Der 19. Bremer Filmpreis geht an… Hape Kerkeling?!?!?

Bruno Ganz, Agnes Varda, Tilda Swinton, die Brüder Dardenne, Ken Loach, Lars von Trier, Ulrich Seidl, Bela Tarr, Hape Kerkeling. Was haben diese Personen gemeinsam? Sie sind alle Träger des Bremer Filmpreises. Dieser wurde bis 2017 als Kooperation der Sparkasse Bremen mit dem Kommunalkino Bremen vergeben. Die letzten Jahre waren schon schwierig. 2014 ging der Preis noch an die wunderbare Sylvie Testud. 2015 an die schweizerischen Filmproduzentin Ruth Waldburger, 2016 wurde der Preis gar nicht verliehen, 2017 noch der russische Filmhistoriker Naum Kleiman. Die letzten beiden Preisträger sind sicherlich keine Menschen, die außerhalb eines kleinen Zirkels bekannt sind. Also nicht unbedingt Preisträger, die für Schlagzeilen gut sind. Und wie heißt es so schön: Der Preisträger schmückt den Verleihenden mehr als der Preis den Preisträger. 2018 zog sich das Kommunalkino leider aus organisatorischen Gründen zurück.

Nun hat die Sparkasse einen neuen Kooperationspartner gefunden: Das Filmfest Bremen. Und der diesjährige Preisträger heißt: Hape Kerkeling. Ich mag Hape Kerkeling. Ich finde ihn unheimlich sympathisch; viele Sachen, die er gemacht sind großartig und sein Kinofilm „Kein Pardon“ in meinen Augen ein unterschätztes Kleinod. Ich gönne ihm von Herzen alle Preise dieser Welt. Aber was macht das aus dem Bremer Filmpreis? Hape Kerkeling ist sicherlich ein wunderbarer Komiker, der in manchen Dingen auch Pionierarbeit geleistet hat – im Fernsehen und auf der Bühne! Wie sieht es in Sachen KINO aus? Ganze sechs Credits als Schauspieler: Eine Nebenrolle als Showmaster in dem heute vergessenen Film „Vorwärts“ von 1990. Hauptrolle in dem erwähnten „Kein Pardon“. Synchronsprecher in der Deutschen Kinderfilmanimation „Tobias Totz und sein Löwe“. Hauptrolle in „Samba in Mettmann“. Hauptrolle in „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“. Zur sechsten Rolle komme ich gleich. Des weiteren: Regie bei „Kein Pardon“, Drehbuch für „Samba in Mettmann“ und „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“, sowie die Buchvorlagen zu „Ich bin dann mal weg“ und dem sehr schönen „Der Junge muss mal an die frische Luft“. Okay, er ist auch die Synchronstimme vom „Kung Fu Panda“ und Olaf den Schneemann aus „Die Eiskönigin“, was er beides sehr, sehr gut macht. Und halt: Er spielt – nachdem er sich 2014 aus der Öffentlichkeit zurück zog – jetzt noch einmal in Joseph Vilsmaiers Komödie „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ mit, der eigentlich am 11. Februar in den Kinos hätte starten sollen.

Aha! Da kann man schnell 1 und 1 zusammenzählen. Das Filmfest brauchte ein passenden, „komischen“ Preisträger für seinen Preis. Am Besten mit Bremen-Bezug. Und jemand, dessen Name für Schlagzeilen sorgt. Vorletztes Jahr wurde ja auch ein „Große Preis des Filmfest Bremen“ aus den Hut gezaubert, mit dem man Filmfestgast Caroline Link medienwirksam beehren konnte. Und auch der Vilsmaier-Film braucht sicherlich ein wenig Werbung, wo die Kinos ja noch dicht sind. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der beim sich auf „Humor und Satire“ spezialisierten Bremer Filmfest laufen wird. Abgedreht ist er ja schon 2020 und sollte ursprünglich im letzten November starten. Und ein gutes Zugpferd ist der letzte Film des im vergangenen Jahr leider verstorben Joseph Vilsmaier ja sicherlich auch. Und wenn man dann noch einen prominenten Gast bekommen kann, umso besser.

Eine Win-Win-Situation, an der soweit auch nichts einzuwenden ist. Kann man so machen, und wird auch immer wieder so gemacht. Alles gut. Worum es mir nur geht: Durch so einen offensichtlichen Stunt wird der Bremer Filmpreis völlig entwertet. Dieser stand immer für besondere Leistungen im Europäischen Film (siehe Preisträger/Preisträgerinnen oben). Und wenn ich auch nicht mit jedem Preisträger/Preisträgerin konform ging, so konnte ich die Begründungen der fach- und sachkundigen Jury jederzeit nachvollziehen. Die Ehrung von Hape Kerkeling mit diesem Preis für sein „Gesamtwerk“ leider überhaupt nicht.

Warum ist man nicht beim „Großen Preis des Filmfest Bremen“ geblieben? Das wäre absolut okay gewesen, weil der neu ist und für „für besondere filmische Verdienste für Humor und Satire“ verliehen wird. Weshalb musste man unbedingt den renommierten und mit einer gewissen Geschichte aufgeladenen Bremer Filmpreis für so etwas nehmen? Ach ja, um die Sparkasse als Sponsor an Bord zu bekommen. Schon verstanden. Trotzdem traurig.

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