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Filmbuch-Rezension: „Anthony Mann – Kino der Verwundung“

Von , 11. Januar 2020 11:34

Anthony Mann war einer der ersten Regisseure, dessen Name mir geläufig war und dessen Filme ich immer auf dem Schirm hatte, wenn sie dann mal auf einem der drei deutschen Fernsehsender lief. Was in den frühen 80ern öfter mal der Fall war. Gerade „Meuterei am Schlangenfluss“ habe ich geliebt und gefühlt wurde der auch mindestens zweimal im Jahr gezeigt. Und jedes Mal saß ich dann wieder vor der Glotze und war ganz in den Film hineingezogen. Aber auch die anderen Mann/Stewart-Western habe ich verschlungen. Für mich war Mann damals DER Western-Regisseur, zusammen mit Howard Hawks und seinen John-Wayne-Western. Mit John Ford konnte ich damals noch nicht so viel anfangen. Und dann kamen mir schon bald die Italo-Western unter die Nase und der klassische amerikanische Western wurde in den Hintergrund gedrängt. Doch Anthony Manns Western blieben mir bis heute eine wunderbare Erinnerung, auch wenn ich seine Filme leider schon länger nicht mehr gesehen habe. Aber das wird sich sicherlich bald wieder ändern.

Der Bertz+Fischer-Verlag setzt seine Reihe mit wirklich überragenden Büchern fort, die Regisseure in den Fokus rücken, die seltsamerweise hierzulande noch nicht in dieser in gebührenden Form gewürdigt wurden. War es vor einiger Zeit noch das hervorragende Buch von René Ruppert über Helmut Käutner, welches mich begeisterte, so steht Ines Bayers umfassendes Werk über Anthony Mann diesem in keiner Weise nach. Ines Bayer wählt eine eher ungewöhnliche, aber zwingend logische Herangehensweise. Im ersten Teil des Buches, genannt „The Mann“, geht sie sehr detailliert auf Manns speziellen Stil und die Themen ein, die in Manns Werk immer wieder auftauchen. Auf 65 Seiten werden dieser Stil und die Themen zusammengefasst und mit den entsprechenden Filme verknüpft. Immer wieder weißt Ines Bayer auch darauf hin, dass Mann in erster Linie ein Handwerker im Studio-System war – dass es ihm aber gerade dadurch gelungen ist, relativ unbehelligt immer wieder Dinge, die ihm wichtig waren, in seinen Filmen unterzubringen. Auch unterfüttert sie diese bei Mann immer wieder auftauchenden Themen mit biographischen Details, so dass sich ein rundes und logisches Bild ergibt. Dabei fällt auf, dass Mann selber hier recht häufig in Form von Interviews zu Wort kommt, um über seine Art zu Arbeiten zu sprechen. So hat man oftmals zwei Blickwinkel: Den analytischen von Ines Bayer und den persönlichen von Mann selber.

Im zweiten, mit 200 Seiten deutlich längeren Teil „Die Filme“ wird auf Manns filmisches Werk eingegangen. Dabei wird aber nicht chronologisch ein Film nach dem anderen abgehakt, sondern seine Werke in größere, thematisch zusammenhängende Abschnitte gegliedert. Das beginnt mit einem mir völlig unbekannten Anthony Mann. Nämlich den Regisseur von Komödien und Musicals. Gerade dadurch, dass man Mann damit heute überhaupt nicht in Verbindung bringt, ein hochspannendes Kapitel. Weiter geht es mit den Kriminalfilmen und Film Noirs, dann folgen die Western, die mit 60 Seiten den größten Raum einnehmen. Und die einem mit all ihren verletzten Körpern und Seelen ja auch beim Untertitel des Buches „Kino der Verwundung“ als erstes in den Sinn kommen. Der vierte Abschnitt dieses Teil beschäftigt sich mit Manns Sicht auf Amerika. Hier werden Filme wie „The Glenn Miller Story“ oder „God’s Little Acre“ abgehandelt. Danach folgt ein Abschnitt, in dem jene Filme zu finden sind, die in Europa spielen (und größtenteils auch gedreht wurden) und sich mit der Europäischen Geschichte beschäftigen, wie „El Cid“, „Der Untergang des Römischen Reichs“ oder sein letzter Film, der in Berlin gedrehte Spionage-Thriller „A Dandy in Aspic“.

Statt eines Fazits, nimmt sich Ines Bayer Anthony Manns unheimlich intensiven Kriegsfilm „Men in War“ vor, und klopft diesen auf die im Vorfeld aufgestellten Thesen ab und analysiert ihn als Quintessenz eines Mann-Films. Es folgt noch ein biografischer Abriss, eine Filmografie und ein extrem umfangreiches, neun-seitiges Literaturverzeichnis. Und diesen Fleiß in der Recherche und Analyse merkt man auch. Ines Bayers Buch ist sehr fundiert geschrieben, jederzeit nachvollziehbar, klar strukturiert und präzise in seinen Aussagen. Obwohl eine wissenschaftliche Dissertation ist das Buch zwar anspruchsvoll, aber nicht abgehoben verkompliziert geschrieben. Auch Nicht-Wissenschaftler können es bedenkenlos in die Hand nehmen und sich von Ines Bayer in die Welt des Anthony Mann führen lassen. Vor allem macht das Buch auch neugierig, selber in dessen Kosmos einzutauchen und endlich mal wieder die alten Filme (vielleicht sogar mit neuen Augen) zu sehen. Eine ganz dicke Empfehlung.

Ines Bayer „Anthony Mann – Kino der Verwundung“, Bertz+Fischer, 304 Seiten, € 36,00

DVD-Rezension: „Das schwarze Buch“

Von , 20. Dezember 2013 19:59

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Zur Zeit der französischen Revolution. Maximilian Robespierre (Richard Basehart) hat ein Schreckensregime errichtet. Zur Stärkung seiner Position lässt er den berüchtigten „Schlächter von Strassburg“, Duvall, nach Paris beordern. Dieser wird allerdings von dem Patrioten Charles D’Aubigny (Robert Cummings)umgebracht. D’Aubigny schlüpft in die Rolle Duvalls, um Robespierres Pläne auszuspionieren. Da weder Robespierre, noch sein Gehilfe Fouché (Arnold Moss)Duvall je zu Gesicht bekommen haben, geht der Plan auf. Robespierre gibt dem falschen Duvall eine Vollmacht und den Auftrag, koste es, was es wolle, sein geheimes „schwarzes Buch“ wieder zu finden, welches ihm von Unbekannten gestohlen wurde. In diesem Buch befinden sich die Namen aller, die Robespierre des Verrats verdächtig. Fiele dieses Buch in falsche Hände, könnte es zu einem Aufstand gegen Robespierre kommen. Mit der Hilfe seiner ehemaligen Geleibten Madelon (Arlene Dahl), macht sich D’Aubigny auf die Suche.

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Die, im übrigen sehr empfehlenswerte, Reihe „Film noir Collection“ aus dem Hause Koch Media, fasst den Begriff „Film noir“ gerne einmal etwas weiter. So fand sich in dieser Serie bereits Fritz Langs Krimi-Komödie „You and Me“ von 1938 wieder. Mit dieser teilt sich der mittlerweile 13. Beitrag der „Film noir Collection“ dann auch den Hauptdarsteller: Robert Cummings. Das Sujet des Filmes lässt allerdings zunächst einmal überhaupt nicht an einen „Film noir“ denken. „Das schwarze Buch“ (der in den USA sowohl als „The Black Book“, als auch unter dem Namen „Reign of Terror“ lief, während der deutsche Titel „Guillotine“ oder „Der Dämon von Paris“ lautete) ist ein lupenreiner Kostümfilm und spielt während der französischen Revolution. Trotzdem ist es legitim, „Das schwarze Buch“ in die „Film noir“-Serie einzureihen. Nicht nur behandelt Regisseur Anthony Mann die verbrecherischen Revolutionäre wie Gangsterbosse, auch seine Hauptfigur könnte ohne Probleme ein Undercover-Cop im Großstadt-Dschungel der 40er sein. Optisch orientiert sich der Film ebenfalls stark am deutschen Expressionismus der 20er Jahre, der die Grundlage für die Ästhetik des Film noir lieferte. Das Schwarz der Nacht und die Finsternis in den Häusern und Verliesen, scheinen ständig die handelnden Personen zu bedrängen und erinnern an die allgegenwärtige Gefahr, dass sich der Feind langsam aus den Schatten schälen könnte, oder im Dunklen verborgene Pläne geschmiedet werden, um die Handelnden ins Unglück zu stürzen. Das Paris des Filmes ist kein fröhliches, sondern ein ein finsterer Ort, an dem Furcht und Schrecken regieren. Ein Ort, an dem es keine Hoffnung gibt. Und wenn das Böse am Ende durch das Fallbeil hingerichtet wird, scheint auch nicht wieder die Sonne, sondern das Dunkel bleibt und in ihm erhebt schon der nächste Tyrann sein Haupt.

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Selbstverständlich hilft das Spiel mit den Schatten den Filmemachern auch, das niedrige Budget zu kaschieren. Gedreht wurde in den übriggebliebenen Kulissen des epischen „Jean D’Arc“-Films von Victor Fleming mit Ingrid Bergman. Einem Kassenflop, an dem auch „Das schwarze Buch“-Produzent Walter Wanger beteiligt war. Somit liegt der Verdacht nahe, dass „Das schwarze Buch“ vor allen Dingen produziert wurde, um noch schnell die teuren Kulissen zu nutzen. Was Regisseur Anthony Mann und Kameramann John Alton, zusammen mit den Drehbuchautoren Philip Yordan und Aeneas MacKenzie, daraus gemacht haben, ist allerdings ein kleines Meisterwerk. Einen großen Anteil daran hat sicherlich auch das große Mastermind William Cameron Menzies, der hier zwar offiziell nur als Produzent aufgeführt wird, inoffiziell aber auch bei der Art direction die Finger mit im Spiel gehabt haben soll. Menzies war als genialer Ausstatter z.B. bei der 1940er Version von „Der Dieb von Bagdad„, berühmt geworden. Und er kreierte den Look von „Vom Winde verweht„, wo er nicht nur als Produktionsdesigner und Storyboard-Autor tätig war, sondern auch die berühmte „Brand von Atlanta“-Szene inszenierte. Er setzte für Hitchcock die von Dali entworfene Traumsequenz in „Ich kämpfe um dich“ um und war selber als Regisseur bei den beiden stylischen SF-Filmen „Things to come“ und „Invasion vom Mars“ tätig. Kameramann John Alton (eigentlich Johann Altmann und ungarisch-österreichischer Herkunft) dreht einige der einflussreichsten „Noirs“ und prägte den Stil des Genres. Gemeinsam mit Anthony Mann hatte er bereits bei dem ebenfalls optisch und atmosphärisch beeindruckenden „Schritte in der Nacht“ (Rezension hier) zusammengearbeitet. Diese Kollaboration großer Talente machte aus „Das schwarze Buch“ einen der bestaussehenden „Noirs“ der 40er Jahre. Jede Einstellung möchte man sich am Liebsten einrahmen und über das Bett hängen. Die Licht- und Schattenspiele, verkanteten Perspektiven, die kleinen, symbolhaften Details im Hintergrund und ausdrucksstarken, verschwitzen Gesichter im Vordergrund vereinen das Beste miteinander, was Expressionismus und Film noir zu bieten haben.

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Unterstützt werden die intensiven Bilder von einer spannenden und überraschend gut recherchierten Geschichte. So sind die Ereignisse, die zu Robespierres Enthauptung führten, relativ akkurat, wenn auch natürlich in das Korsett der Geschichte geschnürt. Auffällig ist die Brutalität, die gezeigt wird. Von Folteropfern, über blutige Kopfschüsse bis hin zum Zerschmettern des Kiefers Robespierres zeigt der Film weitaus mehr, als man es von einem Post-Hayes-Code-Film erwarten würde. Interessant auch die Ambivalenz des Filmes, der zur Hochphase der McCarthy’schen Hexenjagd auf Kommunisten entstand. So kann man die Geschichte über die Todesliste im schwarzen Buch Robespierres durchaus als kritischen Kommentar auf den berüchtigten Senator McCarthy oder das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ sehen. Andererseits bietet es sich aber auch an, den Film als Warnung vor totalitären Systemen, wie eben dem stalinistischen Regime in der kommunistischen Sowjetunion und dem Kommunismus an sich – die Revolutionäre sind ja „Bürgerliche“, die eine Herrschaft des Volkes errichten wollen – zu verstehen. Neben dieser politischen Analogie, glänzt der Film aber auch mit zwei großen Suspense-Szenen, die direkt aus einem Hitchcock-Film stammen könnten. Einmal, wenn D’Aubigny und Madelon aus dem Gefängnis flüchten und am Gefängnistor von einem tatterigen Greis aufgehalten werden. Während dieser in seinem gewaltigen Bund nicht den richtigen Schlüssel für das Tor findet, wartet direkt vor dem Tor eine ältere Frau, die mit nur einem Wort die Tarnung der Beiden auffliegen lassen könnte. Diese Szene ist genussvoll und nervenzerfetzend in die Länge gezogen, gänzlich ohne Musikbegleitung, nur mit den Geräuschen des Schlüsselbundes unterlegt. In der zweiten Szene legt sich der böse Saint Just in einer Hütte zur Ruhe, ohne zu wissen, dass unter seinem Kissen das von ihm gesuchte schwarze Buch versteckt ist. Die Versuche der Helden, an dieses zu gelangen, sind ebenfalls absolut eines Hitchcocks würdig.

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Bei der Besetzung finden sich keine große Namen. Der bekannteste dürfte Richard Basehart sein, der bereits in Manns „Schritte in der Nacht“ (ebenfalls bei Koch erschienen) den überlegenen Schurken spielt. Hier wirkt er als Maximilian „Don’t call me Max“ Robespierre zwar etwas steif, was allerdings hervorragend zur Rolle passt und nicht weiter ins Gewicht fällt, da Basehart eine unbedingte Autorität ausstrahlt, die eines Robespierre angemessen ist. Robert Cummings hat bereits zweimal bei Hitchcock gespielt, der mit seinem „leading man“ allerdings nicht ganz zufrieden war. Er fand, Cummings habe ein „komisches Gesicht“. Sein Charles D’Aubigny ist kein überragender Charakter und bleibt, wie die meisten Helden, gegenüber den charismatischeren Schurken blass. Trotzdem erledigt Cummings seine Aufgabe routiniert und durchaus überzeugend. Vor allem wird dem Zuschauer Arnold Moss in Erinnerung bleiben, der den durchtriebenen, schlangenhaften und doch irgendwo sympathischen Fouché spielt. Eine Rolle, die an Claude Reins Captain Renault in „Casablanca“ erinnert. Moss ist das dunkle Herz des Filmes, und man ist regelrecht enttäuscht, wenn er scheinbar aus der Handlung verschwindet. So fällt seine nicht gerade logische Wiederauferstehung dann auch gar nicht negativ auf. Während Fochés Abwesenheit zaubern die Drehbuchautoren mit dem teuflischen Saint Just einen neuen Schurken aus dem Hut. Jess Barker steht das diabolisch-verschlagene nicht so sehr ins Gesicht geschrieben wie Arnold Moss, doch er füllt die Rolle des Saint Just mit genug unterschwelliger Boshaftigkeit und Sadismus aus, so dass er einen überzeugenden und Angst einflößenden Bösewicht abgibt. Die schöne Arlene Dale verkörpert eine starke Heldin, die erfreulicherweise die Fäden selbst in der Hand behält und dem Helden auch mal aus der Patsche hilft und nicht andersherum.

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Normalerweise halte ich mich mit einer solchen Superlative zurück, aber in diesem Falle mache ich gerne eine Ausnahme und nenne „Das schwarze Buch“ ein Meisterwerk des „Film noir“. Optisch höchst beeindruckend, mit Bildern für die Ewigkeit. Gleichzeit spannend und vielschichtig erzählt, sowie, insbesondere auf der Seite der Bösen, mit eindrucksvollen Charakteren besetzt. Empfehlung.

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Die, wie üblich in einem buchähnlichen Cover, bei Koch Media erschienene DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild und Ton aus. Zwar weist das Bild hier und dort kleine Schäden und Laufstreifen auf, doch insgesamt ist es sehr scharf und klar. Als Extras findet man nur einen Trailer zum Film und eine Bildgalerie. Entschädigt wird man aber durch ein ausgezeichnet geschriebenes und hoch informatives Booklet von Thomas Willmanns.

DVD-Rezension: „Schritte in der Nacht“

Von , 11. August 2013 11:22

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In Los Angeles wird ein Polizist tödlich verwundet, als er einen mutmaßlichen Einbrecher (Richard Basehart) zur Rede stellen will. Zwar macht die Polizei mit hohem Druck Jagd auf den Mörder, doch dieser scheint vom Erdboden verschluckt. Erst durch einen Zufall kommen die beiden Polizisten Marty Brennan (Scott Brady) und Chuck Jones (James Cardwell) einem Mann auf die Spur, der sich „Roy Martin“ nennt. Bei einem Versuch, ihm eine Falle zu stellen, wird Jones zum Krüppel geschossen. Wieder verschwindet „Roy Martin“. Doch Brennan gibt nicht auf und kommt nach zäher Recherche einem Roy Morgan auf die Spur, der der Gesuchte sein könnte…

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Schritte in der Nacht“ ist einer jener Noir-Thriller, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. Naturgemäß liegt bei diesen Filmen der Schwerpunkt mehr auf der Polizeiarbeit, als auf der Psychologie des Verbrechers. So auch hier, wobei der Film förmlich in zwei Teile zerfällt. Zunächst einmal in die Beschreibung der langwierigen Arbeit der Polizei, die versucht ihr Netz um den Mörder zu spannen. Dieser Teil ist recht nüchtern und einem Blick auf eine möglichst realistische Darstellung inszeniert. Und dann ist da der Teil, der den Täter zeigt und in denen der Film in wunderbar stimmungsvollen, expressionistischen Einstellungen schwelgt. Und während der Polizeiteil reich an Dialogen ist, werden die Szenen um den Killer ohne großes Gerede abgehandelt. Wenn hier geredet wird, was selten der Fall ist, dann nur das aller nötigste. Wenn sich dann beide Eben treffen gibt es fast gar keine Dialoge mehr. Ja, fast auch keinen Ton, was die eine ausgesprochen bedrückende Stimmung hervorruft. Die Polizei umkreist das Haus des Killers. Kommuniziert wird nur noch über Handzeichen, man hört keine Schritte, sondern sieht nur Schemen durch die Dunkelheit huschen, während drinnen Morgans Wohnung durch die Schatten der Jalousien in ein Gefängnis verwandelt. Das ist großes Spannungskino und ein Höhepunkt innerhalb des Film Noir.

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Der von Richard Basehart gespielte Killer agiert häufig nur im Schatten, aus dem er plötzlich auftaucht und in dem er ebenso schnell wieder verschwindet. Im Vergleich zu den eher steif daherkommenden, und somit langweiligen, Polizisten, ist es eine Freude, dem cleveren und seinen Verfolgern immer zwei Schritte vorauseilenden Mörder zuzuschauen. Die Kamera kommt ihm sehr nah, fängt jeden Schweißtropfen ein, während die Polizisten immer nur distanziert und in der in der Halbtotalen gezeigt wird. Basehart gibt den Roy Morgan mit vollem Körpereinsatz und schafft es, dass der Zuschauer ihm, den skrupellosen Schurken, sowohl fürchtet, als auch fasziniert von ihm ist. Interessanterweise füllt diese Figur die Leinwand gänzlich aus, ohne dass sie wirklich erklärt wird. Roy Morgan bleibt so anonym, wie die Polizisten, die ihn jagen. Man erfährt kaum etwas über seine Motivation oder seine Hintergrundgeschichte. Doch dies lässt Morgan nur noch gefährlicher und überlegender erscheinen.

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Offiziell zeichnet Alfred L. Werker für die Regie verantwortlich, inoffiziell hat aber wohl Western-Experte Anthony Mann mindestens die Hälfte des Filmes inszeniert. Vermutlich hat er die dynamischen Actionszenen und vor allem die aufregende, finale Verfolgungsjagd in der Kanalisation in Szene gesetzt.

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Eine kleine Rolle als Forensiker spielt Joe Webb, der bei den Dreharbeiten den Polizisten Marty Wynn, der hier als technischer Berater fungiert, traf. Zusammen entwickelten sie die Idee einer Serie, die – wie „Schritte in der Nacht“ – die Polizeiarbeit möglichst realistisch nachzeichnen. Daraus entstand zunächst eine Radiosendung, kurz danach eine der erfolgreichsten US-TV-Serien aller Zeiten: „Dragnet“. Diese lief von 1951 bis 1959, sowie von 1967 bis 1970, und gehört in den USA zum allgemeinen Kulturgut. An „Schritte in der Nacht“ erinnert dort sowohl die Texttafel, die anfangs erklärt, dass es sich um echte Fälle handeln würde, bei denen die Namen der Beteiligten geändert wurden, um die Unschuldigen zu schützen, als auch der generelle Ton. Auch nach Deutschland kam „Dragnet“, allerdings in anderer Gestalt. Hier wurde das Konzept der Serie eingedeutscht und unter dem Namen „Stahlnetz“ zum Straßenfeger. Neben der Idee, reale Kriminalfälle zu zeigen und den Hauptaugenmerk auf die Polizeiarbeit zu richten, wurde auch noch die berühmte Titelmelodie übernommen.

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Die Koch Media DVD lässt kaum Wünsche offen. Das Schwarz-Weiß Bild ist ausgezeichnet und der Monoton rauschfrei. Lediglich bei den Extras findet man nichts weiter als eine kleine Bildgalerie und den Trailer.

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