Nachrichten getagged: Avantgarde

Nachbetrachtung: Der Stummfilmabend am 25.6. im Kino 46

Von , 28. Juni 2010 20:07

Eigentlich sollte der folgende Text Teil eines neuen “Filmtagebuch”-Eintrags werden. Zusammen mit einer Review des Films “Shopping Girls”. Aber jetzt ist er so lang geworden, dass ich a) keine Zeit mehr für die “Shopping Girls” habe und b) er es eigentlich wert ist, einen eigenständigen Artikel zu bilden.

Am vergangenen Freitag gab es einen Stummfilmabend im Kino 46. Das Kino war leider nicht voll. Aber das war klar, bei diesen Temperaturen und vor dem Hintergrund, dass gleichzeitig bei der WM Chile gegen Spanien spielte. Trotzdem war die Veranstaltung recht ordentlich besucht, wobei ein Großteil der Zuschauer sicherlich Verwandte und Freunde der vortragenden Musiker waren.

Zunächst gab der Organisator des Abends, Ezzat Nashashibi, eine, wie ich finde, zu kurz geratene Einführung. Was ich schmerzlich vermisste waren Hintergrundinformationen zu dem Unikurs, dessen Abschluss der Abend war (etwas, was ich nur wusste, weil ich mich vorher im Netz informiert hatte), was genau Ziel des Kurses war, eine etwas ausführlichere Vorstellung der Vortragenden und ihrer Rolle, wie es zu der Idee zu dem Event kam. Da die jungen Studenten selber auch etwas mundfaul waren, erfuhr man auch hier nichts weiter über sie selber, ihre musikalischen Wurzeln und weshalb sie überhaupt an diesem Abend auftraten. Auch wäre es sehr schön gewesen, wenn man zumindest erfahren hätte, wieso sie gerade diese Filme vertont haben. War das vorgegeben oder eine persönliche Auswahl? Besonders frustrierend war dies bei dem vorzüglichen Gitarrenduo, welches “The Tramp” begleitete. Hier kam lediglich der lapidare Hinweis, dass die beiden nicht zum Kurs gehörten und durch Zufall dabei waren. Auch hier wäre etwas mehr Information sehr nett gewesen.

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Tipp: Stummfilmabend am Freitag – Live begleitet durch Bremer Musikstudenten

Von , 22. Juni 2010 14:46

Hier eine Veranstaltungsankündigung, die mir sehr am Herzen liegt. Als bekennender Stummfilm-Liebhaber und Freund ungewöhnlicher Experimente, habe ich mir den kommenden Freitag, 25.6., schon fett rot im Kalender markiert.

Dann nämlich, um 20:30 Uhr, werden im Kino 46 kürzere Stummfilme der unterschiedlichsten Color (von Avantgarde bis Slapstick) gezeigt und von Studenten (männlich & weiblich) der Universität Bremen live begleitet und musikalisch interpretiert.

Studentinnen und Studenten der Uni Bremen begleiten kurze Stummfilmklassiker wie Slapstickfilme von und mit Charlie Chaplin, Karl Valentin und Charlie Chase sowie erste moderne Spielfilme, die David W. Griffith um 1910 gedreht hat. Abstrakte Studien von Hans Richter, Walter Ruttmann und Fernand Léger aus den 1920er Jahren runden das vielfältige Programm ab. Die hier präsentierte Zusammenstellung bildet den Abschluss eines Semesterkurses, in dem die Studenten den Einfluss von Musik auf die Rezeption von Bildern erproben sollten. Wie lassen sich Räume, Affekte, Orte, Bewegungen und Charaktere musikalisch darstellen, karikieren oder kommentieren? Wie lässt sich eine von der Filmhandlung unabhängige Ebene erschaffen?

In Kooperation mit der Universität Bremen/Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik.

Quelle: kino46.de

Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf diese Veranstaltung und hoffe, dass sie gut besucht sein wird. Die Leitung des Abends hat Ezzat Nashashibi.

Mein noch unbetiteltes Filmtagebuch: Woche 11/2010

Von , 23. März 2010 16:59

Zur Zeit macht mir die Entwicklung dieses Blogs etwas Sorgen. Wenn ich auf die Zugriffsraten schaue, dann verzeichnet der Blog in letzter Zeit immer weniger Besucher. Das mag “saisonbedingt” sein, es kann an der Auswahl der Themen (die ja zum Teil sehr speziell sind) liegen, am neuen Design oder es ist am Ende purer Zufall.

Wie dem auch sei, es muss etwas passieren.

Darum habe ich mir überlegt, neben den üblichen, trockenen Veranstaltungshinweisen und Neuigkeiten aus dem filmrelevanten Bremer Tagesgeschehen, auch eine wöchentliche Kolumne zu schreiben. Da ich allerdings nicht unter einer exhibitionistischen Schreib -Diarrhöe leide, die mich zwingen könnte hier exzessiv jedes kleinste und intimste Detail meines Privatleben an die Öffentlichkeit zu zerren, wird sich diese Kolumne vor allem auf Erlebnisse bei Kinobesuchen, oder ähnlichen Veranstaltungen, und die Filme, die ich so im Laufe der Woche gesehen habe, beschränken. Also frisch ans Werk.

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Kino 46: Ungewöhnliche Highlights im Dezember

Von , 20. November 2009 15:11

Gestern hatte ich das Dezember-Programm des Kino 46 im Briefkasten und mochte meine Augen nicht trauen, ob der Schätze, die dort im nächsten Monat dargeboten werden. Wer nur Mainstream-Kino mag, der kann jetzt eigentlich gleich aufhören weiter zu lesen. Im Dezember-Programm findet sich vor allem Avantgardistisches und Ungewöhnliches. Wie ich finde, ein echtes Festtagsprogramm… pünktlich zum Fest :)

Also, wer sein filmisches Spektrum einmal erweitern möchte, offen für neue Erfahrungen ist und eine ordentliche Portion Neugier mitbringt, dem seien folgende Filme ans Herz gelegt:

Bilder der Welt und Inschrift des Krieges (2.+5.12.) von Harun Farocki.

“Mit seiner essayistischen Vorgehensweise verknüpft Farocki die Geschichte der Bilder von Auschwitz mit anderen Bildern der Welt, in denen er die Inschrift des Krieges sucht. Dieses Bildmaterial aus verschiedenen Epochen führt zu unerwarteten Vernetzungen, die als freie Assoziationsketten die Gedankengänge des Filmemachers Harun Farocki freilegen. Die visuelle Unstetigkeit des Films ohne erzählerische Struktur wird zu einer Herausforderung für den Zuschauer.”

Satantango (6.12.) von Belá Tarr. Ein 7-stündiges Werk des ungarischen Meisters. Da sollte man schon eine Menge Sitzfleisch mitbringen und am nächsten Tag am Besten frei nehmen. Die Vorstellung beginnt nämlich zwar schon um 18:00 Uhr, aber endet erst um 1:30 in der früh. Um sich zwischendurch den Hintern auszuschütteln gibt es zwischendurch eine Pause.

“Die apokalyptischen Untertöne des Films geben die Frage, ob es für die Menschheit noch Hoffnung gibt, an den Zuschauer weiter. Das siebenstündige Opus basiert auf dem Roman von Làszlo Krasznahorkai, der seine Geschichte in mehreren zeitversetzten Anläufen und aus unterschiedlichen Perspektiven entwickelt. In die Langsamkeit der Ereignislosigkeit bringen plötzliche Zeitsprünge und Szenenwechsel Dynamik. Tarrs Umgang mit Zeit gibt diesem Werk seine unvergleichliche Kraft.”

Wavelength + So Is This (9.12.) von Michael Snow. Beide Filme gehören zu den Klassikern des avantgardistischen, experimentellen Kinos.

“Wavelength« besteht aus einer einzigen langsamen Kamerafahrt durch einen Raum, während es mehrfach Nacht und wieder Tag wird. Restelemente der Realität beleben diesen formalen Akt: Personen erscheinen, das Telefon klingelt, eine Handlung wird »sichtbar«.

(über “So Is This”) Das Filmkonzept ist von einfacher Eleganz: Die Zuschauer lesen Wort für Wort Satzteile, die sich langsam zusammenfügen und die alle auf humorvolle Weise das Medium Sprache und die Idee Film hinterfragen.

Cremaster Cycle Teil 4 & 5 (13.12.) von Matthew Barney. Der “Cremaster Cycle” ist ein 400 minütiges Werk, welches zwischen 1994 und 2002 entstand. Teil 4 entstand als erster Film der Reihe, Teil 5 als dritter. Mehr über den interessanten Herrn Barney kann (sollte) man mal auf Wikipedia nachlesen.

Ob es sich bei dem suggestiv-verstörenden, fünfteiligen 400-Minuten-Werk noch um Film im herkömmlichen Sinne handelt, ist umstritten. Das Publikum reagierte meist mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination. Monströs, sexy, hypnotisch, obskur oder pervers lautet das Urteil. (…). In einer metaphernreichen Mischung aus Pathos und Parodie, Performance und Land-Art, Klangkunst und Hollywoodklischees spannt sein Film einen thematischen Bogen über die geschlechtliche Entwicklung: Zeugen und Gebären, die Ausdifferenzierung der Geschlechter sowie das autobiografische, narzisstische Entwicklungsdrama der Hauptfigur – Matthew Barney selbst.

Themroc (17.-20.12) von Claude Faraldo. Französischer Spielfilm von 1973 mit Michele Piccoli in der Hauptrolle. Ein Mann bricht mit der Welt, mauert die Tür zu seinem Apartment zu, bricht die Wand zur Außenwelt auf und lebt fortan als Höllenmensch, der keine moralischen Hemmungen und gesellschaftlichen Konventionen mehr kennt. Gesprochen wird in diesem Film nicht, die Darsteller verständigen sich durch Grunzen, Schreien und anderen Geräuschen.

Ich freue mich schon tierisch auf die Filme und überlege schon die ganze Zeit, wie ich meiner Kleinen wohl beibringen kann, dass ich den Dezember den größten Teil meiner Freizeit im Kino 46 und nicht Zuhause verbringen werde ;)

Zitate: www.kino46.de

Internet-Tipp: UbuWeb

Von , 15. Mai 2009 13:35

Wieder einmal möchte ich auf eine fantastische Internetseite hinweisen.
Diesmal auf UbuWeb.

Auf UbuWeb findet man Avantgarde- und Experimentalfilme, -literatur und -musik, Poesie und “outlaw arts” in all seinen Formen. Als Texte in .pdf, Musik in MP3 oder Videos als Livestream oder .avi.

Erwartungsgemäß habe ich mich bisher nur in der Sektion “Film & Video” herumgetrieben. Die Auswahl dort ist schlichtweg erschlagend. In dem dortigen Archiv kann man stunden-, ach was sage ich, jahrelang herumstöbern und dabei Arbeiten von Hans Richter, Walter Ruttmann, Man Ray, Dziga Vertov, Walerian Borowczyk, Stan Brakhage und, und, und entdecken.

Eine wahrlich fantastische Möglichkeit, um sich (nicht nur) mit Film als Kunst jenseits der Konventionen zu beschäftigen. Wer offen für neue Seherfahrungen ist, der sollte hier auf jeden Fall einmal vorbeischauen.

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