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Blu-ray Rezension: „Rock ’n‘ Roll High School“

Von , 10. Oktober 2018 16:43

Als der Direktor der Vince Lombardi High School aufgrund der rebellischen und Rock’n’Roll-süchtigen Schüler einen Nervenzusammenbruch erleidet und als Wrack in die Psychiatrie muss, übernimmt die strenge und autoritäre Miss Evelyn Togar (Mary Woronov) die Schule und zieht andere Saiten auf. Unterstützt von ihren Schergen Fritz Hansel (Loren Lester) und Fritz Gretel (Daniel Davies) führt sie ein Schreckensregime, um den Schülern wieder Disziplin beizubringen. Doch sie hat die Rechnung ohne Riff Randell (P. J. Soles), dem größten Ramones-Fan der Welt, gemacht…

Es ist durchaus verwunderlich, weshalb um „Rock ’n‘ Roll High School“ solcher frenetischer Kult wie um „The Rocky Horror Picture Show“ entstanden ist. Zwar ist die „Rock ’n‘ Roll High School“ unter Ramones-, wie auch Roger-Corman- und Joe-Dante-Fans durchaus bekannt und beliebt, doch solch ein flächendeckenden Wahnsinn wie um das britische Grusel-Musical gab es leider nie. Dabei ist die unbändige Energie, die gute Laune und die mitreisende Musik eigentlich prädestiniert für jährliche Screenings vor Hunderten von Leuten. Aber in einer nicht so gerechten Welt, rangiert „Rock ’n‘ Roll High School“ leider nur unter den (immerhin umso mehr geliebten) Geheimtipps. Vielleicht ist der verrückte Charme des Filmes und die energiereiche Punkmusik der göttlichen Ramones dann doch nichts für Otto und Ottilie Normalkinogänger.

Aus heutiger Sicht ist allein schon der Soundtrack spektakulär. Gleich zu beginnt schallen einem Paul McCartney & The Wings entgegen. Später folgen Fleetwood Mac, Devo, Alice Cooper, Lou Reed und diverse Brain Eno-Stücke, die als Score genutzt werden. Wie es eine Billigproduktion geschafft hat, all diese Musiker auf dem Soundtrack zu vereinen und damit kein Millionenbudget verbraten zu haben, gehört zu den Firmengeheimnissen der Corman-Schmiede (nein, nicht wirklich. Es wird in einem der Extras ausgeplaudert – man hatte einfach sehr gute Kontakte). Und dann sind da natürlich die Ramones. Ich war immer davon ausgegangen, das Joey, Dee Dee, Johnny und Marky einen Kurzauftritt am Ende des Filmes hätten. Weit gefehlt. Der Film dreht sich nicht nur um einen verrückten Ramones-Fan, sondern auch um die Band selber, die tatsächlich ein weiterer Hauptdarsteller in „Rock ’n‘ Roll High School“ ist. Der Höhepunkt ist dann ein Konzert, welches die Ramones im The Roxy geben und bei dem sie nicht nur ihre größten Hits spielen, sondern auch zeigen, was für eine großartige und mitreißende Bühnenband sie waren.

Aber es ist nicht nur die tolle Musik, die den Film zu dem machen, was er ist. Wenn dem so wäre, könnte man ja auch ein Musikvideo ans andere reihen. Neben der zeitlosen Geschichte von den typischen High-School-Problemen, der ersten Liebe, dem Boy-Wants-(wrong)-Girl, (Right)Girl-Gets-Boy und Jugend-Rebellion, sind es vor allem die frischen und quirligen Schauspieler, die ihren Figuren echtes, sprühendes Leben verleihen. Allen voran die fabelhafte P.J. Soles als Riff Randell (was für ein Name!). Ein Mädel mit dem man gerne tausend Pferde stehlen möchte. Aber auch Dey Young (die später in zwei deutschen Produktionen – „Zärtliche Chaoten“ und „Starke Zeiten“ mitspielen sollte) ist perfekt in der Rolle der „grauen Maus“, die allerdings gar nicht so grau ist, sondern im Gegenteil immer für einen guten Scherz und eine tolle Party zu haben ist. Und bei der immer die Lust an der Subversivität durch das „Braves Mädchen“-Äußere durchscheint. Vor allem stimmte die Chemie zwischen Soles und Young was sich auch eindrücklich auf ihre Figuren überträgt. Zu keiner Zeit denkt man, die Beiden würden nicht zusammen durch Dick und Dünn gehen. An der Lehrerfront ist Paul Bartels als Beethoven-cum-Punkrock-Fan einfach zum Knuddeln. Den Vogel schießt aber die unvergleichliche Mary Woronov als Miss Togar ab. Hochgeschossen, in engem Kostüm und strenger Frisur, dominant, autoritär und dabei auch unglaublich sexy. Auch Clint Howard als „Fonzie“-Verschnitt Eaglebauer macht Spaß.

Allein Miss Togars beiden Schergen Fritz Hansel und Fritz Gretel sind arg drüber, fügen sich aber trotzdem in den generellen Wahnsinn des Filmes ein. Zudem ist Fritz Gretel für eine der schönsten Szenen des Filmes (Stichwort: Papierflieger) zuständig. Dass dann irgendwann noch eine mannsgroße Maus und seine Mutter (!) auftauchen, ist da dann auch schon egal. Wer den Film liebt, der liebt auch den von SFX-Guru Rob Bottin gespielten Mr. Mouse. Was „Rock ’n‘ Roll High School“ zusammenhält und seinen unglaublichen Drive gibt ist der perfekte Schnitt. Man merkt, dass Regisseur Allan Arkush zusammen mit Joe Dante für die Herstellung der spektakulären Trailern der Corman-Produktionen zuständig waren. Da stimmt vom Timing her alles und macht ordentlich Tempo. Besonders gut zu sehen in der Szene in der Riff Randell in der Sporthalle „ihren“ Song „Rock ’n‘ Roll High School“ zum besten gibt und ihre Mitschülerinnen mitreißt. Die Szene wurde wurde von Joe Dante gefilmt, da Arkush erschöpft im Krankenhaus lag. Da gibt es keine großartige Choreographie, aber im Schnitt wirkt das alles authentischer, mitreißender und lebensfroher als… sagen wir mal „Mamma Mia“.

Aber warum schreibe ich hier eigentlich so viel? Man kann das alles auch in drei kurze Sätze zusammenfassen: Die Blu-ray in den Player schieben. Die Lautstärke auf Ramones-Level. Und einfach Spaß haben.

Das Bild der Anolis-Bluray ist dem Alter entsprechend sehr gut und nicht tot gefiltert. Der Ton haut trotz 2.0 Mono mit DTS-HD ordnetlich rein, was bei diesem Film natürlich besonders freut. Ansonsten ist die Bluray randvoll mit spannenden Extras. Das beginnt mit gleich vier (!!!) Audiokommentaren. Es spreche Allan Arkush und Mike Finnell,dann Allan Arkush, P.J. Soles und Clint Howard, gefolgt von Roger Corman und Dey Young, sowie Jörg Buttgereit und Alexander Iffländer. „Back to School“ ist ein 24-minütige Feature in dem sich viele der Beteiligten an die Dreharbeiten zurück erinnern. Es gibt ein 11-minütiges Interview mit Allan Arkush (wo er viele Anekdoten aus „Back to school“ wiederholt). Es gibt einen 4-minütigen Auftritt von Roger Corman bei Leonard Maltin, bei dem Beide über „Rock ‚N‘ Roll High School“ sprechen. „Staying after Class“ ist ein sehr kurzweiliges und sympathische Treffen von P.J. Soles, Dey Young und Vincent van Patten, bei dem sich die Drei gutgelaunt über ihre Erlebnisse am Set austauschen (16 Minuten). Ferner gibt es eine 15-minütige Audioaufnahme, wie die Ramones bei ihrem Roxy-Auftritt wirklich geklungen haben. Eli Roth kommentiert für „Trailers from Hell“ den US-Trailer. Spots, Werberatschläge und eine Bildgalerie runden diese tolle Veröffentlichung ab.

Blu-ray Rezension: „Geheimagent Barrett greift ein“

Von , 21. September 2018 19:40

Der ehemalige Geheimagent und jetzige Privatdetektiv Lee Barrett (George Maharis) wird von seinen ehemaligen Arbeitgebern reaktiviert, um sie bei einem geheimnisvollen Fall zu unterstützen. In einem streng geheimen Labor inmitten der Wüste wurde der Sicherheitschef ermordet, und der führende Wissenschaftler Dr. Baxter ist verschwunden. Bald schon findet Barrett heraus, dass Baxter ebenfalls ermordet und ein tödliches Gas, welches die Erde innerhalb weniger Monate komplett entvölkern könnte, gestohlen wurde. Bald schon geht der erste Warnung ein. Der geheimnisvolle Dieb des todbringenden Gases droht, dieses einzusetzen, falls das Geheimlabor nicht zerstört werden würde. Bei einer Machtdemonstration des Unbekannten, gibt es in Florida kurz darauf die ersten Toten…

Dass „Geheimagent Barrett greift ein“ in der Reihe „Phantastische Klassiker“ erscheint, ist etwas irreführend. Denn obwohl der Film mit seinem Killergas, das es schaffen würde, den gesamten Planeten zu entvölkern, ein Sci-Fi-Element besitzt, ist er im Grunde doch „nur“ eine klassische Agentengeschichte ala James Bond. Wie immer muss der unser Held versuchen, einen Superschurken davon abzuhalten, die Weltherrschaft zu übernehmen. Wobei es in diesem im Falle eine ziemlich leere und einsame Welt wäre. Von daher ist es durchaus verständlich, dass der deutsche Verleih damals, auf dem Höhepunkt der Bonditis, den Originaltitel „Der Satanskäfer“ durch ein dynamisches „Geheimagent Barrett greift ein“ ersetzte. Wobei genannter Barrett kein klassischer Geheimagent, sondern eher ein Freelancer ist, der schon lange nicht mehr für die Regierung arbeitet, da er dort durch fortwährende Insubordination auffällig wurde. Nichtsdestotrotz werden sein Rat und Mithilfe von seinen ehemaligen Vorgesetzten nun dringend benötigt. Besonders rebellisch verhält sich unser Held im Folgenden allerdings nicht, sondern macht einen eher braven Eindruck.

Dieser brave Eindruck mag auch an Hauptdarsteller George Maharis liegen. Ein hierzulande eher unbekanntes Gesicht, welches außer gutem Aussehen (er war 1973 Nacktmodell im „Playgirl“) leider nicht besonders viel Charisma mitbringt und es trotz des behaupteten Hanges, immer wieder seinen eigenen Kopf durchzusetzen zu müssen, an Ecken und Kanten vermissen lässt. Die anderen Schauspieler wie Richard Baseheart, Dana Andrews und Anne Francis (die beiden letzteren unsterblich durch ihre Erwähnung im Kult-Song „Science Fiction/Double Feature“) verhalten sich ganz so, wie ihre Figuren: Die agieren sehr professionell und präzise. Allerdings hat man bei keinem das Gefühl, er würde weitaus mehr als als eben nur seinen Job machen. Diese Professionalität färbt positiv auf die handelnden Figuren ab. Denn auch dies verrichten schnörkellos und ohne viel Aufhebens ihren Job, was der Handlung ein gewisses Tempo und angenehm gradlinige Dynamik gibt. Sie hat aber auch zur Folge, dass niemand wirklich nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Professionell und schnörkellos ist auch John Sturges Regie. Man merkt zwar – was auch in dem sehr informativen Booklet näher ausgeführt wird – dass Sturges nicht wirklich bei der Sache war, und sein Interesse schon bei seinem nächsten Projekt lag. Aber Sturges ist nun einmal ein talentierter Profi, der auch mit halber Kraft einen anständigen Film hinbekommt. Viele kleine Mängel lassen sich sicherlich auch auf das niedrige Budget schieben. So wirkt der Film an vielen Stellen so, als ob weitaus größere, aufwändigere Szenen geplant worden seien, dafür dann aber kein Geld zur Verfügung stand. So musste man scheinbar vor Ort „kleine Lösungen“ improvisieren. So fällt gleich zu Beginn auf, dass davon gesprochen wird, wie übel die Leichen zugerichtet sind. Diese werden aber nie gezeigt oder auch nur visuell angedeutet. Tatsächlich sieht man bis weit nach der Hälfte des Filmes keinerlei Tote, sondern nur die Reaktion derjenigen, die die Toten entdecken. Das kann natürlich als narratives Element genutzt werden, um den Horror in den Köpfen der Zuschauer zu formen – wirkt hier aber tatsächlich allein den Umständen geschuldet. Auch dass ständig von einer globalen Bedrohung geredet wird, der Film aber fast ausschließlich in einem überschaubaren Wüstenabschnitt spielt, erweckt mehr den Eindruck eines Kammerspiels und weniger einer Großproduktion, wie es noch Sturges vorangegangenen Erfolge „Gesprengte Ketten“ oder „Die glorreichen Sieben“ waren. Wenn die tödlichen Konsequenzen eines ersten Einsatzes des Killergases gezeigt werden, so sind dies auch nur aus weiter Distanz aufgenommene kleine, schwarz-weiße Fernsehbilder, die ebenso gut einen Stau zeigen könnten.

Trotz all dieser kleinen Mängel und einer etwas übertriebenen Länge von 114 Minuten kommt bei „Geheimagent Barrett greift ein“ nicht groß Langeweile auf. Was an der routinierten, gradlinigen Regie durch Action-Spezialist John Sturges liegt, die sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhält. Auch sorgt die Musik des jungen Jerry Goldsmith für die richtige Stimmung. Und in der Szene, in der Barrett in das Labor geht und einen Hamster dabei hat,um zu prüfen, ob der Raum noch kontaminiert ist oder nicht, ist von Sturges unglaublich spannend inszeniert worden. Der Rest des Filmes ist angenehm gemütlich und lässt Erinnerungen an die guten alten Zeiten hochkommen, als Filme wie „Geheimagent Barrett greift ein“ noch regelmäßig Samstags um 22:20 Uhr in der ARD liefen.

Die Bildqualität der Anolis-Bluray verdient die Höchstnote. Kristallklar und messerscharf. Besser geht es meiner Meinung nach nicht. Auch der Ton ist sowohl in der deutschen, wie auch in der englischen Originalfassung vollkommen klar. Ob man jetzt die Originalfassung oder die gelungene deutsche Kinosynchro bevorzugt, bleibt jedem selbst überlassen. Wobei angemerkt werden muss, dass George Maharis in der deutschen Fassung von Gert Günther Hoffmann gesprochen wird, der Figur also ein gehöriges Bond-Flair mitgegeben wird, welches in der Originalfassung in dieser Form fehlt. Nachdem ich bei den letzten Anolis-Veröffentlichungen das Booklet kritisiert habe, freue ich mich diesmal über einen sehr informativen Text, der von Mike Siegel stammt. Davon gerne mehr. Ferner sind als Bonus enthalten: Ein Audiokommentar von Prof. Dr. Stiglegger, Trailer, Radiospots, Werberatschläge und eine Bildgalerie. Auf der beigelegten DVD findet man eine „Grindhouse-Fassung“ des Filmes. D.h. eine unbearbeitete Variante des Hauptfilms inklusive zeitgenössischer Trailer und Kinowerbung (!). Eine sehr schöne Idee, die ich gerne öfter sehen würde.

Blu-ray Rezension: „Ben“

Von , 7. August 2018 21:17

Die Ratte Ben hat die Ereignisse aus „Willard“ überlebt und ist mit seinem Volk in die Stadt geflohen. Der 8-jährige Danny (Lee Montgomery), ein Außenseiter mit einem lebensgefährlichen Herzfehler, entdeckt Ben und freundet sich mit der Ratte an. Diese dankt es Danny, indem sie ihn vor einem größeren Jungen schützt, der ihn gängelt. Auf der Suche nach einem neuem Lebensraum geraten Ben und seine Ratten immer wieder mit Menschen aneinander. Leider gehen diese Begegnungen häufig tödlich für die Zweibeiner aus., was schnell die Polizei auf den Plan ruft. Diese will die bedrohlichen Nager natürlich umgehend vernichten. Kann Danny seinen neuen besten Freund und dessen Familie vor dem Zugriff der Staatsmacht schützen?

Ben“ schließt direkt an seinen Vorgänger an, den Überraschungserfolg „Willard“ (Rezension hier). Während der Vorspann läuft, sehen wir noch einmal Willard Stiles durch die Familien-Villa ziehen und seinen missglückten Versuch, der bösen Ratte Ben und ihrer vielköpfigen Rattenschar den Garaus zu machen. Dann schwenkt die Ansicht nach außen und wir sehen beinahe andächtig die gaffende Menge vor Willards Haus stehen. Mitten unter ihr Beth Garrison mit ihrer Tochter Eve und den jungen Sohn Danny. Als sich das Familientrio letztlich abwendet und nach Hause geht, folgen Kamera und Film ihnen, denn diese Drei sollen das neue Zentrum dieser Fortsetzung werden. Erinnerte „Willard“ noch eine TV-Produktion der 60er Jahre, sind wir bei „Ben“ im typischen B-Film der 70er angekommen. Alles wirkt eine Nummer kleiner und billiger. Um dieses Manko zu übertünchen, erzählt der Film noch einmal in Grundzügen dieselbe Geschichte wie der Vorgänger, diesmal jedoch gespickt mit mehr Sensationsgeheische. Musste man bei „Willard“ lange warten, bis die Ratten in Aktion treten, so machen sie hier gleich zu Anfang kurzen Prozess mit einem Polizisten, der die Stiles-Villa durchsucht.

Diese Szene fasst dann aber gleich auch alle Schwächen der Produktion zusammen. Während der Polizist hysterisch kreischt und sich in unmögliche Postionen krümmt, weilen die paar Ratten, die man ihm auf den Rücken gesetzt hat, dort sehr friedlich und nahezu bewegungslos. Wären es Hunde, würden sie wahrscheinlich noch mit dem Schwanz wedeln. Hinzu kommen Effekte aus der Steinzeit, wenn scheinbar einige attackierende Ratten auf den Film gezeichnet wurden. Beim eher unbeholfen dargestellten Todeskampf fließt auch kein Blut, selbst wenn später behauptet wird, die Leiche sei grauenvoll zugerichtet worden. Alle Ratten-Attacken in „Ben“ folgen diesem Muster. Wenn man nicht gerade eine Rattenphobie hat, wirkt das Ganze eher niedlich, statt furchteinflössend. Ganz besonders jene Szene, in der die Ratten sich in einem Fitnessstudio breit machen, was dazu führt, dass die Statistinnen sich alle gegenseitig mit hysterischen Panikattacken zu überbieten versuchen.

Eine weitere eher unglückliche Entscheidung war es, den Jungen Danny zum neuen Protagonisten zu machen. Zwar schlägt sich Lee Montgomery in seiner zweiten Filmrolle sehr gut und wenn man nicht auf Kinder im Film allergisch reagiert, kann man ihn tatsächlich mögen. Doch Drehbuch (oder Regie) verdammen Danny dazu, gewollt „witzige“ und furchtbare Lieder zu singen, und übertrieben fröhlich mit Marionetten zu hantieren. Alles was auf der einen Seite an Sympathie für den kindlichen Protagonisten aufgebaut wird, wird durch solche Szenen hinten wieder eingerissen. Immerhin stimmt die Chemie zwischen Lee Montgomery und Meredith Baxter, denn beiden nimmt man tatsächlich ab, Bruder und Schwester zu sein und sich umeinander zu sorgen. Rosemary Murphy als immer besorgte und trotzdem seltsam abwesende Mutter hat dagegen einen schweren Stand, füllt sie doch nur Klischees aus. Und dann noch gerade solche, die besonders stark auf die Nerven gehen.

Ohne Klischees kommt auch die Darstellung der Polizisten nicht aus, deren angestrengte „Good Cop/Bad Cop“-Routine nahe am Rande der Parodie angesiedelt ist. Joseph Campanella spielt das immer zornige Steingesicht Cliff Kirtland, Kaz Garas seinen sanften Untergeben Joe Greer, welcher seinem Chef in einem Akt der totalen Unterwerfung zu gerne die Zigarette anzünden würde. Als dritter im Bunde gesellt sich Arthur O’Connell hinzu, der hier mit überraschend langen Haaren auftaucht und den einen oder anderen trockenen Spruch zum Besten geben darf. O’Connell ist ein zuverlässiger Schauspieler aus der zweiten Reihe (den man u.a. aus dem Elvis-Filme „Die wilden Weiber von Tennessee“ und „Ein Sommer in Florida“ oder Otto Premingers Meisterwek „Anatomie eines Mordes“ kennt) und gleichzeitig der bekannteste Name im Cast. Dass er aber höchsten zwei Drehtage gehabt haben dürfte, deutet auf das geringe Budget hin, welches für „Ben“ zur Verfügung stand.

Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem der Außenseiter Willard im Vordergrund stand und die Ratten eher eine Nebenrolle einnahmen, wird diesmal die Ratte Ben in den Fokus herrückt und ihr zudem nahezu übersinnliche Fähigkeiten attestiert. Ben ist schlau, kommuniziert ebenso leicht mit Tausenden von Ratten, wie mit dem Jungen Danny. Ben schmiedet Pläne, kommandiert seine Heerscharen, befreundet sich mit Danny und führt die Polizei an der Nase herum. Das Problem für einen Horrorfilm ist dabei allerdings, dass Ben nicht diabolisch, sondern sympathisch wirkt. Auch wenn die Ratten über die Menschen herfallen, tun sie dies nur zum Selbstschutz. Die Autoren und Regisseur Phil Karlson scheinen auch weniger einen Horrorschocker über Menschen killende Ratten, als vielmehr eine Spartakus-Variante im Sinn gehabt zu haben. So wird Ben zum Heilsbringer der Unterdrückten stilisiert, der sein Volk in eine bessere Zukunft geleiten will. Wenn am Ende die geballte Staatsmacht den Ratten mit Gas und Flammenwerfer den Garaus machen will, fühlt man sich an Bilder aus Filmen über den Holocaust oder Vietnam erinnert.

„Ben“ erscheint direkt nach „Willard“ als dritte Veröffentlichung der neuen „Phantastischen Filmklassiker“ -Reihe aus dem Hause Anolis und als Folge 2 der „Die 70er“-Untergruppe. Allerdings teilt die Veröffentlichung das Schicksal des Films. Im Vergleich zu „Willard“ wirkt sie billiger und kleiner. Dies liegt einerseits an dem Bild, welches scheinbar von einer alten 35mm-Rolle stammt. Da machte „Willard“ einen schärferen, farbenfroheren Eindruck, während „Ben“ dreckiger wirkt und tatsächlich mehr nach alter Kinorolle. Dankenswerterweise wurde aber nicht versucht, diesen Eindruck durch intensive Bildbearbeitung (-verfälschung) glattzubügeln. So passt der Look schon sehr gut zu „Ben“, wird bei Pixelzähler aber sicherlich zu einer kleinen Empörung führen. Auch die Extras fallen eine Nummer kleiner aus. Es gibt einen Audiokommentar mir Hauptdarsteller Lee Montgomery, sowie ein 15-minütiges Interview mit dem sympathischen, nun älteren Herrn. Dazu gibt es deutsches und internationales Werbematerial und diverse Trailern, sowie die deutsche Kinofassung, wobei ich allerdings nicht sagen kann, worin der Unterschied zur „normalen“ Fassung besteht. Das wie immer schön gestaltete, 20- seitige Booklet stammt diesmal allein von David Renske, mit dessen Stil – der sich meiner Meinung nach arg dem Schlefaz-Duktus nähert – ich, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, leider gar nichts anfangen kann. Was soll z.B. das halbseitige Michael-Jackson-Gebashe?

Blu-ray Rezension: „Willard“

Von , 13. Juni 2018 09:59

Willard Stiles (Bruce Davison) ist ein 27-jähriger, ebenso stiller, wie zurückgezogener Mann, der noch immer bei seiner nicht minder problematischen Mutter (Elsa Lancaster) in einer Villa lebt, welche auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Zudem gibt es im Garten der Villa ein Rattenproblem. Als Willard von seiner Mutter aufgefordert wird, sich um dieses Problem zu kümmern, entwickelt er eine etwas ungesunde Faszination für die pelzigen Nager. Besonders die beiden intelligenten Ratten Sokrates und Ben haben es ihm angetan, und bald schon verbindet Mensch und Nager eine tiefe Freundschaft. Im Berufsleben läuft es für Willard allerdings weniger gut. Er arbeitet in der Firma seines verstorbenen Vaters, welche diesem aber bereits vor Jahren von Mr. Martin (Ernest Borgnine) abgenommen wurde. Mr. Martin duldet Willard zwar in seiner Firma, lässt aber kaum eine Möglichkeit aus, um ihn zu demütigen. Als Willards Rattenfamilie immer größer wird, und er nicht mehr weiß, wie er sie füttern kann, schmiedet er einen Plan, um sich mit Hilfe seiner vierbeinigen Freunde Geld zu beschaffen…

Willard“ war 1971 der Überraschungs-Hit im amerikanischen Kino und gilt als Wegbereiter des Tierhorrorfilms, der in den 70ern so richtig ins Rollen kam und mit „Der weiße Hai“ seinen Höhepunkt fand. „Willard“s enormer Einfluss und Erfolg verwundert etwas, denn rückblickend entpuppt sich „Willard“ als eher wenig spektakulär. Aber vielleicht liegt dies auch daran, dass sich die Sehgewohnheiten doch stark geändert haben und vor allen Dingen „Willard“s Nachfolger weitaus detailverliebter und brutaler zu Werke gingen. Allerdings sind die Szenen in denen sich gefühlt tausend Ratten aus Willards Keller ergießen wahrlich beeindruckend und dürften bei so manchem Ratten-Phobiker viele schlaflose Nächte verursachen. Generell ist es erstaunlich, was die Ratten-Dompteure hier auf die Beine stellen. Wüsste man es nicht besser, könnte man fast auf CGI tippen, so perfekt verhalten sich die schlecht beleumundeten Nager. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass hier mehr drin gewesen wäre. Denn egal, ob die Ratten nun im Haus hin und her laufen, Türen zernagen oder über Leute herfallen, so richtig bedrohlich und beängstigend wirkt das alles eher weniger.

Besonders die berühmte „Zerreißt ihn“-Szene mit Ernest Borgnine wirkt unfreiwillig komisch, da man deutlich sieht, wie die Ratten in hohen Bogen auf ihn geworfen werden. Und dass es dann nicht zum angekündigten „Zerreißen“ kommt, enttäuscht dann doch ein wenig die Erwartungen. So ist „Willard“ bezüglich seines Horror-Potentials dann doch ein eher harmloser Film. Wo „Willard“ aber punkten kann, ist die Darstellung der Welt in der die Hauptperson lebt und in der ihre Psyche gewaltsam verbogen wird. So ist die größte Horrorszene dann auch jene, in der Willards Mutter (die großartige Elsa Lancaster in einer ihrer letzten Rollen) ihrem Sohn eine Geburtstagsfeier ausrichtet. Da Willard aber keine gleichaltrigen Freunde (geschweige denn Freundinnen) hat, muss er mit den Freunden seiner Mutter feiern. Die dann auch so tun, als seinen sie auf einem Kindergeburtstag und nicht bei einem erwachsenen, 27jährigen Mann. Wie sie da mit ihren Hütchen und Tröten sitzen ist wahrlich gruselig. Wie auch Elsa Lancasters formidable Darstellung der Mutter. Zwischen krankhaftem Behüten, Verlustängsten, egozentrischen „an-sich-binden“ und beginnendem Schwachsinn. Dass solch ein Umfeld nicht zuträglich für ein gesunde geistige Verfassung ist, dürfte jedem klar sein.

Der junge Bruce Davison zeigt dies sehr deutlich. Manchmal allerdings auch überdeutlich, denn er neigt zum Grimassieren und ist häufig einfach zu sehr drüber. Selbstverständlich soll bei der Figur des Willard dieser tiefe Schmerz darüber, dass es ihm verwehrt wird erwachsen zu werden, er von allen Seiten manipuliert, heruntergemacht und unterschätzt wird deutlich werden. Allerdings wählen weder Regisseur Daniel Mann, noch Hauptdarsteller Davison den dezenten Strich, sondern tragen die Farbe mit der ganz groben Rolle auf. Demgegenüber gelingt es dem Profi Ernest Borgnine spielend, jede Szene an sich zu reißen. Denn obwohl sein Mr. Martin ein widerlicher Schmierlappen ist, besitzt er doch dieses übergroße Borgnine-Charisma und viele seiner Entscheidungen sind zwar durchtrieben, aber klug und erst einmal auf den Vorteil der Firma ausgelegt. Und man muss sich fragen, ob man an seiner Stelle nicht den völlig unzuverlässigen Willard – Versprechen an den Vater oder nicht – rausgeworfen hätte. Sondra Locke, die kurze Zeit später zu Clint Eastwoods Muse wurde, hat hier eine nur kleine Rolle, die sie souverän und sympathisch spielt, wobei ihr allerdings nicht viele Möglichkeiten gegeben werden, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Der größte Kritikpunkt ist aber die biedere Regie von Daniel Mann, die recht altbacken wirkt. Die ganze Welt in der „Willard“ spielt, angefangen mit Kostümen und Kulissen, scheint ein paar Jahre älter zu sein, als man beim Produktionsjahr 1971 erwarten würde. So erinnert „Willard“ dann leider allzu häufig an einen Fernsehfilm aus den 60er Jahren.

„Willard“ ist der zweite Titel der neuen Anolis-Reihe „Der phantastische Film“. Wie beim Vorgänger „Mutant – Das Grauen im All“ ist auch „Willard“ eine vorbildliche Veröffentlichung, an der es nichts zu meckern gibt. Vor allem nicht an dem unglaublich klaren und scharfen Bild. Aber auch der Ton ist ausgesprochen sauber und klar. Wobei der englische Originalton etwas kräftiger und vor allem in den Rattenszenen „geräuschvoller“ daher kommt. Als weitere Tonspur kann man einen unterhaltsamen Audiokommentar mit dem Filmhistoriker Nathaniel Thompson (dessen Internet-Blog ich sehr empfehlen kann) und Hauptdarsteller Bruce Davison. Bruce Davison ist auch in einem interessanten 12-minütigen Interview zu sehen. Weiter geht es mit dem US-Trailer, Radiospots, der Super-8-Fassung (16 Minuten), Werberatschläge und Bildergalerie. Das 28-seitiges Booklet enthält Produktionsnotizen, Aushangfotos, sowie die beiden Texte „Die falschen Freunde“ von Ingo Strecker (der mir ausgesprochen gut gefallen hat und all jene Punkte anspricht, die mir auch aufgefallen waren) und „Königreich der Ratten“ von David Renske, mit dessen cool-rotzigen Stil ich allerdings so meine Probleme hatte.

Blu-ray-Rezension: „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“

Von , 6. Juni 2018 22:26

England 1872. In der Nacht vor seiner Hinrichtung wird der zu unrecht des Mordes beschuldigte Dr. Gordon Ramsay (Herbert Rudley) von seinem Kollegen Dr. Thosti (im Original Sir Joel Cadman, gespielt von Basil Rathbone) in der Gefängniszelle besucht. Thosti verabreicht seinem jungen Kollegen eine Droge namens Nind Andhera, Diese bewirkt, dass man in so tiefes Koma fällt, dass man für tot gehalten wird. Cadman nennt diese Droge den „schwarzen Schlaf“. Der vermeintlich tote Ramsay wird Thosti überstellt, der ihn wiederbelebt und zu seinem Assistenten macht. Thosti nimmt Ramasy mit in eine alte Burg, welche ihm als geheimes Labor dient, Hier führt Thosti illegale Experimente an mit Nind Andhera betäubten Opfern durch, die anschließend schwer degeneriert oder stark verstümmelt die Flure der Burg bevölkern. Unter ihnen auch sein einstiger Mentor Dr. Monroe (Lon Chaney Jr.), der nun als grunzendes Wesen Mungo immer wieder über die junge Krankenschwester Laurie (Patricia Blake) herfällt. Oder der stumme Diener Casimir (Bela Lugosi). Als Ramsay hinter die finsteren Geheimnisse Thostis kommt und noch weitere Opfer (u.a John Carradine und Tor Johnson) entdeckt, versucht er, dem Spuk ein Ende zu bereiten…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Mit „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ hat Anolis‘ Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ einen mehr als würdigen Abschluss gefunden. Und man muss sich die Frage stellen, warum dieser Film nicht weitaus bekannter ist. Wahrscheinlich weil er schon zu seiner Entstehung wie aus der Zeit gefallen schien. Man schrieb das Jahr 1956. Der Rock’N’Roll war geboren, Teenager-Filme übernahmen die Leinwand und wenn schon Horror, dann waren das mutierte Rieseninsekten. Die goldenen Jahre des „Universal-Horrors“ lag mehr als 10 Jahre zurück. Und die Protagonisten dieser Zeit fanden sich in kleinen Gastrollen und ultra-billig produzierten C-Filmen wieder. Und dann waren sie plötzlich alle in diesem Film aus der zweiten Hälfte der 50er Jahre wieder versammelt: Lon Chaney, Bela Lugosi, John Carradine – und natürlich der großartige Basil Rathbone. Während dieser große Mime, der genau zehn Jahre zuvor das letzte Mal in seiner Paraderolle als „Sherlock Holmes“ zu sehen war, gerade als Gegenspieler Danny Kayes in „Der Hofnarr“ ein Comeback erleben konnte, erging es seinen Kollegen weniger gut. Auch in „Die Schreckenskammer des Professor Thosti“ sind sie lediglich Staffage. Leider, denn so ist aus dem großen Horror-Revival nur ein Kuriositätenkabinett geworden, welches belegt, dass die große Zeit dieser wundervollen Darsteller vorbei war.

Besonders traurig ist der Anblick Lugosis, der gerade von einem Drogenentzug zurück gekommen war und durch die Gänge schleicht, als könne er keinen Fuß mehr vor den anderen setzten. Schwerfällig und mit hängenden Schultern ist er nur noch ein Schatten jenes Schauspielers, der 36 Jahre zuvor die Frauen als Dracula in Ohnmacht fallen ließ. Selbst bei seinem letzten Auftritt für Ed Wood in „Plan 9 From Outer Space“ wirkte er ein wenig fitter. Leider sollte „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ Bela Lugosis letzter echter Auftritt in einem Film werden. Für „Plan 9“ nutzte Wood dann Probeaufnahmen mit dem Kult-Schauspieler. Auch seinen Kollegen geht es wenig besser. Lon Chaney hat als monströser Mungo zwar etwas mehr zu tun – was sich allerdings auf das Erschrecken und Würgen junger Frauen beschränkt. John Carradine und Tor Johnson (der ein Jahr zuvor eine ähnliche Rolle in Ed Woods „Bride of the Monster“ spielte, in dem Bela Lugosi den Mad Scientist gab) kann man eher unter “Statisten“ verbuchen. Dafür glänzt der großartige Basil Rathbone als Sir Joel Cadman. So heißt die Figur zumindest in der Originalfassung. Wieso man Cadman in der deutschen Fassung zu „Professor Thosti“ machte, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Rathbone ist brillant als verblendeter und verbissener Chirurg, der für den Erfolg seiner Arbeit über Leichen geht. Zwar wird hier seine durch einen Tumor ins Koma gefallene Frau als Motiv für seinen skrupellosen Wissens- und Tatdrang angeführt, doch man spürt zu jeder Zeit, dass Cadman/Thosti auch ohne diese zusätzliche Motivation das Skalpell gewetzt hätte. Er nimmt hier bereits die ebenso aristokratische, wie von Ehrgeiz und dem Wunsch Gott zu spielen zerfressene Dr.-Frankenstein-Figur vorweg, die Peter Cushing in den Hammer-Filmen unsterblich machen sollte. Rathbone kontrolliert jede seiner Szenen. Er ist das absolute Zentrum dieses Filmes und mischt die coole Arroganz seines Sherlock Holmes mit dem tragischen Sadismus seines Richard in „Der Henker von London“. Die Schauspieler um ihn herum geben eine gute und durchaus überzeugende Figur im Rahmen der Möglichkeiten des Drehbuchs ab. Denn natürlich sind sie zu allererste zweckmäßige Stereotypen. Mit einer großen Ausnahme: Akim Tamiroff als Odo, der dem Professor stets neue Subjekte für seine Forschung zuführt. Tamiroff legt seinen Odo irgendwo zwischen Witzfigur und eiskalten Soziopath an. Immer wieder schwankt er zwischen diesen Extremen, lässt aber auch bei seinem untertänigsten, schleimigsten Heranwalzen durchblicken, dass hier jemand lauert, dem sämtliches menschliche Mitgefühl abgeht. Dass Odo ein Sinti&Roma ist, stößt heute natürlich etwas auf, da Tamiroff auch sämtliche Vorurteile und Klischees gegenüber den Sinti&Roma bedient. Das muss aber wohl im zeitlichen Kontext gesehen werden. In den 50er Jahren gehörten diese Karikaturen zum Standard, ohne dass jemand darüber nachdachte, was solche Darstellungen für eine Volksgruppe bedeutete.

Eine besondere Erwähnung verdient die Musik von Les Baxter, der hier seinen ersten Horrorfilm-Soundtrack vorlegt und dies mit viel Kraft und Gespür für dramatisch-unheimliche Untermalung. In den 60ern sollte er dann Roger Cormans ersten Poe-Verfilmungen vertonen und besonders berüchtigt dafür werden, dass er die Scores für die US-Versionen zahlreicher italienischer Horrorfilm schrieb, mit denen dann leider die wunderbaren Kompositionen der Original-Komponisten ausgetauscht wurden. In Szene gesetzt wurde „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ von einem Veteranen des guten, alten Universal-Horrors. Der gebürtige Wiener Reginald Le Borg hatte am Beginn seiner Karriere zahlreiche Horrorfilme mit Lon Chaney inszeniert. So die populäre Inner-Sanctum-Serie, wie auch “The Mummy’s Ghost”. Er war also eine gute Wahl, um einen Film zu drehen, welcher sich ganz dem Geist dieser alten Filme verschrieben hat. Der wirkt, als wäre er Anfang der 40er irgendwo im Archiv der Universal vergessen worden und dann mehr als ein Jahrzehnt später doch noch aufgeführt worden. Allein die deutlich gealterten Stars verraten, dass “Die Schreckenskammer des Professor Thosti” tatsächlich erst 1956 geöffnet wurde. Die wienerische Herkunft Le Borgs ist wahrscheinlich auch dafür verantwortlich, dass Le Borg in die recht klassische Inszenierung immer wieder expressionistische Sprenkel einfließen lässt. Wie in der beeindrucken Szene in der der tot geglaubte Gordon in seinem Sarg erwacht und sich mühsam aufrichtet. Aber wie mag der Film wohl damals auf das Publikum gewirkt haben? Für uns heute, verwischt es irgendwie, ob ein Film nun 70 oder 60 Jahre alt ist. Damals müssen zwischen den aktuellen Filmen der Saison und einem altmodisch inszenierten Grusler mit Mad-Scientist-Einschlag bereits Welten gelegen haben. Aus heutiger Sicht reiht er sich jedenfalls gut in die Reihe der Universal-Filme der 30er und 40er Jahre ein, und nicht zwischen den Jack-Arnold- und Ray-Harryhausen-Produktionen.

“Die Schreckenskammer des Professor Thosti” ist ein sympathischer, irgendwie aus der Zeit gefallener Film, der zu seiner Entstehungszeit 1956 schon hoffnungslos altmodisch gewirkt haben muss. Trotzdem unterhält der preisgünstige Gruseler ganz famos, auch wenn seine Alt-Stars wie Lugosi und Chaney sich mit Mini-Rollen begnügen müssen. Dafür ist es ein Genuss Basil Rathbone als Mad Scientist zu sehen.

„Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ ist ein sehr guter Abschluss hat Anolis‘ Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“. Nicht nur der recht rare Film passt vorzüglich, auch die Präsentation muss einmal mehr lobend erwähnt werden. Das Schwarz-Weiß-Bild ist sehr klar und frei von Schäden. In der Originalfassung klingt die Tonspur sehr sauber und gut abgemischt. Vor allem die Musik kommt hervorragend zur Geltung. Die alte deutsche Kinosynchro klingt demgegenüber leicht blechern, ist jedoch mit sehr guten Sprechern besetzt (u.a. Sigfried Schürenberg als Basil Rathbone). Bei den Extras wurde auch hier wieder alles gegeben. Es gibt einen informativen und anekdotenreichen Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz. Laut der Webseite Evel Ed soll sich auch noch eine halbstündige Einleitung für internationale Käufer von Kronz und Giesen auf der Scheibe befinden. Diese habe ich allerdings nicht gefunden, und sie wird auch sonst wo nicht erwähnt.Neben dem US- und Deutsche Kinotrailer („Der Film mit dem Pfiff!“) ist auch wieder eine „Trailers from Hell“-Episode mit Joe Dante und die Werberatschläge mit auf der Disk. Zusätzlich ist noch eine sogenannte „Deutsche Grindhousefassung“ im 4:3-Format (welches das korrekte zu sein scheint), mit Kratzern, Laufstreifen, Schmutz und dem alten deutschen Verleihvorspann in die Veröffentlichung inkludiert. Und letztendlich findet sich noch ein ausführliche, 32-seitige Booklet mit jeweils einer Filmvorstellung von Ingo Strecker und einer von Uwe Sommerlad in der Packung. Da beide unabhängig voneinander über den Film schreiben (es scheint beide hätten den Auftrag bekommen und am Ende hat Anolis nicht ein Booklet-Text ausgewählt, sondern beide zusammengepackt) gibt es ein paar Dopplungen, aber das macht im Rausch der Details und infos gar nicht aus.

Blu-ray-Rezension: „Der 27. Tag“

Von , 15. Februar 2018 21:41

Fünf Erdbewohner werden von einem geheimnisvollen Fremden entführt und in seinem Raumschiff ins All gebracht. Der Fremde (Arnold Moss) erklärt ihnen, dass sein Planet in den nächsten 30 Tagen untergehen wird und sein Volk eine neue Heimat braucht, um zu überleben. Die Wahl fiel auf die Erde. Doch ihre ethischen Grundsätze erlauben es ihnen nicht, einfach so die Erde zu annektieren. Der Fremde übergibt dem amerikanischen Journalisten Jonathan Clark (Gene Barry), der jungen Engländerin Eve Wingate (Valerie French), dem deutschen Wissenschaftler Prof. Klaus Bechner (George Voskovec), dem russischen Soldaten Ivan Godofsky (Azenath Janti) und der chinesischen Bäuerin Su Tan (Marie Tsien) Kapseln in die Hand, die eine Waffe enthalten, mit der sich die Menschheit vernichten könnte, ohne dass die Natur in Mitleidenschaft gezogen wird. Sollten die Menschen innerhalb der nächsten 27 Tage die Kapseln nicht benutzt haben, werden sie unbrauchbar und die Außerirdischen müssen Sterben. Doch die Aliens gehen davon aus, dass sich die aggressive und gewalttätige Menschheit innerhalb der Frist selber vernichten wird. Zurück auf der Erde versuchen die fünf Auserwählten das Erlebte zunächst zu verheimlichen. Doch dann nutzen die Außerirdischen die weltweiten Nachrichtensysteme, um der Menschheit nicht nur von der Waffe zu erzählen, sondern auch die Namen ihrer Besitzer preiszugeben. Das weckt Begehrlichkeiten bei den Mächtigen und schürt die Ängste in der Bevölkerung. Die fünf Erdbewohner werden zu Gejagten…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Der 27. Tag“ ist ein preisgünstiges „Der Tag an dem die Erde stillstand“-Rip-Off. Wie jener Klassiker von Robert Wise bemüht auch dieser Film sich um eine pazifistische Botschaft, kommt aber nicht umhin, trotzdem ordentlich auf den Feind im Osten einzudreschen. Das Land hinter dem Eisernen Vorhang wird als kalte Militärdiktatur gezeigt, deren oberste Befehlshaber schon der Geifer aus dem Maul läuft, wenn sie nur daran denken, mittels außerirdischer Technik die Weltherrschaft erlangen zu können. Das sieht dann auf US-amerikanischer Seite ganz anderes aus. Denn hier sind die Anführer der freien Welt besonnen und um Frieden bemüht. Soweit, so stereotyp, so kalter Krieg. Interessant ist da eher die Zeichnung der „Zivilgesellschaft“. Die arme Bäuerin aus dem maoistischen China opfert ihr Leben für den Frieden, der Sowjetsoldat erduldet die schlimmsten Qualen, um die Vernichtungswaffe nicht in die Hände seiner Vorgesetzten fallen zu lassen – und in den USA formt sich ein mordlustiger Mob, als bekannt wird, dass der Journalist Jonathan Clark eine tödliche Waffe besitzt.

Tatsächlich verbirgt sich hinter „Der 27. Tage“ ein recht interessantes Gedankenspiel. Was passiert, wenn man den untereinander verfeindeten Nationen eine überlegene Waffe in die Hand gibt? Werden sie vernünftig handeln und alles tun, damit diese nicht zum Einsatz kommt? Oder im Gegenteil sich sofort wieder in die Schlacht stürzen und sich gegenseitig vernichten? Der mit anderen Worten: Funktioniert die vielfach und immer wieder beschworene Strategie der Abschreckung? Die Antwort, die „Der 27. Tag“ liefert ist ambivalent. Überlässt man dies „den kleinen Leuten“, dann ist alles paletti. Sobald sich aber die Machthaber einmischen, droht der Weltuntergang. Denn diese sind ebenso machtbesessen wie unbelehrbar. Zumindest, wenn sie aus dem Osten kommen. Keine ganz unproblematische Aussage, bedient sie doch wieder einmal die alte – und auch heute noch aktuelle „Wir gegen die da oben“-Attitüde. Klammert man diesen Aspekt und die Kalte-Krieg-Propaganda aber mal aus, ist die Frage, in wie weit der Mensch bereits zivilisiert genug ist, sich nicht ständig die Köpfe einschlagen zu wollen, auch heute noch (oder gerade heute) sehr interessant.

„Der 27. Tag“ kann nicht mit großen Stars oder spektakulären Massenszenen aufwarten. Oftmals verdichtet sich der Film zum Kammerspiel. Es wird in engen Räumen diskutiert, die Anzahl der Außenaufnahmen minimiert. Und wenn, dann finden diese auf einer menschenleeren Rennbahn statt. Trotzdem versteht der Film es, Spannung aufzubauen, und einen fast die plumpe Kalte-Kriegs-Rhetorik vergessen zu machen. Dazu tragen die soliden Schauspieler bei, die gerade in den pefejt besetzten Nebenrollen einiges an Charisma entwickeln. Dass der Deutsche dabei von einem Tschechen und der Russe wiederum von einem Deutschen gespielt wird, fällt da gar nicht ins Gewicht. Der in Tschechien als  Jiří Wachsmann geborene George Voskovec spielt den deutschen Professor Bechner als sympathischen, höchst intelligenten Menschen. Was durchaus verwundert, waren die Deutschen doch nur wenige Jahre zuvor noch die Bösen Nummer 1 und auch in späteren Filmen häufig von dubioser Gesinnung. Vielleicht hatten die Macher des Films (oder der Autor der mir unbekannten Vorlage) ja die zahlreichen deutschen Wissenschaftler im Sinn, die nach dem 2. Weltkrieg trotz Nazi-Vergangenheit in die USA geholt wurden, um am amerikanischen Raketenprogramm zu arbeiten. Eine Figur wie Bechner ist da sicherlich gut für das Image und macht die zweifelhaften Umstände dieses „Anheuerns“ vergessen.

Der gebürtige Berliner Stefan Schnabel spielt seinen Sowjet-General als kaum kaschierte Stalin-Kopie. Beide besitzen auch eine entfernte Ähnlichkeit, auch wenn bei Schnabel der markante Schnurrbart weggelassen wurde. Vielleicht hatte man erkannt, dass vier Jahre nach Stalins Tod, ein allzu deutlicher Verweis nicht mehr ganz zeitgemäß war. Schnabel genießt es sichtlich seinen General möglichst heimtückisch-schmeichlerisch, aggressiv und größenwahnsinnig anzulegen. Dass er sich dabei oftmals weit über den Rand der Karikatur lehnt, fällt nicht weiter ins Gewicht. Denn auch, wenn „der 27. Tag“ vorgibt philosophische Fragen zu erläutern, bleibt er im Grunde doch ein kleiner Unterhaltungsfilm, der seine pazifistische Botschaft mit einem kräftigen Schuss Sowjet-Bashing anreichert. Da pfeift dann der kalte Krieg durch jede Drehbuch-Ritze.

Das interessanteste Mitglied des Schauspieler-Ensembles ist ebenfalls ein Europäer:  Der adelige Österreicher Friedrich Anton Maria Hubertus Bonifacius Graf von Ledebur-Wicheln, der hier unter seinem Schauspielernamen Friedrich von Ledebur geführt wird. Von Ledebur spielt den sanften Philanthropen Dr. Neuhaus. Ein großer und dadurch etwas tapsig wirkender älterer Herr, der langsam und mit schwerem Akzent spricht, und sich am Ende mit einem Lächeln für das Wohl der Menschheit opfert. Sieht man Von Ledebur hier in seinen altmodisch, etwas muffig wirkenden Anzügen, wie er gutmütig um das Wohl Bechners besorgt ist, kann man kaum glauben, dass er im selben Jahr seinen Durchbruch als Schauspieler in der Rolle des Kannibalen Queequeg in John Huston großartigen „Moby Dick“-Verfilmung hatte. Überhaupt lohnt es sich sehr, sich etwas näher mit dem unglaublichen Leben des Herrn von Ledebur zu beschäftigen, der nicht in Amerika Filme drehte, sondern später noch in zwei deutschen Karl-May-Filmen oder dem Italo-Western „Nobody ist der Größte“ sehen war. Ein rastloser Globetrotter, der sich als erfolgreicher Rodeo Reiter,  Minenarbeiter, Schwimmlehrer, Goldgräber, Tiefseefischer, Butler und vieles anderes mehr war. Eine Verfilmung seines aufregenden Lebens wäre wohl ein mindestens so aufregender Stoff wie „Der 27. Tag“.

„Der 27. Tag“ ist ein kleiner, spannender Unterhaltungsfilm, der allerdings seine pazifistische Botschaft mit einem kräftigen Schuss Sowjet-Bashing anreichert. Trotzdem bietet er ein interessantes Gedankenspiel an, was passieren würde, wenn die angeblich so zivilisierte Menschheit plötzlich eine Superwaffe in die Hand bekäme.

Anolis bleibt sich auch mit der neusten Veröffentlichung in der Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ treu. Der hierzulande recht unbekannte B-Film wird in seiner bestmöglichen Form präsentiert. Die Blu-ray (eine inhaltsgleich DVD ist ebenfalls mit dabei) besticht mit einem sehr guten Schwarz-Weiß-Bild, welches nicht übermäßig glatt gefiltert wurde und so einen lebendigen, „echten“ Eindruck macht. Der Mono-Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor, optional auch mit deutschen Untertiteln. Die deutsche Kinosynchronisation ist sehr gut und mit bekannten Stimmen besetzt. Vorzuziehen ist aber die englische Fassung, die sich bemüht, sprachliche Unterschiede der verschiedenen Nationen herauszuarbeiten und generell etwas „voller“ klingt. Der Veröffentlichung liegt ein zwölfseitiges Booklet bei mit vielen schönen Bildern und einem informativen Text von Ingo Strecker. Wie fast schon üblich gibt es auch wieder zwei Audiokommentare. Der erste ebenfalls von Ingo Strecker, der zusammen mit Bodo Traber näher auf den Film eingeht. Der zweite mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, die auch den 50er Jahre Science-Fiction-Film allgemein besprechen. Ansonsten gibt es noch die deutsche Kinofassung mit dem deutschen Vorspann deutschen Textinserts , sowie eine spanische und eine portugiesische Titelsequenz, den amerikanischen und deutschen Kinotrailer, den deutsche Werberatschlag, das US-Pressebuch, drei deutsche Filmprogramme, sowie einer animierten Bildergalerie zum Film.

Blu-ray Rezension: „Mutant – Das Grauen im All“

Von , 20. Dezember 2017 06:36

Mike Colby (Jesse Vint) hat auf dem Heimweg zur Erde die letzten Jahre in einem kryonischen Schlaf verbracht. Als sein Raumschiff von Piraten angergriffen wird, weckt ihn seine Roboter SAM-104. Doch erfolgreicher Schlacht, kann Colby seinen Heimflug nicht fortsetzen, sondern bekommt von der Föderation den Auftrag, zu einer Forschungsstation auf dem Planeten Xarbia zu reisen. Dort scheint ein Experiment aus dem Ruder gelaufen zu sein. Bei seiner Ankunft wird er von Dr. Barbara Glaser (June Chadwick) und Dr. Gordon Hauser (Linden Chiles) empfangen, die ihm das Subjekt 20 zeigen. Dieses hat alle Forschungstiere auf der Station getötet und sich dann in einer Art Kokon eingesponnen. Während Colby noch mit den Wissenschaftlern berät, wie weiter vorgegangen werden soll, schlüpft das Subjekt 20 aus seinem Kokon und fordert ein erstes menschliches Opfer…

Als Ridley Scott 1979 seinen großen SF-Horror-Klassiker „Alien“ drehte, muss der Film wie eine Offenbarung für unzählige Filmemacher und Produzenten gewirkt haben. Besonders für die, welche zwar gerne einen Horrorfilm drehen wollten, aber dafür leider nicht das nötige Kleingeld in der Kasse hatten oder nicht in die Hand nehmen wollten. Ein übersichtlicher, geschlossener Schauplatz, eine überschaubare Gruppe von Menschen und ein Monster, dass gerne im Dunkeln lauerte. Fertig war das Rezept für die preisgünstigen SF-Schocker, welche in den folgenden Jahren den Markt und die unteren Videotheken-Regale überschwemmen sollten. Und bald schon wurden unbekannte Schauspieler – und noch lieber Schauspielerinnen – durch die schier unendlichen Gänge von Raumschiffen, unterirdischen Laboratorien, Bergstollen, Lagerhäusern oder eben – wie im vorliegenden Falle – Raumstationen gehetzt.

Dass ein gewiefter Pfennigfuchser wie Roger Corman nicht lange warten würde, bis er die Erfolgsformel aufgriff, ist klar. Als aus einer anderen Produktion (den etwas bekannteren „Planet des Schreckens“) am Wochenende noch einige Kulissen ungenutzt herumstanden, schickte er den Cutter Allan Holzman los, um darin einfach mal einige Szenen zu drehen. Das Drehbuch, in die diese Szenen passen sollten, wurde dann später geschrieben. Warum auch nicht? „Mutant – Das Grauen im All“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Corman vorging. Er ergriff eine Möglichkeit beim Schopfe und ließ dann junge, hungrige Filmemacher von der Leine, die dafür brannten, endlich selber einen eigenen Film zu drehen. Diesen Enthusiasmus atmet „Mutant“ zu jeder Sekunde. Da ist nicht alles perfekt, aber charmant. Manches würden böse Zeitgenossen als „Trash“, andere eben als „großen Spaß“ bezeichnen. Das Monster sieht zwar aus, wie eine Aubergine mit Zähnen, aber es hat Charakter. Die Effekte sind plakativ, aber man merkt den Spaß, den die großen Jungs am herum sauen hatten.

„Mutant“ bringt alles mit, um Vorurteile gegenüber Low-Budget-Horror zu bestätigen. Es gibt viele vollkommen unnötige Nacktszenen mit den attraktiven Schauspielerinnen. Ja, aber weshalb soll man sich nicht gerade gegenseitig unter der Dusche einseifen, wenn man darüber diskutiert, wie das Monster zur Strecke gebracht werden soll? Die Vermutung liegt nahe, dass gerade diese Szene auf dem Mist von C-Autor Jim Wynorski gewachsen ist. Aber das ist eben nur eine – wenn auch naheliegende – Vermutung. Nein, die Handlungen der Figuren bestechen nicht gerade durch besondere Klugheit. Da wird der Kopf eben in den Brutkasten der mutierten Lebensform gehalten, sich mit offenen Armen und seligem Lächeln der Kreatur, die gerade die Hälfte der Filmbesetzung gekillt hat, entgegengegangen („Es braucht doch nur Liebe“) und generell mit Dingen herum gefummelt, die jeden vernünftig denkenden Menschen dazu bringen würden, die eigenen Beine in die Hand zu nehmen – und nicht irgendwelche fremden Leichenteile. „Mutant“ ist eben nicht „Alien“ und das wird zu keiner Sekunde versteckt – auch wenn das große Vorbild über allem schwebt.

Gleich in den ersten 30 Sekunden schafft es Allan Holzman mit „Alien“, „Krieg der Sterne“ und „2001“ gleich drei Klassiker zu zitieren. Allerdings nicht als großes Staatstheater, sondern als mehr schlecht als recht zusammengezimmertes Theaterstadl. Hauptdarsteller Jesse Vint, ein verdienter TV-Veteran, ist dann auch kein strahlender Held, sondern eher ein solider Handwerker. Vint führt die eher unbekannte Darstellerriege an. Am ehesten kennt man noch June Chadwick, die kurze Zeit später als außerirdische Invasorin Lydia in der TV-Serie „V – Die Außerirdischen Besucher kommen“ zu kurzer Bekanntheit kam. Mit fast 50 Jahren gibt Fox Harris sein Leinwand-Debüt und scheint alles, was er zuvor versäumt hatte, in einem Rutsch nachholen zu wollen. Seine extrem physisch, verschwitzt, überlebensgroße Darstellung eines der Wissenschaftler ist ein Highlight des Filmes. Er blieb bis an sein viel zu frühen Lebensende 1988 dem Genre treu und war sogar bei zwei Filmen von Alex Cox dabei.

„Mutant“ ist ein sehr preisgünstiges „Alien“-Rip-Off und täuscht auch nicht eine Sekunde lang vor, mehr sein wollen. Das im Grunde dünne Süppchen wird mit viel Blut, Schleim und Sex angedickt und ergibt so ein ausgesprochen schmackhaftes Fast-Food-Gericht für Zwischendurch, das man ohne Reue verdrücken kann.

Die Blu-ray von „Mutant – Das Grauen im All“ ist das Debüt einer neuen Reihe aus dem wundervollen Hause Anolis. Hier werden in Zukunft acht weitere „Phantastische Filmklassiker“ – so der Name der Reihe – erscheinen. Mit „Geheimagent Barrett greift ein“ und „Willard“ stehen auch schon zwei weitere Titel fest. Und wenn die weiteren Veröffentlichungen den hohen Standard halten, den „Mutant“ gesetzt hat, darf man jetzt schon frohlocken. Das Bild ist sehr gut und sieht nach echtem Kino, und nicht seelenlos gefiltertem Video aus. Der Ton liegt im Original 2.0. Mono vor. Auch hier wurde nicht versucht, etwas durch hochrechnen auf 5.1. zu „modernisieren“. Der englische Ton ist sehr gut, der deutsche fällt durch ein Zischen bei den „S“-Lauten auf. Wo Antolis wirklich ganze Arbeit und noch mehr geleistet hat, sind die Extras. Das geht schon los mit dem hervorragenden 20-seitigen Booklet mit einem Text von Ingo Strecker, reichlich wunderschönem Bildmaterial, sowie zwei Seiten genaue Produktionsdaten. Vom Film bekommt man drei Fassungen: Die US-Version mit 77 Minuten, die vom deutschen Verleih leicht verlängerte 82-minütige deutsche Kinofassung und den Director’s Cut. Das Master dieser Fassung stammt von einer privaten VHS des Regisseurs, hat eine dementsprechende Qualität und liegt daher nur als DVD bei. Dafür glänzt sie aber mit einem eigens für diese Fassung von Regisseur Allan Holzman eingesprochenen Audiokommentar. Die weiteren Extras stammen größtenteils von der 2010 erschienenen US-Blu-ray von Shout Factory. Hier gibt es ein sehr informatives, mehr als halbstündiges Making-Of zu sehen. Ferner ein Interview mit Special-Effects-Mann John Carl Buechler und ein 5-minütiges Interview mit Roger Corman. Natürlich gibt es auch noch Kinotrailer, Werberatschläge und Bildergalerien, sowie einen Audiokommentar mit Ingo Strecker und Pelle Felsch zur deutschen Kinofassung. Toll, toll, toll.

Blu-ray-Rezension: „The Witches“

Von , 4. November 2017 14:49

Nachdem sie bei einem unheimlichen Zwischenfall in Afrika vom Hexenmeister eines Eingeborenenstammes fast in den Wahnsinn getrieben wurde, ist Gwen Mayfield (Joan Fontaine) wieder nach England zurückgekehrt. Hier hofft sie, sich von den schlimmen Ereignissen zu erholen. So sagt sie schnell zu, als ihr Alan Bax (Alec McCowen) – den sie für einen Priester hält – eine Anstellung als Englischlehrerin in der Schule des kleinen Örtchen Heddaby als Englischlehrerin anbietet. Der leicht verschrobene Alan, lenkt mit seiner Schwester Stephanie Bax (Kay Walsh) die Geschicke des Ortes. Gwen freundet sich mit Stephanie an und fühlt sich in ihrer neuen Umgebung zunächst sehr wohl. Doch bald schon merkt sie, dass etwas hinter der freundlichen Fassade nicht stimmt. Als sie hört, dass ihre liebste Schülerin Linda (Ingrid Boulting) von ihrer Großmutter (Gwen Ffrangcon Davies) misshandelt wird und das ganze Dorf versucht Linda von ihrem Freund Ronnie (Martin Stephens) fernzuhalten, geht Gwen der Sache auf den Grund und gerät damit selber in Gefahr…

The Witches“ zählt nicht zu den bekanntesten Hammer-Horror-Filmen. Daran ändert auch der reißerische deutsche Alternativ-Titel „Der Teufel tanzt um Mitternacht“, der ihm für die TV-Ausstrahlung angedichtet wurde, nichts. Die Gründe für seine mehr oder weniger große Obskurität liegt sicherlich an mehreren Faktoren. Einmal geht es hier nicht um die überaus beliebten, klassischen Hammer-Ungeheuer: Vampire, Frankensteins Monster oder meinetwegen auch Mumien. Zudem wirken keine der üblichen Verdächtigen mit. Peter Cushing und Christopher Lee wären hier zwar auch nicht die Idealbesetzung (wobei man sich Lee allerdings gut als männlichen Hexenmeister vorstellen könnte), aber nicht einmal ein Michael Ripper schaut um die Ecke. Hinter der Kamera stand der weitgehend unbekannte Cyril Frankel, der hauptsächlich für das englische Fernsehen arbeitete und dort an zahlreiche Episoden von „Department S“, „Jason King“ und „Gene Bradley in geheimer Mission“ mitarbeitete. Seine letzte Regiearbeit datiert von 1990 und ist ausgerechnet das Thomas-Gottschalk-Vehikel „Eine Frau namens Harry“, welches die deutsche Supernase international bekannt machen sollte. 1966 war auch die erste goldene Phase für Hammer vorbei. Bis zum Comeback mit mehr Blut und Brüsten sollte es noch etwas dauern. Schlechte Voraussetzungen also für „The Witches“.

„The Witches“ war ein Herzensprojekt der großartigen, oscar-prämierten Schauspielerin Joan Fontaine, die schon bei Alfred Hitchcock Erfahrungen mit unheimlichen Begegnungen gemacht hatte. Ihr gefiel die Novelle „The Devil’s Own“ von Norah Lofts (veröffentlicht unter deren männlichen Pseudonym „Peter Curtis“) so gut, dass sie sich die Rechte sicherte und in Hammer ein Studio fand, welches „The Devil’s Own“ gerne produzierte. Wahrscheinlich schielte man dabei auch auf die damals populäre Welle der „alten Damen in Horrorfilmen“, die von Robert Aldrichs Meisterwerk „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ losgetreten wurde, und von der die großen Stars des klassischen Hollywoods noch einmal profitieren konnten. Wie Bette Davis (die dann in einigen von Hammers Psycho-Thrillern mitspielte), Joan Crawford, Olivia de Havilland (Joan Fontains Schwester und ewige Rivalin) oder auch Tallulah Bankhead (ebenfalls in einer Hammer-Produktion). Im Gegensatz zu diesen musste Fontaine aber nicht die irre Alte geben, sondern spielte in „The Witches“ eine starke, unabhängige Frau, die nicht nur Heldin, sondern auch das emotionale Zentrum des Filmes ist. Dabei half gewiss, dass Joan Fontaine mit gerade Mal Ende 40 auch eine ausgesprochen schöne und elegante Frau war. Dass man der Fontaine in „The Witches“ kein männliches love interest zur Seite stellte und ihr Interesse vor allem der jungen Linda Rigg, gespielt von Ingrid Boulting, und der starken Stephanie Bax, gespielt von der umwerfenden Kay Walsh, gilt, hat einige Filmkritiker dazu bewogen, in dem Film eine lesbische Grundierung zu entdecken. Diese kann ich nicht finden. Joan Fontaines Charakter Gwen Mayfield ist eine starke Frau, die gut auf sich selber aufpassen kann und keine männliche Hilfe braucht. Wie nun ihre sexuelle Orientierung aussieht ist für den Film (und auch sonst) dann auch herzlich egal.

Norah Lofts Novelle wurde von dem legendären Quatermass-Erfinder Nigel Keale für die Leinwand aufbereitet. Da ich die Vorlage nicht kenne, weiß ich nicht, ob die Ambivalenzen bereits in der Novelle vorhanden waren, oder auf Keale zurückgehen. Relativ früh wird klar, dass die großartige Kay Walsh in der Rolle der Stephanie Bax hinter dem Hexenkult steht (dieser Punkt wird auch auf den Bildern der DVD-Hülle verraten, ist also kein großer Spoiler). Sie gibt es sogar offen zu und diskutiert mit der Heldin Gwen Mayfield über die Rolle der Hexe. Und in der Tat klingt vieles von dem, was sie sagt, durchaus vernünftig. Stephanie Bax wirkt auch keineswegs wie eine Wahnsinnige oder von Machtgier zerfressen. Stephanie Bax Ganz im Gegensatz zu Gwen Ffrangcon Davies als Granny Riggs, der die Bosheit oftmals aus den schielenden Augen zu tropfen scheint. Sie steht dann auch im Zentrum der Paranoia, die sich langsam in Gwen Mayfield ausbreitet. Regisseur Cyril Frankel gelingt es hervorragend, das Abgründige hinter der scheinbar so heilen Dorf-Fassade durchscheinen zu lassen. Trotz allem Lächeln und freundlich Winken spürt man doch jederzeit, dass etwas bedrohliches hinter den so sonnigen Gesichtern steckt. Gwen Mayfields Unbehagen wird fast fühlbar, wenn man nebenbei sieht, wie im Bildhintergrund eine Mutter ausgesprochen rüde mit ihrer kleinen Tochter umgeht, man Fetzen von böser Nachrede hört oder sich das lächelnde Gesicht blitzschnell in eine grimmige Grimasse verzieht, wenn mal keiner hinsieht. Das ist der wahre Horror von „The Witches“.

Männer spielen in diesem Film kaum eine Rolle. Sie sind entweder schwächlich wie Alec McCowen als Alan Bax, Opfer oder willfährige Helfer des Hexenkults. Um die wichtigen Dinge kümmern sich die Frauen. Im Guten, wie im Bösen. Vielleicht stieß dies damals dem (oftmals männlichen) Horrorfilm-Publikum sauer auf, und sie blieben dem Film fern. Es kann allerdings auch am lächerlichen und unfreiwillig komischen Finale liegen. Dieses ist an Albernheit kaum noch zu überbieten und droht den bis dahin wunderbar zurückhaltenden und ernsthaften Film, nachhaltig zu beschädigen. Während die souveräne Kay Walsh ihr bestes tut, um die Situation noch halbwegs zu retten – was ihr aber nur bedingt gelingt – springen die anderen Darsteller umher als gelte es den ersten Preis in der Kategorie „Wie mache ich mich am Besten zum Affen“ zu gewinnen. Da wird wild grimassiert und eine große Orgie simuliert, die allerdings schon deshalb lustig wirkt, weil alle Beteiligte noch ihre – aus welchem Grund auch immer – zerrissene Kleidung anhaben und diese aufeinander rollen nun gar nichts erotisches und verruchtes hat, sondern an eine Krabbelgruppe im Kinderspielkreis erinnert. Das Ende kommt dann auch allzu abrupt und den vorangegangen, ebenso spannenden wie 90 Minuten vollkommen unwürdig. Das ist sehr schade und wirkt in der Tat so, als ob der Produktion kurz vor Schluss das Geld ausgegangen ist und man jetzt schnell gucken musste, wie man die Geschichte ganz schnell zu einem Ende bringt. Was den Film als Ganzes aber nicht schmälern soll.

„The Witches“ ist im Hammer-Kanon zwar etwas untergegangen, entpuppt sich aber als souverän inszenierter Paranoia-Thriller mit übersinnlichen Tönen. Leider macht das abrupte und ziemlich alberne Finale viel von der zuvor sorgsam aufgebauten Spannung kaputt. Trotzdem ist „The Witches“ eine hübsche Perle am Kleid des britischen Horrorfilms.

Anolis bringt „The Witches“ erstmals in Deutschland auf HD heraus. Wieder vollgepackt mit Extras und in ein tollen Bildqualität. Letztere zeichnet sich durch Schärfe und kräftige Farben aus, ohne dabei das Alter des Filmes zu verleugnen. So soll eine Veröffentlichung eines 50-jährigen Films auch aussehen. Der Ton ist klar und kommt – zumindest in der Originalfassung – sehr authentisch rüber. Für die Freunde deutscher Synchronfassungen ist die TV-Synchronisation mit an Bord. Im Audiokommentar unterhalten sich Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz über vieles was interessant ist, aber nicht zwangsläufig auf den Film bezogen – den sie auch gar nicht besonders mögen. Was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Sehr schön sind die beiden Featurettes, die als Bonus beigegeben wurden. Die Episode der „Wicked Woman“ TV-Serie „World of Hammer“ von 1990 ist bereits bekannt und befand sich schon auf der deutschen Erstveröffentlichung des Films von 2003. Sie beschäftigt sich mit den Schurkeninnen der Hammer Studios. Ganz und gar großartig ist die 45-minütige Dokumentation „Hammer Glamour“, welche 2013 von Hammer-Experte Marcus Hearn gedreht wurde und in der sich Madeline Smith, Martine Beswick, Caroline Munro, Vera Day, Jenny Hanley und Valerie Leon tausend und eine Anekdote zu erzählen haben, und dabei super sympathisch und humorvoll rüber kommen. Da möchte man gerne mit auf dem Sofa sitzen. Das 25-seitige Booklet ist nur in der Mediabook-Version enthalten, weshalb ich nichts drüber sagen kann. Die Extras der Blu-ray werden durch den amerikanischen Kinotrailer, TV-Spots und Bildergalerien abgerundet.

Blu-ray-Rezension: „Krieg im Weltenraum“

Von , 27. September 2017 16:43

Auf der Erde geschehen seltsame Dinge. Eine Brücke schwebt in die Luft als gerade ein Zug angerauscht kommt, Venedig wird überflutet und eine Raumstation zerstört. Rasch stellt sich heraus, dass Außerirdische dahinterstecken und die Macht über die Erde übernehmen wollen. Die UN schickt daraufhin zwei Raumschiffe zum Versteck der Außerirdischen, welches sich auf dem Mond befindet…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Ishirō Honda ist nicht nur der „Vater“ von Godzilla, sondern hat in seiner langen Karriere auch zahlreiche andere Filme realisiert, die entweder den kaíju – den japanischen Monsterfilmen – oder dem Science-Fiction-Genre zugeordnet werden können. Während seine kaiju hierzulande recht bekannt sind und eine unglaubliche Fangemeinde hinter sich wissen, so laufen seine Science Fiction Filme bisher noch etwas unter dem Radar. Und dies obwohl in den 50er und 60er Jahren die meisten dieser Werke den Weg in den Westen und zumeist über den Umweg USA auch nach Deutschland fand. Trotzdem sind Filme wie „Weltraumbestien“ oder „UFOs zerstören die Erde“ trotz eines Kinostarts noch recht unbekannt. Anolis hat innerhalb seiner Reihe „Rache der Galerie des Grauens“ bereits Hondas „Das Grauen schleicht durch Tokyo“ veröffentlicht, nun folgt der zweite Schlag mit „Krieg im Weltenraum“. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig auch weitere Filme aus Hondas eher unbekannteren Schaffen in solch liebevollen Editionen in Deutschland erscheinen.

Dass der Film nicht bekannter ist und kein großer Fankult um ihn herum entstanden ist, kann aus heutiger Sicht nur schwer nachvollzogen werden. Kinder und Jugendliche, die ihn 1959 im Kino gesehen haben, müssten eigentlich förmlich weggeblasen worden sein von den Spezialeffekten, die ihrer Zeit weit voraus waren. Zwar ist noch lange kein „2001“-Standard erreicht worden (der ja auch erst neun Jahre später mit weitaus größeren finanziellen Ressourcen entstand), vergleicht man „Krieg im Weltenraum“ aber mit zeitgleich entstandenen US-Produktionen oder den italienischen Science-Fiction-Filmen eines Antonio Margheriti (an die man stellenweise stark erinnert wird) aus den 60er Jahren, dann liegen dazwischen Welten. Bunt und einfallsreich geht es bei „Krieg im Weltenraum“ zu, und was man von Raumschiffen, Raumstationen und Mondbasen zu sehen bekommt, sieht einfach verdammt gut aus. Da sieht man keine Fäden im Bild hängen, keine Glühlämpchen die Sterne simulieren. Natürlich wirkt auch „Krieg im Weltenraum“ zu keinem Zeitpunkt übermäßig realistisch, aber so professionell und kompetent gemacht, dass es einfach eine große Freude ist, die wunderhübschen Modelle zu betrachten.

Ein Grund, weshalb „Krieg im Weltenraum“ nicht der vielgeliebte Klassiker wurde, den alle Welt kennt, mag an der Handlung liegen, die auf viele Personen verteilt wird, so dass man keinen eindeutigen Helden ausmachen kann, dem die ungeteilte Sympathie gilt. Auch wirken die Szenen, in der UNO-Mitglieder bei einer großen Konferenz in Tokio große Reden halten, im Gegensatz zu den Weltraumszenen eher unfreiwillig komisch. Auch das insbesondere in den späteren Godzilla-Filmen immer wieder auftauchende Motiv der außerirdischen Geisteskontrolle, kann nicht unbedingt überzeugen und wirkt eher bemüht, um etwas Schwung in den Mittelteil zu bekommen. Wie auch seltsame Szenen, in denen Crewmitglieder der Raumschiffe plötzlich anfangen durch das Schiff zu schweben, weil sie unachtsam mit der Schwerkraft waren (also ob man diese einfach besiegen kann, indem man sich vernünftig konzentriert) sorgt eher für hochgezogene Augenbrauen. Sind die irdischen Raketen aber erst einmal auf dem Mond gelandet, darf man all dies aber wieder vergessen, denn die Expedition auf dem Erdtrabanten ist wunderbare Science-Fiction, so wie sie Spaß macht. Da gibt es überall was zu entdecken, knallbunte, blinkende und leuchtende Raumbasen, überdimensionierte Strahlenwaffen und bizarre Außerirdische.

Sobald sich die Action dann wieder auf die Erde verlagert wird, geht dem Filmfreund erst recht das Herz auf.Dann dürfen sich Tohos Trickspezialisten so richtig austoben und ein Zerstörungsfeuerwerk abfackeln, gegen das Ray Harryhausens Arbeit an „Fliegende Untertassen greifen an“ fast schon unspektakulär wirkt. Mit großer Freude werden da Gebäude in die Luft gesprengt, die Freiheitsstatur zerpulvert und generell alle Sehenswürdigkeiten der Welt platt gemacht, während Raketen durch den Himmel sausen.Wer ein Herz für solch kindliche Zerstörungswut hat, der ist hier genau richtig. Untermalt wird dies alles mit einem typischen Akira-Ifukube-Soundtrack, der vor allem für seinen herrlichen „Godzilla“-Marsch und generell für die meisten Soundtracks der klassischen „Godzilla“-Reihe und zahlreiche andere kaijun-Klassiker verantwortlich war. Hier trifft seine immer leicht swingend klingende Militärmusik wieder einmal perfekt den Ton des Filmes.

„Krieg im Weltenraum“ ist ein knallbuntes, durchaus spektakuläres Science-Fiction-Abenteuer vom „Godzilla“-Vater Ishirō Honda, welches mit liebevollen Spezialeffekten und viel Toho-typischer Zerstörung aufwartet. Da drückt man gerne eine Auge zu, wenn die Zeichnung der Figuren recht oberflächlich geraten ist.

Der achte Teil der „Rache der Galerie des Grauens“ ist wieder ein Doppel-Disc-Set mit einer Blu-ray und einer DVD. Die Bildqualität der Blu-ray ist sehr gut, die Farben sehr kräftig, das Bild klar oder „klinisch“ auszusehen. So müssen Filme aus den 50er Jahren in HD aussehen. Dadurch sind die Trickeffekte natürlich einfach zu durchschauen, was sich aber nicht vermeiden lässt. Der Ton liegt in deutsch (mit einer wundervollen zeitgenössischen Kinosynchronisation), japanisch und englisch vor. Man kann zwischen der japanische Fassung, sowie amerikanische bzw. deutsche Kinofassung wählen. Als Extras sind wieder zwei Audiokommentare mit an Bord, einer mit Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner (der auch zusammen mit Jo Steinbeck das informative, schön bebilderte 20-seitige Booklet verfasste), und ein weiterer mit Steve Ryfle und Ed Godziszewski, die gemeinsam an der Dokumentation „Bringing Godzilla Down To Size: The Art Of Japanese Special Effects“ gearbeitet haben. Daneben gibt es Filmtrailer, eine etwa 8-minütige Super-8-Fassung, Werberatschläge, Filmprogramme und Bildergalerien.

Blu-ray Rezension: “Captain Kronos – Vampirjäger“

Von , 5. Juli 2017 06:41

Als es in einem Dorf zu seltsamen Todesfällen kommt, ruft der Landarzt Dr. Marcus (John Carson) seinen alten Armeekameraden Captain Kronos (Horst Janson) zu Hilfe. Dieser reist mit seinem Freund, den kauzige Professor Hieronymus Grost (John Cater) und der jungen Carla (Caroline Munro) an. Kronos und Grost sind Vampirexperten und erkennen schon bald, dass hier ein unheimlicher Blutsauger sein Unwesen treibt. Die Spur führt zum Anwesen der Familie des verstorbenen Lord Durward…

Wenn ich an Horst Janson denke, denke ich zuerst einmal an die Sesamstraße. Dort hatte ich zu Kinderzeiten meine erste Begegnung mit dem sympathischen, schlaksigen Blonden. Später lernte ich dann, dass er durch eine TV-Serie namens „Der Bastian“ bekannt geworden war, die ich dann auch irgendwann im Fernsehen sah. Lang, lang ist es her. Dass „der Horst“ auch einmal für die Hammer Studios als „Captain Kronos – Vampirjäger“ unterwegs war, hätte ich mir damals nicht einmal träumen lassen. Umso größer waren meine Augen, als vor 13 Jahren der Film erstmals bei Anolis auf einer mittlerweile vergriffenen DVD erschien. Und man muss sagen, der gute Horst Janson macht seine Sache gar nicht schlecht. Schade, dass „Captain Kronos“ an der Kinokasse schneller als ein Stein sank und auch eine angedachte „Captain Kronos“-Serie nie zustande kam. In dieser sollte Kronos scheinbar – nomen est omen – durch die Zeit reisen und in verschiedenen Epochen Vampire bekämpfen. Eine sehr reizvolle Prämisse. Stattdessen landet der talentierte Horst dann bei Samson, Tiffy und Herrn von Bödefeld. Die Filmgeschichte kann manchmal sehr ungerecht sein.

Dass der Film an der Kinokasse so schlecht abschnitt, lag an der mangelnden Vermarktung durch Hammer, die ihn erst zwei Jahre im Regal liegen ließen, um ihn dann schließlich als untere Hälfte eines Double-Features mit „Frankensteins Höllenmonster“ zu „versenden“. Über die Gründe spekulieren die Macher in den sehr guten Extras der neuen Anolis Bluray. Scheinbar gab es da persönliche Animositäten und Eifersüchteleien von Seiten Michael Carreras‘, der damals der Chef von Hammer war. „Captain Kronos“ fällt auch stilistisch aus der Hammer-Horror-Reihe heraus und ist deutlich als das Kind seines Regisseurs und Drehbuchautoren Brian Clemens zu erkennen. Brian Clemens ist der großartige Kopf hinter den wunderbaren und noch heute sehr beliebten Serien „Mit Schirm, Charme und Melone“ und „Die Profis“. Ähnlich wie in diesen beiden Kultserien (hier ist dieses Unwort endlich mal angebracht), gibt es auch in „Captain Kronos“ eine Pre-Title-Sequenz, die den ersten, geheimnisvollen Mord zeigt, der die eigentliche Handlung ins Rollen bringt und den Titelhelden auf den Plan ruft. Auch sonst besitzt „Captain Kronos“ leichte Krimi-Elemente, wenn der Held und sein Sidekick herausfinden müssen, wer und was hinter den unheimlichen Morden steckt. Dabei lernen wir dann, dass es ganz unterschiedliche Typen von Vampiren gibt.

Dieser Dreh gibt Clemens die Freiheit, sich von vielen Vampirmythen zu verabschieden, und seine ganz eigene Vampirwelt zu kreieren. In dieser treiben die Vampire sehr wohl bei Tageslicht ihr Unwesen und saugen den Opfern nicht das Blut, sondern die Jugend und Lebenskraft aus. Auch die Vernichtung eines Vampirs ist nicht ganz so einfach, da muss man sich erst langsam an die richtige Methode herantasten muss. Was zu einer unglaublich makaber-komischen Szene führt, die irgendwo die berühmte Mordszene in Hitchcocks „Der zerrissene Vorhang“ mit skurrilen Monty-Pythons-Humor verheiratet. Überhaupt ist Clemens Herangehensweise eher leichtfüßig und wie seine bekannteste Serie von einem sympathisch-schrulligen schwarzen Humor durchzogen, aber ganz ohne dass der Film in Klamauk kippen würde. Wäre es nicht schon so ausgelutscht, könnte man hier von „typisch britischen Humor“ sprechen.

Horst Jansons Kronos ist eine interessante Figur. Ein geheimnisvoller Ex-Soldat, der durch die Lande zieht, um Vampire zu jagen. Immer wieder gibt es Hinweise auf seine Geschichte. Vor allem erfährt man, dass er im Krieg schwer verwundet und von Doktor Marcus wieder zusammengeflickt wurde – was zu einer schönen Bemerkung seitens Dr. Marcus‘ führt: „I know you have guts. I saw them“. Seine Familie wurde von Vampiren getötet, er selber von seiner verwandelten Schwester gebissen. Ansonsten bleibt der wortkarge Kronos aber mysteriös. Was sind das für seltsame „chinesische Kräuter“, die er da in seiner Pfeife raucht? Was sollen diese merkwürdigen Gesten mit einem Tuch über dem Gesicht, die er da durchführt? Und vor allem, was ist in der heißen Liebesnacht mit Carla passiert, die ihn am Morgen mit aufgeplatzten Lippen und dem Satz „Du warst heute Nacht etwas grob“ begrüßt? Kronos wird in den Kritiken häufig mit den Helden der Italo-Western verglichen. Ein Vergleich, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist, wenngleich Kronos von seiner Art her auch ein wenig an Sherlock Holmes erinnert. Nicht von seinen detektivischen Fähigkeiten her (dafür hat er seinen Prof. Grost), sondern mehr von der schrulligen, undurchschaubaren Art her. Britisch halt.

Bis in die Nebenrollen ist der Film perfekt besetzt. Die wunderschöne Caroline Munro ist wie immer eine Augenweide, und obwohl sie in ihrer Rolle auf die Geliebte Kronos‘ reduziert wird, scheint doch immer wieder ihre Stärke und Unabhängigkeit durch. Sie ist bei Kronos, weil sie sich dazu entschieden hat und sie schläft mit ihm, weil sie es will. Zu keiner Zeit aber hat man das Gefühl, sie mache sich von ihm abhängig oder hänge wie ein verliebter Backfisch an seinen Rockschößen. Ebenfalls erstaunlich ist die Rolle des buckeligen Prof. Grost, der für den lustigen „Watson“ prädestiniert wäre. Doch die Figur des Grost bricht aus dieser Stereotype aus. Sein umfangreiches Wissen wird präsentiert und in einigen Szenen blitzt auf, dass hinter der fröhlich-lustigen Oberfläche so manche tragische Untiefe versteckt ist. Ein großartige Rolle für John Cater. Neben dem zuverlässigen John Carson (der wie auch Cater einige Gastrollen in „Mit Schirm, Charme und Melone“ hatte) als Dr. Marcus, hat Brian Clemes noch einen Kollegen aus ganz alten „Schirm, Charme und Melone“-Zeit untergebracht. Ian Hendry war ursprünglich die Hauptfigur der Serie. Derjenige, der mit John Steed zusammenarbeitet und dessen tragisches Schicksal der Serie ihren Originaltitel „The Avengers“ gab. Hendry hat nur eine kleine, für die eigentliche Handlung vollkommen unwichtige Rolle. Er spielt den Kopf dreier Strolche, die Kronos in einer Taverne ins Jenseits befördern sollen. Doch Hendry hinterlässt hier einen bleibenden Eindruck. Und noch ein „Schirm, Charme und Melone“-Urgestein ist dabei. Komponist Laurie Johnson, der das unsterbliche „Avengers-Theme“ komponierte, darf auch zu „Captain Kronos“ die Musik beisteuern, die hier eher im klassischen Orchestergewand, aber nicht weniger eingängig daherkommt.

Nachdem der Film einst Teil ihrer tollen, lange vergriffenen „Hammer“-DVD-Reihe war, hat Anolis ihn neu auf Blu-ray veröffentlicht und noch mit zahlreichen Extras veredelt. Im Gegensatz zur 2003er Veröffentlichung,die lediglich mit einer „Hammer World of Horror“-Episode aufwarten konnte, wurden bei der Blu-ray ordentlich geklotzt. So wurden gleich vier (v-i-e-r!) Audiokommentare mit dazu gepackt. Von einer australischen Scheibe wurde ein Audikommentar mit Shane Briant, John Carson, Caroline Murno, Brian Clemens und Marcus Hearn übernommen. Den zweiten bestreiten Brian Clemens, Ian Wilson und Marcus Hearn. Zudem wurden zwei neue Audiokommentare produziert. Uwe Sommerlad moderiert ein Gespräch mit Hauptdarsteller Horst Janson und der zweite neue Audiokommentar wird von Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz bestritten. Ein besonders Juwel ist auch ein 73-minütiges Gespräch, das Uwe Sommerlad bereits 2003 mit Horst Janson über dessen Karriere und natürlich „Kronos“geführt hat. Ganz besonders hat mir aber das 27-minütigen Treffen von Clemens, Janson, William Hobbs, John Cater, Lois Daine und Caroline Munro, bei einer Sondervorführung des Filmes im März 2008 in Frankreich. Hier unterhalten sich alle bestens gelaunt über den Film und genießen die gemeinsame Zeit. Besonders schön ist es, noch einmal Brian Clemens zu sehen, der leider 2015 verstarb. Laut OFDb befindet sich noch ein 30-minütiger, englischsprachiger (Video-) Kommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz mit auf der Scheibe. Diesen habe ich aber wohl übersehen. Abgerundet wird das alles von dem kompletten Comic zum Film (als animiertes Feature von 18 Minuten), verschiedenen Kinotrailern, Werberatschlägen, Presseheften, Filmprogrammen und Bildergalerien. Und natürlich auch sehr wichtig: Die Bild- und Tonqualität ist auf gewohnt hohem Standard. Das Bild ist scharf und hat gute Schwarztöne. Dabei ist das Bild auch immer „kinogetreu“ und nicht leblos gefiltert. Sowohl der deutsche, wie der englische Ton sind klar und sehr gut verständlich. Die deutsche Tonspur wurde für die 2003er Veröffentlichung (der Film lief hierzulande zuvor nie im Kino, Fernsehen oder Video) angefertigt. Hier darf Horst Janson sich auch endlich selber sprechen, denn für die englische Tonspur wurde er damals (von einer unpassenden und viel zu alt klingenden Stimme) nachsynchronisiert.

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