Blu-ray-Rezension: “Karate, Küsse, blonde Katzen“

Auf dem Weg nach Australien werden fünf Engländerinnen von chinesischen Piraten entführt und an den Menschenhändler Chao verkauft. In dessen Palast sollen die Fünf in diversen Liebestechniken ausgebildet werden, und später als dann teuer verkauft werden. Im Palast befindet sich aber auch das Mädchen Ko Mei Mei, die Chaos Bande infiltriert hat und zusammen mit ihrem Bruder Ko Pao vernichten will. Heimlich bringt sie den fünf Engländerinnen geheime Kampftechniken und Kung Fu bei.

In der Mitte der 70er Jahre versuchten die Shaw Brothers mithilfe von Koproduktionen zu expandieren. Das bekannteste (und populärste) Beispiel dürfte „Die sieben goldenen Vampire“ mit den britischen Hammer Studios sein, die Gothic Horror um Dracula mit den chinesischen „hüpfenden Vampiren“ und Martial Arts verband. Die ungewöhnlichste Kooperation ist allerdings die zwischen den Shaw Brothers und der Rapid-Film von Wolf C. Hartwig, die vor allem mit ihrer höchst erfolgreichen „Schulmädchenreport“-Reihe assoziiert wird. Aus diesem Grunde wird „Karate, Küsse, blonde Katzen“ auch häufig auf „Karate-Schulmädchen“ reduziert. Dabei war die Verbindung Shaw Brothers – Rapid-Films eine sehr viel naheliegendere als Shaw Brothers – Hammer. Denn die Rapid-Film hatte seit Mitte der 60er einige recht erfolgreiche „Hongkong-Filme“ realisiert. Oftmals direkt vor Ort gedrehte Abenteuer-Thriller-Gangster-Geschichten. Angefangen mit „Heißer Hafen Hongkong“ (1962) von Jürgen Roland über „Die jungen Tiger von Hongkong“ (1969) vom „Karate, Küsse, blonde Katzen“- und „Schulmädchen-Report“-Regisseur Ernst Hofbauer bis zu „Das Mädchen von Hongkong“ (1973), den wiederum Jürgen Roland inszenierte. Insgesamt trugen gleich fünf Rapid-Film-Produktionen das Wort „Hongkong“ im Titel, noch mehr wurden in Hongkong oder anderswo in Asien – häufig auch von Hofbauer – gedreht.

Mit den „Schulmädchenreport“-Filmen hat „Karate, Küsse, blonde Katzen“ nur in soviel etwas zu tun, als dass hier auf Nacktheit, teilweise ziemlich alberner Humor und vor allem eine besonders schmierige Synchro gesetzt wurde. Diese Synchronisation ist heute nicht mehr unproblematisch, da teilweise hoch rassistisch und anderen Kulturen gegenüber höchst despektierlich. Ebenfalls Bauchschmerzen verursachen die Sprüche der Brenda, welche die Situation dahingehend herunterspielt, dass sie sich schon über die drohenden Vergewaltigungen freut, um es „denen mal so richtig zu besorgen“. Das kennt man auch aus diversen Jess-Franco-Frauengefängnis-Filmen, wo solch eine Rolle häufig von Peggy Markoff gespielt wurde. Der Humorteil ist, wie gesagt, sehr albern. Da setzt die Brenda häufiger mal ihren Allerwertesten ein, um Leute auszuknocken. Nachdem die Mädchen verkauft wurden, werden die Käufer als lächerliche, dicke Menschen oder mit absurden Zähnen gezeigt. Dies ist allerdings auch einer Merkmal der Hongkong-Komödien, die sehr häufig ebenfalls einen schrecklich infantilen Humor haben. Von daher mag man dem Duo Hartwig-Hofbauer hierfür vielleicht keine Vorwürfe machen.

Erwartet man, dass Rapid Film seine Stamm-Schulmädchen-Darstellerinnen schicken würde, so ist man durchaus überrascht. In der Rolle der Brenda die Engländerin Gillian Bray zu sehen, die ansonsten nur in einigen italienischen Produktionen zu sehen war. Die weiteren Damen (bei denen die Qualität der Darstellungen sehr heterogen ist, sodass die Meisten von ihnen leider zu reinen Ausstattungsstücken verkommen) werden von Schauspielerinnen mit englisch klingenden Namen gespielt. Da diese allerdings hier ihren einzigen oder zumindest einen der wenigen Auftritte haben, kann nicht 100% verifiziert werden, ob es sich hier nicht doch auf Deutsche handelt. Zumindest „Deborah Ralls“ hatte laut IMDb zuvor einen „uncredited“ Auftritt in „Schulmädchen-Report Teil 7“. Einzig Hauptdarstellerin Sonja Jeannine kann eindeutig als Wienerin identifiziert werden. Sie hatte davor und danach ebenfalls in diversen „Reportfilmen“ mitgespielt, aber auch in „Zinksärge für die Goldjungen“ und später hatte sie die weibliche Hauptrolle in dem Italo-Western „Mannaja – Das Beil des Todes“ von Sergio Martino mit Maurizio Merli. Sonja Jeannine macht ihre Sache in „Karate, Küsse, blonde Katzen“ ausgesprochen gut und zeigt sich als einzige der europäischen Darstellerinnen-Riege als recht talentiert und sportlich in Sachen Martial Arts.

Auf der chinesischen Seite ist Hui-Ling Liu als Ko Mei Mei zu sehen, die hier noch ganz am Anfang einer langen Karriere im Martial-Arts-Filmen der Shaw Brothers stand. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt allerdings Ti Hua Ko als lesbische Tiao Tao Fu. Mit weiß geschminkten Gesicht und schwarz-braun gefärbten Augenringen wirkt sie wie ein Geist aus einem japanischen Horrorfilm. Und genauso tödlich. Da ist es sehr schade, dass sie nur eine beschränkte Anzahl von Auftritten hat und letztendlich viel zu früh aus der Handlung entfernt wird. Als Held Ko Pao bleibt Hua Yueh leider recht blass.

Neben dem Routinier Ernst Hofbauer, wurde der Film auch auf Shaw-Brothers-Seite von dem großartigen Kuei Chih-Hung inszeniert. Über Kuei Chih-Hung und seine hoch empfehlenswerten Filme lass ich einst das erste Mal in der wunderbaren „Absurd 3000“. Kuei Chih-Hung hat in den 80ern einige der beeindruckendsten und finstersten Horrorfilme der Shaw Brothers gedreht, wie „Boxer’s Omen“, „Corpse Mania“ oder „Hex“. Aber auch vorher war er für den düsteren Teil des Shaw Brothers Output zuständig. So z.B. für den tollen „Der gnadenlose Vollstrecker“, der ebenfalls in der filmArt Shaw Brothers Collector’s Edition als Nr. 5 erschienen ist (Rezi hier). Wer hier was gedreht hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Die Vermutung liegt aber nah, dass Kuei Chih-Hung zuerst für die Kampfszenen verantwortlich war. Es gibt aber in „Karate, Küsse, blonde Katzen“ auch einige sehr stimmungsvoll inszenierte Szenen, die tatsächlich an Werke wie „Der gnadenlose Vollstrecker“ denken lassen. Und eine Szene, in der die Damen dem Käufer einer der ihren eine schon blau angelaufene Leiche ins Bett legen (eine Szene, die sich nur noch erahnen lässt, da sie scheinbar geschnitten wurde) würde auch gut zu Kuei Chih-Hung passen. Tatsächlich fügen sich aber die von Hofbauer und Kuei Chih-Hung gedrehten Szenen erstaunlicherweise zu einem Ganzen, ohne dass allzu große Brüche sichtbar werden. Und da beide ihr Handwerk verstehen (Hofbauer hat außer den „Schulmädchenreport“-Filmen ja noch sehr viel mehr gedreht, vornehmlich im Thriller- und Abenteuerfilm-Bereich), ist „Karate, Küsse, blonde Katzen“ zwar immer noch ein kleines Kuriosum mit allerlei Fehlern und Schwächen, aber insgesamt ein sehr ansehnlicher und unterhaltsamer Film geworden.

Die Nummer 12 der Shaw Brothers Collector’s Edition war bereits in einer schönen DVD-Auflage von Camera Obscura erhältlich. Hier nun liegt der Film erstmalig in HD vor. Wie die Camera-Obscura-DVD soll auch diese Fassung leicht in der Handlung geschnitten sein. An einer Stelle merkt man auch deutlich, dass etwas fehlt (die oben angesprochene Szene mit der Leiche im Bett). Doch genaues weiß man nicht, einen detaillierten Schnittbericht habe ich nicht gefunden. Geht man nach der OFDb, so fehlen wahrscheinlich zwei Minuten mit fünf Schnitten, die damals bereits aus der Kinofassung entfernt werden mussten, um ein FSK18 zu erlangen. Das Bild ist wieder auf dem gewohnt hohen filmArt-Niveau. Als Tonspur kann man nur die deutsche Synchronfassung auswählen. Schade, eine Version in Mandarin wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Als Bonus sind die deutsche Super-8-Fassung des Filmes und ein Booklet mit Aushangfotos und zeitgenössischem Werbematerial dabei.

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