DVD-Rezension: “King Kong gegen Godzilla“

Von , 25. Januar 2017 20:03

Laut einer alten Legende aus Okinawa, soll wenn ein schwarzer Berg in den Bergen hoch über die Wolken hinaus ragt, ein Monster auftauchen und versuchen, die Welt zu zerstören. Als diese Prophezeiung eintrifft ist es zum allgemeinen Erstaunen Godzilla, der dort als Weltenzerstörer agiert. Erst zertrümmert Godzilla einige Häsuer, dann bringt er fast seinen alten Kumpel, den Igel-ähnlichen Anguirus, um. Doch schnell ist das Geheimnis gelüftet. Dieser Godzilla ist gar nicht der echte Godzilla, sondern ein riesiger Roboter namens „King Kong“ (zumindest in der deutschen Fassung), der von Außerirdischen hergestellt wurde, um ihnen zu helfen, die Erde zu unterjochen. Da hat die Menschheit Glück, dass bald schon der echte Godzilla auftaucht und sich schließlich zusammen mit Okinawas Schutz-Gottheit King Caesar dem stählernen Unhold stellt…

Im Angesicht der aktuellen Veröffentlichungen in Anolis vorbildlicher Kaiju-Classics-Reihe, fragt man sich ernsthaft, weshalb die 70er-Jahre-Godzilla-Filme solch einen schlechten Ruf besitzen.  Mit „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ (Review hier) im Jahre 1966 übernahm Jun Fukuda die Serie von ihrem Schöpfer Ishirô Honda und passte sie Schritt für Schritt den Sehgewohnheiten des jüngsten Publikums an. Was sich insbesondere in quietschbunten Filme mit nervigen halbwüchsigen Protagonisten niederschlug. Diese „Infantilisierung“ des geliebten Monsters, welches in den ersten Filmen noch eine echte Bedrohung war und nun langsam, aber sicher zum Cartoon-Helden und Kinderfreund mutierte, nehmen ihm viele heute noch sehr übel. Zudem war für Fukuda auch der nervtötende Kinderdarsteller obligatorisch, der dem neuen Zielpublikum als Identifikationsfigur angeboten wurde. Höhepunkt dieser Entwicklung war dann der herrlich kindische „King Kong – Dämonen aus dem All“ (Review hier), der entweder als Tiefpunkt der Serie oder schwer unterhaltsames Monstergekloppe auf Kindergartenniveau – was in diesem Fall gar nicht negativ gemeint ist – angesehen werden kann. Man kann von Fukuda halten was man möchte, seine Filme sind immer hübsch laut, bunt und sprechen das Kind im Manne (Frauen spielen hier immer nur eine stark untergeordnete Rolle) an.


Der schlechte Ruf von „King Kong gegen Godzilla“, gerade auf englischsprachigen Seiten, mag damit zu tun haben, dass der Film Übersee scheinbar eine legendär schlechte Synchronisation verpasst bekam. Demgegenüber werden einem in der deutschen Fassung zwar einige flapsige Sprüche entgegen geworfen, allerdings von sehr gut ausgebildeten und bekannte Sprechern wie Arne Elsholz, Thomas Danneberg oder Michael Chevalier. Für seinen fünften und letzten Godzilla-Film verzichtet Fukuda auf den kleinen, aufgeregten Monsterfreund, was viele Zuschauer sicherlich aufatmen lässt. Worauf er nicht verzichtet ist das ausufernde Spektakel, welches diesmal noch dadurch verstärkt wird, dass die Monster bunte Strahlen verschießen können und so für viele farbenfrohe Explosionen sorgen. Vielleicht dem Umstand geschuldet, dass der Horror- und Monsterfilm generell in den 70er Jahren viel von seiner Unschuld verloren hatte und mit sehr viel drastischeren Bildern aufwartete als es noch 10 Jahre zuvor der Fall war, haben sich in „King Kong gegen Godzilla“ auch einige überraschend blutige Szenen einschlichen, die man so aus der Serie bisher nicht kannte. Da wird Anguirus der Kiefer abgerissen und wenn „King Kong“ Godzilla attackiert, schwappt das Blut nur so aus unsere Helden heraus. Ein Anblick an den man sicher erst gewöhnen muss und der dann erst in der Heisei- und noch mehr in der Millenium-Staffel wieder aufgenommen wurde.


Godzillas Gegner hört in der deutschen Fassung – wie vor ihm schon der Roboter Jet Jaguar – auf den Namen „King Kong“. Ob man in Deutschland – wo der Film am 20. Dezember 1974 anlief – darauf spekulierte, dass er von dem damals erwarteten Erfolg des amerikanischen „King Kong“-Remakes, partizipieren könne oder einfach eine Kontinuität zum Vorgänger herstellen sollte (die 60er Filme waren ja in Deutschland durch einen imaginären „Frankenstein“ im Titel miteinander verbunden) sei dahingestellt. „King Kong“ ist in Wahrheit natürlich einer der populärsten Gegner Godzillas: Mecha-Godzilla. Mecha-Godzilla sollte noch in der Fortsetzung „Die Brut des Teufels“ auftauchen, sowie drei weitere Auftritte in späteren Staffeln haben. Und Mecha-Godzilla macht auch tatsächlich eine Menge Spaß, wie er immer neue Gadgets hervorzaubert und den echten Godzilla schwer zusetzt. Das dritte Monster im Film ist King Caesar, ein Mischung aus Drache und Kuschelhund. Der sieht erst mal lustig aus, hat aber einen durchaus ernsten Hintergrund. Denn King Caesar ist dem Beschützer der Insel Okinawa nachgebildet. Eben diese war bis zwei Jahre vor Dreh des Filmes von den Amerikaner besetzt und zum Armeestützpunkt gemacht worden. Infolge der Besetzung mussten viele Einwohner Okinawas, die eine eigenen Kultur und Sprache haben, zwangsweise nach Japan umsiedeln. Erst 1971 fiel die Insel wieder an Japan zurück. Man muss also nicht besonders stark nachgrübeln, für wenn die affengesichtigen Invasoren aus dem Weltall mit ihrer Superwaffe Mecha-Godzilla stehen. Japan und Okinawa werfen die Invasion zumindest mit vereinten Kräften zurück.


Die Affengesichter, die zum Vorschein kommen, wenn die Außerirdischen ihr Leben aushauchen, erinnern an die „Planet der Affen“-Masken, sehen allerdings sehr viel preisgünstiger aus. Auch fasst man sich als westlicher Zuschauer an den Kopf, wenn der große Showdown durch eine sich endlos ziehende Gesangseinlage hinausgezögert wird. Da wird manch einer gleich die große „Hahaha-Trash“-Keule rausholen. Auch kann man bemäkeln, dass die „böse Aliens wollen die Erde erobern“-Geschichte nach so vielen ähnlich gelagerten Godzilla-Filmen ziemlich ausgelutscht ist. Man kann sich aber auch entspannt zurücklehnen und das unterhaltsame Pulp-Spektakel (inklusive sinisteren und ultracoolen Geheimagenten mit Sonnenbrille und hochgeschlagen Trenchcoat-Kragen in XXL) einfach nur genießen. Denn eines ist der Film nicht: Langweilig. Da ist immer etwas los. Da wird jemand gefangen genommen, ist auf der Flucht oder legt sich mit den Affenmenschen aus dem Weltraum an. Und am Ende haben dann ja auch die Monster ihren großen Auftritt. Mission erfüllt.

Der Ruf der in den 70er Jahren unter der Regie von Jun Fukuda entstanden Godzilla-Streifen mag nicht der beste sein. Tatsächlich sind sie sehr viel bunter, kindischer und lustiger als jene Filme aus den 50er und 60er, für die noch Godzilla-Schöpfer Ishirô Honda verantwortlich war. Wer darüber hinwegsehen kann und sich ein junges Gemüt bewahrt hat, wird aber besonders mit „King Kong gegen Godzilla“ seine Freude haben. Insbesondere, da hier auf nervige Kinderdarsteller verzichtet wurde und mit Mech-Godzilla einer der coolsten Gegner Godzillas seinen ersten Auftritt hat.

Auch der neuste Eintrag in Anolis‘ Kajiu-Classics-Reihe hält das gewohnt hohe Niveau. Auf zwei DVDs liegt sowohl die deutsche, als auch die japanische Fassung des Filmes vor. Wobei sich die Unterscheide allein auf die Titel-Sequenzen beziehen. Ansonsten sind beide Fassungen diesmal identisch. Die Bildqualität ist gut, nur bei einigen wenigen Szenen hat man das Gefühl es könnte auch etwas schärfer sein. Der Ton ist gut und liegt auf deutsch und japanisch vor. Bei den Extras stechen zunächst einmal die drei (!) Audiokommentare hervor. Auf der Scheibe mit der deutschen Fassung findet sich der Audiokommentar von Thorsten Rosemann, in den ich leider noch nicht hineingehört habe. Auf der Scheibe mit der japanischen Fassung kann man Florian Bahr hören, der sehr konzentriert und faktenorientiert vorgeht, dafür aber auch ein Maximum an Informationen bereithält. Der zweite Audiokommentar hier wurde von Jörg Buttgereit, Ingo Stecker und Alex Iffländer eingesprochen wurde. Da geht zwar manches auch mal drunter und drüber, aber er ist auch amüsant, verbreitet gute Laune und wartet auch mit einigen interessanten Anekdoten auf. Weitere Extras sind eine 10-minütige Aufnahme, die Jörg Buttgereit auf einer Godzilla-Convention gefilmt hat, bei der sich jemand als Mecha-Godzilla verkleidet. Dann die alte Super-8-Fassung des Filmes (so etwas mag ich ja sehr gerne). Der deutsche, japanische und italienische Trailer, Werbematerial und eine ausführliche Bildergalerie. Nicht vergessen sollte man auch das sehr schöne und informative 20-seitge Booklet, welches einen Text von Ingo Strecker und ein Interview von Jörg Buttgereit mit dem Spezialeffekte-Mann Teruyoshi Nakano, dem Schöpfer von Mecha-Godzilla, enthält.

Eine Antwort für “DVD-Rezension: “King Kong gegen Godzilla“”

  1. Bluntwolf sagt:

    Sehr treffende Besprechung 🙂

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