Category: Film

Blu-ray-Rezension: „Scherzo Diabolico“

Von , 16. November 2016 20:48

scherzo-diabolicoDer Angestellte Aram (Francisco Barreiro) ist wirklich nicht zu beneiden. Sein Vorgesetzter (Jorge Molina) lässt ihn ständig Überstunden machen, doch ohne, dass Aram dafür irgendeine Anerkennung in Form einer Beförderung oder mehr Lohn bekäme. Dafür darf er sich dann Zuhause regelmäßig von seiner unzufriedenen Ehefrau runter putzen lassen. Eines Tages entführt Aram scheinbar ohne weiteren Grund ein junges Mädchen (Daniela Soto Vell) und hält es in einer abgelegenen Lagerhalle gefangen. Während das psychisch labile Mädchen dabei durch die Hölle geht, scheint sich Arams Leben tatsächlich zum Besseren zu wenden…

Aus Mexiko kommen derzeit viele spannende Genrefilme. Gerade erst sorgt „We Are the Flesh“ für Kontroversen zwischen Jubel und Abscheu. Einer der neuen Wilden aus Mexiko ist Adrián García Bogliano, dessen hochinteressanter „Here Comes the Devil“ erst kürzlich auch eine Deutschland-Veröffentlichung erfuhr. Ein an die paranoiden Terrorstreifen der 70er Jahre gemahnender Horrorfilm, der auch als intensive Allegorie auf das Erwachsenwerden der eigenen Kinder funktioniert. Auch sein neuer Film „Scherzo Diabolico“ hat nun den Sprung über den großen Teich geschafft. Hierzulande wird er von seinem Label Donau Film allerdings ziemlich aggressiv als Rape ’n Revenge mit Schulmädchen vermarktet. So darf sich die Darstellerin des entführten Mädchens, Daniela Soto Vell, auf dem Backcover der DVD im Lolita-Look und lasziv mit einem Lollypop im Mund, an der Kette winden. Ob das ein potentielles SM-Klientel anlocken soll? Auf jeden Fall ist diese Bewerbung natürlich mal wieder ziemlicher Quatsch.

Tatsächlich beginnt „Scherzo Diabolico“ zunächst als eher ruhiger Thriller. Aram, vermutlich ein Angestellter in einer großen Kanzlei, hat – aus welchen Gründen auch immer – ein Mädchen entführt. „Rape“ kommt aber Gottseidank nicht vor. Allerdings merkt man schon, dass Aram sich daran aufgeilt, die Arme zu erniedrigen. Auch wenn er sich nach erledigter Aufgabe erst einmal kräftig übergeben muss. Boglianos Stärke zeigt sich darin, dass er nicht alles ausformulieren muss. So bleibt beispielsweise die Frage, was er da eigentlich genau beruflich macht, unbeantwortet. Obwohl man den Eindruck gewinnt, dass er in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitet, könnte es auch eine mafiöse Organisation sein. Oder vielleicht eine staatliche Stelle. Der Interpretation sind Tor und Tür geöffnet, ohne dass dieses Vage die Handlung stören würde. Es sorgt aber dafür, dass der Zuschauer in eine permanente Spannung versetzt wird. Auch wird zunächst jede Information dazu verweigert, was Arams Beweggründe sind, das Mädchen zu entführen und gefangenzuhalten. So kann man sich dann auch bei jeder Begegnung zwischen dem im Grunde sympathischen Aram und dem zunehmend aggressiver und panischer reagierenden Mädchen nicht wirklich sicher sein, was passieren – und wer der Leidtragende sein wird.

Zunächst beschränkt sich Bogliano darauf, das Leben seiner Hautfigur zu zeigen. Dieses spielt sich zwischen seinem immer fordernder auftretenden Chef, seiner keifenden Ehefrau, den routinemäßigen Treffen mit einer Prostituierten und dem Beginn einer Affäre mit der Sekretärin ab. Das alles wird ganz unaufgeregt, in seinem Ton beinahe schon ganz nah an einer schwarzen Komödie dran, gezeigt. Allerdings versäumt es Bogliano bei aller Zurückhaltung nicht, stets auch beunruhigenden Untertönen mitschwingen zu lassen. Was durch den effizienten und tief ins Ohr dringenden Soundtrack von Sealtiel Alatriste noch verstärkt wird. Aber auch die vielen wundervollen Stücke mit klassischer Musik, die mit einem rasiermesserscharfen Gespür für den richtigen Ton ausgesucht wurden, tragen zu dieser dispersiven Wahrnehmung bei.

Im letzten Drittel seines Filmes wartet Bogliano dann mit einem recht gelungenen Plot-Twist auf, den man sich als erfahrener Vielgucker sicherlich schon hat kommen sehen, der aber nicht aufgesetzt und in seinen Konsequenzen durchaus logisch daherkommt. Von hier aus hätte es Bogliano dann viele interessante Wege gegeben, die Handlung fortzuführen. Er entscheidet sich aber für die Blutwurst und bricht damit den Ton des Filmes zugunsten eines recht drastischen Gematsches, welches Gorehounds sicherlich zufrieden und zu Jubelschreien hinreißen wird. Im Gesamtkontext wirkt das große Finale allerdings wie ein Fremdkörper. Ein ähnliches Problem bestand schon bei „Here Comes the Devil“, als Bogliano bei einer Mordszene kurzzeitig alle Gäule durchgingen, die Szene sich dadurch aber nicht schockierend, sondern sich unangenehm selbstzweckhaft anfühlte. In „Scherzo Diabolico“ lässt er nun eine der Hauptfiguren plötzlich – oder zumindest unter einem sehr dünnen Vorwand – in einen mörderischen Racheengel mit fast schon übernatürlichen Fähigkeiten mutiert. Das wirkt dann alles recht erzwungen und will nicht so recht zum restlichen Film passen. Das ist dann halt nur banaler Splatter. Schade. Dafür ist das Ende dann aber hübsch konsequent geworden.

Während sich Adrián García Bogliano sich zunächst die Zeit nimmt, seinen Film und die Figur des Aram ruhig und unaufgeregt aufzubauen, haut er im letzten Dritten vielleicht etwas zu kräftig auf den Putz. Da kippt dann sein cleverer und von einer gewissen Leichtigkeit geprägter Thriller in eine deftige Schlachtplatte, welche vielleicht die einen jubeln und die anderen sich die Hand vor die Stirn schlagen lassen.

Die Blu-ray besitzt ein sehr ordentliches Bild. Nur am Anfang stört ein leichtes Ruckeln, was aber auch am Ausgangsmaterial (einen Drohnenflug) liegen kann. Ansonsten beseht kein Grund zum Meckern. Der Ton ist sehr effektiv eingesetzt und nutzt alle Lautsprecher. Besonders schön ist dies bei den klassischen Klavierstücken, welche sehr voll und voluminös klingen. Die deutsche Synchro ist eher „na ja“, hier ist der O-Ton definitiv zu bevorzugen. Auf einer weiteren Tonspur befindet sich der (englische) Audiokommentar, allerdings ohne Untertitel. Neben einem Musikvideo, gibt es noch drei Featurettes. In „A Diabolical Joke“(25 Minuten) erzählt der Kameramann sehr interessant und detailreich von seiner Arbeit. In „Behind Every Weak Man“ stellen die weiblichen Darstellerinnen den Film und ihre Rollen vor und in „The Mephisto Waltz“ berichtet Sealtiel Alatriste davon, wie es dazu kam, dass er den Soundtrack komponieren durfte.

DVD-Rezension: „Ausgeburt der Hölle“

Von , 10. November 2016 20:38

ausgeburtEine außerirdische Intelligenz will im Alleingang die Erde erobern. Dazu will es zunächst die Gedanken der Tiere und der nicht ganz so klugen Menschen kontrollieren. Sein Raumschiff geht in der Ödnis der kalifornischen Wüste nieder. Dort hält sich die Familie Kelley gerade so mit ihrer Dattelplantage über Wasser. Besonders die Frau des Hauses, Carol (Lorna Thayer) leidet unter der schlechten Lage und der Einsamkeit so weit draußen. Ihr Frust entlädt dabei sich immer wieder an der Tochter Sandra (Dona Cole). Und dann gibt es noch „Er“, ein stummer Farmarbeiter (Leonard Tarver) der in einem Schuppen lebt. Bald schon kommt es zu unerklärlichen Vorfällen: Die Tieren greifen die Menschen an! Als der Nachbar der Kelleys seiner Kuh zum Opfer fällt, versucht Familienvater Allan Kelley (Paul Birch) Hilfe zu holen…

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Ausgeburt der Hölle“ ist eine jener 50er-Jahre-Billig(st)-Produktionen, die Roger Cormans Ruf als einfallsreicher und effizienter Produzent festigten. Der Film macht große Versprechungen – laut Originaltitel soll er von einer „Bestie mit einer Million Augen“ handeln – die natürlich nie eingehalten werden. Die titelgebende „Ausgeburt der Hölle“ stellt sich als niedliche Puppe heraus, die keine 50cm groß ist. Die „Millionen Augen“ als telepathische Fähigkeiten, die sich aber nur auf Tiere und geistesschwache Menschen anwenden lässt. So fällt „Ausgeburt der Hölle“ dann prinzipiell mehr in die Rubrik Tierhorror, auch wenn hier nur Vögel (fast immer offscreen), eine Kuh, ein Hund und der merkwürdige Typ im Schuppen unter den Einfluss einer teuflischen, außerirdischen Intelligenz fallen. Dabei kann man dann erleben, dass Kühe sich wahrlich nicht besonderes für Grusel und Schrecken eignen. Ebenso wenig wie Hunde, die freudig mit dem Schwanz wedeln, wenn sie angeblich Menschen bedrohen.

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Das fehlende Budget merkt man an allen Ecken und Enden. Dass der sinistere Außerirdische als Ausgangspunkt für seine Invasion keine Großstadt, sondern ein gottvergessenes Fleckchen Erde irgendwo im Niemandsland wählt, ermöglicht es Corman und seinen „Einmal und nie wieder“-Regisseur David Kramarsky – von Haus aus eigentlich Produzent – das Ganze als Kammerspiel mit sehr reduziertem Personal zu drehen. Die Darsteller bemühen sich dann auch redlich, die dünne Geschichte und die teilweise haarsträubenden Dialoge mit einem souveränen Ernst zu füllen. Allerdings lässt sie dabei das von Tom Filer verfasste Drehbuch ein ums andere Mal im Stich. So wird die Mutter zunächst als frustrierte Ehefrau mit eifersüchtigem Hass auf die Tochter eingeführt, nur um diesen potentiell spannenden Konflikt schnell wieder zu vergessen. Der Vater darf das Hohelied auf die amerikanischen Familienwerte anstimmen und dass er seine Frau und Tochter allein mit einem unheimlichen Kerl, der der Tochter heimlich nachstellt und in seinem Schuppen unzählige Pin-Up-Poster anstarrt, zurücklässt, ist auch weniger glaubhaft.

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Doch um Glaubhaftigkeit geht es hier auch gar nicht, sondern um Ökonomie. Und wie hier mit den nicht vorhandenen Mitteln umgegangen wird, nötigt einem doch einigen Respekt ab. Auch wenn das Resultat eher komisch als gruselig geraten ist. Die schönste Innovation ist es da sicherlich, dass das unheimliche Funkeln in den Augen der unter Einfluss stehenden Tiere, durch einfaches Zerkratzen des Filmmaterials entstand. Und dass der Höhepunkt der außerirdischen Bedrohungsszenarien – ein Angriff tausender Vögel auf einen Pick-Up-Truck – einfach nur erzählt, aber nicht gezeigt wird. Das muss man sich auch erst einmal trauen. Trotz seiner kurzen Spielzeit von nur 75 Minuten muss man „Ausgeburt der Hölle“ allerdings auch einige Längen attestieren, die daraus resultieren, dass man die Zeit mit Elementen des Familiendramas strecken wollte, was leider gar nicht funktioniert.

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Mehr ein faszinierendes Stück Filmgeschichte als ein wirklich guter Film. „Ausgeburt des Bösen“ ist ein Paradebeispiel für die Ultra-Low-Budget Filme der 50er, für das Schüren von falschen Erwartungen durch Titel und Werbung, sowie der Kunst ohne Geld doch irgendwie einen Film auf die Beine zu stellen. Für den geneigten Filmfreund daher durchaus interessant.

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Der Film ist als Nummer 4 in der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ erschienen. Die Bildqualität ist erstaunlich gut. Viel besser, als es der Film eigentlich verdient. Was die Extras angeht, so hat Anolis dem Film gleich zwei Audiokommentare spendiert. Einen mit Wicked-Vision-Chef Daniel Peree und Ingo Strecker. Und der zweite mit Dr. Rolf Giesen. Neben der deutschen Kinofassung ist noch die amerikanische Kinofassung enthalten, die sich beide minimal voneinander unterscheiden. Der „Bonus“ der deutschen Fassung ist es vor allem, dass sich hier die leuchtenden Augen der besessenen Tiere finden, welche durch ein zerkratztes Negativ entstanden. Ferner gehören zu den Extras noch eine animierte Bildergalerie mit seltenem Fotomaterial, sowie der deutsche und der amerikanische Trailer zum Film. Ein 16-seitiges Booklet von Ingo Strecker mit vielen Abbildungen und interessanten Hintergrundinformationen runden die Veröffentlichung ab.

Blu-ray-Rezension: “Der Pirat von Shantung”

Von , 2. November 2016 20:46

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Ma Yung Cheng (Cheng Kuan-Tai) ist ein armer Bauernsohn aus der Provinz Shantung, der mit seinem Freund Hsiao Chiang-pei (Cheng Kang-Yeh) nach Shanghai kommt, um hier sein Glück zu machen. Hier geraten sie schnell zwischen die Fronten, denn die Stadt ist zwischen den beiden Gangsterbossen Yang (Nan Chiang) und Tan Sze (David Chiang) aufgeteilt. Der böse Yang nutzt die „vier Meister“, um seinen Teil der Stadt unter der Knute zu halten. Als Ma Yung Cheng einen der Meister besiegt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Tan Si hingegen ist ein ehrenvoller Gangster und wird schnell zum Vorbild für Ma. Nachdem Ma ihn mit seinen Kampfkünsten und seiner unerschütterlichen Ehre beeindruckt hat, überlässt ihm Tan Si ein kleinen Teil seines Gebiets. Ma klettert die Gangsterkarriere-Leiter schnell herauf und ist sehr beliebt. Doch Yang schmiedet bereits einen teuflischen Plan, um Ma Yung Cheng und Tan Si für immer loszuwerden.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Mit „Der Pirat von Shantung“ startete Cheng Kuan-Tai seine langlebige Karriere bei den Shaw Brothers. Zuvor auf kleine Neben- und Statistenrollen beschränkt, konnte der hochtalentierte Kämpfer nun in seiner ersten Hauptrolle zeigen, dass er locker einen ganzen Film allein tragen kann. Wobei er hier noch prominente Hilfe in Gestalt von David Chiang bekommt. Dieser spielt die kleine, aber sehr prägnante Nebenrolle eines Gangsterbosses, der dem von Cheng Kuan-Tai gespielten Ma Yung Cheng als Idol und Vorbild dient. Gegenüber dem sehr physischen, bodenständigen Cheng Kuan-Tai, der einen stoischen, rauen Schauspielstil mitbringt, hebt sich David Chiang nicht nur durch seine extrem geschmackvolle Kleidung und ein gewinnbringendes Lächeln hervor. Wenn es daran geht, Füße und Fäuste zu schwingen, so ist es eine Freude beiden zuschauen. Wobei Cheng Kuan-Tais Stil kraftvoller und athletischer wirkt, während Chiang mehr geschmeidig und tänzerisch daherkommt. Für die Rolle des Ma Yung Cheng kann man sich kaum einen besseren als Cheng Kuan-Tai vorstellen, der mit stoischer Wucht und einer gewissen bäuerlichen Naivität durch Shanghai pflügt. Die damals ausgesprochen populären Darsteller David Chiang und Ti Lung wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen, Allenfalls Alexander Fu-Sheng könnte man sich noch als „Pirat von Shantung“ vorstellen, aber dessen Zeit war noch nicht gekommen.

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„Der Pirat von Shantung“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Shaw Brothers und legte den Grundstein zu einer ganzen Flut von Filmen, die sich mit Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses beschäftigten. Cheng Kuan-Tai selber sollte noch im selben Jahr wieder auf die Straßen von Shanghai zurückkehren, um im Sequel „Der Mann mit der Tigerpranke“ nochmals einen aufstrebenden Gangsterboss zu spielen. Trotz der epischen Dauer von 130 Minuten schafft es der Film, durch ein durchgehend hohes Tempo keine große Längen aufkommen zu lassen. Positiv fällt dabei auf, dass die Story nicht primär dazu dient, einzelne Kampfszenen miteinander zu verbinden, sondern sich diese organisch aus der Handlung ergeben. Was aber nicht heißen soll, dass die Kämpfe nicht spektakulär wären. Besonders in Erinnerung bleibt der exotische Kampf zwischen Cheng Kuan-Tai und dem riesigen Italiener Mario Milano, der schon ein wenig den legendären Fight zwischen Bruce Lee und Kareem Abdula Jaba in „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“ vorweg nimmt. Herzstück ist aber das 15-minütge Finale, welches zu den blutigsten, brutalsten und spektakulärsten Schlachtszenen gehört, die je in den Shaw Brothers Studios entstanden sind. Hier spritzt der rote Lebenssaft als ob damit das ganze Studio undekoriert werden sollte. Und Cheng Kuan-Tais Ma Yung Cheng beweist Nehmerqualitäten und Steh-Auf-Mentalität, die ihres Gleichen sucht.

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Regisseur Chang Cheh teilte sich bei diesem Film den Regiestuhl mit Choreograph Hsueh Li Pao (wobei auch der spätere Regiesuperstar John Woo hier als Regieassistent beteiligt war, ebenso wie der später berüchtigte Viel- und Billigfilmer Godfrey Ho). Angeblich schoss Chang Cheh aufgrund seines engen Terminkalenders nur die Nachtszenen, während er die Tagszenen seinem, in den Titeln unerwähnten, Co-Regisseur überließ. Auch wenn dem so sein sollte, „Der Pirat von Shantung“ ist ein echter Chang Cheh geworden. Nicht nur, was das blutige Todesballett und die routiniert-stilsichere Inszenierung angeht. Auch liegt Chang Chehs Fokus wieder mehr auf den Männerfreundschaften, als auf der hastig eingeflochtenden Liebesgeschichte, die sich nie wirklich entwickelt. Was sehr schade ist, denn mit Li Ching hatte man eine gute und charismatische Darstellerin zur Hand. Hier wird sie aber auf den Status eines dekorativen Ausstattungsstückes reduziert. Lediglich in einer Szene, wenn unser Held in einem Bordell zu sehr dem Alkohol frönt und seine Geliebte in eine der dortigen Damen hinein imaginiert, wird überhaupt darauf Bezug genommen, dass sich dort zarte Bande bilden. Sehr viel sorgfältiger wird da die gegenseitige Faszination zwischen Ma Yung Cheng und dem „guten“ Gangster Tan Sze thematisiert, ja romantisiert. Ebenso wie die brüderliche Liebe zwischen Ma Yung Cheng und seinem besten Freund Hsiao Chiang-pei, der von dem auf diese Art von Rollen spezialisierten Kang-Yeh Cheng gespielt wird.

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„Der Pirat von Santung“ gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des fleißigen Shaw Brothers Studios, sondern katapultierte den bis dahin unbekannten Cheng Kuan-Tai in die erste Liga der Kung-Fu-Stars. Zurecht, denn der Film liefert nicht nur die Blaupause für unzählige Nachahmer, sondern steuert zielsicher und trotz seiner Länge ausgesprochen kurzweilig einem extrem blutigen Finale zu, welches zu den spektakulärsten seiner Gattung gehört.

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Wie immer ist „Der Pirat von Shantung“ in der empfehlenswerten „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Neben der alten deutschen Kinosynchronisation, ist noch eine 2. deutsche Synchronisation von 2005 mit dabei. Die alte deutsche Kinofassung war damals um satte 40 Minuten Handlung erleichtert worden. Wie das dann aussah, kann man man sich hier ebenfalls anschauen, denn die Kinofassung wurde auf Basis des neuen HD-Masters rekonstruiert und ist auf der Scheibe ebenfalls enthalten. Die Stellen, die damals für die deutsche Kinofassung nicht synchronisiert wurden, werden auf der „Kinofassung-Tonspur“ mit der Zweisynchronisation von 2005 aufgefüllt, was recht irritierend wirkt, da die Unterschiede echt deutlich zu hören sind. Bis auf ein Booklet mit Aushangfotos und Trailern gibt es keine weiteren Extras.

Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 26. Oktober 2016 20:13

ol16_bAm zweiten Tag in Oldenburg stieß mein Weird-Xperience-Kollege Stefan zu mir und unser ähnlicher Filmgeschmack sorgte dafür, dass wir größtenteils dieselben Vorstellungen besuchten. Den Anfang machte ein walisischer Film im „Studio“. Ein Kino, welches ich bisher nicht kannte, und das seit diesem Jahr in der Kulturetage, gleich neben dem cineK, zu finden ist. Dafür wurde der Raum, in dem sich vor zwei Jahren noch die VIP-Lounge des Filmfestes befand, umgebaut. Man merkt deutlich, dass der sehr geräumige Raum ursprünglich nicht als Kino gedacht war, denn das Kino macht einen ähnlich „improvisierten“ Eindruck wie die Spielstätte im Theaterhof oder in der Exzerzierhalle. Aber die gerade im Gegensatz zur Exzerzierhalle sehr intelligent angebrachten Sitzreihen erlauben nicht nur einen hervorragenden Blick auf die große Leinwand, sondern sind auch sehr bequem. Etwas, was man durchaus zu schätzen weiß, wenn man im „Studio“ drei Filme hintereinander anschaut.

Regisseur Euros Lyn hat mit The Library Suicides seinen ersten Kinofilm realisiert. Vorher hatte er eine „Sherlock„- und diverse „Dr. Who“- und „Daredevil„-Episoden inszeniert. Das merkt man dann auch, da dem Film eine eigene Handschrift fehlt, und er tatsächlich auch stark an eine Folge einer ambitionierten TV-Serie erinnert. Das ist alles sehr professionell gemacht und schön fotografiert, aber sticht dabei nicht wesentlich aus ähnlich gelagerten, kompetent gefilmten Thrillern hervor. Punkten kann „The Library Suicides“ aber mit seinen wirklich lebendigen und liebenswerten Charakteren. Insbesondere Catrin Stewart spielt die optischen identischen, aber charakterlich sehr unterschiedlichen Zwillinge einfach sensationell gut. Aber auch Dyfan Dwyfor als sympathischer, etwas chaotischer Nachtwächter ist absolut liebenswert und lädt den Zuschauer ein, mit ihm mitzufiebern.

Der Film handelt von Weiter lesen 'Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 25. Oktober 2016 20:37

ol16_aWie jedes Jahr, zog es mich auch in diesem September wieder in das schöne Oldenburg. Das mittlerweile 23. Internationale Filmfest rief, und ich folgte dem Ruf nur allzu gerne. Und der Ruf war in diesem Jahr ungewöhnlich laut. Festivalleiter Torsten Neumann war ein schier sensationeller Coup gelungen. Ließen die bisherigen Stargäste des Festivals vor allem cineastisch interessierte Besuchern das Wasser im Munde zusammenlaufen, hatte er diesmal einen absoluten Megastar an die Ems locken können: Nicolas Cage. Böse Zungen werden nun behaupten, dass Herr Cage seine glanzvolle Zeit schon lange hinter sich hätte und nun mit billigen, direkt für das Heimkino produzierten Filmchen seine Brötchen verdienen muss. Diejenigen vergessen allerdings, dass Nicolas Cage mit dem richtigen Regisseur und einem guten Drehbuch noch immer ein grandioser Schauspieler ist. Und die Filme, in denen er dem Affen ordentlich Zucker gibt, sind gerade auch wegen ihm immer noch unterhaltsam. Dieser sehr schöne Text von Thorsten Bruns bringt es gut auf den Punkt. Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Auf jeden Fall sorgte Cage sowohl für positive, wie auch zumindest diskutierbare Begleiterscheinungen. Positiv sind auf jeden Fall die Schlagzeilen, die das Filmfestival Oldenburg damit auch überregional machte und der daraus resultierende, gewaltige Enthusiasmus in der Stadt. Überall hörte man die Menschen über Cage sprechen, und natürlich machten auch die Filmemacher in den Frage-und-Antwort-Runden immer wieder Bemerkungen über den Superstar. Und vor allem: Die Leute strömten ins Kino! Die Filme mit Nicolas-Cage-Beteiligung waren im Nu ausverkauft. Und das färbte auch auf das restliche Programm ab. Erstmals passierte es mir, dass mein sorgsam zusammengestellter „Guck-Plan“ in sich zusammenbrach, weil die Karten im Vorverkauf alle weg waren. Das war für mich persönlich zwar in diesem Fall negativ, aber für das Filmfest natürlich klasse. Und da ich hier einmal an der Abendkasse noch erfolgreich war und dort auf interessante Alternativen ausweichen konnte, war es am Ende auch gar nicht so schlimm.

Diskutierbar ist die übermächtige Strahlkraft eines Nicolas Cage, die beispielspielweise die nicht minder großartige Amanda Plummer (die eigentlich nirgendwo in der Berichterstattung mehr auftauchte) vollkommen in den Schatten stellte. Und auch der junge französische Filmemacher Christophe Honoré, dem die Retrospektive gewidmet war, bekam dadurch nicht die Plattform, die er verdient hätte. Das ist schade, aber am Ende dürfte die Freude über die gelungene Werbung und die Zuschauerzahlen überwiegen. Wie immer, war ich nur zwei volle Tage anwesend. Freitag und Samstag. Ersteren musste ich noch ganz allein bestreiten, da mein Weird-Xperience-Kompagnon erst am Samstag dazustoßen sollte, und ich am Freitag leider auch sonst kein bekanntes Gesicht erblicken konnte. Also stürzte ich mich zunächst allein ins Getümmel und machte mich auf Richtung Casablanca.

The Noonday Witch von Jiri Sádek ist eine tschechische Psychodrama-Horrorfilm-Melange. Eine alleinstehende Mutter zieht mit ihrer kleinen Tochter in jenes Dorf, aus der ihr Ehemann stammt. Wo sich dieser aufhält, erfährt man zunächst nicht. Die Mutter behauptet ihrer kleinen Tochter gegenüber, er würde zu Ostern zurück kommen. Doch man kann rasch erahnen, dass dies nicht stimmt. Tatsächlich Weiter lesen 'Bericht vom 23. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Reise-Tipp: “Deliria Italiano” – 7. öffentliches Forentreffen in Düsseldorf

Von , 8. Oktober 2016 12:21

dift_2016Jedes Jahr ist es für mich immer wieder ein großer Höhepunkte, meine Freunde und Bekannte von Deliria-Italiano.de wiederzutreffen. Und wie jedes Jahr möchte ich hier einzige Zeilen darüber verlieren. Dazu nutze ich mal einen Text, den ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe.

Bereits im siebten Jahr in Folge treffen sich die Mitglieder des Internetforums Deliria-Italiano.de, um gemeinsam ihrer große Leidenschaft zu frönen: Dem italienischen Genrekino. Nachdem die von den Foren-Administratoren stets mit viel Liebe und großem Engagement organisierten Treffen bereits in Hamburg, Bremen, Frankfurt, Magdeburg, Nürnberg und sogar Wien stattfanden, zieht es Deliria-Italiano.de nun erstmals in den Westen der Republik. Das diesjährige Forentreffen findet am nächsten Wochenende, dem 14. und 15. Oktober in der BLACK BOX (dem Kino des Düsseldorfer Filmmuseums) statt. In Kooperation mit „Mondo Bizarre“, einer in Düsseldorf beheimaten Filmreihe, die dort einmal im Monat bizarre Filmkost aus aller Herren Länder serviert.

di7_ddorfWie immer ist das Treffen keine geschlossene Veranstaltung, sondern jeder ist herzlich eingeladen, dabei zu sein. Wer in den vergangenen Jahren die Forentreffen besucht hat weiß, dass „Neulinge“ stets mit offenen Armen willkommen geheißen werden. Daher ist es auch kein Wunder, wenn von Treffen zu Treffen die Schar derer wächst, die auch beim nächsten Mal dabei sind. Im letzten Jahr verzeichnete das Forentreffen dann auch einen neuen Besucherrekord – und dies, obwohl der überwiegende Teil der Besucher dafür bis nach Wien reisen musste. Auch in Düsseldorf, wird wieder mit einem vollen Haus zu rechnen sein.

Neben dem geselligem Beisammensein und der fröhlichen Fachsimpelei, stehen natürlich Filme im Mittelpunkt der Veranstaltung. Diese werden von den Organisatoren mit großer Sorgfalt ausgesucht und – das ist ein ehernes Gesetz – von alten 35-Millimeter-Rollen gezeigt. In diesem Jahr wurden einige ganz besondere Leckerbissen für italophile Filmfreunde ausgegraben.

di7_ddorf2Den Auftakt macht der großartige Film „Flavia – Leidensweg einer Nonne“, der unter dem weitaus spekulativeren Alternativ-Titel „Nonnen bis auf’s Blut gequält“ größere Berühmtheit erlangte. Regie führt Gianfranco Mingozzi, die Hauptrolle spielt die wundervolle Florinda Bolkan. Weiter geht es mit einem Werk des mittlerweile zum Forentreffen-Maskottchen beförderten Bruno Mattei, der Miles O’Keeffe als „Der Kampfgigant“ ins Rennen schickt. Am nächsten Tag heißt es: „Mein Name ist Nobody“. Terence Hill trifft auf Henry Fonda, und beide lassen in einem großen Klassiker des Italo-Western die Luft vibrieren. Zu diesem Film werde ich auch wieder zusammen mit meinem Weird-Xperience-Kollegen Stefan eine Einführung machen.

gorilla2Den Abschluss macht eine echte Sensation. Die Jungs von Deliria-Italiano.de haben tatsächlich eine deutsche 35-Millimeter-Kopie von Tonino Valeriis Actionfilm „Der Gorilla“ mit Fabio Testi entdeckt. Von diesem Film ist bisher nicht bekannt gewesen, dass er einmal für eine deutsche Kinoauswertung vorgesehen war. Es gibt weder deutsche Plakate, noch Aushangfotos. Umso größer war die Überraschung und Freude, als die 35-Millimeter-Kopie einem Testlauf unterzogen wurde. Eine Kopie zum Träumen. Wahrscheinlich noch nie abgespielt und tatsächlich in deutscher Sprache. Recherchen haben ergeben, dass es wohl noch eine weitere Kopie zu diesem Film gab, diese aber aller Wahrscheinlichkeit nach im Müll gelandet ist. Warum es der Film nie in die deutschen Kinos geschafft hat, kann nicht rekonstruiert werden. Aber nach exakt 40 Jahren ist es jetzt soweit und „Der Gorilla“ erblickt in Düsseldorf erstmals das Licht einer deutschen Kinoleinwand!

Zu jedem Film gibt es noch weitere fachkundige Einführungen, u.a. von Oliver Nöding und Michael Cholewa. Und spannende Verlosungen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Also, wer nächstes Wochenende noch nichts vor hat: Auf nach Düsseldorf!

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Blu-ray-Rezension: „Der Pate von Greenwich Village“

Von , 1. Oktober 2016 18:44

pate__greenwichCharlie (Mickey Rourke) und sein Cousin Paulie (Eric Roberts) leben im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, wo sie sich recht und schlecht durchschlagen. Der coole und vernünftige Charlie träumt davon, zusammen mit seiner Freundin Diana (Daryl Hannah) im ländlichen Maine ein Restaurant zu eröffnen. Der hitzköpfige und vollkommen nichtsnutzige Paulie träumt von einem erfolgreichen Leben im Luxus und Exzess. Als Charlie wegen Paulie seinen Job als Restaurant-Manager verliert, macht Paulie ihm einen Vorschlag. Er will in ein Rennpferd investieren, welches das „Sieger-Gen“ besitzt. Dafür fehlen ihm allerdings 150.000 Dollar, die er sich mit einem Einbruch in Lagerhaus verdienen will. Dort steht nämlich ein Tresor voller Geld. Charlie und der alte Uhrmacher und Ex-Safeknacker Barney (Kenneth McMillan) lassen sich überreden mitzumachen. Doch der Coup geht schief. Nicht nur kommt dabei ein Polizist ums Leben, sondern der Tresor gehört auch noch dem lokalen Mafiaboss „Bed Bug“ Eddie (Burt Young)…

Es tut fast schon weh, den jungen Mickey Rouke auf der Höhe seines Ruhms zu sehen. Damals schon war er zum „James Dean der 80er“ hoch geschrieben worden. Ein Vergleich, der durchaus Sinn ergibt. Mickey Rouke war ein fantastischer Schauspieler, der leicht und lässig durch seine Rollen spazierte. Der dabei mit einer kleinen Geste der Hand mehr ausdrücken konnte, als viele seiner Kollegen mit aller Kraft ihres mehrjährigen Schauspielstudiums. Und dabei ist er immer so atemberaubend cool und so unverschämt gutaussehend. Den jungen Mickey Rouke zu sehen, lässt das Herz schneller schlagen. Wenn man weiß, was aus seiner so vielversprechenden Karriere wurde, möchte man fast um all die schönen Filme weinen, die er in den 90ern noch hätte drehen können. Und um dieses schöne Gesicht, welches durch seinen Ausflug ins Profi-Boxen und schiefgegangene Schönheitsoperationen zerstört wurde. Klar ist Mickey Rourke mittlerweile wieder da. Und ja, er ist immer noch ein toller Schauspieler. Seine Darstellung des Randy in „The Wrestler“ bricht einem das Herz. Doch vergleicht man Mickey Rourke heute und damals, dann sind das zwei ganz unterschiedliche Figuren. Und man mag nicht glauben, dass dahinter ein und der selbe Mensch stecken.

Der Pate von Greenwich Village“ beginnt mit dem jungen Mickey Rourke, der sich für seinen Job als Restaurant-Manager in seine elegante, geschmackvolle Schale wirft. Dazu singt Sinatra „Summer Wind“. Eine Szene zum Verlieben. Mit kleinen Gesten, mit seinem Gang zwischen Gene Kelly und einer Katze, zeigt er gleich, wer hier der coolste Typ in der Nachbarschaft ist. Selbstsicher, charismatisch. Dass Mickey Rourke in den Credits nur an zweiter hinter Eric Roberts aufgeführt wird, mag daran liegen, dass Roberts damals etwas bekannter war. Oder dass sein Nachname im Alphabet vor Rourke kommt. Der Star des Filmes ist aber eindeutig Rourke. Er füllt jede Szene aus in der er zu sehen ist und würde die Leinwand mit seiner ungeheuren Präsenz zum Bersten bringen, wenn er dafür nicht zu lässig wäre. Im Restaurant trifft der von Rourke gespielte Charlie auf sein Cousin Paulie. Eric Roberts spielt ihn als Antithese zu Rourke. Tritt dieser in feinem, geschmackssicheren Zwirn auf, so sorgt bei Paulie bereits der unglaubliche Lockenkopf für große Augen. Dazu kleidet er sich, wie die Jungs aus dem Ghetto. Mit einer Vorliebe für protzige Ketten und zu engen Jeans. Ständig in Bewegung, hibbelig und mit einer Klappe, die nie still zu stehen scheint, ist Paulie eine weiße Parodie auf die schwarzen Ghetto-Jungs, die man aus Filmen wie „Menace II Society“ kennt. Nur gibt es in dem provinziellen Greewich Village keine Schwarzen. Ja, die Einwohnerschaft scheint nur aus Italienern und Iren zu bestehen. Einmal sieht man zwei Asiaten in einer Bar, die von den anderen Besuchern wie Exoten beäugt werden.

Regisseur Stuart Rosenberg inszeniert „Der Pater von Greenwich Village“ mit leichter und sicherer Hand. Der feine Humor ist nie zum Schenkelklopfen, die dramatischen Szenen nie pathetisch. Das Äquivalent zu Rosenbergs Inszenierung wäre der leichter Sommerwind aus dem Sinatra-Song. Zudem offenbart er einen scharfen Blick für den Lokalkolorit des kleinen Greenwich Village mit seinen Bars, den alteingesessenen Typen und das Kleinstädtische. Der von Burt Young eindrucksvoll, wenn auch manchmal an der Grenze zur Parodie, gespielte Gangsterboss „Bedbug Eddie“ ist hier zwar König, in der Mafiahierarchie aber eben nur ein kleiner Landesfürst. Trotzdem sollte man sich besser nicht mit ihm anlegen, wie Paulie in einer der schmerzhaftesten Szenen des Filmes erfahren muss. Wobei „Der Pate von Greenwich Village“ allzu große Gewalttätigkeiten vermeidet. Seine Stärken liegen im Dialog, den glaubhaften Figuren und der genauen Zeichnung des Milieus. Der einzige Haken an der Sache ist die Beziehung zwischen Charlie und Paulie. Man mag es kaum glauben, dass ein so scharfsinniger Bursche wie Charlie immer wieder seinem Cousin aus der Patsche hilft und ihn auch noch vor allen Anderen verteidigt. Ja, da ist eine große, brüderliche Liebe zwischen den beiden so unterschiedlichen Typen. Doch wenn der schwächliche Paulie das x-te Mal Charlie tief in die Scheiße reitet, möchte man ihn am Liebsten persönlich mit seiner großen Klappe in die Wüste jagen. Aber solch eine „Paulie“-Figur gehört ja zur Standardausstattung eines Gangsterfilms. Siehe auch „Sugar Hill“, der eine ganz ähnliche Struktur aufweist. Nur Michael Corleones Geduld mit seinem ähnlich anlegten Bruder Fredo in „Der Pate – Teil 2“ hatte irgendwann seine Grenzen.

Doch Charlie ist eben auch kein Profi. Kein knallharter Typ wie ein Michael Corleone. Er schlägt sich durchs Leben, versucht auf irgendeine Art und Weise etwas zu werden. Sein Traum ist nicht die Macht über sein Viertel, sondern genug Geld für ein eigenes Restaurant zu haben. Dass er immer wieder auf der falschen Seite landet, ist größtenteils auch seinem unzuverlässigen Cousin Paulie zu verdanken. In der Rolle seiner attraktiven Freundin sieht man eine blutjunge und wunderhübsche Daryl Hannah, die leider nur schmückendes Beiwerk bleibt. Frauen haben in dieser Welt nämlich keinen Platz und spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die einzige Ausnahme bildet die von Geraldine Page gespielte Mutter eines auf tragische Weise ums Leben gekommenen Polizisten. Sie hat nur zwei kurze, aber großartige Auftritte in diesem Film, aber diese reichten aus, um ihr eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin einzubringen. Ansonsten ist es a man’s world.

Die sehr genaue Figuren- und Milleuzeichnung, die überzeugenden Darsteller – allen vorweg ein unglaublich guter und charismatischer Mickey Rourke – und die locker-leichte Inszenierung Stuart Rosenbergs machen „Der Pate von Greenwich Village“ zu einem kleinen Klassiker, dem man auch kleinere Schwächen mit einem Lächeln verzeiht.

FilmArt hat dieses kleine Juwel außerhalb seiner bekannten Reihen veröffentlicht, ob es gut in die CineSelection gepasst hätte. Die Blu-ray ist auf 1000 Stück limitiert und weißt ein gutes, sehr „kinohaftes“ Bild auf, welches Ecken und Kanten haben darf und nicht vollkommen steril gefiltert wurde. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch als DTS-HD Master Audio Mono) vor. Im Bonusbereich sieht es bis auf den Originaltrailer ziemlich mau aus. Dafür wurde ein 8-seitiges Booklet mit spanischen (?) Aushangfotos beigelegt.

DVD-Rezension: „Porn to Be Free“

Von , 29. September 2016 22:37

porntobefree„Porn to Be Free“ zeichnet die unglaubliche Entwicklung des Pornos – von den ersten Fotoshootings und Veröffentlichungen in Underground-Magazinen bis zum Einzug in die Kinos. Europas Freie Liebe und grafischer Sex sind Werkzeuge des Protestes im Kampf gegen Zensur und die bigotte Moral der 70er und 80er Jahre. Neben Interviews mit Zeitzeugen wie dem Porno-Star „Cicciolina“, die später Mitglied im Italienischen Parlament wurde, zeigen Film-Ausschnitte und Aufnahmen von den Dreharbeiten den Moment als Porno revolutionär wurde. (Inhaltsangabe des Verleihs)

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Die Geschichte des pornographischen Films der 70er Jahre verspricht das Cover dieser DVD. Das Bild dazu ist nicht unbedingt passend und erinnert eher als eine moderne Softsex-Weichzeichner-Produktion. Schon hier merkt man deutlich, dass das Label Donau Film, das den Dokumentarfilm „Porn to Be Free“ in Deutschland vertreibt, nicht so recht weiß, was es damit anfangen und welche Zielgruppe nun eigentlich angesprochen werden soll. Ein Dilemma, welches man mit etwas gutem Willen nachvollziehen kann. Tatsächlich ist die Pornoindustrie nur ein Aspekt, der hier behandelt und mit saftigen, höchst expliziten Bildern illustriert wird. Der Originaltitel „Porno & Libertà“ trifft es da besser. Denn es geht vor allem um Politik, Demonstrationen, Happenings… und darum, dass Sex auch immer politisch ist. Der Tenor: Die Pornos haben geholfen, die Menschen aus ihren moralischen Käfigen zu befreien und die Welt positiv zu verändern. Eine Geschichte des pornographischen Filmes ist der Film dann natürlich nicht geworden und sollte es auch gar nicht sein. Im Zentrum des Filmes steht die sexuelle Befreiung in Italien. Und dies ist dann zwar hauptsächlich, aber eben nicht nur, auf den pornographischen Film bezogen. Die Welt außerhalb Italiens wird dann auch weitestgehend ausgespart. Zwar werden kurz auch die US-Produktionen im „Deep Throat“-Gefolge erwähnt und natürlich die Pornofilmwelle aus Dänemark, wo Pornographie als erstes legalisiert wurde. Doch wichtige Länder wie Frankreich oder auch Deutschland fehlen.

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Das Thema an sich ist sehr spannend und zeichnet ein interessantes, größtenteils unbekanntes Bild der sozio-politischen Lage und der alternativen Gegenbewegungen im Italien Ende der 60er und in den 70er Jahre. Die Hauptprobleme liegen aber darin, dass Regisseur Carmine Amoroso schon sehr schnell der rote Faden verloren geht und dann wüst zwischen den unterschiedlichsten Themen hin und her gesprungen wird. Zumindest erscheint es so, wenn man kein genaues Hintergrundwissen um die gesellschaftlichen Probleme und die unterschiedlichen alternativen Gruppen im Italien der damaligen Zeit hat. Hier kommt dann erschwerend hinzu, dass es keine Erklärungen zu den interviewten Personen gibt. Daher weiß man als ahnungsloser Zuschauer auch nicht, wer das ist und was seine/ihre Rolle und Wichtigkeit war. Zudem neigen einige von ihnen zum ausgedehnten Aggit-Geschwafel, dem man schon nach zwei Sätzen nicht mehr folgen kann und will. Aber auch bei den Filmschaffenden fehlt einfach eine sinnvolle Einordnung und eine strengere Gesprächsführung. So sind selbst die Ausführungen eines Lasse Brauns zu seinen Anfängen im Sex-Geschäft teilweise sehr verwirrend, wenn das Basiswissen um die Szene, in der er sich damals bewegte, fehlt. Man fühlt sich oftmals so, als ob einem ein Bekannter sehr blumig Geschichten über seinen Schwippschwager und dessen Freunden erzählt, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat.

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Dies ist vor allem deshalb ärgerlich, weil man deutlich spürt, dass bei dem Thema sehr viel mehr drin gewesen wäre, als Carmine Amoroso herausholt. Wenig hilfreich ist dabei auch die sehr einseitige Darstellung. Immer wieder wird auf ein großes Happening in Mailand 1976 Bezug genommen, welches als so etwas wie die große Wende in der Art und Weise, wie in Italien mit Sex, freier Liebe und auch Neo-Feminismus und LGBT-Rechten umgegangen wurde. Wobei sich meiner Kenntnis entzieht, ob dieses Treffen von Hippies, Underground-Künstlern und Aktivisten wirklich solch ein alles umwälzendes Ereignis war, wie es dargestellt wird. Und ob es wirklich so stark im kollektiven Gedächtnis Italiens verankert ist, wie in den Erinnerungen der damals Beteiligten, die von Amoroso ausgiebig ins Bild gesetzt werden. Zudem ist die Hauptthese des Films, nämlich dass die Pornographie vor allem ein Mittel war, um gegen Zensur und religiöse Moralvorstellungen zu rebellieren, ziemlich naiv. Zwar befeuern Pioniere wie Lasse Braun dieses Darstellung mit ihren romantisierten Erinnerungen. Dass dahinter aber auch ein knallhartes Geschäft stand (und steht), wird mit keiner Silbe erwähnt. Konsequenterweise endet die Rückschau dann auch Ende der 70er Jahre. Die Industrialisierung der Pornographie wird komplett ausgespart. Auch das Überlappen von Exploitationfilm und Hardcore-Pornographie in den Filmen eines Joe D’Amatos findet ebenfalls keine Erwähnung. Von D’Amato wird einmal im Hintergrund ein Ausschnitt aus „Orgasmo Nero“ eingeblendet. Ein Andrea Bianchi wird in einem Satz als Autor eines pornographischen Magazins erwähnt. So bleibt am Ende dann nur so etwas wie falsche Revolutions-Romantik.

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Die Geschichte des Pornofilms erzählt Carmine Amorosos Dokumentarfilm mitnichten. Vielmehr versucht er Sittengemälde des Italiens der späten 60er und der 70er Jahre zu zeichnen. Dabei wird das Aufkommens des Pornofilms als eine Art Initialzündung für eine sexuelle Befreiung dargestellt, bei der der Porno dann zu einem Instrument des politischen Kampfes wurde. Andere Aspekte der Pornofilmindustrie werden konsequent ausgespart. Dabei verliert Regisseur Amoroso allerdings öfter mal den roten Faden. Auch wäre eine deutlichere Einordnung in den historischen Kontext wünschenswert gewesen.

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Die DVD aus dem Hause Donau Films ist sehr ordnetlich geworden. Bei den historsichen Szenen ist das Bild dann auch (gewollt) sehr historisch, die Interview-Szenen und Zwischensequenzen sind aber state of the art. Der Ton kommt bei diesem Dokumentarfilm natürlich zumeist von vorne, wo die Interviewten ihre Geschichten erzählen. Man kann den Film auf italienisch mit deutschen Untertiteln oder mit einem guten deutschen voice-over anschauen. Extras gibt es bis auf den italienscihen Trailer keine.

DVD-Rezension: „R100 – Härter ist besser“

Von , 24. September 2016 20:59

r100Takafumi Katayama (Nao Ômori), ein in öder Routine gefangener Verkäufer in einem Einrichtungshaus, hat es im Leben nicht leicht. Seit seine Frau vor Jahren ins Koma gefallen ist, muss sich allein um den gemeinsamen Sohn kümmern. Jeden Tag fährt er zu seiner Frau ins Krankenhaus, doch eine Besserung ist nicht in Sicht. Zuhause fragt ihn der Sohn, wann die Mama denn wieder nach Hause kommen wird. Seine immer gleiche Antwort: Ostern. Ablenkung verspricht er sich von einer Mitgliedschaft im geheimnisvollen S/M-Club „Bondage“. Dieser schickt seine in Leder gewandeten Dominas immer wieder überraschend und ohne Vorankündigung in der realen Welt der Kunden. Dort tauchen sie dann an immer anderen Orten auf und verwickeln die Kunden in ausgefallene S/M-Spielchen. Die Mitgliedschaft läuft ein Jahr und ist während dieser Zeit unkündbar. Doch bald schon werden Takafumi diese Übergriffe auf sein Privatleben zu viel. Als die Dominas dann noch auf seiner Arbeit und im Krankenzimmer seiner komatösen Frau auftauchen, und letztendlich noch sein minderjähriger Sohn mit in die Spiele hineingezogen wird, will Takafumi nur noch raus aus seinem Vertrag. Doch er ahnt nicht, mit wem er sich da anlegt. Und so eskaliert die Situation immer mehr…

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Als wir hier in Bremen 2012 das Phantastival durchführten, überraschte uns ein Film ganz besonders. Bei Hitoshi Matsumotos Film „Symbol“ hatten wir keinen großen Zuspruch erwartet. Zwar hatte uns „Symbol“ allen sehr gut gefallen – weshalb wir ihn unbedingt im Programm haben wollten -, doch er war auch sehr speziell und vor allem zu diesem Zeitpunkt schon drei Jahre alt und kurz zuvor auf DVD veröffentlicht worden. Daher wurde er im kleinen Kino programmiert, während wir im großen Saal die Deutschlandpremiere von „Berberian Sound Studio“ programmiert hatten. Stilecht auf 35mm. Zu unserer Überraschung verirrten sich aber nur eine Handvoll Interessierte in „Berberian Sound Studio“, während die „Symbol“-Vorstellung gut gefüllt war. Ein Erfolg, den der surreale, rätselhafte, zugleich aber auch sehr komische „Symbol“ absolut verdient hat. Nach „Symbol“ drehte Matsumoto dann den für ihn eher untypischen, da stringent erzählten „Saya Zamurai“ der hierzulande leider trotz hervorragender Kritiken leider vollkommen unterging. 2013 meldete er sich mit „R100“ zurück, welcher nun mit einer Verspätung von drei Jahren nach einem Einsatz beim Fantasy Filmfest hierzulande als Heimkino-Scheibe vorliegt.

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Veröffentlicht wurde „R100“ von dem auf anspruchsvolle Erotik spezialisierten Label Donau Film. Wobei das quitschbunte Cover und der Untertitel „Härter ist besser“ den uneingeweihten Kunden auf die falsche Fährte lockt. Erwartet man doch eine überdrehte Komödie oder zumindest einen bunten, spekulativen Film aus der japanischen S/M-Szene. Gleich die ersten Bilder des Films dürften den Zuschauer ernüchtern. Matsumoto hat konsequent die Farbe in seinem Film eliminiert. Alles ist in einen krank und trist wirkenden grün-blauen Schleier getaucht. So trostlos wie die Bilder ist auch das Leben des Protagonisten Takafumi Katayama, der von Nao Ōmori als Aller-Ego Matsumotos  gespielt wird. Er trifft sich mit einer unbekannten Schönen im langen Mantel in einem Restaurant. Er langweilt sie mit seinen Gesprächs-Themen, da steht sie auf und tritt ihm ins Gesicht. Später soll sie ihn draußen noch eine Steintreppe hinunterstoßen, woraufhin sich sein Gesicht verzerrt und seine Augen sich alienartig vergrößern. Dann kehrt Takafumi wieder in seine tägliche Routine zurück, wird wieder ein kleines Rad in der großen Maschine. Ebenso, wie Matsumotos Film nie zu kräftigen Farben zurückkehrt, so wird Takafumi bis zum Ende keine wirkliche Erlösung gegönnt. Erst die merkwürdigen Schlussbilder zeigen ihn plötzlich glücklich… und hochschwanger. Wie also schon in „Symbol“ überlässt es Hitoshi Matsumoto dem Zuschauer, aus den seltsamen letzten Minuten des Filmes selber einen Sinn zu erschließen. Oder es eben zu lassen.

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Hitoshi Matsumoto ist Teil des in Japan ungemein erfolgreichen Komiker-Duos „Downtown“. In der Paarung mit seinem Partner Masatoshi Hamada übernimmt Matsumoto dabei die Rolle des bloke, also desjenigen, der unter den Schlägen und herablassenden Gemeinheiten seines Partners leidet. Matsumoto bezeichnet Hamada als „Sadist“ und beschreibt sich selber als „Masochist“. So dass der Gedanke naheliegt, dass er „R100“ auch als Schlüsselfilm angelegt hat, in dem er symbolisch seine Erfahrung im Entertainment-Geschäft beschreibt. Wo er auch indirekt einen unkündbaren Vertrag mit einem Sado-Maso-Club eingegangen ist, der ihm zwar Freude bereitet, aber auch auf sein Privatleben übergreift. Wenn man im Netz über Hitoshi Matsumoto Privatleben liest, erfährt man, dass er – trotz seiner Heirat mit einer bekannten Fernsehansagerin – dies doch immer nur sehr distanziert beschreibt und weitgehend unter Verschluss hält. Vielleicht spielt in „R100“ ja die Furcht mit, dass sein öffentlicher Erfolg, sein privates Leben bedroht. Und die unglaubliche Hünin aus den USA (dargestellt von der 2.04 Meter großen Lindsay Hayward) Hollywood repräsentiert, welches ihn verschlingen wird, sollte er sich zu sehr an „Bondage“ binden. Hier hat dann auch der Name „Bondage“ eine durchaus zweideutige Bedeutung. Für diese Lesart spricht die zweite Ebene des Filmes, in der Produzenten und Kritiker sich „R100“ ansehen und sich in den Pausen immer wieder ratlos darüber unterhalten, auf Handlungslöcher und Logikfehler hinweisen. Und ist der Regisseur, der im Film seinen „R100“ gedreht hat, am Ende nicht deshalb so glücklich und zufrieden, weil er sich in den Zwängen seiner „Bondage“-Filmindustrie die Freiheit genommen hat, seine ganz eigene Geschichte zu drehen, ohne dass es jemand merkt? Zumindest niemand, der nicht an seiner Stelle ist. „R100“ bezieht sich nämlich auf die japanische Altersfreigabe und der Regisseur ist der einzige, der das erforderliche Alter von 100 bereits erreicht hat.

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„R100“ ist der eigenwillige Film, den man von Hitoshi Matsumoto erwartet. Wer schreiende Komik oder gar Erotik erwartet, wird bei diesem eher trostlosen, ruhigen Film enttäuscht sein. Doch wer sich auf „R100“ einläst, wird mit einem immer weiter eskalierenden surealen Albtraum belohnt, welcher auch als augenzwinkernde, autobiographische Metapher für die Person Matsumoto funktioniert.

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Da der Film bewusst in einem farbentsättigten grün-braunen, körnig-„schmutzigen“ Look gehalten ist, kann über die Bildqualität keine richtige Aussage getroffen werden. Man kann aber davon ausgehen, dass es von diesem Film auch nirgendwo eine besser aussehende DVD geben wird. Der Ton kommt zum größten Teil aus den vorderen Boxen, Surround-Effekte gibt es so gut wie nicht. Wie so häufig bei japanischen Filmen ist der Originalton zu bevorzugen. Die deutschen Untertitel sind verständlich und gut lesbar, die deutsche Synchronisation eher schwach. Sehr enttäuschend ist das Fehlen jedweden Bonus-Materials, sieht man einmal von zwei Original-Trailern und einem TV-Spot ab. Gerade bei „R100“ wäre beispielsweise ein Interview mit dem Regisseur hochspannend gewesen. So enthält die britische DVD ein „Making Of“ und eine Q&A, die sicherlich auch der deutschen Veröffentlichung gut zu Gesicht gestanden hätte. Sehr schade. Der Film selber ist übrigens ab 16. Der dicke, rote FSK18-Hinweis muss sich dementsprechend auf einen auf der Scheibe enthaltenen Trailer beziehen. Zusammen mit dem unpassenden Untertitel ein leider sehr irreführender Marketing-Trick.

2. Filmfest Bremen – 24./25. September im Cinemaxx

Von , 22. September 2016 21:14

ffb2016Filmfestivals gibt es viele. Fast immer sind sie nach der Stadt benannt in der sie stattfinden. Doch beim „Filmfest Bremen“ ist der Name gleich dreifach Programm. Denn hier werden ausschließlich Filme gezeigt, die von oder mit Bremer Filmschaffenden realisiert wurden, Filme über Bremen und Filme mit Bremen als Drehort. Vergangenes Jahr fand das Festival das erste Mal statt und war scheinbar ein voller Erfolg, denn in diesem Jahr gibt es nicht nur eine zweite Auflage, sondern des wurde sogar noch verlängert. Das 2. Filmfest Bremen geht ein ganzes Wochenende lang und zwar vom 24. bis zum 25. September 2016. Dann werden im Bremer Cinemaxx Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentationen, Experimentelles und neue filmische Formate gezeigt.

Moderiert wird das Filmfest in diesem Jahr von Jessica Bloem (Radio Bremen) und Malte Janssen (Radio Bremen). Alexandra-Katharina Kütemeyer (geschäftsführende Redakteurin des Weser-Kurier) moderiert das Panel »Netzflimmern« beim Symposium Fokus Bremer Film. Entstanden ist die Idee des Filmfests aus der gemeinsamen Arbeit Bremer Filmschaffender. Am Anfang standen Ilona Rieke vom Filmbüro Bremen e. V. und Matthias Greving und Mike Beilfuß (nebenbei ehemaliger Chef-Redakteur des wunderbaren Filmmusik-Magazins „Cinema Musica„, welches ich immer gerne mal mitgenommen hatte, als es noch im Bahnhofsbuchhandel erhältlich war) von der Produktionsfirma Kinescope Film. Alle drei waren sich einig, dass es neben den bereits bestehenden Plattformen zur Vernetzung von Bremer Filmemachern auch eine öffentliche Werkschau geben müsste, um den Bremer Film einem breiteren Publikum vorstellen zu können.

Das Filmfest beginnt am Samstag um 12:00 Uhr mit dem Symposium Fokus Bremer Film: „TALENT CORNER – Die nächste Generation Bremer Filmemacher/Innen stellt sich vor“. Offizieller Beginn ist um 19:00 Uhr mit dem Dokumentarfilm „Die Prüfung“. Es folgen mit „Als Hollywood in der Heide lag“ ein weiterer Dokumentarfilm, das Ergebnis des 48-Stunden-Filmwettbewerbs und ab 24:00 die lange Kurzfilm-Nacht zum Thema „Raumfahrt“.Am nächsten Tag geht es mit dem Klassiker „Ein Platz an der Sonne“ von 1951 weiter. An George Stevens‘ Drama mit Montgomery Clift, Elizabeth Taylor und Shelley Winters war der Bremer Hans Dreier für das Szenenbild verantwortlich. Gezeigt wird eine 35 Millimeter-Kopie. Wow! Ich wusste gar nicht, dass das Cinemaxx noch entsprechende Projektoren hat. Finde ich super! Danach noch eine Spielfilm: „Yarden/The Yard“ und die Musik-Doku „I’ll Play For You“ über die polnische Geigerin Wanda Wilkomirska, die auch anwesend sein wird. Weiter geht es mit Kurzfilmen und dem Missbrauchs-Drama „Die Hände meiner Mutter“ von Florian Eichinger mit Jessica Schwarz, welches auch gerade auf dem Filmfest in Oldenburg lief. Eine letzte Runde Kurzfilme schließt das Festival dann ab.

Weitere Infos gibt es hier.

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