch ist. Nicht die Liebe ist hier das Monster, sondern die Furcht vor dem Verlust derselben und die davor für die Liebe Kompromisse eingehen zu müssen.

Leider stand mir zur Rezension lediglich die Standard-DVD zur Verfügung. Diese kommt „bare bones“ ohne jegliche Extras daher. Zudem mag es vielleicht meinen Blu-ray-verwöhnten Augen zuzuschreiben sein, aber die Bildqualität der DVD konnte mich nicht 100% überzeugen und wirkt ganz leicht pixelig und verschwommen. Der Ton ist absolut in Ordnung, die deutsche Synchro okay. Wobei ich die Originalstimmen der Schauspieler weitaus stimmiger fand.

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