Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2020

Was für ein seltsames Jahr. Nein, keine Angst, ich werde jetzt nicht seitenweise über Covid-19 schreiben. Aber die Pandemie hat natürlich vieles beeinflusst. Beispielsweise die Filmfestivals. Normalerweise wäre ich im November in Braunschweig gewesen. Oder hätte zumindest mal einen Tag beim Bremer Filmfestival vorbei geschaut. Aber das eine fand lediglich Online statt, das andere wurde auf Frühjahr 2021 verschoben. Und Oldenburg war auch nicht das, was ich aus den Vorjahren kannte und liebte. Ja, Festival Online habe ich auch einmal versucht, es ist aber nicht dasselbe und irgendwie eine Dusche mit Regenmantel und Regenschirm. Aber vielleicht liegt das auch an mir.

Immerhin gab es noch zwei Highlights: Einmal den wundervollen Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf, den wir noch mitnehmen konnten (dass die 2021er Ausgabe abgesagt werden musste, schmerzt dafür umso mehr). Hier gab es schon mal einen Vorgeschmack auf die Dinge, die da kommen sollten, als die Vorstellung am dritten Tag aufgrund eines Sturms jeden Moment hätte abgesagt werden können. Wurde sie aber dann doch nicht. Aber die Stimmung war schon seltsam. Im Oktober konnte noch das 11. Delirio-Italiano-Forentreffen stattfinden. Diesmal in Karlsruhe in einem der schönsten Kinos Deutschlands und mit einer wahrhaft exquisiten Filmauswahl. Leider war auch dieses Event von der Pandemie überschattet. Viele konnten nicht anreisen, das Hin- und Her mit dem Beherbergungsverbot war auch nicht schön. Dann hatte mich am Ende der Virus auch noch erwischt, was wirklich keine gute Erfahrung war, und mich auch die Teilnahme an einem Halloween-Abend in unserer ersten Weird-Xperience-Heimat dem City 46 kostete, auf den ich mich sehr gefreut hatte.

Unsere Weird Xperience-Reihe im Cinema Ostertor konnte auch nur sporadisch stattfinden. Aber Stefan und ich haben einen „Ersatz“ ins Leben gerufen und bieten in der Kino-losen Zeit eine Online-Sendung auf YouTube an, wo wir über einst gezeigte Filme, Kino, Bremen und das Leben als Filmverrückte an sich sprechen. Das macht Spaß, aber ist natürlich kein vollwertiger Ersatz für unsere Vorstellungen und den direkten Kontakt mit dem Publikum. Aber immerhin: Das Feedback ist sehr positiv und motiviert uns. Wer Lust hat, kann unseren bislang letzten (und längsten) Beitrag hier schauen: Weird Xperience Bremen Online 07

Weiter mit dem Positiven: Im Sommer habe ich meinen ersten Audiokommentar für die kürzlich veröffentlichte Blu-ray „Hinter den Mauern des Grauens“ von Ostalgica eingesprochen. Zusammen mit dem wunderbaren Lars Johansen. Und für die im Januar anstehende Veröffentlichung „Der rote Schatten“ aus demselben Hause folgte ein Videoessay. Für eine kommende Veröffentlichung habe ich Booklet, Videoessay und Audiokommentar beigesteuert und noch ein weiteres Booklet ist auch schon fertig. Es stehen jetzt noch drei Videoessays aus, und es sieht sehr danach aus, dass es danach noch weiter geht. Darüber freue ich mich natürlich sehr, und ich bedanke mich an dieser Stelle ausdrücklich bei der „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ohne die dies nicht möglich gewesen wäre.

Was den Blog angeht, so sind die Nutzerzahlen auch dieses Jahr wieder leicht um -2,2% und die Seitenaufrufe um -4,6% zurück gegangen. Allerdings gab es 2019 auch einen gewaltigen Ausreißer mit über 800 Zugriffen an nur einem Tag. Den gab es 2020 nicht. Zudem habe ich es 2020 auf nur 67 Beiträge gebracht, das waren im Vorjahr noch 78, also +16% mehr. Vor dem Hintergrund dieser beiden Effekte, würde ich das Nutzeraufkommen auf dem Blog als stabil bezeichnen. Wenn ich mir die Top10-Seiten ansehe, dann merke ich auch wieder „Sex sells“, den die Rezis zu „Django Nudo“, „Die Sex Abenteuer der drei Musketiere“ und „Eine Armee Gretchen“ befinden sich alle zusammen mit dem Stichwort „Ingrid Steeger“ in der Top10. Angeführt wird diese von meiner Ankündigung des Autokinos in Brinkum (also ein Bremisches Thema, was mich freut), gefolgt von der unvermeidliche Rezi zu „Das Ende“, die sich da seit Jahren immer ganz oben tummelt.

Zum Abschluss die obligatorischen Listen. 211 Filme habe ich 2020 gesehen, das sind ganze 34 (!) mehr als im letzten Jahr und damit so viel, wie seit über sieben Jahren nicht mehr. Was teilweise auch Corona-bedingt war, da man abends eben nicht losziehen und andere Dinge machen konnte – und ich während meiner Corona-Erkrankung, als es wieder ging, exzessiv Filme geguckt habe. Was anderes war da auch nicht drin. Nur im Kino bin ich dieses Jahr kaum gewesen. Aber das dürfte ja allen so ergangen sein.

Top 10 aktuelle Filme (Produktionsjahr 2019/2020) – und da die Liste sehr kurz ist, auch noch mit Filmen, die 2018 produziert wurden, aber erst 2020 im Kino liefen

1. Jojo Rabbit* (Taika Waititi, 2019)
2. The Nightingale* (Jennifer Kent, 2018)
3. Shorta* (Frederik Louis Hviid, Anders Ølholm, 2020) – meine Besprechung
4. American Thief* (Miguel Silveira, 2020) –meine Besprechung
5. Jam* (Sabu, 2018)
6. Midsommar (Ari Aster, 2019)
7. Onward* (Dan Scanlon, 2020)
8. Color Out of Space* (Richard Stanley, 2019)
9. After Midnight (Jeremy Gardner, Christian Stella, 2019) – meine Besprechung
10. Tenet* (Christopher Nolan, 2020)

* im Kino gesehen

Top 10 ältere Filme (nur Erstsichtungen)

1. Idi i smotri (Elem Klimov, 1985) – meine Besprechung
2. Madeo (Bong Joon Ho, 2009)
3. Já, spravedlnost (Zbynek Brynych, 1968) – meine Besprechung
4. The Manchurian Candidate (John Frankenheimer, 1962) – meine Besprechung
5. Ostre sledované vlaky (Jirí Menzel, 1966)
6. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Martin McDonagh, 2017)
7. Network (Sidney Lumet, 1976)
8. Ex Machina (Alex Garland, 2014)
9. Pink Floyd: The Wall (Alan Parker, 1982)
10. Long Weekend (Colin Eggleston, 1978)

Ich wünsche allen meinen Lesern frohe, besinnliche und vor allem entspannte Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleibt gesund! Wir lesen/sehen uns wieder in 2021!

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