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DVD-Rezension: “Die Brut des Teufels“

Von , 22. Februar 2017 06:34

In „King Kong gegen Godzilla“ wurde der Riesenroboter MechaGodzilla vom Original zerstört und seine Einzelteile im Meer verstreut. In „Die Brut des Teufels“ macht sich zunächst ein japanisches U-Boot auf, diese Teile zu bergen. Doch die Mission endet jäh, als das U-Boot von einem geheimnisvollen Monster zerstört wird. Interpol-Agent Murakoshi (Katsumasa Uchida) und Biologe Ichinose (Katsuhiko Sasaki) hegen den Verdacht, dass hinter dem Unglück der Titanosaurus stecken könnte. Ein Fabelwesen, welches einst von Wissenschaftler Mafune (Akihiko Hirata) entdeckt wurde. Was keiner weiß: Da ihm damals niemand glauben wollte, macht Mafune nun gemeinsame Sache mit den Außerirdischen, deren Invasionsversuch im vorherigen Film von Godzilla vereitelt wurde. Nun steht ihnen aber außer einem neuen MechaGodzilla auch noch der Titanosaurus für ihre finsteren Pläne zur Verfügung. Dieser wird von Mafunes Tochter Katsura (Tomoko Ai) gesteuert wird. Kann Godzilla wieder einmal die Erde Erde retten?

Eine gewisse Melancholie erfasst einen, wenn man „Die Brut des Teufels“ anschaut. Was natürlich nicht vom Film induziert wird. Der ist wie fast immer ein Garant für gute Unterhaltung. Doch es ist das Ende eine Ära. Auch wenn dies zum Zeitpunkt seiner Entstehung noch niemand ahnen konnte. Nach dem durchaus erfolgreichen „King Kong gegen Godzilla“ kehrte der große Ishirō Honda auf den Regiestuhl zurück. Honda hatte 1954 den ersten „Godzilla“-Film inszeniert und blieb der Serie nicht nur bis Ende der 60er treu, sondern bracht noch zahlreiche andere Kaijū-Klassiker wie „ Die fliegenden Monster von Osaka“ (mit dem Flugsaurier Rodan), „Mothra bedroht die Welt“ (mit der gleichnamigen Riesen-Motte) oder „ Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ auf den Weg. 1970 hatten Honda mit „Monster des Grauens greifen“ an seinen bis dahin letzten Spielfilm gedreht. Für „Die Brut des Schreckens“ wurde er fünf Jahre später noch einmal zurückgeholt. Es sollte sein letzter eigenständiger Spielfilm bleiben. In den 80er und 90er Jahre arbeitete er ausschließlich als enger Mitarbeiter seines guten Freundes und Kollegen Akira Kurosawa.

Als eigentlich recht geschickten Schachzug brachten die Produzenten gleich noch MechaGodzilla wieder zurück. Jenes Monster, dass beim letzten Film so gut eingeschlagen hatte. Alle Zeichen standen also auf Erfolg. Doch die Rechnung ging nicht auf. Die große Zeit der Kaijū war vorbei. Daran konnten auch Godzilla, sein Schöpfer Ishirō Honda und der MechaGodzilla nichts ändern. Der Sinn der Leute stand nach härterem Stoff und nicht den kindlichen Freuden endloser Prügeleien zwischen Männern in Monsterkostümen. Selbst der Gag, das Drehbuch des Filmes mittels eines landesweiten Wettbewerb zu finden, wodurch die Gewinnerin Yukiko Takayama die einzige weibliche Godzillla-Autorin wurde, half. Der Film sank an der Kinokasse wie ein Stein. Gerade mal 980.000 Besucher wollten den neuen Godzilla-Film sehen. Das war ein neuer Minus-Rekord. Toho stellte daraufhin die Produktion von Monsterfilmen ein. Erst zu seinem 30jährigen Jubiläum sollte Godzilla in „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“ wieder aus der Versenkung auftauchen. Doch da waren dann schon neue Zeiten angebrochen.

„Die Brut des Teufels“ schließt direkt an „King Kong gegen Godzilla“ an. Zwar muss zwischen beiden Filmen einige Zeit vergangen sein – wie anders hätten die Außerirdischen ihren MechaGodzilla wieder zusammensetzen und von Dr. Shinji Mafune eine neue Steuerung einbauen lassen können? – doch die Handlung nimmt tatsächlich, wenn auch oberflächlich – Bezug auf den Vorgänger. Was gut und schlecht ist. Positiv wirkt sich die Rückkehr von MechaGodzilla aus und es ist schön, einmal eine gewisse Kontinuität innerhalb der Reihe zu sehen. Andererseits ist „Die Brut des Teufels“ quasi ein Remake des vorangegangenen Films, der sich ja auch schon kräftig in der Geschichte der Reihe bediente. So ist es wieder eine Invasion von Außerirdischen, die die Erde bedroht. Wieder bemächtigen sie sich eigentlich harmloser Monster und verwandeln sie in Berserker. Wieder werden Wissenschaftler entführt. Wieder taucht Godzilla aus dem Nichts auf, um den Tag zu retten. Alles wie gehabt und schon etwas zu oft gesehen. Kein Wunder, dass sich beim Publikum gewisse Ermüdungserscheinungen einstellten.

Dabei gibt sich Honda alle Mühe, die Reihe wieder auf einen neuen, alten Kurs zu bringen. Das quietschbunte der Jun-Fukada-Filme ist passé. Zwar versprüht MechaGodzilla noch immer vielfarbige Feuerstrahlen, aber der Look des Filmes ist eher sachlich trist. Gedeckte, blasse Farben herrschen vor und passen gut zu dem ernsthaften Ton, den Honda anschlägt. Wobei „ernsthaft“ selbstverständlich relativ gesehen werden muss. Die Geschichte ist noch immer hanebüchen und beste Sonntagnachmittag-Kater-Unterhaltung. Aber auf einen kindlichen Helden oder Slapstickeinlagen wurde erfreulicherweise verzichtet. Dafür gibt es einige Szenen, die man so zuvor noch in keinem Godzilla-Film gesehen hat. Sei es, dass jemand von blutigen Einschüssen förmlich durchsiebt wird oder – ein absolutes Novum! – kurz nackte Brüste zu sehen sind. Diese sind zwar offensichtlich aus Plastik, aber immerhin.

Für dies Konzentration auf eine erwachsenere Science-Fiction-Thriller-Handlung zahlt der Zuschauer dann aber auch einen Preis. Lange muss er warten, bis die Monster endlich ihre großen Auftritte haben. Das neue Ungetüm, Titanosaurus darf zwar schon zu Anfang sein hübsch-hässliches Seepferdchen-Haupt erheben, der Hauptdarsteller Godzilla (abgesehen von einem rasanten Zusammenschnitt des finales Kampfes aus „King Kong gegen Godzilla“, welcher die Brücke zwischen beiden Filmen schlägt) schaut allerdings erst vorbei, als der Film schon die Hälfte seiner Spielzeit hinter sich hat. Dann steht der große Grüne plötzlich mitten auf dem Kampffeld und gibt den beiden fremdgesteuerten Bösewichten saures. Dieses ausufernde Gekloppe geht dann auch bis zum Ende des Filmes, immer wieder unterbrochen und aufgelockert durch die Aktionen der menschlichen Darsteller, die versuchen, die außerirdische Invasion mit konventionellen Mitteln wie aus dem Agentenfilm zurückzuschlagen. Da kommt dann keine Langeweile auf und der Film steuert flott seinem Ende – und damit dem Ende der ersten Staffel zu. Und wenn am Ende Godzilla einsam in den Sonnenuntergang schwimmt, hat der Fanboy eine kleine Träne im Augenwinkel. Das Ende einer Ära.

Mit „Die Brut des Teufels“ endet die sogenannte Showa-Staffel mit den klassischen Godzilla-Filmen. Zudem ist es der letzte Spielfilm des Godzilla-Schöpfers und legendären Kaiju-Regisseurs Ishirō Honda. Dieser lenkt die Reihe wieder in ernsthaftere Bahnen, was die Reihe aber nicht vor dem Absturz an der Kinokasse und dem vorläufigen Exitus bewahren konnte. Schade, denn der gerade in der zweiten Hälfte sehr temporeiche Film liefert wieder gute Monsterunterhaltung und entfernt sich deutlich von der zuvor Einzug gehaltenen Infantilisierung.

Wie schon in den vorherigen Veröffentlichungen ist die neue Ausgabe der Kaiju-Klassiker von Anolis vorbildlich und ein großer Quell der Freude für den Fan japanischer Monsterfilme. Wie gehabt liegen auf zwei DVDs liegt sowohl die deutsche, als auch die japanische Fassung des Filmes vor. Die Bildqualität ist gut und übertrifft die vorheriger Veröffentlichungen bei weitem. Der Ton liegt auf deutsch und japanisch vor. Bei den Extras gibt es diesmal „nur“ zwei statt drei Audiokommentare. Den einen bestreiten Florian Bahr und Label-Chef Ivo Scheloske. Beim zweiten Audiokommentar haben Jörg Buttgereit und Alex Iffländer hörbar viel Spaß und pfeffern sich Anekdoten rund um Godzilla, Kaiju-Filme und ihre eigenen Erlebnisse mit eben jenen um die Ohren. Weitere Extras sind die alte Super-8-Fassung des Filmes (schön, dass das wieder mit an Bord ist), der deutsche und der japanische Trailer, Werbematerial und eine ausführliche Bildergalerie. Auch sehr schön ist wieder das informative 20-seitge Booklet von Ingo Strecker geworden, welches auch den zweiten Teil des Interviews von Jörg Buttgereit mit dem Spezialeffekte-Mann Teruyoshi Nakano, dem Schöpfer von Mecha-Godzilla, enthält.

Blu-ray-Rezension: „Im Sumpf des Grauens“

Von , 28. Januar 2017 10:19

Die Krankenschwester Jane Marvin (Beverly Garland) hat die Erinnerung an ihr altes Leben verloren. Unter Hypnose offenbart sie aber zwei Psychiatern eine schier unglaubliche Geschichte. In Wirklichkeit heißt sie Joyce Webster und war mit Paul Webster (Richard Crane) verheiratet. Dieser verschwand jedoch auf der Hochzeitsreise, nachdem er ein geheimnisvolles Telegramm erhalten hatte. Joyce macht sich daraufhin auf die Suche nach ihm. Diese führte sie in die kleine Stadt Bayou Landing, mitten im Sumpfgebiet von Louisiana. Hier kommt sie bald hinter die unheimliche Tragödie, welche Paul dazu zwang, unterzutauchen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Mit fast 60 Jahren Verspätung haben es die „Alligator People“ (so der Originaltitel von „Im Sumpf des Grauens“) endlich nach Deutschland geschafft. Im Rahmen der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ wurde dem Film extra eine deutsche Synchronisation spendiert, die sich durchaus hören lassen kann und weit entfernt ist von diversen Schnellschüssen anderer Labels. Für Qualität spricht hier schon der Name des für die Synchronisation zuständigen Autors. Bodo Traber ist nicht nur durch zahlreiche Texte zum Film (wie beispielsweise in der legendären „Splatting Image“), Booklets und Audiokommentare aufgefallen, sondern auch Autor vieler absolut hörenswerter Hörspiele für den WDR. Wer sich beeilt, kann sich noch immer kostenlos seine Co-Produktion mit Jörg Buttgereit, „Fungus – Pilz des Grauens“ legal aus dem WDR-Hörspielspeicher laden. Soviel Liebe und Mühe seitens des veröffentlichenden Labels kann gar nicht genug gelobt werden. Rechtfertigt es aber auch der Film?

Bei „Im Sumpf des Grauens“ handelt es sich um ein klassisches B-Movie, welches bei der Erstaufführung mit „Die Rückkehr der Fliege“ zusammengekoppelt wurde. Ungewöhnlich ist hierbei das Bildformat. „Im Sumpf des Grauens“ wurde in wundervollem Cinemascope gefilmt und erweckt so einen sehr viel „wertigeren“ (schlimmes Marketing-Wort, welches hier aber durchaus passt) Anschein, als ähnlich gelagerte Produktionen. Von der Handlung her orientiert sich „Im Sumpf des Grauens“ dann auch weniger an den preisgünstigen Horrorschockern, sondern ist mehr im Melodram beheimatet. Wenn auch dieses kräftig mit Science Fiction und dem generell zur Schwermut neigenden Monsterfilm durchmischt wird. So ist der nominelle Bösewicht hier auch mitnichten der zum „Alligator Menschen“ mutierende Paul Webster, sondern vielmehr der halb irre Manon, der an einen Sumpf-Ahab erinnert, einen unbändige Hass auf Alligatoren aller Art hegt, seitdem diese ihn seiner Hand beraubten. Doch nicht nur mit Alligatoren hat Manon so seine Probleme, auch sein überschäumendes Libido lässt ihn schon mal die Kontrolle über die guten Manieren verlieren. Demgegenüber ist der Mad Scientist – in reißerischen Filmen vielleicht ein Irrer mit Gottkomplex – hier ein herzensguter Kerl, der seinen Fehler wieder gut machen möchte.

Auch die anderen Figuren entpuppen sich nach und nach als Menschen, die sich umeinander sorgen und nur das Beste wollen. Frieda Inescorts Auftritt als Mrs. Lavinia Hawthorne wird zwar unheilvoll eingeleitet, aber bald schon stellt man fest, dass hier keine dunkle Seele am Werk ist, sondern ein starkes Mutterherz schlägt. Dementsprechend ist auch das „Monster“ ein lieber, fürsorglicher Ehemann, der seine geliebten Ehefrau den Schrecken der Wahrheit ersparen will. Der „Alligator-Mann“ wird von Richard Crane gespielt. Wirkt er in rein menschlicher Gestalt etwas zu grobschlächtig für seine zarte Mitspielerin Beverly Garland, so ist er doch die ideale Wahl für die Mensch-Alligator-Mutation im mittleren Stadium. Die brillante Maske, für die Dick Smith (der berühmt wurde mit seiner Arbeit für „Der Pate“ und „Taxi Driver“ und später einen Oscar für „Amadeus“ erhielt) verantwortlich zeichnet, passt ausgezeichnet zu seiner kantigen Gesichtsphysiognomie. Es ist nicht ganz klar, ob Richard Crane ein großer Schauspieler war, oder ob ihn seine Maske behindert hat. Aber seine Bewegungen haben etwas unbeholfen-schweres, was seine tragische Verwandlung glaubwürdig wirken lässt. Seine Auftritte sind das Highlight des Filmes, auch weil man sich an dem überzeugenden Aussehen des Alligator-Mannes kaum sattsehen kann. Diese stellen sogar noch Lon Chaney Jr.s euphorische Darstellung des Manon leicht in den Schatten.

In der Rolle der Joyce Webster zeigt Beverly Garland eine solide Darbietung. Sie sticht zwar nicht aus den unzähligen, ähnlich gelagerten Protagonistinnen der 50er-Jahre-B-Film-Heldinnen heraus, aber fällt auch nicht negativ aus. Einzig, dass sie für die Rolle etwas zu viel Hollywood-Charme mitbringt, kann ihr angelastet werden. Regisseur-Veteran Roy Del Ruth begann seine lange Karriere bereits 1920 mit komödiantischen Kurzfilmen mit dem heutzutage vergessenen Jack Cooper. „Im Sumpf des Grauens“ war 39 Jahre später sein vorletzter Kinofilm. Er verstarb zwei Jahre später im Alter von nur 67 Jahren an einem Herzinfarkt. Letzteren muss der Zuschauer bei „Im Sumpf des Grauens“ nicht befürchten. Del Ruth lässt ihn ganz unaufgeregt durch seinen Film gleiten, gibt ihm Zeit die schöne und atmosphärische Kameraarbeit von Karl Struss (auch seit 1920 im Geschäft) zu bewundern, und sich von der traumwandlerischen Stimmung tragen zu lassen. Erst zum Schluss gönnt sich Del Ruth ein dramatisches Feuerwerk und einen echten, fertig mutierten Alligator-Mann, der trotz aller Bizarrerie zu keiner Sekunde glaubhaft wirkt. Dieser sieht dann wirklich aus, wie ein Mann im zu engen Overall, was allerdings auch seinen eigenen, dem Film durchaus angemessenen Charme hat.

„Im Sumpf des Grauens“ ist ein kleines, durchaus charmantes B-Filmchen, welches seinen Fokus weniger auf Horror, als auf Melodram legt. Trotzdem werden auch Monsterfilm-Fans ihre Freude an dem sehr solide erzählten Werk haben, denn neben einem sehr präsenten Lon Chaney Jr., ist es besonders das Make Up des langsam immer mehr mutierenden „Alligator-Mannes“, welches im Gedächtnis bleibt und vollends für das eher lustige Aussehen des fertigen Alligatorenmenschen entschädigt.

Die Nummer 5 der „Rache der Galerie des Grauens“ steht seinen Vorgängern in nichts nach. Wieder merkt man die große Mühe, die sich alle Verantwortlichen gegeben haben. Das fängt mit der eingangs erwähnten, sehr gelungenen Synchronisation an (wobei der ebenfalls sehr klare Originalton etwas weniger steril wirkt), und geht mit dem zweifachen Audiokommentar weiter. Den ersten bestreiten Bodo Traber, Ingo Strecker und Alex Iffländer, die auch noch einmal eingehend auf die Synchronisation eingehen. Der zweite wurde – wie bei der Reihe schon Usus – von den Experten Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, sowie Anolis-Chef Ivo Scheloske eingesprochen. Ferner gibt es noch ein schönes 16-seitiges Booklet mit einem informativen Text von Ingo Strecker. Ansonsten gibt es an Extras noch den amerikanischen Trailer und eine Bildgalerie. Apropos Bild: Das Bild der Blu-ray ist für einen 60 Jahre alten Film schlichtweg atemberaubend. Sehr scharf, mit sehr guten Schwarzwerten, einem tollen Kontrast und dabei kein bisschen künstlich aussehend.

DVD-Rezension: “King Kong gegen Godzilla“

Von , 25. Januar 2017 20:03

Laut einer alten Legende aus Okinawa, soll wenn ein schwarzer Berg in den Bergen hoch über die Wolken hinaus ragt, ein Monster auftauchen und versuchen, die Welt zu zerstören. Als diese Prophezeiung eintrifft ist es zum allgemeinen Erstaunen Godzilla, der dort als Weltenzerstörer agiert. Erst zertrümmert Godzilla einige Häsuer, dann bringt er fast seinen alten Kumpel, den Igel-ähnlichen Anguirus, um. Doch schnell ist das Geheimnis gelüftet. Dieser Godzilla ist gar nicht der echte Godzilla, sondern ein riesiger Roboter namens „King Kong“ (zumindest in der deutschen Fassung), der von Außerirdischen hergestellt wurde, um ihnen zu helfen, die Erde zu unterjochen. Da hat die Menschheit Glück, dass bald schon der echte Godzilla auftaucht und sich schließlich zusammen mit Okinawas Schutz-Gottheit King Caesar dem stählernen Unhold stellt…

Im Angesicht der aktuellen Veröffentlichungen in Anolis vorbildlicher Kaiju-Classics-Reihe, fragt man sich ernsthaft, weshalb die 70er-Jahre-Godzilla-Filme solch einen schlechten Ruf besitzen.  Mit „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ (Review hier) im Jahre 1966 übernahm Jun Fukuda die Serie von ihrem Schöpfer Ishirô Honda und passte sie Schritt für Schritt den Sehgewohnheiten des jüngsten Publikums an. Was sich insbesondere in quietschbunten Filme mit nervigen halbwüchsigen Protagonisten niederschlug. Diese „Infantilisierung“ des geliebten Monsters, welches in den ersten Filmen noch eine echte Bedrohung war und nun langsam, aber sicher zum Cartoon-Helden und Kinderfreund mutierte, nehmen ihm viele heute noch sehr übel. Zudem war für Fukuda auch der nervtötende Kinderdarsteller obligatorisch, der dem neuen Zielpublikum als Identifikationsfigur angeboten wurde. Höhepunkt dieser Entwicklung war dann der herrlich kindische „King Kong – Dämonen aus dem All“ (Review hier), der entweder als Tiefpunkt der Serie oder schwer unterhaltsames Monstergekloppe auf Kindergartenniveau – was in diesem Fall gar nicht negativ gemeint ist – angesehen werden kann. Man kann von Fukuda halten was man möchte, seine Filme sind immer hübsch laut, bunt und sprechen das Kind im Manne (Frauen spielen hier immer nur eine stark untergeordnete Rolle) an.


Der schlechte Ruf von „King Kong gegen Godzilla“, gerade auf englischsprachigen Seiten, mag damit zu tun haben, dass der Film Übersee scheinbar eine legendär schlechte Synchronisation verpasst bekam. Demgegenüber werden einem in der deutschen Fassung zwar einige flapsige Sprüche entgegen geworfen, allerdings von sehr gut ausgebildeten und bekannte Sprechern wie Arne Elsholz, Thomas Danneberg oder Michael Chevalier. Für seinen fünften und letzten Godzilla-Film verzichtet Fukuda auf den kleinen, aufgeregten Monsterfreund, was viele Zuschauer sicherlich aufatmen lässt. Worauf er nicht verzichtet ist das ausufernde Spektakel, welches diesmal noch dadurch verstärkt wird, dass die Monster bunte Strahlen verschießen können und so für viele farbenfrohe Explosionen sorgen. Vielleicht dem Umstand geschuldet, dass der Horror- und Monsterfilm generell in den 70er Jahren viel von seiner Unschuld verloren hatte und mit sehr viel drastischeren Bildern aufwartete als es noch 10 Jahre zuvor der Fall war, haben sich in „King Kong gegen Godzilla“ auch einige überraschend blutige Szenen einschlichen, die man so aus der Serie bisher nicht kannte. Da wird Anguirus der Kiefer abgerissen und wenn „King Kong“ Godzilla attackiert, schwappt das Blut nur so aus unsere Helden heraus. Ein Anblick an den man sicher erst gewöhnen muss und der dann erst in der Heisei- und noch mehr in der Millenium-Staffel wieder aufgenommen wurde.


Godzillas Gegner hört in der deutschen Fassung – wie vor ihm schon der Roboter Jet Jaguar – auf den Namen „King Kong“. Ob man in Deutschland – wo der Film am 20. Dezember 1974 anlief – darauf spekulierte, dass er von dem damals erwarteten Erfolg des amerikanischen „King Kong“-Remakes, partizipieren könne oder einfach eine Kontinuität zum Vorgänger herstellen sollte (die 60er Filme waren ja in Deutschland durch einen imaginären „Frankenstein“ im Titel miteinander verbunden) sei dahingestellt. „King Kong“ ist in Wahrheit natürlich einer der populärsten Gegner Godzillas: Mecha-Godzilla. Mecha-Godzilla sollte noch in der Fortsetzung „Die Brut des Teufels“ auftauchen, sowie drei weitere Auftritte in späteren Staffeln haben. Und Mecha-Godzilla macht auch tatsächlich eine Menge Spaß, wie er immer neue Gadgets hervorzaubert und den echten Godzilla schwer zusetzt. Das dritte Monster im Film ist King Caesar, ein Mischung aus Drache und Kuschelhund. Der sieht erst mal lustig aus, hat aber einen durchaus ernsten Hintergrund. Denn King Caesar ist dem Beschützer der Insel Okinawa nachgebildet. Eben diese war bis zwei Jahre vor Dreh des Filmes von den Amerikaner besetzt und zum Armeestützpunkt gemacht worden. Infolge der Besetzung mussten viele Einwohner Okinawas, die eine eigenen Kultur und Sprache haben, zwangsweise nach Japan umsiedeln. Erst 1971 fiel die Insel wieder an Japan zurück. Man muss also nicht besonders stark nachgrübeln, für wenn die affengesichtigen Invasoren aus dem Weltall mit ihrer Superwaffe Mecha-Godzilla stehen. Japan und Okinawa werfen die Invasion zumindest mit vereinten Kräften zurück.


Die Affengesichter, die zum Vorschein kommen, wenn die Außerirdischen ihr Leben aushauchen, erinnern an die „Planet der Affen“-Masken, sehen allerdings sehr viel preisgünstiger aus. Auch fasst man sich als westlicher Zuschauer an den Kopf, wenn der große Showdown durch eine sich endlos ziehende Gesangseinlage hinausgezögert wird. Da wird manch einer gleich die große „Hahaha-Trash“-Keule rausholen. Auch kann man bemäkeln, dass die „böse Aliens wollen die Erde erobern“-Geschichte nach so vielen ähnlich gelagerten Godzilla-Filmen ziemlich ausgelutscht ist. Man kann sich aber auch entspannt zurücklehnen und das unterhaltsame Pulp-Spektakel (inklusive sinisteren und ultracoolen Geheimagenten mit Sonnenbrille und hochgeschlagen Trenchcoat-Kragen in XXL) einfach nur genießen. Denn eines ist der Film nicht: Langweilig. Da ist immer etwas los. Da wird jemand gefangen genommen, ist auf der Flucht oder legt sich mit den Affenmenschen aus dem Weltraum an. Und am Ende haben dann ja auch die Monster ihren großen Auftritt. Mission erfüllt.

Der Ruf der in den 70er Jahren unter der Regie von Jun Fukuda entstanden Godzilla-Streifen mag nicht der beste sein. Tatsächlich sind sie sehr viel bunter, kindischer und lustiger als jene Filme aus den 50er und 60er, für die noch Godzilla-Schöpfer Ishirô Honda verantwortlich war. Wer darüber hinwegsehen kann und sich ein junges Gemüt bewahrt hat, wird aber besonders mit „King Kong gegen Godzilla“ seine Freude haben. Insbesondere, da hier auf nervige Kinderdarsteller verzichtet wurde und mit Mech-Godzilla einer der coolsten Gegner Godzillas seinen ersten Auftritt hat.

Auch der neuste Eintrag in Anolis‘ Kajiu-Classics-Reihe hält das gewohnt hohe Niveau. Auf zwei DVDs liegt sowohl die deutsche, als auch die japanische Fassung des Filmes vor. Wobei sich die Unterscheide allein auf die Titel-Sequenzen beziehen. Ansonsten sind beide Fassungen diesmal identisch. Die Bildqualität ist gut, nur bei einigen wenigen Szenen hat man das Gefühl es könnte auch etwas schärfer sein. Der Ton ist gut und liegt auf deutsch und japanisch vor. Bei den Extras stechen zunächst einmal die drei (!) Audiokommentare hervor. Auf der Scheibe mit der deutschen Fassung findet sich der Audiokommentar von Thorsten Rosemann, in den ich leider noch nicht hineingehört habe. Auf der Scheibe mit der japanischen Fassung kann man Florian Bahr hören, der sehr konzentriert und faktenorientiert vorgeht, dafür aber auch ein Maximum an Informationen bereithält. Der zweite Audiokommentar hier wurde von Jörg Buttgereit, Ingo Stecker und Alex Iffländer eingesprochen wurde. Da geht zwar manches auch mal drunter und drüber, aber er ist auch amüsant, verbreitet gute Laune und wartet auch mit einigen interessanten Anekdoten auf. Weitere Extras sind eine 10-minütige Aufnahme, die Jörg Buttgereit auf einer Godzilla-Convention gefilmt hat, bei der sich jemand als Mecha-Godzilla verkleidet. Dann die alte Super-8-Fassung des Filmes (so etwas mag ich ja sehr gerne). Der deutsche, japanische und italienische Trailer, Werbematerial und eine ausführliche Bildergalerie. Nicht vergessen sollte man auch das sehr schöne und informative 20-seitge Booklet, welches einen Text von Ingo Strecker und ein Interview von Jörg Buttgereit mit dem Spezialeffekte-Mann Teruyoshi Nakano, dem Schöpfer von Mecha-Godzilla, enthält.

DVD-Rezension: „Ausgeburt der Hölle“

Von , 10. November 2016 20:38

ausgeburtEine außerirdische Intelligenz will im Alleingang die Erde erobern. Dazu will es zunächst die Gedanken der Tiere und der nicht ganz so klugen Menschen kontrollieren. Sein Raumschiff geht in der Ödnis der kalifornischen Wüste nieder. Dort hält sich die Familie Kelley gerade so mit ihrer Dattelplantage über Wasser. Besonders die Frau des Hauses, Carol (Lorna Thayer) leidet unter der schlechten Lage und der Einsamkeit so weit draußen. Ihr Frust entlädt dabei sich immer wieder an der Tochter Sandra (Dona Cole). Und dann gibt es noch „Er“, ein stummer Farmarbeiter (Leonard Tarver) der in einem Schuppen lebt. Bald schon kommt es zu unerklärlichen Vorfällen: Die Tieren greifen die Menschen an! Als der Nachbar der Kelleys seiner Kuh zum Opfer fällt, versucht Familienvater Allan Kelley (Paul Birch) Hilfe zu holen…

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Ausgeburt der Hölle“ ist eine jener 50er-Jahre-Billig(st)-Produktionen, die Roger Cormans Ruf als einfallsreicher und effizienter Produzent festigten. Der Film macht große Versprechungen – laut Originaltitel soll er von einer „Bestie mit einer Million Augen“ handeln – die natürlich nie eingehalten werden. Die titelgebende „Ausgeburt der Hölle“ stellt sich als niedliche Puppe heraus, die keine 50cm groß ist. Die „Millionen Augen“ als telepathische Fähigkeiten, die sich aber nur auf Tiere und geistesschwache Menschen anwenden lässt. So fällt „Ausgeburt der Hölle“ dann prinzipiell mehr in die Rubrik Tierhorror, auch wenn hier nur Vögel (fast immer offscreen), eine Kuh, ein Hund und der merkwürdige Typ im Schuppen unter den Einfluss einer teuflischen, außerirdischen Intelligenz fallen. Dabei kann man dann erleben, dass Kühe sich wahrlich nicht besonderes für Grusel und Schrecken eignen. Ebenso wenig wie Hunde, die freudig mit dem Schwanz wedeln, wenn sie angeblich Menschen bedrohen.

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Das fehlende Budget merkt man an allen Ecken und Enden. Dass der sinistere Außerirdische als Ausgangspunkt für seine Invasion keine Großstadt, sondern ein gottvergessenes Fleckchen Erde irgendwo im Niemandsland wählt, ermöglicht es Corman und seinen „Einmal und nie wieder“-Regisseur David Kramarsky – von Haus aus eigentlich Produzent – das Ganze als Kammerspiel mit sehr reduziertem Personal zu drehen. Die Darsteller bemühen sich dann auch redlich, die dünne Geschichte und die teilweise haarsträubenden Dialoge mit einem souveränen Ernst zu füllen. Allerdings lässt sie dabei das von Tom Filer verfasste Drehbuch ein ums andere Mal im Stich. So wird die Mutter zunächst als frustrierte Ehefrau mit eifersüchtigem Hass auf die Tochter eingeführt, nur um diesen potentiell spannenden Konflikt schnell wieder zu vergessen. Der Vater darf das Hohelied auf die amerikanischen Familienwerte anstimmen und dass er seine Frau und Tochter allein mit einem unheimlichen Kerl, der der Tochter heimlich nachstellt und in seinem Schuppen unzählige Pin-Up-Poster anstarrt, zurücklässt, ist auch weniger glaubhaft.

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Doch um Glaubhaftigkeit geht es hier auch gar nicht, sondern um Ökonomie. Und wie hier mit den nicht vorhandenen Mitteln umgegangen wird, nötigt einem doch einigen Respekt ab. Auch wenn das Resultat eher komisch als gruselig geraten ist. Die schönste Innovation ist es da sicherlich, dass das unheimliche Funkeln in den Augen der unter Einfluss stehenden Tiere, durch einfaches Zerkratzen des Filmmaterials entstand. Und dass der Höhepunkt der außerirdischen Bedrohungsszenarien – ein Angriff tausender Vögel auf einen Pick-Up-Truck – einfach nur erzählt, aber nicht gezeigt wird. Das muss man sich auch erst einmal trauen. Trotz seiner kurzen Spielzeit von nur 75 Minuten muss man „Ausgeburt der Hölle“ allerdings auch einige Längen attestieren, die daraus resultieren, dass man die Zeit mit Elementen des Familiendramas strecken wollte, was leider gar nicht funktioniert.

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Mehr ein faszinierendes Stück Filmgeschichte als ein wirklich guter Film. „Ausgeburt des Bösen“ ist ein Paradebeispiel für die Ultra-Low-Budget Filme der 50er, für das Schüren von falschen Erwartungen durch Titel und Werbung, sowie der Kunst ohne Geld doch irgendwie einen Film auf die Beine zu stellen. Für den geneigten Filmfreund daher durchaus interessant.

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Der Film ist als Nummer 4 in der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ erschienen. Die Bildqualität ist erstaunlich gut. Viel besser, als es der Film eigentlich verdient. Was die Extras angeht, so hat Anolis dem Film gleich zwei Audiokommentare spendiert. Einen mit Wicked-Vision-Chef Daniel Peree und Ingo Strecker. Und der zweite mit Dr. Rolf Giesen. Neben der deutschen Kinofassung ist noch die amerikanische Kinofassung enthalten, die sich beide minimal voneinander unterscheiden. Der „Bonus“ der deutschen Fassung ist es vor allem, dass sich hier die leuchtenden Augen der besessenen Tiere finden, welche durch ein zerkratztes Negativ entstanden. Ferner gehören zu den Extras noch eine animierte Bildergalerie mit seltenem Fotomaterial, sowie der deutsche und der amerikanische Trailer zum Film. Ein 16-seitiges Booklet von Ingo Strecker mit vielen Abbildungen und interessanten Hintergrundinformationen runden die Veröffentlichung ab.

Blu-ray Rezension: „Schrei, wenn der Tingler kommt“

Von , 7. September 2016 21:27

tinglerDer Pathologe Dr. Warren Chapin (Vincent Price) entdeckt, dass im Rückgrat eines jeden Menschen eine Wesen existiert, welches von der Angst seines Wirtes lebt. Gelingt es dem Wirt nicht, vor Angst zu schreien, so wächst das Wesen – den Chapin „Tingler“ nennt – heran und bricht ihm die Wirbelsäule. Fasziniert von Tingler versucht Dr. Chapin zusammen mit seinem Assistenten David Morris (Darryl Hickman) alles, um das geheimnisvolle Wesen näher zu untersuchen. Sogar vor einem gefährlichen Selbstversuch schreckt er nicht zurück. Erst die Leiche einer taubstummen Frau bringt ihm den Durchbruch. Doch nun ist der Tingler frei…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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William Castle war ein hervorragender Showman. Einer, der Kino als Spektakel begriff und den Zuschauern eben dieses bieten wollte. Jemand, der erkannt hatte, dass das Kino ein besonderes Erlebnis sein musste, um der Tendenz der Menschen, sich Zuhause vor dem Fernseher einzuigeln, entgegen zu wirken. Der wusste, das Kino dazu etwas bieten musste, was der Fernseher nicht liefern konnte: Ein großartiges, gemeinsames Erleben. Daher spickte er seine Filme mit Gimmicks, die dieses Gemeinschaftsgefühl befeuerten, den Kinopalast zu einem echten Erlebnisort machten. Wenn heute über Kinokrisen und die Generation-Download gesprochen wird, dann liegt der Gedanke nahe, dass so jemand wie Castle fehlt. Der derzeitige 3D-Hype könnte auf seinem Mist gewachsen sein. Wobei er wohl noch Steinchen auf die Zuschauer geworfen hätte, um das dreidimensionale Spektakel noch zu steigern und den Zuschauern etwas zu bieten, was über den Film hinausgeht.

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Nachdem Castle bei seinem Film „Das Haus auf dem Geisterhügel“ noch Skelette durch den Kinosaal ziehen lies, ging er bei „Schrei, wenn der Tingler kommt“ noch einen Schritt weiter. Er ließ in einigen Kinos kleine Elektroschocker an die Kinosessel einbauen. Wenn dann im Film der Tingler in ein Kino eindrang, drehte seinen Hauptdarsteller Vincent Price auf der Leinwand das Licht aus und forderte die Zuschauer auf, so laut wie möglich zu schreien, um den Tingler zu verschrecken. Dies muss damals ein wunderbares Schauspiel gegeben haben. Schade, dass diese Erfahrung bei Sichtung der Blu-ray natürlich auf der Strecke bleibt. Doch auch jenseits dieser Gimmicks, hat „Schrei, wenn der Tingler kommt“ so einiges zu bieten, was sich auch heute noch im heimischen Wohnzimmer lohnt, anzusehen. Vor allem die schauspielerischen Leistungen. Natürlich ist die Geschichte, die der Film erzählt, ziemlich hanebüchen und ganz darauf ausgerichtet, in den oben beschrieben Passagen das Publikum zum Mitmachen anzuregen. Doch statt daraus ironischen Trash zu machen, wie es heute wohl – leider – der Fall wäre, nimmt der Film seine unwahrscheinliche Geschichte durchaus ernst.

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Vincent Price spielt den Wissenschaftler Dr. Warren Chapin als leidenschaftlichen, aber nicht verbohrten oder gar wahnsinnigen Forscher. Im Gegenteil, auch wenn das Drehbuch ihn in zwei Wendungen als eiskalten Bösewicht darstellt, so ist er doch das genau Gegenteil. Er leidet unter der Untreue und der herablassenden Arroganz seiner Ehefrau. Wenn er ihr dies dann heimzahlt, kann der Zuschauer großes Verständnis für Dr. Chapins Tat aufbringen. Dass sich diese dann nur als Finte entpuppt, spricht für die Warmherzigkeit, mit der Vincent Price seine Rolle anlegt. Auch seine fast schon kindliche Begeisterung, wenn er den Tingler entdeckt, bringt man nicht unbedingt mit dem Bild eines mad scientist in Verbindung. Price spielt sympathisch, einnehmend und vor allem mit ausgesuchter Eleganz. Es macht einfach Freude ihm zuzusehen und zu lauschen, wie er die verrücktesten Sätze völlig ohne camp oder Theatralik spricht. Aber auch Philip Coolidge in der Nebenrolle des kleinen, unscheinbaren und doch ganz und gar nicht unwichtigen Olli Higgins spielt sehr fokussiert und lebensecht. Keine Spur von Übertreibung, die man in einem B-Film über einen zu groß geratenen Ohrenkneifer eigentlich erwarten könnte.

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Denn der Tingler selber ist da fast schon ein Schwachpunkt des Filmes. Obwohl sein Name durchaus eine sexuelle Konnotation erwarten lässt, ist das Vieh einfach nur hässlich und erinnert in der Tat fatal an einen Dermaptera. Warum der Tingler seinen Wirtskörper (oder überhaupt irgendjemanden) töten will, bleibt natürlich auch ungeklärt. Aber ohne diesen Kniff gäbe es eben keine gruselige Geschichte. Daher sollte man die Natur und die Motive des Tinglers nicht allzu sehr hinterfragen. Dafür gibt es auch viel zu viele andere schöne Momenten in „Schrei, wenn der Tingler kommt“, die nichts mit dem titelgebenden Untier zu tun haben. Beispielsweise eine spektakuläre Sequenz, in der eine Figur zu Tode geängstigt wird und plötzlich rotes Blut in das schwarz-weiß-Bild schwappt. Oder Dr. Chapins LSD-Trip. Der erste überhaupt in einem Mainstream-Film. Soweit man Castles Werk überhaupt dem Mainstream zuordnen will. Ganz bezaubernd ist natürlich auch die Idee, dass die taubstumme Ehefrau von Olli Higgins ein Kino leitet, in dem ausschließlich Stummfilme gezeigt werden. Allein dafür muss man „Schrei, wenn der Tingler kommt“ lieben.

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Auch die Interaktion zwischen Vincent Price und der schönen Patricia Cutts als Chapins bösartige Gattin Iabel sorgt für wohlige Höhepunkte. Neben der Cutts als durchtriebenes Luder verblasst die „gute“ Pamela Lincoln und auch der ehemalige Kinderstar Darryl Hickman als jugendlicher Held bleibt arg farblos. In der interessanten Begleit-Doku „Scream For Your Life“ erfährt man, dass der (zu) junge Hickman nur besetzt wurde, weil er zu diesem Zeitpunkt mit Newcomerin Lincoln verheiratet war, und man ihm weiß machte, seine Anwesenheit sei dringend erforderlich, um dem Neuling Sicherheit zu geben. Am Ende spielte Hickman dann ohne Gage mit. Des weiteren muss man noch Judith Evelyn erwähnen, die die taubstumme Kinobesitzerin mit großen, expressionistischen Gesten spielt. Evelyn hat mit Vincent Price in einige Stücken am Broadway gespielt und wurde auf dessen speziellen Wunsch hin gecastet. Zwar hebt sie sich durch ihren bedingungslosen Einsatz von dem Rest der doch eher ruhig-souverän agierenden Schauspieler ab, doch vergegenwärtigt man sich, dass die von ihr gespielte Dame eine großer Freund des Stummfilms ist, passt das dann doch wieder ausgezeichnet. Evelyns bekannteste Rolle ist übrigens auch stumm. Sie spielt die selbstmordgefährtete „Miss Loneyhearts“ in Hitchcocks Meisterwerk „Das Fenster zum Hof“.

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Auch ohne seine Gimmicks ist William Castles „Schrei, wenn der Tingler kommt“ ein charmantes Stück Gruselkino mit viel Zeitkolorit und einer gut aufgelegten Besetzung. An dieser Stelle soll auch noch einmal auf den ausgezeichneten und sehr modern klingende Soundtrack von Von Dexter gelobt werde. Da macht es auch nicht viel aus, wenn das titelgebende Monster nicht ganz so überzeugend ausgefallen ist.

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Mit dem dritten Teil seiner Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ ist Anolis mal wieder ein Volltreffer gelungen, welcher das Herz aller Freunde klassischen 50er-Jahre-B-Horrors höher schlagen lässt. Lange musste man warten, bis der legendäre „Tingler“ auch hierzulande die heimischen Bildschirme unsicher macht. Das Warten hat sich gelohnt, denn die Blu-ray (eine DVD ist auch noch mit dabei) besticht durch ein sehr scharfes Bild. So scharf, dass man leider auch deutlich die Fäden erkennen kann, an denen der Tingler fortbewegt wird. Zudem ist nun der Kontrast zwischen dem „normalen“ Bild und der Szene mit der Badewanne voller rotem Blut ausgesprochen stark. Dies irritiert zunächst, ist jedoch aufgrund des Verfahrens, mit dem Castle diese Schock-Szene realisierte, wohl nicht anders machbar. Laut Wikipedia hat Castle die Szene auf Farbfilm gedreht und dafür das Set und seine Schauspielerin schwarz-weiß streichen lassen. Dies gehört aber wohl ins Reich der Fabeln, da die Szene eher so wirkt, als ob der farbige Teil des Bildes vor einer Leinwand gestanden hätte, auf dem der schwarz-weiße Film abläuft. Dies war zumindest meine erste Assoziation. Der Ton liegt in einer guten, zeitgenössischen Synchronisation und auf Englisch vor. Wie bei jedem Film mit Vincent „The Voice“ Price ist letzteres natürlich vorzuziehen. Auf der Extras-Seite wird man auch glücklich. Herzstück ist die oben bereits erwähnte Doku „Scream For Your Life“. Zudem gibt es noch gleich Audiokommentare. Der erste wurde von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad eingesprochen, der zweite von Ingo Strecker und Robert Zion. Neben diversen Trailern und einer alternativen Fassung der „Scream!“-Kinoszene für Autokinos, wurde noch die deutsche Kinofassung mit auf die Blu-ray gepackt. Diese ist knapp eine Minute kürzer als die Blu-ray-Fassung, wobei mir aber – bis auf die deutschen Titel – keine großen Unterschiede aufgefallen sind. Ein Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen rundet diese feine Ausgabe ab.

DVD-Rezension: “King-Kong – Dämonen aus dem Weltall“

Von , 27. April 2016 17:47

daemonen_aus_dem_weltallDurch die Atombombentests der Menschen fühlt sich das Unterwasserreich Seetopia bedroht. Um die Menschen zur Beendigung der Tests zu zwingen, beschwören sie das Monster Megalon. Zudem bemächtigen sie sich der neueste Erfindung des Erfinders Goro Ibuki (Katsuhiko Sasaki), des Roboters King Kong, und programmieren diesen so um, dass er Megalon zu den Menschen führt. Doch Goro gelingt es „King Kong wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dieser fliegt zu daraufhin auf die Monsterinsel, um Godzilla um Hilfe zu bitten. Dieser nimmt zusammen mit „King Kong“ den Kampf gegen Megalon auf, welcher allerdings Verstärkung vom Weltraum-Monster Gigan bekommt…

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King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ gilt gemeinhin als einer der schlechtesten Godzilla-Filme der ersten Staffel, die von 1954 bis 1975 dauerte. Meines Erachtens zu unrecht. Gut, dem Film wurde gewaltsam jegliche Ernsthaftigkeit ausgetrieben und aus Godzilla ein hüpfendes, Kung-Fu-kämpfendes, nettes Monster von Nebenan gemacht. Zudem griff man auch wieder auf eine nervige Kinderfigur zurück. Doch „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ versucht dabei erst gar nichts anderes zu sein, als quitschbunte und naive Unterhaltung, an der sowohl Kinder, als auch Kind gebliebene Erwachsene ihren Spaß haben können. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ vereint und bestätigt eigentlich alle Vorurteile in sich, die der Laie landläufig Godzilla-Filmen gegenüber hat. Doch gerade dadurch wird er fast schon zum essentiellen Godzilla-Film. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist genau diese bestimmte, fast schon verschüttete Erinnerung, die man an die nachmittäglichen Godzilla-Filme hatte. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ strahlt diese kindliche Freude an bizarr-lustig aussehende Monster und deren stundenlanges Gekloppe aus.

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Gleichzeitig ist er der Höhepunkt des von Regisseur Jun Fukuda eingeschlagenen Weges, der die Reihe immer weiter in Richtung bunte Kinderunterhaltung drückte und aus Godzilla den Kumpeltyp machte, der immer dann auftaucht, wenn es gilt die Menschheit vor griesgrämigen Monstern zu retten. Da darf er schon mal einen kleinen Freudentanz aufführen oder in Kung-Fu-Postion gehen. Godzilla ist bei Fukuda nicht mehr die Urkraft, welche vernichten will, sondern der nette grüne Riese, mit dem man Spaß haben kann, und der einem Menschen nie ein Haar krümmen würde. Das hat dann zwar überhaupt nichts mehr mit dem ursprünglichen Godzilla zu tun – und noch weniger mit seiner Reinkaration aus den 80er, 90er und 00er Jahren – aber sehr viel mit dem Bild, welches man heute noch immer von Godzilla hat, wenn man früher nur ein paar Filme aus den späten 60ern und den 70ern im Nachmittagsprogramm der Privaten genossen hat.

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Neben der ausgelassenen Albernheit dürfte den Godzilla-Puristen auch die sehr limitierte Rolle ihres Lieblings sauer aufstoßen. Ursprünglich war der Film als Vehikel für den neuen Helden Jet Jaguar, einem flotten Roboter (statt King Kong hätte ihn die deutsche Synchro vielleicht besser Kling Klong nennen sollen), der seine eine Größe verändern kann, geplant. Doch allein auf Jet Jaguar wollte man sich dann doch nicht verlassen, weshalb dann doch noch der populäre Godzilla in den Film gepackt wurde. Ein weiterer Kritikpunkt wären auch – wie beim Vorgänger – die vielen Archivaufnahmen aus älteren Filmen, die die Kosten für die Kämpfe und Zerstörung nach unten drücken sollten. Auch mit dem Design des neuen Monsters Megalon, welches anscheinend von einer Küchenschabe inspiriert und mit ein seltsames Kreuz auf dem Kopf verziert wurde, hat sich die Toho nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Dafür wurde dem aus dem Vorgängerfilm bekannten Kampfhuhn Gigan ein neues, cooleres Aussehen verpasst. Der Film läuft dann auch zielstrebig und ohne größere Höhepunkte seinem fast halbstündigen Endkampf entgegen. Der Anteil der „menschlichen Handlung“ ist dementsprechend oberflächlich und schnell abgehakt.

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Im Grunde erzählt der Film nur wie die mittlerweile altbekannte Geschichte der Außerirdischen (hier zur Abwechslung mal Bewohner eines im Meer versunkenen Kontinents), die mit Hilfe einiger Monster die Kontrolle über die Erde erlangen wollen und schließlich aufgeben müssen, wenn Godzilla ihre monströse Super-Waffe verprügelt hat. Leider wurden die Untersee-Bewohner nicht besonders liebevoll gestaltet. Ein grobschlächtiger Amerikaner mit Seemanns-Tattoo spielt ihren Anführer und darf einmal von einigen Schönheiten umtanzen lassen. Dies übrigens die einzigen weiblichen Figuren in diesem Film, was noch einmal beweist, dass das Zielpublikum präpubertäre Jungs waren, die Monster eben geiler als Mädels finden. Das alles wirkt aber leider auch auffällig billig und lieblos. Auch bei anderen Szenen wurde sich nicht besonders viel Mühe gegeben. Gleich in der Eröffnungsszene wird vergessen, ein Erdbeben durch Wackeln der Kamera zu simulieren, so dass die armen Darsteller scheinbar ohne Grund hin und her stolpern. Doch gerade diese Unzulänglichkeiten, tragen auch zu dem besonderen Charme dieses Filmes bei. „King Kong – Dämonen aus dem Weltraum“ kann man entweder als buntes Spektakel für große Kinder oder peinlichen Tiefpunkt der mit einigem Ernst gestartet Godzilla-Reihe sehen. Nach „King Kong“ durfte der für die Infantilisierung der Reihe hauptsächlich verantwortliche Jun Fukuda noch „.King Kong gegen Godzilla“ inszenieren, bevor „Godzilla“-Vater Ishirō Honda die sogenannten Shōwa-Staffel mit „Die Brut des Teufels“ zu Grabe trug.

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Zugegeben, „King-Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist ein sehr infantiler und recht alberner Vertreter seines Genres. Zudem wurde aus Kostengründen wieder viel altes Material recycelt und die ganze Angelegenheit auf „kinderfreundlich“ inklusive nervigem Göre gebürstet. Trotzdem macht dieser simpel gestrickte Film mit seinem schier endlosen Monster-Gekloppe mit all seinem kindlichen Charme Spaß. Man sollte ihn nur nicht mit den früheren, grimmigeren Einträgen der Serie vergleichen. Das hier ist kunterbunter Kindergeburtstag.  Nicht mehr, nicht weniger. Das kann man mögen oder hassen.

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„King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist nun schon die dreizehnte Folge der wundervollen Kaiju Classics, die von Anolis wieder in einem schicken Metal-Pack und in gewohnt reichhaltiger Ausstattung veröffentlicht wurde. Neben dem höchst informativen und umfangreiches Booklet von Ingo Strecker, hat Anolis wieder zwei Versionen des Filmes in die Veröffentlichung gepackt. Auf DVD 1 befindet sich die japanische Fassung des Filmes mit einem Audiokommentar des bewährten Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber, sowie japanischer Trailer und US Trailer, ein spanischer Werberatschlag und eine Bildergalerie mit japanisch und internationalen Motiven. DVD 2 enthält die deutsche Kinofassung mit einem Audiokommentar von Florian Bahr. Ferner finde man hier den deutschen Trailer, die deutsche Super-8 Fassung, ein Scan des Filmprogramms und eine deutsche Bildergalerie. Das Bild beider Film-Fassungen bietet keinen Anlass zur Kritik und auch der Ton ist – trotz seines Alters – absolut sauber. Wieder eine tolle Veröffentlichung. Nummer 14 kann kommen.

DVD-Rezension: “Frankensteins Höllenbrut“

Von , 4. Februar 2016 18:08

hoellenbrutDer Comic-Zeichner Gengo (Hiroshi Ishikawa) kommt einem gewaltigen Komplott auf die Spur. Bei seinen zukünftigen Arbeitgeber vom Weltkinderland ist er zufällig an ein geheimes Tonband gekommen, welches die schöne Machiko (Tomoko Umeda) auf der Flucht vor seinem Chef in spé verloren hat. Mit Hilfe des Tonbandes findet er heraus, dass das Kinderland als Basis für außerirdischen Invasoren dient. Diese wollen die Menschheit mithilfe der beiden Monster King Ghidorah und Gigan vernichten, und sich die Welt für ihrer Rasse von Insekten-Wesen untertan machen. Höchste Zeit für Godzilla und seinen Kumpel Angilas einzuschreiten und die bösen Mächte aufzuhalten.

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Nachdem der 11. Filme der Godzilla-Reihe, „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ an der Kinokasse durchgefallen und Regisseur Yoshimitsu Banno in die Wüste gejagt worden war, wandte man sich wieder einmal an Jun Fukuda der Ende der 60er den Staffelstab von Ishirō Honda übernommen hatte und schon einige preisgünstige, aber erfolgreiche Godzilla-Filme abgeliefert hatte. Eins war klar: Experimente wie bei den „Teufelsmonstern“ würde es nicht wieder geben. Was bedauerlich war, denn der psychedelisch-surreale „Teufelsmonster“ zählt für mich zu den interessantesten und liebsten Filmen der Reihe. Immerhin ließ man es sich nicht nehmen, auch noch einmal das Thema Umweltverschmutzung in seine Werk mit aufzunehmen, was mit zahlreichen Einstellungen aus dem Vorgängerfilm illustriert wurde. Überhaupt hatte man sich bei „Frankensteins Höllenbrut“ dazu entschlossen, kräftig am Budget zu sparen und zahlreiche Szenen aus älteren Filmen zu recyceln. Was aber zugegeben dem Laien nicht unbedingt gleich auffallen würde – nur wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass sich die Helligkeit der Szenen und Godzillas Aussehen hier und dort verändert.

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Da es ja in der Vergangenheit immer gut geklappt hat, wurde für „Frankensteins Höllenbrut“ das gute, alte Alien-Invasoren-Motiv reaktiviert. Wir ihre Vorgänger in „Befehl aus dem Dunkel“ geben sich die bösen Außerirdischen als Wohltäter der Menschheit aus, um dann die Filmmonster gegeneinander antreten zu lassen, die dabei quasi im Vorbeigehen Tokio zerstören. Dieser Plan gelingt ihnen auch recht gut und beschert dem Film einige schöne Monster-Fights (wenn auch aufgrund des oben erwähnten Recyclings mit einigem Wiedererkennungsfaktor) und auch ein neues Monster. Gigan sieht zwar aus wie ein überdimensionales Huhn, konnte aber eine solche Popularität erreichen, dass er im nächsten Film, „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ gleich wieder mit dabei ist. Da gerade in der zweiten Hälfte das immer weiter ausufernde Finale die eigentliche Handlung verdrängt, kommen die Freunde des zünftigen old-school Kaiju-Gekloppes voll auf ihre Kosten.

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Obwohl sich „Frankensteins Höllenbrut“ in erster Linie an ein kindliches Publikum wendet, ist er gleichzeitig der brutalste Godzilla-Film bis dahin. War in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ schon ein Tabu gebrochen worden und die Opfer der Monsterattacken gezeigt worden, so spritzt hier erstmals bei den Monster-Kämpfen das Blut. Gigan schlägt Godzilla seine scharfen Klauen in den Schädel und der Monster-Igel Anguirus macht Bekanntschaft mit der Kreissäge, die in aus Gigans Bauch wächst. Gleichzeitig aber gefällt sich der Film auch in kindlichen Albereien. So unterhalten sich Godzilla und Anguirus in der Originalversion wortreich. Dies wird dadurch verdeutlicht, dass große Sprechblasen mit japanischen Schriftzeichen eingeblendet werden, die den Dialog – in dem Godzilla ziemlich autoritär auftritt – wiedergeben. In der deutschen Fassung fehlen die Sprechblasen zwar, aber Godzillas Gesten und Töne sind auch hier recht eindeutig als Kommandos an Anguirus zu verstehen. Ob man diese lustige Vermenschlichung der Monster gut findet oder nicht, ist wohl auch eine Frage des Alters.

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Ferner wird weiter an einem neuen Monster-Mythos gestrickt. Alle Monster leben – wie schon in „Frankenstein und die Monster aus dem All„– gemeinsam friedlich auf der Monsterinsel. Diese verlassen sie nur, wenn Not an Mann bzw. Monster ist und die Menschheit vor bösen Monstern geschützt werden muss. Godzilla & Co. sind also nicht mehr die furchterregenden Feinde, sondern so etwas wie eine Super-Eingreiftruppe, wenn der Menschheit Gefahr droht. Da ist es dann auch ganz selbstverständlich, wenn sich die Monster wie Superhelden agieren und sich mit einem fröhlich-energischen „Komm mit, es gibt etwas zu tun“ in die Fluten stürzen, um nach Tokio zu schwimmen. Sie sind also keine Naturgewalten mehr, die über Japan herfallen, sondern so etwas wie Naturgötter. Wobei dieser Ansatz erst in dem sehr viel später entstandenen „Godzilla, Mothra and King Ghidorah“ voll ausgespielt wurde. Die Menschen scheinen sich dessen bewusst und leben in friedlichen Co-Existenz mit den Monstern, was man daran erkennt, dass die Hauptattraktion eines Kinderfreizeitparks ausgerechnet ein „Godzilla-Turm“ ist.

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Den erwachsenen Zuschauer wird es freuen, dass diesmal auf einen nervigen Kinderdarsteller verzichtet wurde und auch die Hauptdarsteller sich nicht von der üblichen Hysterie anstecken lassen, sondern sympathisch und verhältnismäßig kompetent zu Werke gehen. Wer sich die deutsche Tonspur gönnt wird zudem mit einem Best-Of-Synchronsprecher bedient. Alles was in den 70ern hier Rang und Namen hatte, leiht hier den japanischen Schauspielern seine Stimme. Brückner, Danneberg, Martienzen, Chevalier – alle sind sie dabei. Da stört es dann auch nicht, dass Godzilla eines seiner schlimmsten Kostüme tragen muss, die ihn oftmals wie einen überdimensionierten Frosch aussehen lässt. In den vielen Schnippseln aus älteren Filmen sieht er dann ja auch deutlich besser aus. Ein optisches Highlight ist wieder einmal der goldene, dreiköpfige Drache King Ghidorah – überhaupt eines der bestaussehenden Monster des Toho’er kaijun-Universums. Schön auch die Idee, für die Darstellung der insektenförmigen Invasoren echte Kakerlaken in Großaufnahme zu verwenden. Auch dieses dürfte ein Novum in der langjährigen Kaiju-Geschichte sein.

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„Frankensteins Höllenbrut“ mag nicht zu den absoluten Highlights der Serie gehört und durch kostensparendes Recycling alter Filmschnipsel negativ auffallen. Dennoch kann der munterer Monster-Spaß all jenen ans Herz gelegt werden, die sich eine kindliche Freude an den japanischen „Männer in Monsterkostümen“ und ihren endlosen Keilereien bewahrt haben. Dass dabei auf allzu infantilen Humor und Kinder verzichtet wurde, weiß ebenfalls zu gefallen.

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Die in der Reihe „Kaiju Classics“ herausgekommene DVD reiht sich nahtlos in die wunderbaren Veröffentlichungen ein, mit der Anolis in den letzten Jahren die Monster-Fans erfreut hat. Wieder sind zwei Versionen auf zwei DVDs mit dabei. Die ungekürzte, japanische Fassung und die um viel Handlung und blutige Details im Finalkampf verzichtende deutsche Kinofassung. Und selbstverständlich haben wieder viele Experten mitgeholfen und wieder gleich drei Autokommentare eingesprochen. Das Trio Jörg Buttgereit, Alexander Iffländer und Bodo Traber übernehmen, ebenso wie Florian Bahr, die Kommentierung der japanischen Fassung auf Disc 1. Auf der zweiten Scheibe mit der deutschen Kinofassung kommt Torsten Rosemann zu Wort. Ferner im dem sich über beide Discs erstreckendem Bonusmaterial: Der japanische und der deutsche Trailer, eine Super-8-Fassung, Bildergalerien mit japanischen, internationalen und deutschem Material. Nicht zu vergessen, das informative 20-seitige Booklet von Ingo Strecker. Von der Bildqualität her, weiß die Veröffentlichung erwartungsgemäß auch wieder zu überzeugen. Sowohl die deutsche als auch die japanische Fassung erfreuen mit einem klaren Bild und guten Schwarzwerten, wobei die Japan-Fassung leicht die Nase vorne hat. Auch der Ton ist sauber und deutlich, wobei man der deutschen Synchro ihr Alter etwas anhört, wenn man nur genau genug die Ohren spitzt.

Blu-ray Rezension: “Der Mann mit den Röntgenaugen“

Von , 4. November 2015 21:31

mannaugenDr. Xavier (Ray Milland) hat ein Serum entwickelt, mit dessen Hilfe die Sehkraft des menschlichen Auges gesteigert wird. Beaufsichtigt von seinem Freund Dr. Brant (Harold J. Stone) testet er das Mittel im Selbstversuch. Dieser ist ein voller Erfolg. Schon bald kann Xavier sogar durch Gegenstände hindurchsehen. Als Xavier immer exzessiver das Serum nutzt, versucht Brant ihn von weiteren Versuchen abzuhalten. Bei einem Streit, stößt Xavier seinen Freund versehentlich durch ein Fenster in den Tod. Xavier flüchtet und versteckt sich als Wahrsager Dr. Mentalo auf einem Jahrmarkt…

Regisseur Roger Corman hält „Der Mann mit den Röntgenaugen“ für seinen besten Film. Eine Haltung, die man durchaus diskutieren kann, schließlich ist der Mann auch für „Satanas – Schloss der blutigen Bestie“ verantwortlich. Unstrittig dürfte aber sein, dass „Der Mann mit den Röntgenaugen“ zu den allerbesten Film des King of the Bs zählt. Wofür, neben einem starken Drehbuch und innovativen Kameraeffekten, vor allem Hauptdarsteller Ray Milland verantwortlich ist. Milland ist einer der großen, aber heutzutage leider immer etwas unterschätzten Hollywood-Stars. Wer sich an „Der unheimliche Gast“ oder seine Glanzleistung in Billy Wilders „Das verlorene Wochenende“ erinnert, kann kaum verstehen, weshalb dieser Mann, der sowohl eleganten Esprit, als auch tiefste Verzweiflung gleich überzeugend auszudrücken vermochte, es nie ganz in den heute gültigen Hollywood-Pantheon geschafft hat. Und das, obwohl er nach „Verlorenes Wochenende“ zu den bestbezahltesten Schauspielern Hollywoods gehörte. Vielleicht war es sein normales Aussehen – welches allerdings, wie in „Bei Anruf Mord“, durchaus auch dämonisch daherkommen konnte. Vielleicht aber auch die Tatsache, dass er sich in den 50er Jahren zunehmend auf die Arbeit hinter der Kamera konzentrierte. Anfang der 60er adelte er das Reich der B-Filme mit seinen beeindruckenden Auftritten in drei Roger-Corman-Produktionen. Neben der Poe-Verfilmung „Lebendig begraben“, waren dies der hier besprochene Film und „Panik im Jahre Null“, welchen er auch selber inszenierte. In den 70ern wurde zu einem Relikt aus einer anderen Zeit, mit dessen Namen sich viele preisgünstige Produktionen gerne schmückten. Aber auch in größeren Produktionen trat er hin und wieder in kleinen Nebenrollen auf. Heute sind es neben „Bei Anruf Mord“ und dem grandiosen „Verlorenen Wochenende“ gerade die Corman-Produktionen, an die man sich bei seinem Namen erinnert.

In „Der Mann mit den Röntgenaugen“ zeigt Ray Milland noch einmal die ganz Palette seines Könnens. Sein Dr. Xavier ist ein Getriebener seines Forschungsdrangs. Den von ihm versehentlich herbeigeführten Tod seines besten Freundes, quittiert er mit einem Blick, der sagt „Schade, ist aber so“. Gleichzeit kann Milland aber auch glaubwürdig die spitzbübische Freude zeigen, wenn er die netten Nebeneffekte seiner Erfindung entdeckt – ebenso wie die tiefe Verzweiflung und Lebensmüdigkeit, wenn er sich aus der Umklammerung seiner Fähigkeiten nicht mehr lösen kann. Mit Milland kann man also ebenso sehr Mitleid haben, wie man seine wissenschaftliche Kaltschnäuzigkeit, die an Herzlosigkeit grenzt, verabscheuen kann. Doch ein Bösewicht im klassischen Sinne ist Xavier nicht. Tatsächlich will Xavier Gutes für die Menschheit tun, und dabei gleichzeitig zu beweisen, was für ein brillanter Kopf er doch ist. Xavier ist nicht wirklich gut, nicht wirklich böse. Das verleiht diesem Charakter seine Tiefe. Milland erkennt dies und macht Xavier zu einer der interessantesten Gestalten des klassischen Science-Fiction-Films.

Am Ende ist es Xaviers Stolz und seine Gier nach Anerkennung, die sei Schicksal besiegelt. Niemand hat ihn gezwungen, das Mittel an sich selbst auszuprobieren. Den unglücklichen Tod seines besten Freundes hätte er verhindern können, wenn er nicht so starrsinnig gewesen wäre. Und wenn seine Tarnung am Ende auffliegt, so liegt es auch wieder nur daran, dass er sich nicht zurückhalten konnte und anfing mit seinen außerordentlichen Fähigkeiten zu prahlen. Der Film erzählt also die klassische Geschichte eines begnadeten Mannes, der das Gute will und am Ende über die eigene Eitelkeit stolpert. Roger Corman erzählt Xaviers Tragödie in drei Akten. Im ersten Akt lernen wir Xavier als (über)ambitionierten, enthusiastischen Wissenschaftler kennen, der sich über die Konsequenzen seines Tuns nicht im Klaren ist. Xavier ist selbstsicher und arrogant. Im zweiten Akt lernen wir einen ganz anderen Xavier kennen. Die vorangehenden Ereignisse haben ihn zu einem verbitterten, zynischen Menschen gemacht. Abgestiegen zu einen billigen Jahrmarktsattraktion, die sich ohne großen Widerstand einem kleinen Gauner manipulieren lässt. Im dritten Akt dann das letzte Aufbäumen. Xavier sieht seine Chance gekommen, dem Dreck und Elend den Rücken zu kehren, und wieder in der besseren Gesellschaft anzukommen. Sich ein Stück Normalität in seiner anormalen Situation zu erkämpfen. Sein Anker ist die junge Frau, die sich in ihn verliebt hat. Doch wieder sind es seine Gier nach Bewunderung, die zur endgültigen, persönlichen Katastrophe führen.

Neben Millands brillanter Darstellung tragen noch weitere Faktor dazu bei, aus „Der Mann mit den Röntgenaugen“ einen Klassiker seines Genres zu machen. Wie die wunderbare, sich auf unheimliche Weise in die Gehörwindungen schleichende Musik von Lex Baxter. Auch die Titelsequenz, in der minutenlang ein blutiger Augapfel zu sehen ist, dürfe dem Publikum damals schlaflose Nächte bereitet haben. Möglicherweise liegt hier auch der Grund darin zu sehen, warum der Film zu seiner Entstehungszeit keinen deutschen Verleih fand. Trotz Ray Milland und den Erfolgen von Cormans Poe-Filmen. Oder war Film den Verleihern hierzulande zu ernst, zu düster? Ein ähnliches Schicksal erfuhr ja auch Hammers Juwel „Sie sind verdammt“, welches ich hier erst kürzlich vorstellte. Im Falle von „Der Mann mit den Röntgenaugen“ mussten die deutschen Zuschauer sogar bis 1979 warten, bis der Film in der ARD seine Deutschland-Premiere erlebte.

Um so schöner, dass der Film hier nun als Blu-ray erschienen ist. Nachdem er bereits in Anolis Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“ als DVD erschienen ist, liefert Anolis nun die HD-Variante nach. Und das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Die Farben sind kräftig, das Schwarz wirklich tiefschwarz und insbesondere die Titelsequenz wird fast schon plastisch. Manchmal ist das Bild fast schon zu klar, wodurch einige Effektszenen plötzlich sehr deutlich als sehr simple Kameratricks zu entlarven sind. Doch dies tut der Freude keinen Abbruch. Schade ist es allerdings, dass die wunderbaren und vielzähligen Extras der DVD-Fassung nicht mit auf die Blu-ray gepackt wurden. Vermutlich um die Exklusivität der „Rückkehr der Galerie des Grauens“ zu wahren und die Käufer der nicht gerade preisgünstigen DVD nicht zu verärgern. So befinden sich auf der Blu-ray unter „Extras“ dann auch nur zwei Trailer und eine Bildgalerie. Der Mono-Ton liegt in klar verständlichem Englisch und in einer guten TV-Synchronisation mit bekannten Sprechern vor.

DVD-Rezension: “Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“

Von , 14. April 2015 22:13

frankensteinungeheuermeerDer Bruder des jungen Ryôta (Tôru Watanabe) verschwand einst auf hoher See. Durch einen Zufall gerät Ryôta an ein Segelboot und sticht mit den beiden Kumpels Ichino (Chôtarô Tôgin) und Nita (Hideo Sunazuka) sowie dem Dieb Yoshimura (Akira Takarada) in See. Bald geraten sie in ein Unwetter und machen eine erste Bekanntschaft mit dem gewaltigen Hummerwesen Ebira. Auf eine Südseeinsel gespült, stellen sie fest, dass diese als Basis der terroristischen Geheimorganisation „Roter Bambus“ dient, die von der Nachbarinsel Sklaven entführen. Auf der Nachbarinsel befindet sich auch der verschwundene Bruder Yata (Tôru Ibuki). Zusammen mit dem Insel-Mädchen Daiyo (Kumi Mizuno) machen sich unsere Helden auf, den „Roten Bambus“ zu besiegen und die Sklaven zu befreien. Gut, dass auch ein alter Bekannter auf der Insel schlummert…

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1966 war ein wichtiges Jahr für die 1954 gestartete Godzilla-Reihe. Die letzten beiden Filme hatten nicht mehr den großen Erfolg an der Kinokasse, den sich Toho gewünscht hatte. Also wurde beschlossen, den Stil der Reihe grundlegend zu ändern und die Godzilla-Filme zukünftig kostengünstiger herzustellen. Erstes Opfer dieser Entscheidung war Regisseur Ishirô Honda, der zuvor sage und schreibe acht Godzilla-Filme und darüber hinaus zahlreiche weitere Monsterfilme, für Toho inszeniert hatte. Er wurde durch Jun Fukuda ersetzt, der es in der Folgezeit auf fünf weitere Godzillas bringen sollte. Kostensparend wurden auch Kostüme aus den vorangegangenen Filmen wiederverwendet, was Godzilla und vor allem die ebenfalls in „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ auftauchende Motte Mothra, recht schäbig aussehen ließ. Statt auf dem Festland zu spielen, wird die Handlung des neuen Filmes auf eine Südseeinsel verpflanzt, wodurch man sich die teureren Städtemodelle, die regelmäßig unter den Füssen Godzillas platt gemacht wurden, sparen konnte. Dadurch wirkt der Film dann auch weitaus kleiner als seine Vorgänger.

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Godzilla-Fans müssen sich stark in Geduld üben, bis ihr Liebling erscheint. Erst nach 50 Minuten tritt die große Echse in Aktion. Davor schläft sie in einer Höhle auf der Insel. Wenn Godzilla dann endlich erwacht, benimmt er sich recht merkwürdig. Viele seiner Aktionen scheinen gar nicht in das Bild zu passen, welches man sich von dem beliebten Monster bisher gemacht hat. Eine Erklärung dafür liefert die Produktionsgeschichte. Tatsächlich war „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ als King-Kong-Streifen geplant. Godzilla wurde nur eingesetzt, weil er zu diesem Zeitpunkt das populärere Ungetüm war. Und in der Tat benimmt sich Godzilla hier reichlich affig. Er wirft mit Vorliebe Felsbrocken um sich, scheint sich in ein hübsches Insel-Fräulein zu vergucken und darf ganz Kong-like gegen attackierende Flugzeuge kämpfen. Insgesamt hätte der Film mit Kong vielleicht sogar besser funktioniert und die Insel-Landschaft mehr Sinn ergeben. Mit „fremden Charakter“ ausgestattet, vollzieht Godzilla aber auch die Wende hin zum Menschenfreund und Super-Monster, welches die Menschheit, sprich Japan, vor bösen Feinden beschützt.

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Godzillas Feinde sind in diesem Film weniger eindrucksvoll. Mothra taucht kaum auf und gehört sowieso zu den Guten. Ein anonymer Riesenvogel sieht mehr aus wie ein fliegender Staubwedel und wird von Godzilla ebenso schnell geröstet, wie er aus dem Nichts auftauchte. Godzillas Kampf gegen den gefiederten Freund ist obendrein schlecht choreographiert und eher hektisch, als eindrucksvoll. Da ist das Hummerwesen Ebira schon von anderem Kaliber, auch wenn ein riesiger Hummer nun nicht besonders gruselig oder eindrucksvoll daher kommt. Immerhin ist Ebiras Design recht schön geworden und die Szenen am Anfang, wenn man in stürmischer See nur seine gewaltigen Zangen sieht, sehr stimmungsvoll. Ein Highlight auch der brutale Kampf Godzillas gegen Eibra am Ende des Filmes, der sogar unter Wasser geführt wird. Demgegenüber ist das anfängliche Ping-Pong-Spiel der Beiden, welches mit Felsbrocken geführt wird, dann eher lustig und auch ziemlich albern anzusehen. Es wundert nicht, dass es für Eibira bei diesem einen Auftritt bleiben sollte.

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Da die Monster nur eine untergeordnete Rolle spielen, und es auch erst nach der Hälfte des Filmes überhaupt zu nennenswerten Zerstörungsorgien und Schlagabtäuschen kommt, muss sich „Frankenstein und die Monster aus dem Meer“ auf seine „menschliche“ Handlung verlassen. Diese ist zwar an den Haaren herbeigezogen, aber doch recht kurzweilig umgesetzt. Die Chemie zwischen unseren Helden stimmt und der zynische Dieb Yoshimura. Akira Takarada der zuvor auf Helden abonniert war, hat hier einmal eine zwielichtigen, harten Rolle inne, kann eine gewisse Präsenz entfalten. Im Gegensatz zu den Alibi-Figuren anderer kaijus nerven die menschlichen Helden hier, trotz einzelner Klamauk-Einlagen, nicht so sehr und entwickeln im Rahmen der Möglichkeiten auch Charakter. Da die drei nicht einfach so auf einer Insel stranden können, wurde noch eine mysteriöse Geheimorganisation mit in den Topf geworfen. Die nennt sich „Roter Bambus“ und gebärdet sich wie aus einem James-Bond-Film oder vielmehr aus dessen billigen Imitaten der 60er Jahre entsprungen. Was der „Rote Bambus“ da eigentlich treibt, was sein Ziel ist und wieso er über eine eigene Fliegerstaffel verfügt, wird nicht erklärt – ist aber für den Film auch völlig unwichtig. Wichtig ist nur, dass der „Rote Bambus“ böse ist und eine schicke Basis besitzt, die sich vorzüglich zum platt Trampeln eignet.

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Auch wenn „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ nicht zu den besten Godzilla-Filmen zählt, so ist er doch ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Serie. Ursprünglich als King-Kong-Film geplant, benimmt sich Godzilla hier reichlich „affig“ und legt den Grundstein für seine weitere Karriere als „Menschenfreund“. Das flotte Tempo der Inszenierung, tröstet über mach ärmlich aussehende Sets und Kostüme hinweg.

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Wie gewohnt lässt die Anolis-Veröffentlichung im Rahmen der „Kaiju Classics“ keine Wünsche offen. Im schicken Steelcase befinden sich gleich zwei DVDs. Eine mit der japanischen Fassung und eine mit der deutschen Kinofassung. Mir sind allerdings bis auf den Vor- und Abspann keine Unterschiede zwischen beiden Fassungen aufgefallen. Auch von der Bildqualität wissen beiden absolut zu überzeugen. Während die japanische Fassung neben der deutschen Synchro noch die englische Synchronisatation und natürlich die zu bevorzugende japanischen Tonspur enthält, ist es bei der Kinofassung nur die deutsche. Die Extras fallen etwas magerer aus als üblich. Die Japan-Fassung enthält wieder einen Audiokommentar des eingespielten Experten-Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber. Dort zu finden ist auch der japanische Trailer und reichlich internationales Werbematerial in einer selbstlaufenden und mit Musik unterlegten Bildgalerie. Sehr schräg ist die knapp 5-minütige, japanische Super-8-Fassung, die nur wenig Material aus „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ enthält, diese aber mit Szenen aus einem anderen Godzilla-Film anreichert und eine ganz andere Geschichte als der eigentliche Film erzählt. Auf der Disc mit der deutschen Kinofassung findet man dann den deutschen Trailer und das deutsche Werbematerial.  Das 20-seitige und hübsch bebilderte Booklet enthält einen gut geschriebenen und höchst informativen Text von Ingo Strecker. Ferner liegt noch ein Gutschein für den Kauf einer späteren Blu-ray-Veröffentlichung bei, der den Preis von € 14.99 auf € 5,99 senkt.

DVD-Rezension: „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“

Von , 13. Februar 2015 21:16

Teufelsmonster
Die Küste vor Tokio ist vollkommen durch Müll und Industrieabfälle verdreckt. Aus dieser Suppe entsteigt ein gigantisches Ungeheuer namens „Hydrox“ (im Original Hedora), welches sich von der Umweltverschmutzung ernährt und eine tödliche Gefahr für die Menschen darstellt. Der Wissenschaftler Dr. Yano ist der erste, der mit dem Monster direkten Kontakt hat. Obwohl er bei der Begegnung schwere Verbrennungen erleidet, macht er sich fieberhaft dran, ein Mittel gegen das stetig wachsende Monster zu entwickeln. Sein kleiner Sohn wiederum scheint eine telepathische Verbindung zu einem anderen Monster zu besitzt: Godzilla. Als Godzilla plötzlich auf der Bildfläche erscheint, um Hydrox zu bekämpfen, wird offenbar, dass Hydrox sogar dem mächtigen Godzilla überlegen ist. Wird es Dr. Yano trotzdem gelingen, die Menschheit vor Hydrox zu retten?

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Ende der 60er Jahre hatten sich die Godzilla-Filme in eine Sackgasse manövriert. Sie hatten den ernsthaften Grundton des Erstlings aufgegeben und sich zu harmloser Kinderunterhaltung entwickelt, die zu allem Übel noch mit reichlich Archiv-Material aufgemöbelt wurde. Als Tiefpunkt gilt „Attack all Monsters“ aus dem Jahre 1969, der als Traum eines kleinen Jungen, vor allem aus Szenen älterer Filme zusammengestellt wurde. Danach machte die Serie erst einmal Pause, um 1971 mit „Frankenstein im Kampf gegen die Teufelsmonster“ zurück zu kehren. Der deutsche Titel ist natürlich ziemlicher Quatsch. Ein Frankenstein taucht hier selbstverständlich nicht auf, und die „Teufelsmonster“ sind in Wirklichkeit nur eins. Wobei, zugeben, noch ein paar Ableger zu sehen sind und in den Raum gestellt wird, dass es noch ein zweites Monster gäbe. Im Original heißt das Monster Hedorah, was vom japanischen Wort von Schlamm oder Schlick abgeleitet wird. In Deutschland hieß es Hydrox und in den USA „the Smog-Monster“. Hedorah wirkt auf den ersten Blick ganz lustig, ist aber für Godzilla ein schier unbesiegbarer und gefährlicher Gegner. Zudem ist Hedorah auch die Materie gewordene Umweltverschmutzung und somit Godzilla nicht unähnlich, der ja einst ebenfalls eine Inkarnation einer von Menschen geschaffenen Gefahr darstellte: Der Atombombe.

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Das Thema Umweltverschmutzung wird dann auch sehr massiv in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ angegangen. Es wird geradezu mit dem Zaunpfahl auf das Publikum eingeprügelt. Hedorah ist keine leise Metapher, sondern ein auf Krawall gebürstet Demonstrant mit Megaphon. Dies führt immer wieder dazu, dass der Film bei den Fans nicht besonders gut gelitten ist. Tatsächlich spaltet er das Publikum enorm. Wobei die negativen Argumente nicht von der Hand zu weisen sind. Der Kinderhauptdarsteller, der Bruch etablierter Franchise-Regeln und natürlich die Botschaft, die mit dem Holzhammer daher kommt. Doch löst man sich davon, einen konventionellen Godzilla-Film sehen zu wollen, offenbart sich eine schier wahnsinnige Kraft, die einen mit all ihrem Irrsinn und den beinahe avantgardistischen Einfällen mitreißen kann. Es stimmt, als Godzilla-Film funktioniert „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ eher weniger. So wird Godzilla auch irgendwie in den Film hineingepresst. Warum er überhaupt auftaucht, wird nicht wirklich erklärt. Er ist einfach plötzlich da und prügelt auf Hedorah ein. An einer Stelle wird dies beiläufig und arg fadenscheinig mit einer telepathischen Verbindung des Jungen mit dem grünen Monster erklärt, aber letztendlich ist dies doch nur reine Willkür der Autoren und kein zwingendes Motiv.

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Verabschiedet man sich also von traditioneller Kaiju-Konvention, explodiert einem die Experimentierfreude förmlich vor den Augen. Da wird der Film mit einer beinahe nach James Bond schmeckender Titelsequenz eingeläutet, in der die Sängerin Keiko Mari einen Ohrwurm über die Gefahren der Umweltverschmutzung schmettert, der fast vollständig aus der Aufzählung diverser Giftstoffe besteht. Immer wieder auch werden auf dem Meer treibende Mülllandschaften gezeigt, deren Zentrum eine zerstörte Kleiderpuppe einnimmt. Später führt der Film in eine psychedelisch ausgeleuchteten Discothek, wo ebenfalls eine Version des Liedes zum Besten gegeben wird und einer der Darsteller auf die anderen Besucher Fischköpfe halluziniert. Zwischendurch werden Zeichentricksequenzen wie aus der „Sendung mit der Maus“ eingeblendet, Dia-Vorträge über das Weltall abgehalten und wenn Hedorah über die Stadt fliegt fallen links und rechts skelettierte Körper zu Boden (ein no-go im Godzilla-Franchise, wo sonst nie Tote gezeigt wurden). In einer der schönsten Szenen, gerät eine Protagonist am Fuße des Fuji zu einem spontanen Happening junger Leute mit Musik und Tanz, während die Alten wie Geister hinter den Büschen hocken und das Treiben mit toten Augen beobachten. Und wenn Hedorah wieder Schlamm auf seine Gegner spritzt, erinnert dies an eine heftige Ejakulation.

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Für Regisseur Yoshimitsu Banno, der zuvor als Regie-Assistent bei Ishiro Honda und drehte den Film „Birth of the Japanese Islands“ für die Weltausstellung in Osaka 1970. Dabei lernte er Tomoyuki Tanaka kennen, der den jungen Regisseur mit dem neuen Godzilla-Film beauftragte. Was er bekam gefiel ihm allerdings gar nicht. Am heftigsten missfiel ihm die Szene, in der sich Godzilla plötzlich mit Hilfe seines Atomatmens in die Lüfte erhob. Für Banno sollte es dann auch sein erster und letzter Spielfilm bleiben. Was sehr schade ist, denn die übersprudelnde Fantasie und naive Kreativität hätte man gerne noch in einem weiteren Kontext gesehen. Immerhin taucht Bannos Name 43 Jahre später unter den Produzenten des amerikanischen „Godzilla“-Films von Garth Edwards auf. Doch dieser ist vom enthemmten Irrsinn eines „Teufelsmonster“ denkbar weit entfernt. So aber blieb „Frankenstein in Kampf gegen die Teufelsmonster“ der einzige Blick auf Bannos Fähigkeiten als Regisseur und gleichzeitig der polarisierenste Godzilla-Film der ganzen Reihe, der von der einen Fraktion ebenso vehement abgelehnt, wie von einer kleineren hemmungslos geliebt wird. Trotz und gerade wegen seiner Fehler und der Weigerung nach den Regeln zu spielen.

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Als konventioneller „Godzilla“-Film funktioniert „Frankenstein im Kampf gegen die Teufelsmonster“ nur sehr bedingt, aber als wagemutiges Experiment am Rande des Irrsinns, ohne Rücksicht auf irgendwelche Regeln oder den Geschmack des Publikums, ist er für ein dafür empfängliches Publikum eine sehenswerte, stellenweise fast avantgardistische, Entdeckung. Allerdings sollte man darauf gefasst sein, dass Yoshimitsu Banno einem seine ökologische Botschaft mit dem Dreschflegel einprügeln möchte.

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Mit seiner nunmehr 10. „Kaijun Classics“-Ausgabe hat Anolis wieder einmal einen sehr hohen Standard gesetzt. Von außen nicht ersichtlich, enthält das edle Steelcase nicht nur eine, sondern gleich zwei DVDs, die jeweils mit hochinformativen Extras aufgewertet wurden. Disc 1 enthält die Japanische Fassung des Filmes in einer hervorragenden Bildqualität. Neben der deutschen Synchronisation (fehlende Stellen werden im Original mit Untertiteln belassen), kann der geneigte Zuschauer noch wahlweise einen Audiokommentar mit den renommierten Experten Jörg Buttgereit und Bodo Traber oder Florian Bahr zuschalten. Des weiteren an Bord, ein 11-minütiges Interview mit Yoshimitsu Banno, welches Jörg Buttgereit 2002 geführt hatte. Der japanische und us-amerikanische Trailer sowie schönes internationales Werbematerial sind ebenfalls enthalten. Das Bild der deutschen Fassung auf Disc 2 ist einen Tick schlechter, aber immer noch sehr gut. Hier findet man neben japanischer und deutschen Tonspur, einen Audiokommentar von Monster-Fan Thorsten Rosemann, der schon zu „Frankenstein – Zweikampf der Giganten“ einen AK beisteuerte. Wer es kurz und nostalgisch mag, der kann die – leider rotstichige – 33-minütige deutsche Super-8-Fassung bestaunen. Der deutsche Trailer und deutsches Werbematerial runden die Disc ab. Nicht unterschlagen sollte man auch das sehr schön gewordene, 20-seitige Booklet, welches von Ingo Strecker verfasst wurde. Alles in allem, eine wunderschöne Veröffentlichung, die keine Wünsche übrig lässt.

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