Nachrichten getagged: Arnold Moss

Blu-ray-Rezension: „Der 27. Tag“

Von , 15. Februar 2018 21:41

Fünf Erdbewohner werden von einem geheimnisvollen Fremden entführt und in seinem Raumschiff ins All gebracht. Der Fremde (Arnold Moss) erklärt ihnen, dass sein Planet in den nächsten 30 Tagen untergehen wird und sein Volk eine neue Heimat braucht, um zu überleben. Die Wahl fiel auf die Erde. Doch ihre ethischen Grundsätze erlauben es ihnen nicht, einfach so die Erde zu annektieren. Der Fremde übergibt dem amerikanischen Journalisten Jonathan Clark (Gene Barry), der jungen Engländerin Eve Wingate (Valerie French), dem deutschen Wissenschaftler Prof. Klaus Bechner (George Voskovec), dem russischen Soldaten Ivan Godofsky (Azenath Janti) und der chinesischen Bäuerin Su Tan (Marie Tsien) Kapseln in die Hand, die eine Waffe enthalten, mit der sich die Menschheit vernichten könnte, ohne dass die Natur in Mitleidenschaft gezogen wird. Sollten die Menschen innerhalb der nächsten 27 Tage die Kapseln nicht benutzt haben, werden sie unbrauchbar und die Außerirdischen müssen Sterben. Doch die Aliens gehen davon aus, dass sich die aggressive und gewalttätige Menschheit innerhalb der Frist selber vernichten wird. Zurück auf der Erde versuchen die fünf Auserwählten das Erlebte zunächst zu verheimlichen. Doch dann nutzen die Außerirdischen die weltweiten Nachrichtensysteme, um der Menschheit nicht nur von der Waffe zu erzählen, sondern auch die Namen ihrer Besitzer preiszugeben. Das weckt Begehrlichkeiten bei den Mächtigen und schürt die Ängste in der Bevölkerung. Die fünf Erdbewohner werden zu Gejagten…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Der 27. Tag“ ist ein preisgünstiges „Der Tag an dem die Erde stillstand“-Rip-Off. Wie jener Klassiker von Robert Wise bemüht auch dieser Film sich um eine pazifistische Botschaft, kommt aber nicht umhin, trotzdem ordentlich auf den Feind im Osten einzudreschen. Das Land hinter dem Eisernen Vorhang wird als kalte Militärdiktatur gezeigt, deren oberste Befehlshaber schon der Geifer aus dem Maul läuft, wenn sie nur daran denken, mittels außerirdischer Technik die Weltherrschaft erlangen zu können. Das sieht dann auf US-amerikanischer Seite ganz anderes aus. Denn hier sind die Anführer der freien Welt besonnen und um Frieden bemüht. Soweit, so stereotyp, so kalter Krieg. Interessant ist da eher die Zeichnung der „Zivilgesellschaft“. Die arme Bäuerin aus dem maoistischen China opfert ihr Leben für den Frieden, der Sowjetsoldat erduldet die schlimmsten Qualen, um die Vernichtungswaffe nicht in die Hände seiner Vorgesetzten fallen zu lassen – und in den USA formt sich ein mordlustiger Mob, als bekannt wird, dass der Journalist Jonathan Clark eine tödliche Waffe besitzt.

Tatsächlich verbirgt sich hinter „Der 27. Tage“ ein recht interessantes Gedankenspiel. Was passiert, wenn man den untereinander verfeindeten Nationen eine überlegene Waffe in die Hand gibt? Werden sie vernünftig handeln und alles tun, damit diese nicht zum Einsatz kommt? Oder im Gegenteil sich sofort wieder in die Schlacht stürzen und sich gegenseitig vernichten? Der mit anderen Worten: Funktioniert die vielfach und immer wieder beschworene Strategie der Abschreckung? Die Antwort, die „Der 27. Tag“ liefert ist ambivalent. Überlässt man dies „den kleinen Leuten“, dann ist alles paletti. Sobald sich aber die Machthaber einmischen, droht der Weltuntergang. Denn diese sind ebenso machtbesessen wie unbelehrbar. Zumindest, wenn sie aus dem Osten kommen. Keine ganz unproblematische Aussage, bedient sie doch wieder einmal die alte – und auch heute noch aktuelle „Wir gegen die da oben“-Attitüde. Klammert man diesen Aspekt und die Kalte-Krieg-Propaganda aber mal aus, ist die Frage, in wie weit der Mensch bereits zivilisiert genug ist, sich nicht ständig die Köpfe einschlagen zu wollen, auch heute noch (oder gerade heute) sehr interessant.

„Der 27. Tag“ kann nicht mit großen Stars oder spektakulären Massenszenen aufwarten. Oftmals verdichtet sich der Film zum Kammerspiel. Es wird in engen Räumen diskutiert, die Anzahl der Außenaufnahmen minimiert. Und wenn, dann finden diese auf einer menschenleeren Rennbahn statt. Trotzdem versteht der Film es, Spannung aufzubauen, und einen fast die plumpe Kalte-Kriegs-Rhetorik vergessen zu machen. Dazu tragen die soliden Schauspieler bei, die gerade in den pefejt besetzten Nebenrollen einiges an Charisma entwickeln. Dass der Deutsche dabei von einem Tschechen und der Russe wiederum von einem Deutschen gespielt wird, fällt da gar nicht ins Gewicht. Der in Tschechien als  Jiří Wachsmann geborene George Voskovec spielt den deutschen Professor Bechner als sympathischen, höchst intelligenten Menschen. Was durchaus verwundert, waren die Deutschen doch nur wenige Jahre zuvor noch die Bösen Nummer 1 und auch in späteren Filmen häufig von dubioser Gesinnung. Vielleicht hatten die Macher des Films (oder der Autor der mir unbekannten Vorlage) ja die zahlreichen deutschen Wissenschaftler im Sinn, die nach dem 2. Weltkrieg trotz Nazi-Vergangenheit in die USA geholt wurden, um am amerikanischen Raketenprogramm zu arbeiten. Eine Figur wie Bechner ist da sicherlich gut für das Image und macht die zweifelhaften Umstände dieses „Anheuerns“ vergessen.

Der gebürtige Berliner Stefan Schnabel spielt seinen Sowjet-General als kaum kaschierte Stalin-Kopie. Beide besitzen auch eine entfernte Ähnlichkeit, auch wenn bei Schnabel der markante Schnurrbart weggelassen wurde. Vielleicht hatte man erkannt, dass vier Jahre nach Stalins Tod, ein allzu deutlicher Verweis nicht mehr ganz zeitgemäß war. Schnabel genießt es sichtlich seinen General möglichst heimtückisch-schmeichlerisch, aggressiv und größenwahnsinnig anzulegen. Dass er sich dabei oftmals weit über den Rand der Karikatur lehnt, fällt nicht weiter ins Gewicht. Denn auch, wenn „der 27. Tag“ vorgibt philosophische Fragen zu erläutern, bleibt er im Grunde doch ein kleiner Unterhaltungsfilm, der seine pazifistische Botschaft mit einem kräftigen Schuss Sowjet-Bashing anreichert. Da pfeift dann der kalte Krieg durch jede Drehbuch-Ritze.

Das interessanteste Mitglied des Schauspieler-Ensembles ist ebenfalls ein Europäer:  Der adelige Österreicher Friedrich Anton Maria Hubertus Bonifacius Graf von Ledebur-Wicheln, der hier unter seinem Schauspielernamen Friedrich von Ledebur geführt wird. Von Ledebur spielt den sanften Philanthropen Dr. Neuhaus. Ein großer und dadurch etwas tapsig wirkender älterer Herr, der langsam und mit schwerem Akzent spricht, und sich am Ende mit einem Lächeln für das Wohl der Menschheit opfert. Sieht man Von Ledebur hier in seinen altmodisch, etwas muffig wirkenden Anzügen, wie er gutmütig um das Wohl Bechners besorgt ist, kann man kaum glauben, dass er im selben Jahr seinen Durchbruch als Schauspieler in der Rolle des Kannibalen Queequeg in John Huston großartigen „Moby Dick“-Verfilmung hatte. Überhaupt lohnt es sich sehr, sich etwas näher mit dem unglaublichen Leben des Herrn von Ledebur zu beschäftigen, der nicht in Amerika Filme drehte, sondern später noch in zwei deutschen Karl-May-Filmen oder dem Italo-Western „Nobody ist der Größte“ sehen war. Ein rastloser Globetrotter, der sich als erfolgreicher Rodeo Reiter,  Minenarbeiter, Schwimmlehrer, Goldgräber, Tiefseefischer, Butler und vieles anderes mehr war. Eine Verfilmung seines aufregenden Lebens wäre wohl ein mindestens so aufregender Stoff wie „Der 27. Tag“.

„Der 27. Tag“ ist ein kleiner, spannender Unterhaltungsfilm, der allerdings seine pazifistische Botschaft mit einem kräftigen Schuss Sowjet-Bashing anreichert. Trotzdem bietet er ein interessantes Gedankenspiel an, was passieren würde, wenn die angeblich so zivilisierte Menschheit plötzlich eine Superwaffe in die Hand bekäme.

Anolis bleibt sich auch mit der neusten Veröffentlichung in der Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ treu. Der hierzulande recht unbekannte B-Film wird in seiner bestmöglichen Form präsentiert. Die Blu-ray (eine inhaltsgleich DVD ist ebenfalls mit dabei) besticht mit einem sehr guten Schwarz-Weiß-Bild, welches nicht übermäßig glatt gefiltert wurde und so einen lebendigen, „echten“ Eindruck macht. Der Mono-Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor, optional auch mit deutschen Untertiteln. Die deutsche Kinosynchronisation ist sehr gut und mit bekannten Stimmen besetzt. Vorzuziehen ist aber die englische Fassung, die sich bemüht, sprachliche Unterschiede der verschiedenen Nationen herauszuarbeiten und generell etwas „voller“ klingt. Der Veröffentlichung liegt ein zwölfseitiges Booklet bei mit vielen schönen Bildern und einem informativen Text von Ingo Strecker. Wie fast schon üblich gibt es auch wieder zwei Audiokommentare. Der erste ebenfalls von Ingo Strecker, der zusammen mit Bodo Traber näher auf den Film eingeht. Der zweite mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, die auch den 50er Jahre Science-Fiction-Film allgemein besprechen. Ansonsten gibt es noch die deutsche Kinofassung mit dem deutschen Vorspann deutschen Textinserts , sowie eine spanische und eine portugiesische Titelsequenz, den amerikanischen und deutschen Kinotrailer, den deutsche Werberatschlag, das US-Pressebuch, drei deutsche Filmprogramme, sowie einer animierten Bildergalerie zum Film.

DVD-Rezension: „Das schwarze Buch“

Von , 20. Dezember 2013 19:59

schwarze buch

Zur Zeit der französischen Revolution. Maximilian Robespierre (Richard Basehart) hat ein Schreckensregime errichtet. Zur Stärkung seiner Position lässt er den berüchtigten „Schlächter von Strassburg“, Duvall, nach Paris beordern. Dieser wird allerdings von dem Patrioten Charles D’Aubigny (Robert Cummings)umgebracht. D’Aubigny schlüpft in die Rolle Duvalls, um Robespierres Pläne auszuspionieren. Da weder Robespierre, noch sein Gehilfe Fouché (Arnold Moss)Duvall je zu Gesicht bekommen haben, geht der Plan auf. Robespierre gibt dem falschen Duvall eine Vollmacht und den Auftrag, koste es, was es wolle, sein geheimes „schwarzes Buch“ wieder zu finden, welches ihm von Unbekannten gestohlen wurde. In diesem Buch befinden sich die Namen aller, die Robespierre des Verrats verdächtig. Fiele dieses Buch in falsche Hände, könnte es zu einem Aufstand gegen Robespierre kommen. Mit der Hilfe seiner ehemaligen Geleibten Madelon (Arlene Dahl), macht sich D’Aubigny auf die Suche.

vlcsnap-00373vlcsnap-00372

Die, im übrigen sehr empfehlenswerte, Reihe „Film noir Collection“ aus dem Hause Koch Media, fasst den Begriff „Film noir“ gerne einmal etwas weiter. So fand sich in dieser Serie bereits Fritz Langs Krimi-Komödie „You and Me“ von 1938 wieder. Mit dieser teilt sich der mittlerweile 13. Beitrag der „Film noir Collection“ dann auch den Hauptdarsteller: Robert Cummings. Das Sujet des Filmes lässt allerdings zunächst einmal überhaupt nicht an einen „Film noir“ denken. „Das schwarze Buch“ (der in den USA sowohl als „The Black Book“, als auch unter dem Namen „Reign of Terror“ lief, während der deutsche Titel „Guillotine“ oder „Der Dämon von Paris“ lautete) ist ein lupenreiner Kostümfilm und spielt während der französischen Revolution. Trotzdem ist es legitim, „Das schwarze Buch“ in die „Film noir“-Serie einzureihen. Nicht nur behandelt Regisseur Anthony Mann die verbrecherischen Revolutionäre wie Gangsterbosse, auch seine Hauptfigur könnte ohne Probleme ein Undercover-Cop im Großstadt-Dschungel der 40er sein. Optisch orientiert sich der Film ebenfalls stark am deutschen Expressionismus der 20er Jahre, der die Grundlage für die Ästhetik des Film noir lieferte. Das Schwarz der Nacht und die Finsternis in den Häusern und Verliesen, scheinen ständig die handelnden Personen zu bedrängen und erinnern an die allgegenwärtige Gefahr, dass sich der Feind langsam aus den Schatten schälen könnte, oder im Dunklen verborgene Pläne geschmiedet werden, um die Handelnden ins Unglück zu stürzen. Das Paris des Filmes ist kein fröhliches, sondern ein ein finsterer Ort, an dem Furcht und Schrecken regieren. Ein Ort, an dem es keine Hoffnung gibt. Und wenn das Böse am Ende durch das Fallbeil hingerichtet wird, scheint auch nicht wieder die Sonne, sondern das Dunkel bleibt und in ihm erhebt schon der nächste Tyrann sein Haupt.

vlcsnap-00380vlcsnap-00379

Selbstverständlich hilft das Spiel mit den Schatten den Filmemachern auch, das niedrige Budget zu kaschieren. Gedreht wurde in den übriggebliebenen Kulissen des epischen „Jean D’Arc“-Films von Victor Fleming mit Ingrid Bergman. Einem Kassenflop, an dem auch „Das schwarze Buch“-Produzent Walter Wanger beteiligt war. Somit liegt der Verdacht nahe, dass „Das schwarze Buch“ vor allen Dingen produziert wurde, um noch schnell die teuren Kulissen zu nutzen. Was Regisseur Anthony Mann und Kameramann John Alton, zusammen mit den Drehbuchautoren Philip Yordan und Aeneas MacKenzie, daraus gemacht haben, ist allerdings ein kleines Meisterwerk. Einen großen Anteil daran hat sicherlich auch das große Mastermind William Cameron Menzies, der hier zwar offiziell nur als Produzent aufgeführt wird, inoffiziell aber auch bei der Art direction die Finger mit im Spiel gehabt haben soll. Menzies war als genialer Ausstatter z.B. bei der 1940er Version von „Der Dieb von Bagdad„, berühmt geworden. Und er kreierte den Look von „Vom Winde verweht„, wo er nicht nur als Produktionsdesigner und Storyboard-Autor tätig war, sondern auch die berühmte „Brand von Atlanta“-Szene inszenierte. Er setzte für Hitchcock die von Dali entworfene Traumsequenz in „Ich kämpfe um dich“ um und war selber als Regisseur bei den beiden stylischen SF-Filmen „Things to come“ und „Invasion vom Mars“ tätig. Kameramann John Alton (eigentlich Johann Altmann und ungarisch-österreichischer Herkunft) dreht einige der einflussreichsten „Noirs“ und prägte den Stil des Genres. Gemeinsam mit Anthony Mann hatte er bereits bei dem ebenfalls optisch und atmosphärisch beeindruckenden „Schritte in der Nacht“ (Rezension hier) zusammengearbeitet. Diese Kollaboration großer Talente machte aus „Das schwarze Buch“ einen der bestaussehenden „Noirs“ der 40er Jahre. Jede Einstellung möchte man sich am Liebsten einrahmen und über das Bett hängen. Die Licht- und Schattenspiele, verkanteten Perspektiven, die kleinen, symbolhaften Details im Hintergrund und ausdrucksstarken, verschwitzen Gesichter im Vordergrund vereinen das Beste miteinander, was Expressionismus und Film noir zu bieten haben.

vlcsnap-00384vlcsnap-00374

Unterstützt werden die intensiven Bilder von einer spannenden und überraschend gut recherchierten Geschichte. So sind die Ereignisse, die zu Robespierres Enthauptung führten, relativ akkurat, wenn auch natürlich in das Korsett der Geschichte geschnürt. Auffällig ist die Brutalität, die gezeigt wird. Von Folteropfern, über blutige Kopfschüsse bis hin zum Zerschmettern des Kiefers Robespierres zeigt der Film weitaus mehr, als man es von einem Post-Hayes-Code-Film erwarten würde. Interessant auch die Ambivalenz des Filmes, der zur Hochphase der McCarthy’schen Hexenjagd auf Kommunisten entstand. So kann man die Geschichte über die Todesliste im schwarzen Buch Robespierres durchaus als kritischen Kommentar auf den berüchtigten Senator McCarthy oder das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ sehen. Andererseits bietet es sich aber auch an, den Film als Warnung vor totalitären Systemen, wie eben dem stalinistischen Regime in der kommunistischen Sowjetunion und dem Kommunismus an sich – die Revolutionäre sind ja „Bürgerliche“, die eine Herrschaft des Volkes errichten wollen – zu verstehen. Neben dieser politischen Analogie, glänzt der Film aber auch mit zwei großen Suspense-Szenen, die direkt aus einem Hitchcock-Film stammen könnten. Einmal, wenn D’Aubigny und Madelon aus dem Gefängnis flüchten und am Gefängnistor von einem tatterigen Greis aufgehalten werden. Während dieser in seinem gewaltigen Bund nicht den richtigen Schlüssel für das Tor findet, wartet direkt vor dem Tor eine ältere Frau, die mit nur einem Wort die Tarnung der Beiden auffliegen lassen könnte. Diese Szene ist genussvoll und nervenzerfetzend in die Länge gezogen, gänzlich ohne Musikbegleitung, nur mit den Geräuschen des Schlüsselbundes unterlegt. In der zweiten Szene legt sich der böse Saint Just in einer Hütte zur Ruhe, ohne zu wissen, dass unter seinem Kissen das von ihm gesuchte schwarze Buch versteckt ist. Die Versuche der Helden, an dieses zu gelangen, sind ebenfalls absolut eines Hitchcocks würdig.

vlcsnap-00400vlcsnap-00402

Bei der Besetzung finden sich keine große Namen. Der bekannteste dürfte Richard Basehart sein, der bereits in Manns „Schritte in der Nacht“ (ebenfalls bei Koch erschienen) den überlegenen Schurken spielt. Hier wirkt er als Maximilian „Don’t call me Max“ Robespierre zwar etwas steif, was allerdings hervorragend zur Rolle passt und nicht weiter ins Gewicht fällt, da Basehart eine unbedingte Autorität ausstrahlt, die eines Robespierre angemessen ist. Robert Cummings hat bereits zweimal bei Hitchcock gespielt, der mit seinem „leading man“ allerdings nicht ganz zufrieden war. Er fand, Cummings habe ein „komisches Gesicht“. Sein Charles D’Aubigny ist kein überragender Charakter und bleibt, wie die meisten Helden, gegenüber den charismatischeren Schurken blass. Trotzdem erledigt Cummings seine Aufgabe routiniert und durchaus überzeugend. Vor allem wird dem Zuschauer Arnold Moss in Erinnerung bleiben, der den durchtriebenen, schlangenhaften und doch irgendwo sympathischen Fouché spielt. Eine Rolle, die an Claude Reins Captain Renault in „Casablanca“ erinnert. Moss ist das dunkle Herz des Filmes, und man ist regelrecht enttäuscht, wenn er scheinbar aus der Handlung verschwindet. So fällt seine nicht gerade logische Wiederauferstehung dann auch gar nicht negativ auf. Während Fochés Abwesenheit zaubern die Drehbuchautoren mit dem teuflischen Saint Just einen neuen Schurken aus dem Hut. Jess Barker steht das diabolisch-verschlagene nicht so sehr ins Gesicht geschrieben wie Arnold Moss, doch er füllt die Rolle des Saint Just mit genug unterschwelliger Boshaftigkeit und Sadismus aus, so dass er einen überzeugenden und Angst einflößenden Bösewicht abgibt. Die schöne Arlene Dale verkörpert eine starke Heldin, die erfreulicherweise die Fäden selbst in der Hand behält und dem Helden auch mal aus der Patsche hilft und nicht andersherum.

vlcsnap-00388vlcsnap-00392

Normalerweise halte ich mich mit einer solchen Superlative zurück, aber in diesem Falle mache ich gerne eine Ausnahme und nenne „Das schwarze Buch“ ein Meisterwerk des „Film noir“. Optisch höchst beeindruckend, mit Bildern für die Ewigkeit. Gleichzeit spannend und vielschichtig erzählt, sowie, insbesondere auf der Seite der Bösen, mit eindrucksvollen Charakteren besetzt. Empfehlung.

vlcsnap-00391vlcsnap-00397

Die, wie üblich in einem buchähnlichen Cover, bei Koch Media erschienene DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild und Ton aus. Zwar weist das Bild hier und dort kleine Schäden und Laufstreifen auf, doch insgesamt ist es sehr scharf und klar. Als Extras findet man nur einen Trailer zum Film und eine Bildgalerie. Entschädigt wird man aber durch ein ausgezeichnet geschriebenes und hoch informatives Booklet von Thomas Willmanns.

Panorama Theme by Themocracy